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Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

Das gemĂ€ĂŸigte Klima bietet beste Bedingungen, aber ist es auch wert, umkĂ€mpft zu werden. Das Herzland ist die Heimat der Urvölker Asamuras, wĂ€hrend die Invasoren des Chaos sich von der Steppe aus verbreiteten und die alten Kulturen bedrohen.
Das Herzland
Das gemĂ€ĂŸigte Klima bietet beste Bedingungen, aber ist es auch wert, umkĂ€mpft zu werden. Das Herzland ist die Heimat der Urvölker Asamuras, wĂ€hrend die Invasoren des Chaos sich von der Steppe aus verbreiteten und die alten Kulturen bedrohen.
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Alaryah Schattenwind
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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#21

Beitrag von Alaryah Schattenwind » So 22. Okt 2017, 18:54

Ein spitzer Schrei riss die Aufmerksamkeit der beiden kĂ€mpfenden an sich. Alaryah hatte sich jedoch schneller wieder gefasst und schleuderte den Stein in Richtung Kopf ihres Angreifers. Ein schmatzendes GerĂ€usch ertönte, als der Stein sein Ziel fand und der Kerl taumelte ein paar Schritte zurĂŒck. Alaryah kam wieder auf die FĂŒĂŸe. Keine Zeit um lange nachzudenken. Die Albin machte einen Ausfallschritt nach vorne und tatsĂ€chlich bohrte sich die Klinge ihres Langdolches in den Bauch des Mannes, der sich immer noch die blutende Wunde am Kopf hielt. Er stöhnte vor Schmerz auf und kippte nach vorn hinĂŒber. Alaryah stellte sich aufrecht hin, gerade noch rechtzeitig, sonst wĂ€re der Mann einfach auf sie gefallen. VerĂ€chtlich schaute sie auf den Angreifer hinab und ihr wurde schlagartig unwohl, als sie weitere Tattowierungen an ihm erkennen konnte. Gerade, als Alaryah in die Richtung des Schreis losspurten wollte, griff der Angreifer erneut nach der Albin. "Du willst einfach nicht aufgeben, was?", fragte Alaryah und wich den groben Griffen des Kerls geschickt aus. Ihre Augen wurden grĂ¶ĂŸer, als er sich ebenfalls wieder aufrappelte. "Bleib doch einfach liegen!", rief Alaryah und warf den Dolch in seine Richtung. Die Klinge blieb in der Stirn des Mannes stecken und erneut schlug er dumpf auf dem Waldboden auf, zuckte mehrmals und blieb dann regungslos liegen. "Endlich.", hauchte Alaryah.
Es dauerte nicht lange, da hatte die Albin ihre AusrĂŒstung wieder komplett beisammen und war auf der Suche nach Jaro. Bei ihrem ursprĂŒnglichen Lagerplatz war niemand mehr aufzufinden, doch Alaryah konnte hier und da deutliche Spuren erkennen. Da war wieder ein Schrei. Ohne weiter nachzudenken raste Alaryah in diese Richtung.

Das GebĂŒsch raschelte nicht wirklich leise, als Alaryah hervortrat. "Jaro!", schoss es aus ihr heraus und sie ging festen Schrittes auf ihn zu. Nach einer festen Umarmung und sichtlicher Erleichterung fiel Alaryahs Blick auf die am Boden liegende Gestalt, sowie auf die sich windende und LĂ€rm machende Kirona. "Was ist passiert? Bist du in Ordnung?", fragte Alaryah schließlich ĂŒber den LĂ€rm hinweg. Dann zog sie erneut einen ihrer Dolche und deutete damit auf die am Boden liegende Frau. "Ist sie tot, oder...?". Vorsichtig nĂ€herte sich Alaryah. "Ich wurde angegriffen, der Kerl hat mir die Luft weggedrĂŒckt, ich habe das Bewusstsein verloren.". Die Albin schwieg einen Moment, nachdem sie fĂŒr Jaro in knappen Worten ihre letzten Erlebnisse zusammengefasst hatte. "Jaro, hat sie auch diese TĂ€towierungen? Der Kerl vorhin hatte nĂ€mlich auch welche...und glaub mir, der war stĂ€rker als eine normale Person sein sollte. Erst eine Klinge IM Kopf hat ihn letztendlich aus dem Weg gerĂ€umt...". Kirona schlug nun wild um sich. "Und was sollen wir jetzt tun?!". Alaryah wusste nun nicht so recht weiter, entschied sich dann jedoch zu Kirona zu eilen. "Wir mĂŒssen sie irgendwie beruhigen.". Alaryah begann Kirona irgendwie zu fixieren, was ihr mehr oder weniger gelang. "Alles ist gut, wir sind es, komm zu dir.", redete die Albin auf Kirona ein und versuchte dabei so ruhig wie möglich zu klingen. In den letzten Momenten ging scheinbar alles drunter und drĂŒber und Alaryah fĂŒhlte sich etwas verloren in dieser Situation. <Das wird schon wieder...>, dachte die Albin und war froh, dass es Jaro den UmstĂ€nden entsprechend gut zu gehen schien.

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Jaro BallivĂČr
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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#22

Beitrag von Jaro BallivĂČr » Do 26. Okt 2017, 17:09

„Kirona, beruhige dich doch”, drĂ€ngte Jaro mit Verzweiflung in der Stimme. „Sch, sch; der ganze Wald wird uns hören!“
Vorsichtig versuchte er sie anzufassen und kassierte eine saftige Ohrfeige, als Kirona plötzlich herumfuhr. „Au!“, fluchte er und ging sicherheitshalber einen Schritt zurĂŒck. Sie schrie noch immer und drehte sich hektisch von Seite zu Seite, ehe sie auf die Knie ging und sich krĂŒmmte und wand. Was sollte er nur tun? Er musste sie irgendwie ruhigstellen. Langsam nĂ€herte er sich ihr, die HĂ€nde weit nach vorne getreckt, um nicht wieder im Gesicht getroffen zu werden, da trat plötzlich Alaryah aus dem GebĂŒsch.
Zuerst machte sich Erstaunen, dann warme Erleichterung in Jaro breit und als Alaryah ihn in eine Umarmung zog, erwiderte er sie voller Hingabe.
In der Hektik der letzten Augenblicke hatte er nicht mehr wirklich darĂŒber nachgedacht, doch die Furcht, der Waldalbin hĂ€tte etwas zugestoßen sein können, hatte sich tief in seinem Innern eingenistet. Nun war sie hier, zwar ein wenig mitgenommen, doch nach außen hin ohne grĂ¶ĂŸere Verletzungen.
„Ich habe einen schlimmen Fehler gemacht“, gestand Jaro und folgte Alaryahs Blick zur Albin am Boden. „Sie hat mich in den Wald gelockt und ich habe Kirona allein zurĂŒckgelassen und als ich wieder kam, war sie verschwunden; also bin ich nach und“-, Alaryah bedeutete Jaro mit einer freundlichen Geste, dass es schon in Ordnung sei. Sie hatte die SchuldgefĂŒhle in seiner Stimme bemerkt. „Ich habe gar nicht kontrolliert, ob sie noch lebt!“, stellte er ĂŒberrascht fest, als Alaryah ihn fragte. Schnell prĂŒfte die Waldalbin den Puls. Die Frau lebte noch. Alaryah hob das kurze Schwert auf, reichte es Jaro und suchte mit gekonnten Handgriffen nach weiteren Waffen. Nachdem sie ihr alles abgenommen hatte, band die Waldalbin der Feindin die HĂ€nde und knebelte sie. Was genau sie mit ihr anstellen sollten, wussten sie nicht, doch keiner wollte die Bewusstlose einfach abstechen, zumal sie sich durchaus als wertvolle Informationsquelle entpuppen könnte.
Kirona hatte endlich aufgehört zu schreien und gab nun summende und knurrende Laute von sich. Gebannt hörte Jaro an, was Alaryah in der Zwischenzeit erlebt hatte. Oril sei Dank hatte sie diesen Kerl letztlich ĂŒberwinden können. Er musste ein richtiges Monster gewesen sein und hatte – was noch beunruhigender war - Ă€hnliche Tattoos gehabt wie Kirona. Vorsichtig schoben sie einen Ärmel der Bewusstlosen nach oben, denn Jaro hatte zuvor nur ihr Gesicht gesehen. Erleichtert blickten sie sich an; ihre Haut war makellos.

Durch Alaryahs BemĂŒhungen hatte Kirona aufgehört, wie wild um sich zu schlagen. Trotzdem waren weiterhin starke Spannungen und gelegentliche Zuckungen in ihrem Körper zu spĂŒren und keiner traute sich, die Frau wieder loszulassen. Sie hatten Kirona hingelegt, Jaro hielt die Beine und Alaryah Kopf und Arme und sprach immer wieder beruhigend auf sie ein.
Zuerst bemerkte Jaro es nicht, hielt es fĂŒr die normale WĂ€rme, die durch den Kontakt seiner HĂ€nde entstand. Irgendwann fĂŒhlte sich Kirona aber dermaßen heiß an, dass er genauer tastete und feststellte, dass die WĂ€rme nicht gleichmĂ€ĂŸig ĂŒber das Bein verteilt war. Vorsichtig zog er die Hose ein wenig hoch und erschrak. Teile der Tattoos leuchteten dunkelrot auf, glĂŒhten regelrecht. Alaryah begann den Oberkörper abzusuchen und ĂŒberall fanden sich Bereiche wie dieser. Sie nahmen feuchtes Moos vom Boden und kĂŒhlten die Stellen, die sie finden konnten. Beide wussten, dass das nicht des RĂ€tsels Lösung war, sie nicht die ganze Nacht so wĂŒrden dasitzen können, doch es gab ihnen immerhin fĂŒr den Moment etwas Sinnvolles zu tun.
„Das allein wird nicht reichen.“
Eine trockene Stimme, brĂŒchiger Erde gleich, ließ Alaryah und Jaro zusammenfahren. Direkt vor ihrer Nase erschien eine alte Frau aus dem Nichts. Sie war in einen moosgrĂŒnen Umhang gehĂŒllt, unter dem sie noch etliche Lagen Kleidung zu tragen schien, denn der Arm, den sie ausstreckte, war dĂŒnn wie ein Zweig. Ihre Haut war braun und Ă€hnelte der Borke eines Ahornbaumes, ihr Gesicht war zerfurcht von Falten und die Augen weise und warm. Sie trug einen Stab mit einer kleinen Laterne, in deren Innern mehrere LeuchtkĂ€fer durcheinander flogen und einen grĂŒnlich gelben Lichtkegel bildeten. Im Haar waren mehrere Efeuranken befestigt.
„Diese Frau ist innerlich zerrissen. Sie braucht Ruhe“, fuhr die Alte fort, wĂ€hrend Jaro und Alaryah sie weiter sprachlos anstarrten. Langsam holte sie den Korb von ihrem RĂŒcken herunter, kramte darin und offenbarte ein kleines HolzflĂ€schchen, das sie entkorkte, wĂ€hrend sie auf Alaryah zuging.
„Ihr seid die Schamanin“, stelle die Waldalbin fest. Die Frau nickte nur und bat Alaryah Kirona gut festzuhalten. Dann flĂ¶ĂŸte sie ihr etwas von der FlĂŒssigkeit ein und Jaro merkte, wie sich die Gliedmaßen fast augenblicklich entspannten. „Staubwedel“, grinste die Schamanin, „einer meiner liebsten Freunde.“
Sie ging an Jaro vorbei in Richtung der gefesselten Lichtalbin. Obwohl er wusste, wie unhöflich das war, konnte Jaro nicht den Blick von der Schamanin wenden. <Sie sieht aus wie ein Baum!>, dachte er und als er erkannte, dass der Efeu nicht etwa in das Haar eingearbeitet sondern ein Teil davon war, erstaunte ihn das nicht einmal. Wie alt sie wohl sein mochte?
„Die könnt ihr so nicht lassen. Die wird nur Ärger machen, ganz bestimmt.“
Sie stieß mit einem Fuß gegen die leblose Magierin und kniete mit knackenden Knien vor ihr nieder. Wie von Zauberhand zog sie einige Dinge aus den Tiefen ihrer Kleidung, schlug zwei davon aufeinander und brachte eine kleine Fackel zum Brennen. „Ich hoffe meine lieben Fungi-Lii werden es mir verzeihen“, murmelte sie vor sich hin und entzĂŒndete ein kleines PflanzenbĂŒschel. Mit einer Hand hielt sie sich den Umhang vors Gesicht, mit der anderen die rauchende Pflanze unter die Nase der Gefangenen und verharrte so lange in dieser Position, bis das BĂŒndel vollstĂ€ndig verbrannt war. „Das sollte reichen“, nickte sie zufrieden und erhob sich. „Keine Sorge, sie wird noch selbststĂ€ndig laufen können. Am besten, wir geben ihr spĂ€ter noch ein bisschen Messingkraut zu essen

Und nun zu euch, Kind des Waldes, Kind des Lichts, die ihr auf der Suche nach mir seid. Der Wald fĂŒrchtet sich und Furcht ziert euren Weg. Ich habe das Geschrei bis zu meinem Hain gehört.“
, sie gestikulierte mit ihrer knorrigen Hand in Kironas Richtung. „Es ist nicht mehr weit.“ Sie wandte sich nun direkt an Alaryah.
„Es gibt keinen Weg, den das Auge sieht, deinen Ohren musst du vertrauen, mein Kind. Wir treffen uns dort.“
Dann verschwand sie so schnell und ĂŒberraschend wie sie gekommen war.
~ Die grĂ¶ĂŸte Offenbarung ist die Stille ~

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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#23

Beitrag von Alaryah Schattenwind » Do 2. Nov 2017, 15:43

Selbst fĂŒr Alaryahs VerhĂ€ltnisse war die Schamanin schneller wieder verschwunden als gedacht. Alaryah hatte in der Vergangenheit bereits Schamanen der Waldalben gesehen, doch diese war noch einmal anders und ihr eher unbekannt. Die Frau hatte eine Ruhe ausgestrahlt, jedoch auch Respekt und WĂŒrde.
Viel Zeit blieb Alaryah nicht um ĂŒber das erlebte weiter nachzudenken. Sie mussten weiter. <Es gibt keinen Weg, den das Auge sieht, deinen Ohren musst du vertrauen, mein Kind.>, wiederholte Alaryah die Worte in ihrem Kopf. "Dann auf.", meinte die Albin schließlich mit einer gewissen Anspannung. Sie hoffte, dass sie den Weg finden wĂŒrden. "Was machen wir mit ihr?", fragte Jaro noch und deutete in Richtung der am Boden liegenden Feindin. "Wir lassen sie hier liegen.", entschied Alaryah und erntete daraufhin einen nervösen Blick von Jaro. "Wir können sie nicht mitnehmen, wir mĂŒssen doch schon auf Kirona aufpassen.". Jaro schien mit dieser Lösung nicht wirklich zufrieden. "Die Schamanin wird sich um sie kĂŒmmern.", meinte Alaryah dann, wie auch immer das am Ende aussehen mochte...
Erst tappte die kleine Reisegruppe etwas planlos umher, doch schließlich gelang es der Albin auch innerlich zur Ruhe zu kommen. Sie sprach so gut wie gar nicht, hatte ihre Sinne geschĂ€rft und achtete auf jedes noch so kleine Detail in ihrer Umgebung. Dann plötzlich vernahm sie ein GerĂ€usch in der Ferne, welches nicht zu denen des Waldes passte. Es war wie Harfenspiel, dabei jedoch kaum wahrnehmbar. Weiterhin schien es, als wĂŒrde ein sanfter Wind die Töne in ihre Richtung tragen. Abrupt hielt Alaryah an, drehte den Kopf schrĂ€g nach links. "Da lang.", hauchte sie und ging direkt in besagte Richtung, angezogen wie eine Motte vom Licht. Der Weg, den Alaryah vorgab, war alles andere als gerade und angenehm. Sie fĂŒhrte Jaro und Kirona ĂŒber Stock und Stein, durch das Unterholz und ĂŒber eine kleine Lichtung, immer weiter unermĂŒdlich voran. Das Harfespiel war fĂŒr Alaryah nun deutlicher zu vernehmen, schien jedoch ab und an den Ursprungsort zu wechseln. Wie aus dem Nichts fĂŒhlte Alaryah urplötzlich eine BerĂŒhrung am Kopf und fuhr vor Schreck zusammen. Kerzengerade stand sie nun regungslos da, die Augen, in denen schwach ein gelbes Licht leuchtete, weit aufgerissen. <Ihr seid auf dem richtigen Weg.>, sagte eine warme Stimme in ihrem Kopf. <Es ist nicht mehr weit.>. Alaryah konnte nicht antworten, so sehr sie es auch gewollt hatte. <Folgt den KlĂ€ngen, Freunde des Waldes. Ihr werdet sicher ankommen.> Ein sanfter Wind wehte und das schwache Licht verschwand aus den Augen der Albin. Sekunden spĂ€ter war sie wieder voll und ganz da. "Wir...haben es fast geschafft.", flĂŒsterte sie Jaro zu und konzentrierte sich wieder auf die Umgebung, da dieses Erlebnis Alaryah aus dem Konzept gerissen hatte. TatsĂ€chlich sollte die Stimme Recht behalten. Nachdem Alaryah schließlich die letzten Meter wie in Trance schon fast durch den Wald geschwebt war, hatten sie ihr Ziel erreicht. Die kleine Albin keuchte schwach, als sie aufhörte ihre KrĂ€fte zu wirken und musste sich sogar kurz an einem nahestehenden Baum festhalten. Zwar kam Jaro, offensichtlich besorgt, direkt zu ihr, doch lenkte die Albin seine Aufmerksamkeit nach vorne. "Sieh nur.", sagte sie leise und schon fest ein wenig ehrfĂŒrchtig.
Das dichte Unterholz und die BĂ€ume waren verschwunden, eine saftig grĂŒne Lichtung breitete sich vor ihnen aus. Ein schmaler Weg aus glatten Steinplatten schlĂ€ngelte sich ĂŒber die Lichtung, welche von einem hölzernen Gatterzaun umgeben war. Auf jedem zweiten Zaunpfahl waren Laternen befestigt, wie auch die Schamanin sie an ihrem Stab getragen hatte. Direkt gegenĂŒber von ihnen stand ein mĂ€chter, alter Baum mit weit ausgebreitetem Wurzelwerk, dazwischen war eine Art...kleine TĂŒr eingearbeitet, scheinbar die Behausung der Schamanin. Am auffĂ€lligsten jedoch war der runde Brunnen in der Mitte der Lichtung. Er war aus verschieden großen, scheinbar perfekt zueinander passenden Steinen gebaut. Manche davon setzten bereits Moos an und hier und da lugten Pilze und Pflanzen zwischen den Ritzen hervor. Der Brunnen selbst war umringt von dĂŒnnen Birken, von deren Astwerk bunte BĂ€nder, geschnitzte Symbole, Federn und wunderschöne Steine herunterbaumelten. "Komm.", brach Alaryah sanft die schon fast ein wenig unheimliche Stille. Leise klimperten Glöckchen und Windspiele, als die drei vorsichtig ihren Weg in Richtung Brunnen antraten, begleitet von einigen GlĂŒhwĂŒrmchen. <Was fĂŒr ein Ort.>. Von dem Brunnen schien eine enorme Kraft auszugehen, ein wohliges GefĂŒhl breitete sich in Alaryah aus. Schließlich kamen sie vor dem Brunnen zum Stehen. Das Wasser stand hoch, gut 20cm unter der Kante, jedoch schien es keinem einzigen Tropfen zu gelingen sich einen Weg durch die umringten Steine zu bahnen. Das Wasser war ruhig und schwach spiegelten sich Sternenhimmel und Mondlicht darin, das eigene Spiegelbild blieb jedoch beim Hineinsehen verborgen. Keiner der Reisenden wagte es den Brunnen oder gar das Wasser zu berĂŒhren. Alaryah ließ diesen Ort noch etwas auf sich wirken, wandte sich dann zu Jaro und Kirona um. "Wunderschön, nicht wahr?", fragte sie und lĂ€chelte. Die Anspannung der letzten Stunden schienen fast wie fortgeblasen und zufrieden setzte sich Alaryah ein paar Schritte von dem Brunnen entfernt in das weiche Gras. Dort nahm sie sich ein paar Minuten Zeit um die Schrammen und Blessuren des Kampfes loszuwerden.
Bald darauf erschien die Schamanin. "Wie ich sehe seid ihr den richtigen Weg gegangen.", sagte sie und nĂ€herte sich den GefĂ€hrten. Alaryah erhob sich rasch und verbeugte sich knapp, dennoch respektvoll. "Habt vielen Dank fĂŒr Eure Hilfe.", meinte Alaryah und fuhr fort: "Hier, an diesem wunderbaren Ort, wird Kirona bestimmt die Ruhe finden, die sie braucht.". "Nun, Kind, lang kann sie trotzdem nicht hier bleiben. Ebenso wenig wie sie...". Die Schamanin machte eine knappe Handbewegung und kurze Zeit spĂ€ter stolperte die Angreiferin aus dem Unterholz herbei. Sie sah immer noch mitgenommen aus, doch funkelte dĂŒster zu den umstehenden Personen als sie diese bemerkte. Alaryahs Blick wurde wieder ernster. "Wir hatten gehofft weitere Informationen aus ihr herauszubekommen. Daher haben...", begann sie zu erklĂ€ren, verstummte jedoch als die Schamanin die Hand hob. "DafĂŒr wird auch noch Zeit sein. Sorgt euch nicht, sie kann hier keinen Schaden anrichten. Sie ist auch fĂŒr ihre GefĂ€hrten nicht sichtbar, falls es welche gibt, die nach ihr suchen. Zu dicht sind die Schleier und zu verworrend die Wege.". Die Schamanin zeigte mit ihren knorrigen Fingern auf die Frau. "Niemand wird sie finden.". Alaryah war sich sicher, dass die Schamanin Recht behalten wĂŒrde. Vielleicht kam Jaro nicht ganz mit der Situation zurecht, daher stellte sich Alaryah wieder nĂ€her zu ihm. Sie hatte seinen Blick gesehen, als seine Angreiferin die Lichtung betreten hatte, ganz wohl schien ihm immer noch nicht zu sein. "Nundenn, ich werde sie nun sicher verwahren, keine Sorge, ihr wird kein Leid getan. Folgt mir.". Langsam schritt die Schamanin in Richtung Baum, die Angreiferin wehrte sich erst, doch folgte dann wie von unsichtbaren BĂ€ndern gezogen. Alaryah nickte Jaro zu und so folgten auch sie der Schamanin in das dicke Wurzelwerk.

In der Baumbehausung war es erstaunlich still, fast sĂ€mtliche GerĂ€usche schienen von dem Holz des Stammes verschluckt zu werden. Auch hier sorgten Laternen fĂŒr schummeriges Licht, welches die Schatten bedrohlich ĂŒber die WĂ€nde tanzen lies. Auch hier baumelten, wie an den Birken um den Brunnen, allerhand Talismane und Symboliken an BĂ€ndern von der Decke. Hier und da hingen leicht ausgefranzte VorhĂ€nge vor Einbuchtungen in den hölzernen WĂ€nden, welche scheinbar als Stauraum oder als Regal dienten. Überall standen unterschiedlich große FlĂ€schchen und Phiolen herum, kleine GefĂ€ĂŸe aus Ton, mit oder ohne Korken, sowie mehrere Schatullen mit seltsamen Schriftzeichen darauf. Alaryahs Augen wurden grĂ¶ĂŸer und grĂ¶ĂŸer. Es duftete nach RĂ€ucherwerk, nicht wirklich penetrant, doch trotzdem deutlich merkbar. Hier gab es eindeutig viel zu sehen und wahrscheinlich noch mehr zu entdecken wenn man herumstöbern wĂŒrde. Am liebsten hĂ€tte die Albin sich alles genauer angesehen, doch wĂŒrde man dafĂŒr bestimmt mehrere Tage brauchen, ganz abgesehen davon, dass es natĂŒrlich mehr als unhöflich wĂ€re wie wild Fragen zu stellen oder gar alles anzufassen. Die Schamanin verschwand mit der Gefangenen und ließ die drei GefĂ€hrten mehrere Momente allein. "Hast du sowas schon mal gesehen?", fragte Alaryah immer noch etwas baff. "Hier muss doch irgendetwas bei sein, was Kirona helfen kann.", fĂŒgte sie mit einer Mischung aus Hoffnung und Verzweiflung hinzu.

***

"Legt eure AusrĂŒstung ruhig dort vorn ab. Ihr braucht hier keinerlei Waffen.", unterbrach die Schamanin schließlich die gerade eingekehrte Stille, nachdem sie allein aus einem scheinbar vorhandenen Untergeschoss zurĂŒckgekehrt war. Es war, als hĂ€tte sie gewartet, bis die GefĂ€hrten ihr GesprĂ€ch beendet hatten. Geschickt schwang Alaryah den Köcher von ihrer Schulter und legte ihn, mitsamt dem Bogen und ihren Langdolchen, auf eine Art Kommode. Kirona hatte die Schamanin einen lauwarmen Tee aus den verschiedensten Zutaten eingeflĂ¶ĂŸt, sodass diese nun friedlich auf einem Fell und in Decken eingepackt schlief. Schon bald saßen Jaro, die Schamanin und Alaryah gemeinsam an einem kleinen Tisch, ebenfalls dampfenden Tee trinkend und sie berichteten der Schamanin alles, was bisher passiert war. Diese schien wĂ€hrend des GesprĂ€chs gedanklich schon an mehreren LösungsansĂ€tzen zu arbeiten, kam dabei anscheinend auch zu einem Ergebnis. "Seid meine GĂ€ste, bleibt ĂŒber Nacht hier und erholt euch. Ich arbeite derweil an einem Mittel, was eurer GefĂ€hrtin helfen könnte. Allerdings benötige ich dafĂŒr etwas Zeit, Ruhe und weitere Zutaten. Sucht mich bei Tagesanbruch bei dem Brunnen auf, sodass wir gemeinsam die Dunkelheit aus dem Herzen eurer Freundin vertreiben können.". Alaryah sah Jaro an, dann nickte sie. "Ich hoffe es...".

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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#24

Beitrag von Jaro BallivĂČr » Do 23. Nov 2017, 22:11

Jaro wusste nicht wie, doch Alaryah hatte es tatsĂ€chlich geschafft, sie zu dem geheimnisvollen Brunnen zu fĂŒhren. Von dem Moment an, in dem sie die Lichtung betreten hatten, war der junge Alb wie verzaubert gewesen. Es war, als wĂ€ren sie in eine andere Welt gelangt, eine mystische Welt voll natĂŒrlicher Schönheit, doch auch ein wenig unheimlich, mit einem eigenen Willen und eigenen Regeln. Sogar die Luft fĂŒhlte sich anders an, sie schien Substanz zu haben und strich ĂŒber Jaro hinweg. Nach nur wenigen Augenblicken auf der Lichtung spĂŒrte er, wie er ruhiger wurde, sich ausgeruht und gesund fĂŒhlte. Einzig das mulmige GefĂŒhl, dass die Angreiferin in ihm auslöste, war noch immer allgegenwĂ€rtig, obwohl sie gerade gar nicht in der NĂ€he war. Es war, als hĂ€tte sie einen Teil von sich in ihm zurĂŒck gelassen, als sie in seinen Geist gedrungen war und hin und wieder konnte Jaro es spĂŒren. Wie ein Fremdkörper drĂ€ngte es in ihm und fĂŒhlte sich unangenehm und falsch an. WĂ€hrend Alaryah sich zu Boden setzte, blickte Jaro weiter auf die spiegelglatte OberflĂ€che des Brunnenwassers. Wie tief der Schacht sein mochte? Er traute sich noch immer nicht, es zu berĂŒhren, rechnete fast damit, dass es ihn packte und die Tiefe zog, wenn er es versuchte.
Das Ziehen in seinem Inneren wurde stĂ€rker und kurz darauf erschien die Schamanin mit der Lichtalbin im Schlepptau. Der Junge weitete die Augen, dann sah er schnell weg, aus Angst, sie könne seine Gedanken lesen oder ihn wieder manipulieren. Sein Wissen ĂŒber Magie war zu rudimentĂ€r, als dass er hĂ€tte einschĂ€tzen können, wie schwer oder einfach die Frau dies bewerkstelligen konnte. Wenn die Schamanin der Meinung war, sie wĂ€ren hier sicher, wĂŒrde das mit Sicherheit stimmen, oder?

