Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den AnfĂ€ngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. WĂ€hrend die Urvölker auf AltbewĂ€hrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. GeheimbĂŒnde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

JOZOs - TAGEBUCH

Nirgendwo sonst liegen GlĂŒck und Verderben nĂ€her beieinander. Am Grund der HĂ€userschluchten Obenzas vegetiert ein Morast von Armut und Verbrechen, wĂ€hrend reiche Bandenbosse durch die blĂŒhenden DachgĂ€rten flanieren.
Freie Stadt Obenza
Nirgendwo sonst liegen GlĂŒck und Verderben nĂ€her beieinander. Am Grund der HĂ€userschluchten Obenzas vegetiert ein Morast von Armut und Verbrechen, wĂ€hrend reiche Bandenbosse durch die blĂŒhenden DachgĂ€rten flanieren.
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Vicarri
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Re: JOZOs - TAGEBUCH

#11

Beitrag von Vicarri » Sa 13. Mai 2017, 14:20

Der Schakal -- 200 n.d.A.

Die Jagd auf Linichi hatte in Obenza in den unteren Gefilden begonnen. Genau jener Linichi war Jozos Ziel. Die erste Verfolgung hatte er vermasselt und ihn versehentlich gewarnt.

Inzwischen war Linichi scheinbar ĂŒber alle Berge.

Jozo hatte seine Spur durch die Distrikte ObenzaÂŽs verfolgen können. Aber Obenza war eine vertikale Welt fĂŒr sich, ein unĂŒbersichtliches Labyrinth, in dem man mĂŒhelos untertauchen konnte. Nichts was Jozo besser wusste.

Sie hatten einen Tag damit verschwendet, in den örtlichen Spielhöllen und Bordellen nach einem Hinweis zu suchen. Sie hatten das Bild Huren, Dealern, Bettlern, Ganoven und Pennern gezeigt.

Sie waren nicht besonders vorsichtig vorgegangen, aber dass musste man in Obenza auch nicht sein. Gesucht wurde hier immer irgendwer, von irgendwem – das war nichts besonderes.

Zwar hatten sie noch keine Spur, aber eine Jagd die Jozo anfing fĂŒhrte er auch zu Ende, wenn ihn vorher nicht die Lust verließ.

Schließlich bot ihm ein kleiner Hehler einen Handel an. Er machte im hinteren Bereich eines Clubs im untersten Bezirk seine GeschĂ€fte, wozu auch gehörte LinichiÂŽs Taler zu waschen.

Danach hatte sich Linichi zurĂŒckgezogen, um Gras ĂŒber „die Sache“ wachsen zu lassen.

Der Hehler behauptete, er wĂŒsste wo man Linichi finden wĂŒrde. Gegen eine kleine GefĂ€lligkeit wĂŒrde er selbstverstĂ€ndlich bereit sein, diese Information an Jo weiterzugeben.

Jozo hörte aufmerksam zu, als der Kerl ihm in Detail beschrieb, an was fĂŒr eine Art Bezahlung er da dachte.

Aber das, was er verlangte, war Jo einfach zu intim, zu persönlich, sowas machte er mit anderen und ließ es nicht mit sich machen. Stattdessen streckte er seinen Arm ĂŒber den Tresen und packte den Typen am Hinterkopf.

Gerade als er die Stirn des Hehlers zum fĂŒnften Mal auf die Tischplatte knallen wollte, fiel diesem ein wo sich Linichi aufhielt.

Linichi hatte sich in die "Freihandelszone" des untersten Distriktes zurĂŒckgezogen. Man fand ihn gewöhnlich im Club zum leckeren Langfinger wo er seiner Spielsucht und den Damen frönte.

Vicarri bedankte sich fĂŒr die Information und beide verließen den Hehler. Sie liefen fast den ganzen Tag durch die unteren Bezirke, ehe sie ankamen und sich an die Arbeit machten.

Der Club war ein reines Klischee. Die Musik war so laut, dass man brĂŒllen musste um sich zu verstĂ€ndigen. Die Beleuchtung war gedĂ€mpft, pulsierte aber in unregelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden ĂŒber die TanzflĂ€che und die Spieltische.

Der Laden war extrem ĂŒberfĂŒllt. Die meisten GĂ€ste waren Touristen, die sich den Kitzel des Verruchten und Gesetzlosen aussetzen wollten. Man konnte zig Sprachen von zig Völkern aufschnappen.

An den dicht gedrĂ€ngten Tischen wurde Karten gezockt. Hinter den Tischen befand sich eine BĂŒhne, auf MĂ€dchen zu seltsamen Rhythmen tanzten oder besser gesagt tanzen mussten.

Ein schwitzender, kleiner Glatzkopf forderte Jo mit einem Zwinkern zum Tanzen auf und wedelte mit einer dicken Geldkatze.

Jozo nahm das Geld und ließ den Mann einfach stehen, was Vicarri losprusten ließ. Der Kerl motzte und schimpfte hinter Jo her, aber ihm war es gleich.

Hinter der BĂŒhne fĂŒhrte eine Treppe hinunter. Sie wurde von einem menschlichen TĂŒrsteher bewacht. Jozo drĂ€ngte sich durch die Menge zu ihm hin und hielt ihm Linichis Bild unter die Nase.

„Schon mal gesehen?“, fragte der Goblin.
Der Bursche guckte nur finster, sagte aber keinen Ton.

„Hör zu, der Kerl wird wegen Mordes gesucht. Er hat eine vierköpfige Familie bestialisch abgeschlachtet – einziger Überlebender der Großvater. Der alte Mann schickt mich. Also mach das Maul auf“, ranzte Jozo.

`Eigentlich ist er der einzige Überlebende des Massackers und der Mörder bist Du Jozo, aber die Geschichte klingt auch gutÂŽ, dachte Vicarri gut gelaunt.

Der große Kerl blinzelte fĂŒr einen Moment, ehe er sich wieder gefasst hatte. Aber das Zeichen von Mitleid, wenn auch nur fĂŒr einen Sekundenbruchteil, reichte Jozo aus.

Ohne ein weiteres Wort wollte er sich an dem TĂŒrsteher vorbeischieben, doch dieser stellte sich ihm und Vicarri in den Weg.

Mit Daumen und Zeigefinger drĂŒckte Jo blitzartig fest auf eine bestimmte Stelle aufs SchlĂŒsselbein des Kerls, und der riesige Brocken war eher auf den Knien als er sich vermutlich je trĂ€umen ließ. Und dass ohne ĂŒberhaupt noch Widerstand leisten zu können. Seine Nerven waren paralysiert.

„Ist das nötig fĂŒr so ein StĂŒck Scheiße? Rutsch zur Seite, dann ĂŒberlebst Du. Komm mir dumm und ich schlachte Dich aus“, sagte Jo.
„Ich hab nichts gesehen“, sagte der TĂŒrsteher und zog sich Ă€chzend zurĂŒck.
„Wir auch nicht“, sagte Vicarri und folgte Jozo auf dem Fuße.

Sie gingen die Treppe hinunter und erreichten einen Gang, der mit einem grauenvollen bunten Teppich ausgelegt war. Die Tapeten waren vergilbt und alles erinnerte an den Slum den die unteren Gefilde darstellten.

"Jo das heißt ich schlachte Dich ab, nicht ich schlachte Dich aus", grinste Vic.
"Kleiner Klugscheißer", grinste Jo zurĂŒck.

Sie nĂ€herten sich vorsichtig der ersten TĂŒr, flankierten sie links und rechts und klopften. Es kam keine Antwort, aber die hatten sie auch nicht erwartet. Jozo stieß sich an der Wand ab, holte aus und trat mit voller Wucht dicht unter das Schloss.

Die TĂŒr krachte samt Rahmen in das Zimmer. Mit erhobenen ArmbrĂŒsten standen die beiden im Raum, aber es war niemand drin, den sie hĂ€tten hinrichten können.

„Eins weiter komm“, sagte Vicarri und schlich langsam vor.

Diesmal folgte ihm Jo. Sie gingen zur nĂ€chsten TĂŒr und konnten gerade einmal klopfen, als eine Armbrustsalve durch die TĂŒr antwortete.

Die TĂŒr zersplitterte und Vicarri und Jo mussten gegen ihren Willen breit grinsen. Das war nach ihrem Geschmack. Wenn so ein Mistbock auch noch Widerstand leistete, gab es ĂŒberhaupt keinen Grund mehr sich zurĂŒckzuhalten.

Spontan schrie Vicarri mit so viel Schmerz und Gejammer auf, wie er aufbringen konnte.

„Bei Ainuwar, ich verblute“, kreischte er und Jo biss sich in den Ärmel seiner Jacke. Sie hörten GelĂ€chter und das Nachladen der Waffe.

Linichi betrat den Gang, die Armbrust im Anschlag, die Waffe auf sein vermeintliches Opfer gerichtet. Er konnte gerade noch erkennen, dass der Bursche gar nicht getroffen war, als ihm Vicarri die Handkante brutal ins Gesicht schlug.

LinichiÂŽs Kopf prallte gegen den TĂŒrrahmen und Jozo trat ihm gegen das rechte Knie, wĂ€hrend er ihm mit der linken Hand die Armbrust aus der Hand riss. Beide Manöver liefen fließend ab. Vicarri und Jo arbeiteten wie geschmiert zusammen.

Keine Minute spÀter nach seinem Schuss, lag Linichi auf dem Boden und seine eigene Armbrust zielte auf ihn. Jozo umrundete ihn, und deutete Vicarri an den Gang zu sichern.

Er schaute kurz in das Zimmer, in dem eine kleine, bleiche Golbin lag. VerĂ€ngstig hatte sie sich in die Decke gehĂŒllt und starrte ihn mit großen Augen an. Jo nickte Richtung Hinterausgang und warf der kleinen, grĂŒnen Frau die Armbrust zu.

