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BeitragVerfasst: Di 9. Mai 2017, 18:48 
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Der Ork kreischte auf, eigentlich Musik in Jozos Ohren, aber diesmal strapazierte es seine angespannten Nerven. Der gelbe Goblin fletschte schmerzerfüllt die Zähne und für einen Sekundenbruchteil, war er geneigt, anzugreifen.

Aber nur für einen winzigen Moment, da ihm schlagartig bewusst wurde, warum ihm das Kreischen des Orks keine Freude machte, sondern Schmerzen bereitete.

"Zisch ab", grummelte der Tiefling.
"Wenn wir uns wieder begegnen, töte ich Dich", stellte der Hüne klar.

Jozo musterte den gewaltigen Tiefling, jedenfalls versuchte er es auch wenn er kaum noch scharf sah.

Der Bursche gewährte ihm freien Abzug? Jo war fassungslos und witterte nach dem Hünen. Kein Gestank nach Lüge. Wut, Groll, aber keine Lüge. Der gelbe Goblin war verstört, über das irrationale Verhalten des Tieflings.

Jo musterte mit gierigem Blick das Pflaster, dass der Tiefling sich abzog und in den Dreck trat. Am liebsten hätte er danach gegriffen, aber er wagte sich nicht in seinem Zustand erneut in die Nähe des Tieflings.

In aller letzter Not mit den letzten Kraftreserven würde er Kigyo einsetzen, hatte er beschlossen, nicht wissend, wie der Kampf dann für ihn selbst ausgehen würde. Aber scheinbar brauchte er sich keine Sorgen zu machen. Er würde es nicht darauf ankommen lassen müssen.

Nur warum?
Warum tat der Tiefling das?
Warum gewährte er ihm freien Abzug?

Der gelbe Golbin zuckte gedanklich mit den Schultern. Warum sollte man sein Glück hinterfragen? Es war eine der seltsamen Handlungen, die er eh nie begreifen würde, ihm aber schon oft genug den Arsch gerettet hatten.

Jozo machte einen weiteren Schritt zurück, blieb aber noch einmal stehen.
Jo wandte sich dem Tiefling zu und schnupperte noch einmal nach ihm.

Der Gelbe kannte zwar keinen Dank und kein Mitgefühl, aber er kannte Respekt und den zollte er dem Tiefling. Der Kerl hatte nicht nur eisern gekämpft, er hatte standgehalten und gesiegt. Sogar durch Arglist. Und nun ließ ihn der Kerl auch noch ziehen. Klare Angelegenheit, er musste den Tiefling eines Tages stellen und fällen.

"Wenn wir uns das nächste Mal sehen Tiefling solltest Du in gleicher Form sein.
Möge der Bessere von uns beiden gewinnen. Heute warst Du das Tiefling. Meinen Respekt.

Egal wann und wo wir uns wiedersehen, ich werde Dich fällen und vögeln, aber ich werde Dich nicht töten. Nein... nein wirklich nicht. Du hast Dir meinen Respekt ehrlich verdient Dicker. Wenige haben es je, Du hast es.

Pass schön auf Dich auf, wäre doch schade um Dein Paket",
antwortete Jozo freundlich.

Der gelbe Goblin drehte sich um und ging langsam davon. Dabei tastete er sich weiter mit einer Hand an der Wand lang.

Als er in der Dunkelheit der Gosse verschwunden war, schloss er die Augen und lehnte sich einen Moment gegen die Wand, um zu verschnaufen. Geschafft strich er sich mit dem Handrücken über die Stirn, als er ein leises Knacken hörte. Alarmiert zuckten die Ohren von Jozo nach hinten.

"Jozo", sagte eine alte, aber durchaus vertraute Stimme.
Jozo drehte sich in Zeitlupe zu dem Sprecher um.

"Papa", grüßte Jo.
"Es endet hier Jozo. Du hast lange genug Dein Unwesen getrieben. Ich hab Dich in die Welt gesetzt, ich schicke Dich zurück. Woher Du auch immer gekommen bist", zischte Arun.