Auch Jaro machte große Augen, als er das irgendwie geordnet wirkende Durcheinander im Innern des Baumes erblickte. Er schĂŒttelte den Kopf.„Nein“, hauchte er. „Was ist all das?“ Beide ließen fasziniert den Blick schweifen.
„Die Schamanin klang sehr zuversichtlich was Kirona angeht. Ich hoffe auch, dass es ihr bald wieder besser geht.“ Er dachte zurĂŒck an die Hitze, die von ihr ausgegangen war. Mit Sicherheit hatte sie große Qualen gelitten. Alaryah deutete auf ein Glas, aus dem violett eingefĂ€rbte DĂ€mpfe strömten und auch ansonsten ließen sich die merkwĂŒrdigsten Dinge finden. Die Waldalbin zĂ€hlte ein paar HeilkrĂ€uter und Essenzen auf, die ihr bekannt waren, doch sie hatte ebenfalls noch nie solch eine Ansammlung gesehen, nicht einmal bei großen HĂ€ndlern in den Orten. Jaro erzĂ€hlte von der alten Brerin in seiner Heimat Calorod und den KrĂ€utern, die sie im Garten selbst zĂŒchtete. NatĂŒrlich konnte auch sie nicht annĂ€hernd mit der Schamanin mithalten. „Was wohl in all diesen Schatullen verborgen ist?“, fragte Jaro. „Wahrscheinlich mehr, als wir uns ausmalen können.“ Alaryah lĂ€chelte und da erschien die Schamanin, die es geschafft hatte Kirona zu betten. Der rauchige Duft in dem Baumhaus stieg Jaro schnell in den Kopf und er merkte, wie er schlĂ€frig wurde. Zum GlĂŒck ĂŒbernahm Alaryah den grĂ¶ĂŸten Teil der ErlĂ€uterungen und er ergĂ€nzte nur dann und wann eine Kleinigkeit, vor allem, von der Zeit, in der sie getrennt waren. Ganz deutlich spĂŒrte er den bohrenden Blick der Schamanin auf sich, als er von der TĂ€uschung durch die Lichtalbin erzĂ€hlte. Aus Scham und aus Angst erwĂ€hnte er nicht, dass sie komplett in seinen Geist eingedrungen war. Vornehmlich ging es ja auch um Kirona, dachte er.

Die Nacht war ruhig. Erst dachte Jaro, dass er nicht wĂŒrde schlafen können und wenn, ihn furchtbare TrĂ€ume heimsuchen wĂŒrden, doch entweder war es der Erschöpfung oder der Magie des Ortes geschuldet, dass er erholsam und ungestört ruhen konnte.
Alaryah weckte ihn am Morgen und die Schamanin wartete bereits mit Kirona am Brunnen. Die tĂ€towierte Frau war noch sehr blass, doch auch sie schien sich beruhigt zu haben. „Ich konnte alles auftreiben“, sagte die Schamanin und deutet auf den Brunnenrand. Ein kleiner RĂ€ucherkegel schickte Schwaden in die Luft, daneben befand sich eine Schale mit einer grĂŒnlichen FlĂŒssigkeit und eine weitere mit einer knallroten Creme. „Vertraut sie euch?“ Jaro und Alaryah wechselten einen Blick. „Ich denke schon“, sagte die Albin dann. „Ich möchte, dass ihr ihre HĂ€nde nehmt und sie immerzu anblickt, wĂ€hrend ich sie von den dunklen KrĂ€ften reinige. Gerne fĂŒhrt sie an euer Herz und legt Liebe und Geborgenheit in eure Augen und eure BerĂŒhrung. Sie muss das GefĂŒhl haben, dass sie auch ohne den bösen Geist in ihrem Innern sicher ist, sonst wird sie nicht los lassen.“ Beide nickten und die Schamanin legte Kironas Oberkörper frei. Jaro sah reflexartig weg, erinnerte sich dann aber an die Worte der alten Frau und blickte Kirona stattdessen ins Gesicht. Alaryah griff Krionas rechte Hand, Jaro nahm die linke. Die tĂ€towierte Frau reagierte auf die BerĂŒhrung und suchte mit ihren entrĂŒcktem Blick nach dem Ursprung des Kontakts. Die Schamanin begann zunĂ€chst damit, Kironas Körper mit Wasser aus dem Brunnen zu besprenkeln. Dabei murmelte sie Worte, die Jaro nicht verstand. Vorsichtig hob sie den RĂ€ucherkegel an und fĂŒhrte ihn in kreisenden Bewegungen um die Frau herum. Sie flĂ¶ĂŸte ihr langsam die FlĂŒssigkeit ein und prĂŒfte, dass Kirona auch alles schluckte und nahm schließlich die Schale mit der roten Creme in die Hand. Kirona hatte noch keine Reaktion gezeigt, stand ruhig da, ihre Hand lag schwer in Jaros. Eine Zeit lang begutachtete die Schamanin Kironas Oberkörper, tastete hier und da und grunzte dann zufrieden. Mit den Fingern nahm sie die Creme auf und begann sie in rhythmischen Bewegungen um eines der Tattoos herum einzureiben. Sie verfiel in einen monotonen Singsang und Jaro merkte, wie Kironas Hand zupackte. Eilig legte er sie auf seine Brust, wo sein Herz krĂ€ftig klopfte. <Wir sind fĂŒr dich da, Kirona. Hab keine Angst. Wir sind deine Freunde>, versuchte er ihr durch seine Gedanken zu schicken. Die Frau hatte zu wimmern begonnen, ihre Unterlippe zuckte auf und ab und ihre Augen flitzten schnell von Seite zu Seite. Plötzlich warf sie den Kopf in den Nacken und schrie. Vor Schreck hĂ€tte Jaro beinahe ihre Hand los gelassen. <Nein Kirona! Sieh uns an!>, flehte er still. Instinktiv nahm er die Hand an seine Wange und schmiegte sich daran, in der Hoffnung ihr so nĂ€her zu sein. Der Singsang der Schamanin schwoll an und ihre Bewegungen wurden schneller, Kironas Körper zuckte und Alaryah und Jaro hatten MĂŒhe, sie festzuhalten. Gerade als Jaro meinte, er könne sie nicht lĂ€nger halten, stoppte sie abrupt, ein Knall ertönte und die Schamanin wurde ein gutes StĂŒck nach hinten geschleudert. Ein jeder atmete schwer. Jaro blickte zu der Stelle, an der die Creme eingearbeitet worden war. Das Tattoo war weg. Er suchte Kironas Blick und in ihren Augen war wieder Leben. „Hat es geklappt?“, fragte Alaryah und eilte zu der alten Frau, um ihr aufzuhelfen. „Ich konnte es bannen, doch es ist nicht gĂ€nzlich verschwunden“, stöhnte sie erschöpft. „Es ist stĂ€rker, als ich dachte und ich wurde gestört. Die andere hat meine Ablenkung genutzt. Sie hat sich gegen die Medikation gewehrt und versucht in meinen Geist einzudringen
 Dann ist sie geflohen und mir ist das letzte StĂŒck durch die Finger geglitten.“
„Was?“, fragte Jaro. „Die Magierin ist weg?“
„Ja“, sagte die Schamanin fest. „Meine Freunde haben es mir sofort berichtet.“
Der Alb sah zu Alaryah und die Schamanin schien die allgemeine Verunsicherung zu bemerken. „Macht euch wegen der keine Sorgen. Ich werde mich um sie kĂŒmmern. Doch auch ihr mĂŒsst gehen. Je lĂ€nger ihr hier weilt, desto schwĂ€cher wird die Tarnung dieses Ortes.“ Sie blickte ernst in die Runde. „Du mein Kind“, wandte sie sich an Alaryah. „Du hast gute Instinkte und ein gutes Herz. Du wirst wissen, was zu tun ist.“
„Aber diese Frau, die Magierin, was, wenn sie euch etwas tut?“, sagte Jaro kleinlaut und die Schamanin blickte ihn warm an.
„Sorgt euch nicht, ich bin keinesfalls alleine. All die BĂ€ume, Pflanzen, Tiere sind meine Freunde und VerbĂŒndeten. Und nun, holt eure Sachen. Diese Frau“, sie deutete auf Kirona, „sollte stabil genug sein, dass ihr mit ihr reisen könnt.“
Die Verabschiedung kam schneller, als Jaro geglaubt hatte. Sie bedankten sich bei der alten Frau und Jaro betete zu Oril, ihr möge nichts geschehen. Irgendwie fĂŒhlte er sich schuldig fĂŒr die Gefahr durch die Lichtalbin. Ob er mit Alaryah darĂŒber sprechen konnte?
Eilig wurden neue VorrĂ€te verstaut und ehe sie sich versahen, war die kleine Reisegruppe wieder im dichten Wald unterwegs. Sie wollten möglichst viel Abstand zum Hain der Schamanin gewinnen, um die Frau und ihre ReichtĂŒmer nicht weiter in Gefahr zu bringen und so gingen sie so lange sie ihre FĂŒĂŸe trugen.

Alaryah Schattenwind
Es war bereits spĂ€t geworden als die kleine Reisegruppe das Nachtlager aufgeschlagen hatte. Ein Feuer war schnell entzĂŒndet, das Abendmahl verspeist. Ruhe kehrte ein. Alaryah hatte noch einen kurzen Wachgang unternommen, zum GlĂŒck blieb dieser ereignislos. Als die Albin wieder beim Lagerfeuer ankam hatte Kirona bereits schwer mit der MĂŒdigkeit zu kĂ€mpfen. Lange wĂŒrde es bestimmt nicht mehr dauern, bis sie einschlief. Alaryah nickte Jaro einmal zu, machte es sich dann auch an dem wĂ€rmenden Feuer bequem. "Was fĂŒr ein Tag. Wobei, vielleicht sollte ich besser sagen: Was fĂŒr eine Reise. Ich hĂ€tte nicht damit gerechnet, dass sich die Ereignisse derart und in so kurzer Zeit schon fast ĂŒberschlagen...". Sie legte noch einen Scheit nach. "Ich glaube, wir können auch diese Nacht wieder ruhig schlafen.". Kurz schaute sie zu Kirona, dann wieder zu Jaro.

Jaro BallivĂČr
Seit dem Überfall war Jaro immer ein wenig mulmig zumute, wenn Alaryah ihre SteifzĂŒge unternahm. <Mach dich nicht verrĂŒckt>, schalt er sich. <Sie ist eine WaldlĂ€uferin, das hier ist ihr Revier.> Trotzdem verspĂŒrte er Erleichterung, als sie zurĂŒck war. Er nickte. "Mir kommt es vor, als wĂ€ren wir schon seit einer Ewigkeit unterwegs. Ob es nun etwas ruhiger wird?"
"Ich bin froh, dass wir die Schamanin getroffen haben." Auch Jaro blickte kurz zu Kirona, die zwar noch immer erschöpft und durcheinander war, doch immerhin nicht mehr in ihrer Trance festhing. Immer wieder fielen ihr die Augen zu und Jaro wunderte sich, dass sie ĂŒberhaupt noch mit dem Schlaf kĂ€mpfte. <Vielleicht hat sie Angst davor einzuschlafen und wieder die Kontrolle zu verlieren>, dachte er. "Wo werden wir morgen hingehen?"

Alaryah Schattenwind
Alaryah dachte einen Moment lang ĂŒber die Frage nach, derweil knisterte das Feuer leise vor sich hin. "Nun.", begann sie und ging in Gedanken die umliegenden Wege und Ortschaften durch. "Wir sollten in Richtung Nordwesten weiterziehen. Wir folgen dann einem alten Wanderweg. Dieser fĂŒhrt uns direkt nach BlĂŒtengarten. Von dort aus ist es nicht mehr weit bis zu einer grĂ¶ĂŸeren Albenstadt.". Alaryah bemerkte, dass Kirona nun eingeschlafen war. Sie beugte sich trotzdem nĂ€her zu Jaro und sagte mit gedĂ€mpfter Stimme: "Wer weiß, was sich noch fĂŒr Gestalten im Waldreich herumtreiben. Wir mĂŒssen an höherer Stelle Meldung machen.". <Hoffentlich kommen wir rechtzeitig und es sind genĂŒgend Boten vor Ort.>. Dann schaute Alaryah einen Moment lang in die Flammen. "Ich hoffe der Schamanin passiert nichts. Sie ist in ihrem Hain mit dem Brunnen zwar gut geschĂŒtzt...doch wer weiss?"

Jaro BallivĂČr
Jaros Augen weiteten sich. Eine richtige Stadt... schon der StĂŒtzpunkt hatte ihn tief beeindruckt, wie musste dann erst eine große Stadt sein? "Ich habe vor allem das GefĂŒhl, sie werden von mal zu mal gefĂ€hrlicher", gab Jaro zurĂŒck. "Die Kerle am Anfang waren ja fast nichts gegen die anderen beiden."
Alaryahs Worte fachten erneut das mulmige GefĂŒhl an, dass ihn seit der Flucht der Lichtalbin in Beschlag hatte. "Ich hoffe das auch", sagte er kleinlaut und leise. "Immerhin hat sie den Wald auf ihrer Seite." Sorgt euch nicht, ich bin keinesfalls alleine. All die BĂ€ume, Pflanzen, Tiere sind meine Freunde und VerbĂŒndeten. Das hatte sie ihnen vor dem Aufbruch gesagt. Und trotzdem plagten Jaro Zweifel. "Ob es ein Fehler war, die Magierin mitzunehmen, sie nicht gleich an Ort und Stelle..." Er stockte. Schon das Wort auszusprechen, fiel ihm schwer. "umzubringen." brachte er schließlich hervor.

Alaryah Schattenwind
Einige Sekunden hielt die Stille. Alaryah schaute Jaro in dieser Zeit einfach nur an. Er fĂŒhlte sich nicht wohl bei der ganzen Sache. "Jaro.", sagte sie schließlich mit neutralem Tonfall und bekam seine Aufmerksamkeit. "Ich...". Sie legte den Kopf schief und in ihrem Blick war eine Spur Mitleid zu erkennen. "Sagen wir es mal so. Wir hĂ€tten sie auf jeden Fall nicht einfach dort liegen lassen dĂŒrfen, dessen bin ich mir sicher. Wer weiss, vielleicht hĂ€tten ihre Schergen sie aufgegriffen und dann hĂ€tten sie gemeinsam Jagd auf uns gemacht.". Bei dem Gedanken an ihren Gegner wurde nun auch Alaryah unwohl und ohne es zu merken wanderte ihre Hand an ihren Hals. "Diese Leute halten sich nicht zurĂŒck. Sie wĂŒrden wohl eher immer wieder versuchen uns auszuschalten.". Dies mochte keine Aufbauende Antwort sein, jedoch hielt Alaryah die JĂ€ger weiterhin fĂŒr Ă€ußerst gefĂ€hrlich und unberechenbar. "Wenn es drauf ankommt können wir uns wahrscheinlich keine SchwĂ€che leisten.". Wieder vergingen quĂ€lende Sekunden, die nur von dem Schrei einer Eule begleitet wurden. "Jaro, wir haben keinen Fehler gemacht. Ich kann nicht genau sagen warum, aber ich finde es wĂ€re...falsch gewesen sie abzustechen wie Vieh. Wir sind nicht so wie sie."

Jaro BallivĂČr
Alaryahs Geste entging Jaro nicht. Obwohl sie ihm davon berichtet hatte, wusste Jaro nicht, was sie wirklich durchgemacht hatte, als sie getrennt gewesen waren. Er merkte auch, dass das ganze Thema auch ihr nahe ging. <Gerade ihr>, dachte er. Immerhin war es ihre Heimat. Die Bilder wie sie ihn aus den FĂ€ngen der vier Kerle gerettet hatte, schossen ihm durch den Geist, als Alaryah von den Schergen sprach. Nein, wenn es darauf ankam, wĂŒrde sie nicht einen Moment zögern, doch er fĂŒhlte sich der Waldalbin umso mehr verbunden, dass sie die Frau ebenso nicht einfach hatte abstechen können. Und wer konnte schon wissen, ob es damit ĂŒberhaupt geendet hĂ€tte? "Vielleicht hĂ€tten sie dann sogar den toten Körper gefunden und unsere FĂ€hrte aufnehmen können", sagte Jaro. "Schade, dass wir nie heraus gefunden haben, wohin Kirona gebracht werden sollte... Es kann nur ihretwegen sein, dass sie uns so beharrlich verfolgen." Er hielt kurz inne. "Meinst du die Albin ist uns auf den Fersen? Ich werde sie auf keinen Fall noch einmal in meinen Geist eindringen lassen. Sie ist eine böse Frau, ich habe es deutlich gespĂŒrt. Falls sie uns angreift, werde ich mich ihr entgegen stellen."

Alaryah Schattenwind
"Du wirst Recht haben.", meinte Alaryah und nickte sacht. "Ich vermute aber trotzdem, dass es besser ist Kirona bei uns zu haben. Wer weiss was passiert wĂ€re, wenn sie ihr Ziel...welches es auch sein mochte...erreicht hĂ€tten? Aber es stimmt, ich wĂŒrde auch nur zu gern wissen, was sie hier anstellen wollten.". Jaro sprach davon, sich der Angreiferin erneut entgegenzustellen falls es drauf ankĂ€me. "Es...nunja, es könnte sein, dass wir noch die ein oder andere unschöne Begegnung erleben werden.". Alaryah stocherte mit einem Zweig in der Glut herum, dann schaute sie Jaro direkt und entschlossen in die Augen. "Ich werde bis zum Ende kĂ€mpfen.". Es war nicht genau zu erkennen, ob Alaryahs Augen kurz funkelten, oder ob sich nur der Schein des Feuers darin spiegelte. "Ich morde zwar nicht, doch werde weiterhin alles fĂŒr unseren Schutz tun was nötig ist.". Das Gesicht der Albin, mittlerweile wieder mit einem frisch geschminkten Symbol unter ihrem rechten Auge, ließ keine Zweifel an ihrer Aussage zu. "Darf ich dich was fragen?". Alaryah versuchte sich die Worte in ihrem Kopf so gut wie möglich zurecht zu legen, doch entschied sich dann fĂŒr die direkte Variante. "Glaubst du, du könntest die Angreiferin töten? Nicht von deinen FĂ€higkeiten her, sondern viel mehr...du weisst schon."

Jaro BallivĂČr
"Ich werde dir beistehen." Jaro nickte mit Blick in die Flammen. "Wir sind hier gemeinsam hineingeraten, da werden wir auch gemeinsam einen Weg hinaus finden."
Etwas schien die Albin zu beschĂ€ftigen. "NatĂŒrlich, frag nur", sagte er.
Jaro dachte nach. Konnte er es? "Ich weiß es nicht...", antwortete er schließlich. "An dem Tag, an dem du mich befreit hast, habe ich das erste Mal ein Leben genommen und es ging so ĂŒberraschend leicht, dass es mich erschreckt hat." Er zögerte noch einmal kurz. Das GefĂŒhl, wie das Stilett durch die Kehle des Mannes geglitten war, war noch allgegenwĂ€rtig. "Aber manchmal... manchmal da spĂŒre ich solche Wut in mir. In so einem Moment bin ich mir sicher, dass ich es könnte... doch ich fĂŒrchte mich davor, habe Angst, was es aus mir machen könnte." Jaro dachte an den Tag, an dem sein Vater ihm von seiner Besonderheit erzĂ€hlt hatte und dass er selbst entscheiden konnte, wer er sein wollte. "Ich möchte kein kaltblĂŒtiger Killer sein", sagte er. "Ich glaube, es mĂŒsste einen triftigen Grund geben, dass ich es ĂŒber mich bringe."
Er sah Alaryah an. "Wie ist es bei dir? Geht es dir nahe, wenn du ein Leben genommen hast?"

Alaryah Schattenwind
Die kleine Albin lĂ€chelte bei Jaros Worten ĂŒber seinen Beistand. Dieser kurze Anflug von Optimismus hellte die Stimmung fĂŒr wenige Momente auf. Alaryah begegnete schließlich Jaros Blick, dann wich sie aus, starrte in die Ferne. Die Albin strich ihr langes Haar zurĂŒck und atmete kurz durch. "Es ist...nun es ist nicht so, dass ich es in irgendeiner Art und Weise gern tue. Es schien mir in den Situationen, in denen ich mich bisher befand, einfach nötig, als wĂ€re es der letzte Ausweg.". Kurz glitt ihr Blick auf ihre Waffen, die die Albin neben sich abgelegt hatte. "Ich verteidige meine Heimat. Ich verteidige mich. Wir...also meine Familie hat diesen Weg gewĂ€hlt. Wir sind WaldlĂ€ufer, sichern die Grenzen und tun eben alles was getan werden muss dafĂŒr. Diese Bande, die auch ich bei unserer ersten Begegnung bekĂ€mpft habe...von denen war niemand auf eine friedliche Lösung aus.". Versuchte sie sich gerade in gewisser Weise zu rechtfertigen? "Wenn es zum Kampf kommt fĂŒhle ich mich, als wĂ€re ich nicht ganz ich selbst.", fuhr sie leiser fort. "Manchmal reagiere ich einfach instinktiv, was auch schon ein Leben kosten kann.". Nun flog ihr Blick wieder zu Jaro. "Es ist trotzdem im Nachhinein nicht einfach. Ich muss gestehen...", sie rĂŒckte etwas verunsichert auf ihrem Platz umher, nahm dann eine andere Sitzposition ein. "Manchmal denke ich an die Toten. Ich frage mich dann, was alles hĂ€tte passieren können, was geworden wĂ€re, wenn sie mir das Leben genommen hĂ€tten. Was gewesen wĂ€re, wenn ich ihnen nicht begegnet wĂ€re.". KopfschĂŒttelnd versuchte die Albin diese Gedanken wieder zu vertreiben. "Verzeih, Jaro...das klingt jetzt alles wahrscheinlich furchtbar. Ich komme mit dieser ganzen Sache jedoch zurecht...was auch mir seltsam vorkommt.". Dann dachte Alaryah an Jaros Worte. "Du bist kein kaltblĂŒtiger Killer und du wirst es nicht werden. Mach dir nicht solche Gedanken.". Sanft griff die kleine Albin nach Jaros Schulter. "Wie gesagt...wir sind nicht wie die."

Jaro BallivĂČr
Kurz beschlich Jaro die Furcht, seine Frage ginge zu weit, wĂ€re zu persönlich, doch Alaryah antwortete ihm weiter freundlich, schien fast ein wenig erleichtert, einmal darĂŒber sprechen zu können. Er versuchte sich vorzustellen, wie es war, eine Funktion wie Alaryahs innezuhaben, ein Leben zum Schutz des eigenen Landes. Bislang hatte er so etwas immer mit glĂ€nzendem Heldentum in Verbindung gebracht. Nie war ihm in den Sinn gekommen, dass es auch belastend sein konnte. "Wahrscheinlich ist es gut, wenn du darĂŒber nachdenkst", warf er ein. "So verhinderst du, dass du verhĂ€rtest. Und immerhin beschĂŒtzt du auf diese Weise das Leben von Unschuldigen."
Es tat gut, Alaryahs aufbauende Worte zu hören und ihre Hand an der Schulter zu spĂŒren. "Und ich möchte auch nie so werden", ergĂ€nzte er. "Was treibt solche Leute nur dazu, so kaltblĂŒtig gegen alles vorzugehen, das sich ihnen in den Weg stellt?"

Alaryah Schattenwind
Sie stimmte Jaro zu. "In diesen Zeiten, wo dunkle Gestalten ihr Unwesen treiben, die vor nichts halt machen, mĂŒssen eben genau diese Schritte getan werden. Die, die sich nicht selbst schĂŒtzen können sind dann auf den Schutz anderer angewiesen.". Alaryah machte eine Pause. "Ich wĂŒrde mein Leben fĂŒr diejenigen geben, die ich schĂŒtze. Jederzeit.". Diese doch recht dĂŒstere Aussage der Albin war wohl mehr als unumstritten. NatĂŒrlich war sie bereit alles zu tun. "Eine gute Frage, Jaro.", meinte Alaryah schließlich und nahm die Hand wieder zurĂŒck. "Ich habe mich das auch schon des öfteren gefragt. Ich habe darauf zwar keine wirkliche Antwort, aber immerhin mögliche GrĂŒnde. Ich glaube, dass sie oftmals einfache Werkzeuge sind. Werkzeuge von Personen, die mĂ€chtig sind. Sie stehen fĂŒr die Überzeugung ein, die ihnen eingeflösst worden ist...oder sie haben einfach keine andere Wahl, weil sie sich nicht gegen eben diese Person selbst zur Wehr setzen können.". Alaryah dachte dabei an Herrscher, die ihr Volk unterdrĂŒcken oder mit Worten zu den unmöglichsten Taten leiten. "Sowohl Angst, als auch die Gier nach etwas könnte sie antreiben. Vielleicht hat auch jemand unseren Angreifern eine Belohnung versprochen? Wer weiss, aus was fĂŒr einem Leben sie kamen?". Die Albin schaute zu der friedlich schlafenden Kirona. "Manche sind in solchen Momenten vielleicht auch einfach nur so etwas wie ein Opfer, jemand, der benutzt wird. Oder jemand, der einfach ĂŒber die Klinge springen muss". Der Albin gefiel dieser Gedankengang nicht. Sie hatte zwar schon von Kriegen gehört und wie Soldaten voller Entschlossenheit in den Tod gingen, doch hatte sie das nie wirklich verstehen können. "Gibt es einen Unterschied?", fragte sie dann und wirkte erneut verunsichert. "Ich meine...unsere JĂ€ger wollten uns wohl tot sehen und sind dabei bereit gewesen ihr Leben fĂŒr wen oder was auch immer zu geben. Ich bekĂ€mpfe sie, bin ebenfalls bereit mich von dieser Welt zu verabschieden.". Alaryah erkannte plötzlich die ein oder andere Parallele zwischen sich selbst und ihren Angreifern. Zwar hatte sie Jaro noch vor wenigen Augenblicken gesagt, dass sie nicht so seien wie sie...doch war sich die Albin nicht mehr ganz so sicher, ob dies 100%ig zutreffen mochte.