„Lauf Kleine, so lange Du noch kannst. Und töte alles, was sich Dir in den Weg stellt. Hau ab. Geschenk vom gelben Goblin“, grinste Jozo.

Sie schlang sich in ihren dĂŒnnen Fetzen, grabschte sich die Waffe und stĂŒrmte an ihnen beiden vorbei. Nicht ohne noch fĂŒr einen Sekundenbruchteil stehen zu bleiben und Jozos Schulter zum Dank zu drĂŒcken.

"Enni, mein Name ist Enni", flĂŒsterte sie.
"Jozo", gab der gelbe Goblin zurĂŒck.

Enni nickte und rannte davon.

Jo wiederrum drĂŒckte seine Armbrust in den Nacken von Linichi.
„Die HĂ€nde hinter den RĂŒcken Du Wixxer. Du weißt ja wieÂŽs lĂ€uft“, fauchte er.
Widerwillig gehorchte Linichi. Mit Handschellen fesselte Jozo ihm die Arme auf den RĂŒcken.

„Aufstehen“, befahl Jozo.
„Lass mich gehen“, sagte Linichi, wĂ€hrend er dem Befehl gehorchte, „Es ist nicht so wie Du denkst, ich habe den Kindern nichts getan“.

„NatĂŒrlich nicht, das war ich Du Trottel. Beweg Dich. Die Treppe rauf und zwar langsam“, zischte Jo.

Linichi setzte sich in Bewegung. Er drehte seinen Kopf gerade so weit, um noch erkennen zu können wohin er lief, und behielt trotzdem Jozo im Auge.

„Ich schwöre ich halte dicht, ich habe Dich nie gesehen“, versuchte es Linichi erneut.
„Interessiert mich nicht. Du lebst so lange Du lĂ€ufst Linichi, nicht lĂ€nger“, sagte Jozo kalt.

Linichi schĂŒttelte den Kopf.

„Ich kann Dich bezahlen. Wie viel willst Du?“, fragte der Kerl.
„Fataler Fehler. Mir gehts darum, dass Du fĂŒr immer die Schnauze hĂ€ltst. Ich will Dich nur tot sehen, mehr nicht“, grinste Jozo.
„NatĂŒrlich geht es Dir ums Geld. Du bist doch KopfgeldjĂ€ger oder?“, fragte Linichi.
„Ich? Nö. Sehe ich so aus? Nur JĂ€ger, nicht mehr nicht weniger und jetzt haltÂŽs Maul. Du beginnst mich zu langweilen“, sagte Jo desinteressiert.

Sie waren ungefĂ€hr auf der HĂ€lfte der Treppe, als er den Rausschmeißer sah. Er gab ihm ein Zeichen und blockierte fĂŒr jemand anderes den Weg. Jozo konnte nicht erkennen, was sich hinter dem breiten Typen abspielte.

Plötzlich Ă€nderte sich die AtmosphĂ€re. Es war schlagartig totenstill in dem Club. Niemand war mehr zu hören. Die Schreie und das GelĂ€chter der GĂ€ste waren verstummt. Das verhieß nie was Gutes.

„Runter“, befahl er Linichi.

Hinter Linichis verwunderten Gesichtsausdruck konnte Jo sehen, wie der TĂŒrsteher zu Boden ging. Dahinter kam ein Mann zum Vorschein. Er war groß, schlank, mit breiten Schultern. Dieser Eindruck verstĂ€rkte sich noch durch die SchutzrĂŒstung und Panzerung die er trug.

Seine RĂŒstung war mattschwarz, ebenso sein Helm. An seinem GĂŒrtel hing eines der teuersten und besten Kampfmesser. Eine Repetierarmbrust steckte in einem Brusthalfter und ein rasiermesserscharfes, dĂŒnnes Schwert hatte der Kerl gezogen.

In dem Moment wusste Jozo, dass er nicht nur einfach Ärger bekommen wĂŒrde.
Er wusste, dass er bis zum Hals in der Scheiße steckte.

Der Mann gehörte den schwarzen Panthern an.
Sie gehörten der absoluten Elite der KopfgeldjÀger an.

Die BĂŒttel, die anderen ZĂŒnfte, die Vollstrecker oder selbst die Meuchelmörder mit denen man es schlimmstenfalls zu tun bekommen konnte, waren ein Witz gegen diese Burschen.

Schwarze Panther wurden aus sĂ€mtlichen Assassinen-ZĂŒnften rekrutiert. Ein Killer mit fast 100 Prozent Erfolgsquote und unumstĂ¶ĂŸlicher LoyalitĂ€t – sowas fand man in ihren Reihen.

Sie waren das Beste vom Besten, sowohl was ihre Bewaffnung als auch ihr Training und ihre Taktik anging. Sie waren die Gilde, die man dann anheuerte, wenn ein eigener Assassine die Flucht ergriffen hatte und man ihn zu Fall bringen musste.

Sie waren jene JÀger und Killer, die ausgebildet waren Killer zu jagen und zu töten.
Und sie zu beauftragen, war gewaltig teuer.

Innerhalb einer Millisekunde pumpte das Adrenalin diese Fakten in Jozos Hirn.
Die Treppe war eine Todesfalle.
Der Panther war bestimmt nicht allein.
Normalerweise arbeiteten sie im Quartett, was ihre tödliche Effizienz noch steigerte.

Noch wĂ€hrend Jozo ĂŒberlegte, fluchte er vor sich hin. Die geplante Fluchtmöglichkeit aus dem Club konnte er nicht nutzen, ohne der kleinen Frau und Vicarri in den RĂŒcken zu fallen. Er wĂŒrde vermutlich beide noch brauchen, er konnte sie nicht wegwerfen. Er musste einen anderen Weg finden.

Zu spÀt. Jo zuckte zusammen, als der Panther sein Schwert auf Jo richtete.

„Jozo Yamanlar“, sagte der schwarze Panther.
Der Helm verzerrte seine Stimme seltsam ins tonlose.

„Sie sind verhaftet. Sie werden des 204fachen Mordes beschuldigt und abgeurteilt. Lassen Sie Ihre Waffe fallen, ich bin berechtigt Sie notfalls zu töten. Geben Sie auf, dann wird Ihnen nichts geschehen.
Laut Suchprotokoll sind Sie in malgorische Sicherheitsverwahrung zu ĂŒberstellen. In Abwesenheit wurden Sie zur lebenslangen Sicherheitsverwahrung verurteilt, aufgrund Ihrer Geisteskrankheit. Sobald Sie gesichert sind, können Sie das Urteil einsehen“, sagte der Panther freundlich.

„Du ich glaub der meint Dich“, lachte Linichi.
„Halt die Fresse“, fauchte Jozo.

Jo war mehr als unzufrieden und ließ seine Armbrust fallen.

„Sehr gut. Nehmen Sie die HĂ€nde ĂŒber den Kopf und verschrĂ€nken Sie die Finger“, befahl der Panther. Jozo gehorchte. Er versuche, die Kontrolle ĂŒber die Situation zu behalten.

„Sie haben den Falschen erwischt
“, setzte er an.
„RUHE!“, bellte der schwarze Panther.

„Laut Protokoll Ihres Krankheitsbildes sind Sie manipulativ. Dass heißt sollten Sie noch einmal ungefragt das Wort an mich richten oder sollten Sie nochmal versuchen mit mir zu kommunizieren, muss ich das als Widerstand werten und werde Sie sofort exekutieren. Haben Sie das verstanden? Sie dĂŒrfen antworten“, sagte der Panther wieder freundlich.

„Ja verstanden“, antworte Jozo zerknirscht.

Linichi warf sich in die Brust.

„Sire Entschuldigung, aber dĂŒrfte ich bitte aus der Schusslinie treten?“, fragte er geradezu schleimig.

„NatĂŒrlich“, gestattete der Panther und legte seinen Kopf schief, als lausche er etwas unhörbarem, wĂ€hrend sich Linichi neben den schwarzen Panther stellte und Jozo ein hĂ€misches Grinsen zu warf.

„Sind Sie nicht Linichi der „GlĂŒcksspiel-GlĂŒckspilz“?“, fragte der Panther.
„Richtig der bin ich. Ein Profi auf meinem Gebiet. Die Karten sind meine Leidenschaft wissen Sie?“, erzĂ€hlte Linichi leichthin.

„Genau wie Betrug in 117facher Form. Fahnungsobjekt 72.335 laut Liste“, sagte der Panther und feuerte eine Salve aus seiner Armbrust in die Brust von Linichi. Der Mann kippte tot zur Seite weg und man hörte Angstschreie von den MĂ€dchen auf der TanzflĂ€che.

Ein kurzes befehlendes Bellen ertönte von einem anderen schwarzen Panther und sofort waren sie leise.

Jo musterte Linichi und grinste ĂŒber beide Ohren.
"Der GlĂŒcksspiel-GlĂŒckspilz, man hatte der ein GlĂŒck", murmelte Jozo und zuckte mit den Ohren.

„FĂŒr ihn stand keine Ergreifung, sondern eine Liquidierung aus. FĂŒr Sie steht eine Inhaftierung aus, samt anschließender Sicherheitsverwahrung. Dass Sie nicht auf dem Block enden, verdanken Sie Ihrem Vater. Zudem werden Sie auch zum Schutz der unbescholtenen BĂŒrger und zur Erforschung Ihrer Krankheit dem Tempel ĂŒberstellt.
Ich denke damit können alle Seiten "leben". Drehen Sie sich um und gehen Sie die Treppe hoch Jozo. Vermeiden Sie alle plötzlichen Bewegungen. Wenn Sie versuchen mich zu treten oder zu fliehen, werde ich das Feuer eröffnen“, sagte der Mann wieder in seinem höflichen Singsang.

