Komm, s├╝sser Tod

Das gem├Ą├čigte Klima bietet beste Bedingungen, aber ist es auch wert, umk├Ąmpft zu werden. Das Herzland ist die Heimat der Urv├Âlker Asamuras, w├Ąhrend die Invasoren des Chaos sich von der Steppe aus verbreiteten und die alten Kulturen bedrohen.

Das Herzland
Das gem├Ą├čigte Klima bietet beste Bedingungen, aber ist es auch wert, umk├Ąmpft zu werden. Das Herzland ist die Heimat der Urv├Âlker Asamuras, w├Ąhrend die Invasoren des Chaos sich von der Steppe aus verbreiteten und die alten Kulturen bedrohen.
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Arafis
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Komm, s├╝sser Tod

#1

Beitragvon Arafis » Mi 19. Okt 2016, 22:08

Die ersten Sonnenstrahlen kitzelten Emilia an der Nase, als sie aus ihrem Schlaf erwachte. Das Fenster ├╝ber ihrem Kopf stand leicht ge├Âffnet, doch weder h├Ârte sie das fr├Âhliche Zwitschern der V├Âgel, noch das gesch├Ąftige Rumoren der hauseigenen K├Âchin. Etwas Anderes hatte sie aus ihren Tr├Ąumen gerissen und es schwebte noch immer in der Luft. Verschlafen setzte sie sich auf und schob sich beil├Ąufig die braunen Locken aus dem blassen Gesicht. Sie konnte das frische Brot riechen und die Feuchtigkeit des vergangenen Regens. Die Ger├╝che bahnten sich ihren Weg durch das Haus, machten keinen Halt vor T├╝ren oder Fenstern, zw├Ąngten sich durch jede Ritze und jeden Spalt, schl├Ąngelten sich die Treppen hinauf und erquickten die junge Frau, welche sie alle tief in ihre Lunge inhalierte.

Abrupt hielt Emilia in ihrem Schnuppern inne, als sie realisierte, was sie geweckt hatte. Ihr Blick glitt drei Meter nach unten, wo sich die T├╝r befand, welche in den Flur und in den Rest des ger├Ąumigen Hauses f├╝hrte. Ihr Vater hatte f├╝r sie das Zimmer mit vielen Kletterm├Âglichkeiten ausgestattet. Dazu geh├Ârten auch Liegefl├Ąchen, die horizontal in verschiedenen H├Âhen wie eine Treppe an der runden Wand des T├╝rmchens befestigt waren. Geschickt, doch um einiges vorsichtiger und langsamer als in ihren Katzengestalten kletterte und sprang sie schliesslich, bis sie festen Boden unter den nackten F├╝ssen hatte. Ihre Zehen gruben sich in den flauschigen Teppich. Sie liebte alles, was sich besonders anf├╝hlte und einen kurzen Moment gab sie sich dem Gef├╝hl hin und stellte sich das Alpaka vor, das die Wolle einmal getragen haben mochte. Als Kind hatte sie oftmals ihre Nase hineingesteckt, um die Duftnoten besser unterscheiden zu k├Ânnen.

Heute hatte sie jedoch keine Zeit f├╝r solche Dinge. In ihrem weiten Nachthemd tapste sie zur massiven T├╝r, um sie vorsichtig zu ├Âffnen. Die Klinke f├╝hlte sich kalt und abweisend unter ihren Fingern an, doch Emilia liess sich nicht beirren.
Die Laternen waren ├╝ber Nacht heruntergebrannt, doch die junge Frau meinte noch den Geruch der kokelnden Dochte erahnen zu k├Ânnen.
Ihre Augen hatten sich schnell an die Dunkelheit des Flurs gew├Âhnt. Auch hier waren Teppiche ausgelegt, die ihre Schritte abfederten. Rechts war das Bad, welches ihr alleine geh├Ârte. Daneben das Schlafzimmer ihrer Zofe. Gisela mochte noch tief und fest schlafen, sie war keine Fr├╝haufsteherin und es war kein Licht unter dem T├╝rspalt zu erkennen.
Jetzt bog der Flur um die Ecke, kein Teppich d├Ąmpfte mehr ihre Schritte, der Vater hatte das nicht gewollt, stattdessen schm├╝ckten Hirschgeweihe die kahlen W├Ąnde.

Der Geruch, der sie aus dem Schlaf gerissen hatte, wurde pl├Âtzlich intensiver. Er roch s├╝sslich und zugleich so bekannt. Ihre Sinne sogen ihn in sich auf, versuchten ihn einzuordnen. Emilia sp├╝rte verwundert ihr inneres Raubtier nahe an der Oberfl├Ąche kratzen, und verscheuchte es mit einem unwilligen Kopfsch├╝tteln, so dass ihre Locken flogen.
Sie verlangsamte und blieb unschl├╝ssig kurz vor dem Schlafgemach stehen. Wie gerne h├Ątte sie jetzt gehorcht, ob ihr Herr Papa sich gerade unruhig in seinen Bettlaken w├Ąlzte, oder ob er sich bereits anzog, um den Tag zu begr├╝ssen.
Vielleicht pfiff er in diesem Moment bereits eine fr├Âhliche Melodie?
Emilia verneinte sich selbst.
Nein, sie hatte ihn noch nie pfeifen gesehen im Gegensatz zum Knecht oder den M├Ągden. So etwas geh├Ârte sich nicht f├╝r einen adligen Herrn. Trotzdem gefiel ihr der einfache Gedanke daran.
Pl├Âtzlich jedoch konzentrierte sie sich wieder auf die Duftnoten. Eine unbekannte war dabei, eine, welche sie in diesem Haus noch nie zuvor gerochen hatte. Und sie hatte eine sehr gute Erinnerung.
Und auch dieser s├╝ssliche Geruch, war irgendwie beunruhigend.
Mutig trat sie vor, und klopfte beherzt an die Eichent├╝r. Eine Antwort konnte sie kaum erwarten, und so ├Âffnete sie nach einer kurzen Pause die Pforte.

Was sich ihr darbot, liess sie zur├╝ckschrecken. Emilia stiess einen Schrei aus, den sie selbst nicht h├Âren konnte und doch war sie sich sicher, dass er durch das ganze Haus dringen musste. Es war jedoch nicht das Bild des Todes, das sie stolpern liess, es war der alles ├╝bert├Ânende Geruch des Blutes.
Ihre Augen huschten wie von Sinnen ├╝ber das Bildnis, vermochten sich an keinem Detail festzuhalten. Rosen, ├╝berall Rosen. Mit spitzen Dornen rankten sie sich um den K├Ârper ihres Vaters, setzten sich an der Decke und am Boden fort. Sie bildeten Spiralen und Ringe, verliefen sich im Nichts, um an einem anderen Ort neu zu erbl├╝hen. Und mitten drin lag ihr geliebter Herr Papa. So friedlich, als w├╝rde er nur schlafen.
Doch vergeblich suchten ihre scharfen Augen nach einem Puls, nach der sanften Hebung seines Brustkorbs unter dem Nachthemd. Als sie einen Schritt vortreten wollte, ber├╝hrten ihre nackten F├╝sse eine der roten Rosen. Die klebrige Fl├╝ssigkeit f├Ąrbte ihre Zehen und hinterliess Spuren, als sie sich abwandte und zur T├╝r hinausstolperte.

Und dieser Geruch!
Emilia presste sich verzweifelt die H├Ąnde auf Nase und Mund. Sie konnte ihren Vater ├╝berall riechen. Sein Duft schien in jede Pore ihres K├Ârpers ├╝berzugehen, nachdem er bereits das gesamte Haus erf├╝llt hatte.
Luft, sie brauchte frische Luft!
Sie bemerkte nicht die Diener, welche von ihrem Schrei angelockt, zum Zimmer ihres Vaters st├╝rmten.
Endlich hatte sie die Treppe bew├Ąltigt und ├Âffnete schwungvoll die Hintert├╝r, welche in eine schmale Gasse f├╝hrte und schnappte wie eine ertrinkende nach Luft. Sofort verfl├╝chtigte sich der s├╝sslicheiserne Geschmack in ihrem Mund, doch das Bild in ihrem Kopf blieb bestehen.

Seltsamerweise f├╝hlte sie zwar Trauer und Entsetzen, doch auch eine morbide Faszination hatte sich ihrer bem├Ąchtigt. Wer auch immer dies getan hatte, ihr Vater lag in W├╝rde in seinem Bett.
Best├╝rzt ├╝ber ihre eigenen Gedanken, atmete sie tief ein und schloss die Augen. Das Gesicht ihres l├Ąchelnden Herrn Papas l├Âste einzelne Tr├Ąnen aus, welche ihr ungehindert ├╝ber die Wangen liefen.
Konzentriere dich auf den Moment, lass alles zur├╝ck, sonst f├Ąllst du in ein tiefes Loch und kommst nicht mehr heraus!, fl├╝sterte ihre Vernunft.

Emilia lehnte sich an die kalte Mauerwand und sp├╝rte den rauen Stein unter ihren weichen Fingern. Um im selben Augenblick roch sie es wieder. Da war eine unbekannte Person in ihrem Haus gewesen, und es war dieselbe, die ihren Vater get├Âtet hatte.
Der Gedanke jagte ihr einen Schauer ├╝ber den R├╝cken.
Als sie sich darauf konzentrierte, erkannte sie den Rosenduft wieder, gepaart mit einer Note aus Schweiss und dem Blut ihres Herrn Papa.
Ohne zu ├╝berlegen stiess sich Emilia von der Mauer ab und folgte dem Duft durch die Strassen.

Erst nach einigen Stunden des Herumirrens musste sie sich eingestehen, dass sie die Spur verloren hatte in der Menschenmenge, die sich nun auf den Strassen ansammelte und ihren Gesch├Ąften nachging.
Einer der besorgten Knechte fand sie schliesslich weinend und verschmutzt an einer Ecke und f├╝hrte sie nach Hause. Man war sich einig, dass die junge Frau Ruhe ben├Âtigte. Sie war schon immer ein verwirrtes und unstetes Kind gewesen und der Tod des Vaters w├╝rde sich noch mehr aus der Bahn reissen.
Hoffentlich n├Ąhme sich bald ein mitf├╝hlender Ehrenmann ihrer an, denn wer sollte sonst das Grundst├╝ck verwalten und die L├Âhne auszahlen?
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Re: Komm, s├╝sser Tod

#2

Beitragvon Dimicus » Do 20. Okt 2016, 17:44

Am Abend von Dimicus' Vergiftung, auf dem Wege zum Gasthaus...

Diese verdammte Schlange!, fluchte Dimicus noch immer in sich hinein, w├Ąhrend ihm noch das Brennen des Giftes in seinen Lungen verfolgte. Zum Gl├╝ck half die malerisch ruhige Nacht, die ihn au├čerhalb des Gasthauses empfangen hatte. Die k├╝hle Luft vertrieb sogleich das unangenehme Gef├╝hl in seinen Atemwegen. Tief atmete er ein, ehe er sich im langsamen Schritt also vom Bordell wegbewegte. Der Aufruhr und Krach des Etablissements wich der Stille des n├Ąchtlichen Drakensteins, die sich wie ein Schleier ├╝ber dessen Stra├čen gelegt hatte. Auch aus diesem Grund liebte er es einfach, seine Kunst nachts zu vollf├╝hren. So viel Zeit und Ruhe, um sich den wahren Sinnlichkeiten des Lebens zu widmen, die der allgemein P├Âbel unter dem Saufen in einem Bordell verstand. Doch noch umso mehr sch├Ątzte er die Stille, da er mit seinen Werken nun einmal laut werden musste. Wie sonst w├╝rde er wohl seine Kunst in das angemessene Licht r├╝cken k├Ânnen, nicht wahr?

