Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. Während die Urvölker auf Altbewährtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimbünde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Floh und ihr Ausflug ins Paradies

Taverne Zum Schluckspecht
Die Taverne ist politisch neutrales Territorium und jeder ist hier willkommen, unabhängig von Fraktion oder Abstammung. Der Schluckspecht ist daher ein belieter Treffpunkt für Abenteurer aus aller Herren Länder, um in rustikaler Atmosphäre einen heben zu gehen, Mitrstreiter zu finden oder von hier aus die gemeinsame Reise zu planen.
Benutzeravatar
Floh
Zweitcharakter
Beiträge: 14
Registriert: Mo 14. Mär 2016, 13:00
Auszeichnungen: 1
Guthaben: Gesperrt
Volk: Naridische Goblin
Steckbrief: Bild

Die Handelsallianz

Re: Floh und ihr Ausflug ins Paradies

#11

Beitrag von Floh » Sa 17. Dez 2016, 10:16

Floh war so aufgeregt wie schon lange nicht mehr. Blusen, Hosen und Kleider, die zuvor ordentlich nach Farben sortiert in den Regalen gestapelt waren, landeten eines nach dem anderen auf einem unordentlichen Haufen neben ihrem Schrank, nachdem sie sich dagegen entschieden hatte. Manche waren zu bunt, andere zu gepunktet, wieder andere zu kurz, oder mit zu vielen beziehungsweise zu wenigen RĂĽschen. Was sollte sie bloss anziehen?
Nichts schien ihr gut genug fĂĽr eine Einladung zum Essen, obwohl sie sich ansonsten nicht allzu viel daraus machte, was andere ĂĽber sie dachten.

Im nächsten Augenblick wuselte eine zweite Goblin ins Zimmer, die Floh sehr ähnelte, jedoch etwas grösser gewachsen war, keine Schlappohren besass und hellbraune, kurz geschnittene Haare aufwies. Ausserdem zierten bereits Sorgenfalten ihr Gesicht.
„Ach Finimi Liebling, ich bin sooo stolz auf dich! Eine Einladung von einem richtigen, bodenständigen Goblin. Kein solcher Tunichtgut, der sich nicht auf die wichtigen Dinge im Leben konzentrieren kann. So wie du ihn mir beschrieben hast, muss er ein ehrgeiziger Mann sein. Und es wird auch langsam Zeit, dass du endlich einmal einen ordentlichen Kerl Heim bringst.“
Floh verdrehte hinter dem Rücken ihrer Mutter Dorli die goldgelben Augen. Tatsächlich hatte sie der Goblin von der Begegnung berichtet, da diese ihr sofort angemerkt hatte, dass etwas im Busch war. So hatte sie ihr von dem stattlichen Mann mit der Brille und dem Bart erzählt, was für ihre Mutter auf einen Professor oder Geschäftsmann hindeutete. Die Kleidung war bescheiden ausgefallen, doch gut gepflegt. Die Aussagen, als Kellner in einer Taverne zu arbeiten und ein Cousin von dem grossen Ginimo zu sein, hatte sie ihrer Mutter wohlweislich verschwiegen, da diese wenig von Musikern und Künstlern hielt.
„Ich habe hier noch einen Rock und eine Bluse gefunden, sie würden sich perfekt für ein Abendessen eignen“, stocherte die Frau weiter, worauf Floh hoffnungsvoll herumwirbelte.
Dorli hielt ihr eine weisse Bluse hin, und einen orange-gelb-braun gestreiften Rock, der bis ĂĽber die Knie fiel.
„Das geht doch nicht mit den Haaren zusammen!“, entrüstete sich die jüngere Goblin enttäuscht. Im nächsten Moment lachte sie jedoch fröhlich auf.
„Hilf mir Mutti, wir werden meine Haare einfach dem Rock anpassen!“, dieses Mal war es Dorli, welche die Augen in nur halb gespielter Verzweiflung verdrehte.


So kam es, dass Floh einige Stunden später an der Ecke des „La Vigne“ auf ihren Begleiter wartete. Nervös zupfte sie an ihrem Rock herum und kringelte die Haare ungeduldig um ihren Finger.
Als sie den Goblin schliesslich zügigen Schrittes daherkommen sah, winkte sie ihm freudig zu. Er blickte sie einen Moment irritiert an, was Floh ihm nicht verdenken konnte – vermutlich hatte er einen auffällig pinken Haarschopf erwartet.
Stattdessen begrüsste ihn die Goblin nun mit einer orangen Haarpracht, die zu ihrer Kleidung passte, in einer stürmischen Umarmung wie es sich für Noldis gehörte.
„Guten Abend. Ich glaube, wir haben uns noch nicht einmal richtig vorgestellt beim letzten spontanen Zusammentreffen. Mein Name ist Finimi, doch meine Freunde nennen mich Floh. Wart ihr schon öfters hier?“
Beim Warten hatte sie die Leute beobachtet, welche hier ein und aus gingen. Ihr waren dabei Zweifel gekommen, am richtigen Ort zu sein und sie strich unauffällig ihren Rock glatt.

Schliesslich liess sie sich von ihrem Begleiter ins Lokal hineinführen, wo ein aufmerksamer Almane ihnen die Mäntel abnahm. Floh versuchte ihre Begeisterung und ihr Erstaunen zu verbergen, doch immer wieder blieben ihre Blicke an den eleganten Tischdecken, den verspielten Kronleuchtern und den Gästen in edlen Gewandungen hängen, während ein schlanker Almane sie in einen Teil des Gasthauses führte, der extra für Goblins hergerichtet war.
Dies war kein gewöhnliches Wirtshaus, wo man bunt durcheinandergewürfelt ass und trank und die Goblins oftmals zu den anderen aufzuschauen hatten. Nein, sogar der Kellner, der ihnen nun eine Speisekarte vorlegte und eine Getränkebestellung aufnahm, war ein waschechter Goblin.
„Ich möchte Ihnen noch einmal für die Einladung danken“, plauderte Floh schliesslich verlegen los.
„Es ist lange her, dass ich zum Essen ausgeführt wurde“, im selben Moment röteten sich ihre Pausbacken und sie studierte scheinbar sehr interessiert die Karte. Irritiert wanderte ihr Blick über die Auswahl.
„Kugelfisch Fungu“, „Tausendjährige Eier“ und „Algensalat mit knusprigen Schweinsöhrchen“ waren als Vorspeisen aufgelistet.
„Ähm… also Ihr kennt Euch hier ja gut aus. Welches Menü würdet Ihr mir denn empfehlen?“

Während ihr Gegenüber nun ebenfalls die Speisen musterte, beobachtete Floh ihn eingehender. Seine Ähnlichkeit zum grossen Ginimo war unübersehbar, nachdem sie nun darum wusste. Einzig die Brille, der dichte Bart, die Kleidung und das leicht hervorstehende Bäuchlein hatten sie darüber hinweggetäuscht. Ihre Mutter würde jetzt behaupten, dass es ein Zeichen für Wohlstand sei. Und offensichtlich musste Floh ihr da zustimmen, denn umsonst würde dieses Abendessen nicht sein. Etwas unbehaglich rutschte sie auf ihrem Stuhl herum.
Vielleicht unterstĂĽtzte ja der grosse Ginimo seine Familie mit einem grosszĂĽgigen Zustupf. So musste es sein, ĂĽberlegte Floh.
Sogleich war das Idol ein noch grösserer Held in ihren Augen.
„Arbeitet Ihr vollberuflich als Kellner? Oder studiert Ihr nebenbei?“, hakte Floh schliesslich vorsichtig nach.
Auch ihre Eltern hätten gerne gesehen, wenn Finimi ein Studium abgeschlossen hätte. Doch Architektur war ihr nicht gelegen und so war sie Malerin geworden und arbeitete nun als Kindermädchen. Was für ein Lebenslauf.
Davon erzählte sie dem Goblin besser nichts beim ersten Treffen, auch wenn sie ihre Arbeit mit den Kindern liebte.

