Komm, s√ľsser Tod

Das gemäßigte Klima bietet beste Bedingungen, aber ist es auch wert, umkämpft zu werden. Das Herzland ist die Heimat der Urvölker Asamuras, während die Invasoren des Chaos sich von der Steppe aus verbreiteten und die alten Kulturen bedrohen.

Das Herzland
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Emilia
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Re: Komm, s√ľsser Tod

#21

Beitragvon Emilia » So 1. Jan 2017, 17:18

Als Valerius T√ľr und sogar Fenster verschloss ahnte Emilia bereits, dass sie in eine Falle getappt war. Es behagte ihr nicht, mit ihm im selben Raum eingesperrt zu sein. Sofort str√§ubte sich ihr getigertes Fell und die Augen beobachteten aufmerksam den Mann, welcher in aller Seelenruhe zu ihr sprach. Seine Lippen sprachen von einem auff√§lligen Zufall. Dies reichte Emilia bereits aus um zu begreifen, und ohne auf seine weiteren Worte zu achten, suchte sie das Zimmer nach einer Fluchtm√∂glichkeit ab. Doch es gab keine Ritzen zum Entkommen. Die einzige Sicherheit bot das schmale Bett, unter welchem sie wom√∂glich Unterschlupf gefunden h√§tte.

Er war stehen geblieben und sein unheimlich ruhiger Blick lag auf ihr. Verschreckt wich sie ihm aus, als er sich zur Kommode hinbewegte, und lugte dann argw√∂hnisch unter dem Tisch hervor, der ihr eine scheinbare Zuflucht bot. Dabei traute sie sich nicht, den Blick von ihm zu lassen, konnte sie seine Schritte doch nicht h√∂ren, falls er sich ihr n√§herte. Stattdessen jedoch nahm sie den Geruch im Raum wahr. Neben seinem Eigengeruch lag der intensive Duft von Farben in der Luft. Obwohl sie sich f√ľrchtete, realisierte sie gleichzeitig, dass sie dies als angenehm empfand.
Beim Betreten des Zimmers waren ihr die Gem√§lde aufgefallen und noch immer wunderte sie sich dar√ľber, wie ein solch grausamer Mensch bloss durch seine Bilder die Gedanken anzuregen vermochte. Sie hatte eine Landschaft erkannt, welche in weiches Mondlicht getaucht wurde und musste wieder daran denken, wie sie ihm im schwachen Moment ihrer ersten folgetr√§chtigen Begegnung von ihrer Sehnsucht nach dem Wald geschrieben hatte.

Und nun?
Ihre Gedanken vermochten sich kaum zu fokussieren, so sehr hielt die Anspannung sie gefangen.
Wollte er sie hier töten? Doch wäre das nicht allzu auffällig, sollte man sie hier auffinden?
Und ihre Familie w√ľrde doch bestimmt nach ihr Suchen lassen und die Stadtwachen informieren. Nur l√§ge sie bis dahin vielleicht schon tot in einer dunklen Gasse...

Selbstsicher begann er Briefe und Schriftst√ľcke auf dem Laken auszubreiten, z√ľckte sogleich einen Stift und schrieb selbst einige Worte.
Emilia war zwar neugierig, doch ausnahmsweise obsiegten sogar in ihrer Katzengestalt das Misstrauen und die Angst. Ihre Schweifspitze zuckte unruhig √ľber den Boden, w√§hrend sie sich zusammengekauert hatte. Sie w√ľrde nicht aus ihrem Versteck hervorkommen, und sollte er es wagen, sich zu ihr hinunter zu b√ľcken, w√ľrde sie ihm die Augen auskratzen.
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Re: Komm, s√ľsser Tod

#22

Beitragvon Dimicus » Mo 2. Jan 2017, 17:27

So wie es der junge Mann bereits geahnt hatte, so w√ľrde Emilia niemals auf seine Aufforderungen h√∂ren oder sich gar richtig zeigen. Nat√ľrlich hatte er gehofft, die junge Frau w√ľrde sich aus ihrer Gestalt wandeln und er k√∂nne richtig mit ihr reden, oder zumindest schriftlich kommunizieren, doch da kam sie ihm keinesfalls entgegen. Letzten Endes war dies aber auch nicht verwerflich, so war sie dcoh mit ihm in diesem Raum eingesperrt und er zwang sie dazu, seinen Worten Geh√∂r zu schenken.

Um es ihr jedoch leichter zu machen, so entschied er, hob er beschwichtigend seine H√§nde und deutete mehr als offensichtlich an, dass er noch immer unbewaffnet war. All die Stellen an denen er h√§tte Waffen verstecken k√∂nnen, offenbarte er ihr und somit war es eindeutig, dass die einzigen Waffen im Raum auf der Kommode lagen. Doch als n√§chstes blieb er nicht stehen, nein, ruhigen Schrittes bewegte sich Dimicus an dem Bett vorbei, direkt zur T√ľr und lehnte sich gegen diese.

Seine Waffen waren f√ľr ihn so unerreichbar und Emilia h√§tte direkt sehen k√∂nnen, wenn er zu ihnen eilen und ihr somit Schaden zuf√ľgen wollen. Sie hatte nun mehr als genug Freiraum, um sich zum Bett zu bewegen und das Gef√ľhl der Sicherheit umarmen zu k√∂nnen. Mit einer freundlichen und ansatzweise warmen Geste deutete er mit offener Hand auf die Papiere, die sich die Katze nun anschauen konnte. Mehr tat er nicht, er ruhte dort an der T√ľr und bewegte sich nicht.

Doch pl√∂tzlich h√∂rte er Schritte hinter sich, ein Klopfen durchbrach die pl√∂tzliche Stille des Raumes, als einer z√∂gerliche Stimme durch die T√ľr sprach: "Herr, seid Ihr anwesend? Man hat einen weiteren Brief f√ľr Euch abgegeben." - "Schiebt Ihn unter der T√ľr durch." Wieder trat kurze Stille ein, eher ein rascheln gefolgt von sich knickendem Papier vernahm, als der Brief durch den Spalt unter der T√ľr geschoben wurde und die Schritte sich wieder zu entfernen begannen. Neugierig und doch etwas verwundert zugleich hob er den Brief auf, er war nur klein, doch versiegelt. Schwarzes Wachs, auf dem ein Dolch gepr√§gt war. Dieses Symbol oder Siegel hatte er noch nie gesehen.

Allerdings k√ľmmerte ihn das im Moment wenig, denn die s√ľ√üe Stille zwischen Emilia und ihm bestand noch immer, diese Ruhe die in dem Raum lag war unheimlich und erf√ľllend zugleich. Langsam atmete der junge Mann, ihm schossen gerade die verschiedensten Ideen f√ľr seine Kunstwerke durch den Kopf, die Ruhe genoss er, so regte sie ihn immer zum Nachdenken an, inspirierte ihn gar. Diese Stille und doch so viele Worte, die ungesprochen im Raume umherirrten. So ging das Warten weiter, nichts passierte und er regte sich nicht. Irrte er sich?
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Re: Komm, s√ľsser Tod

#23

Beitragvon Emilia » Mo 2. Jan 2017, 23:22

Unbewaffnet oder nicht, Valerius stellte eine Gefahr dar.
Im Gegensatz zu Emilia, der man die Anspannung an jeder Stelle ihres Körpers ablesen konnte, schien er die Ruhe in Person zu sein.
Nicht einmal, als unter der T√ľr ein Brief durchgeschoben wurde, brachte es ihn aus dem Konzept. Nein, er stand nur weiter da und starrte L√∂cher in die Luft.
Emilia ahnte bereits, dass sie hier Wurzeln schlagen w√ľrden.
Leider konnte niemand wissen, wo sie sich befand und selbst wenn Gisela den zerrissenen Brief in ihrem Zimmer finden sollte, w√ľrde es kaum zu ihrer Rettung beitragen.
Eine Weile noch wartete sie ab, dann hielt sie es nicht mehr l√§nger aus. Gaaaanz langsam und behutsam, gerade so als ob sie √ľber Scherben gehen w√ľrde, setzte sie in geduckter Haltung eine Pfote vor die n√§chste bis zum Tischbein, wagte sich jedoch nicht in den offenen Raum hinein, den sie zuerst teilweise durchqueren musste, um das Bett zu erreichen.

Schliesslich schoss sie in einer fliessenden Bewegung los wie ein Pfeil und mit einem beherzten Sprung landete sie mitten in dem Papierhaufen. Mit einem drohenden Fauchen und gestr√§ubtem Fell gab sie Valerius zu verstehen, sich bloss nicht zu n√§hern. Dabei wirkte sie mutiger, als sie es eigentlich war. Sie stakste unelegant auf der weichen Decke herum und platzierte sich so, dass sie ihren Entf√ľhrer gut im Blick hatte. Was f√ľr ein Dilemma. Bestimmt wollte er nur, dass sie sich von den Schriften ablenken liesse, damit er sie zu fassen bek√§me... und gleichzeitig wusste sie irgendwie, dass Valerius sie nicht gehen lassen w√ľrde, bevor sie dieses bl√∂de Papier wenigstens scheinbar gelesen hatte!

Unschl√ľssig huschte ihr Blick zwischen den Schriften und dem Gef√§ngnisw√§rter hin und her. Schliesslich setzte sie sich, und wartete auf seine Reaktion. Nichts.
Sie seufzte und holte dann tief Luft, um sich den Papieren zuzuwenden ‚Äď und erstarrte.
Eigentlich hatte sie erwartet, dass es F√§lschungen w√§ren. Sie konnte sich zwar keinen Reim darauf machen, weshalb Valerius sich die M√ľhe geben sollte, ihr solche L√ľgen zu unterbreiten, doch etwas Anderes wollte sie nicht wahrhaben.
Aber als nun der zwar schwache, doch unverkennbare Geruch ihres Herrn Papa den Weg in ihre Nase fand, vergass sie f√ľr einen kurzen Moment sogar seinen M√∂rder.
Sie sah ihn vor sich, wie er √ľber seinen Schreibtisch gebeugt war, und im fahlen Kerzenlicht in seiner unverkennbaren Schrift gerade einen Brief beendete. Als er das kleine M√§dchen sah, hatte er gel√§chelt und sie war zu ihm gelaufen und auf seine Knie gekrabbelt, wo er ihr erlaubt hatte, den Siegelring in das warme Wachs zu dr√ľcken, mit dem er das Couvert sorgf√§ltig verschlossen hatte.
Sie zuckte zusammen, als sie eine Bewegung erahnte, doch Valerius hatte bloss eine Fliege verscheucht.

Nun war die Neugier, ihrem Widerwillen zum Trotz, doch geweckt. Es war nicht leicht gleichzeitig aufmerksam zu bleiben und einen Tagebucheintrag entziffern zu wollen. Die Rede war von einem Schuldner, welcher offenbar auf einige deutliche Anregungen ihres Herrn Papas hin doch noch seine Zeche bezahlt hatte. Womit wurde nicht genannt.
Emilia schaute zu Valerius hin√ľber. Und damit wollte er ihr was nochmals beweisen?
Sie versuchte sich an die Worte aus seinem Brief zu erinnern, den sie w√ľtend zerrissen hatte.
Ach ja genau… dass sein Tod gerechtfertigt war!
Augenblicklich wandte sie sich von dem Eintrag ab, und liess den Blick √ľber den zusammengew√ľrfelten Haufen gleiten. Eine Auflistung fiel ihr auf. Einige Namen darauf erkannte sie, es waren politische Gr√∂ssen wie Gerold Mollersdorf, Lucius von Ebersdorf oder Hanibald Hugentob. Daneben standen hohe Summen geschrieben. Abfindungen? Bestechungsgelder?
Die Annahme best√§tigte sich, als sie in einem Briefwechsel die Drohung von Lucius von Ebersdorf entdeckte, Frederick nicht mehr zu unterst√ľtzen, wenn sein Lohn nicht grossz√ľgiger ausfalle. Schliesslich h√§tte er sich ebenfalls f√ľr den besagten Posten bewerben k√∂nnen.
Emilia war w√ľtend dar√ľber, dass Valerius offensichtlich nicht √ľberall gelogen hatte.
Aber war es nicht das Recht eines Familienoberhauptes, Geheimnisse vor seiner Familie zu haben? Und war es nicht seine Pflicht, f√ľr den Unterhalt der ihm anvertrauten Liebsten aufzukommen?

