Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterlie├čen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf├Ąngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. W├Ąhrend die Urv├Âlker auf Altbew├Ąhrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimb├╝nde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Kapitel 2 - Versp├Ątete Rache - Wiedersehen mit Antoine

Ein kleiner Trupp vom Ring der Menschenfresser hat Naridien verlassen, um nun in Souvagne zu jagen. Angef├╝hrt werden die Bei├čer von dem als Bestie bekannte Archibald von Dornburg. Ihr Ziel: nach der Niederlage nun einen neuen Fleischtempel f├╝r den ├ältesten zu finden.
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Antoine
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Kapitel 2 - Versp├Ątete Rache - Wiedersehen mit Antoine

#1

Beitrag von Antoine » Fr 29. Jun 2018, 01:42

(Einige Wochen davor)

Sie jagten ihn seit Stunden. Die Hitze des Tages war gewichen und nun war es Nacht. Er trug den Sommer auf der Haut, barfu├č, in kurzen Lumpen und mit braungebrannter Haut, die sein helles Haar leuchten lie├č. Er verbrachte fast den gesamten Tag unter freiem Himmel, schlug sich mit kleinen Diebst├Ąhlen und Betteln durch. Daf├╝r, dass er auf der Stra├če lebte, war er gut in Form, denn wer gut aussah, hatte es leichter, sich die eine oder andere Mahlzeit ausgeben zu lassen oder sonstige Geschenke zu erhalten. Dahingehend ging es ihm seit zweieinhalb Jahrzehnten ganz gut. Doch die Nacht warf schwarze Schatten und die Sommerhitze wich der K├Ąlte der Sterne und der beiden Monde.
Antoine hatte schon das eine oder andere Mal am ├Âffentlichen Pranger gestanden, doch heute war er zu weit gegangen. Die Leibgarde des Gro├čherzogs H├Âchstselbst war ihm auf den Fersen. Er glaubte nicht, dass er noch lange genug durchhalten w├╝rde, um den n├Ąchsten Sonnenaufgang in Freiheit zu erleben. Warum sie ihn so erbittert jagten, wusste Antoine nicht. Der feuchte Staub von herabgebr├Âckeltem Putz verklebte seine Zehen, als er durch das verlassene Industriegebiet rannte. Lagerhallen und schweres Ger├Ąt zum Verladen dominierten das Viertel. Bei Nacht war hier nichts los, die Arbeiter waren nur am Tage zugegen. Es gab hier entsprechend kaum Licht, dem er ausweichen musste, von dem der beiden Vollmonde abgesehen.
Zw├Âlf Mann waren es, die an seinen Fersen klebten, in enge schwarze Kleidung geh├╝llt, von einer leichten, ebenfalls schwarzen R├╝stung gesch├╝tzt, die Gesichter von Visierhelmen verdeckt. Antoine hatte nicht damit gerechnet, dass sie ihm derart weit vom Palast weg folgen w├╝rden. Er war davon ausgegangen, dass sie bald umkehren und die B├╝ttel der Stadtwache informieren w├╝rden, so dass er ein Zeitfenster erhielt. Stattdessen jagten sie ihn gnadenlos wie ein Rudel ausgehungerter Raubtiere einen einsamen Hirsch. Schnelligkeit war immer sein Freund gewesen, doch die Leibgardisten waren ausdauernd wie W├Âlfe und genau so gerissen. Sie schienen seine Fluchtroute vorherzusehen und hatten sich aufgeteilt, um ihm alle Wege abzuschneiden. Vier waren unmittelbar hinter ihm. Sie zeigten sich offen, gaben sich keine M├╝he, in Deckung zu gehen, waren immer gerade weit genug weg, als dass er die Hoffnung nicht ganz verlor, sie vielleicht doch noch abzuh├Ąngen und weiter rannte, anstatt aufzugeben. Er wusste, dass sie ihn ersch├Âpfen wollten. Er wusste es und war doch machtlos dagegen.
Antoine kletterte eine verrostete Eisenleiter hoch und rannte ├╝ber ein Laufgitter, das um das Geb├Ąude herumf├╝hrte. Seine Fu├čsohlen waren steinhart von Hornhaut und das Eisen st├Ârte ihn so wenig wie zuvor der scharfkantige Schutt. Die Leibgardisten legten die behelmten K├Âpfe in den Nacken und sahen ihm nach. Sie teilten sich erneut auf, zwei folgten ihm hinauf und zwei rannten unter dem Gitter entlang.