Im nächsten Moment kam der goblinische Kellner wieder angewuselt. Einen Moment lang starrte er ihren Begleiter verdutzt an, seine Stirn krauste sich, er wollte etwas sagen, verschluckte seine Worte jedoch und stellte Ihnen stattdessen eine kristallene Karaffe mit süssem Alkohol hin.
„Was darf ich Ihnen zum Essen bringen?“, fragte er schliesslich höflich und sowohl er als auch Floh blickten Ginimo erwartungsvoll an.
Nachdem er mit der Bestellung abgezischt war, konnte sich Floh ein Kichern nicht mehr verkneifen.
„Der hat ausgesehen, als wäre er gerade einem Gespenst begegnet! Eigentlich dachte ich, dass ich hier fehl am Platz sei, aber er war eindeutig von Euch irritiert. Ich frage mich, warum. Vielleicht ist ihm Eure Ähnlichkeit zum grossen Ginimo aufgefallen. Nachdem Ihr mir davon erzählt habt, ist es mir nun auch bewusstgeworden!“
„Wisst Ihr, ich bin ein grosser Fan von Ghul’n’Goblins“, beteuerte sie, während sie vorsichtig an ihrem Glas nippte und ihre Augen funkelten vor Begeisterung.
„Habt Ihr schon vielen Konzerten beigewohnt? Als Cousin habt Ihr bestimmt Zugang zu jeglichen Anlässen. Oh, wie ich Euch darum beneide!“
Avatar: © by Jeelen

Benutzeravatar
Der groĂźe Ginimo
Zweitcharakter
Beiträge: 15
Registriert: Do 14. Jan 2016, 12:18
Auszeichnungen: 1
Guthaben: Gesperrt
Volk: Naridischer Goblin
Kontaktdaten:

Die Handelsallianz

Re: Floh und ihr Ausflug ins Paradies

#12

Beitrag von Der groĂźe Ginimo » Di 27. Dez 2016, 17:22

Ginimo begutachtete sein Gesicht im Spiegel.
"Dieser alberne Bart sieht echt dämlich aus. Vielleicht sollte ich ihn abnehmen. Ich hasse Bärte!," sagte der kleine Grünling zu sich selbst, während er sich weiter anglotzte.
Kurz nahm er sich den lästigen Haarwuchs aus seinem Gesicht entschied sich dann aber ihn wieder zu befestigen.
Ich sehe mir selbst zu ähnlich, dachte er sich nur.

Also musste er ihn irgendwie befestigen, denn während des Essen würde ihn sein Date wahrscheinlich genauestens beobachten und dabei würde ihr auffallen, dass der Bart bloß durch ein Band befestigt war.
Kurz nachdem er sich mit Floh an jenem Tag verabredet hatte, war er nochmal zum Markt gelaufen und hatte sich bei einem Apotheker eine Mixtur namens "Super-Klex" geholt. Ein Klebstoff mit dem man angeblich alle möglichen Sachen an den "unmöglichsten Stellen" befestigen konnte. Er hatte sich überlegt den Bart dahingehend zu einem Schnauzbart zu stutzen, sodass er den Schnauzbart nur an drei Stellen oberhalb der Lippe befestigen musste.

Genau das tat dann auch der Goblin. Er positionierte sich seitlich zum Waschbecken, während er zwei, drei Tropfen oberhalb seiner Oberlippe heruntertropfen ließ. Solange sie flüssig waren, befestigte er den Schnauzbart an den drei Tropfstellen. Er grinste in den Spiegel und schüttelte den Kopf:
"Verdammt sieht das ScheiĂźe aus."
Dann stopfte er sich noch ein kleines Kissen unter sein Hemd und zog sich seine Brille auf. Während er sich weiter im Spiegel betrachtete machte er Scherze mit sich selbst. Er konnte sich mit dem Outfit nicht ganz ernst nehmen:

"Na, auch allein hier? Du Schnuckelchen."
"Heute Abend schon was vor?,"
"Ey! 2,50 Goblinkronen fĂĽr die Nacht. Haste Bock?"

Er lachte freudig, zog eine Weste ĂĽber das Hemd, und richtete den Kragen.
AbschlieĂźend band er sich eine Krawatte, um den Hals und sah nun, wie einer dieser Kammerdiener oder vornehmen Kellner aus.
Ganz im Sinne dessen, wie er sich bei Floh vorgestellt hatte.

Als er den Raum gerade verlassen wollte, denn die Zeit war schon reif, schaute er betrübt auf seinen sonst so geliebten Hut, der sonst immer auf seinem Schädel platziert war.
"Heute bleibst du leider hier," rief er ihm zu. Er schnappte sich seine Geldbörse und schaute sich dann abschließend nochmal um, ob er nicht etwas vergessen hätte. Dann schloss er die Tür ab und machte sich auf dem Weg zum Lokal. Er hatte keine Kosten gescheut und einen Kutscher für den Abend angeheuert. Dieser sollte ihn zum vereinbarten Treffpunkt bringen.

Die Fahrt verlief ohne Probleme. Als er das Lokal erreichte, stand die Dame vor dem Lokal und wartete auf Ginimo. Erstaunt erschrak er kurz, als er ihre orangen Haare vernahm. Bin ich irre oder hat sie sich tatsächlich die Haare gefärbt?
Doch sie ist es. Ohne Frage, auch wenn sie ganz anders aussieht.
Da der Noldis war, umarmte sie den Goblin stürmisch. Ginimo war ein herzhafter Mensch und hatte damit keine Probleme. Er erwiderte die Umarmung und hörte der Dame zu, als sie sich vorstellte.

Als sie mit ihrer kurzen Vorstellung endete, war Ginimo dran seine erlogene Geschichte auf den Tisch zu bringen. Er hatte sie gut einstudiert und sich Notizen in seine Jackentasche gestopft, falls sie ihn zu ein paar Details ausfragen wollte. Dann wĂĽrde er sich einfach zur "Toilette" (ein Ort des Stuhlgang in diesem Lokal fĂĽr den feinen Herrn) begeben und dort seine Notizen studieren.
Alles war sorgfältig geplant, denn Ginimo war nicht gut im Lügnen. Da musste er sich schon vorher alle Lügen zu Recht legen, sonst würde seine ganze Maskerade auffallen.

"Ich bin Jorix vom Dalkrede-Clan, " stellte er sich vor.
"Ich speise hier gelegentlich."

Während ihre Mäntel abgenommen wurden und ihnen der Weg zum goblinischen Teil des Gasthauses gezeigt wurde, schwiegen die Beide.
Als sie schlieĂźlich saĂźen, plauderte Floh auch wieder. Scheinbar hatte sie sich in Anwesenheit der Kellner nicht getraut frei zu sprechen. Doch nun, wo sie einen Moment fĂĽr sich allein hatten, traute sie sich das Wort zu erheben.
"Ja, sicher. Mit Freuden! Eine solch hĂĽbsche Dame sollte man jeden Abend zum Essen ausfĂĽhren," sprach der Goblin selbstbewusst und charmant.
"Mir entging nicht Eure gewechselte Haarfarbe. Sie passt hervorragend zu Eurer Kleidung."

Ginimo entschied sich für den Schweinebraten eingelegt im gorgonzolischen Schokaladeneintopf. Eine wahre Kalorienbombe. Da der Goblin heute aber nur ein Stück Brot und Käse zum Frühstück hatte, kam ihm dieser Kalorienschock gerade recht.
"Ihr kombiniert das Menü noch Eurem Belieben. Alle Speisen sind vorzüglich. Seht...", Ginimo rückte etwas näher nahm ihre Hand von der Karte und erklärte:
"Kategorie 2-7 sind die Hauptspeisen. 2 ist gut mit 3 kombinierbar. 4 mit 2 und auch 6 mit 2. Jedoch 5 mit 3 nicht, da hier zuviel Gewürze verwendet werden. 6 und 4 sollte man nicht komibinieren. Kategorie 8 und 9 sind ausschließlich Nachspeisen. Da ich davon ausgehe, dass wir traditionell goblinisch essen. Daher könnt ihr Kategorie 1 die Vorspeisen ausklammern," Ginimo blätterte um.

"Ich studiere nicht. Ich arbeite mein ganzes Leben. Zum Lernen bleibt da keine Zeit. Ich lernte den Beruf des Kammerdieners, doch aktuell ist die Joblage etwas desolat, sodass ich mich mit einer einfachen Kellnertätigkeit zufrieden gebe."
Als der Alkohol gebracht wurde und die Bestellung aufgegeben wurde, unterhielten sie sich weiter.
"Achja Ghuls n Goblins. Ich finde sie überbewertet. Auch den großen Ginimo. Er ist doch in allem was er macht, immer noch sehr amateurhaft. Ich weiß gar nicht, was die Leute an ihm finden. Er ist nicht schlecht, doch es gibt eine Reihe von Künstlerin, die besser sind. Man schaue sich mal "die geflügelten Boten des Todes" an. Erst neulich hörte ich ihre neueste Komposition. Ach, was für eine Arie fürs Herz! Davon kann sich Ginimo eine Scheibe abschneiden," erzählte Ginimo.

"Was haltet Ihr Ali Gammelghul und von seiner rakshanischen Flöte? Erst neulich sprach ich mit meinem Cousin darüber, dass er sie häufiger in seinen Kompositionen verwenden sollte. Denn der Klang ist einzigartig und Ali beherrscht die Flöte wie kein Zweiter. Zumindenst kenne ich niemanen, der sie besser spielen könnte," sagte er.