Die junge Frau klammerte sich verzweifelt an der liebevollen Vorstellung ihres Herrn Papas fest, w√§hrend sie versuchte, ihre Wut gegen den jungen Mann zu richten, der sich hier wie ein Advokat auff√ľhrte. Was auch gar nicht schwer war.
Nachdem er ihr zuerst einen geliebten Menschen genommen hatte, wollte er nun auch ihre schönen Erinnerungen an ihn zerstören!
Sie fauchte ihn zornig an und f√ľhlte sich pl√∂tzlich unheimlich hilflos.
Am liebsten hätte sie geweint.
Warum sperrte er sie hier ein? Was wollte er von ihr? Sollte er sie doch endlich in Ruhe lassen!
Pl√∂tzlich f√ľhlte sie sich unheimlich eingeengt in dem Raum und hatte das Gef√ľhl kaum noch Luft zu bekommen. Unruhig zuckte ihr Schweif. Ein K√§fig, es ist wie in einem K√§fig!
Im selben Moment versp√ľrte sie ein bekanntes Kribbeln in ihrem K√∂rper, welches sie jedoch erleichtert willkommen hiess. Im selben Moment, als Emilia sich zu wandeln begann, schien auch die ver√§ngstigte Katze sich in ihrem Innern zur√ľckzuziehen.
Sie sp√ľrte eine neue Kraft in sich aufsteigen, ungez√§hmt und wild. Bereit, sie vor allem und jedem in Schutz zu nehmen. Alles um Emilia herum schien f√ľr einen Augenblick zu verschwimmen.
Die dunklen Haare schienen gleichzeitig auszufallen und in einem sandfarbenen Ton neu zu spriessen, so als hätte sie einen Fellwechsel, während sich ihr Körper unterdessen ausdehnte, und die feinen Pfoten zu kräftigen Pranken heranwuchsen. Das Bett knarrte bereits unter dem zunehmenden Gewicht.

Emilia bemerkte gar nicht, wie Flaverius neben ihr zur Kommode st√ľrzte und sich blitzschnell einen langen Dolch griff, um sogleich wieder aus ihrer Reichweite zu verschwinden.
Als ihre Wandlung beendet war, von einer Katzengestalt in die andere war es immer angenehmer, als in die Menschengestalt oder umgekehrt, sch√ľttelte sie kurz ihr Haupt. Dann fixierten ihre smaragdgr√ľnen Augen den Mann, welcher sich mutig vor der T√ľr positioniert hatte.
Sie gab ein leises, tiefes Knurren von sich, forderte ihn eindeutig auf, ihr den Weg freizugeben. Mit einem legeren Sprung bewegte sie sich vom Bett hinunter und stand gleich darauf in der Mitte des Raumes, einen grossen Schritt von Valerius entfernt. Sie hob ihren Kopf und witterte in der Luft. Deutlich konnte sie seinen Schweiss riechen. Sein Atem ging schneller als gewöhnlich, ausnahmsweise einmal wirkte er nicht mehr ganz so entspannt, wie er sich zuvor gegeben hatte.
Und nun geh aus dem Weg!, ein weiteres Grollen drang aus ihrer Kehle empor, die kr√§ftigen Fangz√§hne waren zu erkennen und der Schweif mit der dunklen Quaste fegte ungeduldig durch die Luft. Obwohl sie nicht mehr dieselbe Angst empfand wie zuvor, versp√ľrte sie noch immer eine Unruhe, welche sie dazu dr√§ngte, diesen Ort zu verlassen, und sie hatte nicht vor, dabei R√ľcksicht auf den Kerl zu nehmen, wenn er ihr dies verwehrte.
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Re: Komm, s√ľsser Tod

#24

Beitragvon Dimicus » Di 3. Jan 2017, 20:40

Mit aller Seelenruhe beobachtete er das Tun der Katze, w√§hrend sie ihn be√§ugte und mit unsicheren Schritten zu dem Bett tapsen wollte. Ihr Fauchen, das Zeigen ihrer Z√§hne und anlegen ihrer Ohren. Diese animalische Seite faszinierte den K√ľnstler ungemein, wie ein Mensch in dieser Gestalt sein konnte, sich wohl f√ľhlte? Allgemein fand er das Wesen eines Gestaltwandlers sehr interessant, diese Katze hatte menschliche Z√ľge in ihrem Verhalten und war doch durchweg Katze. Dieses Tier edlen Gebl√ľtes, welches er da erblickte und zu sch√§tzen wusste. Der grazile Gang, das Haupt und die aufmerksamen gr√ľnen Augen, welche ihre Umgebung abzusuchen und schlie√ülich noch die Menschlichkeit dieser Katze auszustrahlen wussten.

Jede kleine Bewegung, wie sie dort auf dem Bett sa√ü und aufmerksam die Papiere studierte, die die eindeutigen Beweise f√ľr Fredericks Schandtaten darstellen. Nat√ľrlich h√§tte Dimicus Emilias Vater auch ohne diese get√∂tet und in etwas verwandelt, was viel sch√∂ner war, als es dieser Mann h√§tte je werden k√∂nnen. Schlie√ülich war es doch die Verantwortung seines Genies und der Herrlichkeit seiner Kunst die es ihr √ľberhaupt erm√∂glicht hatte, ihren Vater stets in diesem wundervollen, gar friedlichen Bilde als Abschied im Kopf zu behalten. W√§re er nicht gekommen ‚Äď w√§ren andere f√ľr seinen Tod verantwortlich gewesen. Sie wusste nicht, sie verstand nicht, was es bedeutete, dieser Ehre teil zu werden. Doch er hoffte, sie w√ľrde es eines Tages verstehen. Falls es soweit kommen w√ľrde und er sterben sollte, durch ihre Hand, so w√ľrde sie im Angesichte seines Todes mit gro√üer Sicherheit die Sch√∂nheit und die s√ľ√üe Bitterkeit dessen entdecken. So weit musste es allerdings erst kommen und es war sehr unwahrscheinlich, dass sie ihn t√∂ten w√ľrde. Oder irrte er sich?

Denn in diesem unachtsamen Moment seiner Gedanken bemerkte er anfangs nicht, wie die Wandlungen Emilia heimsuchten, vor seinen Augen geschah das Wunder der Gestaltwandlung, welches er kurz vollkommen erstaunt und fasziniert zugleich verfolgte. Wie aus klein gro√ü und schlie√ülich noch gr√∂√üer wurde, wie sich ihre gesamte Physis von einem Moment auf den anderen ver√§nderte, vollkommen aus der Luft heraus scheinend und wundersch√∂n zugleich. Doch noch im richtigen Moment bekam er mit, dass sie allm√§hlich die Gestalt eines L√∂wen annahm, einem eleganten und zeitgleich t√∂dlichen Raub. Er verfluchte sich daf√ľr, noch kurz zuvor gedanklich diese Dinge √ľber seinen Tod gesagt zu haben.

Hechtend und ohne Umschweife eilte er zur Kommode, um zumindet noch die Chance auf eine Waffe bekommen zu k√∂nnen, welche ihm dank des andauernden Wandlungsprozesses noch gew√§hrt wurde. Nur ungern kam er ihr dabei zu nahe, der K√ľnstler wollte ihr erst gar nicht im Wege stehen, wenn sie mit ihren Pranken schlagen und ihre Rei√üz√§hne in sein Fleisch bohren konnte. Schnell brachte er sich zur√ľck vor die T√ľr, zumindest mit einem Dolch bewaffnet ging er in Stellung, zum Kampfe gegen ein Tier bereit. Sein Herz klopfte, sein Atem beschleunigte sich, als er die immer gr√∂√üer werdende junge L√∂win vor sich betrachtete. Er hatte seine Drohung gebrochen, sie t√∂ten zu wollen, wenn sie dies tun w√ľrde, doch wie konnte er dieser Sch√∂nheit etwas antun? Durchaus war sie in der Lage, mit nur einem Satz ihn umzuwerfen und ihm die Kehle aufzurei√üen, warum tat sie dies also nicht? Leichte Schwei√üperlen traten auf seiner Stirn hervor, Angst begann eiskalt seinen R√ľcken heraufzukriechen, w√§hrend sich die L√∂wing vollst√§ndig vor ihm aufbaute.

Nun hatte sie die Chance zur Rache, eine Tatsache die er nicht bedacht hatte, als er die junge Frau hier mit sich einsperrte. Welch t√∂richter Zug von ihm, wie konnte ihm das nur passieren, dieses wichtige Detail zu vernachl√§ssigen? Doch sie tat nichts, au√üer bedrohlich zu knurren. Es war eindeutig, dass sie nur hinaus wollte und keinen Kampf suchte. Ihre L√∂wengestalt schien sie zu besch√ľtzen, ihr zur St√§rke zu verhelfen. Es war alos tats√§chlich sie gewesen, die den Bettler t√∂tete. Doch wenn sie diesen einfach t√∂ten konnte, wieso z√∂gerte sie bei ihm? Er konnte sich vorstellen, dass sie einzusch√§tzen wusste, es mit einem K√§mpfer der nicht so leicht kleinzukriegen war zu tun hatte, aber er hatte kaum Platz zum man√∂vrieren.

Sie standen also da, Auge in Auge und die Augenblicke schienen beinahe gar nicht zu vergehen, w√§hrend das Knurren der L√∂win immer bedrohlicher wurde, er wohl einfach Platz machen sollte, statt ihren Rachegl√ľsten nachzugeben. Etwas was Dimicus nicht ganz zu begreifen wusste, doch hatte er eine andere Wahl? So konnte er froh sein, noch nicht tot zu sein und in diesem Moment gewann er einen riesigen Respekt vor dem innerem Wesen Emilias. Ihre majest√§tische Art, wie sie vor ihm thronte und einem unerschrockenen Geiste Angst einjagte. In diesem Moment wusste er, was er zu tun hatte, seine Kampfeshaltung anfang nicht aufgeben, so schloss er f√ľr einen Moment die Augen, atmete tief ein, als sich seine komplette Muskulatur entspannte.

Doch nur mit einem pl√∂tzlich Ruck und einer immensen Kraft sauste der Dolch nach vorn, vor ihm auf den Boden, wo sich die Klinge in den Holzboden vergrub und stecken blieb. Darauf lie√ü seine Hand den Stahl seiner Waffe los, wobei er sich wieder aufrichtete, gro√ü und wissend seiner Niederlage eingestehend. Mit einem anerkennenden Blick bedachte er sich, als er eine linke vor den Bauch hielt, die Rechte weit von sich streckte und sich schlie√ülich tief verbeugte. Er demonstrierte und ergab sich des Sieges Emilias, eine Schmach die er sich wohl nie verzeihen w√ľrde, doch ihm blieb nichts anderes √ľbrig. Sein eigener Tod war ihm dann doch nicht willkommen ‚Äď noch nicht.

