Zum Henker und zum Heiler


Das Geisterhaus
Die Geister sind eine erfolgreiche und wohlhabende Gilde von Auftragsmördern. Jedoch bietet das Leben im Geisterhaus mehr als nur ein gesichertes Einkommen, sondern auch ein zu Hause fĂŒr Verlorene. Wichtigste Aufnahmebedingungen sind absolute LoyalitĂ€t und Verschwiegenheit - sonst endet man rasch selbst auf der Todesliste.
Benutzeravatar
Davard von Hohenfelde
Marquis
BeitrÀge: 385
x 18
x 10
Auszeichnungen: 6
Guthaben: Gesperrt
Tempel: Gesperrt
Volk: Souvagner
Steckbrief: Bild

Die Handelsallianz Weltenbastler in Gold Chronist in Silber Die fleißige Feder in Bronze

Re: Zum Henker und zum Heiler

#41

Beitragvon Davard von Hohenfelde » So 5. MĂ€r 2017, 21:15

Dave gesellte sich zu Pavo ins Labor und schaute den Goblin durchdringend an.

"Ich brauche Deine Hilfe Pavo", sagte der Magier.
"Ja sicher helfe ich Dir. Setz Dich Dave. Was ist los?", fragte der alte Heiler besorgt.
"Nicht diese Art von Hilfe, Du musst fĂŒr mich einen Hausbesuch machen", bat Dave gut gelaunt.
"Einen heilenden Hausbesuch, oder einen helfenden Hausbesuch?", hakte Pavo nach.
"Letzteres", antwortete der Magier.

"Wen soll ich umlegen?", fragte Pavo freundlich.
"Meinem Großvater und meinem Vater", gab Dave zurĂŒck.
"Dunwin und Alastair?", hakte Pavo sicherheitshalber nach.
"Korrekt", antwortete Dave.

"Langsam. Du bist Dir ĂŒber die Konsequenzen im Klaren? Was sagt Dein Bruder dazu? Weiß er davon? Wenn nicht Davy nĂŒtzt deren Ableben nichts, Dein Bruder wird die zwei einfach zurĂŒckholen. Dann sind die zwei eben Ghule. Ich mache das jederzeit fĂŒr Dich. Allerdings hast Du keinen Nutzen davon, wenn Dein Vater und Großvater am anderen Tag untot allen erzĂ€hlen, dass sie einen Hausbesuch von Deinem Leibarzt hatten oder?", fragte Pavo und deutete Dave an sich hinzusetzen.

Die beiden hockten sich hin.

"Ich fange am besten von vorne an", grinste Dave.
"WĂ€re gut. Keks?", fragte Pavo und hielt Dave eine Keksdose hin.
Der Magier nahm sich einen Keks und aß ihn auf, wĂ€hrend sich Pavo zwei in den Mund stopfte.

"Durch einen Zufall habe ich jemanden kennengelernt - er heißt Tarkan. Wir redeten lange miteinander und ich erzĂ€hlte ihm von meiner Familie und dem Problem meiner Mutter. Ebenso erzĂ€hlte ich ihm, wie sehr sie die WĂŒste geliebt hat und dass ich sie nicht mehr sehen darf. Tarkan erklĂ€rte mir, dass meine Mutter vielleicht keine Probleme hĂ€tte, wenn sich jemand liebevoll, persönlich um sie kĂŒmmern wĂŒrde. Dann wĂŒrde sie bestimmt auch lernen, dass ihr Körper keine Last ist. Dem stimme ich zu.

Aus dem Grund habe ich beschlossen, dass wir Vater und Großvater umbringen mĂŒssen. Vater da er Mutters Umzug in die WĂŒste nie gestatten wĂŒrde und Großvater, weil er Vater unterstĂŒtzt und ihn wie Du schon richtig sagst, zurĂŒckholen wĂŒrde. Die beiden haben nie was an Mutters Situation geĂ€ndert. FĂŒr Großvater war sie nur praktisch - sie vererbte die Gabe weiter, die sein eigener Sohn nicht abbekommen hatte. Aber wir sollten sie bekommen, also brauchte er eine passende Frau fĂŒr seinen Sohn. Er hat es im Blut, aber nicht die aktive FĂ€higkeit. Wie dem auch sei.

Ansgar weiß Bescheid. Tarkan ist ein weiser Mann. Er sagte, Ansgar wĂŒrde mir helfen - wenn er seine Mutter liebt. Und das tut er genau wie ich. Ansgar wird sich magisch um Großvater kĂŒmmern, Du tötest ihn. Es muss wie ein natĂŒrlicher Tod aussehen. Kurzum ich buche bei Dir das Scheidungs-Programm", sagte Dave und nahm sich noch einen Keks.

"Ein natĂŒrlicher Tod von zwei Personen zur selben Zeit? Du hast ja vielleicht SonderwĂŒnsche Davy", lachte Pavo und nahm sich auch noch einen Keks.

"Witzig. Sie sollen nicht synchron abnippeln. Zuerst Alastair - er ist der Nekromant der andere wiederbeleben könnte. Ein paar Tage spÀter Dunwin. Die Trauer raffte ihn dahin... Lecker die PlÀtzchen", antwortete Dave und nahm sich noch ein Keks.

"Und Ansgar hat kein Problem damit?", fragte Pavo.
"Die zwei gefĂŒhlskalten DrecksĂ€cke loszuwerden und den gesamten Familienbesitz zu erben? Er wird sich an den Reichtum gewöhnen", grinste Dave breit.

"Gut wenn Alastair und Dunwin umgezogen sind, was geschieht dann? Was habt Ihr mit Eurer Mutter vor?", fragte Pavo und knuffte Dave.
"Sie zieht nach Rakshanistan", antwortete Dave mit Unschuldsblick und nahm sich noch einen Keks.
"Sie macht bitte was?", fragte Pavo perplex.
"Pavo, versprich mir nicht wĂŒtend zu werden. Wenn ich Dir jetzt was erklĂ€re, musst Du wissen ich habe das aus Liebe zu meiner Mutter getan", bat Dave.
"Was hast Du getan Dave?", fragte Pavo mit mulmigem GefĂŒhl.

"Einen Pakt geschlossen. Ich bin einen Deal eingegangen. Wenn ich meine Mutter nach Rakshanistan bringe, nach CaraÂŽCor wird man sie dort aufnehmen. Sie wird hoffentlich dort das Leben finden, was sie sich wĂŒnschte. Das sie dort aufgenommen wird, hat mir Tarkan zugesichert. Das wir im schlimmsten Fall bei ihm ebenfalls aufgenommen werden wĂŒrden, hat er mir auch zugesichert. Kurzum es geht um das Leben meiner Mutter und um unseres, im Wenn-Fall allerdings.

DafĂŒr verlangte er nichts. Keine Gegenleistung, keinen Gefallen. Er bat mich nur um etwas. Er bat um EisenrĂŒstungen, BelagerungsgerĂ€te, Waffen und dergleichen. Ich habe den Deal angenommen und ich habe Wort gehalten Pavo. Ich habe die Rakshaner mit KriegsgerĂ€t beliefert.

Was ich getan habe und warum, weißt Du jetzt. Ich weiß wie Du den Rakshanern gegenĂŒberstehst, einst stand ich ihnen genauso feindlich gesinnt gegenĂŒber. Verzeih mir das Pavo. Und hilf mir bitte trotzdem", bat Dave.
0 x
Bild

Benutzeravatar
Pavo
Zweitcharakter
BeitrÀge: 51
Guthaben: Gesperrt
Volk: Goblin
Steckbrief: Bild

Re: Zum Henker und zum Heiler

#42

Beitragvon Pavo » So 5. MĂ€r 2017, 21:20

Der Goblin starrte seinen Freund an und schluckte. Man sah Pavo an, dass er stark um seine Beherrschung kÀmpfen musste.

"Du hast WAS getan Davard??? Du hast vielleicht Nerven! Bist Du irgendwie nicht mehr Herr Deiner Sinne???", schnauzte der alte Heiler den Magier an.

Dave setzte zu einer Antwort an, aber Pavo schnitt ihm mit einer Geste das Wort ab.

"Schweig Dave! Sei bitte einen Moment einfach leise", sagte Pavo und strich sich mĂŒde ĂŒbers Gesicht. Der alte Goblin schaute den Almanen ernst an.

"Was wĂŒrde es uns beiden nĂŒtzen, wenn ich Dich jetzt rausschmeiße oder Dir die Freundschaft kĂŒndige? Nichts. Dadurch hĂ€tten wir beide nur verloren. Ich wĂŒrde Dich ganz an den Feind verlieren. Ich will Dich nicht verlieren, Du weißt was Du mir bedeutest Du dĂ€mlicher Idiot!

Wir bezeichnen uns nicht umsonst als Familie und Du bist ein Teil meiner Familie Dave. Du stehst mir sogar nĂ€her als jeder andere hier, weil ich Dich zurĂŒck ins Leben geholt habe. Und ich vermute, dass ist auch der Grund warum Du mir Deine Tat beichtest. Und warum Du die nĂ€chste Tat nicht allein mit Deinem Bruder durchziehst.

Ich weiß wie Du zu mir stehst. Wir waren einmal auf ganz besondere Art verbunden, damals wo Du mich einfach im Äther gedrĂŒckt hast. Ich weiß wie Du ĂŒber mich denkst und wie Du fĂŒr mich empfindest.

Ich kann Dir gar nicht dem Kopf abreißen, obwohl ich das gerade sehr gerne tun wĂŒrde.

Warum hast Du das gemacht? Wir hĂ€tten eine andere Lösung fĂŒr Deine Mutter gefunden.

NatĂŒrlich verzeihe ich Dir, aber damit ist es nicht getan. Kurzum Dave, vergeben ja - vergessen nein", sagte der alte Goblin.
"Dankeschön", antwortete Dave leise.

"Du hörst Dir meine Meinung an und danach wirst Du ab sofort handeln ist das klar?", fragte Pavo eindringlich.
"Das ist Erpressung", antwortete Dave.

"Richtig, gut erkannt. Dein Grips scheint ja doch noch zu funktionieren! Aber das war nicht die Frage.

Die Ausbreitung des Chaos bedeutet doch nicht nur dass es keine Regierung und keine BĂŒttel mehr gibt. Rakshor und sein Chaos stehen angeblich fĂŒr permanente VerĂ€nderung. Das ist falsch. In Wahrheit stehen sie fĂŒr permanente Zerstörung.

Permanente VerÀnderung wÀre Evolution, sprich eine Fortentwicklung.
Das was schlecht ist, stirbt aus - beziehungsweise wird ausgemustert. Egal ob es sich dabei um eine Spezies, ein Volk, eine Nation oder eine wissenschaftliche These handelt. Das was sich bewÀhrt hat, bleibt erhalten oder wird sogar noch gefördert, wÀchst und gedeiht.