Antoines F├╝├če h├Ąmmerten auf dem Eisen, Rost rieselte hinab. Er konnte nicht mehr rennen, er schleppte sich nur noch vorw├Ąrts. Die Leibgardisten waren besser trainiert, agierten wie ein Mann, der sich in mehreren K├Ârpern befand. Sie waren ein perfekt eingespielter Trupp von Elitek├Ąmpfern und sie hatten ihn bald. Was dann geschehen w├╝rde, wusste er nicht. In Anbetracht dessen, dass er im Anwesen des Ducs herumgeschlichen war, auf der Suche nach lohnenswertem Diebesgut, wurden ihm vielleicht die H├Ąnde abgehackt. Immerhin war er ins Heiligtum der Krone eingedrungen, das war noch etwas anderes, als auf dem Markt ein paar W├╝rstchen zu entwenden oder bei einer einsamen Dame im Gegenzug f├╝r Schmeicheleien Geld zu leihen, dass er niemals zur├╝ckzahlte.
Weil er nicht wusste, wo er sonst hin ausweichen sollte, kletterte hinauf er auf das Flachdach. Und dort standen drei M├Ąnner in Schwarz. Antoine konnte in seinen Gedanken regelrecht ihr geh├Ąssiges Grinsen hinter den Visieren sehen. In selbstsicherer Manier schlenderten sie auf ihn zu. Er blickte unter sich die Leiter hinab. Dort standen zwei weitere Gardisten und warteten. Sie kamen nicht hinterhergeklettert, sondern blickten nur hinauf. Er war gefangen, hing zwischen Himmel und Erde auf den rostigen Metallstreben, die nur wackelig mit der Wand verbunden waren.
Er war kein Leichtgewicht, sondern war gro├č und stand gut im Futter. Jetzt im Sommer besonders, wo es ├╝berall in den Vorg├Ąrten Fr├╝chte zu holen gab und Vogelnester, die man pl├╝ndern konnte. Er hielt die Leiter fest umklammert und ruckte mit dem ganzen K├Ârper nach hinten, ein Mal, zwei Mal. Beim dritten Mal riss sie aus der Verankerung und kippte mit ihr ├╝ber die eiserne Br├╝stung hinweg nach hinten. Der Horizont kippte ebenfalls. Antoine l├Âste seine F├╝├če und hielt sich nur noch mit den H├Ąnden fest, w├Ąhrend er samt Leiter fiel. Die Leiter wurde immer weiter aus der Wand gerissen, die Schrauben l├Âsten sich aus der Wand und flogen wie Geschosse durch die Luft. Fluchend gingen die Leibgardisten in Deckung.
Etliche Meter ├╝ber dem Boden traf sich die Leiter mit dem Gel├Ąnder, das Eisen bog sich kreischend durch. Antoine lie├č los und fiel die letzten Meter. Der Sto├č des Aufpralls breitete sich in seine Beine aus und schien in seinen Knien zu explodieren. Er st├╝rzte und rappelte sich langsam wieder auf, zu langsam.
Ein Tritt in den R├╝cken schickte ihn wieder zu Boden. Erschrocken fuhr er herum. Die Vier Gardisten, die ihn gehetzt hatten, zogen ihren Kreis enger, die drei vom Dach seilten sich gerade ab. Antoine kam auf H├Ąnde und Knie und kassierte einen Schlag ins Gesicht. Sein Kopf flog herum, erneut landete er im Dreck. Diesmal blieb er liegen, in der Hoffnung, weiteren Misshandlungen zu entgehen.
┬╗Ich ergebe mich┬ź, keuchte er. ┬╗Aufh├Âren!┬ź Er hob im Liegen die H├Ąnde. Eine gepanzerte Stiefelspitze wurde von hinten zwischen seine Beine gerammt und Antoine quollen die Augen aus den H├Âhlen. Er kotzte einen Schluck Magens├Ąure aus. Seine Arme wurden auf seinen R├╝cken verdreht und fest miteinander verschn├╝rt.
┬╗Aufstehen!┬ź Die Gardisten traten ihn in die Seite, bis er mit tr├Ąnennassem Gesicht auf die F├╝├če kam. Wacklig blieb er stehen. Einer der Gardisten hatte sich vor ihm aufgebaut. Der K├Ârperhaltung nach musste er sich zusammenrei├čen, den Dieb nicht an Ort und Stelle zu einem blutigen Klumpen zu verarbeiten. Antoine konnte sich nicht erkl├Ąren, warum die Typen ihn derma├čen auf dem Kieker hatten, nur weil er in den Palast eingedrungen war! Er war nur ein lausiger Kleinkrimineller auf der Suche nach etwas Handlichem, das er mitgehen lassen konnte und jagten ihn wie einen Serienm├Ârder.
┬╗Es tut mir leid┬ź, ├Ąchzte er. ┬╗Ich wollte keinem etwas B├Âses, ich wollte nur irgendwas klauen. Ich bin von der Stra├če.┬ź