"Das ist fair, denn ich habe noch nie beim Kartenspielen gemogelt", murmelte Jozo.

Die Erkenntnis, dass er gefangen war, dass es keinen Ausweg gab, erfĂŒllte Jozo mit Angst. Er drehte sich um, kĂ€mpfte gegen die aufsteigende Panik an und ging Stufe fĂŒr Stufe die Treppe hinauf.

Als er oben angelangt war, hörte er Metall an Metall reiben und erschrak. Sie wĂŒrden ihn fesseln. Logisch sie wollten, dass er sich nicht bewegen konnte. Er spĂŒrte den Lauf der Armbrust im Nacken und hörte den Befehl still zu halten.

HĂ€nde griffen nach ihm und fassten so hart zu, dass Jo die Gewalt dahinter spĂŒrte. Die "stĂ€hlernen HĂ€nde" befingerten seine HĂŒfte und nahmen ihm seine zwei Messer ab. Die HĂ€nde setzten ihre Suche fort, wanderten ĂŒber seinen RĂŒcken, seinen Nacken, ĂŒber seinen SchĂ€del und die Arme hinunter – bis er komplett abgetastet war.

„Jetzt sind Sie sauber“, sagte der Panther wĂ€hrend ein zweiter sich zu ihm gesellte und ihm die Handschellen reichte.

„Ich geh auf Nummer sicher und nehm die aus Leder. Ich denke doch dass unser Freund seine HĂ€nde nicht verlieren möchte und dann kooperativ bleibt – richtig? Antworten erlaubt“, sagte der erste Panther.
„Ich kooperiere doch schon“, sagte Jozo gleichmĂŒtig.

„Kann man das als Widerspruch werten? Er sagte zwar er kooperiert, aber die Worte klangen wie Widerworte. Wir sollten ihn disziplinieren. Ließ seine Akte, er sollte nicht in Haft kommen Jurig, glaub es mir. Das Ding ist ein Monster, ein kranker Irrer, ein schwebendes Schwert ĂŒber unschuldigen HĂ€uptern“, warf der zweite Panther ein.

`Wie poetischÂŽ, grummelte Jozo gedanklich.

„Kooperation, ist kein Widerstand. Und Vertrag ist Vertrag. Sollte unser quittegelber Freund erneut ausbĂŒchsen, fangen wir ihn wieder ein und streichen noch mehr Taler ein. Also was schert es uns“, sagte der erste Panther.

„Der Kerl ist ein kriminelles, mordendes, irres Subjekt. Dann sollten wir ihn wenigstens lebend unschĂ€dlich machen. Er muss doch nicht bei voller Gesundheit sein, wenn er vor den Richter tritt oder? Er ist gestĂŒrzt, hat sich das RĂŒckgrat gebrochen. Ab dato ist die Gefahr vorbei. Irgendwas
 Du verstehst schon“, lachte der zweite Panther.

„Was hast Du gesagt? Wir haben einen Ruf zu verlieren“, hakte der erste Panther nach.
„Schon verstanden“, antwortete der zweite.

Die HĂ€nde griffen erneut nach Jozo. Dieses Mal packten sie sein rechtes Handgelenk. Mehr konnte er nicht ertragen. Die Erinnerung an seine damalige Gefangenschaft im Tempel kam ihm wieder hoch. Nichts was er mehr verabscheute als angekettet, eingesperrt oder wem hilflos ausgeliefert zu sein.

Sie hatten versucht in Gefangenschaft seinen Willen zu brechen. Die Erinnerung, wie sie ihn halb tot gefoltert hatten nur um ihn zu heilen und es erneut zu versuchen, so lange bis er einknicken wĂŒrde kam ihm wieder hoch.

Die Erinnerung an Schmerzen, die er sich vorher nicht mal vorstellen konnte. Sie wollten ihn brechen, eine ihrer Marionetten aus ihm machen. Er war nicht eingeknickt, er wĂŒrde auch diesmal nicht einknicken.

Zur Hölle mit dem Pack, sollten sie ihn eben umnieten. Als das er sich brechen lassen wĂŒrde von diesen UnwĂŒrdigen!

Er brĂŒllte vor Wut, Angst und Zorn auf. Er wand sich, duckte sich und drehte sein Handgelenk so lange herum, bis er den Panther in seiner Gewalt hatte und nicht umgekehrt. Wie viele Handknochen er sich dabei brach war ihm im Moment egal, es war kein Vergleich zu dem, was sie ihm im Tempel erneut antun wĂŒrden.

Mit Schwung warf er den schwarzen Panther ĂŒber die Schulter und renkte sich beinahe das Kreuz aus, da der Kerl wesentlich schwerer war, als seine Statur vermuten ließ.

Als er sich umdrehte, explodierte ein rotes Feuerwerk hinter seinen Augen. Ein weiterer Schlag schickte ihn auf die Knie.

Jozo blinzelte und blickte auf. Der erste Panther richtete sich wieder auf und zwei weitere kamen hinzu. Das Quartett war zusammen. Wieder wurde er von einem Schlag getroffen, diesmal am Kinn. Er lag mit dem Gesicht auf dem Boden und konnte den verschĂŒtteten Schnaps riechen.

StĂ€hlerne HĂ€nde, eigentlich HĂ€nde in Stahlhandschuhen - griffen brutal nach ihm und verzweifelt versuchte er sich zu befreien. Er trat wie besessen um sich, erwischte einen der drei Panther vor der Brust mit einem brutalen Kick und dieser folg rĂŒckwĂ€rts die Treppe runter.

Der Kerl versuchte noch sich abzufangen, aber seine zu Klauen geformten Finger griffen ins Leere. Bis zu Jozo und den Panthern oben konnte man das Brechen seines Genicks hören.

Die Gesichter der drei verbleibenden Panther unter den Helmen wollte sich Jo in dem Moment lieber nicht ausmalen. WĂŒtend schlugen und traten sie auf ihn ein und er versuchte sich so gut es ging zu wehren. Aber irgendwann hatte kaum noch Kraft.

Er wurde wie ein StĂŒck Fleisch auf den Boden geknallt und ein Panther trat ihm mit dem Stiefel in den Nacken, wĂ€hrend das Gewicht von den beiden anderen auf seinem RĂŒcken seinen letzten Widerstand brechen sollte.

Er konnte Blut in seinem Mund schmecken. Er hob minimal den Kopf und blickte auf den Kampfstiefel des einen Panther.

Der Club war inzwischen völlig leer


bis auf Vicarri, den er durch den Rauchstangendunst auf sich zukommen zu sehen glaubte.

Jozo fragte sich, ob er aufgrund der SchlĂ€ge halluzinierte. Vic trug ebenfalls eine dieser ArmbrĂŒste. Dann glaubte er zu sehen, wie Vic das Feuer eröffnete.

Die Panther waren zu vier Mann angerĂŒckt. Vicarri hatte unten Stellung bezogen um den Fluchtweg zu sichern, als neben ihm der Kerl in schwarzer Montur aufschlug, als sei er vom Himmel gefallen.

Er hatte sich sofort die Waffe gegriffen, und war nach oben geschlichen. Einfach loszustĂŒrmen, war bei diesen Leuten zu riskant. So hatte er wenigstens den Überraschungsmoment auf seiner Seite, und zweitens vertraute er voll und ganz auf die FĂ€higkeiten von Jozo. Er wusste wie tödlich Jo sein konnte, wenn er nur wollte.

Er sah ihn, sobald er wieder in dem Gang war. Sein Anblick erschĂŒtterte Vicarri und er empfand Mitleid mit seinem Kerl. Seine Kehle schnĂŒrte sich zusammen und er spĂŒrte den bitteren Geschmack des Adrenalins in seinem Mund.

Sie hatten Jozo umzingelt, und zwei von ihnen drĂŒckten ihn mit ihren Knien auf den Boden. Ganz so wie in seinem schlimmsten Alptraum.

Scheiß Panther in ihren AlptraumrĂŒstungen. Ihre RĂŒstungen waren sowohl darauf ausgelegt sie zu schĂŒtzen als auch Respekt einzuflĂ¶ĂŸen und Jozo sah in diesem Moment wirklich winzig gegen sie aus, was Vicarris BeschĂŒtzerinstinkt wachrief.

Aber das war nicht das Schlimmste. Das Schlimmste war, das Jo aus Mund und Nase extrem blutete und erneut versuchte, wieder auf die Beine zu kommen.

Jozo gab nicht auf!
Vicarri wusste, dass Jo nie aufgeben wĂŒrde, sie wĂŒrden ihn totschlagen.

Vicarri zielte auf den Hals des nÀchsten Panthers. Er wusste aus leidiger Erfahrung, dass die Panther einen Nackenschutz trugen. Dieser Schutz hielt allem stand, allerdings nicht ihren eigenen Spezialwaffen. In ihren Augen war es unmöglich einen der ihren zu entwaffnen.

Die Bolzen in diesem Magazin waren Spezialanfertigungen.
Normalerweise schoss Vicarri nicht mit einer Armbrust und schon gar nicht mit solchen Waffen. Erstens war es bei seinem Job nicht nötig und zweitens hatte er gar kein Geld fĂŒr solche Spezialwaffen.

Er wĂŒrde mehrfach nachsetzen mĂŒssen. Vicarri eröffnete das Feuer. Ein Schwarm von Bolzen durchbohrte den Hals des ersten Panthers und dieser stĂŒrzte tot zu Boden.

Er nutzte den Überraschungsmoment aus und konnte auf einen weiteren der MĂ€nner feuern. Er durchsiebte dessen Brust und brachte ihn mit sechs Treffern zu Fall.