Jozo legte den Kopf schief und starrte seinen Vater an. Im Halbdunkeln erkannte er so gerade die Armbrust die der alte Goblin auf ihn gerichtet hatte. Er roch sie mehr, als dass er sie sah. Die Pflegestoffe, die Schmierfette, das Metall.

"Ich verstehe Deine Wut und Deinen Groll. Ich weiß es ist nicht zu entschuldigen was ich Dir angetan habe...", sagte Jozo und hob die Hände.

"Mir? Du hast Hunderte Personen auf dem Gewissen! Männer, Frauen, Kinder, Greise, Babys! Goblins, Menschen, Zwerge, Alben, es gibt nichts und niemanden vor dem Du halt machen würdest! Was immer Du bist Jozo, Du bist kein Goblin. Aber Du bist mein Kind und ich habe die Verantwortung für Dich! Ich trage die Schuld, die Du tragen müsstest! Aber heute ist Zahltag. Heute bekommst Du die Rechnung für Deine Taten präsentiert", fauchte Arun und schmiss Jozo eine Rolle vor die Füße.

"Lies das!", befahl der alte Goblin schneidend.

Jozo bückte sich und ließ dabei den alten Goblin aus den Augen. Sein Vater wartete ab und beobachtete nervös wie Jozo die Schriftrolle an sich nahm. Warum Jozo ihm dermaßen vertraute, dass er ihn aus den Augen ließ, wusste Arun nicht.

Wer Jo kannte wusste, dass es kein Vertrauen war. Er roch seinen Vater, er hörte seinen Vater. Er musste ihn nicht sehen. Er "sah" ihn auf seine ureigene Art.

"Vorlesen!", befahl Arun.

"Wenn Du drauf bestehst. Na dann schaun wir mal...
Haru Shafki, Goblin, männlich, Bote, 34 Jahre - ertränkt
Tuva Mioari, Mensch, weiblich, Verkäuferin, 22 Jahre, Kehle aufgeschlitzt
Katinka Weilori, Mensch, weiblich, Seniorin, 86 Jahre, ausgeweidet
Jezek Cantorius, Tiefling, männlich, 4 Jahre, in die Regentonne gestopft
... oh Papa bitte",
flehte Jozo.

`Echt das ist doch albern! Sowas aufzuschreiben, sowas von kleinlich! Der hat doch einen Tick, einen Kontrollzwang oder sowas. Gar nicht gesund´, dachte Jozo verärgert.

"Lies weiter Jozo! Lies!!!", entschied Arun wütend.
Jozo rollte die Schriftrolle vorsichtig zusammen und hielt sie in der Hand.

"Ich habe gerade versucht Dir zu erklären, dass mir das alles katastrophal leid tut. Gerade eben erst habe ich versucht einen Ork vor einem wahnsinnigen Tiefling zu retten. Es ist mir leider nicht gelungen. Und warum? Um Sühne zu tun. Um meine Schuld abzutragen.

Ich weiß dass gibt Dir Kari nicht zurück, oder Mama, oder all die anderen. Aber ich kann meine Taten nicht ungeschehen machen. Wenn Du mich tötest Papa, tötest Du Deinen eigenen Sohn und zwar den, den Du gerne gehabt hättest.

Weißt Du ich war eine Bestie, aber ich bin keine geblieben. Gib uns beiden eine Chance, ich bitte Dich. Bitte Papa, bitte. Bitte töte mich nicht",
flehte Jozo flüsternd.

"Jozo... Ein einziger Versuch Jo, einer! Du kommst freiwillig mit und lässt Dich im Tempel wegsperren. Für uns, für Deine Familie, zur Wiedergutmachung, für all Deine Opfer. Das akzeptiere ich, nichts anderes", warnte Arun.

"Abgemacht. Papa... ich schwöre Dir, ich bin nicht mehr die Person, die ich früher mal war", erklärte Jo hilflos, kaute auf der Unterlippe und hielt Arun die Schriftrolle hin.

Der alte Goblin trat vorsichtig auf seinen Sohn zu und griff nach Schriftrolle in Jozos Hand.

Im selben Moment explodierte das Armband um Jozos Handgelenk. Die Peitsche wickelte sich fest um den Körper von Arun und schnürte damit die Armbrust am Körper des alten Goblins fest.