Diese Form von VerÀnderung strebt das Chaos aber nicht an.
Es strebt pure Zerstörung an. Es steht fĂŒr dauerhafte VergĂ€nglichkeit.

Bildung in Form von BĂŒchern wird vernichtet. Bildungseinrichtungen wie Tempel und UniversitĂ€ten werden zerstört und geschliffen. Auf das was geschehe? Fortentwicklung? Das ist so lachhaft, wie wenn ich Dir sage, lass uns das Haus abreißen damit wir leichter das neue Dach bauen können!
Wie, wenn wir das Fundament und die Mauer einreißen? Und wozu ĂŒberhaupt noch?

Es gibt keinen grĂ¶ĂŸeren Frevel als BĂŒcher zu verbrennen und Wissen zu vernichten! Keinen!

Das Wissen das heutige Heiler haben, wĂ€re fĂŒr immer verloren.
Weshalb? Wer hat durch diese Taten denn etwas gewonnen? Niemand.
Wenn ich HÀuser vernichte, weil sie ein Zeichen von BestÀndigkeit sind, wem helfe ich damit? Niemand.

Was soll denn am Ende mit dieser These erreicht werden? Ich sage Dir was sie am Ende erreichen werden, wenn sie siegen. Ihr Volk, die Rakshaner und all jene die sich ihnen angeschlossen haben werden unter freiem Himmel hausen, schlimmer noch als die wilden Tiere. Die sind klug genug und graben sich Bauten und suchen sich Höhlen. Ihre Kinder werden an den heute noch harmlosesten Kinderkrankheiten sterben. Ebenso ihre Frauen im Wochenbett oder ihre Alten. Die MÀnner werden an Schlachtverletzungen eingehen.

Wissen dass sie retten konnte, haben sie ja vor Jahren vernichtet. HÀuser die ihnen Schutz geboten hÀtten, haben sie verbrannt und wie man HÀuser einst gebaut hat, dass Wissen ging durch ihr eigenes Verschulden verloren.

Sie drehen die Evolution um, pervertieren Ainuwars Werk! Anstatt sich weiterzuentwickeln, gehen die Rakshaner bewusst den Weg zurĂŒck. Vom Haus zum Zelt. Vom Zelt zur Höhle. Von der Höhle zum freien Himmel.

Irgendwann kommt der Tag, da wird es Dogma ihres Herren sein auf allen vieren zu laufen und die Sprache abzulegen. Denn sich einwandfrei verstÀndigen zu können, ist doch wider des Chaos oder? Chaos entsteht doch wesentlich einfacher, wenn man sich missversteht!

Wenn Rakshor so viel an VergÀnglichkeit liegt, warum bittet er Ainuwar nicht darum, vergÀnglich zu werden?

Warum bittet er die anderen Götter nicht, sterblich zu werden? Was fĂŒr seine AnhĂ€nger recht und billig ist, scheint fĂŒr ihn selbst nicht zumutbar zu sein.
Als Goblin sollte man die Tragweite von VergÀnglichkeit kennen. Ich persönlich sehe die VergÀnglichkeit und den Tod als Àrgsten Feind jeden Heilers und Arztes! Diesen Feind gilt es zu bekÀmpfen wo man nur kann, mit allen Mitteln.

Und Du Dave solltest genauso die Tragweite der VergÀnglichkeit begreifen, denn Du warst fast tot und ein Goblin hat Dir Deinen Arsch gerettet. Und es war keiner von Rakshors Leuten, sondern einer von Ainuwars!

Wenn Rakshaner die VergĂ€nglichkeit zur Religion erhoben haben, dĂŒrfte keiner von ihnen einen Arzt aufsuchen. Sie sollten mit Freunden unter ihren Krankheiten dahinvegetieren, ihre schwĂ€renden Wunden ertragen dabei ihren Gott preisen und dann bitte klaglos sterben. Tun sie das? Genießen sie einen krankhaften Zustand als Gott gegeben oder haben sie Heiler in ihren Reihen und suchen diese auch auf? Was vermutest Du?

Das Chaos ist nichts weiter als der neidvolle Blick der Besitzlosen auf alle geistvollen Wesen.

Sie wissen dass sie zu den selben geistigen Leistungen wie unser Volk niemals im Stande sein werden und deshalb zerstören sie wie bösartige Kinder dass, was sie selber niemals besitzen werden. Es ist schlichtweg purer Neid der sie antreibt.
Wenn Du in einer Welt leben willst, wo Deine Kinder mit Spielzeug aus HyÀnendung wie rÀudige Tiere spielen und ein Heiler nur noch ein Mythos ist, genau wie ein Haus mit warmen Feuer - dann nur zu.

Ihre Welt wird eine Welt ohne jegliche Zivilisation sein. Eine Welt ohne Gesetze, ohne BĂŒttel, ohne jegliches schöngeistig Geschaffene, ohne Kunst, ohne Wissenschaft - es wird eine vollkommene, tote WĂŒste sein. Eine nichtssagende Hölle.

Ich lehne so eine Welt rigoros ab.

Anstatt fĂŒr diesen fehlgeleiteten "Gott" zu sprechen und seine wahnsinnigen AnhĂ€nger auch noch zu unterstĂŒtzen, solltest Du Dich auf Deinen eigenen Glauben besinnen. Es war Ainuwar der uns die RationalitĂ€t schenkte. RationalitĂ€t stammt dem Worte Ratio ab - der Vernunft - dem Verstand. Du darfst ihn gerne benutzen - das schmerzt nicht mal mein Bester! Ich bin enttĂ€uscht von Dir, dass Du - ausgerechnet Du Deinen Verstand nicht benutzt hast.

Als Mann der sich an der praktischen wie auch der theoretischen, also wissenschaftlichen Vernunft orientiert, kann ich Rakshor nur vehement ablehnen. Jedes denkende und fĂŒhlende Wesen sollte dies tun.

Ich möchte nicht in einer Welt leben die stirbt, ich möchte in einer Welt sterben die lebt. Und Du wirst das auch tun. DafĂŒr habe ich Dich nicht gerettet. Und dafĂŒr habe ich Dich garantiert nicht zurĂŒck auf die Welt geholt Dave! Wir kehren um - sofort", befahl Pavo.

"Wir kehren um?", fragte der Magier erfreut.
"NatĂŒrlich wir! Ich kann Dich eindeutig keinen Meter allein laufen lassen!", ranzte der alte Goblin den Almanen an.

"Dank Dir", grinste Dave gut gelaunt.
"Danke sagt er", stöhnte Pavo.

"Gut machen wir uns an die Arbeit", sagte Pavo.
"Welche Arbeit?", fragte Dave.

"Deine zwei Verwandte in entfernte Verwandte verwandeln?", grinste Pavo breit.
"Ach das", grinste Dave ĂŒber beide Ohren, "legen wir los".

"Du schuldest mir was Dave, dass weißt Du", flĂŒsterte Pavo.
"Mehr als das, ich weiß", flĂŒsterte Dave zurĂŒck und knuffte Pavo.
0 x
Bild

Benutzeravatar
Urako
Zweitcharakter
BeitrÀge: 214
x 2
x 3
Auszeichnungen: 2
Guthaben: Gesperrt
Volk: Tiefling

Die Freien Völker Rote Laterne

Re: Zum Henker und zum Heiler

#43

Beitragvon Urako » Mo 6. MĂ€r 2017, 08:56

Urako erwachte von einem vorbeipolternden Fuhrwerk.
Er befand sich im Freien, schlotterte, weil er nichts als seinen Lendenschurz und die klatschnassen Fußlappen trug. Seine Haare hingen in offenen, verfilzten StrĂ€hnen von seinem Kopf und seine Bartstoppeln pieksten den Oberarm, auf den er seinen Kopf gebettet hatte. Sein eigener Gestank umgab ihn wie eine Dunstglocke. MĂŒhsam setzte er sich auf und tastete nach der Geldkatze, die Dave ihm geschenkt hatte. Sie war leer. Nicht ein einziger Taler war mehr darin. Wo das Geld geblieben war, daran konnte Urako sich nicht mehr erinnern. Er wusste nur noch, dass er in die Kaschemme gegangen war und sich dort betrunken hatte. Der Rest war weg. Weder wusste er, wo sein Geld geblieben war, noch, wie er hier auf die Parkbank gelangt war. Urako setzte sich auf. Vom Morgentau war das Holz nass, genau wie seine wenigen Kleider. Irgendwer musste ihn ausgeraubt haben. Wenn er wirklich fĂŒr 250 Handelstaler getrunken hĂ€tte, wĂ€re er nicht mehr am Leben oder hĂ€tte sich im teuersten Edelrestaurant Naridiens befunden. Da konnte er ja von GlĂŒck reden, dass man ihn nicht auch noch zusammengeschlagen hatte.

Er klapperte am ganzen Leib, zog die FĂŒĂŸe hoch und rollte sich ein, wĂ€hrend er finster ĂŒber seine Knie starrte. Gern hĂ€tte er jetzt eine geraucht, aber er trug nichts bei sich und in seinem ekelerregenden Zustand brauchte er auch niemanden zu fragen. Er sah aus wie der letzte Penner und so fĂŒhlte er sich auch. Er wĂ€re gern aufgestanden, aber er wusste nicht, wohin er gehen sollte. Das heißt, eigentlich schon. Nachdem er sein Blut abgegeben hatte, gab es fĂŒr keine Wahl mehr fĂŒr ihn. Sein Schicksal und Verderben, das Geisterhaus. Hort seiner Nemesis, Gasmis des Herzlosen. Das Grab seiner Seele und bald wĂŒrde auch sein Körper vom DachgebĂ€lk hĂ€ngen oder an beiden FĂŒĂŸen aufgehĂ€ngt in Pavos Labor ausbluten.

Er wĂŒnschte sich, Gasmi hĂ€tte ihm schon vorher die Sache mit seinem Ex erzĂ€hlt. Aber es war ganz sicher kein Versehen gewesen, dass er diesen Vorschlaghammer verschwiegen hatte, bis Urako nicht mehr aus dem Geisterhaus fortkonnte. Erst hatte Gasmi ihn weich gemacht und ihm dann einen Angelhaken aus Silber durchs Herz gerammt. Und wĂ€hrend Urako am Haken zappelte, die Widerhaken sich in sein Herz bohrten und jeder Gedanke an Flucht mĂŒĂŸig geworden war, hatte Gasmi genĂŒsslich begonnen, ihm lauter verletzende Dinge zu sagen. Dass er in einem Hornissennest von professionellen Mördern gelandet war. Dass er ihn das gesamte Jahr ĂŒber belogen hatte. Dass dieser Goblin immer noch ein Platz in seinem Herzen hatte. Und Urako war sicher, dass noch mehr Offenbarungen folgen wĂŒrden.

Eigentlich war alles wie immer.