Jaro BallivĂČr

"Ob sie es vielleicht gar nicht merken, wenn sie benutzt werden?" Alaryahs Worte stimmten Jaro nachdenklich. Ihm wurde bewusst, wie wohl behĂŒtet er aufgewachsen war. Andere LebensumstĂ€nde schafften andere PrioritĂ€ten, da hatte die Albin natĂŒrlich Recht. Wenn man nichts mehr zu verlieren hatte, was war dann noch etwas wert? "Aber es ist doch etwas gĂ€nzlich anderes, weil du es aus einem beschĂŒtzenden Gedanken heraus tust oder nicht?", versuchte Jaro Alaryah aufzumuntern. "Du hast dir diesen Konflikt nicht ausgesucht, aber er ist zu dir gekommen. Wahrscheinlich muss man seine Frucht vor dem Sterben komplett ausschalten, um ĂŒberhaupt eine Chance zu haben", ĂŒberlegte er. Wie stand es um ihn selbst? WĂŒrde er, wenn es darauf ankĂ€me in ein offenes Messer rennen oder sich feige zurĂŒck ziehen, um sein eigenes Leben zu retten? "Ich denke, dass es auch eine gute Eigenschaft sein kann, wenn man sie mit Bedacht einsetzt", schloss er. "Du solltest dir immer vor Augen halten, was du mit deinem Einsatz beschĂŒtzt, Alaryah. Dieser Wald und seine Bewohner sind es wert, dass jemand sie mit seinem Leben verteidigt." Er lĂ€chelte ihr zu.

Alaryah Schattenwind
"Wenn jemand nichts mehr zu verlieren hat, so ist diese Person Ă€ußerst gefĂ€hrlich.", meinte Alaryah zustimmend. Erneut sprach die Albin Jaro Recht zu. Seine ausgesprochenen Gedanken bauten Alaryah wieder etwas auf und die DĂŒsternis wich wieder aus ihrem Gesicht. Sie erwiderte das LĂ€cheln. "Ich werde auch weiterhin den Wald und seine Bewohner schĂŒtzen. Und ebenso all die Freunde, die sich in ihm bewegen.". Es war klar, dass Jaro gemeint war. Alaryah konnte nicht anders, als dies zu sagen. Es mochte vielleicht seltsam klingen, doch das war ihr gerade egal. Viel Zeit war vergangen, als sie das letzte mal so frei ihre Gedanken Ă€ußern konnte, anscheinend war sie zu oft allein auf Streife gewesen, hatte nicht wirklich die Möglichkeit gehabt mit jemandem zu reden. "Jaro, es tut gut nicht allein zu sein.", erklĂ€rte sie schließlich. Wahrscheinlich hatte der Hauptmann ihre Familie schon ĂŒber ihre ausbleibende Heimkehr informieren lassen, schließlich waren sie in wichtiger Mission unterwegs. "Es mag seltsam sein, doch gerade in Momenten wie diesen merkt man, wie schnell man sich doch selbst verĂ€ndert hat.". Wieder schaute die Albin in den Sternenhimmel. "Es ist gut, wenn man sich...sagen wir mal "wiederfindet".". Nach dem Ende dieses Satzes kam Alaryah sich etwas albern vor, doch steckte in ihrer Aussage dann doch ein Körnchen Wahrheit. "Ich hoffe, dass wir fĂŒr Kirona etwas tun können.", setzte sie fort. "Sieh sie dir an. Sie hat sich das nicht ausgesucht. Wir mĂŒssen das einfach hinkriegen."

Jaro BallivĂČr
"Und wir können uns glĂŒcklich schĂ€tzen eine BeschĂŒtzerin wie dich auf der Welt zu haben", sagte Jaro und wurde ein wenig rot dabei. Noch immer, nach all den Jahren, war das GefĂŒhl der NĂ€he komisch fĂŒr ihn, obwohl er Alaryah gleichzeitig zustimmen musste: auch er war froh, nicht alleine zu sein. Frieden schien in Alaryahs Geist einzukehren und das war gut. Überhaupt schienen nun lange angestaute Gedanken und GefĂŒhle aus ihnen beiden herausgebrochen zu sein. Mit dem Morgen wĂŒrden sie befreit in den neuen Tag starten können und was auch noch kommen mochte, sie wĂŒrden zusammenhalten und das war doch das Wichtigste, oder? Als Alaryah ĂŒber sich selbst sinnierte, fragte sich auch Jaro wer er eigentlich war. Immerhin gehörte er keinem Volk so richtig an und hatte seine Heimat vor einigen Jahren verlassen mĂŒssen. <Doch genau da liegt die Chance>, dachte er. In Alaryah hatte er eine Freundin gefunden und ein bisschen fĂŒhlte sich das Waldreich wie ein zu Hause fĂŒr ihn an. Er hatte es in der Hand, solche Dinge zu entscheiden - das war ein gutes GefĂŒhl.
Anders als Kirona. Die Waldalbin hatte Recht. Die Frau war benutzt und verletzt worden, hatte noch nie ein normales Leben fĂŒhren können. "Oh ja, das hoffe ich auch", sagte Jaro. "Sie hĂ€tte es verdient zu erfahren was es heißt frei zu sein."

Alaryah Schattenwind
Es fĂŒhlte sich an, als sei eine Last von Alaryahs Schultern genommen worden. Dieses GesprĂ€ch hatte der kleinen Albin sichtlich gut getan. Was auch immer noch kommen mochte, sie wĂŒrden es schon irgendwie gemeinsam durchstehen. Und des Weiteren wĂŒrden sie bestimmt auch Kirona helfen können. Sowohl Jaro als auch Alaryah schien die Gesellschaft des jeweils anderen gut zu tun. "Wir werden sie retten...zumindest wenn man von einer Art Rettung in diesem Fall reden kann.", meinte Alaryah schließlich. Sie rĂŒckte kurz zu Kirona hinĂŒber, zog ihre Decke zurecht, was die schlafende Frau mit einem unverstĂ€ndlichen Murmeln zur Kenntnis nahm. "Wir schaffen das.", sagte Alaryah dann und legte sich auf die Seite, warf nun auch ihre Wolldecke ĂŒber sich. "Jaro, es war gut mit dir ĂŒber all das zu reden.". Noch einmal legte Alaryah einen Scheit auf das Feuer, sodass es nicht zu schnell ausgehen wĂŒrde. "Lass uns noch etwas schlafen, wir haben morgen einen weiten Weg vor uns.". Auch Jaro schien diesen Vorschlag zu begrĂŒĂŸen, der Mond stand bereits hoch am Himmel. "Hier sind wir sicher.". Alaryah gĂ€hnte nun das erste Mal an diesem Abend, packte sich dann in ihrer Decke ein. Auch Jaro machte sich bereit fĂŒr seine Reise ins Land der TrĂ€ume. "Danke noch mal.", hauchte die kleine Albin leise, bevor sie in einen tiefen und wohltuenden Schlaf fiel.
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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#25

Beitrag von Alaryah Schattenwind » Mo 4. Dez 2017, 21:56

Die Reise ging weiter. Die kleine Gruppe folgte einem schmalen Waldweg, der sich durch das dichte Unterholz schlĂ€ngelte, hier und da eine Biege machte, bergauf, bergab. Allgemein war die Stimmung erstaunlich gut und den UmstĂ€nden entsprechend heiter. Jaro und Alaryah erfuhren das ein oder andere Detail ĂŒber Kironas Vergangenheit, erzĂ€hlten auch selbst etwas von sich. Es tat gut zu sehen, dass es Kirona besser zu gehen schien. Trotzdem blieb, wie Alaryah von sich behaupten konnte, eine Art innerliche Unruhe zurĂŒck. Die kleine Albin genoss zwar die lockeren GesprĂ€che, doch befĂŒrchtete insgeheim immer wieder, dass Kirona einen RĂŒckfall erleiden oder ihre Verfolger sie erneut angreifen könnten. Sie versuchte es sich nicht anmerken zu lassen.

Schließlich erreichten sie ihren Wegpunkt. Ein kleiner Posten, nahe bei einem plĂ€tschernden Bach gelegen. Die WĂ€chter beĂ€ugten vor allem Kirona misstrauisch, hatten ihre Waffen so gut wie durchgehend griffbereit. Alaryah legte den Arm um Kirona als sie merkte, dass die Frau es mit der Angst zu tun bekam. "Keine Sorge.", flĂŒsterte sie. "Dir wird hier nichts geschehen. Wir bleiben hier nur fĂŒr eine Nacht, morgen sind wir schon wieder weg.". Zwar schaffte es die Albin nicht die Angst der jungen Frau komplett abzunehmen, doch schien sie wenigstens eine beruhigende Wirkung zu haben. Auch Jaro half dabei, obwohl auch ihm nicht ganz so wohl bei der ganzen Sache schien. Dieser Posten war nicht wie der, den sie vorher besucht hatten. Hier waren die WĂ€chter nicht so...neutral bis freundlich. Hier herrschte eiserne Disziplin, der ein oder andere Soldat trug Narben und andere Kampfspuren, sah alles andere als freundlich aus.

Die Nacht verging schnell und die GefĂ€hrten zogen rasch in der Dunkelheit des sich anbahnenden Morgens weiter. Alaryah hatte noch irgendetwas mit dem Hauptmann des Postens ausgehandelt und besprochen...etwas abseits von Jaro und Kirona. Sie konnten nicht wirklich verstehen, was besprochen wurde, doch wurde ihnen fĂŒr die Übernachtung nichts berechnet oder dergleichen. Was Alaryah auch immer besprochen haben mochte, man ließ die Reisegruppe auch ohne weiteres ziehen, kein Posten stellte sich ihnen absichtlich in den Weg und dies machte Kirona die Abreise deutlich einfacher.

"Wir kommen bei Einbruch der DĂ€mmerung in der nĂ€chsten grĂ¶ĂŸeren Stadt an. Sie trĂ€gt den Namen "Rankenfels".", erklĂ€rte Alaryah, nachdem sie eine gute Stunde unterwegs waren. Dann hielt Alaryah plötzlich inne. Beinahe wĂ€ren Kirona und Jaro in die stehengebliebende Albin gelaufen. "Ich...". Sie sah sich nach ihren GefĂ€hrten um, prĂŒfte dann eingehend ihre Umgebung. "Kommt mit. Ich möchte euch etwas zeigen.". Dann raste Alaryah in Richtung Unterholz. Jaro und Kirona hatten MĂŒhe, der kleinen und sich flink fortbewegenden Albin zu folgen. Vor allem, als der Weg immer steiler nach oben fĂŒhrte. Alaryah nahm die Schritte mit einer erstaunlichen Leichtigkeit, doch musste sie bald immer mal wieder anhalten, da zuerst Kirona keuchte und auch Jaro nicht mehr ganz auf der Höhe war. Je weiter sie gingen, desto aufgeregter wurde Alaryah. "Los, kommt schon!", versuchte sie ihre GefĂ€hrten anzuspornen. Dann blieb sie irgendwann erneut stehen. Hinter Alaryah versperrte eine dichte Hecke den Weg. "Hier durch.", sagte die Albin knapp und zwĂ€ngte sich durch das dichte Blattwerk...

Als Jaro und Kirona sich ebenfalls durch die Hecke gedrĂŒckt hatten, offenbarte sich ihnen ein gar wundervoller Anblick. Die Sonne stieg langsam am Horizont empor, tauchte die Welt in ein gĂŒldenes Licht. Sie konnten ĂŒber den sich weit ausbreitenden Wald hinwegsehen, standen anscheinend auf einem HĂŒgel weit oberhalb aller Baumkronen. "Dort ist unser Ziel.", flĂŒsterte Alaryah schon fast ehrfĂŒrchtig und deutete in Richtung eines aus dem Wald hervorragenden Berges. Der Berg selbst war ebenfalls vom GrĂŒn der BĂ€ume bedeckt, doch waren durchaus schwache Rauchfahnen zu erkennen, welche auf Leben zu schließen schienen. Ein Schwarm Vögel erhob sich in der Ferne. Die GefĂ€hrten genossen diesen Ausblick und das wĂ€rmende Licht der Morgensonne. Es war, als sei gerade alles einfach nur friedlich. Jaro spĂŒrte eine BerĂŒhrung. Sein Blick glitt nach links zu Alaryah. Sie stand einfach da, starrte lĂ€chelnd in die Ferne. Sie hatte seine Hand ergriffen. Kirona stand auf der anderen Seite neben Alaryah, auch ihre Hand hatte die Albin gegriffen. Es war, als wĂŒrde ein Teil der Belastungen der letzten Tage von ihnen allen abfallen. "Wir sollten weiter.", unterbrach Alaryah schließlich leise die beruhigende Stille. Dann verschwand die Albin wieder hinter der Hecke.

*

Sie erreichten ihr Ziel frĂŒher als gedacht. Rankenfels. FĂŒr Alaryah war der Anblick des komplett in Efeu und anderer Schlingpflanzen eingedeckten Berges schon fast normal, doch bemerkte sie das Staunen ihrer GefĂ€hrten. Auch hier hatte sich die Natur einen Weg durch das Gestein gebahnt, BĂ€ume ragten stolz zwischen den Felsen empor. Eine mĂ€chte Palisade umringte den HĂŒgelkomplex, warmes Licht flackerte in den Baumkronen umher. Hier schienen wahrlich viele Alben zu leben. Sie passierten ein breites Tor, gesichert von mehreren WĂ€chtern und weiteren Befestigungen. Alaryah sagte etwas auf einer Sprache, die ihre GefĂ€hrten nicht verstanden, doch durften sie ohne weiteres passieren. "Wir können hier bei den anderen WaldlĂ€ufern unterkommen.", erklĂ€rte Alaryah und ging sicheren Schrittes voran. "Wir mĂŒssen Meldung machen. Hier können wir höhere WĂŒrdentrĂ€ger antreffen die...nunja...". Die Albin sah erst Kirona, dann Jaro an. "Wir mĂŒssen berichten, was geschehen ist. FĂŒrchtet Euch nicht. Vertraut mir.". Zaghaft nickte Kirona, auch Jaro schien die Wichtigkeit hinter dieser Aufgabe zu erkennen.

TatsĂ€chlich bekamen die GefĂ€hrten einen Termin fĂŒr eine Anhörung. Auch wenn Alaryah noch so sehr auf die enorme Dringlichkeit hinwies, so wĂŒrde niemand vor Einbruch der Nacht Zeit fĂŒr sie finden. So mussten sie also warten...

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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#26

Beitrag von Jaro BallivĂČr » Fr 29. Dez 2017, 21:16

Bei der Ankunft in der Stadt war Jaro guter Dinge. Nicht nur, dass dieser Ort eine absolute Augenweide war und alles ĂŒbertraf, was er bisher im Waldreich gesehen hatte, und nicht nur, dass er sich danach sehnte, einmal ein wenig an einem Ort zu verweilen, es lag auch an dem Augenblick, den sie am Morgen gemeinsam erlebt hatten. Kurz waren sie losgelöst gewesen. Losgelöst von der Welt, von all dem Bösen, das sie hatten erleben mĂŒssen und der Gefahr, die sie immer noch wĂ€hnten. Es hatte nur sie gegeben, Jaro, Alaryah und auch Kirona. Der Anblick des morgendlichen Waldes war traumhaft gewesen, die Luft weich und die Stille so wohltuend, dass Jaro sich gewĂŒnscht hatte, sie könnten einfach in dem Moment verharren. Freunde
 Jaro hatte nie viele Freunde gehabt, doch das, was ihn mit den beiden Frauen verband, musste so etwas Ă€hnliches sein, oder?
Von weitem hatte Rankenfels – wĂ€ren die Rauchfahnen nicht gewesen – einfach nur ausgesehen wie ein stark bewachsener HĂŒgel. Aus der NĂ€he entdeckte man ĂŒberall UnterkĂŒnfte, FlaschenzĂŒge, BrĂŒcken und Leitern, Wege und Straßen und ĂŒberall wuselten Waldalben umher. Die Natur trotzte dem Felsen, ĂŒberall wuchsen BĂ€ume und StrĂ€ucher und die Alben wussten sie zu nutzen.
Jaro musste sich eingestehen, dass er froh war, dass die Anhörung erst am Abend stattfinden wĂŒrde. Er war nervös. Was, wenn wieder vermutet wĂŒrde, er hĂ€tte die Gefahr angeschleppt? Wenn er sich plötzlich verteidigen mĂŒsste und ihm die Worte und die Argumente fehlten? Hier wĂŒrde wahrscheinlich auch Alaryahs Wort nicht mehr ausreichend Gewicht haben, um ihn zu retten. Zudem konnten sie die Zeit davor nutzen, Rankenfels ein wenig zu erkunden. Alaryah fĂŒhrte sie zu den UnterkĂŒnften der WaldlĂ€ufer. Sie wollten sich dort schon einmal anmelden, sodass sie einen Schlafplatz fĂŒr die Nacht bekĂ€men.
Es waren nicht viele vor Ort. Immerhin waren sie in ihrem Beruf zumeist unterwegs. Diejenigen, die sie antrafen, waren allesamt schneidige MĂ€nner und Frauen und einige kannten Alaryah. Auch Jaro und Kirona begrĂŒĂŸten sie freundlich und zeigten ihnen, wo sie sich einrichten konnten. Jaro merkte, dass er Hunger hatte und so beschlossen sie, ein Restaurant zu suchen. SpĂ€ter wĂŒrde immer noch Zeit sein, mit den WaldlĂ€ufern zu sprechen, die ebenfalls sehr interessiert daran waren, was die Gruppe alles erlebt hatte.
Alaryah fĂŒhrte sie weiter in das Zentrum der Stadt. HĂ€tte die Albin das nicht erwĂ€hnt, hĂ€tte Jaro es niemals bemerkt. Rankenfels wirkte wie ein Labyrinth auf ihn. Nach und nach hĂ€uften sich kleine GeschĂ€fte, MarktstĂ€nde und auch Lokale. In einem solchen ließen sie sich nieder und Jaro und Kirona, der es heute besonders gut zu gehen schien, studierten neugierig die Karte. Dann und wann musste Alaryah etwas erklĂ€ren und es dauerte eine ganze Weile, bis sie schließlich bestellten. Die Gerichte waren einfach köstlich



Nach dem Essen rĂ€umte ein alter Alb ihre Teller ab. „Ich hoffe es hat gemundet“, sagte er freundlich. „Tut mir leid, falls ihr lange warten musstet. Wir stecken schon mitten in den Vorbereitungen fĂŒr das große Fest morgen Abend.“
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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#27

Beitrag von Alaryah Schattenwind » So 14. Jan 2018, 01:14

Alaryah Schattenwind
Alaryah lehnte sich zurĂŒck. Das Essen war vorzĂŒglich gewesen. "Puuuh.". Der alte Mann kehrte zurĂŒck, nahm die Bestellung der kleinen Gruppe auf. Ein Absacker musste her. "Ich empfehle euch das hier.". Alaryah deutete auf ein GetrĂ€nk, welches auf der Karte ausgeschrieben war. Die Gruppe war sich schnell einig und kurze Zeit spĂ€ter hatten sie alle einen recht verzierten Kelch mit dunkelroter FlĂŒssigkeit darin. Es handelte sich um einen Fruchtwein. Alaryah nahm einen genĂŒsslichen Schluck. "Mhhhh. Wie schmeckt es euch, seid ehrlich!", sagte sie, nachdem sie den Kelch wieder abgestellt hatte. Kirona nickte bestĂ€tigend. "Sehr lecker.", sagte sie und lĂ€chelte. Es war ein zufriedenens LĂ€cheln, welches Jaro und Alaryah bisher quasi noch nie bei ihr gesehen hatten. Kurz trafen sich ihre Blicke. Anscheinend freuten sich beide, dass Kirona endlich mal wieder so etwas wie Freude oder eine Art GlĂŒcksgefĂŒhl empfand. "Nun.", meinte Alaryah schließlich und stellte den Kelch ab. "Wir haben noch etwas Zeit, bis wir bei der Anhörung erscheinen mĂŒssen. Sorgt euch nicht, das wird schon alles gut werden.". Sie drehte den Kelch in ihrer Hand. "Kirona, sie werden dir bestimmt auch die ein oder andere Frage stellen. Beantworte sie einfach so gut du kannst.". Kirona nickte, wirkte dabei alles andere als unsicher. "Sagt mal.", begann Kirona leise. "Kanntet ihr euch eigentlich schon vorher? Ich meine...bevor das alles passiert ist?". Alaryah schĂŒttelte den Kopf. "Unser erstes Treffen war eher zufĂ€llig. Man kann eigentlich sagen, dass wir alle gemeinsam und quasi zeitgleich aufeinander getroffen sind, oder Jaro?"

Jaro BallivĂČr
Neugierig inspizierte Jaro den Kelch und hielt seine Nase hinein. Vorsichtig nippte er und war erstaunt. Das GetrĂ€nk schmeckte sĂŒĂŸ, doch nicht zu sehr und es hatte auch eine ganz eigene Note, die er nicht so recht zuordnen konnte. "Da ist Alkohol drin, oder?", fragte er und grinste. Noch nie zuvor hatte er welchen getrunken, doch er war schon immer neugierig darauf gewesen. "Es ist gut!" Er nahm noch einen Schluck, doch war darauf bedacht, nicht gleich alles auf einmal zu trinken. Auch Kirona mochte es und sie war weiterhin fröhlich und stabil. Ach, die Anhörung... Alaryah hatte seine Sorge wohl erkannt und es war gut zu wissen, dass die Waldalbin dabei sein wĂŒrde. Es sei denn... hoffentlich wurden sie nicht getrennt befragt... Jaro beschlich das GefĂŒhl, dass selbst Kirona weniger Furcht davor hatte als er und er riss sich zusammen.
"Hm? Oh ja, das kann man sagen...", gab Jaro zurĂŒck und lĂ€chelte. "Ich stieß auf deine... sagen wir: Gruppe, Kirona und es kam mir merkwĂŒrdig vor, also habe ich beschlossen etwas zu unternehmen. Wie es kommen musste, geriet ich in die Patsche und es war ein GlĂŒck, dass Alaryah gerade in diesem Augenblick vorbei kam. Sie hat mir das Leben gerettet." Er lĂ€chelte sie an. All das schien schon so lange zurĂŒck zu liegen... Wie viele Tage war es her? Oder Wochen? Gar Monate? Jaro vermochte es kaum zu sagen. "Ich war ganz zufĂ€llig hier unterwegs, kam aus Almanien und wollte mich langsam auf den RĂŒckweg nach zu Hause begeben. Doch dazu kam es nie." Er drehte den Kelch zwischen den Fingern und blickte die beiden Frauen an. "Wo liegt dein Heimatort, Alaryah? Ist das weit von hier?", fragte er dann.

Alaryah Schattenwind
Alaryah dachte an ihre Heimat. "BlĂ€tterhain. So ist der Name meines Herkunftsortes.", erklĂ€rte sie. "Es ist ein kleiner Ort, da ist nicht viel los. HauptsĂ€chlich treiben sich eben dort WaldlĂ€ufer wie ich herum. Es ist eine Gruppe aus großen BĂ€umen, wie ihr sie bei dem Posten gesehen habt.", Alaryah unterstrich ihre ErklĂ€rung mit entsprechenden Gesten. "Oftmals ist es dort einsam, man ist weit weg von den großen Albenkolonien. Doch auch diese Einsamkeit hat viel schönes. Einmal wollte ich mich gerade auf den Weg zu einem Rundgang machen, da fand ich mich plötzlich einem Schwarm GlĂŒhwĂŒrmchen wieder. Ihr könnt es euch nicht vorstellen, was das fĂŒr ein Moment war...ĂŒber mir der Sternenhimmel, und die kleinen, geflĂŒgelten Sterne um mich herum...". "Das hĂ€tte ich gern gesehen.", warf Kirona ein. Es freute Alaryah, dass die Frau nach und nach aufzutauen schien. "Es ist gut, dass es solche Momente im Leben gibt.", fĂŒgte Kirona hinzu. "Genau so gut ist es, dass es Leute gibt, die andere retten."., nahm sie Bezug auf Jaros AusfĂŒhrungen. "Es ist gut, dass wir uns getroffen haben, wĂŒrde ich mal sagen.", entgegnete Alaryah und sah in die Runde. "Vielleicht klingt es seltsam, aber wer weiss, was passiert wĂ€re, wenn wir alle in die falschen HĂ€nde geraten wĂ€ren?".

Jaro BallivĂČr
Jaro nickte. An den Wachposten konnte er sich noch ganz genau erinnern. Es hatte ihm dort gut gefallen, aber er dachte auch an den Moment, als Kirona ihn fĂŒr jemand anderen gehalten hatte und die ganze Situation kurz außer Rand und Band geraten war. Ein GlĂŒck war das vorbei. "Als wĂ€rst du hinauf geflogen in den Himmel zu all den Sternen", sagte Jaro. Er wusste, welche Schönheit Alaryah in der Einsamkeit der Natur sah. "Es klingt schön, dein Zuhause. Bei mir ist es sogar Ă€hnlich", schĂŒchtern pausierte er kurz, doch sprach dann weiter. "Mein Heimatort ist ebenfalls ganz klein, doch es gibt dort keine BĂ€ume und auch keine GlĂŒhwĂŒrmchen... dafĂŒr habe ich die Berge und das Meer und ich habe dort viele Stunden alleine verbracht und einfach in die Ferne gesehen."
Kirona sah ihn an, als versuche sie sich gerade genau das vorzustellen und lÀchelte, hob die Bedeutung solcher Augenblicke hervor.
"Sie hĂ€tten mich vermutlich sofort getötet", sagte Jaro kleinlaut. "Oder verschleppt und an irgendwen verkauft, so wie..." er brach ab. "Kirona" hatte er sagen wollen, doch im letzten Moment hatte er sich gestoppt. Wer wusste, ob die Erinnerungen daran die Frau nicht wieder zurĂŒckwerfen wĂŒrden? "... wie Sklaven auf einem Piratenschiff", sagte er stattdessen, um sich aus der AffĂ€re zu ziehen. "Wie es aussieht war ich zuvor schon in den falschen HĂ€nden, oder?" Kirona schien seinen Beinahe-Ausrutscher nicht bemerkt zu haben oder ignorierte es. "Was ihr mir von diesen MĂ€nnern erzĂ€hlt habt... und auch zuvor. Ich habe das GefĂŒhl, ich bin nun das erste Mal nicht unter Leuten, die mir schaden wollen." Sie lĂ€chelte und Jaro erwiderte es fasziniert. Scheinbar war sie gefasster, als er ihr zugetraut hatte. "Du hĂ€ttest dich bestimmt befreien können", wandte er sich an Alaryah, um die Stimmung zu heben. "Du hĂ€ttest deine Langdolche gezĂŒckt oder den Bogen und wĂ€rst ihnen entwischt!" Er grinste sie an.


Alaryah Schattenwind
Sie nickte. "Wahrscheinlich schon, ja.". Erneut schoss ein Mundwinkel in die Höhe. "Das Meer habe ich nie gesehen.", gab Alaryah schließlich zu und nippte an ihrem GetrĂ€nk. "Ich stelle mir dieses...riesige GewĂ€sser...einfach mĂ€chtig vor. MĂ€chtig, gefĂ€hrlich und wunderschön zugleich. Wer weiss, was dort noch in den Tiefen schlummert?". Die kleine Albin versuchte sich vorzustellen, wie es wohl sein mochte dort am Wasser zu stehen, das tosen der Wellen zu hören und die salzige Luft zu schmecken. Es gab noch viel, was sie von der Welt sehen mĂŒsste, das wurde ihr langsam klar. "Aber alles ist gut gegangen und wir werden die ganze Sache schon zu einem guten Ende bringen.", meinte Alaryah schließlich mit einer gesunden Portion Optimismus. "Keine Sorge, Kirona, hier will dir niemand etwas...außer dir helfen.". Dann plötzlich polterte laut ein Karren an den GefĂ€hrten vorbei. "Vorbereitungen fĂŒr das Fest.", erklĂ€rte Alaryah. "Wir sollten uns das nicht entgehen lassen, ich wĂŒrde euch gern als meine GĂ€ste einladen. Nach all der Aufregung auf unserer bisherigen Reise haben wir uns dies doch mehr als verdient, oder?". Ein Funke der Begeisterung flammte in Alaryahs Augen auf. "Die Anhörung ĂŒberstehen wir gemeinsam, danach wird das Fest um so schöner.". FĂŒr einen Moment lang wirkte die kleine Albin gar nicht mehr so, als hĂ€tte sie vor kurzem noch das Leben von irgendwelchen Angreifern genommen, vielmehr als könnte sie keiner Fliege etwas zuleide tun. "Glaubt mir, ihr werdet es genießen!". Der Karren war bereits ein gutes StĂŒck weg, als Alaryah erneut in die Runde blickte. "Habt ihr auch irgendwelche FestivitĂ€ten? Irgendwelche Ereignisse, wo alle zusammenkommen?". Gespannt nahm die Albin auf ihrem Stuhl Haltung an.