Als der letzte der Panther das Gegenfeuer eröffnete sprang Vicarri in Deckung. Er hörte Glas und Holz splittern, der LĂ€rm der Waffe wurde von der Musik ĂŒbertönt die immer noch irgendwoher dröhnte.

Vicarri sprintete von Deckung zu Deckung wĂ€hrend ihn der Panther verfolgte. Vic konnte die SchĂŒsse die ihn knapp verfehlten, mehr fĂŒhlen als hören. Gerade als er dachte er wĂŒrde es schaffen aus der Situation lebend herauszukommen war der Panther ĂŒber ihm.

„Was fĂŒr ein idiotischer Tod“, murmelte Vicarri leise wĂ€hrend der Panther auf ihn herab starrte.

Die Sekunden zogen sich immer mehr in die LÀnge, als er auf den tödlichen Bolzen wartete. Vicarri fragte sich warum er noch lebte und der Panther nicht schoss. Worauf wartete der Kerl eigentlich?

Vicarri wirbelte herum, sprang in eine weitere Deckung und war bereit erneut zu feuern. Wozu jedoch ĂŒberhaupt kein Grund mehr bestand. Der schwarze Panther ließ seine Armbrust fallen. Als Vicarri ihn genau musterte erkannte er, dass nun Jozo hinter dem Kerl stand und ihm die Armbrust eines Kollegen in den Nacken drĂŒckte.

"Alles in Ordnung Vic?", fragte Jozo und zog die Nase hoch.
"Alles gut Jo", antwortete Vicarri.
"Komm her, ist Deine Beute Baby", sÀuselte Jo und rotzte Blut weg.

Vicarri gesellte sich zu Jozo und starrte auf den Panther herab.

„Nimm den Helm ab“, befahl er.
„Sich zu demaskieren ist verboten“, sagte der Mann tonlos.

„Nun Du kannst es jetzt tun, oder ich pumpe Dir eine Salve in den SchĂ€del und guck dann selber nach. Was meinst Du? Wie wollen wir vorgehen?“, fragte Vicarri und stieß ihm den Lauf der Waffe in die Rippen.

„In Ordnung. DafĂŒr muss ich die HĂ€nde hochnehmen, ich werde nicht angreifen“, sagte der Mann. Er nahm langsam den Helm ab und bewegte sich dabei wie in Zeitlupe um seinen Feinden keinen Grund zum feuern zu liefern.

Jozo musterte den Kerl. Musterte die seltsame Narbe auf der Stirn.

„Guck hoch“, befahl Jo.

Der Panther gehorchte. Was immer der Helm sonst auch verbarg, der Panther darunter war trotz modernster RĂŒstung auch nur ein Mensch. Der Blick des Panthers verriet aber weitaus mehr.

Er hatte nicht nur den Kampf verloren, seine Augen sagten Jo und Vicarri, dass er mit dem Tod seiner drei Kameraden alles verloren hatte.

„Wenn Du lange genug geglotzt hast, bring es zu Ende „gelber Goblin“.
Schreib Dir auf die Fahne, dass Du kranker Bastard vier schwarze Panther getötet hast. Du und der Schakal, meine Hochachtung!

Ich wĂŒrde Euch ja gerne vor Ehrfurcht vor die FĂŒĂŸe kotzen, aber leider habe ich nichts gegessen vor dem Einsatz. Ich hoffe Ihr nehmt mir das nicht krumm“, zischte der Kerl.

„Nö, nicht sonderlich“, sagte Vicarri trocken und riss den Abzug durch.

Jozo betrachtete Vicarris Werk und nickte anerkennend.

„Du hast mir den Arsch gerettet Baby, heute Nacht komplett Deine Spielregeln Vic. Dein Rufname ist der Schakal? Klingt gut. Ich bin der gelbe Goblin", lachte Jo.
"Angenehm", grinste Vic.

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Re: JOZOs - TAGEBUCH

#12

Beitrag von Jozo » Sa 20. Mai 2017, 21:07

Nudeln -- 202 n.d.A. Kalthorst/Taverne zum alten Alfons

ErzÀhler - Jozo

Ü18/Link:
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Re: JOZOs - TAGEBUCH -- 202 n.d.A./Kalthorst

#13

Beitrag von Jozo » So 21. Mai 2017, 13:10

Vaters Sohn

Aufgelöst und ziemlich kopflos rannte der kleine Tiefling in der Wohnung auf und ab. Er zitterte am ganzen Leib und kaute geistesabwesend immer wieder an seinen Fingerklauen. Endlich klopfte es an der TĂŒr. Einmal, kurz, kaum hörbar aber fĂŒr seine Ohren klang es wie die Verheißung der puren Erlösung.

Schnell stĂŒrmte er zur TĂŒr, öffnete sie einen Spaltbreit und ließ den gelben Goblin hinein. Direkt hinter ihm schloss er die TĂŒr wieder. Jozo schaute sich in der Wohnung um und witterte. Blut, Unmengen von Blut. Der Geruch alleine zauberte dem gelben Goblin ein Grinsen ins Gesicht. Er ging geradezu beschwingt in den angrenzenden Raum, der Geruchsspur folgend.

Ein Mensch lag abgeschlachtet auf dem Boden. Eine Decke lag unter dem Kerl, aber diese hatte sich bereits voller Blut gesogen. Jozo musterte das Werk, seine Ohren zuckten vergnĂŒgt.

Banekin gesellte sich sofort an die Seite seines Vaters und deutete auf den Mann.

"Papa hilf mir. Ich weiß nicht was ich tun soll. Es ist schrecklich", wisperte der kleine Tiefling.

"Alles gut, mein erstes Opfer war genauso unsauber", antwortete Jo und tappste Banekin aufmunternd auf den SchÀdel um ihn zu beruhigen.

"Nein...", setzte Bane verzweifelt an, aber Jo unterbrach ihn direkt.
"Stimmt. Meins sah besser aus. Hey, das ist Übungssache. Wie alles im Leben. Zuhören Knirps. Zuerst musst Du lernen sauber zu arbeiten. Du musst so sauber arbeiten, als wĂ€rst Du eine Maschine, ein Konstrukt, ein Ding.

In Perfektion musst zu zustechen und schneiden. Jeder Schnitt muss sitzen. Die Schnelligkeit Kleiner, die kommt dann von ganz allein. Ehe ich es vergesse, Vic hatte Recht. Du bist ein Teil von mir. Dein Opfer ist mein Opfer. Respekt, gute Leistung Bane", freute sich Jozo aufrichtig.

"Papa guckt doch hin!", sagte der Tiefling aufgelöst.
Jozo schaute sie den Toten genau an, witterte und zuckte dann mit den Schultern.
"Ich verstehe nicht", gab er zu.

"Der Mann hat Mama erpresst. Er hat gesagt, wenn wir nicht jeden Monat 100 Taler bezahlen, wĂŒrde er die Taverne in Kleinholz verwandeln. Da habe ich ihm gesagt, ich gebe ihm das Geld. Hier war der vereinbarte Treffpunkt. Ich wollte verhandeln, weil so viele Taler habe ich nicht.

Da ist er wĂŒtend geworden, hat mich angegriffen und auf mich eingeschlagen. Mein Messer war auf einmal in meiner Hand und dann lag er da...", schniefte Banekin.

"Jetzt verstehe ich. Du darfst doch nicht ehrlich verhandeln! Wer bringt Dir so ein Mist bei? Dein Trick war gut. WĂ€hrend Du verhandelt hast, als der Penner noch arglos und nicht wĂŒtend war, da hĂ€ttest Du ihn schon abstechen mĂŒssen!
Freiquatschen nennt man das. Rede dem ein Kotelett an die Backe und mittendrin ohne jede Vorwarnung greifst Du an und schlachtest ihn ab. So ĂŒberrumpelt man wen!

Sieh die Prellungen als Lehrgeld fĂŒr Dein schlechtes Timing. Prellungen heilen, der ist tot", lachte Jo und knuffte Bane.

Bane blinzelte in Zeitlupe und zwirbelte an einem seiner langen Ohren.

"Aber Papa...", setzte er an.

"Sag nichts! Ich hab Deinen Fehler gefunden. Ich bin schon ein bisschen betriebsblind. Hab das Offensichtliche ĂŒbersehen. Der Kerl liegt noch hier, so bekommst Du den nie weggeschafft. Also wir zerlegen ihn jetzt in kleine PĂ€ckchen und dann schaffen wir ihn weg. Ich weiß auch schon wie wir ihn entsorgen. Schon mal ein HĂŒhnchen entbeint?", fragte Jo vergnĂŒgt glucksend.

Bane musterte seinen Vater einen Moment sprachlos.

"Bane starr mich nicht an wie ein Grenzdebiler! Antworte!", forderte Jo.
"HĂŒhnchen", fiepte Bane.

"Herje, Du bist doch hoffentlich nicht so ein "Haustiertyp"? Woher kommen wohl die Frikadellen? Das war auch mal Viehzeug. Der Kerl ist nichts anderes - Fleisch an Knochen! Bisschen viel auf einmal was?

Na gut. Dein Einstieg war gut, das Opfer groß und nun bist Du ĂŒberfordert. Deine Augen waren grösser als Dein Können.

Normal nicht mein Ding hinter anderen aufzurÀumen. Nein nein.
Aber da Du es bist, mach ich eine Ausnahme.
Verschwinde, ich kĂŒmmere mich hier um alles", sagte Jozo.