Schlie√ülich stand er wieder, aufrecht und stolz wie er es immer war in solch einer Situation, ehe er die H√§nde im Nacken verschr√§nkte und mutig vorw√§rtslief, knapp vorbei an dem gro√üen Leib der L√∂win, welche ihn mehr als bedrohlich f√ľr diese Tat anknurrte und f√ľr einen Augenblick dachte er, sie w√ľrde ihm nun das Leben nehmen. Sein herz pochte wild und der Atem war mittlerweile unruhig dabei, Emilias gesch√§rfte Sinne durften diesen Umstand ohne Probleme sp√ľren k√∂nnen. Sein Weg f√ľhrte ihn zu dem im Raum befindlichen Fenster, vor welchem er schlie√ülich Halt machte, die H√§nde langsam nach vorn holte um das Schloss an jenem Rahmen zu √∂ffnen und diesen zu √∂ffnen. Weit √∂ffnete sich das Portal nach drau√üen, die eisige K√§lte des inzwischen hereingebrochenen Abends betrat das Zimmer und lie√ü den Almanen erschaudern, worauf er zur Seite trat und Emilia mit gen√ľgend Abstand die M√∂glichkeit der Heimkehr bot, seine H√§nde wieder hinter seinem Nacken verschr√§nkt.
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Re: Komm, s√ľsser Tod

#25

Beitragvon Emilia » Mi 4. Jan 2017, 16:53

Noch immer besass Valerius den Wagemut, ihr nicht aus dem Weg zu gehen. Gerade als Emilias Geduld sich langsam dem Ende zuneigte und der Drang zu verschwinden zunahm, ver√§nderte sich die Haltung des Mannes. Im n√§chsten Moment schnellte der Dolch in einer fliessenden Bewegung auf den Boden zu und blieb mit einem Nachschwingen dort stecken, w√§hrend Valerius den Griff losliess und sich langsam aufrichtete. Die L√∂win war zusammengezuckt und in einer Haltung gr√∂sster Anspannung. Sein rasches Handeln hatte sie zugegebenermassen √ľberrascht und er h√§tte es durchaus vermocht, sie schwer zu verletzten.
Gleichzeitig hatte er Gl√ľck gehabt, dass sie sich nicht instinktiv auf ihn geworfen hatte, was vielleicht auch damit zusammenhing, dass sie nicht gewohnt war, sich verteidigen oder gar angreifen zu m√ľssen.

Schliesslich verbeugte er sich vor ihr.
In ihrem Innern versuchte der menschliche Verstand sein Tun misstrauisch nach m√∂glichen Fallen und Beweggr√ľnden hin zu analysieren, w√§hrend die L√∂win Valerius selbstverst√§ndliche Unterwerfung mit erhabener Miene gleichm√ľtig hinzunehmen gedachte, solange er ihr und der T√ľr fernbleiben sollte. Die ansonsten so neugierige und verspielte Katze hingegen kauerte sich √§ngstlich in einer Nische des Bewusstseins zusammen.
Der Kompromiss ihres Innenlebens zeigte sich durch den achtsamen Blick, mit dem sie Valerius bedachte.
Die Spannung im Raum war beinahe greifbar, als er es tats√§chlich wagte, nicht etwa die T√ľr zu √∂ffnen und beiseite zu treten, sondern sich ihr seitlich zu n√§hern, und sie knurrte ihn w√ľtend an. Bald h√§tte er ihre Geduld √ľberspannt. Sie verfolgte seine Bewegungen, als er jedoch bloss an ihr vorbeiging, zum Fenster hin√ľber.
Emilia wandte sich zu ihm um, denn es behagte ihr nicht, ihn schräg hinter sich zu wissen, zumal ganz in der Nähe noch weitere Dolche herumlagen. Warnend ging sie ihm einen Schritt hinterher, bereit zum Sprung, sollte er einen Sprint zur Kommode versuchen.

Valerius machte sich am Riegel zu schaffen und das Fenster öffnete sich.
Ein frischer Lufthauch wehte der L√∂win entgegen, welcher die Ger√ľche der anbrechenden Nacht und der Stadt in sich trug. Und in eben diesem Moment √ľberkam Emilia ein Deja Vu.
Sie konnte beinahe den rauen Boden der Gasse unter ihren Pranken sp√ľren, so deutlich war ihre Erinnerung.
Doch war es wirklich eine Erinnerung oder bloss ein Traum?
Ihr Blick blieb an Valerius hängen und wiederum witterte sie seinen Geruch, welcher eindeutig von Angstschweiss geprägt war. Es kam ihr alles so vertraut vor. Wie er da an der Wand stand, keinen Ausweg sah. Ein Zittern durchlief seinen Körper, was sowohl der plötzlichen Kälte als auch seiner Unruhe zugeschrieben werden konnte.
Unbewusst tat Emilia einen Schritt in seine Richtung, die minzgr√ľnen Augen taxierten seine dunkle Gestalt. Er hatte die H√§nde hinter seinem Nacken verschr√§nkt. Schon einmal war sie ihm so nah gekommen, schon einmal hatte sie ihn auf diese Weise in die Ecke gedr√§ngt. Sie konnte sich nun verschwommen daran zu erinnern, wie er ihr in √§ngstlicher Ablehnung die H√§nde entgegengestreckt hatte. Und dann?
Ihre Erinnerungen wurden wieder undeutlicher, hatte er seine Lippen bewegt?
Sie meinte sich an Worte zu erinnern, die er ihr h√∂hnisch zugeworfen hatte: ¬ęDu wirst dieses Werk niemals vollenden!¬Ľ
Und dann hatte er gelacht, ein verächtliches und bösartiges Lachen.
Sein Angstgeruch gab schliesslich den Ausschlag, denn Emilias ganzes Wesen vertraute ihm mehr als ihren eigenen Augen.
Die Erinnerung des Geruches l√ľgte nie, es war kein Traum gewesen!

Die L√∂win sprang ‚Äď und riss Valerius unversehens von den F√ľssen.
Er kam unter ihr zu liegen und sie konnte den Angstschweiss nicht mehr nur riechen, sondern erkannte auch das nervöse Pulsieren seiner Halsschlagader, als er unter ihr zu liegen kam und sich instinktiv zu befreien versuchte.
Die L√∂win hatte die F√ľhrung √ľbernommen, wusste bloss, dass dieser Mann ihre Beute war, die ihr kein zweites Mal durch die Lappen gehen sollte.
Wie hatte es ihm damals bloss gelingen können?
Von ihren Lefzen tropfte der Geifer auf seine Brust. Er versuchte sich ihr zu entwinden, doch von einem tiefen Grollen begleitet, setzte sie ihm ihre Pranke auf die Brust und beugte sich vor. Die Krallen bohrten sich oberfl√§chlich in sein Fleisch und er konnte ihren warmen Atem sp√ľren, als sie seinen Geruch in sich aufnahm, was sogleich die Bilder von ihrem verstorbenen Vater in ihr Ged√§chtnis bef√∂rderte.
Ihr Blick glitt √ľber sein Gesicht, wo sich einzelne Schweissperlen bildeten, und dann starrte sie in seine Augen. Die Pupillen waren weit aufgerissen, doch sie waren unverkennbar tiefblau. Wie von der Tarantel gestochen schnellte sie von Valerius weg.

Heftig schnaufend kauerte sie vor der T√ľr, und obwohl sie den jungen Mann fixierte, schien sie ihn doch nicht wirklich wahrzunehmen.
Der seelenlose Blick aus den braunen Augen des Bettlers brannte sich wie ein Feuereisen in ihren Geist und mit einem Schlag wusste Emilia, dass sie seinen Tod zu verschulden hatte. Plötzlich zitterte die Raubkatze am ganzen Leib und gab ein gequältes Geräusch von sich, als ob sie selbst gerade einen Angriff erlitten hätte.
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Re: Komm, s√ľsser Tod

#26

Beitragvon Dimicus » Mi 4. Jan 2017, 20:21

Der leicht unruhige Blick Dimicus' ruhte auf die gro√üe Raubkatze, welche sich dem Fenster f√ľr ihre Flucht zu n√§hern schien. Sie konnte in die Freiheit, Emilia konnte sich das zur√ľckholen, was sie sich in diesem Moment wohl gew√ľnscht hatte. Doch hielt schon sehr bald inne, der K√ľnstler h√∂rte ihr Wittern, welches die Ger√ľche aufnahmen. Sowohl seinen als auch den von drau√üen, so wie er es zumindest vermuten konnte. So konnte er sich zumindest erkl√§ren, wie sie ihn hatte durch die Stadt verfolgen und finden k√∂nnen. Ihre Nase musste durch ihr inneres Wesen immens gesch√§rft sein.

Doch noch w√§hrend sie die D√ľfte aufnahm, ver√§nderte sich ihr Blick, ihre Haltung schien f√ľr sie unbewusst angespannter zu werden und einer ihrer Pfoten bewegte sich nicht zum Fenster, sondern zu ihm. Im selben Moment noch stellte er leicht einen Fu√ü zur√ľck, spannte seine Muskeln in seinem rechten Bein an, um im Notfall beiseite springen zu k√∂nnen. Etwas tat sich in ihr, die Ruhe die diesen Raum nun heimsuchte schien beinahe nun unheimlich und wenn sie nicht durch Laute von drau√üen unterbrochen w√§re, h√§tte man sicherlich den Schlag seines eigenen Herzens h√∂ren k√∂nnen. Tief atmete er aus, als sich die Muskeln dieser Gro√ükatze schlagartig anspannten und ihm vollkommen √ľberraschend den K√∂rper der L√∂win entgegentrugen.

Mit einem lauten Rumpeln und Fall auf seinen Hinterkopf, einzig abgefedert durch seine beiden H√§nde, st√ľlpte sich ein riesiger Schatten √ľber ihn. Seine Sicht war vollkommen verschwommen, er geriet in Panik, als Schmerzen seinen Kopf durchzuckten und seine √úberlebensinstinkte f√ľr diesen Moment √úberhand nahmen. Vollkommen bet√§ubt und schwummrig versuchte er sich zu bewegen, doch statt der sonst grazilen Bewegungen brachte er nur unkoordinierte Zappeleien zustande, um sich aus den F√§ngen der L√∂win zu befreien. Angst √ľbermannte ihn einfach, doch mit neugewonnenen Mut hatte er sich beinahe unter ihr hervorgewandt, ehe eine schwere Pranke auf seiner Brust landete und die Luft aus ihm herauspresste.
Mit gr√∂√üter M√ľhe und Not unterdr√ľckte er einen Schrei, als sich die Krallen der L√∂win in sein Fleisch bohrten und er rot sah. Vollkommen fixiert und wehrlos lag er nun dort, seine H√§nde gehorchten ihm vor Schock gar nicht erst. War es das nun? Get√∂tet von einer L√∂win, deren menschliche Seite nicht einmal zum T√∂ten imstande war? Sein Herz pochte wild, was die Gro√ükatze unter ihrer Pfote mit gro√üer Sicherheit sp√ľren konnte, die Luft wurde knapp, er konnte fast nicht atmen. W√ľrde sie ihm also nicht die Kehle herausrei√üen, so w√ľrde sie ihn ersticken. Deutliche Schwei√üperlen traten aus ihm aus, doch seine Augen gaben keine Tr√§nen her, wie es vielleicht bei dem Bettler war. Wenn es sein Tod war, so w√ľrde man sich dennoch an ihn erinnern. Wenn er doch nur sein letztes Bild selbst veredeln konnte.