Urako hatte alle Alarmglocken in seinem Inneren ignoriert und es gewagt, ein wenig Herz zu zeigen und promt die Rechnung erhalten. Wurde er denn niemals schlau? Er wusste doch, wie das funktionierte: Mach sie kaputt, bevor sie dich kaputt machen. So funktionierten Beziehungen. Gasmi war derjenige gewesen, der zuerst zugeschlagen hatte.

Langsam und ungelenk wie ein alter Mann erhob er sich und trottete zum Geisterhaus zurĂŒck. SchwerfĂ€llig klopfte er an die TĂŒr.
0 x
Bild

"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker können?"
Charles Henry Samson, Scharfrichter

Benutzeravatar
Gasmi
Zweitcharakter
BeitrÀge: 90
x 1
Auszeichnungen: 1
Guthaben: Gesperrt
Tempel: Gesperrt
Steckbrief: Bild

Rote Laterne

Re: Zum Henker und zum Heiler

#44

Beitragvon Gasmi » Mo 6. MĂ€r 2017, 09:13

Gasmi betrat die Schreibstube von Dave, aber der Naridier war nicht da. Weit konnte er allerdings nicht sein, denn Fedor sein großer Wolfshund, lag neben dem Schreibtisch und schaute Gasmi mit seinen haselnussbraunen Augen an. Gas musterte das Tier. Fedor war riesig, aber sanftmĂŒtig. Und wenn er einen anschaute, dann fĂŒhlte man sich stets verstanden.

Der DĂŒsterling kratzte sich am Kopf. Warum gab es keine MĂ€nner, die die gleichen Eigenschaften hatten wie Fedor? Jemand der sich freute ihn zu sehen, jemand der auf ihn wartete, egal wohin er ging und jemand der ihm zuhörte, egal was fĂŒr einen Unfug er erzĂ€hlte. Fedor schaute einfach, als wĂ€re das was er sagte, das Wichtigste von der Welt, selbst wenn er nur Belanglosigkeiten von sich gab.

War er verletzt und musste unten bei Pavo im Labor behandelt werden, dann kam Fedor wie durch Geister-Hand geschickt nach unten und stand ihm bei. Wenn er eine Fleischwunde hatte die genÀht werden musste, stand der riesige Hund an seiner Seite. Dann konnte er sich in seinem Fell festhalten, wÀhrend Pavo ihn zusammenflickte.

Fedor sagte noch weniger als sein Herrchen wĂ€hrend der „Dienstzeit“, was logisch war – denn er sagte nichts. Aber auf seine Art drĂŒckte er oft mehr VerstĂ€ndnis aus, als andere. Er war die gute Seele des Hauses. Gasmi grĂŒbelte darĂŒber nach, ob er sich auch einen Hund anschaffen sollte. Vielleicht einen ganz kleinen, im Gegensatz zum riesigen Fedor. Einen kleinen Hund konnte er mit auf Arbeit neben, in den Rucksack stecken und zur Not, wenn er stiften ging, konnte man einen Hund zurĂŒckrufen.

Bei seinen Freunden hatte das noch nie geklappt. Da konnte er sich den Mund fusselig reden, es interessierte ja doch keinen was dabei raus kam. Selbst gut gemeinte RatschlÀge schlugen seine Kerle in den Wind, oder schenken seinen EinwÀnden keine Beachtung.

Manchmal fragte sich Gas, ob die Wahl die Pavo getroffen hatte, nicht doch die bessere war. Von Anfang an auf eine Partnerschaft zu verzichten.

Zwar verzichtete er damit auch auf alles Schöne, aber das Schöne hatte meist einen gewaltigen Preis. Wenn er allein an die Rechnungen dachte, die ihm Jozo all die Jahre prÀsentiert hatte, wurde ihm manchmal regelrecht schlecht.

Zwischen Zuneigung und Hass war bei Jo nur eine minimale Gradwanderung. Er hatte ihn von Herzen geliebt, aber ob Jo ihn je geliebt hatte, dass wusste Gasmi nicht.

Er hatte es damals immer gehofft, manchmal sogar geglaubt, wenn der Goblin ihm etwas Leckeres vom Dienst mitgebracht hatte, oder sich sorgenvoll um ihn kĂŒmmerte. Aber in anderen Momenten schien er ihm so gleichgĂŒltig zu sein, wie der Dreck auf der Straße. Es hatte lange gedauert, bis er sich gedanklich von Jo distanziert und dann letztendlich getrennt hatte.

Und eigentlich war das nur geschehen, weil er dachte Jo lebte nicht mehr. Er war fest davon ausgegangen, dass sein „Butterkeks“ gestorben war.

Jener verrĂŒckte Kerl, den er einst eingefangen und gezĂ€hmt hatte. Wobei das war vermutlich genauso eine Illusion, Jo gezĂ€hmt zu haben, wie dass Jo ihn geliebt hatte.

Jo war manchmal geradezu widerwĂ€rtig eigensĂŒchtig und dennoch hatte er immer zu ihm gehalten. Auf der anderen Seite konnte Jozo auch so liebevoll, zugĂ€nglich und anhĂ€nglich sein, dass es einem auch unheimlich wurde.

Als der Goblin aus seinem Leben verschwunden war, hatte er sich damit abfinden mĂŒssen, von Jo getrennt zu sein, egal wie sehr er ihn vermisste. Egal was Jozo manchmal fĂŒr ein Monstrum war – monströs war auch seine PrĂ€senz, sein Einfluss und seine Macht ĂŒber Gasmis Leben. Der der weniger liebte, konnte den der alles von Herzen gab immer erpressen. Er hatte ja nichts zu verlieren – gefĂŒhlstechnisch.

Aber gleichgĂŒltig was ihr Problem gewesen war, sie wurden auseinander gerissen. Gas hatte sich damit abgefunden, dass Jo nicht mehr existierte. Und irgendwann hatte er sich auch gedanklich von ihm getrennt und war bereit nach jemand neues zu suchen. Jemand den Platz an seiner Seite zu schenken, der eine gewaltig lange Zeit Jo gehört hatte. LĂ€nger als die HĂ€lfte von Gasmis Leben, war Jo an seiner Seite gewesen.

Und dann, gerade als er sich seelisch getrennt hatte, bekam er einen Auftrag in Obenza
 und er saß da. Saß als wĂ€re nichts geschehen in einer Taverne und ließ sich ein Bier schmecken. Kein Hallo, kein schön Dich zu sehen, nur eiskalte Augen die ihn verĂ€chtlich angestarrt hatten, als wĂ€re er der widerwĂ€rtigste Abfall.

Es war Jozos schuld gewesen, dass passierte was passiert war. Er hatte das Rudel verraten. Er hatte ihn und seine Liebe verraten und dennoch stand er wie ein kleiner Junge vor ihm und bettelte ihn förmlich an wieder beachtet zu werden. Und Jo saß dort auf dem Stuhl in der Taverne wie ein König aufs seinem Thron und schien zu ĂŒberlegen, ob er der dĂ€mliche DĂŒsterling, ĂŒberhaupt seine Aufmerksamkeit wert war. Zuerst ließ er sich zu einigen Bissigkeiten herab, ehe er doch wieder zugĂ€nglich wurde.

Als Gasmi ihn zuerst in der Taverne sah, da hĂ€tte er ihn am liebsten angeschrien. AngebrĂŒllt dafĂŒr, was er getan hatte durch seine Dummheit, seine Drogensucht, seine Geldgier.

Was er zerstört hatte, nur aus reinem Eigennutz, weil ihm andere einmal wieder scheißegal waren.

Weil es immer nur um ihn selbst ging. Und er hĂ€tte ihn am liebsten an den Schultern gepackt und durchgeschĂŒttelt, ihn geohrfeigt oder besser noch windelweich geschlagen dafĂŒr, dass er ihn in dem Glauben gelassen hatte, dass er gestorben war.

Nicht mal eine Botschaft war er ihm wert gewesen. Er hĂ€tte ihm die Hand nicht reichen sollen, sondern er hĂ€tte sie dem gelben Goblin in die Fresse dreschen sollen zur BegrĂŒĂŸung. Das wĂ€re die richtige BegrĂŒĂŸung gewesen!

Aber dafĂŒr war er wieder einmal zu schwach gewesen.

Ein Blick von Jo genĂŒgte um ihm die Luft rauszulassen. Was immer in diesem Blick lag, Gasmi hatte das BedĂŒrfnis diesen kleinen Bastard zu beschĂŒtzen und zu betĂŒddeln. Ihm zu sagen, dass alles gut werden wĂŒrde, dass die ganze Welt nicht so schlecht und mies war wie Jozo behauptete. Dass es auch Leute gab, denen er etwas wert war, die ihn liebten. Personen auf die er sich verlassen konnte.

Warum eigentlich? Wollte Jozo das ĂŒberhaupt? Und noch viel wichtiger war doch die Frage – verdiente der gelbe Goblin das ĂŒberhaupt?

Er verdiente es nicht im Geringsten!

Er nahm nur, in widerwĂ€rtiger Raffgier und gab nichts zurĂŒck. Er saugte die Leute aus wie ein Vampir und ließ sie als vertrocknete HĂŒlle zurĂŒck.

Und genauso hatte er ihn nach diesem Treffen zurĂŒckgelassen. Wieder war er ein HĂ€ufchen Elend, dass Jozo gehorchte, ohne dass der Kerl auch nur einen einzigen Befehl ausgesprochen hatte.

LĂŒg fĂŒr mich, betrĂŒge fĂŒr ich, hintergehe andere
 nie sprach er es aus, aber Gasmi tat es doch. Folgte dem nonverbalen Befehl, wie eine Marionette ihrem Meister der an ihren FĂ€den zupfte. Jozo war sein Puppenspieler und er war der Holzkopf, der an FĂ€den gelenkt wurde. Sie hatten sich nicht wiedergesehen und dennoch war er immer in Gasmis Kopf prĂ€sent.

Doch dann eines Tages, verblasste das Bild und Gasmi fragte sich, warum er eigentlich den Kontakt zu Jo suchen sollte. Wenn Jo etwas von ihm wollte, dann wĂŒrde er sich melden. Der Goblin meldete sich nicht. Und so versuchte Gasmi sich erneut von Jozo innerlich „scheiden zu lassen“. Und es hatte geklappt. Nun nicht ganz, er schwieg immer noch fĂŒr ihn.

Dennoch wollte er den gelben Goblin nicht zurĂŒck. Jozo war endgĂŒltig zu seinem Ex geworden und so sollte es auch bleiben. Trotz allem was Jo getan hatte, alles was je zwischen ihnen gestanden hatte, Gas wĂŒnschte ihm einfach ein glĂŒckliches und vor allem ruhiges Leben. Er wĂŒnschte Jo nichts Böses, dass konnte Gasmi nicht.