Ohne die Antwort von Bane abzuwarten, hockte sich der gelbe Goblin auf den Toten, zĂŒckte sein Messer und fing an ihn fachmĂ€nnisch zu zerlegen.
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Re: JOZOs - TAGEBUCH

#14

Beitrag von Jozo » Di 30. Mai 2017, 17:10

SĂŒĂŸkringel

Jozo hatte sein Opfer an der Kehle gepackt. Die Krallen des Goblins schlossen sich unbarmherzig um den Kehlkopf seines Opfers. Mit geradezu perversem VergnĂŒgen zĂŒckte er sein Messer und setzte es an die Gurgel des Mannes.

Jo wollte sich Zeit lassen bei dem Schnitt, jeden Millimeter ausgiebig genießen.

Zur Absicherung musterte er kurz die Gegend und erstarrte. Binnen eines Sekundenbruchteils riss er sein Opfer herum und drehte dessen SchÀdel zu einem Schaufenster.

"Schau Dir das an!
Zwei SĂŒĂŸkringel zum Preis von einem!
Ich werd feucht im Schritt!
Sattessen!
Was ein Angebot!
Ist das ein Angebot oder nicht?",
lachte Jo.

Sein Opfer nickte mit Untertassen großen Kuhaugen. Jozo ließ sein Opfer fallen und hĂŒpfte gut gelaunt Richtung BĂ€ckerei.

Der Mann rappelte sich auf und rannte wie besessen los. Er stolperte mehr ĂŒber seine eigenen Beine, als dass er tatsĂ€chlich rannte. Dabei kreischte er wie von Sinnen und verschwand um die nĂ€chste Ecke.

Jozo schaute ihm verdutzt hinterher.

"Ich hab mich auch ĂŒber das Angebot gefreut! Aber der Kerl, der ĂŒbertreibt echt", murmelte Jo kopfschĂŒttelnd.
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Re: JOZOs - TAGEBUCH

#15

Beitrag von Vicarri » So 4. Jun 2017, 16:23

Die Maske

Vicarri streichelte Jozo und kĂŒsste ihn zĂ€rtlich.

"Jo tust Du mir einen Gefallen?", fragte der grĂŒne Goblin.
"Kommt drauf an", antwortete Jozo und kraulte Vic.

"Sag mir einmal ehrlich was Du fĂŒr mich empfindest", bat Vic.
"Ehrlich? Du wĂŒrdest es nicht begreifen", grinste Jo.

"Doch. Und falls nicht, ich möchte es trotzdem hören", erklÀrte Vicarri.

Jozo setzte sich auf und musterte Vicarri. Er schaute den anderen Goblin ernst an.
Vic schaute zurĂŒck.

Er schaute das erste Mal in Jozos Gesicht ohne Maske. Ohne verstellendes LĂ€cheln, ohne tarnende Mimik, ohne einstudierte Gesten.

Er schaute in Augen mit einem tödlichen, dĂŒsteren Ausdruck.

Vicarri spĂŒrte das erste Mal ungefiltert, welche Art Wesen vor ihm saß.
Ein Raubtier, grausam, sadistisch, ohne einen Sinn fĂŒr Reue oder Schuld.
Ohne jede Form von Gewissen.

Solche Augen meinten Menschen, wenn sie von DÀmonen sprachen, wenn sie von dem Bösen sprachen.

Vicarri spĂŒrte die imense Gefahr die von Jozo ausging. Von seiner puren Anwesenheit und seinem fremdartigen Denken.

Die Gefahr war greifbar nahe, lag wie Strom in der Luft, dass man sie wie ein Kribbeln auf der Haut spĂŒrte.

Zeitgleich spĂŒrte Vic, dass ihn dieses Wesen nicht töten wĂŒrde. Die Gefahr galt jedem, war allumfassend. Aber ihm und wenigen AuserwĂ€hlten wurde Gnade zu Teil. Sie hatten Existenz verdient.

'Aber warum? Liebe?', ĂŒberlegte Vicarri und strich Jo ĂŒber den Kopf.
"Nein", antwortete Jo schlicht, als hÀtte er Vicarris Gedanken gelesen.

Vic musterte Jo. Er hatte ihn um diesen Einblick gebeten, dennoch kroch Angst sein RĂŒckgrat hoch.

Der Blick in schwarze, gnadenlose Augen. Man sagte den Augen nach, Spiegel der Seele zu sein. Jozos Augen spiegelten keine Seele, sie spiegelten einen Abgrund. Eine Hölle in deren Reich er unangefochtener Herrscher war, auf einem Thron aus verrottenden Leichen.

Er ließ sich Zeit mit der ErklĂ€rung.
Als Vic dachte, Jo wĂŒrde schweigen, sprach der Gelbe doch.

"Du hast einen hohen Wert fĂŒr mich Vicarri. Du bist nĂŒtzlich. Du bist gehorsam. Du bist effektiv. Du bist befriedigend. Du bist ein erstklassiges Allzweckwerkzeug. Kein fleischliches Werkzeug war mir jemals so nĂŒtzlich wie Du.

Niemand diente mir je besser als Du.
Niemand, wirklich niemand.

Kigyo und Du, Ihr seid mein liebster Besitz, meine Lieblingsspielzeuge. Erst nach Euch kommt Zwicki.

Ich wurde Deinen Verlust bedauern. Und ich wĂŒrde immer versuchen Deinen Verlust oder Deine BeschĂ€digung zu verhindern.

Solange Du intakt bleibst. Ansonsten werde ich Dich in guter Erinnerung behalten. Wenn es je so kommt Vic, dann werde ich Dein Gesicht verwahren",
flĂŒsterte Jo und strich mit den Fingerspitzen ĂŒber Vicarris Gesicht.

Es war eine sanfte, federleichte und zĂ€rtliche BerĂŒhrung, aber Vic spĂŒrte die eisige KĂ€lte dahinter.

Vicarri musterte Jozo erneut. Was immer Jozo tatsÀchlich war, er wusste es nicht. Vermutlich wusste es Jo selbst nicht einmal. Und trotz allem, trotz der Gefahr, der Fremdartigkeit, der KÀlte und des Abgrunds der in Jozo lauerte liebte er dieses Wesen.

Vic kĂŒsste Jo liebevoll auf den Mund.

"Danke", sagte er leise.
"Bitte", flötete Jo und schlackerte mit den Ohren.

Der Gelbe legte den Kopf schief, blinzelte und grinste.
Seine Maske saß wie immer perfekt.

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Re: JOZOs - TAGEBUCH

#16

Beitrag von Vicarri » Do 15. Jun 2017, 13:22

Badespaß -- 202 n.d.A. Obenza/Söldnerlager

Es war ein herrlicher Abend, unser Opfer saß im Badezuber und genoss das heiße Wasser. Er tauchte unter um sich den Stress von der Seele zu waschen.

Als Meqdarhan wieder auftauchte und sich das Wasser aus den Augen strich, ließ ihn ein gezwitschertes „Kuck-kuck“, hochfahren. Er blickte in Jozos und mein vermummtes Gesicht.

Wir hockten am Fußende des Zubers.
Jozo rĂŒhrte das Badewasser mit einem Zeigefinger um.

„Hallo Meq-MĂ€uschen“, flötete Jo gut gelaunt.

Meqdarhan wurde eiskalt trotz des heißen Wassers. Er setzte sich kerzengerade hin und schaute meinen Kerl an. Vermutlich hatte er an der gelben Pfote die in seinem Badewasser spielte erkannt, von wem er gerade Besuch hatte.

„Wer seid Ihr und was macht Ihr hier bekleidet im Badehaus? Was möchtest Ihr noch zu so spĂ€ter Stunde?“, fragte er freundlich um das GesprĂ€ch direkt wohlwollend zu beginnen.
„Du könntest mir sagen warum Du Firxas bei seinem Vorgesetzten angeschwĂ€rzt hast. Kein feiner Zug von Dir. Nein – nein“, sagte Jozo in einem kindlichen Singsang.

Er war mal wieder fast auf "der anderen Seite", kurzum er war voll drauf.
Der nackte TruppenfĂŒhrer im Badezuber starrte Jozo an und scheinbar wurde ihm kalt.

„Du musst eindeutig an Deiner FĂŒhrungsqualitĂ€t arbeiten“, erklĂ€rte Jo gespielt beleidigt.

„Mein Junge, dass verstehst Du falsch. Ich wollte Firxas doch nichts Böses. Aber es ist meine Pflicht die Disziplin der Gruppe aufrecht zu erhalten. Ich muss Fehlverhalten melden“, sagte Meqdarhan und hoffte Jozo wĂŒrde endlich seine Pfote aus dem Wasser nehmen, dass sah man dem Kerl an. Doch Jo schien ĂŒberhaupt nicht daran zu denken sondern moderte weiter im Badewasser rum.

„Fehlverhalten nennst Du seinen aufopfernden Dienst?
Wie mir ĂŒber meinen lieben Freund Firxas zugetragen wurde, geht er nachts allein Streife und jagt Verbrecher die in unser Gebiet eindringen! All jenen Abschaum die das schöne Obenza verschandeln und bedrohen! Meine geliebte Heimat!

Er schiebt sogar Dienst in Seplunken, Kneipen, Tavernen und Pfuffs, damit sich die Leute dort ohne Angst entspannen können. Ich zum Beispiel, bin sehr gerne in seiner beruhigenden NÀhe.

Er versieht seinen Dienst, damit solche StĂŒmper wie Du in Ruhe schlafen können. Da ist man morgens schon mal mĂŒde. Ich finde, man sollte den Mann vom FrĂŒhsport befreien. Ganz ehrlich. FrĂŒhsport ist niemandes Ding. Was meinst Du Meq?“,
fragte Jozo mit zuckersĂŒĂŸer Stimme.

„DarĂŒber lĂ€sst sich wirklich reden. Daran hatte ich nicht gedacht. Entschuldige bitte. Weißt Du was? Ich trockne mich schnell ab und werde noch heute mit Firxas darĂŒber sprechen. Wie findest Du das?“, sagte Meqdarhan vĂ€terlich gönnerhaft, stand schnell auf um aus dem Wasser zu steigen.