"Achja und Zakrok Lautentod? Ein wahrhaft lustiger Knabe. Aber mehr ein BĂĽhnenmensch. Seine Fingerfertigkeit ist gut, doch der VerschleiĂź an E-Lauten nimmt langsam neurotische ZĂĽge an..."
"Es schwinden jedes Kummers Falten,
solang des Liedes Zauber walten."

Benutzeravatar
Floh
Zweitcharakter
Beiträge: 14
Registriert: Mo 14. Mär 2016, 13:00
Auszeichnungen: 1
Guthaben: Gesperrt
Volk: Naridische Goblin
Steckbrief: Bild

Die Handelsallianz

Re: Floh und ihr Ausflug ins Paradies

#13

Beitrag von Floh » Sa 31. Dez 2016, 17:10

Floh war sich Komplimente nicht gewohnt, am meisten davon erhielt sie noch von ihren Ziehkindern, wenn sie sich die Zeit damit vertrieben, lustige Dinge zueinander zu sagen („Du hast hübsche Hasenohren“ und „Deine Haare sehen aus wie Erdbeerbonbons“, waren noch die niedlichsten darunter). Vor Allem ihre Frisur war ständig ein Grund sich mit ihrer Mutter zu zanken, welche sich oft darüber beklagte, dass Floh nicht dem gängigen Bild einer Goblin entsprach.
Und ausgerechnet fĂĽr ihre Haarfarbe hatte der charmante Mann ein Lob ĂĽbrig!
Und als er sogar noch bemerkte, dass sie sich an der Farbgebung des Kleides orientierte, hätte Floh ihn am liebsten auf der Stelle geheiratet.
Stattdessen errötete sie von der Nasenspitze bis zu ihren Schlappohren und bedankte sich mit einem strahlenden Lächeln für seine Worte.
„Und Ihr habt Euren Bart gestutzt! Ihr seht so viel jünger aus. Also nicht, dass Ihr vorher alt ausgesehen hättet… also, es betont Euer Gesicht vorteilhaft“, sprudelte sie verlegen hervor.
„Meine Mutter Dorli würde jetzt sagen, dass es 1000 Gründe gibt, eine Frau nicht jeden Abend auszuführen. Zu der Tatsache hin, dass eine Mahlzeit zu Hause weniger kostspielig und zeitaufwendig ist, würde sie behaupten, dass die Frau das Kochen ja noch verlernen würde.“
Doch vermutlich wäre es ihr Recht, wenn Floh jeden Abend von einem Herrn ausgeführt würde, wenn sie dadurch nur endlich unter die Haube kommen sollte. Und um ihre Kochkünste wäre es auch nicht schade, denn diese beschränkten sich hauptsächlich auf Süssgerichte aller Art.

Finimi war froh, dass Jorix ihr mit der Speisekarte behilflich war. Dabei nahm sie seine Nähe wahr, als er aufrückte und sich gemeinsam mit ihr über die Auswahl beugte. Wann war ihr ein männlicher Goblin das letzte Mal so nah gekommen?
Vermutlich als sie vor einem Jahr an den Windpocken erkrankt war und zu einem Priester musste, der ihr eine fiese Spritze verpasste. Schnell schob sie den Gedanken beiseite.
Sie hatte bereits befürchtet, dass es in dem Restaurant bloss Almanische Küche gäbe, doch dem war glücklicherweise nicht so. Mit neuem Eifer studierte sie die Liste, und war beeindruckt von der Auswahl.
Schlussendlich stand sie vor der Entscheidung zwischen "heisser Vanillesuppe samt Gemüseknödeln und mit Räucherfleisch garniert" oder "einer Fleischroulade gefüllt mit Erdbeeren und Ananas, dazu eine Minzschokosauce". Obwohl sie fürchtete, dass ihr Bauch danach platzen müsste, entschied sie sich für die vollmundigere zweite Variation.

Interessiert hörte sie ihm zu, als er von seiner beruflichen Karriere erzählte. Sie war erstaunt darüber, dass er keine höhere Ausbildung abgeschlossen hatte und von einer einfachen Kellnertätigkeit sprach und trotzdem gelegentlich in einem solch edlen Restaurant speiste. Vielleicht war er ihr ja ähnlicher, als sie vermutet hatte und legte einfach viel Wert auf gutes Essen, so wie sie ihre Zeit damit „vergeudete“ ihre Haare zu färben oder mit den Kindern Fangen zu spielen, anstatt Rechenaufgaben zu erläutern. Der Goblin wurde ihr immer sympathischer.
„Ach wisst Ihr, ich habe zwar ein Studium der Architektur begonnen, aber es niemals abgeschlossen. Ich habe schon immer lieber Kurven als Geraden gezeichnet. Und nachdem ich mich ebenfalls für kurze Zeit in einem Restaurant versucht hatte, habe ich schliesslich den Malerberuf erlernt. Leider ist selbst da die Kreativität eingeschränkt, wer möchte denn schon Blumen auf der Häuserfassade haben?“, sie seufzte einen Moment scheinbar bedrückt ab der Eintönigkeit ihres Volkes, was Farben und Kunst betraf.
„Aber jetzt habe ich ja die Kinder“, sofort stahl sich ein liebevolles Lächeln auf ihr Gesicht und betonte ihre runden Wangen.
„Zwei von ihnen habt Ihr ja bereits kennen gelernt. Ich hüte und erziehe Goblinkinder, damit die Eltern Ihrer Arbeit nachgehen können. Es ist ein toller Beruf und erstaunlicherweise sehr gefragt. Ich kann mir damit gut meinen Lebensunterhalt verdienen.“
„In welcher Taverne arbeitet Ihr denn? Dann könnte ich an einem freien Abend einmal vorbeikommen, um eine Schokolade zu trinken. Oder noch besser, ich nehme die Kinder mit, dann könnt Ihr Bino ja noch seinen versprochenen Finderlohn spendieren“, sie blickte ihn erwartungsvoll an.

Als Jorix begann von Ghul´n´Goblins zu sprechen, hing Floh förmlich an seinen Lippen.
„Also ich muss sagen, ich liebe ihre Musik. Wissen Sie, ich bin dem grossen Ginimo einmal begegnet, und obwohl er als Goblin wohl nicht sehr umgänglich ist, als Musiker ist er doch ein Ass! Und er soll ja alle Stücke selbst komponieren. Können Sie sich so etwas vorstellen?“
Während sie sprach und dabei mit ihrer Gestik die Worte bestärkte, wippten ihre orangen Haare und die Schlappohren fröhlich um die Wette.
„Leider komme ich nicht oft dazu, mir Konzerte anzuhören, weswegen ich mir immer genau überlegen muss, welche ich besuche. Von den geflügelten Boten des Todes kenne ich leider kein Stück, doch wenn Sie es mir so wärmstens empfehlen, werde ich mich nach einem Auftritt umhören.“
Floh freute sich darüber, dass endlich einmal jemand ihre Vorliebe für musikalische Klänge mit ihr teilte, denn auch darüber schüttelten ihre Eltern bloss den Kopf.
Währen Jorix sprach, beugte sie sich über den Tisch, um ihm besser folgen zu können und legte dabei den Blick auf ein hübsches Dekolleté frei.

„Oh, die Flötenklänge sind wundervoll. Wie ein so kleines Instrument eine solche Wirkung erzielen kann. Als wir uns auf dem Markt begegnet sind, konnte ich der Versuchung kaum widerstehen, mir ebenfalls eine zuzulegen. Leider werde ich mir wohl niemals Unterricht leisten können oder überhaupt die Zeit dafür aufbringen. Beherrscht Ihr auch ein Instrument? Solch eine Gabe muss doch wohl in der Familie liegen. Vielleicht könntet Ihr mir ja zeigen, wie man einem Musikinstrument seine Klangfolgen entlockt!“
Floh war immer beeindruckter von Jorix. Er schien die ganze Band bestens zu kennen und ĂĽber ihre Vorlieben und Macken Bescheid zu wissen.