┬╗Es war klar, dass du so geendet bist┬ź, schnauzte der Leibgardist. ┬╗Hinterfotzigkeit war schon immer deine bevorzugte Art. Du hast in deinem Leben nie etwas zustande gebracht, hast dich deinen Problemen nie gestellt, sondern versucht, sie zu umgehen. Der leichte Weg, das ist dein Weg.┬ź
Antoine starrte den Leibgardisten mit offenem Mund an. Das Visier war wie eine schwarze Maske aus Eisen mit Luftschlitzen. ┬╗Wer seid Ihr? Kennen wir uns?┬ź
┬╗Du wirst mich noch kennenlernen┬ź, schnauzte der Mann. ┬╗Bringt die Drecksau ins Verlies B.┬ź
Antoine strengte sein Ged├Ąchtnis an, aber er konnte sich beim besten Willen nicht an die Stimme erinnern oder daran, irgendeinen Leibgardisten pers├Ânlich zu kennen. Vielleicht kannte er ihn aus einer Taverne? Sie f├╝hrten den humpelnden und vor Schmerzen st├Âhnenden Mann zur├╝ck zum Palast und warfen ihn dort in einen unterirdischen Kerker. Sie zogen ihn aus und durchsuchten alle K├Ârper├Âffnungen. Dabei gingen sie gr├╝ndlicher vor, alses nach Antoines Meinung h├Ątte sein m├╝ssen. Sie wechselten sich damit sogar ab und kontrollierten alles mehrmals. Panik stieg ihn ihm auf, als er merkte, in welche Richtung das Ganze sich entwickelte. Sie r├╝ckten von allen Seiten enger an ihn heran.
┬╗Leute, ich bin nur ein kleiner Dieb von der Stra├če┬ź, beschwor er sie. ┬╗Ich habe nie irgendwem etwas getan! Nur ein paar Kleinigkeiten geklaut!┬ź
┬╗L├╝ge, Toni. Ganz b├Âse L├╝ge┬ź, knurrte der Leibgardist, der gerade mit den Fingern seinen Hintern spreizte und dabei gar nicht sanft vorging.
┬╗Woher kennt Ihr meinen Namen? H├Ârt auf damit!┬ź, ├Ąchzte er.
Der Kerl stand auf, packte ihn am Genick und presste ihn an die Wand. ┬╗Beine auseinander┬ź, befahl er. Antoine r├╝ckte die F├╝├če ein winziges St├╝ck auseinander.
Einer der umstehenden Leibgardisten, der bisher an der Wand gelehnt und zugeschaut hatte, trat nun herzu. Der Statur nach war es derjenige, der Antoine gestellt hatte und vermutlich der Anf├╝hrer der Einheit. Er war nicht sehr gro├č, daf├╝r bullig. Er ├Âffnete den Verschluss unter seinem Kinn und nahm den Helm ab. Antoine traf fast der Schlag. Der Kerl hatte eine dicke rosa Narbe vom Mundwinkel bis fast zum Ohr. Wenn er ihn nicht an der Knollnase, den eisblauen Augen und den schwarzen, mittlerweile angegrauten Haaren erkannt h├Ątte, dann an dieser Narbe, die er selbst ihm einst verpasst hatte.
┬╗H├Âr mal, Boldi...┬ź, begann Antoine vers├Âhnlich.
┬╗G├Ânn dir deinen Spa├č, Robby┬ź, sagte der zu dem Gardisten, der hinter Antoine stand, ohne auf den Gefangenen einzugehen. War das denn die M├Âglichkeit, der auch hier?! Wie viel Pech konnte man haben!
Der Rest der Truppe stand um sie herum und riss einen bl├Âden Spruch nach dem anderen. Robere machte sich r├╝cksichtslos an Antoine zu schaffen, so wie er ihn schon w├Ąhrend ihrer Kindheit gequ├Ąlt hatte. Nur, dass seine Grausamkeit nun, da sie erwachsen waren, jene aus ihrer Kindheit um ein Vielfaches ├╝bertraf. Boldisz├ár verfolgte das Schauspiel mit ausdruckslosem Gesicht. Er selbst machte sich die Finger nicht schmutzig. Er tat jedoch auch nichts, um seinen Vollstrecker auszubremsen, sondern lie├č ihm und den anderen, die mitspielen wollten, freie Hand. Als nacktes H├Ąuflein Elend sank Antoine schlie├člich in der Zelle zusammen.
Als die Leibgardisten endlich das Interesse an ihrem Spielzeug verloren und von ihm ablie├čen, unterhielten sie sich ├╝ber den morgigen Dienstplan. Antoine lag wie ein benutztes, zusammengekn├╝lltes und weggeworfenes Taschentuch zwischen ihnen auf dem Boden. Stiefel traten ├╝ber ihn Hinweg und die Eisent├╝r wurde verschlossen. Antoine kroch in eine Ecke und versuchte, Speichel und die anderen Fl├╝ssigkeiten an der Wand abzuwischen. Eingerollt und in der K├Ąlte des Verlieses frierend wartete er auf sein Verh├Âr und seine Verurteilung. Die Hoffnung, dass er hier lebend rauskommen w├╝rde, hatte er sich aus dem Kopf geschlagen.
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Re: Der Schwarze Skorpion