„Setz Dich mit Deinem fetten Arsch sofort wieder hin“, geiferte Jozo so bedrohlich, dass sogar ich neben ihm zusammenzuckte.

Der TruppenfĂŒhrer guckte Jo gequĂ€lt an, gehorchte aber sofort.

„Siehst Du Meq, so ist es gleich viel besser. So nackt rum zu stehen mit nasser Pelle, da holt man sich leicht den Tod“, sagte Jozo nun wieder vergnĂŒgt kichernd.

„Bitte, ich hab es verstanden. Ich war unfair zu dem Söldner. Es kommt nicht wieder vor. Bitte nimm die Hand aus dem Wasser und lass mich gehen. Wir vergessen die Sache einfach und fangen von vorne an.

Niemand wird was von der Sache erfahren, es hat keine Konsequenzen fĂŒr Euch. Das verspreche ich Dir. Mein Wort drauf. Niemand wird Euch verfolgen und Firxas wird morgens extra etwas mehr Zeit bekommen. Na wie klingt das?“,
versuchte es Meqdarhan.

Jozo legte den Kopf auf den Zuberrand und guckte den TruppenfĂŒhrer traurig an.

„Schade Meq, irgendwie hast Du mich nicht ĂŒberzeugt. Ich war schon immer ein harter Kritiker, weißt Du? Mein Urteil fĂŒr Dein erbĂ€rmliches Schauspiel: Meq muss weg. Gute Reise und grĂŒĂŸ den alten Ainuwar“,kicherte Jozo.

Mit diesen Worten grabschte Jozo dem alten Mann in die Haare und drĂŒckte ihn unter Wasser. Der Kerl strampelte wie wild und Wasser spritze in alle Richtungen.

"Eh sein Bruder glaub ich, kenn ich!", lachte Jozo irre.
"HĂ€, woher kennst Du dessen Bruder?", fragte ich durcheinander.
"Letzte Woche, hab ich auch so ein Eierkopf ersĂ€uft. Diese RĂŒbe hier fĂŒhlt sich so... mhm... vertraut an...", gluckste Jo.

Als der alte Kerl aufgehörte hatte zu strampeln und keine Blasen mehr nach oben stiegen, ließ Jo den Mann los. Er schnitt ihm die Kehle durch und den Bauch auf. Mit beiden HĂ€nden rĂ€umte er sein Opfer aus und legte die GedĂ€rme auf dem Wannenrand ab. Mir wurde total schwummerig.

„Herrlich“, kicherte Jo und schlich davon.
Ich folgte ihm schwitzend auf dem Fuße.

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Re: JOZOs - TAGEBUCH

#17

Beitrag von Jozo » Sa 22. Jul 2017, 18:25

Nachgefragt

Man begegnet mir nicht gerne. Selbst jene, die in den Augen der Gesellschaft als gefĂ€hrlich gelten, fĂŒhlen sich unbehaglich in meiner Gegenwart. Wenn ich auftauche, als Drohung oder Übermittler, haben sie von mir gehört. Haben von meinen FĂ€higkeiten oder Taten gehört. Auch wenn es nur ein BruchstĂŒck der Wahrheit ist, dass reicht meist schon aus.

Sie fĂŒrchten sich davor, versehentlich etwas zu sagen, was mich reizen könnte, und wĂ€gen deshalb ihre Worte genau ab.
Furcht ist ein GefĂŒhl, das diesem Personenschlag ehr fremd ist, und so mögen sie es nicht, wenn sich dieses GefĂŒhl in ihrer Magengrube einnistet.
Wenn sie sich mit mir treffen mĂŒssen, dann machen sie es so kurz wie möglich und verzichten auf lange Verhandlungen.

An diesem Tag war ich mit einem Korniel Pinetiel verabredet.

In Wahrheit heißt er Kori Kusiel und war einst Sex-Sklave in einem Puff.
Er hat keine Ahnung, dass ich das mit seinem Namen und seinem ehemaligen Job weiß.

Aber wie mir Gasmi immer sagte, ist es immer empfehlenswert jede Einzelheit ĂŒber eine Person zu wissen, mit der man es zu tun hat.

Ein beilĂ€ufig eingestreutes, unerwartetes Detail – irgendein Element aus ihrem Leben, von dem sie dachten, es sei so tief in ihrer Vergangenheit vergraben, dass niemand je darauf stoßen wĂŒrde – kann genĂŒgen, um den Betreffenden einen Moment lang zum Stutzen zu bringen.

Dieser eine Moment reicht mir meistens.

Ich folge einem Korridor und werde von einer großen TĂŒr von zwei Tiefling-Gorillas angehalten, jeder mit einem Genick so dick wie meine HĂŒfte, sie mĂŒssen zu mir runter starren. Ich bin klein, keine 1,20 m hoch.

Sie mustern mich, versuchen mich abzuschĂ€tzen. Ihre Augen verraten, dass sie etwas anderes erwartet haben, nach allem, was sie ĂŒber mich gehört haben.

Das bin ich gewohnt. Die EnttĂ€uschung in manchen Augen, wĂ€hrend ihnen etwas durch den Kopf geht wie „gib mir zehn Minuten mit dem allein in einem Raum und dann sehen wir was Sache ist“.

Sie wĂŒrden keine 10 Sekunden ĂŒberleben


„Was liegt an?“, fragt der Typ rechts.

Sein Messer unter seinem Wams drĂŒckt in den Stoff, so dass es ein paar Falten wirft, gerade genug um mich wissen zu lassen wo er ist.

„Sag Korniel Pinetiel der Gelbe Goblin ist hier“, antwortete ich ruhig.

Er nickt und verschwindet rĂŒckwĂ€rts durch die TĂŒr, wĂ€hrend mich der andere mit nicht gerade intelligentem Blick mustert.

Er hustet und wirft mir ein beinahe unglĂ€ubiges „Du bist der Gelbe Goblin“ an den Kopf.

Er will mich provozieren, ich spĂŒre es. Ich ignorier das schwarze Etwas einfach, zeige nicht die leiseste Regung. Er weiß nicht, wie er darauf reagieren soll, ist es nicht gewohnt ignoriert zu werden, ist in seinem ganzen Leben noch nicht ignoriert worden, so riesig wie er fĂŒr andere ist.

FĂŒr mich ist er eine Null-Nummer.

Irgendeine Stimme im Hinterkopf sagt ihm, dass die Geschichten, die er gehört hat, ja doch stimmen könnten, dass „der Gelbe Goblin“ vielleicht doch so ein knallharter Typ ist, wie Korniel Pinetiel gestern meinte, dass es vielleicht das KlĂŒgste wĂ€re, die Bemerkung einfach in der Luft hĂ€ngen zu lassen, bis sie verhallt ist.

Ich rieche seine Erleichterung als die TĂŒr aufgeht und ich herein gebeten werde. Korniel Pinetiel sitzt hinter einem Schreibtisch aus Holz.

Er ist nicht sehr groß fĂŒr einen stinkenden Alben, ein krasser Gegensatz zu seinen Muskelpaketen, mit denen er sich umgibt – hĂ€ufig anzutreffendes Schauspiel. Drahtig, dĂŒrre, gut gekleidet und mit einem Feuer in den Augen, dass es mit der glimmenden Spitze seiner Rauchstange in seinem Mundwinkel aufnimmt.

Er ist einer der bekommt was er will.
Das bin ich auch.

Er erhebt sich und wir schĂŒtteln uns die HĂ€nde fast ohne Druck, als ob keiner zu viel Interesse zeigen will. Man bietet mir den einzigen Stuhl im Raum an und er setzt sich mit Bedacht genau zur gleichen Zeit wie ich.

„Ich bin nur Mittelsmann bei der Sache“, fĂ€ngt er ohne Umschweife an, damit ich darĂŒber gleich von Anfang an Bescheid weiß. Die Rauchstange wackelt wie ein Metronom auf und ab wĂ€hrend der spricht.

„Verstehe“, antworte ich.
„Ein Einzelauftrag. Acht Wochen, wie ausgemacht“, fĂŒgt er an.
„Wo?“, meine Frage.
„Obenza. Da jedenfalls wird sich der Typ zu dem Zeitpunkt aufhalten“, erklĂ€rt er mir.

Korniel Pinetiel lehnt sich zurĂŒck und verschrĂ€nkt die Arme vor der Brust. Ganz der Boss, der ĂŒbers GeschĂ€ft redet.

In der Rolle gefÀllt er sich.

Es erinnert ihn an die GeschĂ€ftsmĂ€nner hinter ihren Schreibtischen von Shohiro, in deren Schreibstuben er frĂŒher unter dem Schreibtisch hocken durfte um ihnen einen zu Lutschen.

Ich nickte ganz leicht. Korniel Pinetiel nimmt es als Stichwort, um auf seinem Stuhl zu einem geöffneten AktenschrĂ€nkchen herum zu schwenken. Er zieht einen Aktenkoffer heraus, von dem wir beide wissen was er enthĂ€lt. Dann schiebt er ihn mir ĂŒber den Tisch hinweg zu und wartet ab.

„Alles was Du wolltest ist da drin. Du kannst es ruhig nachprĂŒfen“, forderte er mich auf.

„Oh nicht nötig. Ich weiß wo ich Dich finde, wenn etwas fehlt“, antwortete ich.

Mit solchen Bemerkungen kann man sich Ärger einhandeln. Weil sie alles Mögliche heißen können. Vielleicht ist es nur eine harmlose Feststellung oder ein kleiner Witz, womöglich auch von beidem etwas.