Jaro BallivĂČr
"Ich weiß", sagte Kirona leise und legte schĂŒchtern ihre Hand auf Alaryahs, zuckte aber sogleich des LĂ€rmes wegen zusammen. Auch Jaros Kopf fuhr herum und beinahe hĂ€tte er seinen Kelch umgestoßen, was schade gewesen wĂ€re. Das GetrĂ€nk war wirklich ausgezeichnet und wenn er sich getraut hĂ€tte zu frage, hĂ€tte er noch ein weiteres bestellt. Angesichts des bevorstehenden Anhörung war das aber wahrscheinlich sowieso keine gute Idee... nicht, dass er am Ende noch einen Schatten im Lichthof hatte, wie man in seiner Heimat zu sagen pflegte. Da wĂ€re das Fest doch viel geeigneter und er nickte eifrig auf Alaryahs Einladung. Auch Kirona war neugierig. "Das klingt wundervoll", sagte sie. Aus Alaryah strahlte die Vorfreude nur so heraus und Jaro wĂŒnschte sich, sie hĂ€tten direkt zu diesem Fest gehen können. "Bei uns gibt es bei vollem Mond immer ein besonderes Nachtmahl zu Ehren von Oril. Manchmal tun sich dazu auch ganze Dörfer oder Stadtteile zusammen und es wird Musik gespielt und ein wenig getanzt. Ein großes Fest gibt es, wenn sich der Mond vor die Sonne schiebt, doch das habe ich noch nicht erlebt. Ansonsten werden bei uns nicht wirklich Feste gefeiert, nein..." Er blickte zu Kirona. "In meiner Heimat gibt es Feste aller Art. Das liegt daran, dass es so viele verschiedene Kulturen gibt, wisst ihr. Ich war allerdings noch nie auf einem Fest... zumindest kann ich mich nicht erinnern... ich bin sehr gespannt auf das eure." "Ja", fuhr Jaro fort. "Es scheint etwas Besonderes zu sein, oder? Der Mann hier in diesem Lokal schien auch ganz verzaubert, so wie du. Ist es ein großes Fest?"

Alaryah Schattenwind
"Es wird wundervoll!", sprudelte es aus Alaryah heraus. "Es gibt gutes Essen, Musik, alles das, was zum Feiern dazugehört. Der ganze Ort hier wird geschmĂŒckt, ĂŒberall gibt es etwas zu sehen!". Alaryah wippte schon fast ungeduldig auf ihrem Platz umher. "Ich hoffe doch sehr, dass unser Fest mit euren Erfahrungen mithalten kann.". Sie lachte. "Geschichten werden erzĂ€hlt, StĂŒcke aufgefĂŒhrt....ich hoffe doch, dass ihr etwas tanzen könnt?". Ohne auf eine Antwort zu warten winkte Alaryah ab, nahm noch einen kleinen Schluck. "Wie auch immer, ihr werdet es lieben.". Die Euphorie schien auf Kirona ĂŒberzugehen. Zum ersten Mal seit ihrem ersten Treffen wirkte sie fröhlich, als wĂ€re die doch recht dĂŒstere Bedrohung einen Moment lang von ihr abgefallen. Auch Jaro machte auf Alaryah einen mehr als interessierten Eindruck. "Damit eins mal klar ist.", begann Alaryah und hob den Finger. "Irgendwann komme ich Euch besuchen und sehe mir eure Feste an.", sie deutete abwechselnd auf Kirona und Jaro. Kirona lehnte sich schließlich etwas zu den beiden vor. "Aber bitte...passt auf mich auf. Ich hoffe einfach, dass ich nicht...naja...ihr wisst schon.". Alaryah schaute zu Jaro. "Keine Sorge, Kirona, mach dir da mal keine Gedanken. Wir werden die ganze Zeit bei dir sein, dafĂŒr sind wir schließlich da. Nicht als WĂ€rter oder dergleichen, viel mehr als GefĂ€hrten.". Alaryah legte Kirona die Hand auf die Schulter und nickte Jaro freundlich zu. FĂŒr einen Moment war es, als wĂŒrden sich die drei schon eine Ewigkeit kennen. "Es freut mich, dass ich bei euch gelandet bin.", murmelte Kirona leise vor sich hin. Jaro und Alaryah mochten sich tĂ€uschen, doch meinten sie in Kironas Augen einen gewissen Glanz erkennen zu können.

Jaro BallivĂČr
Nicht eine Sekunde zweifelte Jaro, dass das Fest seine Erfahrungen weit ĂŒbertreffen wĂŒrde. Doch fast noch mehr gefiel ihm der Gedanke, dass Alaryah ihn wirklich eines Tages einmal bei sich zu Hause besuchen wĂŒrde... er wĂŒrde ihr das Meer zeigen und die Ziegen und Falathris große GebĂ€ude. Was wĂŒrde sie wohl davon halten? WĂ€re ihr alles zu kahl? WĂŒrde sie die Bauten faszinierend finden? Vielleicht könnte er sie dann zu einem Vollmondsnachtmahl mit zu dem Gelehrten in der Stadt nehmen, denn dort wĂ€ren die Feierlichkeiten schon um Einiges aufregender, als zu Hause in ihrem kleinen Haus. Wobei seine Mutter wahrscheinlich ĂŒberglĂŒcklich wĂ€re, die Waldalbin zu beherbergen... ob sogar Kirona mitkommen könnte? In diesem Augenblick brachte sie ihn zurĂŒck aus seinen TrĂ€umereien. Ein wenig Sorge war wohl doch noch in ihr verhaftet, doch man konnte es schon als großen Fortschritt bezeichnen, dass sie ihre eigene Situation nun ĂŒberhaupt wahrnahm. Der Besuch bei der weisen Schamanin hatte sich in jedem Fall gelohnt. "Und wir haben geholfen", schoss es ihm durch den Kopf und er war gar etwas stolz. Ob sich Kirona ihnen deshalb nun so verbunden fĂŒhlte? Jaro blickte zu Alaryah und nickte. Momentan war alles gut, auch wenn der Tag sich nun langsam dem Ende neigte und sie schließlich bei dem freundlichen Alb zahlten, um sich aufzumachen. Jaro ging imm Geiste durch, was sie alles hinter sich gebracht hatten. Es war eine Menge! Wie könnte da eine kleine Anhörung ein Problem sein?


Es hatte gedauert, bis die Anhörung endlich begonnen hatte. Man ließ die drei GefĂ€hrten gefĂŒhlt unendlich lange warten, schob sie von einem Raum in den nĂ€chsten, ohne, dass etwas passierte. BĂŒrokratie. Alaryah fĂŒhlte sich nicht wohl in den WarterĂ€umen, lieber wĂ€re sie draußen geblieben, an der frischen Luft und hĂ€tte dort gewartet. Auch Jaro und Kirona machte die Warterei deutlich zu schaffen. War dies Absicht? Wollte man sie in gewisser Weise weichkochen? Gerade, als Alaryahs Geduldsfaden fast komplett gerissen war, öffnete sich eine kleine SeitentĂŒr in dem Warteraum, in dem sich die Reisenden befanden. Ein Alb mit grau mehliertem Haar betrat kaum hörbar den Raum. "Ihr dĂŒrft nun eintreten.", verkĂŒndete er mit leicht kratziger Stimme und deutete relativ einladend auf die große Pforte am anderen Ende des Saals. Diese Pforte schwang langsam auf, sodass Jaro, Kirona und Alaryah eintreten konnten. Es wurde dĂŒster, als sich die TĂŒren hinter den dreien wieder schlossen.




"Nundenn, dann machen wir es so, wie uns gesagt wurde.". Alaryah war die erste Person, die nach der Anhörung ihre Worte wiederfand. "Wir haben fast einen ganzen Tag mit Warten verbracht.", merkte Kirona ernĂŒchtert an und schien mehr als unzufrieden damit. "Ja, aber das ist nun vorbei.", redete Jaro ihr gut zu. "Richtig.", pflichtete ihm Alaryah bei. "Wir haben alles gesagt, was wir zu sagen hatten. Es war richtig so.". "Und warum mĂŒssen wir dann unbedingt in der Stadt bleiben?", fragte Kirona mit einer gewissen Portion Misstrauen. "Wir mĂŒssen wissen, wie es weitergehen soll.", erklĂ€rte Alaryah erneut. Sie hatte hier und da wĂ€hrend der Anhörung ĂŒbersetzen mĂŒssen. "Unsere Informationen werden nun wahrscheinlich ausgewertet, besprochen, durchdacht. Ich vermute, dass wir ĂŒber das weitere Vorgehen noch informiert werden.". Kirona schien weiterhin nicht ganz so zufrieden mit der Situation. "Machen wir doch einfach das Beste draus.", schlug Jaro schließlich vor und versuchte somit die Lage etwas zu entspannen. Es gelang ihm. UnterstĂŒtzung bekam er von einem kleinen AlbenmĂ€dchen, die plötzlich vor ihnen stand. "Vergesst nicht, dass heut das Fest beginnt!", verkĂŒndete sie mit glockenklarer Stimme und reichte den dreien jeweils eine kleine Blume. Dann huschte sie auch schon wieder davon. "Lasst uns erst einen Moment ausruhen, dann machen wir uns einen schönen Abend. Den haben wir uns verdient, vor allem nach solch einem Tag voller Warterei und Aufregung.". Alaryahs Vorschlag fiel auf fruchtbaren Boden und schon bald waren die GefĂ€hrten in ihrer Unterkunft eingekehrt. Nur ein WaldlĂ€ufer war zu diesem Zeitpunkt vor Ort, nickte ihnen zum Gruße zu und kĂŒmmerte sich dann weiter um seine AusrĂŒstung. Alaryah nahm einen Schluck Quellwasser aus einem bereitgestellten Krug, machte es sich dann auf ihrem Nachtlager bequem und döste etwas vor sich hin. Sie freute sich schon auf das Fest, fĂŒr das die Vorbereitungen bereits in den letzten ZĂŒgen lagen.

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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#28

Beitrag von Jaro BallivĂČr » Mi 24. Jan 2018, 09:08

Jaro BallivĂČr
Nachdem sie nach der langen Anhörung ein wenig geruht hatten, machten sie sich auf zu dem lang ersehnten Fest. Über den Nachmittag verteilt war der GerĂ€uschpegel auf der Straße schon StĂŒck fĂŒr StĂŒck angestiegen. Alaryah meinte, dass es tagsĂŒber schon jede Menge Programm fĂŒr die Albenkinder gab, von Lianenklettern ĂŒber Gesichterschminken bis hin zum BĂ€umchenpflanzen. Gegen Abend machten sie sich dann langsam bereit. Alaryah und Kirona putzten sich ein wenig heraus und als Jaro etwas beschĂ€mt versuchte die Falten aus seinen hellen Kleidern zu streichen, brachte ihm einer der jĂŒngeren WaldlĂ€ufer kurzerhand etwas von seinen Sachen. Kurz darauf fand er sich in braunen Hosen und einem losen, grĂŒnen Hemd wieder. Gemeinsam gingen sie die Straße entlang und die VerĂ€nderungen waren nicht zu verkennen. Seit gestern war viel geschehen. Überall hingen KerzenglĂ€ser und bunte BĂ€nder in den BĂ€umen und die Luft sang von den vielen Windspielen, die irgendwo versteckt waren. "Es ist wunderschön", hauchte Kirona, die mit geöffnetem Mund nach oben blickte. Auch Jaro folgte ihrem Blick. "Das ist es."
Viele Alben waren unterwegs und wo man hinsah, gab es fröhliche Gesichter. Es gab einige StraßenstĂ€nde, die wundervolle DĂŒfte in die Luft entließen und Jaros Magen knurrte. "Ich wĂŒrde gerne eine Kleinigkeit essen", sagte er und nachdem die beiden Frauen ihm lĂ€chelnd erklĂ€rt hatten, dass er sich doch einfach etwas holen solle, ging er zu einem der StĂ€nde, an dem es um Spieße gewickelte und gebratene BlĂ€tter gab, die Jaro nicht kannte, doch die einfach köstlich rochen. Er kramte die MĂŒnzen hervor, die er noch immer von den vier Kerlen ĂŒbrig hatte, doch der Mann winkte ab. "Nicht doch, Junge. Zu Ehren unseres Festtages kommt alles aus unseren StadtvorrĂ€ten. Du musst heute nichts bezahlen."

Alaryah Schattenwind
Es freute Alaryah sehr, dass Jaro und Kirona die AtmosphĂ€re sichtlich genossen. Nachdem Jaro mit seiner Mahlzeit zurĂŒckgekehrt war (und anfangs fĂŒr einen kleinen Augenblick etwas irritiert gewirkt hatte, da er nichts dafĂŒr bezahlen musste) schlenderten die drei den Weg weiter entlang. Dieser Weg fĂŒhrte sie schließlich durch eine breite Gasse, in denen große und kleine VerkaufsstĂ€nde aufgebaut worden waren. Die unterschiedlichsten Waren wurden hier nun zum Kauf angeboten, es wurde hier und da fleißig gehandelt und gefeilscht. "Ich hĂ€tte nicht erwartet, dass es hier so viel zu sehen gibt.", meinte Alaryah schließlich und schaute mit großen Augen hin und her, als wolle sie so viele EindrĂŒcke wie möglich aufnehmen wie ein Schwamm das Wasser. "Seht doch, dort!", platzte es aus Alaryah heraus und schon wuselte sie in Richtung eines Standes. Dort hatte ein Silberschmied viele kleine Figuren mit enorm hohen Detailgrad angefertigt. Sie zeigten Alben in unterschiedlichen Posen, teilweise sogar auf Pferden, Fabelwesen und sogar ganze Dioramen! Alaryah dachte an ihr Pferd Sonnenstrahl...und fand tatsĂ€chlich eine kleine Figur, die ihrem treuen GefĂ€hrten Ă€hnelte. Ein paar MĂŒnzen wechselten den Besitzer und Alaryah verstaute die Miniatur sicher in einer ihrer Taschen.
Die Reise durch die Gasse ging weiter, es gab sogar tatsĂ€chlich auch einen Schießstand. Der Inhaber, ein Veteran der WaldlĂ€ufer, erkannte Alaryah bereits von Weitem und rief:"Oh nein, Schattenwind, verzeiht, aber ich kann Euch hier unmöglich schießen lassen! Lasst die Preise fĂŒr die anderen GĂ€ste unseres Festes.". Einen Moment lang schien die Situation Ă€ußerst angespannt, dann mussten sowohl der Inhaber des Standes, als auch Alaryah herzhaft lachen. Die kleine Albin fiel dem Veteran sogar um den Hals. "Dich habe ich ja lange nicht mehr gesehen!", rief Alaryah fröhlich und wurde schließlich wieder auf dem Boden abgesetzt. "Jaro? Kirona? Darf ich vorstellen, das ist Teradaran, er ist ein Freund meiner Familie.". "Ein sehr guter sogar, möchte ich hinzufĂŒgen!", sagte der Mann und reichte Jaro und Kirona die Hand. "Da ich ja nicht darf...", begann Alaryah sarkastisch, "...wie sieht es aus, wollt ihr es versuchen?". Optimistisch griff Alaryah nach einem herumliegenden Bogen und hielt ihn ihren GefĂ€hrten hin.

Jaro BallivĂČr
"Oh welch schöne Stoffe", rief Kirona aus und im nĂ€chsten Augenblick deutete sie schon wieder auf etwas anderes, sichtlich angesteckt von Alaryahs Freude. EhrfĂŒrchtig betrachtete Jaro die Silberfiguren. Auch wenn er nun schon eine Weile von zu Hause fort war, hatte es noch immer dieselbe Wirkung auf ihn. Das Blut Orils... Silber hatte in seiner Heimat eine ganz besondere Bedeutung. Dort wĂ€re Alaryahs Errungenschaft ein wahrer Schatz.
"Sehr erfreut", sagte Kirona und lĂ€chelte den Mann an, der seinen Narben zum Trotz ein fröhliches und freundliches Gesicht hatte. "Ja, hallo", fĂŒgte Jaro an und griff seine Hand. Alaryah strahlte von Ohr zu Ohr, als sie den Bogen ergriff und Jaro musste zugeben, dass er es zu gerne probieren wollte. Langsam griff er nach dem Bogen. "Los, los, nur nicht schĂŒchtern", schmunzelte Teradaran. "Hier hast du ein paar Pfeile. Viel Erfolg!" Jaro rief sich in Erinnerung, wie Alaryah die Waffen gehalten hatte und legte einen Pfeil an. Konzentriert zielte er auf eine der Zielscheiben, spannte den Bogen und... der Pfeil schwebte in einem kleinen Viertelkreis in Richtung Boden. Alle prusteten los und auch Jaro musste lachen, obwohl er spĂŒrte, dass er heiße Ohren bekam. "Probier es noch einmal", ermutigte ihn Kirona und auch Alaryah nickte eifrig, korrigierte ein wenig seine Armhaltung. Erneut spannte Jaro den Bogen und als er dieses Mal losließ, sauste der Pfeil gerade aus in sein Ziel. "Treffer!", rief er aus auch wenn er noch lange nicht die Mitte getroffen hatte. "Willst du auch?", fragte er Kirona, die den Kopf schĂŒttelte. "Komm schon, probier es", beharrte er und schließlich griff Kirona nach der Waffe. Langsam hob sie beides an... und feuerte ihren Pfeil direkt ins Zentrum der Zielscheibe. Jaro starrte und auch Alaryah und Teradaran waren verblĂŒfft. "Das... das war GlĂŒck?", sagte Kirona und lief rot an.

Alaryah Schattenwind
"Wirklich gut!", rief Alaryah und hĂŒpfte sogar etwas auf und ab. Teradaran nickte anerkennend. "Nun, ihr habt euch wacker geschlagen. Schattenwind, ich wĂŒrde dir sogar auch einen Versuch gestatten.". Alaryah lehnte dankend ab. "Lass nur, ich will dir ja nicht den Stand leer rĂ€umen.". Sie grinste. "Oh, bevor ihr geht...", sagte Teradaran als sich die GefĂ€hrten zum Gehen wandten und verschwand kurz im hinteren Bereich seines Standes. Er kehrte mit einem kleinen BĂŒndel wieder zurĂŒck. "Ihr dĂŒrft eure Preise doch nicht hier liegenlassen!". Er hĂ€ndigte Kirona das BĂŒndel aus, die es dankend annahm. Auch Jaro bekam eine Kleinigkeit, genauer gesagt war es eine Anstecknadel in Form eines Pfeils. Auch dieses SchmuckstĂŒck war enorm fein gearbeitet, dennoch stabil. "Ich denke, wir sehen uns noch einmal Teradaran.", meinte Alaryah schließlich und nach einer herzlichen Verabschiedung ging die Reise durch die Gasse weiter.
An einer Kreuzung mussten sie anhalten. Hier war viel los. Mehrere Musiker standen auf einem Podest und spielten fröhliche Melodien, die die Menge in ihren Bann zog. "oh, kommt, wir mĂŒssen einfach etwas tanzen!", sprudelte es aus Alaryah nur so hinaus und schon war sie im GewĂŒhl der Menge verschwunden. Kurz darauf löste sie sich wieder aus dem Pulk und rief "Jaro, Kirona, kommt!". Die beiden sahen sich etwas unsicher an. "Loooooos doch!". Alaryah griff plötzlich Jaros Hand und zog ihn in Richtung improvisierter TanzflĂ€che. Sie wirbelte ihn sogar einmal herum, lachte dabei hell und klar, wie es ihre GefĂ€hrten vorher noch nie gehört hatten. Elegant und unbeirrt schien sie schon fast ĂŒber die TanzflĂ€che zu schweben, ihr Haar flog ihr nach wie der Schweif bei einem Kometen. Kirona stand weiterhin etwas abseits, beobachtete die Situation mit einer Mischung aus Amusement und Skepsis. "Warte kurz.", sagte Alaryah zu Jaro und zog nun auch Kirona in die Menge. "Ach, Alaryah, nein, lass das doch.", kicherte sie, doch dann hatte die Musik auch sie gepackt. Einen wirklichen Tanz konnte man das, was sie dort ablieferten nicht nennen, doch niemand störte sich daran. Viel mehr schien es so, als erlebe jeder in der nĂ€heren Umgebung der Musiker dieses kleine Konzert auf eine ganz eigene Art. Personen wurden zu Schemen, es war, als wĂŒrde die Musik das Publikum wie auf Wolken tragen.
Irgendwann wurde Alaryah von jemandem gepackt, doch schnell erkannte sie, dass Kirona ihren Arm um sie gelegt hatte. Auch Jaro hatte sie bereits fest im Griff. "Ich danke Euch.", hauchte sie leise, jedoch immer noch so, dass die beiden es verstehen konnte. "Das ist ein wunderbarer Abend.".

Jaro BallivĂČr
Der kleine Pfeil lag auf Jaros offener Hand und er betrachtete ihn fasziniert. Noch verdiente er solch eine Auszeichnung nicht, dachter er, doch der Bogen hatte sich sehr gut in seiner Hand angefĂŒhlt und Jaro nahm sich fest vor zu ĂŒben. Bei der nĂ€chsten Gelegenheit, vielleicht gleich morgen, wĂŒrde er Alaryah fragen, ob sie einen Übungsbogen fĂŒr ihn auftreiben konnte. Sein Geld wĂŒrde schon dafĂŒr reichen und dann wĂŒrde er trainieren und vielleicht konnte ja noch ein guter BogenschĂŒtze aus ihm werden. Er lĂ€chelte Teradaran freundlich zu und folgte Alaryah und Kirona ins GetĂŒmmel. Wundervolle KlĂ€nge lagen in der Luft und ehe Jaro sich versah, hatte Alaryah ihn in die Menge gezogen und er fand sich inmitten von Tanzenden wieder. Etwas unbeholfen bewegte sich Jaro im Takt, denn er hatte noch nie zuvor getanzt. Hin und wieder versuchte er Schritte von anderen nachzuahmen, doch es schien ohnehin egal zu sein, wie man sich bewegte. Niemand sah einen krumm an, jeder tat, wonach ihm war und wohin die Melodie ihn trug. Jaro blickte zu der Musikgruppe, die mit strahlenden Gesichtern ihre Instrumente bearbeiteten. Ein jeder hier schien absolut glĂŒcklich und selig zu sein, die Stimmung war elektrisierend. Als Kirona sie schließlich beide zu sich zog, konnte Jaro ihr nur Recht geben. Es war wundervoll. Er drĂŒckte ihre Schulter, um ihr etwas zurĂŒck zu geben und lĂ€chelte beide Frauen warm an. In diesem Moment ging plötzlich Gemurmel durch die Reihen und Applaus schwoll an. Jaro folgte den Blicken der anderen und sah, dass eine Frau die BĂŒhne betreten hatte. Sie trug ein elegantes, strahlend grĂŒnes Kleid und hatte das Haar aufwendig hochgesteckt und mit BlĂŒten verziert. Die Musiker stimmten ein neues Lied an und als die Frau zu singen begann, kroch Jaro eine GĂ€nsehaut die Beine hoch. Noch nie zuvor hatte er so etwas Schönes gehört. Um ihn herum hatten alle wieder begonnen, sich im Takt zu bewegen, gegenseitig herum zu schwingen, doch er konnte den Blick nicht von der Albin wenden. Ihre Stimme war melodisch und warm und sie sang mit voller Hingabe ein Lied, das froh und traurig, leicht und schwer zugleich war und ihn tief berĂŒhrte. Kirona packte ihn am Arm und riss ihn aus seiner Trance. Kurz blinzelte er, dann wurde er schon herum gewirbelt und fand Alaryahs Hand, sodass sie sich zu dritt im Kreis bewegten.

Alaryah Schattenwind
TatsĂ€chlich musste Alaryah etwas durschschnaufen als eine kurze Pause eintrat. Ein neues Lied begann und plötzlich lief es der kleinen Albin eiskalt den RĂŒcken hinunter. Sie hatte dieses Lied noch nie zuvor gehört, fĂŒhlte sich jedoch direkt davon gepackt, schon fast gebannt. Erst, als um sie herum wieder Bewegung ins Spiel kam löste sie sich von dem lockeren Band, welches das Lied um sie herum gewoben hatte. Jaro griff nach Alaryahs Hand und der Tanz wurde fortgesetzt.
Das Lied schien sich eine gefĂŒhlte Ewigkeit und nur wenige Augenblicke zugleich hinzuziehen und Alaryah musste gedanklich zugeben, dass sie so etwas selbst noch nicht erlebt hatte. Es war einfach erstaunlich, was mit Musik alles möglich war.
Alaryah konnte schließlich gar nicht genau sagen, wie lange sie auf der TanzflĂ€che zugebracht hatten. Einer der Musiker erhob sich schließlich von seinem Platz, stellte die große Harfe beiseite und sprach mit fester Stimme:"Wir danken Euch fĂŒr euer Kommen und natĂŒrlich auch, dass ihr so lange bei uns geblieben seid, damit wir gemeinsam diesen wunderschönen Abend verbringen können!". Die Menge bestĂ€tigte den guten Mann mit Applaus und hier und da sogar per Jubelruf. "Wir werden nun eine Pause machen und falls ihr mögt, so werden wir dort drĂŒben beim alten Falrodor spĂ€ter noch das ein oder andere StĂŒck spielen!". Der Musiker zeigte in die entsprechende Richtung, dort hatte man eine Art riesigen Pavillon aufgebaut, darunter standen lange BĂ€nke und Tische, an denen bereits einige GĂ€ste Platz genommen hatten. Hier und da huschten Personen mit großen Tabletts zwischen den Sitzreihen umher und versorgten andere mit GetrĂ€nken aus reich verziehrten Kelchen, KrĂŒgen und Karaffen. Einer der Personen mit Tablett schien die plötzliche Aufmerksamkeit der Menge auf der TanzflĂ€che zu bemerken und winkte fröhlich herĂŒber.
"Das war...ich weiss es gar nicht.", meinte Kirona, als sich die TanzflĂ€che langsam leerte. "Ich konnte kein Wort von der Sprache verstehen, aber da kam so viel GefĂŒhl rĂŒber.", setzte sie fort und war immer noch begeistert. Alaryah nickte zustimmend und lĂ€chelte. Dann wischte sich die Albin mit dem HandrĂŒcken den Schweiß von der Stirn. "Aber ich muss zugeben, dass diese Pause gerade rechtzeitig kommt. Puh.". Sie schaute zu einem zufriedenen Jaro hinĂŒber. "Na dann, ich wĂŒrde sagen...wir haben noch einiges hier zu entdecken, richtig?". Alaryah wechselte ihre Position, sodass Jaro nun zwischen ihr und Kirona stand. "Wenn es nach mir geht, dann kannst du deine Begleitungen nun woanders hinfĂŒhren.". Sie wechselte einen kurzen Blick mit Kirona und beide Hakten sich bei Jaro ein. "Nundenn, gehen wir!". Sie lachten.