#2

Beitrag von Antoine » Sa 30. Jun 2018, 16:17

Gilbert Jardine
Nachdem Antoine sein Gl├╝ck innerhalb der Palastmauern versucht hatte, war nichts mehr wie zuvor. Nicht nur dass ihn die Leibgarde wie einen r├Ąudigen Stra├čenk├Âter durch die dunklen Gassen der Nacht gehetzt hatte, nein sie hatten ihn auch gestellt. Aber damit h├Ârte seine Tourtur noch lange nicht auf. Ein sehr altes Wiedersehen fand in der Zelle statt. Aber nun stand Antoine nicht mehr einfach einem Gleichen gegen├╝ber, sondern einem Gardisten der Unite B und zwar DEM Gardisten. Die Narbe, die er ihm einst verpasst hatte, das halbseitige, ewige schiefe Grinsen dass er in das Gesicht von Boldi geschnitten hatte, grinste nun ihn verh├Âhnend und triumphierend an. Und sie kosteten ihren Sieg aus. Wie die billigste Stra├čendirne hatten sie sich an ihm bedient und ihn herumgereicht wie alte Flasche Fusel. Gesch├Ąndet hatten sie ihn zur├╝ckgelassen und keines Blickes mehr gew├╝rdigt. Das, was er als Nahrung erhalten musste, wurde ihm wie ein Tier in die Zelle geworfen. Mehr war er nicht f├╝r sie. Vielleicht h├Ątten sie sogar ein Tier besser behandelt, denn hier unten ging es um weit mehr, als den reinen Versuch eines Diebstahls. Es ging um eine alte Schuld und Boldi hatte Antoine die Rechnung pr├Ąsentiert. Antoine war gerade in einen unruhigen, schmerzerf├╝llten Schlaf gefallen, als ihn jemand an den Haaren auf die Beine und somit aus den Schlaf riss. Unsanft wurde er in einen anderen Raum verfrachtet, auf einen Stuhl gedonnert und man befestigte seine seiner H├Ąnde an einer st├Ąhlernen Schlinge, die in einen massiven Tisch eingelassen war. Eine Chance auf Flucht konnte sich Antoine nicht ausrechnen. Der Stuhl, auf dem er sa├č und auch der Tisch waren fest am Boden verschraubt. Der Gardist, der kein Wort mit ihm gewechselt hatte, verpasste ihm einen Schlag vor den Hinterkopf und verlie├č wortlos den Raum. Erneut musste Antoine warten. Diesmal allerdings nicht so lange. Ein Mann betrat den Raum. Er hatte andere Kleidung an, als die Gardisten, wirkte aber von seiner Statur und seiner K├Ârperhaltung ganz ├Ąhnlich. Sein auff├Ąlligstes Merkmal war eine lange Narbe die sein Gesicht zierte. Er setzte sich Antoine gegen├╝ber hin, legte sein Schreibbrett ab und seinen Bleistift.

Gilbert Jardine
┬╗Gr├╝├če. Mein Name ist Gilbert Jardine und ich bin der eingesetzte B├╝ttel, der Dich zu Deinen Anschuldigungen verh├Âren wird. Fangen wir mit Deinen pers├Ânlichen Daten an. Name!┬ź, sagte Gilbert.

Antoine
┬╗Antoine Davout┬ź, antwortete der Gefangene leise und starrte auf die eisernen Handschellen, die seine H├Ąnde ├╝ber eine Kette mit dem Tisch verbanden. Die h├Âllischen Schmerzen, die er ├╝berall versp├╝rte, verabschiedeten sich vollkommen in den Hintergrund. Er hatte gro├če Angst davor, dass dieser B├╝ttel ihn genau so behandeln w├╝rde wie die Gardisten und wagte nicht, ihm in die Augen zu sehen, sondern schaute nur auf seine gefesselten H├Ąnde.

Gilbert Jardine
┬╗Antoine Davout, ohne festen Wohnsitz, geboren wann und wo, falls bekannt? Bist Du in einem Armenhaus gemeldet, oder verdingst Du Dich als Landstreicher?┬ź, hakte Gilbert nach und notierte den Namen von Antoine auf seinem Bogen. Er musterte den Gefangenen genau und machte auch dazu einige Notizen, so dass man ihn jederzeit einwandfrei wiedererkennen konnte.

Antoine
┬╗Irgendwann im Sommer 164. Wo, wei├č ich nicht. Ich bin nirgendwo gemeldet.┬ź Verstohlen schaute Antoine dem B├╝ttel auf die Narbe und hoffte, dass der Kerl sie nicht auf die selbe Weise erhalten hatte wie Boldisz├ár und er nun stellvertretend ein zweites Mal das Opfer einer versp├Ątete Rache wurde. ┬╗Wann darf ich wieder gehen?┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Die Fragen stelle ich Antoine. Aber da ich kein Unmensch bin, sobald Du abgeurteilt wurdest. Vermutlich Sommer 164, Geburtsort unbekannt. Hm. Wo bist Du aufgewachsen, weshalb ist Dir Dein Geburtsort unbekannt? Du wei├čt was Dir zur Last gelegt wird?┬ź, hakte Gilbert nach. Er tippte sich kurz mit dem Stift gegen die Schl├Ąfe und schaute Antoine lange an. ┬╗M├Âchtest Du etwas trinken?┬ź