Aber in dieser Branche ist es in der ĂŒberwiegenden Mehrheit eine Drohung und niemand mag es wenn man ihm droht. Er versucht in meinem Gesicht zu lesen – wĂ€hrend sich seine Mimik nicht recht zwischen Grinsen und Stirnrunzeln entscheiden kann, findet er nicht was er sucht. Er kann nicht mal mein Alter abschĂ€tzen, der hohle Alb.

So bleibt ihm nichts anderes ĂŒbrig, als die Bemerkung mit einem Lachen abzutun, um seinem Muskelmann klarzumachen, dass das keine Respektlosigkeit war.

„Der ist gut, also ist jedenfalls alles drin“, sagt er mit halben Lachen.

Ich komme ihm ein klein wenig zur Hilfe, indem ich den Koffer vom Tisch nehme und aufstehe.

Er stinkt erleichtert. Mit dem Koffer in der Hand gehe ich zur TĂŒr, doch dann sagt er noch einmal etwas. Er kann es sich einfach nicht verkneifen, seine Neugier ist stĂ€rker als seine Vorsicht. Schließlich weiß er nicht, ob er mich je wiedersieht, und er muss es einfach erfahren.

„Hast Du tatsĂ€chlich Carlissi auf dem Boot aufgeschlitzt?“, fragte er mit leuchtenden Augen.

Du wĂŒrdest Dich wundern, wie oft mir Ă€hnliche Fragen zu meinen Opfern gestellt werden.

Carlissi war eine große Nummer in der Unterwelt und fĂŒr einen Großteil der BlutbĂ€der dort verantwortlich.

Ein Mann der die Schmugglerkreise neu definierte, als Sopho Alk als Lieblingsdroge fĂŒr einige Zeit in Obenzas Unterwelt abzusetzen drohte. Er sah dies als neue Zukunft kommen.

Gehasst und gefĂŒrchtet wie er war, nahm er allmĂ€hlich immer paranoidere ZĂŒge an. Um seine Machtposition bis ins hohe Alter zu sichern, zog er sich auf ein riesiges Hausboot zurĂŒck, dass vor Daijan ankerte. Es war voller Waffen und die einzige Verbindung zum Land war ein Segelboot, das sein Sohn steuerte.

Vor zwei Jahren wurde Carlissi tot aufgefunden, mit einem Messer mitten im Herz, obwohl der Mann sich hinter einer verschlossenen, von außen durch eine Schar LeibwĂ€chtern bewachten TĂŒr befunden hatte.

Nun ich muss diese Frage nicht beantworten.

Ich kann einfach gehen und Korniel Pinetiel samt Gefolgschaft darĂŒber rĂ€tseln lassen, ob ein Mann wie ich tatsĂ€chlich all das getan haben kann, was man dem Name „der Gelbe Goblin“ nachsagt.

Diese Taktik habe ich schon oft verfolgt, wenn mir solche Fragen gestellt wurden.

Sechs Augen sind auf mich gerichtet, und mit drei SchwÀtzern in einem Lagerhaus am Rande des Hafens von Obenza als Zeugen kann ein Mann seinen Ruf auf Jahre hinaus zementieren.

Gut soll er sie haben, eine kleine „Machtdemonstration“ des Gelben Goblins.
Der Alb wollte erleben, wofĂŒr der Gelbe Goblin bekannt ist?
Nun denn, wer bin ich so einen Wunsch abzuschlagen?

Ich drehe mich blitzartig um, schneller als es ein Alb mit bloßem Auge verfolgen kann, habe in gleicher Sekunde einige meiner Wurfmesser in der Hand und werfe.

Die Fluppe wird Korniel Pinetiel durch das erste Messer aus dem Mundwinkel gerissen. Das zweite bohrt sich in seine Kehle, dass dritte zwischen seine Augen.

Ehe die Rauchstange auf dem Boden aufschlug, war ich samt dem Geld schon auf und davon.

Windböen blasen mir scharf ins Gesicht, dann betrete ich endlich den unsere Taverne.

Wenn mir diese Geschichte das nĂ€chste Mal zu Ohren kommt, wird sie schon die Ausmaße eines DĂŒsterlingsrudels angenommen haben. Aus den drei Kerlen werden zehn geworden sein, die alle mit gezogenen, auf mich gerichteten RepetierarmbrĂŒsten dastanden.

Korniel Pinetiel wird mich mit einer Bemerkung wie „Da hast Du Deinen Auftrag Du Gelbes MiststĂŒck“ oder einer Ă€hnlichen Schmeichelei beleidigt haben.

Ich werde unbehelligt zwischen den Armbrustbolzen herumgetanzt sein, sieben von den Typen niedergemĂ€ht haben und ĂŒbers Wasser gewandelt sein, bevor ich Korniel Pinetiel umgebracht habe, fĂŒr seine freche Albenschnauze.

Ich sag Dir, die Werbung ist ein Scheiß gegen die Mundpropaganda aus der Unterwelt. Aber sie ist auch lustig.

Korniel Pinetiel hatte nachgefragt.
Er hat die Antwort des Gelben Goblins erhalten.
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Re: JOZOs - TAGEBUCH

#18

Beitrag von Jozo » Mo 7. Aug 2017, 08:11

REINE KOPFSACHE

Schwester

Der gelbe Goblin sah sie nur fĂŒr einen winzigen Augenblick, aber wusste sofort dass es Kari war. Er spĂŒrte wie siedend heiße Wut durch seinen ganzen Körper loderte. Das war nicht nur ein flĂŒchtiger Eindruck, keine zufĂ€llig aufflammende Emotion, so etwas besaß er nicht.

Er sah sie und er wollte ihren Schmerz. Er wollte sie leiden sehen, wollte ihren Schmerz unverfĂ€lscht fĂŒhlen. Der Ruck, der Widerstand der seinen Arm hochschießen wĂŒrde, wenn er ihr das Messer zwischen die Rippen rammte.

Das Leid genießen, wenn er die Klinge so brutal nach oben riss, dass sie Knochen und Sehnen von Kari durchtrennte und seine Schulter und Brust vor Anstrengung pochen ließ.

Er wĂŒrde ihr die Klinge so oft in den grĂŒnen, widerwĂ€rtigen Balg rammen, bis der Schmerz sogar in seine Kauleiste zog und seine ZĂ€hne vor Schmerzen schrien, weil er sie vor Genugtuung so fest aufeinander gebissen hatte.

Kein Wort, er wĂŒrde ihr kein einziges Wort gönnen - denn eines hatte sie immer gewollt - REDEN!

Es schĂŒttelte sich kurz wie ein nasser Hund um das Verlangen der Jagd zu vertreiben. Wenigstens fĂŒr ein paar Stunden musste er sich gedulden. TagsĂŒber war er kein guter JĂ€ger, der Tag war nicht seine Zeit. Dort schlief er meist und schöpfte Kraft fĂŒr die Nacht. Oder er döste im sĂŒĂŸen Rausch der Drogen vor sich hin und wartete auf die Dunkelheit.

Kari. Jozo blinzelte, so einfach ließ sich dass GefĂŒhl nicht abschĂŒtteln.
Der gelbe Goblin legte die Ohren an und witterte mit halb geschlossenen Augen nach seiner Schwester.

Der Geruch, es war als wĂ€re alles was er ĂŒber seine Schwester gewusst hatte, wieder da. Alles was in seinem Verstand ĂŒbrig blieb, war ein GefĂŒhl sie korrumpieren zu wollen, ihr zu schaden um gleichzeitig damit Arun zu verletzten. Alles was er jetzt zu tun hatte war klar. War schon immer klar gewesen, so zutiefst perfide, abartig und bösartig und so urvertraut - so... persönlich, dass es in ihm den Wunsch weckte sie aus ihrer Haut zu schĂ€len wie eine ĂŒberreife Furcht und sie sich als TrophĂ€e selbst wie ein altes verdrecktes Kleid ĂŒberzustreifen. Die Vorstellung allein jagte ihm einen wohligen Schauer ĂŒber den RĂŒcken.

Er witterte, sie war nah... war noch so nah...

Jo schlackerte kurz unentschlossen mit den Ohren. Dann nahm er die Verfolgung.

**

Daves Augen gewöhnten sich allmÀhlich an die Dunkelheit und er folgte dem Erinnerungs-Jozo wie ein unsichtbarer Begleiter.

Ein dumpfes, bassartiges, oszillierendes Stampfen erfĂŒllte die Luft. Man spĂŒrte das Vibrieren bis in die Knochen. Dave schritt hinter Jo, vorbei an Statisten dieser Welt. Tote, ausgehungerte Fratzen mit leeren Mienen und gebrochenen Augen starrten ihn beim Vorbeigehen an.

Dave fragte sich, welche Erinnerung diese Bilder widerspiegelten, als sich Jozo zu ihm umdrehte.

Sabber glĂ€nzte auf seinen Lippen. Seine ZĂ€hne und Lippen waren verkrustet von getrocknetem Blut. Wohin Dave auch schaute, ĂŒberall waren diese toten Gesichter. Schlagartig schossen blutrote Streifen durch die Luft, als wĂŒrden sich Klauen ein Weg durch die Dunkelheit schlitzen. Als er hinschaute waren die Gesichter verschwunden. Die Dunkelheit verschluckte ihre Opfer und lichtete sich langsam wieder.

Als er nÀher hinschaute, sah er ein MÀdchen. Eine junge Goblinfrau. Sie stand allein in einer Art Keller, umringt von einem Berg faulender Kadaver die sie wie ein KÀfig aus verwesendem Fleisch gefangen hielten.

Das Bild flackerte kurz, dann stand Jozo vor ihr.
Ihr Blick - sie erkannte ihn!

Kari - eine unbeabsichtigte Information.