Im gleichm├Ą├čigen und zeitgleich eleganten Schritt ging der junge Mann ├╝ber die Stra├čen, seine Kapuze war tief ins Gesicht gezogen und dennoch beobachteten seine Augen jede Ecke. In einer Stadt wie Drakensetin war man vor n├Ąchtlichen ├ťbergriffen nie gesch├╝tzt und wer w├Ąre er, w├╝rde er sich von einem schmutzigen Schl├Ąger erwischen und ausrauben lassen? Doch sein Weg schien ruhig, nichts war auff├Ąllig und er konnte seines Weges ziehen. Zumindest konnte man davon ausgehen, denn schon bald durchbrach etwas seine innere Ruhe, zwar noch vermischt mit dem Zorne gegen├╝ber Malik, aber dennoch eiskalt und berechnend. Er sp├╝rte etwas ... ein seltsames Gef├╝hl des Beobachtetwerdens. Es wirkte beinahe so, als ob ihn jemand oder etwas verfolgte, doch er konnte nichts ausmachen. Nur dieses seltsame Gef├╝hl im R├╝cken, dass er verfolgt w├╝rde und die Quelle nicht ausmachen konnte. Seine Sinne fokussierten sich nun v├Âllig auf seine Umgebung, zuvor nur halbherzig bei dieser, aufgrund seines gedanklichen Treibens. Leises Tapsen? Etwas was ihn verfolgte? Er lief langsamer, doch neben seinen Fu├čschritten h├Ârte er niemanden mehr durch die Stra├čen eilen, geschweige denn sah er jemanden. Doch er wurde dieses Gef├╝hl einfach nicht los und er wusste, dass er sich darauf verlassen konnte.

Zuerst versuchte er es weiterhin damit, genau seine Umgebung zu beobachten, doch sie schien eher ihn zu beobachten. Seine Miene verzog sich nicht einmal, als er abrupt stehen blieb, genau mitten auf der Stra├če. Doch mitten dort befand sich rechts noch eine Gasse, kaum so gut beleuchtet wie die Stra├če. Finsternis verbarg sich in ihr und von seiner Position aus vermochte er nicht auszumachen, was sich dort zu verstecken versuchte. Seine rechte Hand glitt unter seinen Mantel, griff zwei seiner Wurfmesser. Er hielt inne, achtete auf seinen Augenwinkel und j├Ąh in jenem Moment in dem er etwas huschen sah, blitzten seine beiden Wurfdolche im Dunkel der Nacht auf, durchbrachen die Stille mit einem Surren, doch am Ziel ihres Weges h├Ârte man ein metallisches Klirren. Sie waren auf dem Boden aufgekommen und hatten nichts getroffen. Was es wohl war? Mit einem leicht entt├Ąuschten Seufzer machte er kehrt, schritt auf die Stelle zu und sammelte seine Wurfdolche ein, welche er dank des tanzenden Lichtes auf dem schimmernden Metall wiedererkennen konnte. Nur zu schade, er h├Ątte nur zu gern ein weiteres Kunstwerk geschaffen, wieder get├Âtet um dieser Stadt den wahren Wert der Kunst zu zeigen. Just in diesem Moment hatte er es sich gew├╝nscht, dass es zumindest jemand versucht h├Ątte. Augenblicklich verstaute er seine beiden Wurfgeschosse wieder an ihren angestammten Pl├Ątzen, ehe er sich wieder der Stra├če zuwandte, seinem eigentlichem Ziel widemend. F├╝r den Moment f├╝hlte er sich auch nicht mehr beobachtet, noch immer war niemand auf den Stra├čen zu sehen.

In den n├Ąchsten Momenten erreichte er auch schon das Gasthaus, in dem er schon seit geraumer Zeite n├Ąchtigte und es nun gegen eine billige Absteige eintauschen musste. Noch immer konnte er es nicht fassen, wie er durch eine Schlange hereingelegt wurde. Umso schlechter stimmte es seine Stimmung, als er sein gesamtes Hab und Gut, welches er in dem Gasthaus gelagert hatte, einpacken musste. Beinahe wie einen Umzug kam es ihm vor, als er voll beladen vor dem Wirt stand, seine Miete ausl├Âste und schlie├člich zur├╝ck in die K├Ąlte der Nacht schritt. Jene Nacht, an dem seine Klingen und Pinsel nicht den s├╝├člichen Geschmack des Blutes kosten durften. Sein Weg f├╝hrte ihn wieder durch die Stra├čen, anfangs vollkommen unbehelligt, jedoch tauchte schon sehr bald wieder dieses Gef├╝hl auf. Doch konnte er nicht so einfach stoppen, seine H├Ąnde waren voll mit seiner Staffelei, Utensilien und seinem Gep├Ąck. Notfalls w├╝rde er es fallen lassen, doch hoffte er, dass es nicht so weit kommen musste.
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Re: Komm, s├╝sser Tod

#3

Beitragvon Arafis » Mi 26. Okt 2016, 20:47

Vier Wochen waren seit dem pl├Âtzlichen Ableben ihres Vaters vergangen. In dieser Zeit war viel geschehen.
Nachdem sich die Nachricht seines Todes wie ein Lauffeuer verbreitet hatte, immerhin war er ein aufsteigender Politiker gewesen, und bekannt wurde, dass er eine Tochter im heiratsf├Ąhigen Alter zur├╝ckliess, war das Interesse an Emilia Katharina von Kreuzenstein im Handumdrehen gestiegen.
Nachdem sie zwei Verlobungsantr├Ąge von Familien niederer Abstammung erhalten hatte, noch lange bevor die Trauerphase beendet war, nahm sie die Hilfe ihres Onkels seitens der verstorbenen Stiefmutter gerne an. Obwohl sie ihm zuvor noch niemals pers├Ânlich begegnet war, hoffte sie darauf, dass er ihr Leben wieder in einen geregelten Verlauf bringen w├╝rde.
Dankbar versenkte sie sich in ihrem eigenen Kummer, w├Ąhrend Alfonso eifrig ihr Haushaltsverm├Âgen verwaltete soweit es ihm erlaubt war. Immer h├Ąufiger kam auch sein Sohn Wilfried zu Besuch, um Emilia den Hof zu machen. Der J├╝ngling hielt wenig von der Taubstummen, wie er sie immer nannte, doch Alfonso ├╝berh├Ârte alle Widerworte und versprach ihm das grossz├╝gige Anwesen und das Ansehen der Familie von Kreuzenstein.
So kam es, dass bereits Hochzeitspl├Ąne geschmiedet wurden, von denen die zuk├╝nftige Braut selbst noch keinen blassen Schimmer hatte.

In der Zeit nach dem Tod ihres Herrn Papa hatte Emilia sich weder aus dem Haus begeben, noch hatte sie sich mehr als wenige Male verwandelt. Der Sinn ihres Lebens war mit einem Schlag verschwunden. Sie hatte nie etwas Anderes gekannt, als seinen W├╝nschen gen├╝gen zu wollen und nach seiner Aufmerksamkeit zu lechzen. Die Welt ausserhalb des Hauses war ihr fremd, genauso wie die Lebewesen, die sie bev├Âlkerten.
Und obwohl sie nun die M├Âglichkeit gehabt h├Ątte, ihrem goldenen K├Ąfig zu entfliehen, hielten ihre Angst und Benommenheit sie davon ab. Sogar ihre Neugierde schien zusammen mit ihren Verwandlungen in den Hintergrund getreten zu sein, was die Zofe Gisela als Einzige mit beunruhigter Sorge zur Kenntnis nahm.
Nachdem alle ├ťberredungsk├╝nste wenig einbrachten, fasste sie den Entschluss, noch einen letzten Versuch zu unternehmen. Als abends sowohl Alfonso als auch seine Familie abgerauscht waren ÔÇô sie hatten sich dreister Weise bereits das Studierzimmer und den Salon zu eigen gemacht ÔÇô schleuste sie eine Maus in das Schlafgemach ihrer Herrin.
Als sie am n├Ąchsten Morgen die Zimmert├╝re ├Âffnete, blickte ihr Emilia zwar so traurig wie immer entgegen, doch die Maus war verschwunden.

Emilia warf einen Blick aus dem Fenster ├╝ber ihrem Haupt. Das zaghafte Leuchten der Sterne wies sie daraufhin, dass es Zeit war f├╝r einen Nachtspaziergang.
Seit Gisela ihren k├Ątzischen Spieltrieb mit einer kleinen, unschuldigen Maus zu neuem Leben erweckt hatte, schlich sie regelm├Ąssig nachts durchs Haus, um auf Jagd zu gehen. Nicht selten gingen dabei Vasen zu Bruch oder die teuren Antiquit├Ąten erlitten Kratzspuren.
Diese Nacht jedoch wollte sie mehr sehen. Sie sp├╝rte langsam, wie bei jeder Wandlung neue Energie in ihren K├Ârper zur├╝ckkehrte und ihre Neugierde sich zu regen begann.
Das schlechte Gewissen dar├╝ber, entgegen dem Willen ihres verstorbenen Vaters zu handeln, liess sie in ihrer menschlichen Gestalt zur├╝ck.
Es war das dritte Mal, dass sie sich aus dem gewohnten Heim hinausbegab, um sich von den neuartigen Ger├╝chen der Nebengassen bet├Âren zu lassen.
So kam es, dass nicht nur Dimicus die Sch├Ânheit der Nacht genoss, sondern auch die dunkel getigerte Katze mit den weissen Samtpf├Âtchen durch die Gassen tapste.

Emilia war noch nicht weit gekommen, als das Huschen einer Ratte ihre Aufmerksamkeit erregte. Sofort waren ihre Jagdinstinkte geweckt und in der Deckung der Hauswand pirschte sie sich an ihr Opfer heran. Obwohl ihre Ohren den Dienst verweigerten, waren sie trotzdem nach vorne gestellt, und dr├╝ckten eine erwartungsvolle Haltung aus.
Der Schwanz zuckte knapp ├╝ber dem Boden nerv├Âs herum. Doch genau diese Bewegung war es wohl, welche die Ratte warnte. Das Tierchen st├╝rzte davon, und Emilia hinterher. Einige Laternen erleuchteten die Strassen, doch auch das Licht der Sterne h├Ątte ausgereicht, um ihr mit den scharfen Augen den Weg f├╝r die Verfolgungsjagd zu weisen. Schon nach einem kurzen Spurt pochte ihr Herz und der Atem ging rasch, denn sie war sich die rasante Bewegung nicht gewohnt.
Im n├Ąchsten Moment huschte die Ratte durch einen Schlitz zwischen T├╝r und Wand und war verschwunden. Emilia konnte gerade noch ausweichen, sonst w├Ąre sie mit ihrem zarten Katzenk├Ârper dagegen geprallt. Voller Tatendrang und nicht bereit so leicht aufzugeben, versuchten ihre gr├╝nen Augen etwas durch den Spalt hindurch zu erkennen. Doch die v├Âllige Dunkelheit vermochte auch ihr Blick nicht zu durchdringen. So duckte sie sich schliesslich vor die Haust├╝re, und steckte ihre weisse Pfote hindurch, um auf der anderen Seite die Ratte zu ertasten. Ihr Po war in die H├Âhe gereckt und der Schweif peitschte unruhig durch die Luft. So v├Âllig in ihrem Element, vergass sie sogar auf die Umgebung zu achten, weshalb sie vor Schreck erstarrte, als ein dunkler Schatten am Rande ihres Gesichtsfeldes auftauchte.