Antoine
Antoine nickte. ┬╗Ja, bitte.┬ź Er hoffte, dass der B├╝ttel sah, dass er mitarbeiten wollte, indem er das Wasser annahm. Er klimperte mit der Kette, als er seine H├Ąnde bewegte und ihm fiel ein Stein vom Herzen, dass er offenbar irgendwann wieder freigelassen wurde und die Antwort nicht ÔÇ║├ťberhaupt nichtÔÇ╣ gelautet hatte. Zumindest, wenn Jardine nicht log, damit er mitspielte. Antoine leckte sich ├╝ber die Lippen. ┬╗Waisenhaus Saint Aumery. Geh├Ârt zu den de Duponts. Ich wurde da abgegeben.┬ź

Gilbert Jardine
Gilbert nickte zustimmend, ging kurz vor die T├╝r und etwas sp├Ąter brachte eine Dienerin Wasser, die Antoine aber keines Blickes w├╝rdigte. Gilbert goss ihm einen Becher ein und stellte ihm Antoine vor die Nase und notierte das Gesagte von Antoine fein s├Ąuberlich. ┬╗Du bist also Waise, im Waisenhaus aufgewachsen und dann auf der Stra├če gelandet. Die Scholle auf der Du lebest, war jene der Duponts. Bist Du je bei Deinen Herren vorstellig geworden und hast um Arbeit gebeten oder dergleichen?┬ź, hakte Gil nach und lehnte sich zur├╝ck um sein Gegen├╝ber genau zu mustern.

Antoine
Antoine trank etwas Wasser. Er musste den Becher daf├╝r mit beiden H├Ąnden umklammert halten und stellte ihn anschlie├čend wieder auf die Tischplatte. Er lie├č ihn aber nicht los. ┬╗Nein, hab ich nicht. Und, ├Ąh, mir wird vermutlich zur Last gelegt, dass ich in den Palast eingedrungen bin. Weil Sie fragten.┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Korrekt. Unerlaubtes Eindringen in den Palast samt Hof - gewertet als Einbruch, versuchter Diebstahl, Widerstand gegen die Staatsgewalt - ergo die Gardisten, Flucht vor dem Zugriff der Staatsgewalt. Das sind die schwerwiegensten Anklagepunkte. Ich m├Âchte jetzt Deine Aussage dazu aufnehmen, wie sich der vor genannte Vorfall nach Deiner Wahrnehmung abgespielt hat. Beginnen wir ganz von vorne. Unerlaubtes Eindringen in den Palast. Erz├Ąhle┬ź, wies Gil Antoine an und z├╝ckte den Stift. Dabei musterte er ihn aufmerksam und neutral. Es lag keine Feindseeligkeit in seinem Blick.

Antoine
Antoine umklammerte den Becher fest. ┬╗Ich wollte mir den Palast einmal von innen ansehen. Man h├Ârt so viele Ger├╝chte dar├╝ber und, ├Ąh, man kann sich das alles gar nicht vorstellen, wenn man so lebt, wie ich. Man h├Ątte mich nicht reingelassen, man wird auch so dauernd irgendwo davongejagt, weil man schmutzig ist und die Leute denken, man will sie beklauen. Drum habe ich mich reingeschlichen und mich umgesehen. Aber diese Gardisten mit der Schwarzen R├╝stung, sie sahen mich, da hatte ich noch nicht einmal den Eingangsbereich richtig verlassen. Sie wollten, dass ich sofort den Palast verlasse und ich bin davongerannt - nach innen. Ich hatte ja noch nichts weiter gesehen. Drum riefen sie wohl ihre Kumpels, es wurden irgendwie immer mehr und ich bekam Panik. Also fl├╝chtete ich doch nach drau├čen und dachte, wenn ich den Hof verlassen habe, ist alles wieder gut. Aber das war es nicht, sie wollten, dass ich stehen bleibe. Ich wollte nicht verhaftet werden, drum rannte ich. Sie verfolgten mich ├╝ber Stunden! Und bei den Lagerh├Ąusern, da konnte ich nicht mehr. Sie haben mich verpr├╝gelt und mitgenommen, mich eingesperrt und wieder verpr├╝gelt.┬ź Er verzichtete darauf, die Gardisten anzuschw├Ąrzen, ehe er nicht wusste, ob das nicht weitere Ma├čnahmen nach sich ziehen w├╝rde, weil der Kerl vielleicht mit ihnen verb├╝ndet war. ┬╗Und dann wurde ich hierhergebracht und jetzt kamen Sie. Also geklaut habe ich nichts, die haben mich durchsucht und ich habe auch keinen Widerstand geleistet, sondern mich ergeben.┬ź

Gilbert Jardine
Gilbert musste bei der Beschreibung von Antoine doch hier und da schmunzeln. ┬╗Du h├Ąttest also gerne eine F├╝hrung durch den Palast gebucht, aber da es schon reichlich sp├Ąt war, bist Du selbst durch die R├Ąume flaniert, hast Dir die ausgestellte Kunst angeschaut, Dir Gedanken zu den Fresken und Deckengem├Ąlden gemacht und Dich gefragt wo die Hofbibliothek ist, als gerade die Gardisten um die Ecke geschossen kamen und feststellten, dass Du schmutzige Finger hast. Daraufhin haben sie Dich durch den Palast und die Nacht gehetzt? Ist das so richtig?┬ź, lachte Gil.