"Wenn ich mache was Du willst Jojo, lÀsst Du mich dann gehen? Ich habe doch immer getan was Du wolltest... Bitte Jojo, Du bist krank. Ich helfe Dir versprochen, nur bitte lass mich frei. Ich liebe Dich doch... warum machst Du dass...", weinte die kleine Frau und streckte ihre HÀnde flehend nach ihm aus.

In dem Moment stĂŒrzte er sich auf sie und hieb mit seiner schwarzen Klinge wie ein Wahnsinniger auf sie ein. Er schlitzte ihren Oberkörper in StĂŒcke, so dass sie fast auseinandergerissen wurde. Selbst dort wo Dave stand, konnte er die knirschenden Laute hören, wenn die Klinge auf Knochen traf und diese nach kurzem Widerstand durchtrennte.

Verzweifelt versuchte die Goblin sich mit in die Höhe gerissenen Armen vor dem Messer zu schĂŒtzen, aber das war so unmöglich wie einen Waldbrand mit einer Tasse Tee zu löschen.

Die kleine Frau ging wie in Zeitlupe in die Knie. Sie versuchte sich mit zerstörten HÀnden an Jozo festzuhalten. UnverstÀndnis und Unglauben im Blick.

Blutige Blasen traten bei jedem Atemzug aus ihrer zerstörten Kehle. Jo grabschte ihr in die Haare und schleuderte sie zu Boden wie eine zerstörte Puppe. Er setzte sich auf sie, presste sein Maul gegen ihre offene Kehle und atmete einige Male durch. Dann biss er so fest zu, dass man den Knorpel knacken hörte, die ZÀhne dabei wie ein Tier gebleckt. Der Körper der kleinen Frau zitterte noch eine Weile, dann lag sie still und die Dunkelheit verschlang sie.
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Re: JOZOs - TAGEBUCH

#19

Beitrag von Jozo » Mo 7. Aug 2017, 08:11

REINE KOPFSACHE

Der Söldner

Ü18-Geschichte. Zu finden im Freudenhaus.

Link:
http://asamura.de/viewtopic.php?f=41&t=879
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Re: JOZOs - TAGEBUCH

#20

Beitrag von Jozo » Mo 7. Aug 2017, 08:12

REINE KOPFSACHE

Ennis Erste Jagd

Sie liefen eine ganze Weile durch die Nacht. Die kleine Goblin folgte ihrem Kumpel auf dem Fuße. Jozo war von Kopf bis Fuß in seine Kampfkombo gehĂŒllt und gab lautlos den Weg vor bis Enni stoppte, blitzschnell in eine Seitengasse abbog und die Verfolgung von einer Person aufnahm.

Dave beobachtete das Geschehen und hoffte, dass diese kleine Frau nicht den gleichen Weg gehen musste, den zuvor die Schwester von Jozo gegangen war. Unsichtbar folgte er der Gedankenspur.

"Mir nach, hier ist einer!", flĂŒsterte die kleine Goblin.
"Du hast einen erwischt! Hey ich bin stolz auf Dich. Bin gleich da, wobei lass uns was mit dem Drecksack spielen
 Lust?", flĂŒsterte Jozo.

"Was soll ich tun?", fragte Enni.
"Feuertaufe Kleines. Schlachte ihn ab", sÀuselte Jo.

"Echt?", wisperte die kleine Frau und zuckte nervös mit den Ohren.
"Ja", grinste Jozo ĂŒber beide Ohren, "ich geb Dir RĂŒckendeckung!"

Enni war dem Typen lautlos gefolgt und nun sprang sie ihm einfach in die Knochen. Mit einem BrĂŒllen drehte sich der BĂŒttel um und erstarrte.

`Eine winzige Goblin? Was bei Ainuwar ist das?ÂŽ, schoss es dem Mann durch den Kopf.

Unheimlich wie ein ĂŒberirdisches Wesen sah die Goblin aus. Wie eine Mischung aus Kleinkind und DĂ€mon. Mit einem Gesicht blasser als Enni starrte er binnen Sekunden der kleinen Goblin mit den hellen Haaren ins Gesicht und griff dann ohne zu zögern an.

Er war kein Idiot, er war ein ausgebildeter BĂŒttel und dieses Weib hatte ihn angegriffen.

Er griff sofort nach seiner Waffe. Doch dieser Winzling von einer Frau stĂŒrzte sich bereits auf ihn und das unfassbar schnell. Sie machte irgendwas mit ihren HĂ€nden, dass der Fremde nur als verschwommene, blitzartige Bewegung sehen konnte.

Richtig wahrnehmen konnte er es nicht. Kaum dass er das Schwert aus der Scheide gezogen hatte, hatte Enni bereits sein Handgelenk gepackt. Der Kerl versuchte das Schwert hochzureißen, aber die Frau war stĂ€rker als er vermutet hatte.

Panisch griff er mit der freien Hand nach dem Arm von Enni. Er war immerhin fast einen Meter grĂ¶ĂŸer und sehr viel schwerer als diese Goblin-Furie vermutete er.

Aber diese hatte den besseren Stand und die besseren Tricks. Dann plötzlich die Erkenntnis auf dem Gesicht des Mannes, er wurde mit nur einer Hand von dem Weib festgehalten. Wo war die andere Pfote?

Als die Klinge in seinen Unterleib eindrang und mĂŒhelos Haut, Muskeln und Knochen durchtrennte, stockte dem BĂŒttel der Atem.

Zeitgleich wurde er von etwas anderem gepackt und nach hinten gerissen. Einen Sekundenbruchteil spĂ€ter, explodierte der Schmerz in seinem gesamten Körper und eine Klinge ragte vorne aus seiner Brust. BewegungsunfĂ€hig erschlaffte er und ließ das Schwert fallen. Er keuchte schwer, wĂ€hrend Enni die Klinge aus seinem Körper zog und die Klinge in seiner Brust mehrfach herumgedreht wurde um grĂ¶ĂŸtmöglichen Schaden anzurichten.

Die kleine blasse Goblin starrte ihn an, wĂ€hrend der BĂŒttel zur Seite kippte und vor sich wie aus dem Nichts einen vermummten Goblin auftauchen sah. Nun wusste er wer ihn mit tödlicher Kraft ein Messer ins Kreuz gerammt hatte.

Der Goblin riss den BĂŒttel an sich.
"Sieh zu und lerne Kleines", sÀuselte der Vermummte.

Erneut wurde dem BĂŒttel eine Klinge in den Leib gestochen. Immer und immer wieder und dass in einer grauenvollen, unglaublichen Geschwindigkeit mit fast maschineller PrĂ€zision.

Das Messer des Goblins drang so tief in seinen Körper ein, dass er die Spitze ĂŒber den Beckenknochen schaben fĂŒhlte.

Vergeblich versuchte er ein letztes Mal Kontrolle ĂŒber seinen Körper zu erlangen und die Arme nach dem zweiten Angreifer auszustrecken. Minimal konnte er wirklich die Arme heben, ehe er einen knochenbrechenden Faustschlag des Goblins ins Gesicht kassierte.

Ein letztes Mal wurde die Klinge herausgezogen und der Goblin ließ ihn einfach fallen. Der BĂŒttel schlug der LĂ€nge nach auf den Boden und lag nun wie er mit Entsetzen feststellte in den Fetzen seiner eigenen Eingeweide.

Warmes Blut breitete sich unter ihm in einer großen Lache aus. Und bei all dem gab er keinen einzigen Laut von sich, da ihm sein Körper soweit ĂŒberhaupt nicht mehr gehorchte.

Er wollte nur noch in der SchwĂ€rze versinken, als er erneut im Genick gepackt und in die Höhe gerissen wurde. Der Kerl schĂ€lte ihm das Gesicht mit der Sorgfalt eines Chirurgen vom Knochen. Danach wischte der Goblin die blutverschmierte Klinge an den Haaren des BĂŒttels ab.

"Du bist schnell", freute sich die kleine Frau.
"Übungssache. Du musst sorgfĂ€ltig arbeiten, die Schnelligkeit kommt von alleine - wirst sehen", antwortete der Vermummte gut gelaunt.
„Steck schnell die Gesichts-Schwarte ein, wir mĂŒssen weiter“, sagte die Kleine.
"Gleich", antwortete der Vermummte.

Ein letzter prĂŒfender Blick aus kalten, dunkelbraunen Augen. Sein SchlĂ€chter grinste ĂŒber beide Ohren lĂŒftete kurz seinen Mundschutz und presste ihm dunkle, eisige Lippen auf seine nicht mehr vorhandenen und leckte ihm das Blut vom einstigen Gesicht.

Der Kerl schien die Zunge ĂŒber den Gaumen zu rollen und ĂŒber den Geschmack auf seiner Zunge nachzudenken. Dann schĂŒttelte sein SchlĂ€chter leicht den Kopf und ließ ihn erneut zu Boden stĂŒrzen.

Mit Augen die er nicht mehr schließen konnte, sah der BĂŒttel die Waffe die ihn getötet hatte. Die Klinge sah eigentlich ĂŒberhaupt nicht aus wie Metall, schoss es dem BĂŒttel wie irreal durch den Kopf.

Sie war mattschwarz, wie die Vermummung seines Feindes und krumm wie eine Klaue. Dann sah der BĂŒttel, wie der Goblin die Klinge wieder in seinem Ärmel verschwinden ließ, als wĂ€re sie nie dagewesen.

Das letzte was der BĂŒttel in seinem Leben sah, war wie schwarze, schwere Arbeiterstiefel achtlos ĂŒber ihn hinweg stiegen, gefolgt von kleinen hellgrĂŒnen FĂŒĂŸchen mit rot-lackierten ZehennĂ€geln ehe beide in der Dunkelheit der Nacht verschwanden und die Finsternis sie verschluckte...
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