Der Draht der Peitsche und raste in jede Richtung, rund um Arun. Der Draht setzte seine Kraft Schock artig frei. Binnen einen Bruchteils einer Sekunde war Arun geschält wie altes Obst.

Panik ergriff den alten Goblin, denn die Peitsche verwickelte sich ganz von selbst in komplizierte Muster weiter und fester um seinen Körper. Der grüne Goblin wurde Kreide bleich.

"...bin nicht mehr dieselbe Person wie früher.
Nicht mehr die wie vor fünf Minuten!

Da war ich ziemlich aus der Puste, weißte?
Aber jetzt... alles tutti...",
lachte Jozo gut gelaunt.

In der nächsten Sekunde rotierte der Draht so heftig und schnell das Arun unterhalb des Halses sauber zerlegt wurde. Sein Körper wurde buchstäblich zerfetzt und spritzte in alle Richtungen davon. Bis auf den Kopf explodierte Arun in einem Blutregen winziger Fleisch-Partikel.

Schwarzes, zähflüssiges Blut, tropfte von der Peitsche, während sie sich fast liebevoll wieder um den Arm von Jozo schlang.

Jozo stellte den Kopf von Arun auf und stopfte ihm die Liste tief in den Rachen.
Der Tiefling würde die Botschaft verstehen. Vielleicht hatte er ja Spaß an der Liste.

Der gelbe Goblin schleppte sich geschafft und fertig Richtung Heimat. Dennoch umspielte ein Lächeln seine dunklen Lippen.

Alles was er am Tatort zurück ließ war der abgetrennte Kopf von Arun, Gewebefetzen und eine blutige Botschaft an der Häuserwand. Geschrieben mit dem Blute seines eigenen Vaters, die dem Tiefling galt.

In großen Lettern stand dort -

"Danke Dicker".
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BeitragVerfasst: Di 9. Mai 2017, 22:32 
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Top Charakterbogen (1)
Firxas hatte in seinem Leben wenige Komplimente erhalten. Er war zu durchschnittlich, als dass ein Lob angemessen wäre. So vermutete er auch, dass die Worte des Gelben nur den Zweck erfüllten, irgendwelche positiven Gefühle in Firxas zu wecken und seinen Kampfgeist und seine Entschlossenheit zu schwächen. Bei einem weniger gefährlichen Gegner hätte es vielleicht funktioniert und Firxas wäre etwas lockerer geworden, eben bei dem, was er sonst aus Tavernen und deren Umfeld so gewohnt war. Doch er konnte das Bild des verendenden Söldners in seinen Armen nicht vergessen. Der kleine Kerl da war ein Biest, auch wenn er charmant tun konnte. Ein Skorpion, eine Giftspinne. Klein, aber absolut tödlich. Firxas beobachtete, wie er sich mühsam an der Wand entlangtastete und sich davonschleppte.

Erleichtert atmete Firxas aus. Er war fort. Jetzt konnte er sich um den Ork kümmern, aber nicht hier draußen. Irgendwo, wo es sicherer war. Wenn er noch seine Flügel hätte, dann ... er würgte den Gedanken ab. Die hatte er nicht mehr und würde sie auch niemals wieder haben. Er wuchtete sich den winselnden Kerl über die Schulter wie einen Sack. Er wog ja nicht viel. Da er noch immer heulte, war sein Kreislauf stabil, er also nicht in unmittelbarer Lebensgefahr, er würde die grobe Behandlung wegstecken. Firxas stapfte mit ihm davon. Nicht in Richtung Taverne. Mochte Baxeda bleiben, wo der Pfeffer wuchs. An den selben Ort zurückzukehren, war zu gefährlich und für seinen Gegner vorhersehbar. Er würde erstmal zum Hafen gehen, dort gab es ein Lagerhaus mit einem Dachboden, der von außen zugänglich war, wenn man wusste, wie.

Doch nach einigen Minuten des zügigen Marschierens, wobei ihm die geschundenen Eier schmerzhaft gegen die Oberschenkel schlugen, hielt er inne. Seine Nüstern weiteten sich. Blut, sehr viel Blut. Konnte es sein, dass ... nein, er wurde paranoid. Und trotzdem ... er musste nachschauen. Sicherheitshalber nahm er den Ork mit. Mitten im Gehen hielt Firxas inne. Seine Schultern sanken hinab.