Antoine
┬╗Na ja, fast┬ź, erwiderte Antoine. ┬╗Ich wei├č nicht so viel ├╝ber Kunst. Aber ich hab mir alles anschauen wollen, wie die Reichen so leben, ja.┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Na dass kann ich nachvollziehen, aber um es Dir mitzuteilen, Du h├Ąttest den Palast zu einer Audienz betreten d├╝rfen. Dann wird niemand abgewiesen, kein Bettler, kein Marquis. Du kannst sogar beim Duc vorstellig werden. Alles was Du tun musst, ist Dich anmelden und anstellen. Das funktioniert ├╝brigens bei jedem Herren so, vom Chevalier bis zu unserer Majest├Ąt. Zur├╝ck zum ernst der Lage - hast Du etwas gestohlen? Beantworte die Frage ehrlich. Ich bin nicht Dein Feind, ich bin hier die einzige neutrale Person Antoine. Also verspiele Dir Deine letzte Chance nicht durch eine L├╝ge. Du bist kein Gauner, Du bist arm. Dass ist ein Unterschied in meinem Augen. Also, hast Du etwas gestohlen ja oder nein?┬ź, fragte Gil ernst.

Antoine
┬╗Ich wurde gr├╝ndlich durchsucht, es wurde nichts gefunden, Sie k├Ânnen Ihre Kollegen fragen. Ich wusste nicht, dass man zu einer Audienz gehen kann. Das hat mir niemand gesagt.┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Das war nicht meine Frage Antoine. Ich wiederhole, hast Du etwas gestohlen ja oder nein? Dein Diebesgut kannst Du auch auf der Flucht entsorgt haben oder Du hast es versteckt. Das man nichts gefunden hat, hei├čt nicht, dass Du nichts gestohlen hast. Es ist eine Tatsache die Du mir glauben kannst, wie alles andere auch. Jeder Souvagner kann seinen Herrn vom geringsten bis zum h├Âchsten aufsuchen. Ob Du dran kommst, ist etwas anderes. Wenn 100 andere Personen vor Dir stehen, sieht es an dem Tag vermutlich schlecht aus. Also hast Du etwas mitgehen lassen?┬ź, fragte Gil erneut.

Antoine
┬╗Sie glauben mir doch eh nicht, wenn ich Nein sage. Und was f├╝r einen Unterschied w├╝rde es machen, wenn ich tats├Ąchlich etwas geklaut h├Ątte? F├╝r mich einen Gro├čen - entweder, weil ich davon was zu Essen kaufen kann oder, weil mir daf├╝r die H├Ąnde abgehackt werden. Aber f├╝r die Adligen macht das ├╝berhaupt keinen Unterschied, egal, ob was fehlt oder nicht. Die w├╝rden das gar nicht merken.┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Erstens, ob ich Dir glaube oder nicht, spielt keine Rolle. Ich werte die Fakten aus. Zweitens, woran machst Du es fest, ob jemand den Verlust bemerkt? Gleichg├╝ltig wie viel oder wenig jemand besitzt, es gibt ihm nicht das Recht zum Diebstahl. Sicher mag ein Adliger wesentlich mehr haben als Du, aber vielleicht hast Du etwas gestohlen, dass ihm viel bedeutet? Manche Dinge m├Âgen viel wert sein und der Verlust schmerzt nicht. Manche Dinge sind kaum etwas wert, haben aber einen pers├Ânlichen Wert, den niemand ersetzen kann. Was wenn man Dir etwas derartiges nehmen w├╝rde? Zudem h├Ąttest Du ins Armenhaus gehen k├Ânnen, f├╝r die Verk├Âstigung. Auf der Stra├če hausieren, dass muss niemand. Das Antoine ist entweder pure Unwissenheit oder freiwillig gew├Ąhltes Schicksal. Erstes kann und muss man verzeihen und korrigieren. Letzteres kann man nicht dulden. Landstreicherei muss hart bestraft werden. Denn man verweigert sich nur einem Armenhaus, wenn man nicht bereit ist, sich an Regeln zu halten, sich Regeln zu beugen und auch f├╝r seinen Lebensunterhalt etwas zu leisten. Jeder der hier etwas beitragen m├Âchte, sei die Arbeit noch so nieder, wird hier auch satt. Ich spreche nicht davon Reicht├╝mer anzuh├Ąufen, sondern Deine t├Ągliche Mahlzeit auf dem Teller zu haben. Nur davon. Verhungern muss niemand, der gewillt zur Leistung ist. Und wer gewillt ist, sein Leben ehrlich zu f├╝hren, wird in der Not zum Armenhaus gehen oder zum Lehnsherrn. Also Antoine, es macht einen himmelweiten Unterschied ob Du gestohlen hast und vor allem was. H├Ąttest Du in der K├╝che eine gebratene Gans gestohlen, wird das v├Âllig anderes gewertet, als wenn Du eine Kristallvase stiehlst. Verstehst Du das?┬ź, erkl├Ąrte Gil eindringlich.