Während sie seinen Ausführungen zu Zakrok Lautentod lauschte, wollte sie nach dem Glas mit Alkohol greifen, das der Kellner ihnen zuvorkommend eingeschenkt hatte, um mit dem Goblin anzustossen.
Sie war jedoch so aufgeregt und fahrig zugleich, dass sie es verfehlte und nur unbeholfen dagegen stiess, da ihr Blick noch an dem Mann hing, der so unglaublich mitreissend reden konnte.
„Oh nein“, stiess sie entsetzt hervor, als das Glas umkippte und sich der rote Inhalt unaufhaltsam über der Tischdenke und dem Hemd ihres Begleiters entlud.
Floh schlug sich die Hände vor den Mund, unfähig zu reagieren vor Schreck.
Dann sprang sie wie von der Tarantel gestochen auf, schnappte sich eine Serviette und wollte damit Jorix über Brust und Bauch wischen, wo sich der Fleck deutlich abzeichnete, dabei drohten Tränen der Wut über ihre Tollpatschigkeit ihren Blick zu verschleiern.
Avatar: © by Jeelen

Benutzeravatar
Der groĂźe Ginimo
Zweitcharakter
Beiträge: 15
Registriert: Do 14. Jan 2016, 12:18
Auszeichnungen: 1
Guthaben: Gesperrt
Volk: Naridischer Goblin
Kontaktdaten:

Die Handelsallianz

Re: Floh und ihr Ausflug ins Paradies

#14

Beitrag von Der groĂźe Ginimo » Mo 6. Feb 2017, 12:10

„In welcher Taverne arbeitet Ihr denn? Dann könnte ich an einem freien Abend einmal vorbeikommen, um eine Schokolade zu trinken. Oder noch besser, ich nehme die Kinder mit, dann könnt Ihr Bino ja noch seinen versprochenen Finderlohn spendieren,"
Als Floh das fragte, wurde er etwas nervös. Erwartungsvoll schaute sie ihn an.
Was soll ich nur sagen?
Verdammt, je länger ich warte, desto auffälliger ist es.
Ich muss jetzt was sagen, sofort!
Sie guckt schon immer kritischer!

"In welcher Taverne?", fragte er erstmal rhetorisch, um noch mehr Zeit zu schinden. "Ja, das ist die Frage!"
"Die Frage, die sich stellt. Ich meine ich könnte es Euch sagen, doch bin ich nicht sicher, ob das Lokal für Kinder geeignet ist. Es ist durchaus gefährlich, weil ich arbeite eher abends. Man sollte ja abends nicht mit Kindern raus. " man sah es Floh aber am Gesichtsausdruck an, dass sie diese Antwort nicht zufriedenstellte. Sie wollte gerade etwas sagen, da kam ihr Ginimo schon zuvor.
"Taverne zum Schluckspecht!," platzte er plötzlich heraus.
Da muss ich was mit Zott klären, dachte er sich bloß.

Er schien nervös, doch als er das Thema auf Ghuls n Goblins wechselte, schien er wieder Herr der Lage zu sein.
"Ja auch ich beherrsche ein Instrument. Aber ich bin noch ziemlich amateuerhaft damit," sagte Ginimo. Er wählte bewusst ein Instrument aus, was er nicht so gut beherrschte. "Also ich spiele Kontrabass. Ist eher unspannend, also ihr müsst es euch nicht anhören. Bass hat ja nur begleitenden Charakter."

Alles schien in Ordnung zu sein. Das Date verlief erstklassig und Floh kaufte ihm seine Verkleidung ab. Bis sie plötzlich ein Glas umkippte.
Bevor er realisieren konnte, was geschehen war, sprang Floh auch schon, um ihr Missgeschick trocken zu wischen. Erst jetzt bemerkte Ginimo, dass das Kissen unter seinem Hemd, deutlich erkennbar geworden war. Er drehte sich etwas von ihr weg, doch sie kam dann von der anderen Seite, um ihm zu helfen.
"Nein!," maulte Ginimo recht energisch.
"Lass es! Ich gehe..."
Floh schien ihn aber nicht in Ruhe lassen zu wollen.
Er stand einfach auf und ging einfach weg. Dabei ließ er Floh ohne ein Wort zu erklären, einfach dort stehen.

Irgendwie musste er seine Sachen trocken bekommen. Und das so schnell, wie möglich, ohne dass Floh abhauen würde.
Daher eilte Ginimo erstmal auf Toilette und versuchte mit Servietten das Schlamassel zu retten. Aber es half nicht. Als er daraufhin aus der Toilette herauskam, wandte er sich an den Kellner.
"Hört. Ich brauche Eure Hilfe! Diese Dame da vorne," er zeigte auf Floh, die unbeholfen anfing ihre Sachen zu packen. "Sie erwartet mich. Dafür brauche ich ein sauberers Hemd, denn dieses ist befleckt mit Rotwein. Könnt ihr Eures ausborgen? Ich bezahle euch den dreifachen Preis!"

Der Kellner schien richtig verwirrt zu sein. Zumal er das Kissen deutlich sehen konnte und sich langsam sein Verdacht bestätigte, dass es tatsächlich Ginimo war, den er da bediente. "Wie Ihr wünscht, großer Ginimo!", sagte er. Ginimo fasste sich nur an den Kopf, als Floh in dem Moment auftauchte, um sich zu verabschieden.
Ginimo hatte derweil schon sein Hemd ausgezogen, und das Kissen lag verräterisch auf den Boden. Es schreite alles nach einem falschen Spiel.
"Ă„hhh, ja! Hallo...", begrĂĽĂźte Ginimo sie.
"Das war alles ein Test...ähh. Ich bin eigentlich Ginimo."
"Es schwinden jedes Kummers Falten,
solang des Liedes Zauber walten."

Benutzeravatar
Floh
Zweitcharakter
Beiträge: 14
Registriert: Mo 14. Mär 2016, 13:00
Auszeichnungen: 1
Guthaben: Gesperrt
Volk: Naridische Goblin
Steckbrief: Bild

Die Handelsallianz

Re: Floh und ihr Ausflug ins Paradies

#15

Beitrag von Floh » Sa 25. Feb 2017, 10:16

Es hatte doch so vielversprechend begonnen…
Die Unterhaltung verlief super, sie hatten gemeinsame Interessen, das Mahl war erstklassig zubereitet und Floh fühlte sich pudelwohl in Jorix Gesellschaft, gewürzt mit einer klitzekleinen Portion Nervosität.

Doch warum musste sie auch dieses blöde Glas verschütten!
Natürlich versuchte sie den Schaden zu beheben, doch ihre Begleitung war von dem Unfall wohl so verärgert, dass er sie ungehalten abwies und Floh ohne ein weiteres Wort mit der Serviette am Tisch stehen liess.
Die junge Goblin liess die Schultern hängen und blickte dem bekleckerten Jorix perplex und entmutigt zugleich hinterher.
Sie konnte verstehen, dass er über ihr Missgeschickt nicht erfreut war, bestimmt kostete das Hemd ein Vermögen!
Sie wĂĽrde es ihm rĂĽckerstatten, das war das Mindeste was sie tun konnte.
Und dann werde ich vor Scham im Boden versinken und mich nie mehr bei ihm blicken lassen!
Ihre Mutter wĂĽrde vermutlich bloss wieder die Augen verdrehen ab ihrer Tollpatschigkeit. Manchmal fragte sie sich, woher sie dieses Talent geerbt hatte.
In Gedanken nicht ganz bei der Sache begann Floh ihre Sachen zusammenzupacken. Sie wĂĽhlte in ihrer Tasche bis sie den Geldbeutel fand. Diese Rechnung wĂĽrde sie selbst begleichen mĂĽssen.
Gleichzeitig begann sie sich jedoch bereits über Jorix zu ärgern. Bei allem Respekt gegenüber der befleckten Kleidung, doch etwas höflicher hätte er schon sein können.
Sie hatte sich doch bei ihm entschuldigt und sich wirklich nicht mit Absicht so doof angestellt!

Endlich hatte sie ihren Kram beisammen und ging zielstrebig dem Ausgang entgegen, als sie Jorix in der Diskussion mit dem Keller beobachtete. Er stand mit dem RĂĽcken zu ihr und war gerade dabei, das Hemd auszuziehen. Da sie gut erzogen war, wollte sie sich trotzdem von ihm verabschieden.
Gerade, als sie in Hörweite kam, meinte der Keller: „Wie Ihr wünscht, grosser Ginimo!“
Hatte sie sich da etwa verhört?
Im selben Moment sah sie das Kissen am Boden liegen. Und selbst Floh konnte eins und eins zusammenzählen.
Verdattert starrte sie Ginimo an, der plötzlich um einiges abgenommen hatte und ihrem Idol nun abgesehen von Brille und Bart wie aus dem Gesicht geschnitten war.
"Ă„hhh, ja! Hallo...", begrĂĽĂźte Ginimo sie.
"Das war alles ein Test...ähh. Ich bin eigentlich Ginimo."