Nur zwei minzgr├╝ne Punkte leuchteten wie Smaragde, als sie sich in die Ecke duckte, und so der Aufmerksamkeit des Menschen entging, der an dem Eingang vorbeischritt. Selbst die fette Ratte war vergessen, als sie pl├Âtzlich seinen Geruch in der Nase hatte.
Unter tausend anderen h├Ątte sie ihn wiedererkannt. Eine Mischung aus verschiedenen Duftnoten, die in keiner Weise zueinander passen wollte: Die k├Ârpereigenen m├Ąnnlichen Ausd├╝nstungen vermischten sich mit einem intensiven Farbgeruch, wurden begleitet von einer s├╝sslich metallischen Essenz von Blut und abgerundet von dem sanften Aroma frischer Rosen.
Sie beobachtete angespannt, wie er die Strasse entlangging. Emilia wurde unruhig. Was sollte sie tun?

Die menschliche Vernunft riet ihr, sich bedeckt zu halten und schnellstm├Âglich nach Hause zu fliehen ÔÇô dieser Mann war eindeutig gef├Ąhrlich!
Doch in Katzengestalt hatte sie nicht die Oberhand, weshalb die Neugier siegte und sie dem Mann spielerisch hinterhert├Ąnzelte. Geschickt duckte sie sich in Hauseing├Ąnge und dunkle Gassen, um nicht bemerkt zu werden. Da sie selbst jedoch ihre eigenen Schritte nicht h├Ârte, hatte sie auch nie gelernt perfekt zu schleichen, weswegen immer wieder das leise Tapsen ihrer Pfoten zu h├Âren war, das vor Allem einem ge├╝bten Ohr auffallen konnte.
Als er pl├Âtzlich mitten in der Strasse stehenblieb, versteckte sich Emilia schnell hinter einem M├╝llsack, der neben einer Haust├╝r zum Abholen bereitstand. Der Geruch von gammelndem Fleisch liess sie ihr N├Ąschen krausziehen.
Im n├Ąchsten Moment vergass sie jedoch diese Belanglosigkeit, als der Kerl auf einmal zu einer Seitengasse herumschnellte. Die Bewegungen waren fliessend und zeugten davon, dass er nicht zum ersten Mal mit den Messern zielte. Emilia konnte den Aufprall der Messer nicht h├Âren, sah aber eine pummelige kleine Gestalt davonhuschen. Somit hatte er ihr Abendessen endg├╝ltig vergrault.

Im Schein der Laternen konnte sie seine angespannte Haltung erkennen. Emilia stutzte. Er erinnerte sie an ihre Beute, wenn sie sp├╝rte, dass die Katze nicht weit sein konnte. Sogleich waren alle ├ängste wie weggeblasen und sie f├╝hlte sich als J├Ągerin, die ihre Maus in die Enge trieb. So ÔÇ×jagteÔÇť sie ihn also durch die Strassen, folgte ihm immer in einigen Metern Abstand und genoss das Spiel, welches es f├╝r sie darstellte. Als er schliesslich in einem Gasthaus verschwand und ihr die T├╝r vor der Nase zugeknallt wurde, blieb sie entt├Ąuscht zur├╝ck.
Unschl├╝ssig setzte sie sich hin und beobachtete die Strasse, die so menschenleer war. Sie hatte noch keine Lust, nach Hause zur├╝ckzukehren, weswegen sie anfing, in aller Gr├╝ndlichkeit ihr Fell zu pflegen. Selbst die ├ľhrchen entgingen der S├Ąuberungskation nicht.

Als die T├╝r schwungvoll aufgestossen wurde, bekam sie das im ersten Moment nicht einmal mit, denn die Ger├Ąusche der G├Ąste drangen nicht zu ihr vor.
Es war der Geruch, der sie wie magisch anzog. So verfolgte sie ihn wiederrum durch Drakenstein. Ihr Blick blieb an dem seltsamen Holzgestell h├Ąngen, das er ├╝ber der Schulter trug, sowie einer vollgestopften Tasche. Was darin wohl alles verborgen war?
Vor Allem der Farbgeruch hatte stark zugenommen.
W├Ąhrend sie noch so in ihre ├ťberlegungen versunken war, blieb die Gestalt vor einem lottrig anmutenden Haus stehen. Es entsprach so gar nicht den Vorstellungen eines gem├╝tlichen Heims, wie es Emilia von Kindheit an kannte.
Er blickte sich suchend um, erwartete er jemanden?

Die Katze stand an einer Ecke und in ihre Beobachtungen vertieft.
Pl├Âtzlich traf sie ein fieser Fusstritt in die Seite und gleich darauf folgten w├╝tende Fl├╝che, welche Emilia jedoch nicht h├Âren konnte, als der Betrunkene ├╝ber die Katze stolperte und sich dabei den Kopf an der Wand stiess.
Sie hingegen war so sehr erschrocken, dass sie ein ├Ąngstliches Aufjaulen von sich gab und gleich darauf einen emp├Ârten Katzenbuckel machte. Der Betrunkene verfluchte das Mistvieh und torkelte dann zielstrebig auf die Spelunke zu, ohne sie eines weiteren Blickes zu w├╝rdigen. Emilias Puls raste, ihr K├Ârper war gespannt wie eine Bogensehne und trotzdem funkelte sie ihm w├╝tend hinterher, weil sie ihr Fell gleich noch einmal vom Schmutz sauber lecken m├╝sste.
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Re: Komm, s├╝sser Tod

#4

Beitragvon Dimicus » So 30. Okt 2016, 13:58

Dimicus verlie├č am n├Ąchsten das Bordell, um die Vorbereitungen f├╝r den Mord an der Schlange zu treffen...

So war es also gekommen, er als Verb├╝ndeter einer dahergelaufenen Bordellmutter, welche ihre Konkurrenz mit seiner Hilfe ausschalten und die eigene Macht festigen wollte. Es war nichts ungew├Âhnliches f├╝r dieses Metier, doch ├Ąrgerte sich der junge K├╝nstler ma├člos dar├╝ber, in welchen Umst├Ąnden er f├╝r sie arbeitete. Doch zumindest war er sich sicher, dass er seine Kunst aus├╝ben konnte. Einem Liebchen, welchem man zu lang keine Aufmerksamkeit schenkt, f├╝hlt sich vernachl├Ąssigt. Also warum nicht die Gelegenheit nutzen und zumindest einen Teil seines Seins weiter erf├╝llen?

Im Geiste ging er seinen Plan durch, als er ├╝ber die belebten und sonnigen Stra├čen Drakensteins lief. Es war um die Mittagszeit sehr viel los, verschiedene V├Âlker waren zu sehen, auch wenn der Gro├čteil aus Almanen wie er bestimmt. Seine Blicke schweiften ├╝ber die verschiedenen Wesen der Stra├čen, er betrachtete sie, w├Ąhrend seine ersten Schritte ihn schon in die Richtung seines ersten Teilzieles brachten. Seine Ohren vernahmen verschiedenste Stimmen, Schreie, Rufe, Gespr├Ąche. Kinder, Alte, Frauen und M├Ąnner. Sie sind alle seine Zuschauer, seine unfreiwilligen Anh├Ąnger und Betrachter seiner Kunst. Man redet nicht viel dar├╝ber, aber es ist dennoch jedem bewusst. Genau wie er ihre ungeteilte Aufmerksamkeit genoss, ahnten sie nicht einmal im Ansatz wer sich dort neben ihnen bewegte. Bei diesem Gedanken umspielte ein L├Ącheln seine Lippen.
Beinahe bei dem Bordell der Konkurrenz angekommen, erweckten jedoch ein paar gewechselte Worte zwischen zwei M├Ąnnern seine Aufmerksamkeit. "- Konkurrenz zum Rosend├Ąmonen.", bekam er das Ende des Satzes mit. "Bist du dir sicher? Wenn dieser Typ mit seinen grausamen Spielchen umherstreift, dazu noch der Rosend├Ąmon. In welchen Zeiten leben wir? Man ist ja gar nicht mehr sicher." Der andere nickte darauf nur mit einem zustimmenden Summen seiner Stimme. Darauf wechselten sie auch schon das Thema, Belanglosigkeiten des Lebens. Doch was hatte er da geh├Ârt? Konkurrenz? Irgendwann sollte er dem nachgehen. Es ist schon allein eine Beleidigung f├╝r ihn, wenn man ihn zum Kontrast zu einem anderen stellt.

Jedoch galten jetzt schon andere Priorit├Ąten und er musste seinen Auftrag fertigstellen, ehe er sich darum k├╝mmern konnte. Inzwischen war er bei dem besagten Bordell angekommen, sein Blick ruhte auf das Gecsh├Ąft, welches eine direkte Gefahr f├╝r Maliks Gesch├Ąft darstellte. Ruhig lehnte er sich in einem Schatten gegen├╝ber des Hauses, beobachtete genau, wer den Laden betrat und wie der allgemeine Verkehr war. Dabei konnte er mit gro├čer Sicherheit ermitteln, dass er nicht offiziell ge├Âffnet war. Haupts├Ąchlich gingen nur bullige M├Ąnner ein und aus, genau so wie leichtbekleidete Damen, die aber Besorgungen zu machen schienen. Er w├╝rde es am Tage machen, er hatte auch schon eine Idee wie genau. Die Konkurrenz die von Malik ausging war nicht zu untersch├Ątzen und ihm w├╝rde sicherlich Einlass gew├Ąhrt werden, wenn er ein entsprechendes Angebot zu ihrer Eliminierung darbieten w├╝rde. Die armen Tr├Âpfe w├╝rden nicht wissen, wie um sie geschieht, wenn er erst einmal drinnen war. An musste jedoch betrachten, dass Dimicus nur seinem Ziel nahekommen und es in ein wahres Meisterwerk verwandeln w├╝rde. F├╝r die Ablenkung oder Ruhe musste er sich im gegebenen Zeitpunkt etwas einfallen lassen.

Nach nun nicht mehr als f├╝nf Minuten seiner kurzen Beobachtungen l├Âste er sich wieder, doch f├╝hlte er sich ein erneutes Mal beobachtet. So wie am Abend zuvor, hatte er das Gef├╝hl, dass ein feines Paar Augen auf ihm ruhten. Er schaute sich um, doch die Menschen gingen ihren normalen T├Ątigkeiten auf, zwischen ihnen einfache Tiere. Hunde, Katzen, H├╝hner. Nichts un├╝bliches. Scheinbar drehte er durch, zumindest hatte er das Gef├╝hl, so wie er sich beinahe schon regelrecht verfolgt f├╝hlte. Tief atmetete er durch und ging lieber den Rest seines Weges zu einem Alchemisten nach, noch ein Gegengift besorgen, zum Gl├╝ck hatte er Malik als Schlange sehen und somit ihre Art bestimmen k├Ânnen. Er wusste, welches Gegengift er nehmen m├╝sse. Mit etwas mehr Vorsicht und Scharfsinn bewegte er sich weiter durch die Stra├čen, sp├╝rte Blicke an ihm haften, welche ihm Unwohlsein ├╝ber den R├╝cken jagten. Er versuchte Gassen und eher un├╝bliche Wege wie Pfade zu nutzen, aber es verschwindete einfach nicht. Was war es?! Die Frage machte ihn mehr als verr├╝ckt. Warum empfand er etwas so Extremes? Sein Blick folgte und suchte, doch fand nichts. Es war wohl wirklich um ihn geschehen. Mit einem genervtem Seufzer beschleunigte er einfach seine Schritte, kam alsbald auch bei einem Alchemisten an und besorgte das Gegengift.