Antoine
┬╗Ja, das verstehe ich┬ź, antwortete Antoine. ┬╗Aber waren Sie mal in einem Armenhaus? Wissen Sie, wie es da zugeht? Ich kenne viele, die lieber hungern und im Winter drau├čen ├╝bernachten, als dort. Da sind ein Haufen stinkender, ├╝bellauniger Besoffener, die dir das letzte Bisschen nehmen oder r├╝berger├╝ckt kommen und man kann kein Auge zutun. Schlafen Sie da mal nur eine Nacht und ich wei├č, Sie werden Nein sagen. Die ganzen Gr├╝nde, die dagegen sprechen, gehen auch mir durch den Kopf. Es ist eklig, es stinkt, es ist eng, es ist gef├Ąhrlich. Ich verstehe, dass Sie nur ihre Arbeit machen und nicht mit mir diskutieren wollen. Ich wollte Ihnen das nur mal sagen. Das ist nicht so einfach, wie Sie es darstellen. Und ich wusste nicht, dass man einfach einen Lehnsherren fragen kann. Die Adligen gucken nicht gerade freundlich und meistens geben die Armen mehr, wenn man bettelt, als die Reichen. Im Gegenteil, die wimmeln einen ab, wenn man sie um ein paar Kupferlinge anbettelt, schicken ihre Gardisten und die jagen einen fort. Drum kommt man da doch nicht auf die Idee.┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Ich h├Âre zu und ich versuche jenen zu helfen, die nicht kriminell sind. Denn genau dass ist die Aufgabe eines B├╝ttels, die Rechschaffenen vor den Kriminellen zu bewahren. Wir sind die letzte Bastion am unteren Ende zwischen den Ehrlichen und dem Dreck. Und mit Dreck meine ich ganz gewiss nicht arme Menschen. Arm sein ist keine Schande. Das hat sich niemand ausgesucht. Es gibt sogar Adlige die verarmen und dann zu ihrem h├Âheren Lehnsherrn gehen m├╝ssen. Solange Du bettelst, kann Dich jeder wegschicken. Aber wenn Du um Hilfe bittest, darf Dich kein Lehnsherr abweisen. Er kann es nat├╝rlich tun. Aber sollte sich Dein Chevalier-Lehnsherr so verhalten, k├Ânntest Du zum Comte gehen und davon berichten. Gut, welcher kleine Mann wei├č dies und falls er es wei├č, wer wagt es? Denn Du geh├Ârst dann noch immer jenem Chevalier, der sich f├╝r das Anschw├Ąrzen irgendwann bedankt. Zu Deiner Erkl├Ąuterung der Armenh├Ąuser. Ja leider geht es dort so zu. Die Frage die Du Dir stellen musst, ist warum. Das ist ja keine Regel die an der T├╝r ausgegeben wird. Jeder der dort ├╝bernachtet, den anderen bestiehlt, angeht oder angreift, tr├Ągt selbst dazu bei. Wieso gibt es kein Miteinander, keinen Zusammenhalt unter den Armen? Wieso ist es ein Gegeneinander? Fragt man sich zwangsl├Ąufig. Sicher kannst Du auff├╝hren, hungere mal, dann wei├čt Du warum. Jeder k├Ąmpft um das letzte St├╝ck Brot. Auch das verstehe ich. Aber in der Gemeinschaft w├╝rdet Ihr Schutz finden, so zerst├Ârt Ihr das bisschen selbst was ihr noch habt. Und wenn es Dich derma├čen st├Ârt, warum ├Ąnderst Du es nicht? Du bist jung, wirkst nicht schw├Ąchlich, also wenn Du sowas mitbekommst, warum schweigst Du? Dort seid Ihr alle gleich. Wenn alle schweigen Antoine, dann wird sich nie etwas ├Ąndern. Wenn Du vielleicht einmal den Mund aufmachst und nur ein weiterer Bettler dar├╝ber nachdenkt, warum er gerade dem anderen grundlos das Leben schwer machte, hast Du vielleicht mehr erreicht als Du glaubst. Und daf├╝r stehen unter anderem B├╝ttel. Wir sind keine bezahlten Schl├Ąger, die ihren Unmut am Bettler auslassen. Aber auch B├╝ttel sind Menschen, so kann es auch vorkommen, dass wenn man hundert mal vom selben Bettler ge├Ąrgert wird, er es auf schmerzhafte Weise lernen muss, sich zu benehmen. Also ist im Grunde ein Rad und dreht sich weiter. Das Du verstehst, was ich Dir erkl├Ąre freut mich. Aber Du hast trotzdem geschickt versucht meine Frage nicht zu beantworten┬ź, erkl├Ąrte Gil.