Er hatte ihr die ganze Zeit ĂĽber etwas vorgemacht!
Ihr Blick verdĂĽsterte sich fĂĽr einen kurzen Moment, als sie daran dachte, wie sehr sie seine Gegenwart genossen hatte.
Alles bloss Schall und Rauch!
Im nächsten Moment verpasste sie ihm eine leidenschaftliche Ohrfeige.
„Das war für Deine Respektlosigkeit!“
Der Kellner blickte entsetzt zwischen ihr und Ginimo hin und her, während Floh nun ihre Hände in die Hüften stemmte.
Ihre goldgelben Augen funkelten den GrĂĽnling herausfordernd an, dann glitt ihre Aufmerksamkeit an seiner Verkleidung entlang und sie musterte sein Gesicht.
Nun war es an ihm, sich in seiner Haut nicht mehr gar so wohl zu fĂĽhlen.
Kurz hielt sie ihre strenge Miene noch aufrecht, dann jedoch zuckten bereits ihre Mundwinkel.
Wie er so dastand kam er ihr gerade so vor wie Bino, wenn er etwas ausgefressen und dabei erwischt worden war.
„Beinahe wäre ich nicht hinter Deine Scharade gekommen. Ist der Bart echt?“
Ein belustigtes Lächeln bildete sich nun in ihrem Gesicht und der Kellner schnaufte erleichtert auf.
Floh hatte die Devise, die Dinge so zu nehmen, wie sie auf einen zukamen und dann das Beste daraus zu machen. Trotzdem wollte sie den Goblin nicht einfach so davonkommen lassen. Immerhin hatte er sich ein Spiel daraus gemacht, sie zum Narren zu halten.
„Also, was für ein Test soll das sein? Ist das so ein Spiel unter Musikern?“, sie blickte ihn mit hochgezogener Augenbraue skeptisch an.

Nachdem der Kellner dem Goblin freundlicherweise doch noch ein frisches Hemd besorgt und Floh darauf bestanden hatte an der hauseigenen Bar einen süssen Punsch zu trinken, sassen die beiden etwas abseits von den anderen Gästen auf ihren Hockern.
Es herrschte ein peinliches Schweigen zwischen ihnen und keiner schien so richtig den Anfang machen zu wollen.
Inzwischen war der jungen Frau zusätzlich auch wieder bewusst geworden, dass dies kein gewöhnlicher Jorix sondern der grosse Ginimo höchstpersönlich war, dem sie zuvor noch eine Ohrfeige verpasst hatte. Bei dem Gedanken errötete sie sogleich, auch wenn er es ihrer Ansicht nach mehr als verdient hatte!
Schliesslich raffte sich Floh aber doch auf.
„Also hallo Ginimo. Freut mich Dich kennenzulernen. Mein Name ist Finimi, doch meine Freunde nennen mich Floh! Und was tust Du so beruflich?“, dabei schaute sie ihn freundlich an und wartete ab, ob er auf ihr Friedensangebot einsteigen würde.
„Also ich hätte da so eine Idee, wie Du das vermasselte Abendessen wieder gutmachen könntest…“, meinte sie etwas später mit einem unschuldigen Augenaufschlag.
„Ich kenne da so jemanden, der wäre wirklich glücklich darüber, Freikarten für ein Konzert von Ghuls’n’Goblins zu bekommen…“
Avatar: © by Jeelen

Benutzeravatar
Der groĂźe Ginimo
Zweitcharakter
Beiträge: 15
Registriert: Do 14. Jan 2016, 12:18
Auszeichnungen: 1
Guthaben: Gesperrt
Volk: Naridischer Goblin
Kontaktdaten:

Die Handelsallianz

Re: Floh und ihr Ausflug ins Paradies

#16

Beitrag von Der groĂźe Ginimo » So 26. Mär 2017, 13:26

"Es ist nicht leicht jemanden kennenzulernen, der sich nicht von meinem Geld oder wegen meines Ruhms zu mir hingezogen fühlt," Ginimo lächelte verlegen. Je mehr er darüber nachdachte, desto mehr bereute er ein falsches Spiel mit ihr gespielt zu haben. Doch er hatte das nicht gewollt! Es hatte sich bloß so ergeben und nun schämte er sich.

Ginimo ging kurz etwas zur Seite, um sich das frische Hemd auszuziehen. Gleichzeitig nahm er die Brille ab, aber als er den Bart entfernen wollte, wies sich dies als deutlich schwieriger als erwartet. Ein paar Augenblicke zerrte er an den Barthaaren, doch bis auf die Tatsache, dass es unerträglich schmerzte, passierte nichts. Er kehrte zu ihr zurück, wo seine Verabredung immer noch stand. Um den Bart musste er sich nachher kümmern, dachte er sich, während er kaum merklich daran zupfte.
"Nein, der Bart ist nicht echt," antwortete er.

Verwundert und begeistert von ihrer Leichtigkeit, wie sie mit seinem Fehler umging, lud sie ihn sogar noch auf ein Getränk ein.
Das musste seine Traumfrau sein!
Ginimo fĂĽhlte sich aber immer noch schuldig, aber wusste nicht, was er ihr sagen konnte.
"Ja, Finimi. Deinen Namen habe ich mir bemerkt", erwiderte besserwisserischer, als es gemeint war.
"Entschuldige. Ich bin Ginimo. Die ganze Jorix Geschichte habe ich mir bloß ausgedacht. Weder bin ich Kellner noch stamme ich aus dem Nyur Clan. Eigentlich stamme ich aus dem Clan der...", Ginimo wollte etwas über seine familiäre Herkunft erzählen, doch stockte dabei. Das war ein wunder Punkt. Den wollte er nicht unbedingt in die Öffentlichkeit hinaustragen.
"Vergessen wir es!"
Stoisch schaute er auf sein Getränk nahm hastig ein paar Schlücke und war bereit zu gehen.

"Das vermasselte Abendessen?," fragte Ginimo.
Er sagte nichts weiter.
"Ich glaube das war alles keine gute Idee."
Statt eine Unterhaltung zu führen, gab er lieber auf. Zu groß war seine Scham. Die Schmerzen der Ohrfeige erinnerten ihn zu stark an einen Fehler, den er so nicht geplant hatte. Alles hatte sich zufällig ergeben, aber wie konnte man das erklären, ohne wie ein Psycho rüberzukommen.

"Ich habe jetzt zu tun,"
Er gab ihr die Hand zum Abschied bezahlte seine Rechnung und ging seiner Wege.
Schnell raus hier!
"Es schwinden jedes Kummers Falten,
solang des Liedes Zauber walten."

Benutzeravatar
Floh
Zweitcharakter
Beiträge: 14
Registriert: Mo 14. Mär 2016, 13:00
Auszeichnungen: 1
Guthaben: Gesperrt
Volk: Naridische Goblin
Steckbrief: Bild

Die Handelsallianz

Re: Floh und ihr Ausflug ins Paradies

#17

Beitrag von Floh » So 2. Apr 2017, 20:00

Genau drei Sekunden brauchte Floh um zu begreifen, dass Ginimo sie gerade wieder vor den Kopf gestossen hatte. Ungläubig hafteten die goldgelben Augen an ihrem Idol, das gerade bekundet hatte, dass das Abendessen mit ihr keine gute Idee war und sie offensichtlich ziemlich schnell loswerden wollte.
Für einen Moment sackten die Schlappohren der Goblin noch einige Zentimeter weiter in die Tiefe und offenbarten ihre Enttäuschung.
Seine Hand fühlte sich verschwitzt an, als er sich verabschiedete. Ausserdem wirkte er sichtlich gestresst und sein Gesicht schien um zwei Farbtöne dunkler zu sein als gewöhnlich. Dann verlangte er auch schon die Rechnung, welche er linkisch beglich.
„Ich habe jetzt zu tun“, waren die letzten Worte und dann eilte der grosse Ginimo bereits davon.

Floh blieb auf ihrer eigenen, nicht gerade geringen, Rechnung sitzen.
Was fĂĽr ein Desaster!
In ihrem Kopf ratterten die Rädchen, als sie den Abend noch einmal vor ihrem inneren Auge abspulte.
Dann hopste sie plötzlich von dem Hocker runter, kramte in ihrer Tasche nach den Münzen und kurz darauf rauschte sie aus der Tür des Gasthauses hinaus.
Es war bereits eingedunkelt und Laternen erleuchteten die Stadt.
Wo war er hingegangen?
Die junge Goblin suchte die Strassen ab und erkannte in der Ferne einen Goblin, der beinahe schwebte, so schnell bewegten sich seine FĂĽsse voran.
Sie beeilte sich ihm zu folgen, stolperte jedoch mit ihren hübschen Schuhen über einen Stein und wäre beinahe auf die Nase gefallen.
Ohne zu zögern wankte Floh kurz einbeinig wie ein Storch vor dem Restaurant herum, während sie die Schuhe von ihren Füssen klaubte. Sie hatte nicht einmal Zeit, befreit mit ihren Zehen zu wackeln, da düste sie auch schon Ginimo hinterher, welcher um eine Ecke gebogen war.