Doch sein Weg f├╝hrte ihn nicht direkt wieder zur├╝ck, sondern in einer der Gassen duch die er gekommen war. Stattdessen sie jedoch vollst├Ąndig zu durchqueren, lehnte er sich dort an der Wand, sein Gef├╝hl des Beobachtetwerdens verschwand nicht einfach, es blieb. Nun wartete er, was passieren w├╝rde. Einer seiner H├Ąnde verschwand unter seinem Mantel, umschloss bereits einen Wurfdolch. F├╝r einen Moment warten und schauen was passieren w├╝rde...
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Gl├╝ck ist der Mangel an Informationen.
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Re: Komm, s├╝sser Tod

#5

Beitragvon Emilia » Fr 4. Nov 2016, 08:09

Am n├Ąchsten Tag h├Ątte Emilia gerne bis nach dem Mittag geschlafen, doch das liess ihre Tante Lucinda nicht zu. Befehlsgewohnt st├╝rmte sie gegen neun Uhr ins Zimmer der jungen Frau, reagierte jedoch gleich etwas beherrschter, als die junge L├Âwin sie von ihrem Schlafplatz herunter faul anblinzelte.
┬źEmilia, du weisst doch, dass dein Onkel es nicht gutheisst, wenn du dich als Tier herumtreibst┬╗, befand sie denn auch, jedoch nicht ohne die Grosskatze dabei argw├Âhnisch zu beobachten.

┬źHeute kommt doch unser charmanter Wilfried zu Besuch. Du solltest dich auf das gemeinsame Mahl vorbereiten. Und lass dir von deiner Zofe das Haar machen, beim letzten Mal hatte die Frisur grosse ├ähnlichkeit mit einem Heuhaufen. Dabei meint es dein Onkel doch so gut mit dir. Etwas mehr M├╝he k├Ânntest du dir da schon geben. Hach, dein Herr Papa, Ainuwar habe ihn selig, liess einfach die Z├╝gel zu sehr durchh├Ąngen. Ich verstehe, da dass du als einziges Kind eine besondere Stellung bei ihm einnahmst, doch damit muss nun Schluss sein. Deine Mutter hat dir nun auch nicht gerade die besten Gene weitervererbt. Wenn es wenigstens richtige Magie w├Ąre, dann k├Ânnten man dich auf eine Akademie schicken. So bleibt nur das reiche Erbe, um den Zuk├╝nftigen zu entsch├Ądigen, denn mit der Sch├Ânheit ist es auch nicht weit hergeholt.
Und dann noch
ein taubstummes Kind. Ich frage mich ja, welche g├Âttliche Ungunst die Familie auf sich geladen hat, um auf diese Weise bestraft zu werden┬╗
, betreten verfiel sie in ein Schweigen.

Sie sprach oftmals darauf los ohne sich im ersten Moment bewusst zu sein, dass die Angesprochene ihre Worte nicht h├Âren konnte. Im Nachhinein bedankte sie sich jedoch im Stillen daf├╝r, denn sie ahnte, dass die L├Âwin nicht so friedlich geblieben w├Ąre, h├Ątte sie auch nur die H├Ąlfte davon verstanden.
Trotzdem konnte Emilia die Bedeutung der Worte anhand ihrer ver├Ąchtlichen und emp├Ârten Gestik erahnen. Ihre Lippen verzogen sich beim Reden zu einem h├Ąmischen L├Ącheln, so als w├╝rde sie der reichen Familie dieses Ungl├╝ck g├Ânnen, aus dem sie nun ihrerseits zu profitieren gedachte.
Gleichzeitig sprach aus ihrer herrischen Haltung die Aufforderung, dass endlich Bewegung in das M├Ądchen kommen sollte. Auch das Lippenlesen war dem tauben M├Ądchen nicht fremd, doch fiel ihr dieses in menschlicher Gestalt um einiges leichter.

Emilia konnte es nicht lassen, sich auf ihrem erh├Âhten Schlafplatz gen├╝sslich zu r├Ąkeln, und dabei die Krallen auszufahren. Lucinda schnappte wie ein Fisch nach Luft, als die scharfen Klauen ├╝ber die Wand schabten und ein h├Ąssliches Ger├Ąusch absorbierten. Die L├Âwin ├Âffnete nun demonstrativ ihr mit t├Âdlichen Waffen besetztes Maul, und gab ein ausgiebiges G├Ąhnen von sich, das einen tiefen Einblick in ihren Rachen zuliess. Als sie gleich darauf Lucinda mit wachem Blick taxierte und Anstalten machte, sich zu erheben, war die Tante schnell verschwunden, um ihren Platz der eifrigen Gisela zu ├╝berlassen, welche sich vornahm, das volle Haar ihrer Herrin zu einer fantastischen Frisur zu drapieren.

Drei Stunden sp├Ąter langweilte sich Emilia sich bereits zwischen den G├Ąngen. Da sie weder sprach noch h├Âren konnte, unterliess es die Verwandtschaft, sie in die Gespr├Ąche einzubeziehen. Anfangs hatte Wilfried aus H├Âflichkeit einige freundliche Floskeln zu ihrer Haarpracht und dem Kleid abgegeben, doch dann hatte er sich zusammen mit seinem Vater Alfonso politischen Themen zugewandt.
Emilia beobachtete die Gespr├Ąche nicht aus Interesse, sondern aus H├Âflichkeit. Der Herr Papa hatte viel Wert darauf gelegt, dass sie sich am Tisch anst├Ąndig verhielt. Dies beinhaltete weder, dass sie vertr├Ąumt durch die Gegend blickte, noch dass sie ihre Nasenfl├╝gel bl├Ąhte, um mehr von den Ger├╝chen einzufangen, welche sie immerzu umgaben.
Stattdessen haftete ihre Aufmerksamkeit an den Lippen ihres Onkels Alfonso, der sich gerade ├╝ber den Hochadel ausliess, der die gutb├╝rgerlichen Familien von oben herab behandelte. Beim Sprechen formten sich seine woll├╝stigen Lippen immer wieder zu neuen Formen. Seine Mundwinkel hingen dabei herunter, was ahnen liess, dass er w├╝tend war. Emilia bemerkte auch die feine Spucke, welche sich wie ein Spr├╝hregen beim Reden auf seinen Teller verteilte. Fasziniert beobachtete sie, wie eines der Tr├Âpfchen an seiner Unterlippe h├Ąngen blieb.
Die Bedeutung seiner Lippenbewegungen verschwanden vor ihren Augen, nachdem sie sich nicht mehr darauf konzentrierte, die Worte zu verstehen.

Nach dem Dessert entschuldigte sich Emilia mit einem Knicks, um die Toilette aufzusuchen. Auf dem R├╝ckweg blieb sie stehen, als sie bemerkte, dass jemand die Hintert├╝re offenstehen gelassen hatte.
Als der Geruch der Freiheit in ihre Nase drang, blickte sie nicht zur├╝ck, als sie durch die T├╝r hinausschl├╝pfte, und sie leise hinter sich schloss.
Sie w├╝rde nur kurz einen Spaziergang unternehmen, etwas frische Luft schnappen. Ihre Verwandten w├╝rden gar nicht bemerken, dass sie fehlte.

Bald schon mischte sie sich unter die anderen Menschen. Doch es erschreckte sie jedes Mal, wenn sie versehentlich angerempelt wurde, weswegen sie sich schliesslich lieber etwas abseits bewegte. Das dunkelblaue Kleid, das sowohl ihrer Figur als auch ihren Augen schmeichelte, zierte bereits ein verstaubter Saum. Auch ihr streng hochgestecktes Haar l├Âste sich zunehmend und so fielen ihr einige der kakaobraunen Locken ins Gesicht.
Irgendwann bemerkte Emilia irritiert, dass sie sich in den Nebengassen verlaufen hatte. Suchend blickte sie sich um und entdeckte einen Mann, der sich vor ihr mit sicheren Schritten durch die Strasse bewegte. Das teure Kleid, welches ihre Tante ihr aufgedr├Ąngt hatte, hinderte sie daran, sich zu verwandeln, denn sie h├Ątte es zur├╝cklassen m├╝ssen. So versuchte sie sich so unsichtbar wie m├Âglich zu halten, und folgte dem Menschen in grossem Abstand.
Sie war so darauf fokussiert, ihn nicht aus den Augen zu verlieren, dass sie den feinen Geruch nicht bemerkte, der von ihm ausging und in ihr alle Alarmglocken h├Ątten wecken m├╝ssen. In tierischer Form w├Ąre ihr dieses wesentliche Detail bestimmt nicht entgangen.

Gerade als die Strasse wieder etwas belebter wurde, schwenkte der Unbekannte in eine andere Gasse ab. Emilia wollte daran vorbeigehen, denn nun w├╝rde sie auch wieder alleine zurechtkommen, als ihr ein Luftzug seinen Geruch direkt in die Nase wehte. Abrupt blieb sie stehen und wandte sich um.
Wo wollte er hin? War er vielleicht auf dem Weg zu seinem n├Ąchsten Opfer?
Emilia betrat unsicher die Strasse. Jetzt, wo sie sich auf den Geruch konzentrierte, h├Ątte sie ihn ├╝berall wiedererkannt. Wieder l├Âsten die Duftnoten Erinnerungen und Bilder in ihr aus, die sie taumeln liessen. Das viele Blut von ihrem Herrn PapaÔÇŽ

Und als sie aufblickte, sah sie ihn. Wie hatte sie ihn bloss ├╝bersehen k├Ânnen!
Doch er war gut getarnt, in seinen dunklen Mantel gekleidet, und verborgen im Schatten an die Mauer gelehnt. Einen Moment schien Emilia wie erstarrt. Doch dann regte sich ihre menschliche Angst und damit der Fluchtinstinkt. Sie meinte etwas Silbernes aufblitzen zu sehen zwischen den Falten der Bekleidung, was den Ausschlag gab. Auf dem Absatz machte sie kehrt, raffte ihr langes Kleid und rannte los.
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Re: Komm, s├╝sser Tod

#6

Beitragvon Dimicus » Fr 4. Nov 2016, 19:38

Damit hatte sich sein Bauchgef├╝hl doch bewiesen. Nicht lang stand er im Schatten der Gasse, als eine Person eben jene betrat. Aus dem Augenwinkel schien sie weiblich zu sein und er reagierte zuerst gar nicht weiter, bis sie erstarrte. Noch hielt er inne, wartete wie ein J├Ąger auf den richtigen Moment und w├Ągte feinstens ab, wann er zuschlagen sollte und ob dies ├╝berhaupt n├Âtig war. Doch als er die schlagartigen Bewegungen aus seinem Augenwinkel wahrnahm, eine braune M├Ąhne die im Winde zu fliegen schien, schritt er zur Tat. Mit schneller Eleganz blitzte das Metall unter seinem Mantel hervor, ein Surren ert├Ânte und schon im n├Ąchsten Moment traf ein Wurfdolch die Wade der jungen Frau, welche sofort nach vorn ├╝berfiel. Erwischt. Wieder ein perfekt geworfener Dolch. Es f├╝hlte sich gut an, einen Pinselstrich so pr├Ązise f├╝hren zu k├Ânnen.