Jaro BallivĂČr
Auch Jaro musste lachen, bekam aber zeitgleich heiße Ohren. Er wusste nicht, ob er es sich einbildete oder nicht, doch er meinte den ein oder anderen anerkennenden Blick mĂ€nnlicher Alben auf sich ruhen zu sehen und einmal zwinkerte ihm sogar jemand zu und grinste. "Du fĂŒhrst immerhin gerade nicht nur eine, sondern gleich zwei hĂŒbsche Frauen herum", sagte er sich und noch mehr Blut stieg ihm ins Gesicht. "Meint ihr, wir können noch einmal so einen leckeren Fruchtwein oder eine andere Erfrischung bekommen?", fragte er. "Oh, ja, ich habe einen riesen Durst", pflichtete ihm Kirona bei. "Am liebsten zum Mitnehmen, ich möchte mich gern noch ein wenig umsehen, ehe wir uns dort drĂŒben niederlassen." Alaryah nickte und wies in Richtung einer kleinen HĂŒtte, an der es verschiedenste GetrĂ€nke gab und man sogar zuvor probieren konnte. "Die Damen, der Herr", begrĂŒĂŸte ein junger Mann sie und dieses Mal war Jaro sicher, dass er gezwinkert hatte. "Was darf ich euch anbieten? Ich habe feinste Fruchtweine aus dem SĂŒden, Malz- und Honigbier, Waldbeerengeist, Wurzelsud und verschiedene Liköre." Nach einander wies er auf einzelne Flaschen, mal dĂŒnn und groß, mal klein und gedrungen, mal aus Glas, mal aus Holz und mal aus Steingut. Kirona entschied sich schnell fĂŒr ein Honigbier, denn sie wollte unbedingt ihren Durst stillen, doch Jaro und Alaryah testeten verschiedene Sachen. Verschmitzt grinste die Waldalbin ihn an, wĂ€hrend sie einen kleinen Kelch mit Waldbeerengeist zum Wohl anhoben und als Jaro kostete und wild zu Husten begann, lachte sie glockenhell auf, als hĂ€tte sie gewusst, dass das passieren wĂŒrde. Jaro hechelte nach Luft und wischte sich eine TrĂ€ne aus dem Augenwinkel. "Okay, ich glaube das ist nichts fĂŒr mich." Kirona und Alaryah kicherten. Letztlich entschied er sich fĂŒr ein Glas Wurzelsud, ein dickflĂŒssiges GetrĂ€nk, dass wĂŒrzig und sĂŒĂŸ zugleich schmeckte. Alaryah wĂ€hlte einen Fruchtwein und mit den Bechern bewaffnet schlenderten sie weiter, auf eine Albentraube zu. Als sie nahe genug waren, erblickten sie einen alten Waldalben, der gerade verschiedene GegenstĂ€nde hinter den Ohren eines Freiwilligen hervorzauberte, sehr zum AmĂŒsment der Schaulustigen. "Du solltest dich auch dort öfter waschen", gluckste er. "Sieh nur, was sich dort alles angesammelt hat!" Jaro, Alaryah und Kirona fielen in das GelĂ€chter der anderen ein und der Zauberer verbeugte sich tief und schmiss dann wie aus dem Nichts zehn BĂ€lle in die Luft, mit denen er zu jonglieren begann. "Wow", sagte Kirona und folgte den schnell zirkulierenden Kugeln.

Alaryah Schattenwind
Alaryah nahm einen weiteren Schluck aus ihrem Kelch. Der Wein war wirklich köstlich. Sie folgte mit ihrem Blick den Kugeln, die wie Kometen umherflogen. Der Zauberer warf sie auf verschiedene Weise umher, mal tanzten drei oben, der Rest zirkulierte umher und eine andere Kugel hĂŒpfte auf und ab. Dann plötzlich ließ der Mann die Kugeln nach und nach in seinem Ärmel verschwinden. Sein Blick fiel auf die GefĂ€hrten und schnurstracks stapfte er in ihre Richtung. "Hedort!", kĂŒndigte er an und zeigte auf die drei. "Sagt, wĂ€rt ihr so freundlich und wĂŒrdet eine Karte ziehen?". Wie aus dem Nichts hatte er ein Deck Spielkarten hervorgeholt und drehte es in einer Hand wild umher. Die drei sahen sich an, dann gab Jaro Alaryah einen kleinen Schubs, sodass sie einen kurzen Schritt nach vorn machte. "Sehr gut, da haben wir auch schon unsere Freiwillige! Bitte, zieht eine Karte!". Alaryah warf Jaro einen flĂŒchtigen Blick zu und er grinste. "Nun gut.", brachte Alaryah hervor und zog mit leicht vor Aufregung zittriger Hand eine Karte aus dem Stapel. Sie stand im Mittelpunkt und wusste nicht so recht, ob ihr dies wirklich gut gefiel. "Nun seht sie euch an, prĂ€gt sie euch ein und steckt sie wieder zurĂŒck.". Alaryah tat, wie ihr gesagt wurde. Der Mann mischte den Stapel. "Ihr seid nicht alle von hier, richtig?", fragte er munter und sah Kirona und Jaro an. "Nein, eher auf der Durchreise.", erklĂ€rte Alaryah und ihr wurde etwas unwohl bei dieser Frage. "Oh, also kommt ihr von weiter weg? GĂ€ste sollten immer ein Gastgeschenk mitbringen, findet ihr nicht?". Ein Raunen der Zustimmung ging durch die Menge um sie herum. Alaryah zog mit fragendem Blick eine Augenbraue hoch. Der Zauberer beachtete sie nicht mehr, wandte sich nun viel mehr Jaro zu. "Habt ihr vielleicht etwas mitgebracht?". Jaro schĂŒttelte langsam und etwas verunsichert den Kopf. "Ich bin mir sicher, dass ihr es habt, seht in Eurer GĂŒrteltasche nach.". Etwas verwundert öffnete Jaro die Tasche und fand eine Karte darin. "Ist das etwa...?", fragte der Zauberer Alaryah mit ĂŒbertrieben erstaunter Laienschauspielkunst. Jaro hielt die Karte hoch, es war tatsĂ€chlich die, die Alaryah gezogen hatte. Applaus floss durch die Menge, Alaryah und Jaro waren etwas erstaunt. "Nun, nachdem dies geklĂ€rt ist...bitte, gebt mir die Karte wieder, die eure Freundin gezogen hat.". Zu Jaros Erstaunen ging diese Anweisung in Kironas Richtung. "Welche...". "Die Karte in Eurem Ärmel?", unterbrach sie der Zauberer. TatsĂ€chlich zog auch Kirona plötzlich eine Karte hervor. "Danke, danke, danke!". Der Zauberer verbeugte sich vor der Menge und bedankte sich per HĂ€ndedruck noch einmal bei seinen "spontan freiwillig gemeldeten" Assistenten Jaro, Kirona und Alaryah. "Immer wieder erstaunlich, was ihr so bei euch tragt.", grinste Alaryah und wie abgesprochen schĂŒttelten die drei GefĂ€hrten mit einer Mischung aus Überraschung, Begeisterung und Anerkennung den Kopf. Sie legten zusammen und hinterließen daraufhin eine großzĂŒgige Spende in dem auf dem Boden liegenden Hut des Zauberers. "Jaro, war das vorhin die Rache fĂŒr den Waldbeerengeist?", fragte Alaryah neckisch. "Mich einfach so in eine ZaubervorfĂŒhrung zu schieben...sowas aber auch.". NatĂŒrlich war sie ihm nicht böse. "Sagt, wie sind eure GetrĂ€nke?".

Jaro BallivĂČr
SchĂŒchtern lĂ€chelte Jaro. "Ich dachte, du meisterst das bestimmt mit links", sagte er dann und grinste.
"Dieses Bier schmeckt einfach wundervoll" Wie um ihre Worte zu unterstreichen, nahm Kirona einen großen Schluck. "Nur ich fĂŒrchte, mir wird schon ein wenig schwindelig." Sie zwinkerte. "Darf ich deines versuchen, Jaro?" "Na klar!", antwortete er und reichte ihr seinen Kelch. "Ich finde das auch richtig lecker." Kirona trank und verzog leicht das Gesicht. "Uh, das ist mir doch ein wenig zu speziell. Ich bleibe bei dem Bier." Jaro musste ĂŒber Kironas Gesichtsausdruck lachen. "Danach möchte ich glaube ich auch noch so einen Fruchtwein trinken. Das hat mir gestern wirklich gut geschmeckt.", ergĂ€nzte er. Sie passierten weitere wundersame StĂ€nde und HĂŒtten. Eine Zeit verweilten sie bei einem HĂ€ndler mit edlen Stoffen und Alaryah erklĂ€rte, dass die Waldalben bekannt dafĂŒr waren und dies auch nahezu das einzige Handelsgut war, mit dem sie an die Außenwelt traten. Jaro ließ seine Finger ĂŒber einen bunten Schal gleiten. Der Stoff war weich und anschmiegsam und aufwendig gemustert, mit verschiedenen Rot-, Orange und Brauntönen. "Ich glaube, so etwas wĂŒrde meiner Mutter gefallen", sagte er. "Na dann nehm es doch mit!", schlug Kirona vor und blickte zu Alaryah hinĂŒber, die bestĂ€rkend nickte. "Wie viel das wohl kostet?", murmelte Jaro, der zu schĂŒchtern war, um die HĂ€ndlerin direkt anzusprechen und da nahm sich Alaryah ein Herz und fragte fĂŒr ihn. Jaros Beute reichte locker und die Dame versicherte ihm, dass nur die feinsten Stoffe und ausschließlich Naturfarben verwendet worden waren. "Ein besseres Souvenir aus dem Waldreich gibt es nicht", zwinkerte sie, da auch sie sofort erkannt hatte, dass er nicht von hier war, bei seinem fast weißblondem Schopf kein Wunder. "Bei mir zu Hause findet man kaum bunte Kleidung", erklĂ€rte Jaro im Nachgang den beiden Frauen. "Mutter hat sich schon oft beklagt, dass ein wenig Farbe nicht schaden wĂŒrde und ich finde, das passt gut zu ihren Augen." Kirona und Alaryah lĂ€chelten ihn warm an. "Was haltet ihr davon, wenn wir etwas essen?", sagte Kirona dann. "Das Bier ist mir doch schon sehr zu Kopf gestiegen."

Alaryah Schattenwind
<Etwas essen.>, dachte Alaryah und begrĂŒĂŸte den Vorschlag sehr. Auf dem Weg zu einer Ansammlung weiterer StĂ€nde hakte sich Kirona wieder bei Jaro ein. "Du...ich glaube du musst mir jetzt mal etwas helfen.", murmelte sie und war anscheinend selbst etwas ĂŒber das Bier verwundert, welches langsam aber sicher seine volle Wirkung entfaltete. "Zur Not tragen wir dich einfach.", meinte Alaryah amĂŒsiert und wandte sich dann an Jaro. "Ich glaube, dass dein Mitbringsel wunderbar ankommen wird.". Jaro schien erfreut ĂŒber Alaryahs weiteren Zuspruch, doch der kleinen Albin wurde etwas schwer ums Herz. Ihr wurde bewusst, dass sich diese Gruppe irgendwann wahrscheinlich wirklich auflösen wĂŒrde...Eigentlich mochte sie noch gar nicht an diesen Moment denken, doch konnte sie gerade nicht anders. "Oh, das sieht gut aus!", riss Kirona Alaryah aus ihren Gedanken. Die junge Frau eilte, etwas nach links ausschlagend, auf einen Stand zu, welcher leichte Kost mit fein duftenden GewĂŒrzen und Marinaden anbot. Ein schwaches LĂ€cheln umspielte Alaryahs Lippen, als sie Kirona beobachtete, wie diese, weiterhin leicht angeschlagen, bestellte und sich augenscheinlich ĂŒber die angebotenen Waren erkundigte. "Du wolltest doch auch etwas essen, oder?", fragte Jaro und Alaryah schob die dĂŒsteren Gedanken des Abschieds beiseite. "Jah, ja gern.", brachte sie hervor und sah sich um. "Ich denke, ich werde dort zuschlagen.".
Kurze Zeit spĂ€ter kehrte die kleine Albin mit einer dampfenden SchĂŒssel zurĂŒck, Jaro und Kirona warteten bereits auf sie. "Seht mal.", sagte Alaryah und hielt den beiden die SchĂŒssel hin. Darin befanden sich diverse Sorten GemĂŒse, grob geschnittene Waldpilze verschiedener Art und kleine SpeckwĂŒrfel. Das ganze war mit KrĂ€utern garniert, die dem ganzen eine gewisse WĂŒrze gaben. "Dasch ischt einfach scho lecker.", verkĂŒndete Alaryah, als sie gerade auf einem großen StĂŒck Pilz herumkaute. "Kirona, geht es dir besser? Was hast du dir geholt?", erkundigte sie sich schließlich. "Ich glaube sie nennen es...". Sie gab nach kurzer Überlegung auf. "Ich weiss es nicht mehr, aber es ist wirklich gut.". In Kironas Schale befand sich eine Art Auflauf aus GemĂŒse, in der anderen Hand hielt die Frau einen frischen Kanten Brot, welchen sie wieder und wieder in ihre Schale dippte.
"Jaro, bist du etwa schon satt?", erkundigte sich Kirona schließlich und sah ihn an. "Du hattest zwar schon was, aber reichte das?", fragte sie.

Fast zeitgleich als sie aufgegessen hatten, huschte ein Alb an ihnen vorbei und warf in Eile mehrere Worte um sich. Kirona und Jaro hatten es erst gar nicht wirklich mitbekommen, doch Alaryah klĂ€rte sie auf. "Sagen wir es so, er hat einen Programmpunkt angekĂŒndigt. Lasst euch ĂŒberraschen.", erklĂ€rte die Albin knapp und zog ihre beiden GefĂ€hrten mit sich. Sie schien es urplötzlich mehr als eilig zu haben und duldete keinen Zwischenstop.
Wenige Minuten spĂ€ter kam die kleine Gruppe an einem großen Teich an. Hier und da hatten sich bereits andere Personen und kleine GrĂŒppchen niedergelassen und schauten in den Himmel der Nacht oder auf den Teich, in dem sich Mond- und Sternenlicht spiegelten. "Was machen wir hier?", fragte Kirona und wusste nicht so ganz, wo sie nun hinschauen sollte. Auch Jaro schien etwas verwundert. "Setzt euch.", meinte Alaryah knapp und ließ sich auf dem weichen Rasen nieder. So saß sie aufrecht da, die Sohlen aneinandergelegt und mit den HĂ€nden die FĂŒĂŸe umfassend. "Looooos, macht es euch bequem. Gleich geht es los.", meinte sie mit Nachdruck und deutete auf den Platz neben sich. Jaro und Kirona setzten sich. "Jetzt warten wir.". Gerade, als Kirona etwas sagen wollte, verstummte die Menge um sie herum plötzlich wie auf Kommando. "Es beginnt.", hauchte Alaryah und ihre Augen weiteten sich vor Aufregung. Es zischte laut und es schien, als wĂŒrden mehrere Sternschnuppen ĂŒber den Nachthimmel rasen. Dann tanzten leuchtende Kugeln ĂŒber die WasseroberflĂ€che des Teichs, bildeten verschiedene Formen und Zeichen, sammelten sich in der Mitte des Teichs und vereinten sich zu einem großen und funkelnden Ball. Der Ball stieg empor, drehte sich um die eigene Achse, schien zu platzen und es war, als wĂŒrden sie sich nun alle mitten im Universum befinden. Sterne und Planeten flogen umher, Wesen aus Licht tanzten miteinander, verschwanden und erschienen an anderer Stelle wieder. Es schien, als wĂŒrde sich sogar die Farbe des Wassers verĂ€ndern. Mal leuchtete der Teich pulsierend und dunkelrot, dann beruhigend grĂŒn, dann wieder aufgebracht und tiefblau. Einmal erhob sich ein leuchtender Adler vor den drei GefĂ€hrten wie aus dem Nichts aus dem Waldboden. MajestĂ€tisch breitete das Wesen aus warmen Licht die FlĂŒgel aus und erhob sich langsam. Gebannt starrte Kirona den Adler an, hob langsam die Hand und wollte das Tier berĂŒhren. Kurz bevor es dazu kam zerfiel der Adler in viele kleine Sterne, die am Boden zu Schildkröten wurden. Diese krabbelten munter in den Teich und verschwanden dort, ohne auch nur das Wasser in geringster Art und Weise aufzuwĂŒhlen. "Ich hĂ€tte nicht gedacht, dass ich diese VorfĂŒhrung mal sehen wĂŒrde.", flĂŒsterte Alaryah andĂ€chtig und schaute weiterhin gebannt in den Nachthimmel, ĂŒber welchen nun mittlerweile mehrere flackernde Wildkatzen jagten. Langsam ließ sich die kleine Albin zur Seite fallen, legte ihren Kopf auf Jaros Schulter. Als dieser erstaunt zu ihr hinuntersah konnte er sehen, wie Alaryah Kironas Hand fest gegriffen hatte. <Soll dieser Abschied doch irgendwann kommen, das hier und heute kann uns einfach keiner mehr nehmen.>. Insgeheim war Alaryah froh, dass niemand ihre Gedanken hören konnte.

Jaro BallivĂČr
Grinsend zog Jaro ein KrĂ€uterbaguette hinter seinem RĂŒcken hervor, dass er kurzerhand von einem Mann mit Bauchladen entgegen genommen hatte, wĂ€hrend die beiden Frauen sich ihre Portionen geholt hatten. Sein BlĂ€tterspieß von vorhin war zwar lecker, doch nicht viel mehr als ein Appetitanreger gewesen.

Was dann erfolgte, raubte Jaro vollkommen den Atem. Schon allein, als sie sich plötzlich an einem kleinen Teich wiederfanden, der so unerwartet vor ihnen aufgetaucht war und doch nirgends besser hingepasst hĂ€tte, ja einfach hierher gehören zu schien, erstaunte ihn und als dann das Lichterschauspiel einsetzte, konnte Jaro nicht anders gebannt zuzusehen und sich in eine andere Welt ziehen zu lassen. Die Waldalben wussten, wie man Fest feierte, so viel stand fest. "Wow", flĂŒsterte er und wĂŒnschte, die Vorstellung möge niemals vorbei gehen. Er spĂŒrte Alaryahs Kopf an seiner Schulter und sah zu ihr hinab. War das Wehmut in ihrem Blick oder war die kleine Albin einfach nur selig? Er setzte ein LĂ€cheln auf und blickte wieder nach oben in den Himmel, wo noch immer kleine Lichtkugeln tanzten. Eine angenehme Stille hatte den Ort ergriffen. Bis auf das Knistern des Lichtspiels und vereinzelte geflĂŒsterte Worte war nichts zu hören und eine tiefe Ruhe breitete sich in Jaro aus, verstĂ€rkt durch das wohlige GefĂŒhl, dass der Wurzelsud in seinem Bauch hinterlassen hatte. Als das letzte Licht in eleganten Spiralen verglomm, erhoben sich die ersten Zuschauer wieder, wahrscheinlich um zum nĂ€chsten Programmpunkt zu eilen, denn Jaro zweifelte nicht daran, dass irgendwo schon das nĂ€chste Wunder wartete. Trotzdem blieb er ruhig sitzen, wollte die Entspannung noch nicht durchbrechen, die sich ĂŒber sie drei ergossen hatte. Sie hatten alle Zeit der Welt und die sollten sie auch auskosten.

Alaryah Schattenwind
Eine Zeit lang passierte gar nichts. Nach und nach verschwanden die anderen Zuschauer und es wurde noch ruhiger am Teich. Die drei saßen weiterhin dort, niemand rĂŒhrte sich. Schließlich waren sie allein. Nur hier und da plĂ€tscherte das Wasser leise vor sich hin, womöglich eroberten Frösche das Ufer langsam zurĂŒck. Alaryah seufzte. "Beeindruckend.", murmelte sie leise und schaute mit großen Augen zu Jaro auf. "Diesen Abend werde ich glaube ich so schnell nicht vergessen, wenn ĂŒberhaupt.", flĂŒsterte sie. Es war, als wollte gerade niemand wirklich normal reden, möglicherweise aus Angst die beruhigende Stille zu stören. Langsam richtete sich Alaryah auf, weg von Jaro und hinĂŒber zu Kirona. Diese saß immer noch da und verarbeitete das gerade gesehene. "Ich hoffe es hat euch genau so gefallen wir mir.". Kirona nickte andĂ€chtig, schaute dann zu Jaro und Alaryah hinĂŒber. "Es freut mich sehr, dass ihr mir...naja...das alles hier ermöglicht habt.". Kirona deutete auf den Teich und in Richtung FestgelĂ€nde, von dem ein leises und dumpfes Wirrwarr aus Stimmen und Musik zu hören war. Ohne Jaro und Alaryah wĂ€re mit ihr sonstwas passiert, dies wurde Kirona auch in dieser Situation erneut mehr als deutlich. Flink und mit einer leichten Drehung stand Alaryah auf. "Kommt, lasst uns ein paar Schritte um den Teich gehen.", bot Alaryah an und hielt ihren beiden GefĂ€hrten die Hand hin, um ihnen beim Aufstehen zu helfen. Sie gingen schweigend ein paar Schritte, als ihnen schließlich ein junger Alb mit Handkarren entgegenrumpelte. Die Fracht auf dem Karren klimperte leise und das GerĂ€usch verstummte, als er zum Stehen kam. "Darf ich Euch die hier mitgeben?", fragte der Alb leise und schob die dicke Wolldecke auf dem Karren zur Seite. Darunter standen fein aufgereiht mehrere Laternen aus Holz, welche mit Rohhaut bespannt waren. Ohne auf eine Antwort zu warten entzĂŒndete der Alb drei Laternen, welche nun auf kleiner Flamme sacht vor sich hin glimmten. Auch er verlangte keinerlei Bezahlung, sondern setzte einfach seinen Weg fort, nachdem er sich verabschiedet und noch ein schönes Fest gewĂŒnscht hatte.
Schwach fiel der Lichtkegel vor den Reisenden durch die Dunkelheit, doch zeigte er ihnen den sicheren Weg um den Teich herum. Dann begannen die Frösche mit ihrem Lied. Die Drei kamen bald an einer alten Statue vorbei. Sie stand auf einem breiten Sockel, an dem bereits Efeu emporkletterte. Die Statue selbst stellte eine Frau da, die von einer Schriftrolle zu lesen schien und dabei auf die Mitte des Teichs zeigte. An dieser Stelle des Teichs bedeckten wunderschöne Seerosen die WasseroberflĂ€che und das Schilf wog sich langsam in dem lauwarmen Abendwind hin und her. "Wir können jederzeit wieder zurĂŒck.", meinte Alaryah, weiterhin mit leicht gedĂ€mpfter Stimme sprechend. Sie stellte ihre Laterne auf den Sockel der Statue. "Manchmal verliere ich mich einfach in der Natur.", gab sie zu und schaute etwas beschĂ€mt zu Boden. "Dennoch glaube ich, dass dieser kurze Spaziergang uns allen gut getan hat, oder?", fragte sie unsicher und sah zu Kirona und Jaro hinĂŒber. Kirona nickte und leuchtete mit ihrer Laterne in Richtung Ufer. "Ich habe lange keine Seerosen mehr gesehen.", murmelte sie und lĂ€chelte. Es war, als wĂŒrde sie sich an einen schönen Moment in ihrer Vergangenheit erinnern. Alaryah lĂ€chelte Jaro zu. Anscheinend war es eine gute Idee gewesen diesen kleinen Umweg einzuschlagen.

Jaro BallivĂČr
"In Falathri, der nĂ€chstgrĂ¶ĂŸeren Stadt, gibt es Seerosen in den kĂŒnstlich angelegten TĂŒmpeln grĂ¶ĂŸerer Parks", sagte Jaro leise, aus Furcht, seine Stimme könnte die AtmosphĂ€re zerstören. "Aber in der freien Natur habe ich glaube ich auch noch nie welche gesehen." Er konnte Alaryah gut verstehen, auch er liebte die Natur und das warme Licht der kleinen Lampen gab dem friedlichen Ort noch einmal einen ganz neuen Zauber, den sie noch eine Weile genossen, ehe auch sie beschlossen, sich zurĂŒck in den Trubel zu stĂŒrzen. "Das war eine wunderbare Idee", sagte Jaro zu Alaryah auf dem RĂŒckweg. Noch immer trugen sie die kleinen Laternen und Jaro stellte erstaunt fest, dass noch viel mehr davon verteilt worden waren. Überall auf dem großen Platz und den Gassen, wo das Fest noch in vollem Gange war, schwebten und tanzten Lichter und tauchten alles in einen grĂŒnlichen Schein. Der große Pavillon war mittlerweile schon gut gefĂŒllt und die GefĂ€hrten suchten sich nun ebenfalls einen Tisch. Ein krĂ€ftiger Alb mit Tablett kam vorbei und sie konnten Bier oder Wein wĂ€hlen. Als ein jeder einen Kelch Fruchtwein in der Hand hatte, stießen sie auf ihre Freundschaft an. Jaro hatte fast den Eindruck, Alaryahs Augen seien ein wenig feucht, doch vielleicht glitzerte auch nur die Beleuchtung des Pavillons darin. Die Musikgruppe hatte wieder zu spielen begonnen und nach ein paar Einstiegsliedern, ergriff einer von ihnen das Wort. "Meine Freunde! Nun ist es soweit! Lasst uns alle gemeinsam tanzen!" Ein Jubeln ging durch das Zelt und Jaro und Kirona sahen Alaryah fragend an, die breit grinste. Eine tiefe Trommel stampfte einen regelmĂ€ĂŸigen Rhythmus und auf einmal stiegen alle Alben auf die BĂ€nke, also taten sie es ihnen gleich. Zum zweiten Mal an diesem Abend bekam Jaro eine GĂ€nsehaut, als alle Insassen im Pavillon im Takt der tiefen Trommel zu stampfen begannen. Nach und nach kamen die anderen Instrumente hinzu und es wurde zusĂ€tzlich geklatscht und an einer bestimmten Stelle der Musik riefen alle wie aus einem Mund "Hey, hey!" Jaro ließ sich anstecken und merkte, wie viel Spaß es ihm machte. Immer wenn die Abfolge einmal vorbei war, wurde eine Vierteldrehung gemacht und so tanzte das ganze Zelt im Gleichklang.