Die orangen Haare und ihre grünen Schlappohren flatterten in völliger Unordnung hinter ihr her, doch es war ihr genauso egal, wie ihre verstaubten Füsse.
„Warte Ginimo“, rief Floh als sie um die Kurve kam und den Goblin am Ende der Strasse gehen sah. Einen Moment sah es aus, als würde er zusammenzucken und seine Schritte noch beschleunigen, doch schliesslich blieb er wie angewurzelt stehen und wandte sich langsam zu Floh um.
Sein Gesicht lag im Schatten, so dass Floh seine Miene nicht erkennen konnte, als sie völlig ausser Atem vor ihm zum Stehen kam.
Sie schnappte nach Luft und hielt sich einen Moment die Seite, als sie ein unangenehmes Stechen darin verspĂĽrte. Mit vollem Magen einen Orientierungslauf zu unternehmen, stand eindeutig nicht zuoberst auf ihrer To-Do-Liste.

„Tut mir Leid… ich… will Dich nicht lange aufhalten“, entschuldigte sie sich schliesslich zwischen den Atemzügen bei ihm.
„Du musst nie mehr ein Wort mit mir sprechen, grosses Ehrenwort. Und Du darfst mich und das Abendessen aus deinem Gedächtnis tilgen. Nur… würdest Du mir vorher vielleicht doch bitte noch ein Autogramm geben? Sonst denke ich Morgen, ich hätte das alles bloss geträumt. Und eine solche Gelegenheit werde ich wohl mein Leben lang nicht mehr erhalten. Und ich will doch meinen Enkelkindern, wenn es wirklich einmal so weit kommen sollte – meine Mutter betet sogar zu Ardemia deswegen, nicht sagen müssen, dass ich die Chance nicht ergriffen hätte, als sie sich bot!“
Inzwischen waren Flohs Wangen gerötet, ob vor Anstrengung oder weil sie peinlich berührt war, konnte nicht so einfach bestimmt werden. Sie traute sich nicht, ihre hoffnungsvollen Augen nach dem Redeschwall zu lange auf ihn zu richten und fokussierte stattdessen interessiert ihre grosse Zehe mit dem orangefarbenen Nagellack.
Sein Schweigen verunsicherte sie, weshalb sie schliesslich die Schuhe auf den Boden fallen liess und unbeholfen ihre Tasche nach etwas durchwühlte, wohin er seine Unterschrift setzen könnte.
Zu ihrem Entsetzen stellte sie fest, dass sie zwar ein blaues Taschentuch dabei hatte, welches sich als Autogrammkarte verwenden liesse, jedoch weder einen Kohlestift noch ein anderes Schreibutensil.
Avatar: © by Jeelen

Benutzeravatar
Der groĂźe Ginimo
Zweitcharakter
Beiträge: 15
Registriert: Do 14. Jan 2016, 12:18
Auszeichnungen: 1
Guthaben: Gesperrt
Volk: Naridischer Goblin
Kontaktdaten:

Die Handelsallianz

Re: Floh und ihr Ausflug ins Paradies

#18

Beitrag von Der groĂźe Ginimo » Mi 5. Apr 2017, 17:43

Ginimo beeilte sich. Unbehagen und Ungeduld trieben ihn an. Erregt von dem Gespräch mit Floh hatte er nur noch ein Ziel: Nach Hause. Die schlimme Geschichte mit seiner Familie versuchte er stets zu verdrängen und vergessen. Momente wie diese erinnerten Ginimo aber an sein Schicksal. Er war nicht stolz darauf so zu sein, wie er war. Er hatte Schande über eine Familie von Ingenieuren gebracht. Denn die Musik war seine Leidenschaft. Eine Leidenscahft für die er alles aufgegeben hatte. Seinen Namen, seinen Clan, seine Ehre.

Und dann war noch dieses Mädel, welches ihm nicht aus dem Kopf ging. Wie er sie enttäuscht hatte! Sie hatte auf einen schönen Abend mit Jorix gehofft und nicht an einem Abend mit Ginimo. Einem clanlosen Goblin.
Ohnehin...auf seinen Konzerten fand er immer Groupies. Leichte Mädchen, die bloß ein Abenteuer erleben wollten für eine Nacht. Es hatte sich bisher immer gezeigt, dass nach der Nacht keien Frau mehr ein Interesse an ihm hatte. Kein Goblin wollte eine ernsthafte Beziehung mit ihm eingehen.

Der Goblin schnaubte enttäuscht.
Als er Floh hinterlaufen sah, beschleunigte er hingegen seine Schritte. Er wollte sie nicht mehr sehen. Doch als sie noch nach seinem Namen rief, konnte er sie nicht mehr ignorieren. Ginimo war nicht unsozial. Er entschied sich plötzlich stehen zu bleiben. Traurig blickte er sie an, während sie mit ihm sprach.

Der Goblin, obwohl innerlich aufgewĂĽhlt, war dennoch auch ein Gentleman und Romantiker. Zumindest im Normalfall. Was war bloĂź in ihm gefahren, dass er nicht mal die Rechnung der jungen Dame bezahlt hatte? Ginimo war streng mit sich selbst. Du Idiot! Beleidigte er sich.
Er ließ Floh ausreden und antwortete dann so aufrichtig und demütig, wie nur möglich.

"Mir tut es Leid," er zwang sich zu einem Lächeln, welches aber nicht sonderlich gut gelang.
In seiner Stimme schwang eine seltsame Ruhe mit. Nicht um seinerwillen, sondern um Floh zu signalisieren, dass er den Fehler zu verantworten hatte. Mit dieser gestellten Ruhe wollte er sie daher beruhigen.
"Ich habe den Fehler gemacht. Mein Verhalten ist unentschuldbar. Du, ich...", fing er einen Satz an. Verwirrt unterbrach er mitten im Satz. Der sonst so selbstbewusste und nach außen hin extrovertirte Charakter wirkte wie ausgetauscht. Seine Körpersprache ließ eindeutig darauf zurückschließen, dass es ihm Leid tat.

"Ein Autogramm!," jauchte er auf einmal euphorisch auf.
"Was fĂĽr eine Ehre!"
Was genau damit Ginimo gemeint hatte, schien in dem Moment nicht ersichtlich zu sein.
Als Floh nach einem Stift oder etwas Ă„hnlichem suchte, beteiligte er sich an der Suche.
"NatĂĽrlich...," stammelte er.
"Verdammt!"
Genervt warf er sein Jackett auf den Boden und suchte dort weiter. Doch er fand keinen Stift. Er lächelte: "Hast du was gefunden?", fragte er neugierig.
"Ich hätte eine Idee. Wenn du magst...ich meine, wenn es keine Umstände für dich macht, kannst du mich noch ein bisschen begleiten zur Taverne. Dort wohne ich ja. Dann kannst du einfach unten im Schankraum warten, wenn ich dir das Autogramm runterbringe. Ich habe genug Stifte oben in meinem Quartier. Ist das ein Deal?"
"Es schwinden jedes Kummers Falten,
solang des Liedes Zauber walten."

Benutzeravatar
Floh
Zweitcharakter
Beiträge: 14
Registriert: Mo 14. Mär 2016, 13:00
Auszeichnungen: 1
Guthaben: Gesperrt
Volk: Naridische Goblin
Steckbrief: Bild

Die Handelsallianz

Re: Floh und ihr Ausflug ins Paradies

#19

Beitrag von Floh » Mo 10. Apr 2017, 21:40

"Ich habe den Fehler gemacht. Mein Verhalten ist unentschuldbar. Du, ich...", fing Ginimo einen Satz an. Seine Körpersprache ließ eindeutig darauf zurückschließen, dass es ihm leidtat.
Floh musterte ihn einen Moment überrascht. Dann schlich sich ein vorsichtiges Lächeln auf ihre Lippen, das schnell breiter wurde.
«Ich bin ja schon froh, dass ich Dich überhaupt noch einholen konnte! Für einen Moment dachte ich, Du würdest hinter der nächsten Ecke für immer verschwinden. Mit Deinem Spurt hättest Du sogar einem Hasen Konkurrenz gemacht!»
Dann bemerkte sie jedoch seinen betroffenen Blick und plötzlich wirkte er ganz hilflos, wie er da so vor ihr stand.
Mensch Floh, was plapperst Du denn da! Wenn Du weiter solche Sachen laberst, nimmer er gleich wieder die Hände in die Füsse!
Etwas irritiert war die Goblin jedoch schon darüber, dass der grosse Ginimo auf einmal ganz und gar nicht mehr so gross wirkte, wie er es auf der Bühne immer tat. Stattdessen machte er den Anschein, als wäre er am liebsten auf der Stelle im Boden versunken.