Doch nun galt es keine Zeit zu verlieren, als sich schon seine F├╝├če von dem Stein der Stra├če abstie├čen, er lospurtete, um die junge Frau zu erreichen, ehe sie noch auf dumme Gedanken kam. Sie war ihm einige Erkl├Ąrungen schuldig und schon allein ihre Flucht hatte sie mehr als verraten. Seine schnellen Schritte hallten in der Gasse, kamen ihr immer n├Ąher und f├╝r sie musste es sich anf├╝hlen, als ob ihr Tod an sie herannahen w├╝rde. Schon im Lauf hatte er seinen Dolch gezogen, brachte sich schlie├člich neben sie und warf sie grob auf den R├╝cken, noch weiter in den Schatten der Gasse und somit gesch├╝tzt vor jedem fremden Blick.
Sein rechtes Knie legte sich auf ihr Brustbein, womit er ohne Weiteres ihre Armung kontrollieren konnte, wenn er es denn wollte. Sie war ihm ausgeliefert, sein linkes Knie hatte fest ihren Arm im Griff und sein Dolch wollte gerade zu ihrer Kehle schnellen, ehe er innehielte. Seine Augen, weiterhin verborgen unter der Kapuze, fixierten die ihren, er sah die Angst und Panik in ihr. Ihr Duft schien ... animalisch, beinahe wie der Geruch einer Katze. Weiter sah er ihre Z├╝ge an, musterte sie genau. Irgendwoher kannte er sie, doch er konnte sie nicht richtig zuordnen. Wie ein zerlaufenes Bild mutete etwas in ihm die Identit├Ąt dieser jungen Frau an, doch er wusste jetzt schon, dass es nicht seiner Kunst w├Ąre, sie zu t├Âten. Etwas hinderte ihn daran, doch er wusste nicht was. Er kannte sie, doch nur woher?
Noch ehe er eine Antwort auf diese Frage kannte, hatte er bereits seinen Dolch wieder weggesteckt. Seine Griffe l├Âsten sich, als es ihm schlie├člich einfiel. Sein Mund formte die Worte: "Emilia Katharina von Kreuzenstein, Tochter des Frederick von Kreuzenstein, welcher dem Rosend├Ąmon zum Opfer gefallen ist." Sein Mund war deutlich unter der Kapuze zu sehen, doch der Rest blieb im Schatten eben jener. Sie war die Tochter seines letzten Opfers, jene die er gut versteckt hatte und ├╝ber welche kaum etwas bekannt schien. Sie war hier, allein, drau├čen? Er hatte seine Hausaufgaben gemacht und die Freunde des Vaters ausgefragt, sich sogar bei ihrem Vater selbst eingeschlichen, als enger Vertrauter. Einmal hatte er sie gesehen. Ein sch├╝chternes M├Ądchen, sie hatte nicht viel gesprochen und doch hatte sie schon immer einen gewissen Anmut an sich.
Jetzt lag sie vor ihm, von ihm verwundet. Seine Beute welche im normalen Falle nun die s├╝├če Trauer des Todes ereilte, um die wahre Sch├Ânheit ihres Seins erreichen zu k├Ânnen. Doch mit ihr hatte er nicht gerechnet. Sie konnte ihn schlecht kennen, geschweige denn seine geheime Identit├Ąt. Wieso also war sie es, die ihn verfolgte? Hatte sie sich einfach f├╝r ihn interessiert? Er wusste nicht was, aber dieses M├Ądchen l├Âste etwas in ihm aus, auch wenn man es ihm nicht ansehen konnte. Ihm war es nie untergekommen, Verwandschaft eines seiner Opfer zu treffen, geschweige denn direkt eines der Kinder. "Heute ist Euer Gl├╝ckstag.", sprach er ruhig, lie├č sich nichts von der Unsicherheit anmerken, welche ihn gerade im Inneren zu plagen schien. Stattdessen griff er an den noch immer in ihrer Wade steckenden Wurfdolch und zog ihn mit einem galanten Zug aus ihrem Bein. Kaum eine Sekunde sp├Ąter hatte er bereits den Verband in der Hand, umwickelte damit die frische Wunde der jungen Frau. Er stoppte ohne Weiteres die Blutung, w├Ąhrend er ihre Blicke auf sich sp├╝rte.
Warum tat er das? Wieso t├Âtete er sie nicht einfach? Doch dieser Blick in ihre Augen verrieten ihm etwas, was ihm Angst bereitete. Etwas, dass tief in ihr schlummerte und Schmerz, den sie durchgemacht haben musste.

Als Letztes zog er schlie├člich ein kleines B├╝ndel an Kr├Ąutern aus einer seiner Taschen, betrachtete es. "Warum verfolgt Ihr mich? Was bringt es Euch?", stellte er offen die Frage, nichtsahnend um ihre Einschr├Ąnkung. "Au├čer Verletzungen und vielleicht sogar den Tod werdet Ihr nichts finde, dass m├╝sste Euch doch sicherlich bewusst sein, oder?" Beinahe als ob nichts geschehen w├Ąre, hielt er ihr das Kr├Ąuterb├╝ndel hin, welches sie kauen sollte. Es w├╝rde den Schmerz wesentlich ertr├Ąglicher machen. "Was erwartet Ihr Euch davon, ausgerechnet mir zu folgen?", stellte er abschlie├čend, w├Ąhrend er mittlerweile ganz von ihr abgelassen und sich neben sie gehockt hatte.
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Re: Komm, s├╝sser Tod

#7

Beitragvon Emilia » Mo 7. Nov 2016, 19:47

Der Schmerz bohrte sich wie ein fieser Stachel in ihre Wade und liess sie taumeln. Emilias erschrockener Schrei verhallte ungeh├Ârt in der Seitengasse, als sie hart zu Boden st├╝rzte und der Aufprall ihr die Luft aus den Lungen presste. Sich der Gefahr bewusst, versuchte sie sich ungelenk aufzurappeln, doch bei dem Versuch das Bein zu belasten, wurde ihr schwindlig. Im n├Ąchsten Moment sah sie bereits einen Schatten auf sich zu schnellen, der sie unsanft herumriss und auf den R├╝cken warf wie einen wehrlosen K├Ąfer. Der Angreifer schien ge├╝bt in seinem Tun, denn sogleich fixierte er sie geschickt am Boden. Emilia versuchte sich verzweifelt aus dem Griff zu entwinden, dachte sie doch, dem Tod ins Auge zu blicken.

Ihr Herz pochte wie wild und die Furcht stand ihr ins Gesicht geschrieben. Doch erst, als sie das metallische Funkeln des Dolches in seiner Hand bemerkte, l├Âste dies ihre Urinstinkte aus. In ihrem Innern tobte die L├Âwin bereits, da sie nicht herausgelassen wurde, um zu k├Ąmpfen, w├Ąhrend die Hauskatze sich in den hintersten Winkel ihres Seins zur├╝ckzog und die Vernunft ziemlich unglaubw├╝rdig versuchte, das Raubtier zu beruhigen.
Emilia sp├╝rte im selben Moment ein bekanntes Kribbeln unter ihrer Haut, als w├╝rden tausende Ameisen darunter herumkrabbeln.
Die Gestaltwandlerin wusste, was nun folgen w├╝rde und es erf├╝llte sie mit Angst, denn ihre Instinkte ├╝bernahmen offensichtlich das Kommando, was zu unvorhersehbaren Taten f├╝hren konnte.
Ihre Pupillen weiteten sich in der Dunkelheit katzenartig, ein erstes Anzeichen der sich aufdr├Ąngenden Verwandlung wie auch die gebl├Ąhten Nasenfl├╝gel. Als n├Ąchstes w├╝rde sich ihr K├Ârper vom R├╝cken her mit Fell ├╝berziehen, und gleichzeitig Krallen, Z├Ąhne, Ohren und Schwanz ausbilden, bevor dann auch das Skelett seine Figur ver├Ąndern w├╝rde. Normalerweise geschah dies alles gem├Ąchlicher, entspannter und schmerzloser, doch in dieser t├Âdlichen Situation pumpte ihr Herz das Adrenalin durch jede Pore ihres K├Ârpers, was den Vorgang um ein Vielfaches beschleunigte.

Dann jedoch z├Âgerte der Fremde und der Dolch verschwand aus ihrem Sichtfeld, noch bevor sie mit der scharfen Klinge ein weiteres Mal in Ber├╝hrung kam.
Sein Blick bohrte sich in den ihren und dann bewegten sich seine Lippen: ÔÇ×ÔÇŽTochter des Frederick von Kreuzenstein, welcher dem Rosend├Ąmon zum Opfer gefallen ist.ÔÇť
Die ersten Worte entgingen ihr, doch dann zuckte Emilia zusammen, als sie den Sinn erfasste. Gleichzeitig wurde sie sich aber auch bewusst, dass er noch nicht vorhatte, sie zu t├Âten. Sogleich begann die Vernunft einen Ringkampf mit dem Besch├╝tzerinstinkt, und ging dabei siegesreich hervor. Unmerklich bildeten sich die Pupillen zur├╝ck und das Kribbeln liess nach, ohne jedoch g├Ąnzlich zu verschwinden.

Woher kannte er sie?
Emilia konnte sein Gesicht unter der Kapuze nicht erkennen, denn es lag v├Âllig im Dunkeln. Die Form seines Kinns und die fein geschwungenen Lippen kamen ihr vage bekannt vor, doch sie konnte sich nicht entsinnen woher. Dies war ein befremdliches Gef├╝hl f├╝r Emilia, denn sie besass eine hervorragende Erinnerungsgabe. Es musste an seinem Geruch liegen, welcher die Bilder an den Tod ihres Vaters hervorrief, und somit alle anderen Erinnerungen ├╝berschattete.

W├Ąhrend sie sich zu erinnern versuchte, starrte sie ihn weiterhin gebannt an. Sie machte sich Nichts vor. Dieser Mann w├╝rde sie vermutlich ohne mit der Wimper zu zucken t├Âten.
Schliesslich wusste sie, wer er war und welcher M├Ârder konnte schon eine Zeugin gebrauchen? AberÔÇŽ konnte er ├╝berhaupt von ihrem Wissen erfahren haben? Sie hatte Niemanden davon unterrichtet.
Emilia verw├╝nschte sich selbst. Nun w├╝rde dieser Schuft ungestraft davonkommen. Ob er mit ihrem K├Ârper auch ein solches Kunstwerk erschaffen w├╝rde?
Einen kurzen Moment f├╝hlte Emilia Entt├Ąuschung dar├╝ber, dass sie es nicht mitansehen k├Ânnte.

ÔÇ×Heute ist Euer Gl├╝ckstagÔÇť, verrieten ihr da seine Lippenbewegungen.
Nun, so w├╝rde ich das nicht gerade nennen, h├Ątte ihm Emilia gerne geantwortet, schnappte stattdessen aber bloss nach Luft, als er den Dolch in einer geschmeidigen Bewegung aus der Wunde zog. Sofort quoll der dunkelrote Lebenssaft hervor und befleckte die Unter- und ├ťberr├Âcke, welche von der ruppigen Behandlung bereits arg in Mitleidenschaft gezogen worden waren.
Meine Tante wird mich k├Âpfen, wenn es dieser Kerl nicht vorher schon tut, schoss es der jungen Frau durch den Kopf.