Alaryah Schattenwind
Es kostete Alaryah etwas Willenskraft ihre GefĂŒhle zurĂŒckzuhalten. Sie merkte zwar, dass ihr Blickfeld etwas verschwommen wurde, doch hatte sie sich gerade noch so unter Kontrolle. Es war fĂŒr sie schon fast wie ein Befreiungsschlag, als einer der Musiker zum Tanz aufrief. Sie sprang ebenfalls auf, schloss sich dem Takt an und freute sich ĂŒber jedes weitere Instrument, welches sich hinzugesellte. Bald schon hatten die Musiker das ganze Zelt in ihren Bann gezogen und die Masse bewegte sich wie eine Person.
Nach und nach spielten die Musiker Lieder, die bald jeder mitsingen und dazu tanzen konnte. Manchmal wechselten die Musiker ihren Platz, teilten sich unter den Zuhörern auf und setzten sich zwischen sie auf die BĂ€nke. Einer von ihnen zwĂ€ngte sich sogar zwischen Alaryah und Kirona, sang dabei von einer aufregenden Jagd und einem daraus hervortretenden Helden. Seine Finger flogen dabei schon fast ĂŒber das Griffbrett seiner Laute. Alaryah lief kurzzeitig etwas rot an vor Scham, als sich der Alb zu ihr hinĂŒberlehnte, auch Kirona grinste verlegen. Die sonst so professionelle, manchmal auch eiskalte Alaryah wirkte plötzlich wie ein kleines MĂ€dchen, welches zum ersten Mal einem Prominenten begegnete, den sie schon ewig anhimmelte. Irgendwann bemerkte Alaryah, dass Jaro sie ansah. Sie zuckte mit den Schultern, fĂŒhlte sich ertappt und kratzte sich am Hinterkopf.
Das Lied fand ein Ende, als der Held des Liedes ruhm- und siegreich in sein Heimatdorf zurĂŒckkehrte und der Musiker erhob sich von der Bank. "Ich danke Euch.", sagte er mit einer Verbeugung und deutete bei Alaryah einen Handkuss an. Anschließend suchte er sich einen neuen Platz und das nĂ€chste Lied begann.
"Guckt mich nicht so aaaaan!", sagte Alaryah mit erhobener Stimme zu Kirona und Jaro und ballte die FÀuste protestierend auf dem Tisch. "Ich habe doch gar nichts gemacht! Der kam einfach so an, was hÀtte ich denn tun sollen?!". Alaryah versuchte einen finsteren Blick aufzusetzen, was ihr nicht so richtig gelingen wollte. Kirona lachte. "Jaro, sag doch was! Wobei nein, lass es vielleicht lieber.". Alaryah schaute weg, doch half es nichts. "Ich kann dich ihm auch vorstellen?", schlug Kirona plötzlich vor. "So weit kommt es noch!", platzte es aus Alaryah heraus. "Jaro, ich möchte, dass du Kirona aufhÀlst, sollte sie so etwas in der Art auch nur annÀhernd vorhaben!". Alaryah griff nach ihrem Kelch und nahm einen tiefen Schluck. "Ich und einer dieser Musiker...ihr seid mir welche...". Kirona grinste, Jaro hob unschuldig die HÀnde.

Jaro BallivĂČr
Soweit Jaro das beurteilen konnte, war der Lautenspieler ein schneidiger Mann und da war es wahrscheinlich kein Wunder, dass sowohl Alaryah als auch Kirona von ihm angetan waren. Seine Augen leuchteten grĂŒn und funkelten verwegen, sein Kinn war scharf geschnitten und wĂ€hrend er sang, war ein Mundwinkel jederzeit zu einem verschmitzten LĂ€cheln erhoben.
"Nun ja, du scheinst ihn zu mögen", sagte Jaro grinsend. "Komm schon, lasst uns nach vorne gehen." Kirona schien Feuer und Flamme. "Seht, sie machen Pause! Vielleicht können wir etwas mit ihnen trinken." Alaryahs Blick sprach BĂ€nde, doch Kirona und Jaro ließen nicht locker und zogen die WaldlĂ€uferin auf die FĂŒĂŸe. Um die BĂŒhne herum hatte sich schon eine Gruppe Alben, hauptsĂ€chlich Frauen, versammelt, die sich Autogramme holten und das GesprĂ€ch suchten. Trotzdem erspĂ€hte der Lautenspieler Alaryah und grinste. Er bahnte sich den Weg durch die Alben und reichte ihnen allen die Hand. "GefĂ€llt euch das Programm?", fragte er und alle drei nickten mechanisch. "Ich bin Linor, mit wem habe ich die Ehre?" Kirona fand zuerst ihre Stimme wieder. "Freut uns sehr, Eure Bekannstschaft zu machen. Die Musik ist wunderschön. Ich bin Kirona, das ist Jaro und dies", sie konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, "ist Alaryah." Linor deutete eine Verbeugung an. "Die Freude ist ganz meinerseits." Jaro sah, das Alaryah rot anlief und schmunzelte. Er ließ seinen Blick ĂŒber die Menge schweifen, die sich um die restlichen Musiker versammelt hatte, doch von der SĂ€ngerin war nichts zu sehen. "Alaryah ist eine begnatete WaldlĂ€uferin", fuhr Kirona fort und erntete dafĂŒr einen vorwurfsvollen Blick. "Dann sollte ich mich besser hĂŒten", feixte Linor.

Alaryah Schattenwind
"Auf jeden Fall!", meinte Alaryah nur und hob mahnend den Finger. Nur den Bruchteil einer Sekunde spĂ€ter kam sie sich unfassbar dumm vor, schon fast tölpelhaft. "Verzeiht.", schloss sie an und trat unsicher von einem Fuß auf den anderen. "Schon gut.", grinste Linor. "Ich bin schon das ein oder andere Mal WaldlĂ€ufern begegnet, doch...". Er zog eine Augenbraue hoch. "Doch hĂ€tte ich nie gedacht, dass jemand wie ihr dieser Berufung nachgeht.". Alaryah starrte ihn einfach nur an. "Naja, von einer Person wie Euch hĂ€tte ich solch ein doch recht gefĂ€hrliches Handwerk nicht erwartet?.". "Sie steckt wirklich voller Überraschungen, Linor.", warf Kirona ein und Alaryah wusste weder ein noch aus. "Das glaube ich gerne.", sagte Linor mit weicher Stimme. "Aber sagt, Alaryah, was fĂŒhrt eine so liebreizende WaldlĂ€uferin wie euch hier in die Stadt? Seid ihr nur wegen des Festes hier oder hat eure bezaubernde Anwesenheit einen anderen Grund?". Alaryah stemmte die FĂ€uste in die HĂŒften, versuchte so selbstsicher wie möglich zu wirken. "Ich bin auf einer Mission, momentan haben wir allerdings Freizeit.". Linors Augen verengten sich und er neigte den Kopf ein kleines StĂŒck. "Was auch sonst? Immer pflichtbewusst und stets bereit.". Alaryah hatte tatsĂ€chlich keine Antwort darauf, wollte mehrmals einen Satz beginnen, doch gelang es ihr einfach nicht. Sie fĂŒhlte sich so, als wĂŒrde ihr Gesicht wie ein Leuchtturm scheinen. "Jedenfalls.", hakte Kirona erneut ein, "wollte Alaryah Euch einmal kennenlernen. Gerade das Lied ĂŒber den Helden hat ihr mehr als gefallen.". Linor löste seinen Blick nicht von der kleinen Albin. "So?", fragte er verwegen und lĂ€chelte. "Nunja, ein Lied ĂŒber Helden fĂŒr Helden, nicht wahr?". Alaryah brachte erneut kein Wort heraus. Sie war einfach heillos ĂŒberfordert mit der Situation. "Aber ich möchte nicht zu sehr ĂŒbertreiben.", meinte Linor galant. "Nicht, dass euer Freund hier noch eifersĂŒchtig wird.". Er deutete mit einer knappen Handbewegung auf Jaro, der plötzlich jemanden in der Menge zu erkennen schien. "Er ist nicht mein Freund.", blubberte es aus der kleinen Albin heraus. "Naja doch schon, in gewisser Weise.", fĂŒgte sie an und hörte, wie Kirona hinter ihr ein Kichern unterdrĂŒckte. "Kirona!", fauchte sie schon fast, doch diese ließ sich nicht beirren. "Sagt, Linor, kann ich Euch etwas zu trinken anbieten? Ich wĂŒrde uns noch eine Runde holen.", bot sie, natĂŒrlich völlig uneigennĂŒtzig an. "Ich werde noch einen Kelch von dem köstlichen Fruchtwein nehmen.", kĂŒndigte Linor an und nickte Kirona dankend zu, diese verschwand daraufhin in dem GetĂŒmmel, zwinkerte Alaryah noch einmal verwegen zu. Alaryah sah ihr einen Moment lang nach und schaute dann zu Jaro hinĂŒber. Er war nicht mehr da, wo er vorhin noch gestanden hatte. Alaryah sah gerade noch, wie auch er durch die Menge stapfte und langsam in Richtung einer edlen Albenfrau unterwegs war. Alaryah richtete den Blick wieder nach vorn. Linor setzte sich auf eine Bank, bot ihr mit einer einladenden Geste den Platz neben sich an. "Nundenn, warten wir auf unsere GetrĂ€nke, Alaryah. Ich bin mir sicher, dass uns wĂ€hrenddessen nicht langweilig wird.". Alaryah setzte sich und hoffte, dass sich Kirona nicht zu viel Zeit lassen wĂŒrde. Jaro schien ohnehin schon auf anderen Pfaden unterwegs zu sein...

Jaro BallivĂČr
Auch Jaro hing Linor an den Lippen. Nicht, weil er ebenfalls von ihm verzaubert war, doch weil er fasziniert davon war, wie der Mann stets die richtigen Worte fand. Die ganze Situation und wahrscheinlich auch der Wein stimmten ihn euphorisch und sollte er die SĂ€ngerin jetzt erspĂ€hen, das nahm er sich fest vor, wĂŒrde er direkt auf sie zugehen und ihr etwas zu Trinken anbieten. Da! Ein Mann trat einen Schritt zur Seite und gab den Blick auf sie frei, wie sie sich lĂ€chelnd mit ein paar Alben unterhielt. Er schluckte einmal, ĂŒberlegte noch, ob er Kirona und Alaryah Bescheid geben wollte, doch entschied sich dagegen, da er fĂŒrchtete, den Mut zu verlieren, sollte er es laut aussprechen. Die Frau trug nun ein anderes, wenn auch nicht weniger elegantes Kleid. Die Personen neben ihm verschwammen mit dem Hintergrund, als er auf sie zuging. Was sollte er sagen, wenn er sie erreichte? Er blieb ein StĂŒck entfernt stehen. Die SĂ€ngerin sprach gerade mit zwei Albinnen ĂŒber das Fest, dann drehte sie wĂ€hrend dem Sprechen unvermittelt den Kopf und sah Jaro direkt an. Sein Herz rutschte ihm in die Hose. Ihre Augen strahlten ebenso wie die Linors und hohe Wangenknochen gaben ihr ein adeliges Aussehen. Wie in Zeitlupe sah er, wie sie die Arme ihrer Zuhörerinnen berĂŒhrte, etwas zu ihnen sagte und sich dann in seine Richtung bewegte. Hatte er so sehr gestarrt? "Hallo junger Mann. Willst du zu mir?" Ihre Stimme klang so wunderschön. "Du stammst nicht von hier", stellte sie fest. "Das finde ich interessant." Sie lĂ€chelte. "Na, hat es dir die Sprache verschlagen? Ich heiße Aowin. VerrĂ€tst du mir deinen Namen?"
Nervös wrang Jaro seine HĂ€nde. "Ich bin Jaro. Ich habe dich vorhin singen gehört." Das lief nicht gut! Jaro wĂŒnschte sich, er wĂ€re wie Linor. "Es war wundervoll", fĂŒgte er noch an. "Ich danke dir, Jaro", entgegnete sie und er hing an ihren Lippen, liebte es, wie sie seinen Namen aussprach. "Möchtest du etwas Trinken?", fragte er zögerlich und deutete unbeholfen in Richtung eines der Kellner. "Oh gern, doch bitte keinen Wein. Ich fĂŒrchte, ich kann sonst nicht mehr singen und wir haben doch noch Einiges an Programm ĂŒbrig." Jaro nickte und eilte zu dem Mann, um zwei Kelche zu holen. Sie stießen an. "Also... woher stammst du, Jaro?" fragte Aowin und nippte von ihrem Saft. "Avinar ist meine Heimat." Er war froh, etwas zu berichten zu haben. "Oh, du bist ein Lichtalb!", rief Aowin aus. "Ich habe noch nie einen der euren getroffen." Sie musterte ihn ausfĂŒhrlich. "Ihr seid uns Ă€hnlicher, als ich dachte, wenn man die Haarfarbe einmal außer Acht lĂ€sst. Und mit wem bist du hier, Jaro aus Avinar?"

Alaryah Schattenwind
"Nun, Alaryah, lasst mich euch das hier geben.". Linor kramte ein kleines Bild hervor, auf dem er selbst abgebildet war. Er verfasste eine kurze Widmung, steckte Alaryah dann das Pergament zu. Sie bedankte sich verlegen. "Ich wĂŒrde sagen, wir warten auf die nĂ€chste Runde, die deine Freundin uns bringen wird und vertreiben uns dabei etwas die Zeit.". Alaryah saß da wie unter Strom, alles andere als entspannt. Dies blieb auch von Linor nicht unbemerkt. "Ist das so ein WaldlĂ€ufer-Ding?", fragte er und lehnte sich vor, sodass er Alaryahs Blick kreuzte. "Was?", brachte sie nur knapp heraus und sah den Musiker fragend an. "Naja, diese...ich nenne es mal Wachsamkeit?". Alaryah wusste erst nicht, was er meinte, doch dann fiel ihr ihre eigene Körperspannung auf. "Nein.", gab sie schĂŒchtern zurĂŒck. "Es ist nur...ich treffe eigentlich keine Musiker wie Euch.". Linors Blick ging ins Verwegene. "Keine Sorge.", erklĂ€rte er, "wir sind genau solche Alben wie Ihr auch.". Er legte den Arm um die kleine Albin und zog sie nĂ€her an sich heran. Alaryahs Herz raste und plötzlich bemerkte sie die Blicke ihrer unfreiwillig gewĂ€hlten Konkurrentinnen um sich herum. Einige begannen sogar zu tuscheln, als sie die Szenerie beobachteten! Alaryah wollte etwas sagen, doch traute sie sich nicht. Sie hatte tatsĂ€chlich Angst davor wieder irgendwelche falschen Worte zu wĂ€hlen oder nur Blödsinn zu plappern. Das passte so gar nicht zu ihr. <Reiß dich mal zusammen!>, fuhr sie sich selbst in Gedanken an. Ihr Blick wanderte zu Boden. Dort verharrte er. Plötzlich spĂŒrte die kleine Albin eine BerĂŒhrung. Linor hatte seinen Zeigefinger unter ihr Kinn gelegt und zog ihren Kopf herum wie ein Angler einen Fisch aus dem Wasser gezogen hĂ€tte. Alaryah riss die Augen auf. "Woah, woaaah, wooooaaaahhh!", rief sie und sprang von der Bank auf, gerade noch, bevor es zu einem Kuss kommen konnte. Sie schĂŒttelte den Arm von Linor ab und machte einen halben Schritt zurĂŒck. Die Albin versuchte einen Moment lang in Linors Gesicht zu lesen, doch konnte sie ihn gerade einfach nicht einschĂ€tzen. "So ja nun nicht!", brachte sie plump hervor. "Verzeiht, ich wollte nicht...". Alaryah hob die Hand, Linor verstummte, sah sie weiterhin mit einem fĂŒr Alaryah seltsam aussehenden Blick an. "Dazu wird es nicht kommen.", sagte sie entschlossen und war nun wieder die Alaryah, die ihre GefĂ€hrten auch in brenzligen Situationen kannten. "Nun, ich dachte...". "Jah...nein...ich...". Alaryah suchte nach passenden Worten, fand sie jedoch nicht. "Bis bald.", sagte sie schließlich und rauschte davon. Unterwegs kam ihr Kirona entgegen, die fĂŒr eine Bestellung von drei GetrĂ€nken doch recht lang gebraucht hatte. "Wir gehen ein paar Meter.", sagte Alaryah knapp, griff nach Kironas Unterarm und zog sie davon. "Alaryah, warte, ich verschĂŒtte sonst was!", gab Kirona zurĂŒck und hatte MĂŒhe den Inhalt der Kelche dort zu behalten, wo er hingehörte. "Wieso mĂŒssen wir nun los? Was ist mit Linor?!". "Komm einfach mit.", meinte Alaryah und ging festen Schrittes weiter. "Flieg nur, Vögelchen, flieg!". Alaryah hatte diese Worte von Linor noch eine ganze Zeit lang in den Ohren. Bald kam sie jedoch mit Kirona im Schlepptau etwas abseits der Menge zu stehen. "Was ist denn los?", fragte Kirona erneut. "Wo ist Jaro?".

Jaro BallivĂČr
Jaro wollte in die Richtung deuten, aus der er gekommen war, doch konnte weder Alaryah noch Kirona entdecken. "Ich...", setzte er an. Aowin sah ihn noch immer neugierig an. "Ich weiß gerade noch wo sie sind, doch ich bin mit zwei Frauen hier, Alaryah und Kirona." Erst als die Albin hell auflachte, wurde Jaro bewusst, was er gerade gesagt hatte. "Nein, nein, n... nicht so, wie du denkst", stotterte er hektisch und spĂŒrte, wie ihm heiß wurde. "Wir sind Freunde... wir sind seit ein paar Wochen zusammen auf... Reisen." Aowin prustete los. "Schon gut, Jaro aus Avinar", schmunzelte sie. "Du bist sĂŒĂŸ, weißt du das?" SchĂŒchtern lĂ€chelte Jaro, war sich aber nicht so sicher, ob das etwas war, das man gerne von einer Frau hörte. "Oi! Aowin!", rief auf einmal jemand aus der Richtung der BĂŒhne. Die SĂ€ngerin sah fast ein wenig enttĂ€uscht aus. "Oh, unsere Pause ist vorbei", sagte sie. "Ich muss... es war schön, dich kennengelernt zu haben. Ich hoffe, ich sehe dich noch im Publikum?" "Freut mich auch, dich kennengelernt zu haben, Aowin", sagte Jaro und deutete, wie er es bei Linor gesehen hatte, einen Handkuss an, was die Albin kichern ließ. "Du bist wirklich sĂŒĂŸ", flĂŒsterte sie und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. Dann entfernte sie sich und ließ Jaro mit einem flauen GefĂŒhl im Magen zurĂŒck. Eine Weile stand er noch so da, dann beschloss er Alaryah und Kirona zu suchen. Die Menge lichtete sich und die beiden Frauen erspĂ€hten Jaro bevor er es tat. "Tut mir leid, dass ich einfach gegangen bin", sagte er, doch niemand war ihm böse. Im Gegenteil, beide grinsten ihn seltsam an, sodass er sich irgendwie ertappt fĂŒhlte.

Alaryah Schattenwind
Alaryah schien es schon fast etwas zu eilig zu haben. Sie griff nach den Unterarmen von Jaro und Kirona und zog sie von dem Pavillon weg. Kirona, die noch immer die GetrĂ€nke festhielt, versuchte nichts davon zu verschĂŒtten, was ihr auch mehr oder minder gelang. Schließlich kamen die drei etwas abseits des Geschehens zum Stehen. "Wollt ihr nun...?", begann Kirona und unterbrach sich, als Alaryah stumpf nach dem Krug griff und ihn fast in einem Zug leerte. Kurz darauf blickte die kleine Albin in die erstaunten Blicke von Kirona. "Was soll ich sagen?", begann sie, sich selbst dabei verteidigend. "Der Kerl hĂ€tte womöglich sonstwas mit mir angestellt?". Es schien, als sei Jaro nicht ganz bei der Sache, er blickte immer mal wieder in die Ferne davon. Kirona hingegen grinste. "Alaryah, ĂŒberleg doch mal, was sich dir fĂŒr Möglichkeiten eröffnet hĂ€tten?!", scherzte sie. Alaryah hingegen schien nicht ganz so zu Scherzen aufgelegt. "Nein, nein danke.". Kurz schwiegen die beiden Frauen sich an, dann fiel ihre Aufmerksamkeit auf Jaro, der immer noch seinen Blick schweifen lies. "Jaro, pass einfach auf, auf wen du dich einlĂ€sst.", murmelte Alaryah schließlich in ihren Becher hinein. Die Albin schien sich etwas zu schĂ€men, doch war sie sich weiterhin sicher das Richtige getan zu haben. Sich mit einem Musiker einzulassen, soweit kommt es noch! Kurz ertappte sich Alaryah dabei, wie sie noch einmal in Richtung Linor schaute, der bereits mit einem anderen Albenweib anbandelte. Sollte er doch einfach irgendwen an dem Abend zu sich holen, Alaryah war darĂŒber nicht wirklich traurig...auch wenn es sie schon etwas wurmte...
"Jaro, wie ist es eigentlich bei dir gelaufen?", fragte Alaryah trocken und erhoffte sich so eine gewisse Art Ablenkung. Sie wollte einfach nicht mehr an diese fĂŒr sie doch etwas peinliche Situation denken...

Jaro BallivĂČr
"Hm?", Jaro drehte mĂŒhsam den Kopf. "Wer war das?", fĂŒgte Kirona an Alaryahs Frage an. "Ach das... diese SĂ€ngerin von vorhin." Heiß stieg ihm das Blut in den Kopf. "Wir haben uns ein wenig unterhalten." Kirona grinste breit. "So so... du also auch", fing sie an, noch immer so guter Dinge, wie den ganzen Abend schon, doch ein finsterer Blick von Alaryah ließ ihr Grinsen erstarren. Jaro verstand gar nichts. Er fĂŒhlte sich ein wenig berauscht, vielleicht vom Wein, und die GerĂ€usche drangen nur gedĂ€mpft zu ihm durch. Vor seinem inneren Auge sah er noch immer Aowins hĂŒbsches Gesicht... aber irgendetwas war wohl passiert. Alaryah wirkte angespannt und fahrig und Kironas Versuche, an die lockere Stimmung von zuvor anzuknĂŒpfen, scheiterten vergeblich. Offensichtlich stand ihm die Verwirrung ins Gesicht geschrieben. "Dieser Linor war ein wenig zu... offensiv", sagte Kirona leise mit einem Seitenblick zu der finster drein blickenden Alaryah. "Oh", mehr brachte Jaro nicht heraus und schaute die Waldalbin mit leichtem Schuldbewusstsein an, da er dem Kuppelversuch zugestimmt hatte. "Aowin war sehr nett", sagte er stattdessen, um die unangenehme Stille zu durchbrechen. "Ich fĂŒrchte eher, sie hat dir den Kopf verdreht", schmunzelte Kirona und knuffte Jaro in die Schulter. Vorwurfsvoll sah er sie an, doch ein kleines LĂ€cheln umspielte unwillkĂŒrlich seine Mundwinkel. "Vielleicht können wir uns noch woanders umsehen?", schlug Kirona schließlich vor. "Oder wollt ihr zurĂŒck zur Unterkunft..." Die Frau wurde prompt unterbrochen, als ein junger Waldalb die ĂŒberraschte Alaryah plötzlich von hinten hochhob und herum wirbelte. "Schattenwind!", sĂ€uselte er. "Lust auf ein TĂ€nzchen?" Alaryahs Ausdruck sprach BĂ€nde. "Ralir!" Zwei weitere Alben schlĂŒpften aus der Menge und Jaro erkannte einen der WaldlĂ€ufer wieder. "Wir gehen!", sein Ton war bestimmt, doch er lachte. "Tut mir leid, Schattenwind. Der Tölpel hat wieder zu tief ins Glas geschaut." Relativ unsanft hatte dieser die Albin wieder abgesetzt und grinste schief. "Wir wollten gerade zurĂŒck gehen und vielleicht noch ein bisschen auf die Dachterasse gehen, um den Abend ausklingen zu lassen. Was ist, habt ihr Lust? Ihr seid natĂŒrlich willkommen", sagte er lĂ€chelnd an Jaro und Kirona gewandt. "Und den hier bringen wir vorher ins Bett."

Alaryah Schattenwind
Die vor Protest strampelnde Alaryah hatte ihren "Widersacher" recht schnell enttarnt. Ralir, der alte Tunichtgut! Er setzte Alaryah etwas unsanft wieder ab, was diese mit einem sĂ€uerlichen Grinsen kommentierte. Die Idee mit dem Verbleib auf der Dachterrasse klang fĂŒr die Albin jedoch durchaus angenehm. Sie hatte ohnehin genug von Musikern und Feierei. "Gehen wir!", meinte sie aufmunternd und schritt voran. Ralir versuchte noch fĂŒr einen kurzen Moment in Alaryahs NĂ€he zu bleiben, doch schĂŒttelte sie den Alben recht schnell ab, ließ ihn gar nicht erst wieder zu nah an sich heran. Stattdessen bleib Alaryah in nĂ€herer Gesellschaft mit Kirona und einem Jaro, der erst ab einem gewissen Punkt wieder wirklich aufmerksam fĂŒr neues zu sein schien.

Es dauerte nicht lang, da kam die kleine Gruppe an der Unterkunft an. Gemeinsam schritten sie die hölzerne Treppe hinauf, teilweise etwas polternd, doch weiterhin gut gelaunt. In weiser Voraussicht hatten sie unterwegs das ein oder andere GetrĂ€nk mitgenommen, sodass sie nicht ganz auf dem Trockenen sitzen wĂŒrden. Ralir schob schließlich einen schweren, bordeauxroten Vorhang beiseite und offenbarte somit den Blick auf die breite Dachterasse. Dort waren mehrere Sitzgelegenheiten aufgestellt, auf denen alle Anwesenden gemĂŒtlich Platz nehmen konnten, hier und da brannten kleine Feuer in Schalen, die an Ketten befestigt von den umliegenden Ästen hingen. Alaryah atmete tief durch. Über ihnen machte sich der Sternenhimmel breit, einen Moment lang herrschte nur Stille. Es schien, als wĂŒrden sich alle Anwesenden winzig klein vorkommen. Schließlich unterbrach Alaryah die schon fast andĂ€chtige Stille. "Ich möchte mich, auch im Namen meiner GefĂ€hrten, noch einmal bedanken, dass ihr uns hier aufnehmt.". Der Alb nickte. "Die Aussicht ist wirklich wunderbar.". Ja, Alaryah sollte Recht behalten. Von der Terasse aus hatte man einen guten Überblick ĂŒber das weiterhin rauschende Fest, ĂŒber all die Feuer, ĂŒber all die Veranstaltungen. Auch wenn man kein klares Wort verstehen konnte und nur ein geschĂ€ftiges Treiben vernahm, so hatte man hier doch noch die Ruhe um sich in normalem Tonfall unterhalten zu können. "Schattenwind, reist ihr morgen weiter?", wollte einer der WaldlĂ€ufe wissen. Alaryah hatte keine wirkliche Antwort, sah etwas hilfesuchend zu Kirona und Jaro hinĂŒber...vielleicht mochte ihre Unsicherheit auch noch an der Begegnung mit Linor liegen...?