Der auf seine Brust tropfende Speichel brannte, da er mitunter in die Wunden kam, die die Krallen Emilias schlugen. Seine Augen zuckten wild, seine Sicht verschwamm immer weiter zu einem Tunnel der nahenden Bewusstlosigkeit, als er als letztes Bild vor seinen Augen keine L√∂win und nicht das Zimmer sah, sondern jenen Wolf und das Blau des Himmels, als er eigentlich einst h√§tte sterben sollen. Doch dieses Bild wechselte schnell wieder, als sich der warme Atem der Katze √ľber sein Gesicht legte, die minzgr√ľnen Augen seine fest fixierten und ein intensiver Blickkontakt stattfand, der tief in die Seele des anderen reichte. Seine Sicht wurde immer enger und sein K√∂rper taub, ehe pl√∂tzlich sich etwas im Gesicht der L√∂win √§ndert, genauer in ihren Augen. Schrecken strafte diese und ehe er sich versah, wurde das Gewicht der Pfote von seiner Brust genommen, feine F√§den seines Blutes spritzten um ihn.

Die pl√∂tzliche M√∂glichkeit wieder zu atmen, f√ľhlte sich wie die s√ľ√üliche Erl√∂sung an, die er ersehnt hatte. Seine Lungen begr√ľ√üten die Luft voller Freude, doch vertrugen sie nicht pl√∂tzlich so viel auf einmal, eher er krampfhaft zu husten begann und sich auf den Bauch drehte, sich auf allen Vieren aufrichtete. Heftiger Husten strafte ihn, dass sich gar nicht erst beruhigen wollte und f√ľr einen Moment nicht zu kontrollieren war. Zu seinem Gl√ľck lie√ü es jedoch schnell wieder nach, als einer seiner H√§nde sich auf das Bett neben ihn legte und ihm aufhalf. Leicht wankend stand er schlie√ülich wieder auf den Beinen, vor ihm seine Dolche. Zuerst wollte er danach greifen, seine Instinkte siegen lassen und Emilia f√ľr diesen Fehler b√ľsen lassen. Seine Hand streckte sich aus, die Finger ragten danach, doch ... er hielt kurz davor inne und seine Hand lockerte sich wieder.

Sein Blick wandte sich zu Emilia, √ľber die Schulter blickte er sie an, als er mit seiner Hand an seine Brust fasste und sein Blut unter den Fingern sp√ľrte. Fein nahm er es auf seinen Zeigefinger, hielt es in das Licht der Kerzen des Raumes und verrieb es schlie√ülich mit seinem Daumen. Wacklig drehte er sich um, betrachtete die L√∂win die ihn zu beobachten und doch so weit weg mit ihren Gedanken zu sein. Dimicus ahnte, was sie durchmachte. Sie war keine M√∂rderin, sie hatte nicht die Mentalit√§t dazu und doch hatte sie vor kurzem diesen Bettler get√∂tet. Auf die selbe Art, wie sie sie ihn jetzt get√∂tet h√§tte.

Leicht humpelnd und kaum f√§hig, feinere Bewegungen zu t√§tigen, bewegte er sich langsam und ruhig auf die L√∂win zu. Sein Blick fixierte den ihren, schaut ihr direkt in die Seele, genau so wie sie es konnte. Noch ein gutes St√ľck von ihr weg kniete er sich nieder, beobachtete sie. Darauf bewegten sich seine Lippen langsam, deutlich, auf der Hoffnung Emilia w√ľrde sie lesen k√∂nnen: "Du erinnerst dich an den Bettler, nicht wahr? Es ist ein schrecklicher Schmerz. Ich kann dich verstehen, Emilia." Seine Hand an dem noch ein wenig seines Blutes klebte, streckte sich der Gro√ükatze entgegen, die Handfl√§che nach oben und sich anbietend ‚Äď ihr zu helfen.
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Re: Komm, s√ľsser Tod

#27

Beitragvon Emilia » Do 5. Jan 2017, 16:45

Bei Ainuwar, was habe ich getan?
F√ľr einen Moment ist dies der einzige Gedanke in meinem Kopf und ich kann nicht ganz beurteilen, ob sich die Frage auf die Szene gerade eben oder auf jene Erinnerung aus der Vergangenheit bezieht, welche allm√§hlich Form annimmt.
Ich habe einen Menschen getötet! Wie konnte das bloss geschehen? Und gerade eben… hätte ich beinahe dieselbe Tat noch einmal begangen.
Die Gr√ľnde sind f√ľr mich in diesem Moment unerheblich, denn nichts auf der Welt kann solch ein Vergehen rechtfertigen. Ich sp√ľre wie ein Zittern meinen kr√§ftigen K√∂rper durchl√§uft und auf einmal f√ľhle ich mich klein und hilflos wie ein Welpe.
Der Bettler… ich sehe seine braunen Augen nun ganz deutlich vor mir. Im Tod blickten sie beinahe vorwurfsvoll. Doch zuvor... Das Gesicht von Valerius schiebt sich vor das ältere und auch in seinen blauen Augen sehe ich einen Moment lang die Todesangst aufblitzen.

Der pl√∂tzliche innere Aufschrei meines Selbst hat sowohl die Katze als auch die L√∂win f√ľr eine Weile vertrieben. Mein Verstand arbeitet auf Hochtouren und versucht, das neu erlangte Wissen zu verarbeiten.
Ich erinnere mich pl√∂tzlich an die Ger√ľchte des reissenden Hundes, welcher durch die Gassen streifte. Meine Tante Lucinda hat uns deswegen alle unter strenger Beobachtung gehalten.
Ahnte sie vieleicht, dass sie das Monster unter ihrem eigenen Dach beherbergt?
Mich schaudert bei dem Gedanken.
Bin ich wom√∂glich eine Gefahr f√ľr die Familie? M√ľssen die Menschen in der Stadt nun nicht mehr den Rosend√§mon f√ľrchten, sondern eine blutr√ľnstige Bestie ‚Äď mich?

Am Rande nehme ich wahr, wie Valerius sich hustend vom Boden hochkämpft. Ihm scheint es so weit gutzugehen, abgesehen vielleicht von einigen Quetschungen, blauen Flecken und einem ausserordentlichen Schreck.
Seine Hand tastet nach den Dolchen, die noch immer auf der Kommode liegen. Bis jetzt hat er sich viel zu h√∂flich verhalten f√ľr den M√∂rder, der er ist. Meine Gedanken stocken bei dem Wort, welches mich mit Abscheu und Zorn erf√ľllt.
Nun bin auch ich nicht besser als diese Gestalt vor mir.
Vielleicht w√ľrde er nun endlich sein wahres Gesicht zeigen und mir mit dem Dolch den Todesstoss versetzten. Mit einem Hauch der Ironie √ľberlege ich, dass ich dann wenigstens in einem Beet voller Rosen ruhen werde.
Zu meiner Verwunderung bleiben die Waffen jedoch unber√ľhrt liegen, stattdessen torkelt der junge Mann wacklig zu mir her√ľber, und l√§sst sich unweit zu Boden sinken.
Sein Atem hat sich etwas beruhig, doch er sieht mitgenommen aus. Mein Angriff hat Spuren hinterlassen. Die Kleidung ist an der Brust eingerissen und ich kann Blutspuren darauf ausmachen. Sein Gesicht ist noch bleicher als sonst, was den starken Kontrast zu den dunklen Haaren und den tiefblauen Augen verstärkt.
"Du erinnerst dich an den Bettler, nicht wahr? Es ist ein schrecklicher Schmerz. Ich kann dich verstehen, Emilia."
Sofort wende ich den Blick ab. Ich will seine verst√§ndnisvollen Worte nicht sehen und diese tiefgr√ľndigen Augen, die mich an meinen eigenen, wiederholten Kontrollverlust erinnern.

Am liebsten w√ľrde ich mich in Luft aufl√∂sen, doch dies geschieht nat√ľrlich nicht. F√ľr einen Moment schliesse ich die Lieder und achte auf meinen pochenden Herzschlag, der regelm√§ssig mein Blut durch den K√∂rper pumpt und mich mit Energie versorgt.
Als ich sie wieder √∂ffne sehe ich, dass Valerius mir seine Handfl√§che entgegenh√§lt. Ich bemerke das Blut, welches daran klebt und f√ľhle ein Schwindelgef√ľhl.
Ich habe ihn angegriffen!... aber er lebt noch, schau doch, es geht ihm gut, versuche ich mich gleichzeitig selbst zu beruhigen.
Ausserdem hat er es verdient, einmal selbst in diese Lage zu geraten, setzt eine fiese Stimme hinterher.

Schliesslich erhebe ich mich langsam. Da er kniet, sind wir nun auf einer Augenhöhe, wobei ich seinem offenen Blick nicht standhalten kann. Sein Brustkorb hebt sich noch immer schwer und ich hoffe, dass keine Knochen gebrochen sind.
Ich n√§here mich ihm langsam, seine Geste ignorierend. Dann, als m√ľsste ich mich davon √ľberzeugen, dass er wirklich noch lebt, beschnuppere ich ihn unwillk√ľrlich, nur eine Handbreit von einer Ber√ľhrung entfernt. Eine G√§nsehaut beginnt sich augenblicklich √ľber seinen K√∂rper auszubreiten und ich erkenne, wie sich die feinen H√§rchen aufstellen.
Nat√ľrlich bin ich mir der Wirkung meines Verhaltens nicht wirklich bewusst. Wie sollte ich auch erahnen, wie es sein muss, wenn einen nur wenige Zentimeter von den F√§ngen einer ausgewachsenen Raubkatze trennen?
Zu Hause spielte ich immer völlig gedankenlos mit meiner Zofe, die mich von klein an kennt und nur manchmal ihre Bedenken hatte, wenn die Löwin allzu ausgelassen auf sie zu rannte.

Nur sein Geruch verst√∂rt mich immer wieder aufs Neue und l√∂st Erinnerungen aus, so dass ich schliesslich etwas verschreckt zur√ľckzucke.
Er lebt, ist gesund und munter, das ist ja noch einmal gut gegangen!, beschwichtige ich mich sogleich.
Seine H√§nde liegen inzwischen auf seinen Knien, er wirkt so viel ruhiger, als ich mich gerade f√ľhle.
Der Blutgeruch steigt mir wiederum in die Nase, lässt mich nervös werden. Die Löwin meldet sich interessiert zu Wort.
Dann aus einer Eingebung heraus, senke ich mein Haupt und fahre mit meiner rauen Zunge √ľber seine Hand. Zuerst vorsichtig, beinahe eine Geste der Entschuldigung, dann energischer, bis das Blut sauber weggeleckt ist.
Ich meine eine zaghafte Ber√ľhrung an meinem Fell zu sp√ľren, bin mir dessen aber nicht sicher, denn meine Aufmerksamkeit wird anderweitig beansprucht.

Denn meine Geschmacksnerven schreien gierig nach mehr und ich versp√ľre den animalischen Drang, meine Z√§hne in seinen Arm zu schlagen. Mit einem Schauder erinnere ich mich pl√∂tzlich an die unheimlich gute Empfindung zur√ľck, als ich nachts √ľber die D√§cher gerannt war unter einem wolkenverhangenen Himmel. Und wie euphorisch ich mich f√ľhlte, als ich meine vermeintliche Beute erlegt glaubte.
Mit einer immensen Willensanstrengung zwinge ich mich schliesslich dazu, vor ihm zur√ľckzuweichen.
Ich bin noch immer eine Gefahr!
Und es n√ľtzt niemandem etwas, mir etwas anderes beweisen zu wollen...