Gas hatte es geschafft unter die Beziehung einen Schlussstrich zu ziehen. Nur so konnte er nach einem neuen Partner Ausschau halten. Lange Zeit hatte er nicht geglaubt, dass er noch einmal einen Partner finden wĂŒrde.

Andere Personen betrachteten DĂŒsterlinge nicht gerade mit Wohlwollen und falls doch, kamen sie selten als Partner in Betracht. Dann noch einen Mann zu finden, der einen mĂ€nnlichen DĂŒsterling suchte, war schon die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Und fremde DĂŒsterlinge waren untereinander mindestens misstrauisch, wenn sie sich nicht sogar feindlich gesinnt waren. Sie lebten in Rudeln, sie dachten in Rudeln und wer nicht zum Rudel gehört war ein Feind. Zumindest hatte man ihn misstrauisch im Auge zu behalten. Fast hatte Gasmi beschlossen, die Suche nach einem Vertrauten aufzugeben, als Pavo seinen neuen GefĂ€hrten einfach mit in ihr Haus schleppte!

Was sagte der alte Goblin immer im Scherz zu Dave? Hier klopft keine, oder kommt einfach ins Haus! Du musst schon rausgehen um wen kennenzulernen!

Das stimmte doch gar nicht! Zwar hatte Urako weder geklopft, noch kam er alleine einfach ins Haus – aber dafĂŒr wurde er von Pavo mitgebracht. Ganz so, als hĂ€tte irgendwer Gasmis Wunsch erhört und als Bestellung aufgefasst.

Einmal ein Partner mit einer besonders schönen Farbe fĂŒr Gasmi. Diesmal was grĂ¶ĂŸer und gerne mit Haare. Hier bitteschön, dort einfach unterschreiben – oder schlingen Sie Ihren Schwanz um seinen, was er auch getan hatte. Ein Jahr lang hatte er sich um seinen Puschel gekĂŒmmert, hatte ihn gepflegt, behĂŒtet und geliebt. Sie passten perfekt zusammen. Sie ergĂ€nzten sich, sie waren glĂŒcklich und ihr erstes Gemeinsames Beisammensein, war ein gemeinsames Beisammensein. Es war Liebe und keine Forderung nach ErfĂŒllung von BedĂŒrfnissen und WĂŒnschen. Nein es war wirklich Liebe, das hatte er gespĂŒrt.

Und dann konnte er seinen dummen Mund einfach nicht halten. Dass er Puschel die Wahrheit ĂŒber sich und sein Rudel gestehen musste, das war klar gewesen. Dass war notwendig und vernĂŒnftig gewesen. Aber ĂŒber alles andere hĂ€tte er den Mund halten sollen.

Warum hatte er Jo nur erwĂ€hnt? Der Kerl war wie ein Fluch! Sprach man seinen Namen aus, kam das fast einer Beschwörung gleich. Entweder erschien er persönlich wie aus dem Nichts, oder was noch viel perverser war – er musste nicht einmal erscheinen und man verlor was man von Herzen liebte.

Jo hatte seine Beziehung zu Puschel ruiniert und das nur weil er den Goblin erwĂ€hnt hatte! Nun gut – er hĂ€tte Jo ja nicht erwĂ€hnen mĂŒssen, dass hatte er sich selbst auf die Fahne zu schreiben.

Gasmi hĂ€tte sich selbst am liebsten geohrfeigt fĂŒr seine Dummheit. Jetzt hockte er hier, wartete auf Dave und hoffte auf was?

Magischen Beistand, bring mir Puschel zurĂŒck und mach das er mich liebt?
Vielleicht konnte Dave sowas sogar. Jemanden beeinflussen konnte er.
Aber jemanden so beeinflussen das er ihn wieder liebte?

Zumal selbst wenn, war es keine echte Liebe. Und wenn sie je fallen wĂŒrde, dann wĂŒrde Puschel ihn noch mehr hassen und verachten als jetzt schon.

Was war er ĂŒberhaupt noch in den Augen fĂŒr ihn? Ein Mörder – damit hatte sich sein Schatz abgefunden und das als Fast-BĂŒttel. Er blieb ihm zuliebe in einer Organisation, die er in seinem alten Job vermutlich gejagt hĂ€tte. Oder die er auf dem Block hingerichtet hĂ€tte – sie alle. Aber er war geblieben aus Liebe zu ihm.

Was hatte Gas da eigentlich erwartet, wenn er da noch einen draufsetzte? Er hĂ€tte seinem Schatz auch eine brennende Dynamit-Stange in die Hand drĂŒcken können, mit der Bitte sie kurz festzuhalten. Genauso hatte es Urako zerrissen.

Schuld war eindeutig er selbst. Weder das Schicksal, noch Jozo, noch Urako – er war es gewesen.

Er hĂ€tte ja einfach nur sein verdammtes Maul halten mĂŒssen. Immer wenn er alles richtig machen wollte, ging alles total schief. Und wie immer hoffte er, dass Dave oder Pavo eine Lösung parat hatten, das Unmögliche wieder hinzubekommen und das Zerstörte wieder zu kitten.

Gasmi setzte sich auf den Stuhl auf dem vor wenigen Stunden noch sein Urako gesessen hatte. Er machte sich ganz klein und rollte sich fast darauf zusammen.

Er wartet eine ganze Weile auf Dave, aber scheinbar hatte der Magier doch das Haus verlassen. Ohne seinen Hund war das schon seltsam. Fedor musterte den zusammengerollten DĂŒsterling, trottete zu ihm rĂŒber und stubste ihn mit seiner feuchten, kalten Nase an. Dann legte er sich unter dem Stuhl ab und hielt lautlos Wache. So wie er es immer tat.

Es klopfte und Fedor schlug mit seiner donnernden, tiefen Stimme an. Gasmi strich dem großen Hund ĂŒber den Kopf.

"Sind wohl alle ausgeflogen. Ich gehe schon", sagte der DĂŒsterling.
Gemeinsam ging er mit Fedor zur TĂŒr und öffnete sie. Das Herz blieb ihm fast stehen, als er Urako vor der TĂŒr stehen sah!

"PUSCHEL!", keuchte Gasmi ĂŒberglĂŒcklich, umarmte Urako felsenfest und zerrte ihn ins Haus.
0 x
Bild

"Done with ePic Character Generator"

Benutzeravatar
Urako
Zweitcharakter
BeitrÀge: 214
x 2
x 3
Auszeichnungen: 2
Guthaben: Gesperrt
Volk: Tiefling

Die Freien Völker Rote Laterne

Re: Zum Henker und zum Heiler

#45

Beitragvon Urako » Mi 8. MĂ€r 2017, 12:35

Urako hörte schon an der Art der Schritte, dass es Gasmi war, der zu TĂŒr geflitzt kam. Er stellte sich gerade hin, etwas zur Seite gedreht und pulte beilĂ€ufig an seiner Schulter herum. Er setzte einen Blick auf, der eine einzige Abwehr war. Und als Gasmi die TĂŒr aufriss, stand er da wie ein Fels, abweisend und unnahbar, verĂ€chtlich bis in die letzte Faser. Jedem anderen hĂ€tte diese Körperhaltung signalisiert: Bleib fern du Mistkerl! Und so war sie auch gemeint.

Gasmi sprang ihn an freudig an und umarmte ihn, als ob Urako mit einem Blumenstrauß dagestanden hĂ€tte. Umarmte ihn fest und knuddelte ihn.

Jetzt war der Henker aus dem Konzept.

Er hatte sich eine Tirade von VorwĂŒrfen zurechtgelegt, schön der Einschlagskraft nach sortiert, erst die vernĂŒnftigsten Argumente, die fĂŒr sein GegenĂŒber noch argumentativ nachvollziehbar waren und dann fĂŒr den Moment der totalen Rage die hĂ€rtesten Kaliber ganz am Ende, die schon gar nichts mehr mit der Wahrheit zu tun hatten und einfach nur dazu gedacht waren, tiefe Wunden zu schlagen. Haltlose Unterstellungen und bösartigste Beleidigungen, Rache fĂŒr den erlittenen Schmerz, ein Exempel, ein Mahnmal, dass man so nicht mit Urako umzuspringen hatte. Eine Warnung. Wer Wind sĂ€te, wĂŒrde Sturm ernten. Das war die Botschaft. Schlag zu - ich schlage hĂ€rter. KrĂ€nke mich - und ich reiße deine Seele in StĂŒcke.

Und nun umarmte ihn der kleine Kerl freudig glucksend und machte nicht einmal die winzigste Anstalt, einen Streit anzuzetteln. Keine VorwĂŒrfe, wo Urako gewesen war, nichts. Was jetzt? So was hatte Urako noch nie erlebt.

Gasmi tat, als gĂ€be es da nichts. Als gĂ€be es keinen Grund, böse aufeinander zu sein und als ob sie sich einfach wieder lieb haben sollten. Er zog ihn mit hinein ins Geisterhaus, eine Einladung, den ganzen Mist einfach zu vergessen und nach Hause zu kommen. Verunsichert folgte Urako. Von der Sache her war es ja genau das, was er gewollt hatte - dass Gasmi erkannte, wie wichtig er war. Dass Gasmi ihn behandelte, als sei er sein wertvollstes Hab und Gut, sein externes Herz und dass er fĂŒrchterlich bluten wĂŒrde, wenn er Urako weh tat. Und nun tat er genau das einfach, was er hatte tun sollen - ohne, dass Urako vorher zanken, mit Selbstmord drohen oder sich theatralisch aufschlitzen musste. Ganz ohne sein Exempel.

Gasmi zog ihn hoch in ihr Zimmer, wo noch immer die halb gepackte Tasche lag. Ihr Zimmer, das sie gemeinsam dekoriert hatten, ihr Bett, in dem sie Nacht fĂŒr Nacht kuschelten. Urako war noch immer in Streitlaune, doch der Anblick ihres gemeinsamen Lebens und der Zukunft, die er damit gezielt bombardierte, ging ihm an die Nieren und brachte seinen Entschluss, nun Gasmis Seele zu zerreißen, ins wanken. Urako nahm die HĂ€kelmĂŒtze in die Hand und ihm wurde anders. Da lag auch noch der warme Pullover, der Ringelschal, die Socken, in denen Gasmi so drollig ausgesehen hatte. Morgen könnte ihre gemeinsame Reise starten. Ihr erster gemeinsamer Flug. Der Beginn ihrer Zukunft als Partner auch im Berufsleben. Wollte er das alles wirklich aufs Spiel setzen? Wegen was eigentlich?

Obwohl noch immer alles in ihm kochte und brodelte, zog er Gasmi an sich heran und umarmte ihn fest. Er lauschte auf seinen Herzschlag und seinen Atem, spĂŒrte seine KörperwĂ€rme und dachte an ihre glĂŒcklichen Stunden und jene, die noch vor ihm lagen. Langsam wurde er ruhig. Mit grĂ¶ĂŸter Willensanstrengung und indem er sich einredete, dass er seine ganzen verletzenden Kommentare auch spĂ€ter noch zum besten geben könnte, gelang es ihm, die Bösartigkeiten herunterzuschlucken.