Sie zuckte zusammen, als sie die um einiges sanftere Ber├╝hrung an ihrem Bein wahrnahm, das nun mit einem Verband versorgt wurde. Trotzdem musste sie dem Impuls widerstehen, sich ihm zu entziehen, denn ihr Fluchtinstinkt war noch lange nicht einfach verschwunden.
Schliesslich zog er sich zu ihrer ├ťberraschung etwas zur├╝ck und st├Âberte in seiner Tasche, um dann ein Kr├Ąuterb├╝ndel hervorzukramen und es ihr entgegenzuhalten.
Die ersten Worte entgingen ihrer Aufmerksamkeit, doch die weiteren Fragen liessen sie erahnen, was er von ihr wissen wollte.
Ihr fiel auf, dass es nicht schwer war, seinen Worten zu folgen, trotz der prek├Ąren Situation. Er hatte eine deutliche Aussprache, was das Lippenlesen erleichterte. Es waren Momente wie diese, wo sich Emilia fragte, wie die Stimme wohl klingen mochte.
F├╝hlte sie sich rau an, wie die Rinde der alten Eiche, auf die sie vor einigen N├Ąchten geklettert war? Oder fl├╝ssig und umschmeichelnd wie das Wasser, mit dem sie sich t├Ąglich wusch? Oder klang sie gar fr├Âhlich und flatterhaft, wie es die V├Âgel waren, wenn sie morgens auf den Gibeln herumscharwenzelten und den Tag begr├╝ssten?

Sie wurde aus ihren Gedanken gerissen, als er sich bewegte und sich neben ihr niederliess. Das Kr├Ąuterb├╝ndel beachtete sie aus Misstrauen nicht weiter, stattdessen setzte sie sich auf und zog reflexartig ihre Knie an den K├Ârper heran. Erst als auch ihre Kn├Âchel z├╝chtig unter dem Saum versteckt waren, umschlang sie die Beine sch├╝tzend mit ihren Armen. Dabei sp├╝rte sie das Pochen der Wunde schmerzhaft, als w├╝rde der Dolch erneut nach ihr stechen.
Nachdem die Vernunft langsam wieder obsiegte und das Kribbeln verschwand, trat die Angst von Neuem hervor.
Was sollte sie dem M├Ârder ihres Vaters antworten? Dass sie wusste, wer er war und was er getan hatte? Oder dass sie ihm nur zuf├Ąllig ├╝ber den Weg gelaufen war? Und ├╝berhaupt, wie sollte sie sich ihm verst├Ąndlich machen?

Emilia begann pl├Âtzlich am ganzen K├Ârper zu zittern. Sie verstand die Welt nicht mehr. Kurz zuvor wollte er sie t├Âten, sie hatte den verr├Ąterischen Glanz in seinen Augen gesehen, und nun sass er fromm wie ein Schaf neben ihr. Wolf im Schafspelz traf es wohl besser.
Er hatte Recht, was hatte sie sich nur dabei gedacht, diesem Mann zu folgen. Hatte sie ihn ├╝berw├Ąltigen wollen?
ObwohlÔÇŽ eigentlich hatte sie ja gar nicht gewusst, dass ausgerechnet ER sie aus dem Strassenlabyrinth h├Ątte f├╝hren sollen, nachdem sie sich darin verlaufen hatte.

Emilia versuchte erst gar nicht, Worte mit ihrem Mund zu formen, denn sie wollte sich nicht noch weiter entbl├Âssen. Ihre Finger tasteten vorsichtig ├╝ber ihr Gewand, ohne dabei den Blick von ihrem Gegen├╝ber zu wenden. Trotzdem bemerkte sie sogleich die angespannte Haltung, in welche er verfiel. Sofort hielt sie inne und bedeutete ihm, selbst nachzusehen. Er w├╝rde nichts anderes vorfinden, als ein vielfach gefaltetes und bereits teilweise beschriebenes Blatt Pergament, sowie einen frisch zugespitzten Kohlestift.

Nachdem sie somit ihre Utensilien dem ├╝berraschten Angreifer vergegenw├Ąrtigt hatte, fing sie auch sogleich unter seinem Blick zu schreiben an. Noch etwas unsicher und mit fahriger Schrift begann sie ihre Erkl├Ąrung mit den Worten ÔÇ×ich habe mich verlaufenÔÇť.
Unsicher blickte sie zu ihrem Peiniger hin├╝ber, der nicht sehr ├╝berzogen zu sein schien. Emilia hatte beschlossen, nichts von ihrem Wissen ├╝ber seine Identit├Ąt preiszugeben, denn damit h├Ątte sie ihr Schicksal unweigerlich selbst besiegelt. Stattdessen liess sie weitere Wahrheiten einfliessen.
Umso mehr sie schrieb von ihrer Flucht vor dem bedr├╝ckenden Mittagessen, ├╝ber die Abh├Ąngigkeit zu ihrer Verwandtschaft und den Avancen Wilfrieds, bis hin zu der pl├Âtzlichen Beengtheit der Villa, desto mehr hatte sie das Gef├╝hl, eine riesige Last loszuwerden. Der Kohlestift kritzelte nun schwungvoll ├╝ber das Papier und f├╝llte es mit emotionsgeladenen Worten.
Der neutrale Zuh├Ârer beziehungsweise Leser bewirkte einen weiteren Strom von Tr├Ąnen, die jedoch eine Erleichterung f├╝r Emilia darstellten und als das Kratzen des Stifts schliesslich verstummte, waren die salzigen Spuren beinahe wieder getrocknet.
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Re: Komm, s├╝sser Tod

#8

Beitragvon Dimicus » Mo 7. Nov 2016, 22:41

Dieses junge Frau, beinahe wie ein verlorenes M├Ądchen wirkend, schien sehr besonders zu sein. Ihre Art ihm zu entgegnen, war sehr sonderbar und Dimicus musste sich eingestehen, dass er anfangs nicht ganz verstehen konnte. Seine Hand ruhte weiter mit dem Kr├Ąuterb├╝ndel in der Luft, stets ihr entgegengestreckt, um sein Angebot weiter aufrecht zu erhalten. "Ihr solltet es nehmen, es lindert die Schmerzen.", f├╝gte er an, doch sie schien ganz in ihrem Kopf versunken zu sein, genau so wie die Angst in ihren Augen mehr als eindeutig zu sehen war. Es passte gar nicht wie sie da sa├č, ver├Ąngstigt und wie ein kleines Kind verloren. Am hellichten Tage, wie sie da sa├č, im Hintergrund der Krach der Stadt und wie dieser in der engen Gasse widerhallte.

Ruhig blieb er dort also sitzen, beobachtete sie und er musste zugeben, dass er mit dieser Situation vollkommen ├╝berfordert war. Dieses M├Ądchen ... diese Frau ... sie hatte etwas ├Ąu├čerst schuld- und s├╝hnefreies an sich. Ihr Anblick jagte dem Auftragsm├Ârder eine G├Ąnsehaut ├╝ber den R├╝cken, was sonst nur die wenigsten Dinge schafften. Irgendwas an ihr schaffte es, nicht daran zu denken, sie in einer seiner Kunstwerke zu verwandeln. Ganz im Gegenteil, sie l├Âste in ihm etwas aus, was er noch nicht definieren konnte, andere aber definitiv als einen Besch├╝tzerinstinkt bezeichnen w├╝rden. Was war das, was hatte sie f├╝r eine Bedeutung? Dieses verdammte, junge Gesicht, welches die Tochter eines seiner Opfer war. Warum verfolgte ihn es so sehr, warum konnte er sein Werk nicht vollenden? Kaum h├Ârbar und f├╝r sie nicht sichtbar seufzte er, als er sie weiter beobachtete.

Sie hatte sich in eine sch├╝tzende und w├Ąrmende Position begeben, z├Âgerte einen Moment und genau f├╝r diesen Moment wurde die Stille und die Unt├Ątigkeit eine Qual des Wartens f├╝r Dimicus. Schlie├člich bewegten sich aber ihre H├Ąnde, sie wollte nach etwas in ihren Taschen greifen, doch seine Instinkte setzen ein und er spannte sich vollkommen automatisch an. W├╝rde sie eine Waffe ziehen und sich wehren wollen? W├Ąre sie wirklich SO naiv? Unm├Âglich, selbst f├╝r ihr Auftreten. Doch ├╝ber ihre Mimik und Gestik verstand, dass eben dies nicht ihre Absicht war. Ganz im Gegenteil, sie deutete auf ihre Tasche. Seine H├Ąnde griffen vorsichtig hinein und wider Erwarten zog er etwas hervor, womit er nicht rechnete. Einen Notizblock mit einem Kohlestift, Schreibutensilien, wie man sie in Professionen wie die seinen trug. Oder eben als Forscher oder aber als ... nat├╝rlich. Das ergab Sinn. Sie musste taub sein und dementsprechend stumm, doch wie hatte sie seine Worte verstehen k├Ânnen? Ihre Augen waren kurzzeitig auf seine Lippen fixiert, eine deutliche Antwort auf seine Frage. Verstehe. Du h├Ârst nicht, kannst aber dennoch verstehen. Ohne weitere Bedenken h├Ąndigte er ihr das Notizbuch und den Stift aus, lie├č sie ohne Umschweife gew├Ąhren.

Ihre ersten Worte waren jene, dass sie sich verlaufen h├Ątte. Genau diesen Eindruck hatte sie auch gemacht. Mit einem Nicken best├Ątigte er sein Verst├Ąndnis f├╝r ihre Situation, reichte ihr schlie├člich das Notizbuch zur├╝ck und schon im n├Ąchsten Moment konnte er den Stift wild und aufgeregt ├╝ber das Papier streichen h├Âren, ihre Augen waren wie gebannt auf ihr Schreiben fixiert und es schien beinahe so, als ob sie sich darin verlor. Dimicus konnte beinahe meinen, w├Ąre er in diesem Moment aufgestanden und gegangen, sie h├Ątte es nicht mitbekommen. Doch ihr Auftreten und ihre Augen zogen ihn in ihren Bann, gespannt beobachtete er sie, wie sie dort scheinbar ihre Lebensgeschichte niederschrieb. Die von ihr ausgehende Faszination brach nicht ab, ihr Antlitz und ihre Wirkung auf ihn verfehlte nicht. Interessiert folgten seine Augen immer wieder ihre Hand, versuchten einen Blick in ihre zu erlangen, doch ihr aufgeregtes Schreiben brach nicht ab und lie├č ihm keine Chance. Einige Minuten vergingen und das Schaben des Papieres erstarb, schlie├člich reichte sie ihm ihr Notizbuch, welches er mit einem dankenden Nicken entgegen nahm und schlie├člich zu lesen begann.