Jaro BallivĂČr
Dankbar ließ Jaro sich auf ein großes Sitzkissen plumpsen. Jetzt da er saß, merkte er erst, wie schwer ihm die Beine schon waren. BestĂ€tigend nickte Jaro, als Alaryah sich bedankte. Das war wirklich sehr freundlich von den WaldlĂ€ufern, sie in ihrer wunderbaren Unterkunft aufzunehmen. Feuer knisterte und die Albenmasse unten beim Fest brummte stetig, sodass Jaro in der angenehmen KĂŒhle der Nacht schnell schlĂ€frig wurde. Doch er wollte noch nicht einnicken. Er wollte noch ein wenig von diesem schönen Abend genießen, den Ausblick, das strahlende Sternenfeld ĂŒber ihm, von dem er viele der hellen Lichtpunkte sogar beim Namen nennen konnte. Langsam nippte er an seinem GetrĂ€nk und tastete nach der kleinen Anstecknadel in seiner Tasche. Es schien ihm schon so lange her, dass er sie gewonnen hatte; lange bevor er Aowin kennen gelernt hatte. "Aber du kennst sie doch gar nicht", redete er sich im Stillen ein. Die WaldlĂ€ufer waren allesamt fröhliche, aufgeweckte Burschen. Sie scherzten und tranken und einer von ihnen turnte sogar ein wenig herum, als könne er nicht still sitzen. Neidvoll betrachtete Jaro ihre sehnigen Arme.
"Ich wĂŒrde gerne noch etwas bleiben", sagte Kirona und Jaro konnte nicht umhin, sie fĂŒr ihre Handlungsschnelligkeit zu bewundern. Man hatte ihnen gesagt, sie sollten noch ein wenig vor Ort bleiben, falls auf Basis der Anhörung noch Fragen bestĂŒnden, doch das auszuplaudern war vielleicht nicht die allerbeste Idee, auch wenn die WaldlĂ€ufer Freunde oder zumindest Bekannte von Alaryah waren. Kirona hatte diese Situation in Windeseile gelöst. "Ihr könnt gern noch hier bleiben. Thaamir und Ena sind noch einige Wochen unterwegs und werden ihre Zimmer nicht brauchen." Er lĂ€chelte, wĂ€hrend sein hyperaktiver Kollege nun von irgendwo ein paar JonglierbĂ€lle hervorgezogen hatte und begann sie in verschiedenen Mustern durch die Luft fliegen zu lassen. "Du hĂ€ttest auf dem Fest auftreten sollen", scherzte Ralir mit leichtem Spott in der Stimme. "Halt die Klappe", entgegnete er nur und warf mitten in einer Figur einen Ball auf seinen Freund. "Ihr seid sehr nett", sagte Jaro und schĂ€mte sich sogleich. Eigentlich hatte er das nicht laut aussprechen wollen. "Vielen Dank... Jaro?" Schnell nickte Jaro, um zu zeigen, dass er sich den Namen richtig gemerkt hatte. "Freunde von Schattenwind sind auch unsere Freunde." Er zwinkerte. "Aber sagt, wenn ihr noch bleibt, was plant ihr fĂŒr die nĂ€chsten Tage? Und wo wollt ihr danach hin?"

Alaryah Schattenwind
Es dauerte eine Zeit lang, bis Alaryah schließlich antwortete. "Es ist so.", begann sie und versteckte ihre anfĂ€ngliche Unsicherheit hinter kĂŒhler ProfessionalitĂ€t. "Wir sind tatsĂ€chlich in so etwas wie einer Mission unterwegs. Wir warten auf weitere Anweisungen.". Es folgte nichts, außer ein stilles Nicken von Alaryahs GegenĂŒber. Der Alb schien allgemein zu verstehen. FĂŒr ein paar Augenblicke war die anfĂ€nglich gute Stimmung wie eingefroren, doch taute sie bald wieder auf, als ein lautes "Plöpp" ertönte. Kirona hatte eine weitere Flasche Fruchtwein geöffnet und schaute nun leicht schulterzuckend in die sie anblickende Runde. Die erst etwas bedrĂŒckte Stimmung löste sich auf und man gönnte sich noch den ein oder anderen Absacker.
Alaryahs Blick blieb irgendwann abwechselnd auf Jaro und Kirona hĂ€ngen. Nach allem, was die drei GefĂ€hrten erlebt hatten, war dieses Fest wirklich eine mehr als willkommene Abwechslung. Vor allem freute es Alaryah, dass Kirona mehr und mehr aufblĂŒhte. Womöglich waren sie doch im Stande ihr irgendwie zu helfen. Zwar wurde der kleine Albin auch bewusst, dass noch das ein oder andere Hindernis vor ihnen liegen mochte, doch wollte sie sich davon nicht den Kopf zermartern lassen. Schließlich war es immer noch ein Festtag!
Nachdem Alaryah also ihre leich dĂŒsteren Gedanken zur Seite geschoben und mit all den Anwesenden angestoßen hatte konnte sie nun auch den Rest des Abends in vollen ZĂŒgen genießen. Jaro war in ein GesprĂ€ch vertieft, Kirona lachte, fĂŒr einen Moment lang schien die Welt einfach in Ordnung...
~ Die grĂ¶ĂŸte Offenbarung ist die Stille ~

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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#29

Beitrag von Alaryah Schattenwind » Sa 27. Jan 2018, 13:48

Jaro BallivĂČr
Sie lĂ€chelte ihn an. Alles steckte in diesem LĂ€cheln. Es war Sonne und Licht, WĂ€rme und Leben, doch es war auch gefĂ€hrlich und dunkel, geheimnisvoll und mysteriöse und Jaro konnte den Blick nicht lösen, obwohl hinzusehen ihm ebenfalls schwer fiel. Er fĂŒhlte sich bis auf das Mark durchschaut und doch aufgehoben und in Sicherheit. Er musste sich nur ganz hineinbegeben und nichts auf der Welt könnte ihn mehr erreichen, ihm schaden. Eine Melodie lag in der Luft, sĂ€uselte in zarten Tönen und seine Nackenhaare stellten sich auf, als Aowin sanft seinen Arm berĂŒhrte. "Jaro aus Avinar", flĂŒsterte sie und ihr Mund nĂ€herte sich dem seinen, endlos langsam und doch unweigerlich...

Senkrecht saß Jaro im Bett. Er war schweißnass und atmete schwer, fuhr mit den Fingern ĂŒber seinen Arm, wo er eben berĂŒhrt worden war und versuchte seine Sinne beisammen zu kriegen. Vage nahm er Umrisse um sich herum wahr, spĂŒrte eine Decke auf seinen Beinen... Die Verwirrung löste sich langsam, floss wie Honig an ihm hinab und er verstand schließlich: er hatte getrĂ€umt. Trotzdem meinte er noch immer die BerĂŒhrung zu spĂŒren, ihren Atem und ihre NĂ€he. Mit beiden HĂ€nden fuhr er sich durch die Haare und ließ sich zurĂŒck auf das Kissen fallen. Aowin... ob er sie je wieder sehen wĂŒrde? Er starrte eine Weile an die Decke, noch halb in seinem Traum verhaftet, doch schließlich schĂ€lte er sich aus den Laken und stand auf. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Der Alb streckte sich. Draußen dĂ€mmerte es langsam. Wie viel Uhr es wohl sein mochte? Jaro warf sich sein Hemd ĂŒber und ging aus seinem Zimmer, um sich Wasser zu holen. Der viele Wein vom Abend zuvor machte ihn durstig. Als er an Alaryahs Zimmer vorbei kam, hielt er inne... der Vorhang war nicht zugezogen. Zögerlich spĂ€hte Jaro hinein, voll Sorge, er könne ihre PrivatsphĂ€re stören. Das Bett war verwaist und Jaro trat ganz ein. Alaryah war nicht da. War sie auf Erkundungstour gegangen und wenn ja, wieso? Die Situation kam Jaro komisch vor und sein Herz klopfte schneller. Alaryahs Dolche sowie Pfeile und Bogen lagen ordentlich auf einer kleinen Holzkommode und ihr Umhang zusammengelegt daneben. Niemals wĂŒrde sie ohne ihre AusrĂŒstung losziehen, dachte Jaro. Sein Herz klopfte nun laut in seinen Ohren. Das ungemachte Bett passte so gar nicht zu den akkurat drapierten Habseligkeiten der Waldalbin... "Als musste sie eilig aufbrechen", fuhr es ihm durch den Kopf. "Oder sie wurde..." Er wollte den Gedanken gar nicht zu Ende denken. HĂ€tten die anderen WaldlĂ€ufer das nicht bemerkt? Gut, sie hatten alle viel getrunken... Nervös ging Jaro auf und ab und wrang seine HĂ€nde. Was sollte er nur tun? Kirona.... er hastete aus Alaryahs Zimmer und flitzte hinĂŒber zu Kironas Zimmer. Vorsichtig zog er den Vorhang ein wenig zur Seite. Die Frau schlief tief und fest. Jaro machte kehrt und hastete durch den Rest des GebĂ€udes. Alles schlief. Jaro stieg hinauf auf die Dachterrasse und suchte die Umgebung zu allen Seiten hin ab. Nichts. Kaum eine Albenseele war unterwegs und von Alaryah keine Spur.


Alaryah Schattenwind
Unsicher und nervös schaute sich die kleine Albin um. Irgendwann hatte man sie geweckt, recht unsanft möchte man meinen, ihr keine Zeit gelassen ihren GefĂ€hrten zu sagen, was genau los war. Was war eigentlich ĂŒberhaupt genau los? Alaryah konnte es erst selbst nicht genau sagen. Die WĂ€chter, die sie aus dem Bett geholt hatten, sprachen fast kein Wort, antworteten nicht auf ihre Fragen. Sie schritten schweigend und stoischen Schrittes voran, eskortierten sie in Richtung eines großen GebĂ€udes. Alaryah erinnerte sich. Sie war bereits dort gewesen, zusammen mit Jaro und Kirona. Dort hatten sie von ihren bisherigen Erlebnissen berichtet. Warum bestellte man sie wieder ein? Was war mit den anderen? Alaryahs Gedanken kreisten wild umher. Sie verschrĂ€nkte ihre Arme, die kĂŒhle Morgenluft war wirklich frisch. Man hatte der Albin nicht einmal die Zeit gelassen ihren Umhang anzulegen! Erneut warf Alaryah einen Blick auf die um sie herum marschierenden Soldaten. Das waren keine einfachen WaldlĂ€ufer oder Mitglieder der Stadtwache. Schwer gerĂŒstete Krieger begleiteten die Albin! Sie kam sich vor wie eine Verbrecherin, die zu Gericht gefĂŒhrt wird. Langsam aber sicher nĂ€herten sie sich einem großen Tor, welches von zwei weiteren Soldaten geöffnet wurde. Dann wurde die Gruppe von der Dunkelheit im Inneren verschluckt...

Man ließ sie warten. In einem kargen und ungemĂŒtlichen Raum. Allein. Alaryah fĂŒhlte sich alles andere als wohl. Was war genau los? Sie hatte doch nicht etwa etwas Schlimmes getan? Die Albin konnte sich zumindest an nichts dergleichen erinnern. <Ruhig, bleib ruhig.>, sagte sie in Gedanken zu sich selbst und versuchte ihre Atmung zu kontrollieren wĂ€hrend sie auf dem kĂŒhlen Steinboden saß. Es gelang ihr und schon bald war von Alaryahs Anflug von Furcht nur noch ein ĂŒberaus unwohles GefĂŒhl in der Magengrube ĂŒbrig.
Leise, kaum hörbar, öffnete sich schließlich die mit Eisen beschlagene TĂŒr. Zwei Alben betraten den Raum. Der eine, klein, hager und mit grau mehliertem, sich bereits lichtendem Haar, traug ein in Leder eingeschlagenes Buch unter dem Arm. Der andere, groß gewachsen und mit emotionslosem Gesichtsausdruck, stapfte schon fast mechanisch hinterher. Alaryahs Blick folgte den beiden Alben, niemand sagte etwas. Der kleine Alb setzte sich an den kleinen Tisch, der am oberen Ende des Raumes von zwei Schergen aufgebaut wurde, die daraufhin den Raum schnell und leise wieder verließen. Der kleine Alb legte das Buch mittig vor sich ab. Der andere postierte sich schrĂ€g dahinter, rĂŒckte dabei eine breite UmhĂ€ngetasche zurecht. Alaryah stand einfach da. "Nun.", begann der am Tisch sitzende Alb und schaute Alaryah an ohne dabei den Kopf zu heben. Dieser Blick bereitete der kleinen Albin unbehagen und sie öffnete den Mund um etwas zu sagen. "Schhhht.", zischte der Alb mit der UmhĂ€ngetasche und legte den Finger an die Lippen. Alaryah wich seinem Blick aus. "Alaryah Schattenwind. Schön, dass Ihr es so kurzfristig einrichten konntet.". Er öffnete das Buch, blĂ€tterte darin umher. Wieder wollte Alaryah etwas sagen, doch schwieg lieber ob des dĂŒsteren Blickes des anderen Albes. "Meine Name ist Foranir und ich habe da ein paar Fragen an Euch.". Alaryah zog unsicher eine Augenbraue nach oben. "Ich habe bereits alles gesagt, falls ihr Bezug auf mich und meine GefĂ€hrten nehmen wollt?". "Ganz so einfach ist das nicht, Schattenwind. Ich denke wir können diese Angelegenheit aber recht schnell lösen, schließlich werdet ihr mir meine Fragen ohne abzuschweifen und mit voller Wahrheit beantworten, richtig?". Alaryah schluckte einen Klos in ihrem Hals hinunter und nickte nur stumm...


Jaro BallivĂČr
Er wĂŒrde sie suchen! Auf dem Weg nach unten nahm Jaro zwei Treppenstufen auf einmal und war schon fast aus dem Haus, als Ralirs verschlafene Stimme ertönte. "He, Jaro, wo willst du so eilig hin?" Jaro blieb stehen und drehte sich um. "Alaryah ist verschwunden", sagte er kleinlaut. Die Frage "na und?" zeichnete sich auf dem Gesicht des Alben ab. "Ich denke nicht, dass sie einen Morgenspaziergang macht", fĂŒgte Jaro schnell an. "Ich fĂŒrchte, sie ist unfreiwillig gegangen." Das Fragezeichen verschwand nicht von Ralirs Gesicht. "Schattenwind? Die entfĂŒhrt keiner so schnell. Sei ganz unbesorgt. Lass uns erst einmal eine Tasse schwarzen Tee trinken. Es ist viel zu frĂŒh am Morgen." Wie um seine Worte zu unterstreichen gĂ€hnte der Alb herzhaft. "Ich kann nicht. Ich werde sie suchen gehen." "Wie du meinst, Jaro. Wenn du magst, bring was vom BĂ€cker mit. Die anderen wĂŒrden sich freuen." Da war Jaro schon zur TĂŒr hinaus. Er blickte sich um, nach rechts? Oder nach l... mit voller Wucht knallte Jaro gegen etwas Hartes, Unnachgiebiges und taumelte nach hinten. "BallivĂČr?", grollte eine Stimme. Mit verzogenem Gesicht blickte Jaro auf und rieb sich den Kopf. Das wĂŒrde eine satte Beule werden! Sein Hindernis war ein recht großer Waldalb und ein schwerer Harnisch war der Grund fĂŒr Jaros Kopfschmerz. "Folgt mir, bitte." Ohne weitere ErklĂ€rungen drehte er ab und ging langsam los. Verdutzt blieb Jaro an Ort und Stelle stehen. "Folgen, BallivĂČr!", rief es von vorne. "Oder muss ich Euch holen?" Wie ferngesteuert setzte Jaro einen Fuß vor den anderen. Dieser Mann wirkte nicht so, als dulde er Ungehorsam. Wer war er und was wollte er von ihm? Ein solcher HĂŒne war mit Sicherheit in der Lage, auch eine Alaryah mitzunehmen, wenn er es wollte, dachte Jaro mit Hinblick auf Ralirs Worte. Möglicherweise wurde er nun an den selben Ort gebracht wie seine Freundin. Offen blieb die Frage, warum man sie dann nicht zusammen geholt hatte. "Wohin bringt Ihr mich?", fragte Jaro mit all dem Mut, den er aufbringen konnte. "Werdet Ihr gleich sehen, Herr Lichtalb. Keine Fragen. Ich bevorzuge die Stille eines kĂŒhlen Morgens." "Wo ist Alaryah?" "Keine - Fragen." Kleinlaut ließ Jaro die Schultern hĂ€ngen. Alles war so wunderbar gewesen und nun? Wo waren sie nun wieder hinein geraten?


Alaryah Schattenwind
"Also, Schattenwind...". Eine Zeit lang passierte gar nichts, außer, dass der Zeigefinger des Alben die in dem Buch geschriebenen SĂ€tze entlangfuhr. Alaryah meinte sogar ein leises Kratzen auf dem Pergament wahrnehmen zu können. "Ihr wisst von der Gefahr, die von Eurer Begleiterin ausgeht.". Es klang schon fast wie ein Vorwurf. "Und dennoch bringt ihr sie direkt hier her?". Alaryah wollte sich die Worte in ihrem Kopf zurechtlegen, doch der Alb fuhr unbeirrt fort. "Wie ihr selbst schon berichtet habt ist sie anscheinend eine Waffe, steht möglicherweise weiterhin unter der Kontrolle einer anderen Fraktion oder Partei.". Erneut ließ der Alb Alaryah keine Möglichkeit zu antworten. "Ihr seid eine WaldlĂ€uferin, WĂ€chterin des Waldlreiches und HĂŒterin der Haine. HĂ€tte es Euch dann nicht in den Sinn kommen mĂŒssen, dass es ĂŒberaus fahrlĂ€ssig ist jemanden wie SIE hier herzubringen, direkt in eines der pulsierenden Herzen unseres Landes?". Der Alb sprach in normaler Tonlage, schrie sie nicht an, wirkte jedoch plötzlich auf gewisse Weise bedrohlich. Alaryahs Augen weiteten sich. "Ich...nunja, Kirona...sie hat keine wirkliche Bedrohung ausgestrahlt. Sie griff niemanden an und...". "Schattenwind.", unterbrach sie der Alb und schĂŒttelte kaum merklich den Kopf. "Der Feind tĂ€uscht, lĂŒgt, betrĂŒgt.". Foranir sagte dies mit einer ĂŒberaus erstaunlichen Leichtigkeit, die Alaryah nur noch weiter verunsicherte. Hatte sie tatsĂ€chlich so falsch gelegen? "Des Weiteren stellt sich die Frage, was ihr mit diesem Lichtalben zu schaffen habt. Auch ihn, eine weitere, fremde Person, bringt ihr her?". Alaryah hob entschuldigend die Arme. "Er hĂ€tte tot sein können!", platzte es aus ihr heraus. "Ich habe es als meine Pflicht angesehen ihn vor diesen Banditen zu retten!". "Und was, Schattenwind, was wĂ€re, wenn all das ein Komplott ist? Wenn KrĂ€fte von außen genau DAS inszeniert hĂ€tten? Ihr "rettet" eine scheinbar hilflose Person und eine weitere, deren Zustand "ungewiss" ist?". Alaryah zog die Augenbrauen zusammen. "Jaro gehört doch nicht zu irgendwelchen Feinden.", murmelte die Albin recht grimmig und war weiterhin davon ĂŒberzeugt das Richtige getan zu haben. Foranir legte den Kopf schief. "Seid ihr so lang allein in der Wildnis gewesen, Schattenwind?". Alaryah wusste erst nichts mit dieser Frage anzufangen. "Erkennt ihr nicht, dass sich das alles hier um ein Spiel handeln könnte? Ich hĂ€tte Euch wahrlich mehr zugetraut.". Alaryahs Lippen bewegten sich, doch brachte sie kein Wort hervor. "Ihr meint tatsĂ€chlich, dass mich Jaro nur ausgenutzt hat? Dass er mit Kirona unter einer Decke steckt um uns zu schaden?!". Die Stimme der kleinen Albin ĂŒberschlug sich fast. Sie war zwar weiterhin davon ĂŒberzeugt, dass die Ereignisse der nahen Vergangenheit kein abgekatertes Spiel waren, doch langsam aber sicher drang Foranir in den Kopf der Albin ein und begann dort Unfrieden zu stiften.


Jaro BallivĂČr
Den Rest des Weges brachten sie schweigend hinter sich. Rankenfels baute sich noch immer mit der selben Eleganz um Jaro herum auf, schlĂ€ngelte sich um die BĂ€ume und schmiegte sich in den Fels, doch die Schönheit drang nicht zu ihm durch. Ungewissheit fraß sich unerbittlich in seine Eingeweide und ihm wurde schmerzlich bewusst, dass er hier ein Fremder war. "Hier hinein", brummte sein Begleiter und Jaro hob das erste Mal den Kopf, um sich umzublicken. Er hatte alles erwartet, nur das nicht. Offenbar stand ihm die Überraschung ins Gesicht geschrieben. "Habt Ihr einen Palast mit rotem Teppich erwartet?", grollte der Krieger und hielt weiterhin die kleine TĂŒr auf. Jaro schluckt und trat in die Dunkelheit des Baumes. Als der große Albe es ihm gleich tat, war der Raum fast vollstĂ€ndig ausgefĂŒllt, zumal ein Großteil von den letzten Stufen einer engen Wendeltreppe eingenommen wurden. Meter um Meter kĂ€mpften sie sich hinauf und bald brannten nicht nur Jaros Lungen sondern auch seine Oberschenkel, da ihn der Waldalb in hohem Tempo vorantrieb. Schwindel setzte ein und Jaro meinte schon, er mĂŒsse bald hinunter stĂŒrzen, als sie endlich das Ende der Treppe erreichten. Erneut öffnete der Mann eine TĂŒre und die grelle Morgensonne blendete Jaro. SchĂŒtzend hob er eine Hand vor die Augen und stolperte hinaus auf eine unerwartet große Plattform weit ĂŒber dem Boden. Ein unfassbarer Blick bot sich ihm. So weit das Auge reichte wogte das grĂŒne Meer der unzĂ€hligen Baumwipfel, nur hie und da unterbrochen durch den ein oder anderen HĂŒgel. Allerdings war Jaro nicht hier, um die Aussicht zu genießen. An der BrĂŒstung standen ein Tisch und mehrer StĂŒhle, von denen einer besetzt war. Die Person saß mit dem RĂŒcken zu ihnen und blickte in die Ferne. "Bringt ihn her." Jaro spĂŒrte die Hand des Kriegers im RĂŒcken, als dieser ihn vorwĂ€rts schob. Der Alb wandte sich um und Jaro fand sich dem schneidenden Blick zweiter hellgrĂŒner Augen ausgesetzt, die von geschwungenen Augenbrauen umrahmt wurden, ebenso orange-rot wie das lange, glĂ€nzende Haar. "Willkommen, Jaro. Ich darf Jaro sagen?" SchĂŒchtern nickte er und blickte dem GegenĂŒber auf die Nase, um den messerscharfen Augen auszuweichen. "Siehst du all dies?" Er vollfĂŒhrte eine halbkreisförmige Geste mit seiner langfingrigen Hand. Wieder nickte Jaro. "Und weißt du was das ist?" "Das.. das Waldreich", antwortet er leise. "Wie bitte? Ich habe dich nicht ganz verstanden." Jaro rĂ€usperte sich. "Das Waldreich", sagte er lauter. "Richtig. Das Waldreich." Er schlug die Beine ĂŒbereinander und musterte Jaro mit erhobenem Kinn. "Und mehr... es ist Holz. Es ist Erde. Es ist Gestein. Es ist Magie. Es ist ... Gold" Jaro zwang sich, den Mann anzusehen. Eine leichte Röte war in dessen Wagen getreten, seine Augen glitzerten. "Wegen was davon bist du hier?"


Alaryah Schattenwind
Foranir ging weiter stumm die Aufzeichnungen in dem Buch durch. Von dem Alb, der sich hinter ihm postiert hatte, kam keinerlei Regung. "Jaro ist kein Feind, ebensowenig Kirona!", beteuerte Alaryah schließlich. "Kirona wird nur benutzt, sie kann nichts dafĂŒr, sie ist unschuldig!". Keine Reaktion von Foranir, die Augen des anderen Alben fixierten Alaryah kĂŒhl und abschĂ€tzend. Dann plötzlich seufzte Foranir. "Ihr seid bei einer Schamanin gewesen.", stellte er fest, sah nun wieder in Alaryahs Augen. Diese nickte nur. "FĂŒr wie wahrscheinlich haltet Ihr es, dass auch die Sinne dieser Schamanin getĂ€uscht worden sind?", fragte er. Alaryah hatte darauf keine Antwort. Sie wusste einfach zu wenig von dem Handwerk der Schamanen, als dass sie eine qualifizierte Antwort hĂ€tte geben können. "Was konntet ihr ĂŒber die TĂ€towierungen der Frau, die ihr Kirona nennt, falls dies ĂŒberhaupt ihr richtiger Name ist, herausfinden, Schattenwind?". Auch hier brauchte Alaryah eine gewisse Zeit fĂŒr eine Antwort. Sie beschrieb die Erlebnisse, dass die TĂ€towierungen leuchteten. "HĂ€tte euch genau DAS nicht zu denken geben sollen?!". Das erste Mal in diesem GesprĂ€ch hob Foranir tatsĂ€chlich die Stimme. Alaryah zuckte zusammen. Wie konnte solch ein Alb nur dieses GefĂŒhl des Unbehagens hervorrufen?! Alaryahs Gedanken rasten zu ihrer Familie. Seit Generationen waren sie WaldlĂ€ufer gewesen, hatten die Grenzen des Reiches geschĂŒtzt. Hatte sie gerade Schande ĂŒber sie gebracht? Hatte sie tatsĂ€chlich so falsch gehandelt und damit sich selbst, ihre Familie, Freunde und alle anderen in Gefahr gebracht? Was wusste sie eigentlich wirklich ĂŒber Kirona? Hatte sich die Albin tatsĂ€chlich zu sehr darauf verlassen, dass die Frau die Wahrheit gesagt hatte? "Schattenwind.", unterbrach Foranir erneut die unangenehme Stille. "Wir haben Aufzeichnungen und Berichte ĂŒber Eure bisherige Reise erhalten.". Der Alb schnipste mit den Fingern, der andere Kerl kramte aus seiner UmhĂ€ngetasche einen Stapel Pergament hervor und ĂŒberreichte diesen. "Könnt ihr mir...dazu etwas sagen?", fragte Foranir schließlich und hielt Alaryah ein Blatt aus dem Stapel hin. Zuerst rĂŒhrte sich die kleine Albin nicht, erst, nachdem der Begleiter von Foranir den Pergamentbogen ĂŒbergeben wollte erlangte sie die Kontrolle ĂŒber ihren Körper zurĂŒck. Mit zittriger Hand griff Alaryah nach dem ihr vorgehaltenem Blatt. Unsicher und mittlerweile leicht verĂ€ngstigt begann sie zu lesen.


Jaro BallivĂČr
"Ich... ich war auf dem Weg nach Hause. Ich bin wegen nichts hier." Der rothaarige Alb sah ihn weiter scheinbar grĂŒbelnd an. "Du bist schon ganz schön lange hier dafĂŒr, dass du nur auf der Durchreise bist, findest du nicht?" Eine Hauch Arroganz schwang in seiner Stimme mit. "Das habe ich den hohen Herren gestern schon berichtet." "Da war ich aber nicht dabei." Seine Armreifen klirrten, als der das Haar ĂŒber die Schulter warf. "Ich kenne euch. Lichtalben... kaum zu glauben, dass wir einmal ein Volk waren. Materialistisch, kaltherzig und rĂŒcksichtslos. Wie lange arbeitest du schon fĂŒr die Handelallianz?" Die Frage kam vollkommend ĂŒberraschend fĂŒr Jaro. "Was?" "Du hast mich schon verstanden." Jaros Blick zuckte zu dem Krieger, doch dieser hatte den Kopf abgewandt. "Ich weiß nicht einmal, was das ist", sagte er verzweifelt. "Es wurden Leichname gefunden, die zweifelsohne Naridier waren. Und zuvor warst du bei Ihnen. Mit dieser Frau." Hektisch schĂŒttelte Jaro den Kopf. "Nein, also ja, ich habe sie beobachtet, denn sie behandelten Kirona schlecht und schĂ€ndeten den Wald und ich wollte helfen." Mit einer ungeduldigen Geste unterbrach ihn sein GegenĂŒber. "Und so brachtest du unsere WaldlĂ€uferin auf deine Seite. Geschickt." Entsetzt weitete Jaro die Augen, als er erkannte, wohin das GesprĂ€ch fĂŒhrte. "Nein. Bitte. Fragt die... MĂ€nner und Frauen aus dem Rat, wir haben ihnen alles erklĂ€rt. Ich stamme aus Avinar, aus der Siedlung Calorod..." "Genug." Der Mann erhob sich. Auch er war ĂŒberraschend groß, im Gegensatz zu dem Krieger aber außerordentlich dĂŒrr. "Ich weiß, dass du aus Avinar stammst. So etwas sehe ich sofort. Ich kenne dein Volk vermutlich besser, als du. Und doch beweist das nichts. Habgierige Leute greifen zu allerlei List, um zu bekommen, was sie wollen." "Wir haben doch nur versucht zu helfen." Eine der ohnehin schon stark geschwungenen Augenbrauen schob sich noch höher nach oben. "Indem ihr eine Mörderin beschĂŒtzt?" "Sie wird benutzt, sie ist unschuldig. Bitte tut ihr nichts. Sie hat solche Fortschritte gemacht, seit wir bei der Schamanin waren und endlich geht es ihr gut." Der Alb ging an die BrĂŒstung und lehnte sich darĂŒber. "Zu gut", murmelte er kaum merklich und als er den Kopf wandte, schienen seine Augen noch stĂ€rker zu leuchten.