Umso erleichterter fĂĽhlte sich die junge Frau, als der KĂĽnstler richtiggehend aufblĂĽhte, kaum hatte sie ihr Anliegen vorgebracht.
"Ein Autogramm!", jauchzte er auf einmal euphorisch auf.
"Was fĂĽr eine Ehre!"
«Naja, als bekannter Musiker steht das für Dich bestimmt an der Tagesordnung», murmelte Floh verlegen, und freute sich aber trotzdem darüber, dass er ihre Bitte so ernst nahm und nicht als lästige Pflicht abtat.
Umso ärgerlicher, als sich herausstellte, dass Finimi keinen Stift bei sich trug – oder war es doch das Glück, das hier seine Finger im Spiel hatte? – denn ab den nächsten Worten Ginimos hätte nun Floh am liebsten einen lauten Freudenquietscher von sich gegeben.
Stattdessen klappte sie schnell ihren Mund zu als sie realisierte, wie sie den gutaussehenden Goblin verdattert anstarrte.
«Ist das ein Deal?»… Bestimmt hatte sie ihn missverstanden!
Floh drehte sich der Kopf, ab der neuen Information, die sie gerade zu verarbeiten hatte.
Dieser Goblin war ja noch verdrehter als sie selbst!
Zuerst lud er sie zum Essen ein, dann rannte er davon und liess sie auf einer horrenden Rechnung sitzen und nun wollte er sie mit nach Hause nehmen!
Was für ein Kuddelmuddel… aber zugegebenermassen ein gigantisch-gewaltig-elephantös-fantastischer Kuddelmuddel!


Ginimo hatte sie so aus der Bahn geworfen, dass sie bloss eifrig nicken konnte, so dass die Schlappohren lustig herumhĂĽpften.
«Die Zeit nehme ich mir gerne», strahlte sie ihn dann voller Glückseligkeit an.
So kam es also, dass Floh barfuss, aber fröhlich neben ihrem Begleiter herging und sich zusammenreissen musste, nicht gut gelaunt falsche Melodien zu trällern, Purzelbäume zu schlagen, ihr Idol begeistert anzuglupschen oder sich anderweitig seltsam zu verhalten.
Sie ging sogar so weit, dass sie sich das Plappern verbot – das Risiko war zu enorm, dass er seine wankelmütige Meinung noch einmal ändern könnte!
Bis wir bei der Taverne sind, wird er gar nicht merken, dass ich da bin!
Also verhalt Dich normal.
Hör auf damit, Dir auf die Lippen zu beissen und denk nicht einmal dran, am Daumen zu lutschen!
Und unterlass endlich die Selbstgespräche…


Als sie bei der Taverne ankamen, war Floh das reinste NervenbĂĽndel, so sehr war sie darum bemĂĽht, einen guten Eindruck zu hinterlassen.
Vom Innern des Gasthauses war indessen dumpfes Gegröle zu vernehmen und im nächsten Moment lautes Gepolter und Geklirre. Etwas verunsichert schaute Finimo ihren Begleiter an, zuckelte ihm dann jedoch artig hinterher, als dieser sich von den Geräuschen nicht beirren liess und ihr galant die Tür aufhielt.
Es herrschte das reinste Chaos. Ein Ork thronte auf einem umgekippten Tisch und plusterte sich auf wie ein stolzer Kampfgockel. Als der Ork sprach, stellte Floh verwirrt fest, dass es sich dabei um ein weibliches Exemplar handeln musste.
Einige der Gäste waren aufgestanden, um das Schauspiel zu betrachten, andere tauschten mit mürrischen beziehungsweise siegesgewissen Mienen Münzen aus, je nachdem ob sie die Wette verloren oder gewonnen hatten.
«Also ich ähm… warte dann Mal hier», nuschelte Floh, wobei ihr jedoch anzusehen war, dass sie sich nicht sonderlich wohl fühlte in der emotional aufgeladenen Meute. Unruhig trippelte sie von einem Fuss auf den anderen, darauf bedacht, nicht versehentlich in eine der vielen Scherben zu treten.
Avatar: © by Jeelen

Benutzeravatar
Floh
Zweitcharakter
Beiträge: 14
Registriert: Mo 14. Mär 2016, 13:00
Auszeichnungen: 1
Guthaben: Gesperrt
Volk: Naridische Goblin
Steckbrief: Bild

Die Handelsallianz

Re: Floh und ihr Ausflug ins Paradies

#20

Beitrag von Floh » Fr 23. Jun 2017, 21:46

Ginimo

Ginimo war total fokussiert. Nur mit dem Gedanken hinauf schnellstmöglich einen Stift zu besorgen, kam er oben an. Die Tür öffnete er mit viel Elan. Sofort fand er einen Stift, etwas abgekaut vom vielen Nachdenken, aber immerhin...Nein! Dachte er sich. Er konnte doch nicht einen abgekauten Stift für diese wundersame und hübsche, junge Dame benutzen. Also suchte er weiter.
Er hatte hier irgendwo versteckt einen uralten Füller, den er schon lange nciht mehr benutzt. Zuletzt bei der Arie vom verlorenen Sohn, ein dreistufiger Choral in einer schönen Moll-Tonlage. Ursprünglich gedacht für eine schöne Frauenstimme...Ginimo überlegte. Ob Floh wohl singen konnte?
Hastig suchte er weiter nach dem Füller. Minuten waren inzwischen vergangen und die schlappohrige Floh musste sich inwzischen bestimmt denken, dass der blöde Ginimo sie veraschen wollte.
Doch da war er endlich: Juhu! Hörte man ihn rufen, als er mit feinster Schönschrift seinen Namen auf ein Stück Papier hinterließ. Freudig rannte er die Treppe runter und strahlte sie an.
"Ich hab einen gefunden", rief er ihr zu. Er japste nach Luft, da er sich so beeilt hatte und schaute ihr in die Augen. Ein charmantes Lächeln setzte sich auf seinen Mund.

Floh

Floh waren die wenigen Minuten des Wartens wie eine halbe Ewigkeit vorgekommen. Das Rumgejohle der anderen Gäste behagte ihr nicht sonderlich und sie fürchtete, dass Ginimo es sich womöglich doch noch einmal anders überlegt hatte.
Doch dann stand er plötzlich wie aus dem Nix vor ihr und sein Lächeln liess die Goblin erröten. Er wirkte völlig aus der Puste und seine spitzen Ohren schienen vor Aufregung zu vibrieren. Mit einer charmanten Geste überreichte er ihr das Pergament. Floh starrte darauf wie auf einen lang ersehnten Schatz. Sie würde es unter ihr Kopfkissen legen und niemals wieder ohne dieses Andenken einschlafen wollen. Sie musste sich zusammenreissen, ihre Goblinnase nicht an das Papier zu drücken, um den Geruch einzuatmen.
Erst als das Schweigen andauerte bemerkte sie, dass sie Ginimo völlig vergessen hatte.
«Oh, vielen Dank! Ich, also… nun ja, für Dich ist das ja nichts Aussergewöhnliches», plapperte sie schliesslich etwas unbeholfen los, «aber ich liebe Eure Musik. Nur ist es nicht so einfach, an ein Konzert zu gelangen. Und naja, meine Freunde verstehen das auch nicht so ganz… Es ist schön, wenn jemand einmal nicht denkt, dass Lieder unnütze Zeitverschwundung sind! Ich weiss gar nicht, wie ich mich bei Dir bedanken kann!»
Floh wackelte verunsichert mit ihren Zehen und starrte immer wieder beinahe ungläubig auf das Pergament mit der fein säuberlichen Handschrift.

Ginimo

Ginimo lächelte, als sie sich so sehr freute. Doch als sie sich dazu äußerte, dass ein Konzertbesuch für sie schwer zu besuchen war, Ginimo kannte die Verkaufszahlen (worüber er sich immer wunderte), kam ihm sofort ein fixer Gedanke: "Komm mit! Ich hab oben ein Klavier. Ich zeig dir mein neuestes Stück. Mir gefällt es bisher ganz gut", fing er an zu plappern. Er schaute abwechselnd ihr in die Augen und dann wieder nach oben. Doch er wollte sie nicht unter Druck setzen.
"Hier oben wirds langsam ungemütlich". Eine Vase flog gefährlich nah in ihre Richtung, als kurz darauf der Shezem Shocai auftauchte und die Scherben aufsammelte.