In diesen hastig geschriebenen Zeilen stand so viel von ihr, ihre Gedanken, die Geschehnisse der letzten Tage und schlie├člich auch, wie sie hier gelandet war. Hin und wieder blickte er auf, in ihre Augen, ├╝berpr├╝fte genau ihre Reaktionen. Was er dort zu lesen bekam, welche Auswirkungen es hatte, was er einst getan hatte. Es war beinahe eine blo├če Ironie, dass ausgrechnet sie ihm ├╝ber den Weg gelaufen war. Das Schicksal meinte es nicht all zu gut mit ihm, oder vielleicht doch? Er wusste es nicht und vorsichtig streckte er erneut die Hand aus, die Handfl├Ąche leer und offen. Seine Position nicht ver├Ąndernd, bat er wortlos um den Stift in ihrer Hand. Ohne Umschweife bekam er diesen und er begann zu schreiben: "Dieses Schicksal scheint vollkommen grausam und nicht Eures Standes angemessen. Ich wei├č wer Ihr seid und was Euch vor einiger Zeit geschehen ist. Doch mich wundert es, dass man Euch nicht zutraut, Euer Erbe und die Gesch├Ąfte Eures Vaters selbst zu verwalten." Ein aufmerksamer Blick folgte schlie├člich nach oben, inspizierte ihre Aufmerksamkeit auf ihn. "Doch so wie hier sitzt, vor mir und v├Âllig schutzlos, was macht ihr wiederum hier drau├čen? Nat├╝rlich erkl├Ąrtet ihr mir das in Eurer Schrift, doch ohne Bewaffnung, nicht einmal einen Dolch durch die Stra├čen Drakensteins zu wandeln, ist ein gef├Ąhrliches Unterfangen." Wie ironisch seine Worte doch waren. "Seid ehrlich mit mir. Wisst Ihr wer ich bin und was ich tue bzw. getan habe? Was Euch erwarten k├Ânnte?" Mit diesen letzten Worten reichte er ihr das Notizbuch und den Stift zur├╝ck, erwartungsvoll auf ihre Antwort gespannt. In ihren Augen hatte er in ihren Blicken etwas gesehen, etwas wissendes, aber f├╝r ihn weiterhin undefiniertes.
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Re: Komm, s├╝sser Tod

#9

Beitragvon Emilia » Mi 9. Nov 2016, 21:59

W├Ąhrend Emilia schrieb, schien die Welt um sie herum zu verschwimmen. Nur am Rande nahm sie wahr, dass der Fremde sie beobachtete. Trotzdem war sie sich seiner Anwesenheit bewusst. Einerseits ├Ąngstigte sie seine Pr├Ąsenz, denn sie sp├╝rte die Gefahr, die von ihm ausging. Andererseits hatte sich schon lange niemand mehr au├čer aus reinen H├Âflichkeitsfloskeln heraus, ├╝ber l├Ąngere Zeit mit ihr unterhalten. Alle sprachen zwar ├╝ber sie, aber kaum jemand mit ihr.
Und nachdem er nun so gelassen neben ihr am Boden hockte, schwand langsam ihre Furcht.
Seine Haltung war so harmlos, dass sie sogar einen Moment lang daran zweifelte, ob wirklich dieser Mann ihren Herrn Papa get├Âtet haben konnte.
Nur das Vertrauen in ihren Geruchssinn liess sie weiterhin daran festhalten. Und nat├╝rlich war auch sein Verhalten ein Indiz darauf, dass er zumindest kein unbescholtener B├╝rger war. Sonst h├Ątte er sie wohl kaum ohne einen triftigen Grund mit einem Dolch angegriffen.

Beobachtete man Emilia eingehender, so stellte man schnell fest, dass ihre Gef├╝hle gleich einem offenen Buch, f├╝r jeden sichtbar in ihrem Gesicht und ihrer Haltung zu lesen waren.
Auch wenn sie versuchte, nur das N├Âtigste festzuhalten, sprach ihr K├Ârper B├Ąnde. Beim Gedanken an ihren Vater huschte ein trauriges L├Ącheln ├╝ber ihr Antlitz. Schrieb sie ├╝ber ihre Verwandtschaft sprachen Verachtung und Wut aus ihren Augen. Und wenn der Stift von der eingef├Ądelten Hochzeit kritzelte, schien sie hilflos in sich zusammen zu sinken.
Wo sie anfangs noch Dankbarkeit empfunden und sich gefreut hatte, dass ihr Onkel ihr behilflich war, alle Angelegenheiten zu regeln, f├╝hlte sie sich nun nutzlos, ausgeschlossen und ├╝berfl├╝ssig. Alle hatten sie die junge Frau anfangs umgarnt, bemuttert und getr├Âstet, bis Emilia innerhalb weniger Wochen ahnungslos aus der Abh├Ąngigkeit zu ihrem Vater heraus ├╝bergangslos unter die Fittiche ihres Onkels geraten war.

Trotzdem verhielt sich die junge Frau h├Âflich gegen├╝ber ihrer Verwandtschaft, denn sie glaubte, dass ihr Vater nichts Anderes von ihr erwartet h├Ątte. Immerhin war auch ihr Onkel ein Gesch├Ąftsmann. Und Wilfried war schliesslich auch keine schlechte Partie. Obwohl sie keine besonderen Empfindungen f├╝r ihn hegte, wollte sie ihm eine gute Ehefrau abgeben und sich in ihr Schicksal f├╝gen.
Und nat├╝rlich wollte die Verwandtschaft nur das Beste f├╝r sie. Wie h├Ątte sie denn auch alleine den Haushalt f├╝hren und die Angestellten halten k├Ânnen?
So blieb schliesslich alles beim AltenÔÇŽ zumindest ansatzweise.

Als sie aufblickte, trafen sich ihre Blicke. Emilia err├Âtete und wandte schnell die Augen ab.
Hatte er sie die ganze Zeit ├╝ber auf diese Weise angestarrt?
Sie vermochte seinen Blick nicht zu deuten und bef├╝rchtete, dass es an ihrem furchtbaren Aussehen liegen musste. Daran war er jedoch nicht ganz unbeteiligt.
Sie strich sich die Locken aus dem Gesicht, welche sich g├Ąnzlich aus der drapierten Frisur befreit hatten und schob ihm dann das Notizbuch zu. Dabei konnte Emilia sich jedoch nicht erwehren, ihn beim Lesen zu beobachten.
Sie machte sich innerlich darauf gefasst, dass er sie verspotten w├╝rde, wie es ihre Tante manchmal tat, wenn sie glaubte, dass Emilia es nicht bemerkte.

Um sich etwas abzulenken, griff sie nun doch noch nach den Kr├Ąutern. Sich pl├Âtzlich des Beines wieder bewusst, schien der Schmerz auch sogleich zur├╝ckzukehren. Sie verzog das Gesicht zu einer Grimasse und begann vertrauensvoll auf den Kr├Ąutern herum zu kauen. Der Gedanke, dass es vielleicht ein Gift oder ├ähnliches sein k├Ânnte, kam ihr in diesem Moment nicht mehr in den Sinn. Ihre Z├Ąhne f├Ąrbten sich gr├╝nlich, doch davon bemerkte sie Nichts.

Im Gegensatz zu ihr selbst, war die Miene des Fremden eine undurchsichtige Maske. Die Kapuze verbarg seine Z├╝ge zus├Ątzlich, so dass Emilia schliesslich nerv├Âs auf ihrer Unterlippe kaute, bis er fertig gelesen hatte. Kurz darauf hielt er ihr die offene Handfl├Ąche entgegen und erhielt von Emilia auch sogleich den Stift. Sie wollte ihm sagen, dass er auch gerne sprechen d├╝rfte, denn sie mochte die Bewegungen seiner fein geschwungenen Lippen. Gleichzeitig war sie gespannt auf seine Handschrift, denn auch diese sagte viel ├╝ber einen Menschen aus.
Er begann auch ohne Umschweife zu schreiben, und f├╝llte das Pergament mit dynamisch eleganten Buchstaben. Fasziniert beobachtete Emilia seine Handbewegungen.

Erst als er ihr das Notizheft zur├╝ckreichte, blickte sie auf. Seine Augen waren erwartungsvoll auf die junge Frau gerichtet. Vor lauter Nervosit├Ąt musste sie heftig schlucken, wobei sie versehentlich die ├╝brigen Kr├Ąuter mit verschlang und nur knapp einen Hustenanfall unterdr├╝cken konnte.
Peinlich ber├╝hrt starrte sie auf die Worte und wieder drohten Tr├Ąnen ihr die Sicht zu nehmen.
Dieser unbekannte Mann schrieb, dass er ihr zutraute, den Haushalt alleine weiterzuf├╝hren. Noch niemals hatte jemand so etwas zu ihr gesagt, ob es nun die Wahrheit war oder v├Âllig ├╝bertrieben.
Als sie weiterlas, zog sie unwillk├╝rlich ihre Beine wieder an.

Nun, tats├Ąchlich trug sie keine Waffe bei sich. Bis anhin hatte sie auch nicht gewusst, dass sich solche Gefahren in den Strassen verbargen. Als Katze wurde sie meistens ├╝bersehen, gestreichelt oder auch mal verscheucht, aber niemals hatte jemand einen Dolch nach ihr geworfen.
Dass es ein gef├Ąhrliches Unterfangen ist, weiss ich nun auch, schrieb sie und warf ihm einen unsicheren Blick zu.
Ist es denn die ├╝bliche Begr├╝ssung unter B├╝rgern Drakensteins, als Erstes die Waffen f├╝r sich sprechen zu lassen? Wie bereits beschrieben, war es nicht meine Absicht, in dieser Strasse zu stranden. Ich habe mich verlaufen, als ich Abstand suchte von der Familie. Diese Stadt ist f├╝r mich noch immer Neuland.

Die n├Ąchste Frage liess sie stocken. Ehrlichkeit verlangte er von ihr. Sie z├Âgerte. Pl├Âtzlich war die Furcht wieder da und klammerte sich eisig an ihr fest.
Ihr kommt mir bekannt vor, doch ich weiss weder Euren Namen, noch kenne ich Eure Taten. Was mich erwarten k├Ânnte, darauf habt Ihr mir wohl bereits einen Vorgeschmack hinterlassen.
Obwohl die geschriebenen Worte es nicht vermuten liessen, stockte ihr der Atem und das Herz pochte in ihrer Brust.
Ihr angespannter K├Ârper, als auch der pl├Âtzliche Schreck in ihren Augen, vermochten nicht zu verbergen, dass die Frage sie ├Ąngstigte.
Um ihn abzulenken griff sie deshalb zum Stift und begann ihm mit Fragen auf den Leib zu r├╝cken, bevor er sich dazu entschliessen konnte, weitere Antworten aus ihr heraus zu kitzeln.
Da Ihr meinen Namen zu kennen scheint, w├Ąre es nur gerecht, mir auch den Euren zu nennen.
Ihr Herr Papa w├Ąre bestimmt nicht gl├╝cklich gewesen ├╝ber ihre dreist anmutenden Worte, doch sie bezweifelte, dass er jemals geahnt hatte, in was f├╝r eine Lage sie geraten w├╝rde. Wom├Âglich h├Ątte er ja ein Auge zugedr├╝ckt, wenn es um Leib und Leben ginge.
Warum versteckt ihr euch in d├╝steren Gassen und hinter dunklen Kapuzen? Man k├Ânnte meinen, Ihr h├Ąttet etwas zu verbergen oder Ihr w├Ąret ein R├Ąuber wie in den B├╝chern. Doch gleichzeitig habt Ihr eine feine Schrift, so k├Ânnt Ihr unm├Âglich ein gew├Âhnlicher Strassendieb sein.

Werde ich heute sterben?