"Ich stinke nach dieser Kaschemme", sagte er stattdessen gequetscht. "Beklaut wurde ich auch. Ein Scheißladen. Nie wieder. Ich will baden, dann mĂŒssen wir weiter packen. SpĂ€testens morgen will ich aufbrechen. Ich muss hier raus. Hab ein Jahr lang hier gelegen, genug ist genug. Außerdem will ich diesen bescheuerten, arroganten Fatzke Dave nicht mehr sehen." Das war Urakos Art zu fragen, ob sie sich wieder vertragen wollten: Indem er tat, als wĂ€re nichts gewesen und ĂŒbergangslos zur NormalitĂ€t ĂŒberging.
0 x
Bild

"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker können?"
Charles Henry Samson, Scharfrichter

Benutzeravatar
Gasmi
Zweitcharakter
BeitrÀge: 90
x 1
Auszeichnungen: 1
Guthaben: Gesperrt
Tempel: Gesperrt
Steckbrief: Bild

Rote Laterne

Re: Zum Henker und zum Heiler

#46

Beitragvon Gasmi » Mi 8. MĂ€r 2017, 14:13

Gasmi fĂŒhrte Urako zurĂŒck in ihr Quartier. Puschel war außer sich vor Wut, dass spĂŒrte er. Aber als er ihn dann umarmte, beruhigte sich Urako langsam wieder. Die Wut war nur zu verstĂ€ndlich. WĂ€hrend sein Schatz sich an ihn drĂŒckte, streichelte Gasmi ihm beruhigend den Nacken und den RĂŒcken.

Urako erzÀhlte ihm davon, dass er nach einer Kaschemme stank und Gasmi konnte ihm innerlich nur Recht geben.

Puschel stank erbĂ€rmlich, aber lieber sollte sein Puschel zum Himmel stinken, als dass er ihn verlor. Was machte schon ein bisschen Gestank aus? So wusste er wenigstens, dass er wieder da war. Und Geruch konnte man einfach abwaschen, alles andere ließ sich nicht so leicht bereinigen.

Dass sein Schatz beklaut wurde, schmerzte Gasmi. Urako hatte ĂŒberhaupt kein Geld gehabt, sonst hĂ€tte er seine Schulden bei Pavo nicht abarbeiten mĂŒssen. Wobei er damit noch nicht einmal angefangen hatte, grinste Gas gedanklich.

Und jetzt wurde ihm noch sein erster Lohn gestohlen. Schlimmer konnte es kaum kommen. Urako war mal wieder pleite und wem hatte er es zu verdanken? Ihm!
Gasmi dem dĂ€mlichen DĂŒsterling - wie Jo immer sagte.

Wunderbar. Warum er seinen Freund nicht gleich teerte und federte war die Frage schlechthin.

Zuerst hatte er ihn einen Hammer nach dem anderen um die Ohren gedonnert, dann hatte er ihm von Jo erzÀhlt und ihn so völlig aus der Fassung gebracht und da Puschel dank des Schocks auch noch stiften ging wurde er sogar letztendlich beklaut.

Was fĂŒr ein Rattenschwanz fĂŒr ein einziges Wort – Jo.

So langsam aber sicher glaube Gasmi wirklich daran, dass Jozo ĂŒbersinnliche KrĂ€fte besaß und er Puschel vor ihm beschĂŒtzen musste. Das hatte dieser verfluchte Tag ja eindeutig bewiesen. Was wĂŒrde der Kerl mit Puschel wohl anstellen, wenn er zugegen war?

GleichgĂŒltig. Jozo durfte er keinen Platz mehr in seinen Gedanken gewĂ€hren, es sei denn es war ein akuter Notfall und er musste Puschel oder einen der Geister vor Jo beschĂŒtzen. Ansonsten war das Kapitel Jo abgehakt. Nie wieder wollte er den Namen in der NĂ€he seines Lieblings aussprechen. Höchstens zur Warnung, aber auch nur dann.

Gasmi kramte in seiner Truhe herum und entnahm einige kleine GeldsÀcke. Einen davon zog er aus Bund heraus und reichte ihn Urako.

„FĂŒr Dich, steck es weg“, sagte er liebevoll und drĂŒckte dem Tiefling den Geldsack in die Hand, ehe er die restlichen SĂ€ckchen wieder in seine Truhe legte.

„Es sind glaube ich 200 Taler drin. Es mĂŒssen immer 200 Taler in einem Beutel sein“, erklĂ€rte der DĂŒsterling und nickte gewichtig, als er ĂŒber die anderen WĂŒnsche von Urako nachdachte.

Urakos Meinung ĂŒber Dave ließ Gasmi einfach so stehen. Er kannte beide MĂ€nner mittlerweile gut genug um zu wissen, dass beide wenn sie mies drauf waren, eine Maske trugen.

Urako verbarg seinen Unmut hinter einer Maske aus Wut, wĂ€hrend Dave eine Maske aus Arroganz nutzte. Beide wĂŒrden sich schon wieder vertragen.

Ansonsten musste er etwas unternehmen, denn immerhin hatte er ja Puschel zu Dave geschliffen. Noch ein Punkt auf seiner Liste, den er am heutigen Tag verbockt hatte. Es schien einfach kein Ende zu nehmen.

Gasmi schĂŒttelte sich einmal um seine Gedanken neu zu sortieren und kratzte sich mit seiner Greifschwanzspitze am Kopf und dann nachdenklich an der Wange.

Was passiert war, konnte er nicht mehr rĂŒckgĂ€ngig machen, egal wie Leid es ihm tat. Allein durch Rumjammerei hatte sich noch keine Situation verbessert und Gas war alles andere als ein Jammerlappen. Er ging Dinge lieber positiv an.

Also was gab es besseres, als ein reinigendes Bad, ganz so wie es sich Puschel wĂŒnschte? Danach wĂŒrden sie die Tasche packen und aufbrechen.

Die Reise wĂ€re ihre erste gemeinsame, große Unternehmung und Gasmi freute sich schon tierisch auf die Zeit. Vor allem auf den Flug auf Puschels RĂŒcken.

Sollten sie alles gut ĂŒberstehen und davon ging Gasmi aus, wĂŒrden sie erfolgreich nach Hause zurĂŒckkehren und Urako konnte die 750 Taler einstreichen. Dann wĂ€re auch wieder Frieden im Haus und er wĂ€re mit allen Familienmitgliedern wieder versöhnt, dachte sich der kleine DĂŒsterling.

„Wenn Du magst hole ich Wasser fĂŒr Deinen Zuber und schrubbe Dich dann schön sauber. Wenn Du sauber bist, kann ich Dir gerne mal unser Schwimmraum zeigen. Kannst darin ein bisschen planschen und Dich erholen, bevor wir aufbrechen. Das lockert schön Deine Muskeln.

Ich werde ein paar Kerzen hinstellen, dass macht den Schwimmraum schön gemĂŒtlich. Sobald Du bereit bist brechen wir auf. Heute Abend oder morgen frĂŒh, ganz wie Du magst“, sagte Gasmi und fĂŒhrte Urako nach unten in den Keller zu den Badezubern.

Er deutete Urako an sich in einen der Zuber zu setzen, wĂ€hrend er sich an die Pumpe fĂŒr das Wasser stellte und einen Eimer an die Pumpen-Nase hing.

„Puschel wegen vorhin, ich wollte Dir einfach nur sagen, es tut mir leid. Ich wollte Dir nicht wehtun und ich wollte Dich nicht krĂ€nken. Das war alles meine Schuld, weil ich unĂŒberlegt gesprochen habe. Das wollte ich gesagt haben.

Magst Du Salz ins Wasser oder möchtest Du eine Seife? Wir haben beides da. Sogar so Kugeln die sprudeln, die sind toll. Hier guck. Pavo hat sie gemacht“, grinste Gasmi breit und drĂŒckte Urako eine „Badebombe“ in die Hand.

WĂ€hrend Urako sich die Bade-Kugel anschaute, schleppte Gasmi die Wassereimer und fĂŒllte den Badezuber fĂŒr Urako. Als er die Arbeit erledigt hatte, schnappte er sich einen Schwamm und schrubbte Urako damit genĂŒsslich sauber.

„Magst Du das?“, grinste er breit.
0 x
Bild

"Done with ePic Character Generator"

Benutzeravatar
Urako
Zweitcharakter
BeitrÀge: 214
x 2
x 3
Auszeichnungen: 2
Guthaben: Gesperrt
Volk: Tiefling

Die Freien Völker Rote Laterne

Re: Zum Henker und zum Heiler

#47

Beitragvon Urako » Mi 8. MĂ€r 2017, 18:45

"Ja, ich mag das", schnurrte Urako und ließ sich von Gasmi mit dem Schwamm sauberrubbeln. Er rĂ€kelte sich, damit er genau dort schrubbelte, wo es gerade angenehm war, streckte die Arme und die FlĂŒgel. In der Hand hielt er noch immer die Badekugel. Er hielt sie etwas ins Wasser und als sie anfing zu blubbern, ließ er sie ganz ins Wasser fallen, wo sie zwischen seinen Beinen losschĂ€umte. Es blubberte und krabbelte lustig und obendrein begann das ganze Wasser nach Fichtennadeln zu duften. "Entschuldigung angenommen." Er konnte sich aber nicht verkneifen, noch hinzuzufĂŒgen: "Aber wehe, du machst das nochmal!", obwohl Gasmi eigentlich gar nichts gemacht hatte, außer, ihm die Wahrheit zu sagen. Es ging ums Prinzip. Er selber rĂ€umte natĂŒrlich keinerlei Fehler ein. Er hatte ja auch keine gemacht. Derart zufrieden konnte Urako sich wieder ganz der Gegenwart widmen.

Gasmi rieb gerade den Schwamm auf seinem Kopf vor und zurĂŒck, um seine Haare zu waschen und das duftende Badewasser lief ihm ins Gesicht. Urakos Laune war innerhalb weniger Minuten wieder bestens geworden. Er packte seinen Freund und zerrte ihn angekleidet zu sich in den Zober. Eine riesen Welle grĂŒnen Duftwassers schwabbte mit einem lauten Platschen durch den Raum.