Verzweiflung droht in mir aufzusteigen, ich dränge sie jedoch entschlossen nieder.
Ich darf jetzt bloss nicht die Kontrolle verlieren. Ich muss von hier verschwinden.
Meine Familie‚Ķ ich darf nicht nach Hause zur√ľckkehren.
Die Löwin kratzt an der Oberfläche, ich habe noch immer den eisernen Geschmack des Blutes in meinem Maul.
Als ich das Fenster erreiche, atme ich erleichtert die neuen Ger√ľche ein. Nach einem letzten Blick zur√ľck, springe ich aus dem ersten Geschoss hinab. Eine Ratte rennt ver√§ngstigt davon und ich folge ihr, hinein in das Gassengewirr der Stadt, an einen Ort, der Sicherheit verspricht.
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Re: Komm, s√ľsser Tod

#28

Beitragvon Dimicus » Fr 6. Jan 2017, 01:20

Ruhend auf seinen Knien betrachtete er die L√∂win, welche sich mehr als offensichtlich unwohl f√ľhlte. Die Flammen in ihren Augen, welche er f√ľr einen Moment betrachten durfte, zeugten von dem inneren Kampfe, den Emilia in diesem Moment ausfechtete. Trotz seiner Schmerzen und der blutenden Wunden, versuchte Dimicus so ruhig und konzentriert auf selbiges zu achten. Etwas passierte mit Emilia, es l√∂ste sich in ihr und der K√ľnstler erkannte die Qualen dieses armen Wesens. Seine Empfindungen konnten ihr Leid nachvollziehen, dass was sie durchmachte war etwas, was wohl jeder nach seinem ersten Opfer versp√ľrte. Ja, selbst seine Brillianz wurde anf√§nglich von dieser Hilflosigkeit benebelt, doch hatte er es akzeptiert. Vielleicht konnte er ihr helfen?

Doch was hatte er davon? Im Grunde nichts, doch die Verbindung zu ihr, welche er versp√ľrte und als unbeschreiblich verstand, machte es ihm schwer dies nicht zu tun. Genau so wie diese Stimme ihm versagt hatte, Emilia f√ľr die Frevelei die sie seinem K√∂rper angetan hatte zu bestrafen. Dieses Gef√ľhl verstand er nicht, versteckte es aber dennoch gut. Vermutlich lag es nur daran, dass sie ihn an sich selbst erinnert, als er anfangs vollkommen hilflos durch die W√§lder striff und auf sich allein gestellt das √úberleben lernen musste. Ihr erging es nicht anders ‚Äď nur in einem anderen Umfeld.

Diese Hilflosigkeit und Unsicherheit ihrerseit jedoch f√ľhrte schnell dazu, dass seine Hand sich wieder senkte, so kam keinerlei Reaktion anfangs von ihr und seine Verletzungen raubten ihm eine Menge Kraft. Da glaubte er auch, sie w√ľrde sich einfach aufrichten und gehen, doch statt an ihm vorbei n√§herte sie sich ihm. Sofort l√§uteten alle Alarmglocken bei ihm, Angst wollte ihn abermals √ľbermannen, doch zumindest von einer Fluchtreaktion hielt er sich ab. Ganz im Gegenteil, er blieb so ruhig wie es nur m√∂glich war sitzen, auch wenn er einen kalten Schauer √ľber seinem kompletten K√∂rper versp√ľrte, als die Nase der L√∂win seinen Duft abermals aufnahm und sie ihm somit sehr nahe kam.

Im n√§chsten Moment jedoch, √ľberraschte ihn die Geste der jungen Frau mehr als alles andere. Ihre L√∂wengestalt senkte den Kopf zu seiner Hand und begann z√∂gerlich, sie mit ihrer Zunge vom Blute zu reinigen. Im ersten Moment spannte sich der komplette K√∂rper Dimicus' an, so hatte Angst sie w√ľrde im wahrsten Sinne des Wortes nur Blut lecken. Mit aller Kraft hielt er aber seinen Fokus aufrecht und begann, seine Hand zu heben und sie ihr leichter zug√§nglich zu machen, was ihm ein gr√ľndlicheres und schlie√ülich auch selbstsichereres Auftreten Emilias bescherte. Zuerst z√∂gerlich hob er seine linke Hand an, f√ľhrte sie zu ihrer Flanke als sich seine Finger in das weiche Fell vergruben und sie zaghaft zu streicheln begannen.

Ein unglaubliches Gef√ľhl machte sich in ihm breit, dieses majest√§tische Tier und diese zugleich zerbrechliche Frau ber√ľhren zu k√∂nnen, ohne dass sie ihn t√∂ten wollte. Jedenfalls machte sie im Moment nicht den Anschein. Leicht legte er den Kopf schief, als er die L√∂win betrachtete und durch ihr gepflegtes Fell strich, was wohl kaum einem anderen gew√§hrt wurde. Diese reine Eleganz die davon ausging, er f√ľhlte sich wie ein K√ľnstler der zum ersten Mal eine besonders wirkende Farbe ausprobierte, die mit dem Auge kostete und genoss.

So unbegreiflich dieser Moment aber auf ihn wirkte, so währte er nun doch nur kurz. Mit einem plötzlichen Ruck setzte sie sich wieder von ihm ab, ein kurzer Blickkontakt entstand noch, in dem Dimicus Angst erkennen konnte, ehe sie an ihm vorbei zum Fenster schritt und mit einem Satz hinaus in die Nacht sprang. Mit einem Mal war es wieder still im Raum und der junge Mann war wieder allein. Die Erlebnisse der letzten Stunde waren mehr als aufregend gewesen, ein plötzlicher Blitz schoss in seine Gedanken und er hatte eine Inspiration. Seine Schmerzen und das Tropfen seines Blutes jedoch zogen ihn aus den Gedanken heraus, als er sein Gesicht verzog und von einem kurzen, stechenden Schmerzen wieder geweckt wurde.

Es war ein Wunder, dass niemand von dem ganzen Tumult etwas mitbekommen hatte, doch das Bordell war um diese Uhrzeit mehr als belebt und diese Ger√§usche von stumpfen Schl√§gen, sowie St√∂hnen war nicht unbedingt un√ľblich. Doch es wurde Zeit seine Wunden zu versorgen, weswegen er sich nur beschwerlich zu erheben begann und zu seinen Sachen her√ľber wankte. M√ľhsam kramte er eine Dosis schmerzlinderender Kr√§uter hervor, eine alchemische Salbe zum Desinfizieren der Wunden und schlie√ülich einen Verband.

Was zuerst das Wichtigste war, waren die Kr√§uter die er zerkaute und schlie√ülich schluckte, seine Schmerzen wurden gehemmt, um schlie√ülich seine R√ľstung sowie die Kleidung ablegen zu k√∂nnen. Vorsicht s√§uberte er die Krallenspuren mit etwas Wasser, worauf er die stark brennende Salbe auftrug. Zu seinem Gl√ľck hatte er an die Kr√§uter gedacht, sonst w√ľrde er vor Schmerzen aufschreien. Mit zittrigen H√§nden schaffte er es, wenn auch ungeschickt, schlie√ülich den Verband anzulegen. Seine Atmung war nicht beeintr√§chtigt, er war nur geschw√§cht aufgrund des Schocks und des leichten Blutverlustes. Nichts was sich nicht wieder legen sollte. Den Brief, welchen er zuvor in seiner Tasche gesteckt hatte, legte er auf den Tisch, sein K√∂rper schrie nach Ruhe und als er in das Bett fiel, nahm dieser sie sich einfach...

Am nächsten Morgen...

Ruhig schlug der K√ľnstler seine Augen auf, durch das Fenster seines Raumes schien die Sonne hinein, w√§rmte seine Nasenspitze als er sich aufzusetzen begann. Die vorherige Nacht war eine Probe f√ľr ihn und seinen K√∂rper, in Ruhe versuchte er noch einmal zu refelektieren, was eigentlich geschehen war. Emilia, der Kampf zweier ungleicher Gegner und schlie√ülich diese seltsam friedliche Begegnung. Kein Moment glich dem anderen und seine Neugierde wurde schnell erweckt, welche aber schnell von etwas anderem abgel√∂st wurde: Inspiration.

Mit neuer und vollkommener Energie schoss ihm ein Bild in den Kopf, weswegen er aufsprang, zu seiner kleinen Malereiwerkstatt ging und sofort loslegte. Strich f√ľr Strich wurde auf die Leinwand getragen, Farben und Emotionen f√ľllten das Bild um schlie√ülich zu einem, einzigartigen Kunstwerk zu verschmelzen. Seine Visionen wurden mithilfe seiner Pinsel und der Verg√§nglichkeit der Zeit Realit√§t, als sie schlie√ülich zu ihrem kr√∂nenden Abschluss fanden. Seine Augen huschten √ľber das Bild und betrachteten es zufrieden.

Vor ihm sa√ü eine L√∂win, stolz und erhaben ruhte sie auf einem Vorsprung, der √ľber einem Tal thronte. Gef√ľllt mit B√§umen, Gr√ľn und Gebirgen wirkte es friedlich, die L√∂win schien die K√∂nigin dieser Ebenen zu sein und ihr edles Aussehen wurde nur von der R√ľstung abgerundet, die sie trug. Platten √ľber den Schultergelenken der Vorderpfoten, verziert mit Rosen, von welchen aus Ranken den Oberk√∂rper des grazilen Tieres umfassten, sich zu einem sch√ľtzenden Panzer formten. Sein L√§cheln wurde nur noch breiter und die Z√ľge zufriedener, als er dieses Gesamtbild betrachten durfte.

Darauf folgte sein Blick auch schnell wieder in Richtung des Fensters, welchen ihn zur√ľck in die Realit√§t holte. Statt der morgendlichen Sonne, war bereits das Abendrot zu sehen und die Zeit hatte sich um ihn einfach aufgel√∂st. Nun merkte er auch, wie sein K√∂rper ausgelaugt war, nach Wasser und Essen lechzte und endlich wieder gest√§rkt werden wollte. Womit er sich auch schon umdrehte und seiner Kleidung bem√§chtigte, wo ihm im selben Moment auffiel, dass er diese n√§hen, sowie seine R√ľstung flicken lassen musste. Es w√ľrde also noch ein l√§ngerer Abend werden und er wurde noch l√§nger, als er den l√§ngst vergessenen Brief zu betrachten bekam. Doch diesen Moment nahm er sich noch Zeit, als er das schwarze Siegel brach und zu lesen begann:

An den Rosenliebhaber!

Die Freude die Du w√§hrend Deines k√ľnstlerischen Schaffens empfindest, ist unverkennbar.
Die Passion, die Liebe zum Detail, Dein außergewöhnliches Geschick.
Kunst kommt wirklich von K√∂nnen, wie Du uns vortrefflich vor Augen f√ľhrst.
Deine Blumenmalerei macht f√ľr das Auge sichtbar, was Blumen in ihrer Essenz repr√§sentieren. Ein wundervoller Aspekt Deiner k√ľnstlerischer Darstellung.
So sehr wir Deine Kunst auch schätzen und achten, Du bist leider im falschen Garten mein Freund.
Dieser Garten ist in fester Hand, wird gehegt und gepflegt wie auch bewacht. Und so beobachten wir auch Dich.
Solltest Du weiter in diesem Garten wandeln wollen, musst Du Dich unserer Gemeinschaft anschließen.
Andernfalls musst Du diese gr√ľnen Gefilde verlassen um in anderen G√§rten Deine Rosen zu finden und zu pfl√ľcken.