Ein Goblinkopf inmitten von etwas, das aussah wie Gulasch, das aus einem nicht ausgebluteten Tier zubereitet worden war. Der Mann war regelrecht geschnetzelt worden. An der Wand darüber stand riesengroß und nicht zu überlesen: Danke, Dicker. Womit auch der Absender klar war.

"Bleib hier stehen und dreh dich nicht um", sagte Firxas und stellte den Ork an eine Hauswand. "Sieh auf die Ziegel."
"Was riecht hier so?", fragte der mit zittriger Stimme.
"Ich sagte, sieh die Wand an!" schnauzte Firxas und endlich gehorchte das Kerlchen. Es hätte ihm noch gefehlt, dass der jetzt eine zweite Panikattacke bekam.

Firxas starrte hilflos auf den Fleischhaufen und den Kopf. Er wusste nicht, was er jetzt überhaupt machen sollte. Das Werk eines Wahnsinnigen. DES Wahnsinnigen. Er holte sich eine herumstehende Sperrholzkiste und schaufelte das Fleisch mit beiden Händen hinein, ohne, dass er wirklich wusste, warum. Eine Art Bedürfnis, wieder Ordnung herzustellen? Der lächerliche Versuch, nachträglich die Kontrolle über die Situation wieder herzustellen? Wiedergutmachung für den Toten, dessen Tod er sich selbt zuschrieb, obwohl er genau genommen gar nichts dafür konnte? Die Drogen wirkten noch nach, er spürte keinerlei Angst bei diesem schauerlichen Anblick, aber eine Mordswut. Am Ende legte er den Kopf des Toten auf die rote, nasse Masse. Doch was war das in seinem Mund? Da steckte irgendwas.

Mit zwei Fingern zog er einen beschrieben Zettel aus dem Rachen des Toten. Da war eine Liste von Namen, das Alter der Person, die Volkszugehörigkeit - und die Todesart. Auch der Name des Täters stand dort: Jozo.

Firxas zerknüllte das Papier vor Wut in seiner Faust, bis es hart wie ein Stück Holz war. Wut auf den Mörder, aber vor allem Wut auf sich selbst, dass er so dämlich gewesen war, ihn laufen zu lassen, um dem Ork zu helfen. Und Wut auf den Ork, der sich nicht verkrümelt hatte, als es am besten für ihn gewesen wäre und ihn so aufgehalten hatte. Niemanden hatte Firxas gerettet. Der Ork lebte, doch um welchen Preis? Ein Toter mehr, dafür, dass er lebte. Er hatte rein gar nichts erreicht. Nur das Opfer war ein anderes gewesen.

"Schau her."
Als der Ork sich umdrehte, knallte Firxas ihm die Faust in die Fresse, so dass er eine Pirouette drehte, mit der Stirn an die Wand schlug und niedersank. Firxas stopfte die blutverschmierte und zerknüllte Liste in seine Hosentasche, wuchtete sich den benommenen Knilch wieder über die Schulter und setzte seinen Weg fort. Um die Überreste des armen Goblins mussten sich die Nachtwächter kümmern. Firxas`Aufgabe waren die Lebenden. Nach langem Fußmarsch roch er den Hafen, das schmutzige Hafenwasser. Er setzte den Ork am Pier ab und stieg hinein, um das Blut abzuwaschen.

"Ich, äh ...", setzte der Ork an.
"Halt einfach die Fresse", entgegnete Firxas schroff. Er wollte nichts hören, kein Danke, gar nichts. Er legte sich auf den Rücken, ließ sich treiben und starrte den Nachthimmel an. Lange. Die Wellen glucksten an den Mauern, irgendwo in der Ferne brüllten sich zwei Besoffene an. Die Wirkung des Pflasters ließ immer weiter nach und er wurde müde. Zusammen mit dem Ork kletterte er schließlich in den Dachboden, wo sie erschöpft jeder für sich in ein altes Segeltuch gehüllt einschliefen.

Jozo verfolgte Firxas sogar in dessen Träumen.
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