"Wo ist denn euer Schwimmraum?", fragte er, wÀhrend Gasmi noch blubberte und strampelte. Er griff nach dem Schwamm und rieb seinen Freund ebenfalls sauber, damit der keine Ausrede hatte, ihn nicht in den Schwimmraum, der offenbar nur in bereits gewaschenem Zustand benutzt werden durfte, zu begleiten.
0 x
Bild

"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker können?"
Charles Henry Samson, Scharfrichter

Benutzeravatar
Gasmi
Zweitcharakter
BeitrÀge: 90
x 1
Auszeichnungen: 1
Guthaben: Gesperrt
Tempel: Gesperrt
Steckbrief: Bild

Rote Laterne

Re: Zum Henker und zum Heiler

#48

Beitragvon Gasmi » Sa 11. MĂ€r 2017, 19:13

Gasmis Antwort:

zu finden im Freudenhaus/Ü18:
Link:
viewtopic.php?f=41&t=926

****
0 x
Bild

"Done with ePic Character Generator"

Benutzeravatar
Urako
Zweitcharakter
BeitrÀge: 214
x 2
x 3
Auszeichnungen: 2
Guthaben: Gesperrt
Volk: Tiefling

Die Freien Völker Rote Laterne

Re: Zum Henker und zum Heiler

#49

Beitragvon Urako » Sa 11. MĂ€r 2017, 20:11

Obwohl Urako nach ihrem gemeinsamen Badespaß wunderbar entspannt war, fĂŒhlte er sich zu aufgekratzt, um zu schlafen. Er streichelte Gasmi sanft und strich ihm mit den ZĂ€hnen ĂŒber den Nacken, bis dieser eingeschlafen zu sein schien. Warm fĂŒhlte sich dessen Körper an, heiß. Urako ertastete die Muskeln unter der glatten Haut. Einmal mehr fragte er sich, womit er seinen Obsidian verdient hatte, gleichzeitig zuckte ein bösartiger Gedanke durch seinen Kopf, der die Gegenfrage stellte, womit Gasmi eigentlich ihn verdient hĂ€tte und anklagend mit dem Finger auf die Ereignisse vom Vortag wies. Urako lenkte sich von diesem Gedanken ab, indem er Gasmi weiterhin liebkoste und sich ganz auf den Augenblick konzentrierte. Als sein Freund tief und gleichmĂ€ĂŸig atmete, fuhr Urako mit den Fingern dessen schmale HĂŒfte hinab und dann nach vorn. Er griff sanft zu und presste sich von hinten an ihn. Es ging ihm nicht darum, einen erneuten Akt zu provozieren, er wollte ihn einfach zur Entspannung noch ein wenig befummeln. Das half eigentlich immer gegen unerwĂŒnschte Gedanken. Irgendwann war auch Urako eingeschlaffen, die Hand noch immer in Gasmis Schritt.

Er erwachte, weil irgendein DĂ€mlack draußen im Flur rumlĂ€rmte. Die blöden Weiber feixten ĂŒber irgendwas Bescheuertes und der Köter schlug an, weil sich draußen zwei rivalisierende Katzen vollmauzten. Immerhin stellte Urako fest, dass er bestens erholt war, ganz im Gegensatz zur letzten Nacht. Ja, heute war ein herrlicher Tag! Er packte ganz leise die Tasche fertig, dann schlich er sich davon und ging in die KĂŒche, wo ein Teil der Geister saß und gemeinsam speiste. Irgendwer wĂŒnschte ihm ĂŒbertrieben freundlich guten Morgen, um ihn somit darauf hinzuweisen, dass es hier so ĂŒblich sei, aber Urako fragte anstelle der erwarteten Erwiderung: "Wo ist hier der Kaffee?"

Er ließ sich zeigen, wie man das Zeug zubereitete, das in Naridien ein sehr alltĂ€gliches GetrĂ€nk zu sein schien und von dem Urako vermutete, dass es auch Gasmi schmecken wĂŒrde. Er lud eine volle Kanne und einen Haufen verschiedener Nahrungsmittel auf ein Tablett mit zwei Henkeln und brachte es Gasmi ans Bett.

"Guten Morgen, Schwarze Perle", schnurrte Urako und kĂŒsste ihn. "Stopf dich voll. Ich will dann gleich aufbrechen. Der Krempel ist gepackt und deine Sachen liegen da auf dem Stuhl bereit. Ach so, ich hoffe, dir schmeckt Kaffee. Ist der Erste, den ich gekocht habe." Er probierte einen Schluck und verzog das Gesicht. "Na ja", grunzte er missbilligend und gab einen großen Löffel Honig dazu.
0 x
Bild

"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker können?"
Charles Henry Samson, Scharfrichter

Benutzeravatar
Davard von Hohenfelde
Marquis
BeitrÀge: 385
x 18
x 10
Auszeichnungen: 6
Guthaben: Gesperrt
Tempel: Gesperrt
Volk: Souvagner
Steckbrief: Bild

Die Handelsallianz Weltenbastler in Gold Chronist in Silber Die fleißige Feder in Bronze

Re: Zum Henker und zum Heiler

#50

Beitragvon Davard von Hohenfelde » So 12. MĂ€r 2017, 15:29

Nach ihrem GesprĂ€ch machte sich Pavo umgehend an die Arbeit. Ein Gift herzustellen war fĂŒr den alten Heiler mittlerweile Routinearbeit. Nachdem der alte Goblin fertig war und Dave einige Sachen zusammengepackt hatte, gingen sie gemeinsam zum Stall. Der Magier sattelte sein Pferd Rulrot, setzte den Goblin aufs Ross, schwang sich dann selbst hinauf und Ritt zum Anwesen seines Bruders.

„Es braucht nur drei Dinge um alles ins Lot zu bringen", sagte Dave gut gelaunt zu Pavo, wĂ€hrend des Ritts.
"Und die wÀren?", fragte der Goblin neugierig.

"Erstens die entfernten Verwandten.
Zweitens Abschluss der meiner MeisterprĂŒfung.
Drittens das Erlernen des Zaubers des Essenzentzugs.

Habe ich die drei Dinge gemeistert, ist unser Leben perfekt Pavo. Aus diesem Grund sind die drei Ziele meine PrimĂ€rziele, alles andere ist zweitrangig und kann erledigt werden, wenn Zeit keine Rolle mehr fĂŒr uns spielt. Das heißt, wenn sich bis dato einiges nicht von selbst geklĂ€rt hat, oder man noch Interesse daran hat“, erklĂ€rte Dave.

"Punkt eins und zwei packst Du locker. Punkt drei bedeutet genau was Dave, sag schon", grinste der alte Goblin.

"Punkt drei bedeutet genau dass, was ich gerade erlĂ€uterte, dass Zeit fĂŒr uns keine Rolle mehr spielen wird Pavo. Wenn ich vorsichtig vorgehe, aufmerksam und umsichtig bleibe dann löse ich Dein Problem. Du wirst dann nicht in ein paar Jahren abtreten mĂŒssen - ewige Freundschaft wird auf eine neue Ebene gehoben. Alles andere, jedes andere Problemchen ist dann nur noch kalter Kaffee", schmunzelte Dave.

"Tee! Hör mir auf mit Kaffee. Du sprichst davon den Tod zu besiegen? Du kennst einen Spruch wie das geht?", fragte Pavo ernst.

"Nein, natĂŒrlich nicht. Nicht mal ein Nekromant kennt SprĂŒche um den Tod zu besiegen, denn sonst wĂ€re er ja automatisch jeder unsterblich, wenn ihn jemand beseitigt hĂ€tte. Ein Nekro umgeht ihn, trickst ihn aus
 untot ist weder lebendig noch tot, sondern untot.

Die EssenzĂŒbertragung ist ein Spruch ihm nie begegnen zu mĂŒssen. Das ist etwas anderes. Wir legen uns nicht mit ihm an, wir vermeiden jeden Kontakt – dass ist wesentlich sicherer und besser. Wobei der Spruch trotzdem nicht ohne ist. Man stiehlt einem Opfer seine Essenz – seine Lebensenergie und fĂŒgt sie einer anderen Person hinzu.

Dabei stiehlt man keine bewusste Zeit Pavo, ich kann nicht sagen – hier hast Du fĂŒnf Jahre. Man stiehlt Lebensessenz, Vampire tun dies ĂŒber den Lebenssaft, dem Blut. Ich wĂŒrde es direkt aus der Seele abzapfen. Manche Seelen brennen wie Sonnen im Äther, mache sind nicht mal glimmende Stecknadelköpfe. Manche Sonnen verglĂŒhen durch ihre eigene Macht, manche Stecknadelköpfe glimmen Ewigkeiten. Es sagt also nichts aus, wie mĂ€chtig eine Seele ist – der eine kommt mit wenig Atman aus, der andere hat viel, verschlingt aber auch Unmengen an Energie. Eines ist jedenfalls sicher, nach der Übertragung lebst Du lĂ€nger als vorher.

Falls Du am Sterben bist, hĂ€lt Dich die Übertragung am Leben. Wie wenn jemand verblutet und Du fĂŒgst ihm permanent neues Blut hinzu. So musst Du Dir das vorstellen. Das was Ansgar einst fĂŒr mich leistete. Gewaltiger Spruch, gewaltig gefĂ€hrlich, aber auch gewaltiges Potential. Dass muss ich erlernen“, erklĂ€rte der Magier.

"Ich dachte damals Dein Bruder hat mich verarscht, ich ging einfach davon aus Du lebst noch weil er Dir Beistand geleistet hat. Weil er Dich dazu brachte zu kÀmpfen um zu bleiben.

Völlig egal wie Du es erreichst, das Ergebnis zĂ€hlt. Endlos Zeit, da regelt allein die Zeit schon vieles fĂŒr einen. Verstehe dass jetzt nicht falsch – ich liebe Dich", grinste Pavo ĂŒber beide Ohren.

"Dito, ich Dich auch. Genau, die Zeit arbeitet fĂŒr einen. Ich meine wir haben genug AuftrĂ€ge, warum sollte man den Rest unserer Opfer verkommen lassen? Wir beseitigen die Körper. Warum nicht die Seele abzapfen, dann hat sich das mit dem Körper auch erledigt. Ist vergleichbar mit einer Jagd, man soll nichts verkommen lassen vom erlegten WildstĂŒck, heißt es. Gehandelt wird auch anders.

Wie gesagt, der Spruch stiehlt Lebensessenz. So hielt mich Ansgar einst am Leben, bis Du den Job ĂŒbernommen hast und nicht durch HĂ€ndchenhalten. Ich schulde es Dir Pavo und fĂŒr mich ist das ja auch recht nĂŒtzlich", warf Dave grinsend ein, was Pavo losprusten ließ.

„Ich bitte darum, dass Du den Spruch auch fĂŒr Dich nutzt. Denn ohne Dich bin ich dann gewaltig aufgeschmissen“, warf der Goblin ein.

„Du ohne mich, ich ohne Dich? Wann in den letzten zig Jahren? Wir kleben doch stĂ€ndig zusammen. Wann sind wir je allein unterwegs? Wir ĂŒberleben gemeinsam oder wir gehen gemeinsam vor die Hunde. Von daher – Ruhe bewahren Pavo“, schmunzelte Dave.

****

Der Magier und der Heiler erreichten das Anwesen von Ansgar, Daves Bruder. Dave stieg ab, half Pavo vom Pferd und umarmte Ansgar zur BegrĂŒĂŸung.