Mit besten kollegialen Gr√ľ√üen


Noch w√§hrend des Lesens weiteten sich die Augen Dimicus' und was er dort zu lesen bekam, machte ihn vollkommen sprachlos. Wie hatten ... wer hatte ... ? Vollkommen ungl√§ubig blickte er darauf und wusste nichts damit anzufangen, er konnte sich keine Antwort zusammen reimen. Niemand au√üer Emilia wusste, wer er war und er bezweifelte, dass sie etwas verraten hatte. F√ľr diesen einen Moment stockte sein Atem, doch er regulierte sich schnell wieder und seine Lippen verzogen sich zu einem Grinsen. Mich m√∂chte jemand herausfordern, mir drohen? So sei es. Doch es gibt noch andere Dinge zu erledigen, ehe ich mich euch Uninspirierten widme. Mein Geist wird die Kunst schon noch zu euch tragen, primitive Barbaren. Ohne weitere Umschweife nahm er den Brief und hielt ihn in die Flamme einer nahestehenden Kerze, als er schlie√ülich Feuer fing und er diesen durch das Fenster in die Gasse fallen lie√ü. Seine Stimmung hatte sich gewandelt, man hatte ihn herausgefordert, genau wie Wilfried, sie w√ľrden daf√ľr bezahlen. Doch noch gab es so viel zu tun...

Eine Woche verging...


Es war nun schon einige Tage her, dass er diese schicksalhafte Begegnung mit Emilia hatte, worauf auch noch der Brief von dieser mysteri√∂sen Gruppe aufgetaucht war. Nat√ľrlich war Dimicus nicht unt√§tig gewesen und neben der Reparatur seiner Ausr√ľstung, hatte er sich seine Bestellung bei einem Maskenbildner des Untergrundes abgeholt. Die Kiste hielt er aber weiter verschlossen, magisch durchsetzt und einzigartig war dieses St√ľck und noch war nicht die Zeit, dieses neue Antlitz der Welt zu pr√§sentieren. Man hatte ihn durchschaut und diesen Fehler durfte er nicht noch einmal machen, er musste gr√∂√üer werden, pr√§senter und doch verdeckter. Dieses Werkzeug w√ľrde ihm helfen, er war sich sicher.

Denn bei den Nachforschungen die er zu Wilfried anstellte, zudem sein Auftritt den er ihm gegen√ľber plante, erforderte es mehr Eindruck zu schinden, im Ged√§chtnis zu bleiben, ehe es Dimicus auszul√∂schen vermochte. Denn Emilias zuk√ľnftiger Ehemann w√ľrde niemals den Bund eingehen, das war gewiss und niemand konnte es aufhalten. Jemand der sie als einen Spielball ansah, um an die Reicht√ľmer ihrer Familie zu gelangen, einer Tochter seines wohl lukrativsten und einzigartigsten Mordes, hatte es nicht verdient Hand an sie zu legen. Der K√ľnstler w√ľrde f√ľr das ewige Schweigen dieses Mannes sorgen, auf dass er allerdings f√ľr immer in den Erinnerungen seiner Familie, als auch der gesamten Stadt bleiben w√ľrde.

Seine Informanten wussten viel √ľber Wilfried, welcher sowohl in der Unterwelt als auch in der adligen Rige einen gewissen Ruf hatte, welcher ihm, wenn man genau fragte, schnell vorauseilte. Vielleicht hatte er sich nie etwas zu Schulden kommen lassen, dennoch pflegte er gute Kontakte in die Unterwelt und erst vor kurzem hatte er sich schlie√ülich um eine M√∂glichkeit bem√ľht, Dimicus pers√∂nlich eine Nachricht zukommen zu lassen. Am n√§chsten Tage, so hatte sich es Dimicus vorgenommen, w√ľrde er das erste Mal seine neue Identit√§t versuchen. Er w√ľrde mit Wilfried reden, doch auf eine neue Art und Weise.

Am vorherigen Abend wandelte der K√ľnstler, gerade wieder zur√ľck von seinen Kontakten und Besorgungen, durch die Stra√üen, zur√ľck zum Bordell. Um Malik und ihren Pl√§nen war es allm√§hlich ruhig geworden, dennoch wurde er mit dem Gegengift versorgt, was ihn weiterhin zu einem Sklaven ihrer macht. Doch hoffentlich nicht mehr lang, bis das Gift vollst√§ndig abgebaut war. Auch hier bedeutete es noch Geduld. Zu seiner Zeit w√ľrde er noch kommen, da war er sich absolut sicher.

Ruhigen Schrittes ging er durch die abendlichen Stra√üen Drakensteins, es war nicht mehr weit bis zum Bordell und seinem vor√ľbergehenden Zuhause, als er pl√∂tzlich einige Stimmen bemerkte, welche aus einer der dunklen Gassen drangen. Zwei offensichtliche M√§nner bedr√§ngten eine kleinere, zierliche Person, eine Frau die scheinbar den beiden kaum etwas entgegenzusetzen hatte. Es w√§re nicht die Angelegenheit Dimicus gewesen, so h√§tte er nicht im schwachen Licht die braunen Locken einer ihm bekannten Person erkennen k√∂nnen. Fraglich war es nat√ľrlich schon, ob sein Instinkt Recht behielt, doch er entschied sich schnell dort dazwischen zu gehen, den Eventualit√§ten zum Trotz.

Als er im Schatten n√§her kam, seine Kapuze tief ins Gesicht gezogen, erkannte er tats√§chlich Emilia in ihrer menschlichen Form. Warum war sie so unterwegs, wo sie sich doch als Katze unbehelligter bewegen konnte? "- wehre dich nicht so!", ert√∂hnte einer der Stimmen zum Abschluss, als schlie√ülich beide M√§nner in ein gemeinsames, dreckiges Lachen √ľbergingen. Dabei packten beide wohl nicht das erste Mal pl√∂tzlich zu, um sie zu fixieren. War es wirklich Emilia? Warum verwandelte sie sich nicht? Wehrte sich? "Hey!", ert√∂nte es lautstark aus Dimicus Kehle, die Beiden hielten sofort inne und starrten den in Schatten geh√ľllten K√ľnstler an. "Verschwinde, hier gibt es nichts f√ľr dich!", rief einer zur√ľck, doch Dimicus schritt einfach weiter auf sie zu, reichte bereits unter seinen Mantel. Die beiden schienen aber von der typischen Schl√§gersorte zu stammen, denn statt noch einmal etwas zu sagen, stie√ü einer der beiden Emilia sofort zu Boden, w√§hrend sie auf ihn zuzutrotten begannen.

"Das war dein letzter Fehler, Gro√ükotz.", spuckten sie gro√üe T√∂ne, doch hielten sie pl√∂tzlich inne, als etwas in der Dunkelheit unter Dimicus Mantel hervorblitzte, durch die Luft surrte und schlie√ülich im Fleisch des Oberschenkels einer der Beiden versenkte. Ein lauter Schmerzensschrei ert√∂nte, als der Getroffene zur√ľcktaumelte und sein Kollege nur √§ngstlich drein schaute. Wie der Feigling der er war, ergriff der Unversehrte sofort die Flucht, lie√ü seinen Kameraden im Stich, als ein zweiter Wurfdolch diesen zu Fall brachte. Mit Keuchen und Flehen kroch er weiter, wollte seinem Schicksal entrinnen, w√§hrend er f√ľr einen Moment mit weinerlichen Augen Emilia anstarrte.

All das half aber nichts, als sich Dimicus schon bei ihm befand, einen Stiefel auf den Oberk√∂rper des Getroffenen stellte und ihn auf dem Boden fixierte. Dimicus' n√§herte sich mit dem unerkenntlichen Kopf dem angsterf√ľllten Gesicht des Schl√§gers. "Du hast Gl√ľck mein Freund, dass ich im Moment andere Prorit√§ten habe, deswegen wird es schnell gehen." Schon war ein Dolch am Halse des Mannes, der Druck verst√§rkte sich und doch ‚Äď das Keuchen und Atmen des Mannes erstarb nicht, sein Gesicht verzog sich nur vor Schmerz, als Dimicus seine Haut am Halse aufschnitt, aber nicht tief genug um ihn ernsthaft zu verletzen. Es blieb dem Triebt√§ter jedoch nicht verwehrt, in den Genuss der Wurfdolche zu kommen, die aus seinem Fleisch gezogen und an seiner Kleidung abgewischt wurden. Die Schmerzen die der Mann haben musste, schienen unertr√§glich und noch bevor Dimicus fertig war, driftete sein Opfer in die Bewusstlosigkeit.

Er sollte es √ľberleben, die Wunden waren nicht lebensbedrohlich und eher eine Lektion. Das allerdings k√ľmmerte den K√ľnstler nicht l√§nger, als er sich Emilia n√§herte, ihr einfach nur stumm aber zunickend die Hand reichte, um sie aus der Gasse wegzubringen und schlie√ülich zumindest in die Sicherheit seiner R√§umlichkeit zu bringen...
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Re: Komm, s√ľsser Tod

#29

Beitragvon Emilia » Mo 9. Jan 2017, 21:46

Emilia verbrachte die letzten Tage in ihrer Katzengestalt, wodurch sie f√ľr die meisten Stadtbewohner unsichtbar war. Sie konnte sich unauff√§llig durch die Gassen bewegen und erhielt wenig Beachtung. Die meiste Zeit jedoch verkroch sie sich in dunklen Nischen, und focht schwere innere K√§mpfe aus.
Anfangs hatte sie es in Erw√§gung gezogen, einfach nach Hause zu gehen und ihr altes Leben fortzuf√ľhren. Doch die Angst, abermals die Kontrolle zu verlieren, hielt sie davon ab. Ausserdem bemerkte sie, dass sie ihre Verwandten doch nicht so sehr vermisste, wie sie bisher geglaubt hatte. Am Meisten sehnte sie sich nach der blossen Sicherheit und Stabilit√§t, welche der Familienalltag ihr geboten hatte, den Annehmlichkeiten eines reichen Haushaltes ‚Äď und nach ihrem Herrn Papa.

Zudem musste sie feststellen, dass M√§use um einiges schwieriger zu fangen waren, wenn es tausend M√∂glichkeiten f√ľr die flinken Tierchen gab, in letzter Sekunde in einer Ritze zu verschwinden. Und obwohl ihre Sinne gesch√§rft waren, begann sie sich vor den n√§chtlichen Stunden zu f√ľrchten, wenn weder Mond und Sterne, noch die flackernden Laternen die dunklen Ecken und ihre Bewohner auszuleuchten vermochten. Stattdessen schreckte sie bei jeder Bewegung auf und brachte nachts fast kein Auge zu, weil sie sich nicht wie gew√∂hnliche Katzen auf ihre Ohren verlassen konnte.

Nach einer Woche in diesem Zustand erkannte man die h√ľbsche Tigerkatze kaum wieder. Ihr Fell war schmutzig und zerzaust, ihre weissen Pf√∂tchen nicht mehr vom dunklen Braun zu unterscheiden. Der neugierige Glanz war aus ihren Augen verschwunden, und hatte einem schreckhaften Argwohn Platz gemacht. Emilia war noch nie dicklich gewesen, doch nun h√§tte man ihre Rippen ersp√ľren k√∂nnen, wenn sie dies denn zugelassen h√§tte.
Ausserdem war sie in einem Zustand st√§ndigen Misstrauens gefangen und der Hunger nagte an ihren sowieso schon strapazierten Nerven. Ihre innere L√∂win wollte sie besch√ľtzen und knurrte unwillig im Gleichtakt mit ihrem Bauch.
Emilia f√ľrchtete sich davor, die Kontrolle √ľber ihre Wandlungen zu verlieren und unberechenbar durch Drakenstein zu streunern.