Floh

Floh zuckte schuldbewusst zusammen, als er das Klavier erwähnte. Sie wusste ja bereits von dem Klavier und seinen wundervollen Klangfarben. Sehnsüchtig dachte sie daran, wie sogar ihre eigenen tollpatschigen Finger dem Instrument warme Töne entlocken konnten.
Und er wollte ihr gar etwas vorspielen… und diesmal müsste sie sich dabei nicht unter dem Bett verstecken und mit aller Mühe versuchen, einem Niesen zu widerstehen. Nun ja, dafür würde sie vermutlich auch seinen attraktiven Goblinfüssen nicht mehr so nahe kommen… doch das wäre zu verkraften – sie hatte ja noch die Socke, und nun gar noch seine Handschrift!
«Ich hätte gerne beides», sprudelte es aus Floh heraus, bevor sie sich davon abhalten konnte.
«Also.. ich meine, wenn der Tavernenbesitzer es erlaubt, können wir unser Getränk ja einfach mitnehmen.»
Die Vase bestätigte die beiden Goblins darin, dass es hier langsam gefährlich würde. So trippelte Floh schliesslich hinter Ginimo her zur Theke und kurz darauf hatte sie eine Schoggi in der Hand, die sie vorsichtig durch die Menge balancierte.

Ginimo

Ginimo war ein Gentleman und drauf bedacht, dass Floh nicht zufällig in eine Schlägerei hineinstolperte, so tollpatschig sie war. Vorsichtig nahm er ihre Hand und schob sie sanft zur Seite, als er seine Bestellung aufgeben wollte. Eher aus Gewohnheit hatte er sie charmant berührt, aber bemerkte sofort ihre Aufregung. Und auch ihn kribbelte es innerlich. Wieso hatte sich das nur so gut angefühlt?
FĂĽr einen Bruchteil schaute er sie an, verwundert in seinem Blick und gleichzeitig doch dabei so verletzlich, weil in seinem Blick mitschwang, dass er sie anziehend fand. Doch er setzt schnell seine gelassene Miene wieder auf.
"Ich nehme nen Pott Serbander Kellerkaffe, Zott", schrie er ihm brĂĽderlich zu. Er verstand sich gut mit dem Wirt. Doch diesem war nicht gerade dem Reden zu Mute.
"Ach warte. Bevor ich es vergesse. Bereite uns noch zwei Gläser Rachendrachen vor."
"Hast du schon mal Pfefferlikör getrunken, Floh? Ich lade dich ein. Du musst es probieren!", sagte er euphorisch.

Floh

Die junge Goblin schwebte auf Wolke 7 und hatte bloss noch Augen für Ginimo. Am liebsten hätte sie gleich sofort allen von ihrem ganz persönlichen Glück erzählt, doch es war niemand da, der sich dafür interessiert hätte. Wenn ihre Mutter wüsste! Obwohl, die würde vermutlich bloss wissen wollen, wie viel der Kerl verdiente, und wann er gedachte, ihre Tochter zu ehelichen.
Seine BerĂĽhrung prickelte auf ihrer Haut, doch Floh war schon so sehr in Aufregung, dass dies nicht mehr weiter ins Gewicht fiel.
Sie nickte bloss eifrig ab seinem Vorschlag und betrachtete dann neugierig den Likör, der die Farbe von roten Pfefferkörnern besass und in kleinen Gläschen ausgeschenkt wurde.
Floh hatte noch nie Schnaps getrunken. Sie ging auch nicht allzu oft abends fort, denn sie musste ja ihre SchĂĽtzlinge hĂĽten.
Fragend blickte sie Ginimo an und schnupperte an dem Getränk. Augenblicklich nahm ein starkes Kitzeln überhand und ein lautes Niesen ertönte von der kleinen Goblin, so dass ihre Ohren um die Wette zuckelten.

Ginimo

Ginimo beobachtete sie interessiert, wie drollig sie sich verhielt, als sie den Schnaps zu sich nahm. Er wusste nicht wieso, doch ihre Ohren, die er zuvor für hässlich gehalten hatte, schienen ihn nun immer mehr zu gefallen. Insgesamt begann er die Kleine in einem positivem Licht zu sehen. War es der Alkohol? Das Glas Rotwein? Nein, Ginimo schüttelte den Kopf.
Er musste ehrlich zu sein: Er fand Floh sehr toll. Er lächelte freudig in der Vorstellung sie nochmal berühren zu dürfen.
Er selbst kannte das Getränk bereits gut und trank es gerne. Er nahm einen kurzen ersten Schluck, während sich eine wohlige Wärme in ihm ausbreitete. Wie ausgetauscht schien der zuvor so unsichere Ginimo. Plötzlich war er wieder der selbstbewusste junge Mann, sowie ihn die Frauen kannten.
"Bist du häufig hier in der Taverne", fragte er sie, während er sein Glas abstellte. Er blieb noch weiter an der Bar und unterhielt sich weiter mit ihr.

Floh

Verlegen schielte Floh zu Ginimo, doch er machte sich nicht über ihren Niesanfall lustig. Stattdessen hatte sich etwas in seinem Blick verändert, was die Goblin jedoch nicht so richtig einzuordnen vermochte. Für sie war es auch allzu schwer vorstellbar, dass der grosse Ginimo ein Auge auf sie geworfen haben könnte.
Das Pergament hatte sie vorsichtig in ihrer Tasche verstaut, damit es nicht noch versehentlich vollgeschĂĽttet wurde, es ging hier ja nicht gerade sanft zu und her.
«Bist du häufiger hier in der Taverne?»
Floh ĂĽberlegte kurz, ob sie flunkern sollte, um einen besseren Eindruck zu hinterlassen, entschied sich dann jedoch dagegen, da sie im Grunde eine ehrliche Haut war.
«Häufig ist übertrieben. Gelegentlich… aber meistens muss ich auf die Kleinen aufpassen. Magst Du Kinder?»
Im nächsten Moment erschien ihr die Frage aber bereits zu intim, weswegen sie sich schnell ihrem Glas widmete und schliesslich vorsichtig daran nippte.
Der Schnapps rann ungewohnt warm ihre Kehle hinab und Floh riss erstaunt ihre goldgelben Augen auf. Wie lecker!
Obwohl so gar nicht süss, mochte sie die ungewohnte Schärfe. Ihre Zunge fuhr genüsslich über ihre Lippen, um den Geschmack voll auszukosten.

Ginimo

„Kinder sind toll. Ich habe selbst keine“, sagte er und schüttelte dann den Kopf. Natürlich hatte er keine. Was redete er für einen Stuss.
„Also ich hab auch keine Partnerin…eigentlich bin ich sehr alleine. Das Leben als Berühmtheit. Es ist schön. Ich kann von meiner Musik leben. Aber das ist auch schon das Einzige“.
Warum er ihr das erzählte war ihm schleierhaft. Kurz ermahnte er sich, ihr nicht zu vertrauen, doch eine innere Stimme schien ihm zu sagen, dass alles in Ordnung war, sowie es war.
„Ich selbst halte mich für mittelklassig. Meine Musik…ach was soll ich sagen. Mir gefallen gelegentlich ein paar Dinge.“
„Aber das neueste Lied ist echt gut. Nach langer Zeit nochmal etwas, was mir gefällt. Warte…“
Plötzlich stellte er schnell sein Glas auf die Barthresen und meinte euphorisch:
„Komm mit!“
Er vermied es sie zu berĂĽhren, um sie nicht unter Druck zu setzen.
„Deine Schoggi kannst du mitnehmen.
Ich möchte dir gerne das Stück zeigen. Es bedeutet mir viel.“


Floh

Ein Kerl, der zugab, dass er Kinder mochte. Sogleich stieg Ginimo in Flohs Achtung, wenn das denn noch möglich war. Er schien ja ein richtiger Softie zu sein!
Nichtsdesto trotz konnte Floh nicht verstehen, wie er an seinem Talent zweifeln konnte.
«Mittelklassig?», sie starrte ihn bloss ungläubig an und schüttelte verwundert den Kopf.
«Ich find Dich bombastisch», sprudelte es aus ihre heraus.
«Also ähm, Deine Musik meinte ich natürlich», verbesserte sie sich rasch, als ihr der Sinn ihrer Worte bewusst wurde.
Im nächsten Moment sprang Ginimo auch schon auf die Füsse. Floh war fasziniert von seinem Tatendrang und liess sich von seiner Euphorie mitreissen.
«Komm mit!»
Floh liess sich das nicht zweimal sagen, griff nach ihrer Schoggi und tapste dann Ginimo hinterher. Sie hatte MĂĽhe Schritt zu halten, so zĂĽgig wuselte er durch die Menge. Er war sich das eindeutig gewohnt, im Gegensatz zu ihr, welche schon vor sich sah, wie ein dicker Ork ihre zarten GoblinfĂĽsse zermantschte.
Bevor Ginimo zwischen zwei Almanen hindurchzischen konnte, griff Floh schnell nach seiner Hand, bevor sie ihn noch aus den Augen verlöre.
Avatar: © by Jeelen

Antworten