„Ansgar“, grĂŒĂŸte Pavo freundlich.
„Pavo“, grĂŒĂŸte Ansgar gut gelaunt zurĂŒck.

"Wie viele BrĂŒder hast Du eigentlich Dave?", flĂŒsterte Pavo.
"Nur den einen, wieso?", grinste der Almane.
"Sowas kannst Du mir ruhig mal erzĂ€hlen und ich frag Dich letztens bei dem Höllenritt noch so dĂ€mlich", murrte der Goblin, was Dave losprusten ließ.

"Ich hab Dich vermisst", schmunzelte Dave seinen Bruder an.
"Dann komm öfter vorbei, Du bist immer gerne gesehen", antwortete Ansgar grinsend.
"Sehen das Vater und Großvater auch so?", hakte Dave nach.
"Davy nach deren Meinung mĂŒsstest Du auf dem Anwesen wohnen, Deinen dummen Mund halten, heiraten und so viele Kinder mit Gabe wie möglich zeugen.

Und nach deren Meinung hĂ€tte ich eine Frau mit Gabe heiraten mĂŒssen anstatt Finny, wen von beiden schert schon so ein Scheiß wie GefĂŒhle? Die Frau kannst Du Dir ja als Kammerzofe halten. Geheiratet wird Standes- und Gabe gemĂ€ĂŸ.

Sieht man ja was bei denen dabei rauskam und zig Generationen davor. Wer starb in der Familie eines natĂŒrlichen Todes? Ich kann mich an keinen erinnern, irgendwer hat immer irgendwen entsorgt. Ich dachte mir, ich breche mit der Tradition von meiner Frau und meinen Nachkommen gehasst zu werden und heirate einfach die Frau die ich liebe. Hat doch geklappt.

Drum so wie Du jetzt lebst, sehen die Dich lieber von hinten, bis Du „vernĂŒnftig“ wirst. Du bist ja sozusagen ihre letzte Hoffnung auf ihren familiĂ€ren Irrsinn, solange Du noch unverheiratet bist, bist Du nicht mit der falschen verheiratet und beeinflussbar.

FĂŒr Großvater hast Du seit dem Sturz von Blakkur nicht mehr alle Tassen im Schrank und ich hab laut seiner Meinung noch nie Tassen besessen.

Von daher, schere Dich nicht um seine Meinung. Vater sieht es genauso, wĂ€re ja mal etwas Neues, wenn er eine eigene Meinung hĂ€tte. Wenn er sich einreden lĂ€sst minderwertig zu sein, nur weil er die Gabe nicht besitzt, ist das sein Problem. DafĂŒr mĂŒssen wir nicht herhalten. Wir mĂŒssen und werden nicht stellvertretend sein Leben leben
 aber wir werden es beenden“, grinste Ansgar ĂŒber beide Ohren.

"Richtig Ans, Du hast mich schon immer verstanden. Glaub mir, seit dem Sturz von Blakkur sah ich so klar wie noch nie zuvor in meinem Leben, vor allem was die Familie anbelangt. Und Vater hat bei der Bewertung verdammt miserabel abgeschnitten", flĂŒsterte Davard.

"Er hat sich wie der bornierte Arsch verhalten, der er ist Davy. Nenn das Kind beim Namen Kleiner", grinste Ansgar.
"Das hast Du gesagt", grinste Dave.
"Das hab ich ihm sogar ins Gesicht gesagt", grinste Ansgar zurĂŒck.

"Zum Thema entfernte Verwandte. Du bist nach wie vor dabei?“, hakte Dave nach.
„NatĂŒrlich, fĂŒr Mutter, uns beide und meine Jungs. Logisch bin ich noch dabei. Wir haben viel zu lange gewartet“, antwortete Ansgar.

„Falls was schief lĂ€uft, geht alles auf meine Kappe. Du und Pavo, Ihr hattet damit nichts zu tun. Weder wird er sich als mein Vater aufspielen, noch Du Dich als großer Bruder in Ordnung? Denkt in dem Fall an Euch. Und Du Ans an Deine Jungs und Deine Frau", sagte Dave.

„Du machst Dir zu viele Gedanken. Weder die BĂŒttel noch die BĂŒrger interessiert es, was unsereins miteinander fĂŒr Fehden hat. Die halten sich raus, denn die wollen in unsere Familie-Kriege nicht hineingezogen werden. Zudem Dave, das merkt keiner. Das hat noch nie einer gemerkt und falls doch, dann zahlt man den ĂŒblichen Obolus, weil ein ĂŒberalterter Nekro ins Gras biss. Meinst Du wirklich Familien-Interna interessieren wen? Und falls doch, buche ich bei Euch eine Beweis-Bereinigung. Bekomm ich Rabatt?“, schmunzelte Ansgar.
„Klar – fĂŒnf Reinigungen gebucht, die nĂ€chste fĂŒr lau“, grinste Dave.

„Mal nachzĂ€hlen, dann wĂ€re diese doch fĂŒr lau oder? GleichgĂŒltig, Großvater ist nicht von Belang was Erbrecht angeht, da er den gesamten Besitz Vater ĂŒbereignet hat. Vater schon.

Damit es zwischen uns zu keinem Zwist oder schlimmer noch zum Bruch kommt, einigen wir uns vorab. Wenn Vater geht, steht mir als Erstgeborener sein gesamter Besitz zu, Du bekommst ein Pflichtanteil. Das möchte ich nicht, drum was möchtest Du vom Besitz erhalten?“, fragte Ansgar.
„GleichgĂŒltig was?“, hakte Dave nach.

„Äußere erstmal Deine WĂŒnsche. Im schlimmsten Fall, feilschen wir“, grinste Ansgar.
„Pavo feilscht fĂŒr mich“, lachte Dave leise.
„Der Goblin? Garantiert nicht“, lachte Ansgar.
„Ob ich ĂŒberhaupt feilschen will, fragt keiner“, warf Pavo ein.
„Du tust eh alles fĂŒr ihn wie er mir sagte, von daher stellst sich die Frage doch gar nicht“, gab Ansgar zurĂŒck.
„Auch wahr. Gut Dave was soll ich fĂŒr Dich rausschlagen?“, grinste Pavo.

„Nachtmahr, einige BĂŒcher nach Wahl von Großvater und den Wert des Stadtanwesens samt Scholle in Taler. Das ist es schon“, antwortete Dave freundlich.
„DafĂŒr brauchen wir nicht feilschen, abgemacht. Es gehört Dir. Ich weiß ja das Du auf Pferde stehst, aber der uralte modrige Gaul hat es Dir richtig angetan was?“, schmunzelte Ansgar.
„Ich hab Nachtmahr schon immer geliebt, dass weißt Du doch und er ist eine Konstante in meinem Leben“, antwortete Dave ehrlich.

„Ich hab Dich nur aufgezogen Davy, war nur Spaß. Der alte KlĂ€pper sei Deiner, von Herzen. Wenn Großvater umgezogen ist, wird Vater versuchen sich an mich zu klemmen, um den Alten zurĂŒckzuholen.

Bevor wir Vater beim Umzug helfen, solltest Du ihm sagen dass Du als „Weichei“ seinen Umzug organisiert hast“, gab Ansgar gut gelaunt zurĂŒck.
„Och ja, dass mache ich. Wundervolle Idee, dass freut ihn sicher, zu erfahren dass ich doch nicht so zart besaitet bin, wie er immer befĂŒrchtet hatte“, grinste Dave.

„Eben. Nur sollten wir Vater direkt nach Großvaters Umzug ins Labor verfrachten, sicherheitshalber. Nicht dass er auf dumme Ideen kommt. Ich werde mich umgehend darum kĂŒmmern, sobald sich Dein Medicus Großvaters Problem annimmt.

Sobald Opa im Nexus ist, werden ihm seine WiedergĂ€nger eh nichts mehr nĂŒtzen, sie geben zeitgleich mit ihm den Löffel ab. Falls er etwas ahnt, werden wir gegen ihn antreten mĂŒssen Davy. Wir mĂŒssen den alten Sack dann zeitgleich mental mit zwei verschiedenen Angriffen angreifen, sonst haben wir am Ende selbst die Arschkarte gezogen und enden in seiner Gefolgschaft von WiedergĂ€ngern“, lachte Ansgar.
„Der Traum meiner schlaflosen NĂ€chte, der Zombie meines eigenen Opas. Ainuwar stehe uns bei“, stöhnte Dave.

„Naja selbst wenn er uns in den Nexus pusten sollte, das heißt nicht dass wir da drĂŒben wehrlos wĂ€ren“, gab Ansgar zurĂŒck.
„Das zwar nicht, aber wir wĂ€ren tot Ans, da lohnt sich ein Kampf eigentlich nicht mehr“, grinste Dave.

Ansgar zog fragend eine Augenbraue hoch.

„Du vergisst die Familien-Mitglieder, die ihm dann hier im Diesseits schutzlos ausgeliefert sind. Zudem schon mal was von Rache gehört? Wenn einer einen meiner Lieben oder mich umbringt, werde ich ihn töten und notfalls mit in den Tod reißen. Dazu zĂ€hlst auch Du.

Sicher lohnt sich da noch ein Kampf. Also kann sich der Alte nicht drauf ausruhen, falls er mich erledigt hat. Er hat vielleicht meinen Körper vernichtet, aber solange ich existierte, wird er keine Ruhe mehr finden. Sein Leben wird eine einzige Qual werden und er wird nicht mehr in den Äther wechseln können. Von Schlaf braucht er dann nicht mehr trĂ€umen. Er wird dauerwach sein mĂŒssen um mir nicht zu begegnen. Wie lange hĂ€lt man das wohl durch?“, antwortete Ansgar zufrieden.
„Ein paar Tage vermute ich. Hast Du eine Ahnung Pavo?“, fragte Dave.

„Dazu mĂŒsste man zuerst definieren was Du unter „wach“ verstehst. Gehen wir davon aus, Du meinst einfach keinen Schlaf zu finden. Der Rekord eines Menschen liegt bei 11 Tage.

Aber das ist extrem schwer durchzuhalten. Normalerweise schafft es eine Person in Extremsituationen wie im Kriegsgefecht drei bis vier Tage am StĂŒck dauerhaft wach zu bleiben.

LĂ€ngerer Schlafentzug induziert bei gesunden Probanden neben allerlei verĂ€nderten BewusstseinszustĂ€nden auch hĂ€ufigen "Sekundenschlaf", also kurze Episoden, in denen einen der Schlaf ĂŒberwĂ€ltigt, man sozusagen wegknackt. Sowie den teilweisen oder völligen Verlust kognitiver oder motorischer Kontrolle ĂŒber das Geschehen. Es beginnt mit Wahrnehmungsstörungen, geht weiter ĂŒber Sekundenschlaf, es folgen Halluzinationen, gegen Ende ist man kaum noch handlungsfĂ€hig – hĂ€lt man die Person weiter wach verstirbt sie. Kontinuierlicher Schlafentzug ist tödlich.