Gleichzeitig suchte sie verzweifelt nach einer Lösung.
Wenn nur ihr Herr Papa noch am Leben wäre…
Emilia f√ľhlte eine immer gr√∂ssere Loyalit√§t zu ihrem Vater in sich heranwachsen. Er hatte auf sie aufgepasst. Und nat√ľrlich ergab es f√ľr sie nun auch einen Sinn, dass er sie versteckt gehalten hatte und niemand von ihrer wahren Natur erfahren durfte. Er hatte damit sie und die Menschen in ihrem Umfeld besch√ľtzt!
Obwohl sie seinen Geruch beim Lesen der Briefe in der Nase hatte, begann sie wiederum an ihrer Echtheit zu zweifeln oder versuchte sein Handeln zu rechtfertigen.
Stattdessen sch√ľrte sich ihre Wut auf Valerius.
Ihm hatte sie es zu verdanken, dass sie nun alleine durch Drakenstein irrte und sich niemandem mehr anvertrauen konnte. Nur seinetwegen war sie von zu Hause verschwunden.

Sie hatte auch lange √ľber das Geschehnis mit dem Bettler nachgedacht und sich verschwommen daran erinnert, dass sie ihn wohl f√ľr den M√∂rder ihres Vaters gehalten hatte. Die Puzzleteile setzten sich langsam zu einem Bild zusammen. Und sie begann dem jungen Mann die ganze Schuld f√ľr ihr Ungl√ľck in die Schuhe zu schieben. Ihr bisheriges Leben wurde immer mehr zu einer rosaroten Wunschvorstellung, w√§hrend das Auftauchen von Valerius den Anfang vom Ende darstellte. Sie machte ihn daf√ľr verantwortlich, dass sie die Kontrolle √ľber ihren K√∂rper und ihren Geist verloren hatte. Er hatte etwas in ihr ausgel√∂st, was niemals aus dem Schlaf h√§tte erwachen d√ľrfen.

Und so wusste sie plötzlich, was sie zu tun hatte. Valerius war der Ursprung ihres Leids. Wenn die blosse Halluzination von ihm einen Menschen das Leben gekostet hatte, musste sie das Problem bei der Wurzel packen. Er sollte es auch wieder beenden.
Er l√∂ste das wilde Tier in ihr aus‚Ķ also musste sie ihn entweder t√∂ten‚Ķ oder lernen, damit umzugehen. Und wie k√∂nnte sie das besser tun, als in seiner N√§he zu bleiben und diese Herausforderung Tag f√ľr Tag anzunehmen?
Entweder gew√∂hnte sie sich an seine Gegenwart, oder einer von ihnen beiden w√ľrde dabei sterben. Was zwar eindeutig gegen ihre Prinzipien und Werte verstiess, aber wom√∂glich ebenfalls eine L√∂sung f√ľr ihr Problem darstellte. Sollte er sich also mit ihr herumplagen‚Ķ

Am folgenden Tag stahl sie die Kleider einer Magd von der W√§scheleine und machte sich kurz darauf in der neuen Gewandung auf den Weg zu Valerius Wohnst√§tte. Dabei f√ľhlte sie sich √§usserst unwohl, w√§hrend sie durch die Gassen streifte. Als sie merkte, dass ihr die H√§userfassaden gar nicht bekannt vorkamen, war es bereits zu sp√§t und sie hatte sich verlaufen.
Sie bemerkte die beiden M√§nner erst, als sie um eine Ecke bogen und sie beinahe ineinander hineingelaufen w√§ren. Die beiden schienen sie f√ľr eine Dienstmagd zu halten, und begannen mit ihr zu sch√§kern. Emilia verstand ihre Worte nicht und als sie die M√§nner scheinbar ignorierte, wurden sie w√ľtend.
‚ÄěH√§ltst dich wohl f√ľr was Besseres, h√§?‚Äú, knurrte der eine und eine Alkoholfahne schwappte der ver√§ngstigten Frau ins Gesicht.
Als sich die beiden n√§herten und sie schliesslich sogar grob anfassten, schn√ľrte ihr die Angst die Kehle zu. Sie sp√ľrte ein Prickeln an ihrem K√∂rper, konzentrierte sich jedoch mit aller Macht darauf, die Verwandlung zur√ľck zu halten. Keinesfalls wollte sie die Kontrolle verlieren!

Sie wich zur√ľck, bis sie mit dem R√ľcken an die Wand stiess.
Die Kerle grinsten inzwischen s√ľffisant. Der eine umfasste pl√∂tzlich ihr Kinn und versuchte ihr seinen Mund auf die Lippen zu pressen, w√§hrend der andere ihr l√ľsterne Blicke zuwarf.
Emilia schloss verzweifelt die Augen. Bleib ein Mensch, bleib stark, bleib ein Mensch.
Im n√§chsten Moment wurde sie von den F√ľssen gerissen, als ihr der Mann einen Stoss verpasste und sie unsanft zu Boden st√ľrzte. Verschreckt rutschte sie zur√ľck, um ihren Peinigern zu entgehen und bemerkte dabei eine weitere Gestalt, welche z√ľgigen Schrittes auf die Szene zueilte.

Dann ging alles sehr schnell. Emilia konnte beobachten, wie Valerius, denn inzwischen erkannte sie sowohl seine Bewegungen, seine Haltung als auch seinen Geruch, die beiden Protze ausser Gefecht setzte, ohne selbst auch nur einen Kratzer davonzutragen.
Ausnahmsweise war sie sogar froh √ľber sein Erscheinen, obwohl seine Methoden nicht so ganz ihrem Geschmack entsprachen. Sie war so naiv zu glauben, dass auch auf den Strassen, sowie im B√ľro ihres Vaters, Gefechte mit Worten gewonnen werden konnten.
Doch sie wollte sich nicht beklagen.
Als sie das Blut sah, wandte sie deshalb schnell den Blick ab, um ihr Gewissen auszutricksen und die Löwin nicht auf dumme Gedanken zu bringen.

Dann kam er auf sie zu und eine Hand reckte sich ihr entgegen. Emilia liess sich aufhelfen, nur um ihn dann wie verbrannt wieder loszulassen und ihren gestohlenen Rock auszuklopfen. Er war jedoch das Einzige an ihr, das noch einigermassen frisch wirkte. Ihre schokoladenbraunen Locken waren verklebt und voller Knoten, das Gesicht von einer Staubschicht bedeckt. Schuhe hatte sie keine gefunden, weswegen sie barfuss ging.
Als sein pr√ľfender Blick sie traf, formten ihre Lippen ein lautloses Danke, dann verschr√§nkte sie ihre Arme sch√ľtzend vor dem K√∂rper und folgte ihm z√∂gerlich durch die Strassen zur√ľck zum Bordell.
Am liebsten hätte sie rechts um kehrt gemacht, doch wohin hätte sie gehen sollen?
In der Stadt lauerten Gefahren, und sie selbst war eine davon. Doch die Stadt zu verlassen kam f√ľr die junge Frau nicht in Frage, denn sie kannte die Welt bloss aus B√ľchern und von Gem√§lden. Wie h√§tte sie da Draussen √ľberleben sollen?

Als sie das Haus erreichten, wurde sie von missbilligenden und eifers√ľchtigen Blicken zugleich durchbohrt. Da Valerius sie an der Hand griff und zur Treppe zog, vermuteten die H√ľbschlerinnen bereits, sie h√§tte ihnen den jungen Mann ausgespannt, der alle anderen unter ihnen doch keines richtigen Blickes w√ľrdigte. Emilia hingegen verstand die Abweisung der Frauen nicht, hatte sie doch keine wenig Ahnung von deren Gesch√§ften. Woher sollte sie auch wissen, wie sie ihr Geld verdienten?
Sie hielt jedoch beschämt ihre Augen auf den Boden gerichtet, ab der leichten Bekleidung der Mädchen und den Männern, welche schamlos glotzten.
Erst als sie die Treppe √ľberwunden hatten, holte sie tief Luft, denn unwillk√ľrlich hatte sie vor Anspannung den Atem angehalten. Sie hatte wieder gen√ľgend Abstand zwischen sich und Valerius gebracht und versuchte sich darauf zu konzentrieren, die Holzfliesen zu z√§hlen, w√§hrend er seine T√ľr aufschloss.
Er bot ihr den Vortritt und Emilia huschte schnell ins Zimmer, nur um sich dort an die Wand zu pressen, den Raum und Valerius im Blick.

Es wirkte alles noch wie beim letzten Mal. Der Tisch mit den St√ľhlen links neben ihr, das Bett und die Kommode, dieses Mal ohne Pergamente und Dolche. Sie vermutete voller Unbehagen, dass er sein Sammelsurium bei sich trug, konnte es ihm aber nach dem letzten Debakel auch nicht ver√ľbeln. Valerius setzte sich in Bewegung und durchforstete eine Schublade nach Stift und Notizblock.
Emilias Überlegungen waren plötzlich wie weggefegt.
Was sollte sie ihm erz√§hlen? Konnte es √ľberhaupt einen Grund geben, der gut genug war, sich in die N√§he dieses M√∂rders zu begeben?
Unstet huschte ihr Blick durchs Zimmer und blieb unwillk√ľrlich an der Staffelei h√§ngen. Verbl√ľfft starrte sie auf das Gem√§lde ‚Äď das war neu.

Inzwischen hatte er sich an den Tisch gesetzt und schrieb sorgf√§ltig etwas auf den Block. Vorsichtig, um ihn nicht aufzuschrecken, schritt sie zu seinen Werken hin√ľber und kam direkt davor zum Stehen.
Emilia musste sich zusammenreissen, das Fell der L√∂win nicht zu ber√ľhren, so lebendig wirkte das majest√§tische Tier. Und selbst den Wind in den B√§umen meinte sie zu erkennen, hingezaubert mit einigen wohlgesetzten Pinselstrichen. Spontan √ľberkam sie die Sehnsucht nach diesem Ort. Ob er seiner blossen Fantasie entsprang?
Ihr Blick ruhte wiederum auf der Löwin. War sie auch eine Gestaltwandlerin?
Dann erst fielen ihr die Rosen ins Auge, welche sich sch√ľtzend um ihren Oberk√∂rper legten. Sie waren liebevoll herausgearbeitet und sie konnte sogar die feinen Dornen ausmachen, welche sich auf den R√ľstungsplatten abzeichneten. Sofort musste sie wieder an ihren Herrn Papa denken, doch sie sch√ľttelte den Gedanken rasch ab. Dies war nicht der richtige Augenblick, um um ihn zu trauern.

Sie √ľberlegte gerade, weshalb Valerius wohl eine solche Affinit√§t zu diesen Blumen hatte, als sie einen feinen Luftzug sp√ľrte und herumwirbelte. Er stand direkt hinter ihr und beobachtete sie bei ihren Betrachtungen. Schnell trat sie einen Schritt von ihm zur√ľck.
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Re: Komm, s√ľsser Tod

#30

Beitragvon Emilia » Mo 9. Jan 2017, 21:53

Dimicus

Schon als Emilia an ihm vorbei- und zu seiner Staffelei schritt, hatte der junge Mann ein Auge auf die junge Frau geworfen. Sie sah jetzt so im Lichte betrachtet, sogar noch mitgenommener aus, als er sie noch auf der Stra√üe betrachtete. Tats√§chlich legte sich f√ľr nur einen Moment etwas sorgenvolles in seinen Blick, nur f√ľr den Hauch einer Sekunde, so h√§tte Emilia ihn angesehen, h√§tte sie es erkennen k√∂nnen.
Doch sie stand schlie√ülich nur dort und betrachtete sein neustes Werk, f√ľr dessen Inspiration schlie√ülich auch war. Sie wirkte vollkommen unschuldig, neugierig und dennoch auf eine gewisse Weise edel zugleich.
Doch nur f√ľr einen weiteren Moment betrachtete er sie, bevor seine Feder die Tinte auf das Notizbuch brachte und die Worte auf dem Papier entstanden: "Hallo Emilia, wie ich sehe hat es dich zu mir zur√ľck gebracht. Ich wei√ü, dass du meine Wenigkeit nicht sonderlich zu sch√§tzen wei√üt und gerade einen starken, inneren Kampf ausfechtest. Du siehst auch recht mitgenommen aus und hast wohl einige harte Tage hinter dir, so erz√§hle mir, wie ist es dir ergangen. Wie geht es dir? Ich werde dir rasch etwas zu essen und zu trinken holen, f√ľhle dich wie in deinem eigene Zuhause."