Alaryah Schattenwind
Alaryah las die Worte auf dem Pergament. Es schien, als wĂŒrde jedes Wort in ihrem Kopf wiederhallen. Es handelte sich um einen Bericht, wo die drei GefĂ€hrten hergezogen sind. Jede Kreuzung, jede Biegung, alles war erstaunlich gut und im Detail aufgefĂŒhrt. Man hatte sie also doch irgendwie beobachtet. Alaryah zweifelte nun noch mehr an ihren FĂ€higkeiten. Eigentlich hĂ€tte sie etwaige Verfolger, selbst wenn es Alben gewesen sind, bemerken mĂŒssen?! "Genau das ist unser Weg gewesen.", stammelte sie schließlich und war sich unsicher, was sie nun mit diesem Bericht anfangen sollte. Der Alb erhob sich von seinem Platz, lies das Buch einfach so geöffnet liegen und ging auf die kleine Albin zu. Sein Scherge rĂŒhrte sich nicht. Langsam umkreiste Foranir Alaryah. "Vielleicht wĂ€re es gut, wenn wir Euch einer Kontrolle unterziehen wĂŒrden?", fragte er, wobei diese Frage eher rhetorisch zu sein schien. Was hĂ€tte Alaryah auch darauf sagen sollen? "Wir sollten Eure Gedanken, euren Verstand untersuchen lassen.", ĂŒberlegte der Alb laut, wĂ€hrend er weiter seine Kreise um Alaryah zog. "Wer weiss, was ihr, bewusst oder unbewusst, erlebt habt und nun vor uns verbergen wollt?". Alaryah bekam weiche Knie. "Ich habe doch schon alles gesagt, was ich weiss.", versuchte sie sich mit gedĂ€mpfter Stimme zu erklĂ€ren. Sie senkte den Kopf, fĂŒhlte sich hilflos und allein. "Was habt ihr mit Jaro gemacht? Wo ist er? Was ist mit Kirona?". Keine Antwort. "Ihr solltet euch nicht darauf verlassen, dass es sich bei diesen Personen tatsĂ€chlich um eure GefĂ€hrten handelt.", entgegnete Foranir kĂŒhl. Alaryah gefiel nicht, wie er ĂŒber Jaro und Kirona redete. Was wusste er schon?! Alaryah konnte jedoch nicht weiter darĂŒber nachdenken, einen kurzen Augenblick spĂ€ter stand der Alb auch schon hinter ihr. Mit einem kurzen, dennoch recht heftigen Tritt in die Kniekehlen brachte der Alb Alaryah zu Boden. Unsanft prallten ihre Knie auf den kargen und mit glatten Steinen gepflasterten Untergrund. Alaryah keuchte, sie verlor natĂŒrlich den Halt und ihr Körper fiel nach vorn. Schmerz durchzuckte ihren Körper, als der Alb ihre Haare zu packen bekam. Mit einem Ruck riss er ihren Kopf nach hinten, hielt sie vom Fallen ab. "AAAaaaaahhhh!!!", keuchte die kleine Albin und griff reflexartig nach dem Unterarm von Foranir. Sein Scherge wollte gerade einen Schritt auf sie zumachen, doch er hielt inne, als Foranir die Hand hob. Dann zog er die Albin an den Haaren nĂ€her an sich heran. "Oh Schattenwind.", hauchte er ihr bedrohlich ins Ohr. "Ich hoffe fĂŒr Euch, dass ihr die Wahrheit sagt. Versteht mich nicht falsch, ich mache das hier wirklich alles andere als gerne, jedoch ist es nunmal meine Pflicht.". "Falsches Bedauern ist das einzige, was ich in Eurer Stimme höre!", fauchte Alaryah, doch konnte sie den Griff nicht lösen. "Na, na. Wir sind doch nur gemeinsam auf der Suche nach der Wahrheit.", erklĂ€rte der Alb und machte eine Handbewegung in Richtung seines Begleiters, der daraufhin die TĂŒr öffnete. Eine weitere Person betrat den Raum. Es handelte sich um eine junge Albin, genauer gesagt um ein Albenkind. Das kleine MĂ€dchen nĂ€herte sich schnurstracks Alaryah, hatte dabei einen absolut leeren Blick. Alaryah wandte sich, blieb jedoch hilflos. Das AlbenmĂ€dchen blieb schließlich vor Alaryah stehen, sah ihr tief in die Augen und packte plötzlich, mit wahnsinnigen Reflexen, Alaryahs Kopf. Den Bruchteil einer Sekunde spĂ€ter fĂŒhlte Alaryah nur noch KĂ€lte von den HĂ€nden des Kindes ausgehend.Alarah warf den Kopf nach hinten, wollte schreien, doch kein Laut kam ĂŒber ihre Lippen.


Jaro BallivĂČr
Unter dem unheimlichen Starren der Augen sank Jaro noch mehr auf seinem Stuhl zusammen. Sein Blick ging zu Boden und da sah er es. Die Hose des Mannes war an einem Bein etwas hoch gerutscht, hing nach der sitzenden Haltung noch am Knie fest und so lag ein StĂŒck Bein frei. Jaros Brust hob und senkte sich schneller und er konnte den Blick nicht abwenden. Filigrane, verzweigte TĂ€towierungen rankten aus dem Hosenbein hinaus bis zum dĂŒnnen Knöchel des Mannes. Es gab keinen Zweifel. Schnell hob er den Kopf, um keinen Verdacht zu erwecken. Ob Kirona etwas damit zu tun hatte? Nein... er konnte, er wollte das nicht glauben. "Wir können dich nicht ziehen lassen, Jaro", ergriff der Alb wieder das Wort. "Du hast eine Gefahr in unseren Wald gebracht. Wir werden nicht zulassen, dass du sie weiter verbreitest." Er ließ von der BrĂŒstung ab. "Emur, bring ihn um." Entsetzen ĂŒberflutete Jaro. Nein! Das war eine Falle! Er musste es dem Krieger namens Emur sagen, er musste... doch sein Mund schien ausgetrocknet und er brachte kein Wort heraus. Trotzdem geschah nichts... "Emur!", drĂ€ngte der Alb. "Wir bestrafen nicht mit dem Tod." Seine Stimme war sachlich und ruhig und doch meinte Jaro einen leicht fragenden Ton darin zu hören. "Dies ist ein Notfall!" Er war kurz davor die Fassung zu verlieren. VerstĂ€rkt fiel Jaro nun auf, wie untypisch er sich fĂŒr einen Waldalben verhielt. Er war ungeduldig und aufbrausend und kalt. "Unser ganzes Reich ist in Gefahr." Emur jedoch blieb standhaft. "Leute von Rang werden das Schicksal der Eindringlinge entscheiden. Deine Aufgabe ist nur, dem Lichtalben auf den Zahn zu fĂŒhlen." "Und er ist ĂŒberfĂŒhrt!", schrie der Alb nun. "Wenn wir ihn laufen lassen, sind wir verloren!" Sein Gesicht war vor Wut verzerrt und Jaro sah voll Erleichterung, dass sich Misstrauen in Emurs Gesicht breitmachte. "Ihr habt ĂŒberhaupt noch nichts herausgefunden", sagte er. "Wenn ihr fertig seid, werde ich ihn ins Hauptquartier bringen." "Das kann ich nicht zulassen." Eine tiefe Bedrohung lag in seiner Stimme. Er ging auf Jaro zu, der instinktiv zurĂŒck wich. Emur stand da wie hypnotisiert. Der rothaarige Alb beschleunigte seine Schritte und zog ein kleines Messer aus seinem Oberteil. Er wĂŒrde ihn abstechen! Aus Entsetzen wurde Panik. "Emur!", schrie Jaro verzweifelt.

Alaryah Schattenwind
Stille umgab Alaryah. Da war nichts. Gar nichts. Dunkelheit. Nur sie selbst schien in dieser Dunkelheit ein Licht zu sein. "Ha..hallo?", fragte Alaryah unsicher, sah sich dabei um, doch weder antwortete jemand, noch konnte sie etwas erkennen. Dann plötzlich raste etwas auf sie zu. Es war wie das Zucken eines Blitzes und da war sie wieder...diese KĂ€lte. Mit lautem Getöse schossen Bilder an dem inneren Auge der kleinen Albin vorbei, welche keuchend nach Luft schnappte. Sie sah Jaro, wie er sich gegen die Schergen, die Kirona gefangen hielten zur Wehr setzte. Nur wenige Augenblicke spĂ€ter erschien der Hauptmann, tauchte plötzlich wie aus dem Nichts auf, salutierte wĂ€hrend eine Hand ruhig auf dem Knauf seines Schwertes lag. Sie sah die Schamanin in ihrem Hain, von sanft leuchtenden Laternen umringt, sah, wie sie sich zu ihr umdrehte und lĂ€chelte. Dann zerfiel alles wie Glas, welches klanglos splitterte. WĂ€hrend eines Wimpernschlages flackerte kurz ein Gesicht vor Alaryah auf. Sie war sich sicher, dieses Gesicht schon einmal gesehen zu haben. Es kam nicht wieder. Alaryah kniff ihre Augen zusammen, konzentrierte sich. Wen hatte sie gerade gesehen? Was war passiert? Sie hatte ein Fest besucht. Sie war nicht allein gewesen, nein, da war noch jemand. Eine Person aus Licht und eine weitere, um die eine dĂŒstere Aura zu wabern schien. Etwas zerrte an der kleine Albin. Sie ließ sich nicht beirren, versuchte ihre Gedanken zu fokussierern. Da war dieses Albenkind gewesen. Es war, als wĂŒrde sie jemand festhalten wĂ€hrend sie in die entgegengesetzte Richtung rennen wollte. Dann kam der Befreiungsschlag. Wie von gesprengten Ketten gelöst spurtete Alaryah hinfort, weg von dem, was sie halten wollte. Kurz erschein das Albenkind, schien etwas festzuhalten und dann den Griff zu lösen. Dann rauschte es, die kleine Albin fiel wie vom Blitz getroffen zu Boden, hielt sich wimmernd die Ohren zu...

Langsam öffnete Alaryah die Augen. Sie war nicht mehr in dem Raum, in dem sie zuvor verhört worden war. Ihr Blick wurde klarer. Sie war...draußen? Die Sonne war bereits aufgegangen und tauchte die Umgebung in ein warmes und wohltuendes Licht. "Oh, ihr seid wach.", sagte jemand neben ihr. Noch etwas benommen drehte Alaryah ihren Kopf zur Seite. Sie fĂŒhlte sich, als wĂ€ren mehrere Handelskarren ĂŒber sie drĂŒbergefahren. "Wach...ja...", war das einzige, was sie hervorbrachte. "Ihr habt die Befragung gut ĂŒberstanden.", sagte die Stimme und fĂŒgte ein "Und den...nunja, Eingriff in Eure Gedanken ebenfalls. Nicht viele Personen ĂŒberstehen das unbeschadet.". Alaryah richtete sich auf, kam irgendwie auf die Beine. Vor ihr stand ein junger Alb mit kurzem, blonden Haar. "Ich habe Euch dort ein paar Kleinigkeiten bereitgestellt.", erklĂ€rte er und deutete auf einen kleinen Tisch, auf dem mehrere gefĂŒllte Teller und KrĂŒge standen. "Ich kann Euch beruhigen. Euch wird nichts mehr passieren. Ihr seid von den hohen Herren nachtrĂ€glich kontrolliert und fĂŒr ehrlich beurteilt worden, wenn ich es mal ganz simpel ausdrĂŒcken darf. Alles was Ihr sagtet entsprach der Wahrheit und ihr habt nur nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, habt dabei richtig gelegen. Man wollte eucht, eure LoyalitĂ€t testen.". Alaryah brauchte einen Moment um das gesagte zu verstehen. "Mich testen?". "Ja.", sagte der junge Mann und nickte "Das Band zwischen Euch und euren GefĂ€hrten ist stark. Nicht nur in dieser Welt.". Er kam nĂ€her. "Ihr könnt der Frau helfen.", hauchte der Alb kaum hörbar. Kurz sah er sich um, fĂŒgte dann flĂŒsternd "Ihr mĂŒsst bald aufbrechen. Seid unbesorgt, ihr habt hier keine Feinde mehr." hinzu. Alaryah fasste sich an die Stirn. Sie wollte noch etwas fragen, doch da war der Alb bereits verschwunden. Noch etwas zittrig versuchte Alaryah sich zu orientieren, da öffnete sich plötzlich eine TĂŒr nicht weit von ihr entfernt.

Jaro BallivĂČr
Jaro konnte im Nachgang unmöglich sagen, was er gedacht hatte, als der Tod auf ihn zustĂŒrmte und mit seinen knochigen Finger nach seinen Kleidern tastete, sie sogar schon berĂŒhrte und doch nicht zu fassen bekam. Ebenso wenig erinnerte er sich an die zeitliche Abfolge oder ob es schnell oder langsam passiert war. Instinktiv hatte er die Arme gehoben, um seinen Kopf zu schĂŒtzen, war weiter zurĂŒck gestolpert und hatte immer und immer wieder nach dem großen Alben gerufen, in der Hoffnung der Mann möge ihm zu Hilfe eilen. Dann war er gestĂŒrzt und hatte versucht sich innerlich gegen den Messerhieb zu stĂ€hlen, den er jeden Moment erwartete. Doch nichts geschah. Er wagte ĂŒber seinen vor das Gesicht erhobenen Arm zu spĂ€hen und sah gerade noch, wie Emur den Widersacher mit beiden HĂ€nden gepackt hatte und dieser sich wand und schrie und kaum zu bĂ€ndigen war. Emur hatte grĂ¶ĂŸte MĂŒhe dem Messer, den Fingern der zweiten Hand und den ZĂ€hnen des Alben auszuweichen. Stöhnend und keuchend versuchte er ihn zu halten und drohte, ihn zu verlieren. Dann warf er ihn von der Plattform. Jaro starrte, wĂ€hrend ein spitzer Schrei langsam leiser wurde. Schwer atmend drehte sich Emur zu ihm um. "Er hĂ€tte uns beide umgebracht", sagte er, als mĂŒsse er sich vor Jaro rechtfertigen. "Tut mir leid. Wir wussten nicht... seit Jahren schon arbeitet er fĂŒr uns und nie hat einer gemerkt..." "Schon gut", wimmelte Jaro ab, der nicht einmal dran gedacht hatte, Emur irgendeine Schuld zu geben. "Danke...", fĂŒgte er noch an.

Sie stiegen den Baum hinab und Emur verschloss die TĂŒre. "Darf ich gehen?", fragte Jaro. Noch immer wusste er nicht wo Alaryah war und auch nicht, ob mit Kirona alles gut war. Ihn drĂ€ngte, weg zu kommen. "Das geht nicht. Ich muss Euch zum HauptgebĂ€ude bringen und Bericht erstatten." Jaro wollte widersprechen, doch Emurs Blick ließ ihn innehalten. Unruhig ging Jaro neben dem gerĂŒsteten Alben her und war sich der Blicke bewusst, die sie auf sich zogen. Die Wege waren mittlerweile dicht bevölkert und man sah wohl nicht hĂ€ufig einen derart gepanzerten Krieger. Jaro ließ den Kopf hĂ€ngen, um jeglichen Blickkontakt zu vermeiden. Deshalb sah er es auch nicht gleich. Erst als Emur ihn anstieß und "Seht, dort", brummte, bemerkte er sie. Alaryah hatte ihn auch erkannt und egal, ob Emur ihn nun niederstrecken wĂŒrde oder nicht, rannte Jaro los. Er war so erleichtert und durchgeschĂŒttelt von den neusten Ereignissen, dass er nur noch eines wollte. Emur ließ ihn ziehen und Alaryah eilte ihrerseits auf ihn zu. Sie erreichten einander auf halbem Wege und schlossen sich fest in die Arme.


Alaryah Schattenwind
Da war Jaro! Alaryah war sich sicher, dass es sich nicht um ein erneutes Trugbild handeln konnte. Die Umarmung war herzlich, schien beiden irgendwie gut zu tun. Noch bevor Jaro etwas sagen konnte ergriff Alaryah das Wort. "Schön dich zu sehen.". Es klang irgendwie komisch als Alaryah das sagte. Es hĂ€tte fröhlich klingen sollen, doch war dort weder Freude, noch Erleichterung in Alaryahs Stimme. Sie löste sich schon fast ruppig von Jaro, der die kleine Albin leicht irritiert ansah. Alaryahs Blick ging an Jaro vorbei, da nĂ€herte sich in der Ferne bereits ein gerĂŒsteter Krieger! Dann plötzlich brachen alle DĂ€mme ĂŒber Alaryah zusammen. Erst jetzt wurde ihr so langsam klar, was gerade alles passiert war. Ihr Blick wurde verschwommen als sie sich heftig um Jaros Hals warf. "Es war furchtbar.", wimmerte die sonst so starke Albin in Jaros Oberarm. "Man hat mich in der FrĂŒhe geholt, dann war jemand in meinem Kopf!". Sie schaute Jaro nun direkt an, dicke TrĂ€nen kullerten ĂŒber ihre Wangen. "Er hat gesagt ihr seid böse und ich hĂ€tte versagt, mich völlig falsch verhalten.", schluchzte die kleine Albin und fuhr mit zittriger Stimme fort: "Am Ende ist das alles nur eine Art Test gewesen, eine ganz gemeine Sache! Wie können Alben nur so etwas tun?!". Alaryah suchte verzweifelt nach Antworten, fand jedoch keine. Erneut vergrub sie ihr Gesicht in Jaros Oberteil. "Ich möchte nie, nie wieder so eine Befragung mitmachen.", brummelte sie. Es dauerte eine Zeit lang, bis sich Alaryah wieder beruhigt hatte. Vielleicht wĂŒrde es noch etwas dauern, bis die kleine Albin das GewĂŒhle in ihrem Kopf verabeitet hatte, doch bestand kein Zweifel daran, dass sie es schaffen wĂŒrde. Mit einer gehörigen Portion Misstrauen funkelte Alaryah nun Emur an, der direkt zwei Schritte zurĂŒckwich. "Wir mĂŒssen so bald wie möglich weiterziehen.", flĂŒsterte Alaryah Jaro schließlich in Ohr, wĂ€hrend sie damit kĂ€mpfte nicht wieder in TrĂ€nen auszubrechen. "Es ist nicht wegen mir, es ist wegen Kirona. Wir können ihr helfen.". Die Albin wischte sich mit dem linken Ärmel etwas unbeholfen das Gesicht trocken. "Können wir heute noch abreisen?", fragte sie Jaro, wĂ€hrend Emur wieder nĂ€her kam. "Was ist mit Kirona?"

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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#30

Beitrag von Jaro BallivĂČr » Fr 2. Feb 2018, 19:29

Jaro hielt Alaryah fest, wĂ€hrend alles aus ihr herausströmte. Er wusste auch gar nicht, was er sonst hĂ€tte tun sollen und war sogar ein wenig erleichtert, dass sie nach dem apathischen Start des Wiedersehens ihm nun ihre GefĂŒhle offenbarte und Linderung bei ihm suchte. Erneut war sie hart auf die Probe gestellt worden und hatte offensichtlich wieder zu ihm und Kirona gehalten. Kaum wagte der Junge sich auszumalen, was die Worte „dann war jemand in meinem Kopf“ bedeuteten


„I-ich weiß es nicht“, sagte Jaro schwach und drehte sich ebenfalls zu Emur herum. „Auch bei mir ist heute Morgen etwas geschehen
 und Kirona
 die lag zumindest noch im Bett, als ich fort bin.“ Fragend blickte Alaryah Jaro an und er öffnete den Mund, um schnell zu schildern, was passiert war, doch Emur kam ihm zuvor. „BallivĂČr muss einen Mord bezeugen. Vorher wird er nirgends hingehen“, knurrte der Krieger. „Los jetzt.“ Er schob Jaro auf das GebĂ€ude zu und der Alb warf einen gequĂ€lten Blick in Alaryahs Richtung. „Ich erzĂ€hle es dir nachher!“, rief er. „Sieh nach Kirona, Alaryah. Ich komme so schnell ich kann.“ „Wir werden sehen“, donnerte Emur und schleifte Jaro endgĂŒltig weiter.
Schon auf dem Gang begegneten sie einem teilweise ergrauten Alben. „Ah, Emur, schon zurĂŒck?“ Sein Blick fiel auf Jaro und prĂŒfte ihn. „Weshalb bringst du den Jungen? Wie fiel Thormins EinschĂ€tzung aus?“ „Thormin war wohl nicht der, fĂŒr den wir ihn hielten.“ Emurs Ton war weiter nĂŒchtern und klang fast ein wenig gelangweilt. Der andere Mann hingegen zog angestrengt die Brauen zusammen. „Was?“, und als Emur zu einer Antwort ansetzte, fĂŒgte er schnell an: „wir brauchen nicht auf dem Gang zu reden.“ Bevor er auf dem Absatz kehrt machte, blieb sein Blick noch einmal an Jaro haften und wanderte dann fragend zu Emur. „Der Junge soll mitkommen. Ich brauche ihn als Zeugen.“ „Als Zeugen!“, wiederholte der andere in einem ironischen Tonfall, so als ĂŒberrasche ihn all das ĂŒberhaupt nicht. Und so kam es, dass Jaro sich ehe er sich versah, wieder am selben Ort befand wie tags zuvor, auch wenn es ihm vorkam, als wĂ€re es schon Wochen her. Sachlich und schnell erklĂ€rte Emur was geschehen war. Dass er Jaro wie befohlen auf den SpĂ€herbaum gebracht hatte, dass Thormin die Befragung gestartet und dann recht schnell den Tod des Jungen gefordert und schließlich selbst auf ihn losgegangen war. Der Ă€ltere Alb hörte sich alles mit starrer doch sorgenvoller Miene an. „Du hast ihn vom SpĂ€herbaum geworfen?“, sagte er als Emur geendet hatte und der große Mann nickte. „HĂ€ttest du ihm nicht einfach eine Klinge ins Herz jagen können? Oder ihm den Hals umdrehen? Irgendetwas, das nicht die ganze Stadt mitbekommt??“ Die letzten Worte waren zusehends lauter geworden und er schlug eine Faust auf den Tisch. „Hast du jemanden hingeschickt?“ „Mein Herr Foranir, ich kam auf dem schnellsten Wege hierher!“, verteidigte sich Emur. Der Alb namens Foranir schloss fĂŒr einen Moment die Augen und atmete tief durch. Dann nahm er ein kleines Glöckchen vom Tisch und ließ es zwei Mal leise lĂ€uten. Jaro bezweifelte, dass irgendwer den zarten Ton hören konnte, doch binnen Sekunden erschien ein anderer Alb und nahm Foranirs Befehle entgegen, die Leiche zu suchen und schnellstmöglich hierher zu bringen. „Hoffen wir, dass sich die schaulustige Meute noch in Grenzen hĂ€lt“, knurrte er schließlich zu Emur. „Und nun zu Thormin. Ich kenne ihn seit einiger Zeit und mir ist nichts an ihm aufgefallen, wenn man seine arrogante Art einmal außen vor lĂ€sst. Vor ein paar Stunden hĂ€tte ich noch meinen wollen, dass er vielleicht gute GrĂŒnde hĂ€tte, den Jungen anzugreifen
 doch nun
“ Eine kurze Pause folgte, in der Foranir einfach nur ins Leere starrte. „Doch nun kenne ich die Geschichte der WaldlĂ€uferin genau und nichts deutet mehr darauf hin, dass dieser Lichtalb und die merkwĂŒrdige Frau Teile eines Komplotts sind
“ Emur nutzte die erneute Atempause. „Er hielt sich nicht an den Kodex. Eine Todesstrafe? Noch dazu ohne Prozess? Und hĂ€tte ich nicht gehandelt, hĂ€tte er erst den Jungen und dann eventuell sogar mich niedergestreckt. Er war nicht zu bĂ€ndigen
 wie ein wildes Tier
 Der Junge kann es bestĂ€tigen. BallivĂČr, ist doch so?“, wandte sich Emur an Jaro und auch Foranirs Blick haftete ihm an. Leise rĂ€usperte er sich. „Ja
 er fiel mich an und
 da ist noch mehr.“ Jaro schluckte. „Wo ist noch mehr?“, hakte Foranir sofort nach. „Kurz bevor er auf mich losging, war sein Bein ein wenig entblĂ¶ĂŸt und ich sah TĂ€towierungen. Solche, wie auch Kirona trĂ€gt. Sie hat uns erzĂ€hlt“, der Ă€ltere Alb unterbrach ihn mit einer Geste der Hand. „Ich weiß: es sind Symbole deren Ausbildung.“ Dann rieb er sich die HĂ€nde ĂŒber das Gesicht. „Kannst du das bezeugen, Emur?“ Der große Mann schĂŒttelte den Kopf. „Ich habe nichts dergleichen bemerkt. Doch ich habe auch nicht darauf geachtet.“ Foranir seufzte. „Wenn die Leiche da ist, werden wir es wissen.“ Nun war es an Emur sich zu rĂ€uspern. „Herr Foranir
 wegen meinem Mord
“ MĂŒde blickte der Alb auf. „Dein? Ach, ja
 ja. Ich glaube dir, Emur. Du bist ein treuer und wahrhaftiger Mann. Es sei denn, du hast auch irgendwelche TĂ€towierungen, die du mir zeigen solltest? Trotzdem kann ich noch immer nicht gutheißen, wie du es getan hast. Lass uns warten, bis die Leiche da ist. Dann schreibe ich einen Bericht, der dich entlastet.“ Wieder kehrte angestrengte Stille ein. Die GrĂŒbelei des alten Alben war fast greifbar. „Wie lange ist Thormin schon bei uns? Jahre
“ Tiefe Sorgenfalten gruben sich in seine Stirn. „Ich fĂŒrchte, wir haben es hier mit etwas wirklich Großem zu tun und nicht ihr habt es auf unsere TĂŒrschwelle gefĂŒhrt, ihr habt es nur entblĂ¶ĂŸt.“ Seine intelligenten Augen ruhten auf Jaro, dem plötzlich etwas einfiel. „Mein Herr?“, stammelte er. „Dieser Thormin schien verĂ€rgert darĂŒber, dass es Kirona besser geht. Ganz, als sorge ihn das, oder mache ihm sogar Angst. Vielleicht kann sie helfen.“ Foranir nickte mehrmals. „Das ist
“, weiterhin nickte er und kniff immer wieder die Augen zusammen, ließ aber niemanden an seinen Gedanken teilhaben. „Ja“, schloss er schließlich, „es bestĂ€tigt mich nur noch mehr in meiner Entscheidung: Ihr mĂŒsst Rankenfels verlassen. Möglicherweise seid ihr unsere einzige Chance.“
~ Die grĂ¶ĂŸte Offenbarung ist die Stille ~

Laotse

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