Die Buchstaben purzelten wie von selbst auf das Papier und standen im stillen Raum. Emilia hielt den Atem an.
Seit dem Versterben ihres Herrn Papas hatte sie sich ├Âfters Gedanken ├╝ber den Tod gemacht. Und seit dem sie die Stadt des nachts erkundete, versp├╝rte sie die Sehnsucht, mehr zu erleben, bevor auch sie dieses Schicksal einiges Tages ereilen sollte.
Wer h├Ątte geahnt, dass es so rasch zuschlagen w├╝rde?
Ich w├╝rde gerne einmal bei st├╝rmischem Wetter durch einen Wald laufen, kritzelte sie auf das Blatt, und begann mit vertr├Ąumtem Blick wippende Tannen in das Notizheft zu zeichnen. Dabei l├Ąchelte sie still vor sich hin, und schien die Umgebung einmal mehr zu vergessen.
Weisst Du, wie es dort riecht?, folgte die unverbl├╝mte und neugierige letzte Frage, wobei sie unbewusst in das vertrauliche Du ├╝berwechselte.
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Re: Komm, s├╝sser Tod

#10

Beitragvon Dimicus » Do 10. Nov 2016, 21:02

Stets sp├╝rte er die Augen der jungen Frau auf sich, w├Ąhrend seine Worte auf das Papier flossen und aus diesem grunde wusste er, dass sie es war, die ihn verfolgt und heimgesucht hatte. Seine Paranoia war unbegr├╝ndet, schlie├člich schien sie vollkommen unbewaffnet und harmlos. Er fragte sich, wie sie es so allein und umherstreifend ohne einen Kratzer bis zum ihm geschafft hatte. Letztendlich w├╝rden sie die meisten M├Ąnner als Frischfleisch zum Fangen betrachten und es kam nicht selten vor, dass pl├Âtzlich eine Frau in den Stra├čen Drakensteins verschwand, wenn sie vollkommen schutzlos war, verstand sich. Nat├╝rlich hatte der K├╝nstler auch dazu beigetragen, dass die Stra├čen sich etwas mehr leerten, doch er t├Âtete stilvoll in den Schlafzimmern und Gem├Ąchern seiner Kunstwerke. Keine Vergewaltigungen, kein Sex, kein niederes Treiben. Nur die pure Gewalt seiner F├Ąhigkeiten.

Die Emotionen Emilias, ihr Gesicht wie sie in die verschiedensten Stimmungen zu wechseln schien, als sie ihre Worte niedergeschrieben hatte. Es war wahnsinnig spannend, ihre Regungen zu sehen und zu interpretieren, diese junge Frau, sie hatte etwas an sich ... er konnte es sich nicht erkl├Ąren. Zumal sie noch mutig war, die meisten h├Ątten schon bei seinen Taten erneut versucht zu fl├╝chten, ihn zu ├╝berw├Ąltigen oder zumindest nach lautstark nach Hilfe gerufen. Doch Emilia behielt trotz ihrer Furcht die Fassung, auch wenn sie wohl am liebsten etwas gegen die vorherrschende Situation getan h├Ątte. Doch, um es genauer zu betrachten, was hatte dieses Gesch├Âpf zu verlieren, wenn er erblickte was ihre Geschichte war. Ma├čgeblich hatte er dazu beigetragen, wenn er es so sah. Unmut machte sich in ihm breit, gar Mitgef├╝hl? Das konnte nicht sein, ├Ąu├čerst unwahrscheinlich war es noch obendrein. Stattdessen konzentrierte er sich lieber voll und ganz auf das aktuelle Geschehen und beobachtete diese junge Frau genauestens, als sie ihre Antworten niederschrieb.

Es weckte ein gro├čes Interesse in ihm, wie sie es tat. Vollkommen gedankenversunken und konzentriert ging sie ihrer Arbeit nach, sie wirkte wie er, wenn er malte. Wirkte er so, wenn er sich seinen Meisterwerken widmete? Dieses Feingef├╝hl, die Emotion in den Augen und dann doch dieses ungeb├Ąndigte Feuer in den Augen. Wundersch├Âne, minzgr├╝ne Augen, die in diesem Moment einen solchen Ausdruck zum Tragen brachten, als wenn es nur im Angesichte seiner selbst war und er seinem neuen Werk den Dolch durch die Kehle trieb. F├╝r einen Moment schloss er die Augen und genoss dieses Bild, doch fing sich schnell wieder, er musste sich konzentrieren. Genau schaute er, wie schnell sie schrieb und welche Gestik sie an den Tag legen w├╝rde, wenn sie es schrieb. Es w├╝rde ihm helfen, L├╝gen genauer erkennen zu k├Ânnen und absch├Ątzen, welche geschriebenen Worte der Wahrheit entsprachen. Somit wartete er also geduldig neben Emilia, deren Worte in Form von Tinte aus das Papier flossen. Zwei Mal erkannte er, dass sie f├╝r einen ganz kurzen Moment innehielt und ├╝berlegte, ihre Mimik unsicher wurde. Momente der L├╝gen. Er l├Ąchelte nur etwas unter seiner Kapuze.

Letztendlich erstummte abermals der Stift auf dem Papier und er bekam das Notizbuch gereicht, worauf er sofort zu lesen begann. Seine Augen fixierten sich fest auf das Papier, z├Ąhlten genau ab wann sie was geschrieben hatte. Es war eine h├Âchst anstrengende Aufgabe und so verlor er sich darin, in diesem Moment h├Ątte sie ihn vermutlich sogar ├╝berraschend ├╝berw├Ąltigen k├Ânnen, wenn sie es gewollt h├Ątte. Doch nach ein wenig Zeit, erkannte er die Dinge, bei denen sie gelogen hatte. Sowohl ├╝ber das warum sie in dieser Gasse landete, als auch ├╝ber den Fakt, dass sie mehr ├╝ber ihn wusste, als sie zugeben wollte. Naives M├Ądchen, aber du hast es versucht. Ein letztes Mal blickte er zu ihr auf, musterte sie und genau in diesem Moment wusste er, was er ihr auf ihre Fragen antworten w├╝rde.

Der K├╝nstler lie├č sich den Stift geben, begann schlie├člich zu schreiben: "Es ist nicht die erste Wahl jemanden mit Waffen zu bedrohen oder als Begr├╝├čung anzugreifen, allerdings m├╝sst Ihr ... musst du bedenken, dass man hier sich schnell verfolgt f├╝hlt und die Stra├čen unsicher sind. Lieber greift man zuerst zur Waffe, als zuerst zu sterben." Ein weiterer Blick nach oben musterte Emilia. Die bekam ein L├Ącheln unter der Kapuze heraus geschenkt. "Wenn du dich verlaufen hast, sollte ich dich besser zur├╝ckbringen und du etwas aus deinem Schicksal machen, statt dich diesem zu beugen. Ansonsten k├Ânnte jeder, selbst die Namenlosen wie mich, eine entscheidendere Rolle in deinem Leben spielen als du selbst. Menschen wie ich verstecken sich nicht, doch sie m├╝ssen vorsichtig sein, weil es zahlreiche b├Âse Kreaturen und Wesen gibt, die jemandem wie mir ans Leder wollen. Mein Leder ist mir kostbar."

Zu guter letzt kam er bei ihren letzten Worten und Fragen an, sah die verspielten Zeichnungen von Tannen in dem Notizbuch. Sie war unschuldig und aus diesem Grunde in den Augen des M├Ârders so sonderbar. Jedes seines Meisterwerke hatte immer einen bewegten Hintergrund, doch ihr ist nur Schlimmes widerfahren, sie hat es aber nicht verursacht. "Du wirst nicht sterben, nicht durch meine Hand.", schrieb er. Sein Innerstes rebellierte, dieses wandelnde Kunstwerk zu verfeinern, er musste herausfinden warum. "Doch ich kann dir sagen, wie die Tannen duften. Eine Mischung aus frischem Holz, gepaart mit taufrischer N├Ąsse. Ein herrlicher Duft. Du solltest das nicht verpassen." Leise seufzte er auf, als er sich an deine Zeit im Wald zur├╝ck erinnerte, der Duft der B├Ąume wenn es regnete. Vermutlich hatte sie noch nie etwas derartiges erlebt. Es war eine Schande f├╝r ihn, dass die meisten St├Ądte so sind und gro├č werden, vor allem die Adligen. Mit einem leichten Kopfsch├╝tteln diesbez├╝glich reichte er ihr das Buch zur├╝ck, l├Ąchelte dann aber in einem ungew├Âhnlich warmen L├Ącheln.

Kurze Zeit beobachtete er sie, als sie seine Antwort zu lesen begann, wie ihrer Augen ├╝ber das Papier huschten und die darauf geschriebenen Worte verstanden. Doch nur kurze Zeit nutzte er die Ruhe um dies zu tun, als er sich schlie├člich wieder erhob und f├╝r einen kurzen Moment seine Ausr├╝stung unter dem Mantel hervorzublitzen schien. Die lederne R├╝stung, die Dolche und die Taschen. Mit Feingef├╝hl achtete er darauf, es alles wieder zurecht zu ziehen, ehe er sich einmal von Emilia wegbewegte, sie aus den Augen lie├č. Sein Blick schweifte ├╝ber die Stra├če, um genau zu sein zu dem Ausgang der Gasse. Etwas sagte ihm, dass die Situation nicht stimmte. Doch vorerst sagte er nichts, lie├č es so wirken und Emilia schreiben.

Seine Schritte glitten ruhig und langsam vor der jungen Frau entlang, als er sich ein wenig bewegte, um seine Umgebung genau im Blicke zu behalten. Mit dem Auge eines Malers, mit dessen er auf die Richtigkeit der Pinselstriche achtete, so beobachtete seine Augen jetzt Schatten und Bewegungen die nicht hierher geh├Ârten. Tats├Ąchlich fiel ihm etwas auf, etwas sich zu n├Ąhern schien. Zwei Personen, M├Ąnner, aus der Entfernung mit Stadtwachen. Ihre Stimmen hallten in der Gasse entlang, sie sprachen etwas von einem vermissten M├Ądchen. Braunes Haar, minzgr├╝ne Augen. Sein Gesicht verzog sich nicht, doch er wusste, wenn er hier mit ihr gesehen w├╝rde, wie sie verletzt wurde, man w├╝rde ihn sofort verhaften wollen.

Sofort machte der junge Mann kehrt, ging direkt zu Emilia, die noch besch├Ąftigt schien. Er stellte sich direkt vor sie, ber├╝hrte sie sanft am Knie um auf sich aufmerksam zu machen. "Wir m├╝ssen weg.", sagte er, ihm durchaus bewusst wie sie ihn vorher hatte verstehen k├Ânnen. "Wenn du nicht wieder eingesperrt und ich nicht ├ärger bekommen will, m├╝ssen wir weg." Damit reichte er ihr die Hand, er hasste es dies tun zu m├╝ssen. Zumal er h├Ątte einfach verschwindne k├Ânnen, doch er musste dabei an sie und ihrem Schicksal denken. Welche frevelhaften T├Âlpel w├╝rden solch ein M├Ądchen einfach einsperren, die Kunst die sie selbst war, der ├ľffentlichkeit vorenthalten. Somit bot er seine Hand dar, als Geste der Hilfe und hoffentlich war sie bereit, diese auch anzunehmen.
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Gl├╝ck ist der Mangel an Informationen.
- Nico Semsrott