Damit erhob sich und ging leisen Ganges zu ihr, noch immer betrachtete sie das Bild, doch ehe er sich versah und hinter ihr ankam, drehte sie sich um, schreckte zur√ľck. Beinahe stie√ü sie sogar an seine Staffelei, doch noch eine Handbreite trennte sie zum Gl√ľck davon. Mit einem zarten L√§cheln und einer sanften Verbeugung reichte er ihr das Notizbuch, ehe er sich seines Mantels und seiner Waffen entledigte, diese ordentlich auf das Bett ablegte, ehe er schlie√ülich den Raum verlie√ü. T√ľren und Fenster blieben unverschlossen, seine Ausr√ľstung offen liegen, aus gutem Grund.

Emilia

Emilia war dankbar dar√ľber, dass er nicht versuchte mit ihr zu sprechen, sondern √ľber Stift und Papier mit ihr kommunizierte. Sie f√ľrchtete, dass wenn sie in diese blauen Augen blickte, damit ihre L√∂win wieder reizen w√ľrde. Deshalb wich sie ihm auch schnell aus und betrachtete stattdessen ihre eigenen schmutzigen F√ľsse. Er schob ihr schliesslich das Notizbuch zu, welches sie entgegennahm. Als er dann sowohl Mantel und Waffen ablegte, war sie dieses Mal in der beobachtenden Position. Ihr fiel auf, dass seiner Kleidung nichts mehr von ihrem Angriff anzusehen war. Sofort machte sich ein ungutes Gef√ľhl in ihr breit, als sie an den Anblick und den Geschmack des Blutes zur√ľckerinnert wurde.
Als er sich zur T√ľr wandte, riss sie erschrocken die Augen auf aus Angst, er wolle sie einsperren. Stattdessen zeigte seine Handbewegung auf den Zettel, dann zog er die T√ľr sanft hinter sich ins Schloss.
Schnell las die junge Frau seine Worte und liess sich dann auf einen Stuhl sinken. Der Stift lag ungewohnt in ihrer Hand und zitterte leicht, was sowohl auf ihre Nervosit√§t als auch ihre Entkr√§ftigung zur√ľckzuf√ľhren war.
Valerius,
ich bin mir selbst im Unklaren dar√ľber, warum ich ausgerechnet zu Dir zur√ľckgefunden habe. Du hast einen Teil meines Selbst zerst√∂rt und mein Leben mit.
Da ich nicht in mein altes Leben zur√ľckkann, werde ich bei Dir bleiben. Ich will lernen, in dieser Welt zu √ľberleben, ohne eine Gefahr f√ľr mich oder andere zu sein. Und indem Du mir dabei hilfst, kannst Du einen winzigen Teil deiner Schuld begleichen.
Ich werde mich nie wieder einsperren lassen.

Dabei dache sie nicht etwa an ihre Kindheit zur√ľck, sondern an die Hilflosigkeit, die sie versp√ľrt hatte, als Valerius sie in dem engen Raum gefangen gehalten hatte.

Dann folgte ein kleiner letzter Satz, den sie vier Mal durchgestrichen und schliesslich doch stehen gelassen hatte: Gibt es diesen Ort wirklich?
Nachdenklich starrte sie auf ihre krakelige Schrift. Dann erhob sie sich pl√∂tzlich und ging zielstrebig zum Bett hin√ľber. Obwohl es ihr widerstrebte, griff sie schliesslich nach einem etwas kleineren Dolch. Das k√ľhle Metall in ihrer Hand f√ľhlte sich falsch an, und gleichzeitig gab es ihr trotzdem etwas von der Sicherheit zur√ľck, die sie auf dem Weg hierher verloren hatte.

Dimicus

Bewusst hatte Dimicus Essen und Trank aus einem nahegelegenen Gasthaus gekauft und sich transportabel einpacken lassen. Den Fra√ü des Bordells wollte er Emilia nicht zumuten, so bestand es aus Kost der niedrigsten Qualit√§t. Vermutlich spuckten die M√§dchen sogar noch herein, um ihren Spa√ü mit den Freiern zu haben. Aus diesem Grunde brauchte der K√ľnstler auch ein wenig mehr Zeit, um zur√ľck zu der jungen Frau zur√ľckzukehren. Insgeheim fragte er sich, ob sie etwas mit seiner Ausr√ľstung angestellt hatte, ob sie wirklich die Gelegenheit nutzen wollte. Er wusste, dass er es jeden Augenblick herausfinden w√ľrde, wenn er sein Zimmer wieder betrat.

So war es dann auch, als die T√ľr aufschwang und er den Raum wieder betrat. √úber all um ihn herum duftet es aufgrund des Essens in seiner Hand nach einer k√∂stlichen Mahlzeit, als er Emilia am Tisch sitzend vorfand. Er n√§herte sich ihr behutsam, dabei glitt ein kurzer Seitenblick auf das Bett, zu seinen eigentlichen Dolchen, wo einer der Wurfdolche fehlte. Leider hatte sie ihn wohl genommen und gestohlen, man konnte es ihr nicht ver√ľbeln. Das Notizbuch mit ihrer Antwort lag bereits offen auf dem Tisch, welche Dimicus las, w√§hrend er den Korb mit dem Essen auf dem Tisch abstellte.

Sie wollte bei ihm bleiben?!
Mit gro√üen Augen und doch sehr √ľberrumpelt blickte er auf die Zeilen, die sich vor ihm erstreckten. Um SEINE Schuld zu begleichen? Wie konnte seine Kunst etwas schuldiges sein, wo sie doch die h√∂chste Form des Endes darzustellen vermochte?
F√ľr sich fasste er es zusammen, dass sie bei ihm bleiben wollte, einen Dolch von ihm stahl und noch vor einer Woche ihn in L√∂wengestalt beinahe get√∂tet h√§tte.
Er nahm seine Feder und schrieb etwas in das Notizbuch, gesch√ľtzt vor dem Blicke Emilias. Seine Konzentration und Spannung verriet seinen Unmut, die junge Frau konnte sicherlich erahnen, dass sie ihn damit in Schwierigkeiten brachte. Allein des Vertrauensproblems das er zu ihr hatte, sie konnte ihn schlie√ülich jederzeit verraten oder verkaufen. Ihn t√∂ten. Eine Lektion w√ľrde ihr sicherlich gut tun.

So klappte er das Notizbuch zu, schritt zum Bett hin√ľber und schnappte sich einen Dolch. Ehe sich Emilia √ľberhaupt versehen konnte, war Dimicus an ihr herangetreten, hatte sie an einem Arm gekonnt hinauf in den Stand gerissen und blickte ihr fest in die Augen. Doch im selben Atemzug sp√ľrte er, wie kaltes Stahl an seine Kehle dr√ľckte, stammend von dem Dolch, den er ihr in die Hand gelegt und an seinen Hals gef√ľhrt hatte. Seine Hand hielt nicht die ihre fest, sie hatte freie Wahl. Ein Stich, ein Schnitt und sie konnte alles beenden.
Mit der freien Hand erhob er das Notizbuch, aufgeschlagen mit seinen Worten, neben seinen Kopf: "Wenn du das möchtest, muss ich dir vertrauen und doch hast du schon einer meiner Waffen gestohlen. Bist du dir dessen wirklich sicher, senke den Dolch, reiche mir meinen anderen und versprich mir, dass ich dir vertrauen kann. Wenn du dir nicht sicher bist und mich hintergehen wirst, töte mich, hier, auf der Stelle. Deine Rache wirst du dadurch haben. Wähle."
Mit festem Blick schaute er in ihre minzgr√ľnen Augen und strahlte Sicherheit aus, keine Angst. Zudem strahlten sie W√§rme aus - etwas sehr ungew√∂hnliches f√ľr seine Augen.

Emilia

Emilias Aufmerksamkeit lastete auf dem Korb, aus dem die leckeren Ger√ľche in ihre Nase flossen, so dass sie Valerius Reaktion nicht kommen sah.
Ein verirrter Ton drang √ľber ihre Lippen, als er sie in den Stand zwang und dazu, ihm direkt in die k√ľhlen blauen Augen zu sehen. Sie versuchte ihm den Arm zu entreissen, doch dann sp√ľrte sie bereits das kalte Heft in ihrer Hand und sah den Dolch an seiner Kehle. Sein Griff lockerte sich, nachdem sie seine Aufforderung gelesen hatte.
Dieser Mann war verr√ľckt!
Emilia war sich dessen nun sicher.
Ausserdem konnte sie seine unterdr√ľckte Wut erkennen, ob der Tatsache, dass sie ihn bestohlen hatte. Doch was glaubte er denn? Dass sie sich ihm schutzlos ausliefern wollte?
Er war noch immer ein M√∂rder und offensichtlich konnte er sie auch ohne Waffe im Handumdrehen √ľberw√§ltigen. Dann jedoch wurde sie sich wieder der Tatsache bewusst, dass sie nicht wusste, wohin sie sonst gehen sollte.

Ihr Blick verriet Angst und ihre Hand begann zu zittern. Ein roter Strich bildete sich an seinem Hals, wo die scharfe Klinge die weiche Haut eingeritzt hatte. Einen Augenblick starrte sie zugleich fasziniert und verschreckt auf das blutende Rinnsal, dann zog sie ihren Arm zur√ľck und liess den Dolch seitlich zu Boden fallen, wo er klappernd liegen blieb. Ihre Augen funkelten Valerius w√ľtend an, dann entriss sie ihm ungest√ľm den Block.
Fass mich nie mehr an! Ich werde wegen Dir keinen Menschen mehr töten!

Emilia starrte ihn herausfordernd an, schliesslich musste sie jedoch trotzdem als Erste den Blick abwenden, wobei die innere Löwin unwillig knurrte. Im Moment war sie nicht in der Position zu verhandeln.
Mit einem Seufzen ging sie in die Knie und fasste vorsichtig unter den Tisch. Dort hatte sie die schmale Schneide geschickt zwischen Tischplatte und Unterbau hineingeklemmt, so dass der Dolch waagrecht zu schweben schien. Der Stahl wog leicht in ihrer Hand. Dann hielt sie ihm seine Waffe hoch und lehnte sich dann erschöpft an das Tischbein.
Sie hatte keine Kraft mit ihm zu streiten. Ihr Bauch grummelte unwillig, als ihr wiederum die Ger√ľche in die Nase stiegen und sie h√§tte alles f√ľr ein St√ľck Brot und einige Stunden Schlaf gegeben in dem Wissen, in Sicherheit zu sein.
Von Vertrauen hatte er gesprochen…
Emilia griff nach dem Notizblock:
Solange ich in Deiner Nähe bin, solltest Du besser achtsam bleiben.
Sie meinte dies nicht unbedingt als Drohung, obwohl es durchaus so aufgefasst werden konnte.
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