Allerdings kann Schlafentzug auch hilfreich sein, bei GemĂŒtsstörungen bei Malgorischen Krankheiten hilft es manchen Personen aus ihrem Tief heraus, wenn sie eine Nacht wachgehalten werden. Wie immer macht die Dosis das Gift “, erklĂ€rte Pavo freundlich und hilfreich.

„Da mĂŒssten wir abwechselnd eigentlich nur 12 NĂ€chte Radau machen, dass die zwei nicht pennen können und wir wĂ€ren die los“, lachte Dave was Pavo und Ansgar ebenfalls losprusten ließ.

„Statt im Wechsel zu Tode gehetzt, wurden sie zu Tode ĂŒbermĂŒdet? Das sollten wir uns patentieren lassen“, schmunzelte Ansgar.
„Mal eine andere Frage Ans, ich brauche einen Greifen. Oder etwas anderes das fliegen kann. Wenn wir einen Greifenkadaver besorgen könnten, oder von einem anderen fliegenden Wesen, wĂŒrdest Du ihn fĂŒr mich nekrotisieren?“, fragte Dave.
„Klar, mache ich. Allerdings wĂ€re die Beschaffung eines toten Greifen gefĂ€hrlich oder sehr kostspielig. Wie wĂ€re es mit Artefaktmagie? Ein verzauberter Flug-Gegenstand“, schlug Ansgar vor.

„Sprich es ruhig aus! Ein fliegender Teppich – mit Kaffeekannenhalterung“, murrte Pavo, was Dave losprusten ließ.
„Der Teppich wĂ€re echt eine gute Idee“, grinste Ansgar.
„Sag nicht Du betest Rakshor an
“, stöhnte Pavo.

„Er? Garantiert nicht Pavo. Ans ist genau wie Du und ich AnhĂ€nger Ainuwars, er hat sogar einen eigenen „Mini-Tempel“ des Ainuwar in seinem Haus. Den kann er Dir gerne einmal zeigen“, warf Dave gut gelaunt ein.
„Ja gerne!“, freute sich Pavo.

„Wo wir beim Thema Tausch sind, ich möchte dass Du Anwolf ausbildest. Interesse?“, fragte Ansgar.
„Gerne, ich nehme ihn unter meine Fittiche. Was genau soll er alles lernen?“, fragte Dave Retour.
„Alles, auch Euer GeschĂ€ft. Er soll in der Lage sein die Familie mit allen Mitteln zu verteidigen“, antwortete Ansgar.
„Abgemacht, das heißt wenn er dazu bereit ist. Ohne dazugehörigen Willen, wird er nichts lernen“, sagte Dave.

„Er ist dazu bereit Dave, er hat mich gefragt ob Du ihn weiter ausbildest, sobald Du Deine PrĂŒfung abgelegt hast. Ihn vorher bereits unter Deine Fittiche zu nehmen, schadet ihm garantiert nicht. Und Dir ebenso wenig. Anwolf ist immer bereit zu lernen und garantiert kein Flaneur. Zudem kommt ihr beide doch sehr gut miteinander aus“, gab Ansgar zu bedenken.
„Ans, ich sagte ich mache es gerne. Wenn er vorher bei uns anfĂ€ngt, kann er meine Vertretung ĂŒbernehmen, wĂ€hrend ich meine PrĂŒfung in der Akademie ablege. Buchhaltung, AuftrĂ€ge und so weiter. Dass normale TagesgeschĂ€ft wird er hinbekommen“, schmunzelte Dave.
„NatĂŒrlich, Praxis im GeschĂ€ftlichen schadet nicht“, stimmte Ansgar zu.

„Ist dass der Kurze der bei uns schon mal fĂŒr ein paar Tage zu Besuch war?“, fragte Pavo neugierig.
„Richtig, der Mini-Magier“, erklĂ€rte Dave.
„Mini-Magier, dass lass ihn mal nicht hören“, lachte Ansgar.

****

Es dauerte einige Tage, dann hatten Ansgar, Dave und Pavo aus den unliebsamen Verwandten entfernte Verwandte werden lassen. Die Sache wurde auf ihre Familien Art und Weise bereinigt.

Dave und Pavo ritten gemeinsam mit Anwolf zurĂŒck nach Shohiro. Pavo saß bei Dave mit auf Nachtmahr, wĂ€hrend Anwolf Rulrot nutzte.

****

"Sobald wir Zuhause sind, werde ich meine Sachen fĂŒr die Akademie packen.
Du bist fĂŒr die Buchhaltung zustĂ€ndig Anwolf, Du hast das ja schon einmal fĂŒr mich gemacht. AuftrĂ€ge kommen von Aino herein. Sie sagt Dir, wem Du sie geben sollst und unter welchen Voraussetzungen. Oder sie hat es schon selbst erledigt, dann musst Du nur noch das Schriftliche erledigen.

Generell wie gehabt, alle EingĂ€nge ins Buch, alle Fixkosten zur Seite und in Abzug bringen, 2000 zur Sicherheit zur Seite, erst ab dato Auszahlung an die einzelnen Familienmitglieder, damit die Grundkosten gedeckt sind. Dazu zĂ€hlen auch die Bestellungen von Pavo und Lydia, dass sind Fixkosten fĂŒr Verbrauchsmaterial. Wunschbestellungen gehen aus dem Gesamttopf - dafĂŒr sind die 2000 in RĂŒckhand. Soweit klar?", fragte Dave freundlich.

"Alles klar, ansonsten schaue ich in die BĂŒcher. Hoch lebe der Vorgang", grinste Anwolf.

"Genau. Deine Ansprechpartner sind Pavo und Aino. Du machst was sie Dir auftragen. Mache keinen Unsinn wÀhrend ich weg bin", ermahnte Dave seinen Neffen.

"Wir Hohenfelde lernen bereits zu schweigen, wenn andere noch lernen zu sprechen Dave.

Du kannst Dich auf mich verlassen. Wann hab ich Feierabend? Wenn ich alles erledigt habe? Wo wohne ich und darf ich Rulot nutzen?", hakte Anwolf nach.

"Wohl wahr. WĂŒrde ich mich nicht auf Dich verlassen wĂ€rst Du nicht hier. Richtig, wenn Du Deine Aufgaben erledigt hast. Wird nicht jeden Tag so sein, dann schreib einen Tag drauf weiter. Die BĂŒcher der Heilstube und Schmiede sind getrennt und aufgerechnet auf die "NebeneinkĂŒnfte" - Du verstehst.

Du wohnst in meinem Quartier, ich schlafe im Schlafquartier bei Pavo. Du hast also gleich Dein Reich fĂŒr Dich. Hinterlasse kein Chaos und gehe mit meinen Sachen pfleglich um. Rulot darfst Du nutzen. Um Fedor kĂŒmmert sich Pavo. Hab auf beide ein Auge, dass es ihnen gut geht", sagte Dave, was den alten Goblin kopfschĂŒttelnd grinsen ließ, ehe der Magier in DĂ€monai fortfuhr.

"Noch einmal, auch wenn ich es Dir bereits erklĂ€rt hatte. Das ist weder ein Abenteuer noch ein Spaß. Dieser Beruf ist todernst. Dass ist mein Leben, mein Zuhause und meine Familie. Die Tragweite muss Dir bewusst sein! Versagst Du, verliere ich meine Familie oder bei großer Verfehlung Deinerseits mein Leben... und Du Deins Neffe", erklĂ€rte Dave ernst.

"Aber ihr seid ein Haus und Pavo ist Dein Ziehvater! Pavo wĂŒrde niemals zulassen, dass Dich irgendwer nur anpackt oder geschweige denn umbringt", antwortete Anwolf ebenfalls auf DĂ€monai.

"Sicher es ist meine und nun auch Deine Familie, sie steht Dir immer bei. Aber wendest Du Dich gegen die Familie, wendet sie sich gegen Dich.
Als Magier hast Du hier einen Sonderstatus, alle Familienmitglieder passen auf Dich auf und tragen Dir den Arsch nach. DafĂŒr musst Du aber im Kampf alles geben, sonst treten sie rein. Dass musst Du begreifen. Sie tun alles fĂŒr Dich und dass erwarten sie auch von Dir, ebenso ich", antwortete Dave in der gleichen Sprache.

"Verstanden, mein Wort drauf Dave", schwor Anwolf.
"Gut, wenn was ist kontaktiere mich. Ich werde mich auch bei Dir melden Pavo, Ehrensache", grinste Dave.
"Wehe nicht", lachte der Goblin.

****

Dave blieb mit seinem Pferd kurz vor dem Tor zu ihrem Anwesen stehen und musterte die steinerne Mauer. Dann stieg er ab und fĂŒhrte die Pferde auf das GrundstĂŒck und schloss das Tor wieder hinter sich.

Das forderte StĂŒck des Innenhofs war genauso gepflastert wie die Straße draußen. Und das Geisterhaus bestand unten ebenfalls aus gewaltigen Steinen. Ihr Zuhause war ein Bollwerk, so sollte es auch sein.

Aber irgendwie erinnerte es ihn im Moment an sein altes Zuhause und damit an seine Mutter. Und an seinen Pakt mit Tarkan.

Daves Blick wanderte nach oben. Kein Blitzschlag riss den Himmel auf, um ihn fĂŒr den Verrat an seiner einstigen Überzeugung und Religion zu bestrafen. Weder ihn noch Pavo traf die Strafe Ainuwars.

Nun vielleicht war der Deal gar kein Verrat, sondern seine UntĂ€tigkeit all die Jahre vorher. Die UntĂ€tigkeit war durch rigoroses Handeln gesĂŒhnt worden. Der Rest von Melisandes Reise lag ins Ansgars Hand. Er hatte allerdings weiterhin die Rahmenbedingungen zu erfĂŒllen.

Dave öffnete die HaustĂŒr und Fedor kam ihm mit infernalischem, ohrenbetĂ€ubenden GeklĂ€ffe entgegengeflogen.

Der Magier ließ sich wie immer auf die Knie fallen, umarmte seinen Hund und kĂŒsste Fedor auf den Kopf, wĂ€hrend sein Hund scheinbar das gleiche versuchte nur allerdings auf Hundeart - mit nasser Zunge.

"Wenn wir mal so begrĂŒĂŸt werden wĂŒrden", flĂŒsterte Pavo Anwolf zu.
"Wer so liebevoll begrĂŒĂŸt werden will, braucht einen Hund", flĂŒsterte Anwolf zurĂŒck.

"Ich gehe packen, bis spÀter. Von Dir verabschiede ich mich zum Schluss Pavo, dauert vermutlich am lÀngsten", grinste Dave und war mit den Worten verschwunden.
0 x
Bild