Antoine
┬╗Es gibt Zusammenhalt, sogar gro├čen. Aber immer nur zwischen zwei oder drei Leuten, vielleicht auch mal vier oder f├╝nf. Aber man bleibt nicht immer am selben Ort, Leute verschwinden pl├Âtzlich, weil sie weitergezogen oder umgekommen sind. Es wird immer wieder auseinandergerissen. Wenn man gemeinsam unterwegs ist, nat├╝rlich passt man aufeinander auf. Muss man, weil manche Leute einen angreifen nur daf├╝r, dass man ein Landstreicher ist. Und man geht nicht in ein Armenhaus, wenn man allein ist, sondern immer zusammen, sonst ist es zu gef├Ąhrlich. Man passt da schon aufeinander auf. Aber man will auch seine Ruhe haben und ist ersch├Âpft. Wenn alle nur ihre Ruhe w├Âllten, ja klar, dann w├Ąre es gut. Aber so ist es nicht. Irgendwer p├Âbelt immer, will was klauen oder ist einfach besoffen. Ich bin wehrhaft, aber will ich mich wehren, wenn ich eigentlich schlafen will? Es ist, wie sie das sagen, das ist ein Rad, das sich immer weiter dreht. Meist f├╝hrt es in den Abgrund. Aber schauen Sie, ich geh├Âre zu den ganz wenigen, die kaum Trinken und keine Drogen nehmen. Das m├╝ssen Sie mir doch zugutehalten und gebadet bin ich im Sommer auch immer. Und sich so ein bisschen W├╝rde zu bewahren ist nicht einfach, besonders im Winter, weil Schnaps gut w├Ąrmt und einen besser schlafen l├Ąsst trotz der K├Ąlte. Auch bekommt man es manchmal geschenkt und will man immer ein Geschenk ausschlagen? Verstehen Sie? Trotzdem bin ich keiner von denen, die an irgendwas h├Ąngen geblieben sind und ich kenn da echt nicht viele. Also Sie meinen, ich brauch nur zu den Duponts gehen? Und was mach ich dann? Was soll ich denen sagen? Chevalier de Dupont, ich bin Landstreicher?┬ź Antoine zuckte resigniert mit den Schultern. ┬╗Und jetzt werden mir auch noch die H├Ąnde abgehackt.┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Dass Du einer ihrer Landsm├Ąnner bist, dass Du in Not bist und dass Du um ihren Schutz und um Hilfe bittest. Und genau dass m├╝ssten sie Dir gew├Ąhren. Du bist ihr Mann, ein St├╝ck ihres Landes, ihr Schutzbefohlener, einer ihrer Herde. Wenn sie so nachl├Ąssig mit ihrem Gut umgehen, sollten sie ├╝berlegen was sie tun. Jedem Herr ist dran gelegen, dass es seinen Leuten gut geht. Denn geht es ihnen gut, geht es dem Land gut und er f├Ąhrt gute Ertr├Ąge ein. Damit geht es allen auf der Scholle gut. K├╝mmert er sich nicht, gibt es Landstreicher und Diebst├Ąhle, dann werden auch die arbeitenden Leute unzufrieden, f├╝hlen sich nicht mehr sicher. Schlimmstenfalls muss ein anderer Lehnsherr einschreiten und dort f├╝r Ruhe sorgen. W├╝rde das wie eine Grippe um sich greifen, dann m├╝sste der Duc f├╝r Ruhe sorgen indem die Unruheherde ausgemerzt werden. Folglich ist es seine Pflicht schon einem einzigen Mann zu helfen, als kleiner Lehnsherr. So leicht kann man Frieden bewahren, indem man etwas gibt. Das hat nichts mit Almosen zu tun. Er soll Dir eine Arbeit geben, Verk├Âstigung, einen Schlafplatz und Kleidung. Sagen wir, er h├Ątte Dich bei sich am Hof untergebracht, auf einem Bauernhof oder ├Ąhnlichem. Ab dato hast Du Arbeit, Essen, Kleidung und keinen Grund kriminell zu werden. Wenn es Dir um Deinen Lebensunterhalt geht. Davon reden wir hier gerade. Nicht von jenen die Leute ├╝berfallen um sich zu bereichern. Die gibt es leider immer und die sind meist sogar nicht gerade arm Antoine. Du bekommst gar nichts abgehackt. Ihr findet Euch also in Gr├╝ppchen zusammen, nun das ist auch eine L├Âsung. Aber keine die dauerhaft wirkt oder? Tja wer kann jemandem verdenken sich am Schnaps zu w├Ąrmen, wenn er sonst nichts hat? Niemand, aber auch da muss ich wieder aufs Armenhaus verweisen. Und damit schlie├čt sich dann der Kreis. Denn diese Person m├Âchte aus den von Dir genannten Gr├╝nden dort nicht ├╝bernachten und w├Ąhlt genau deshalb den Schnaps. Freiheit und Unfreiheit in einem, seltsam und traurig zugleich. Also hast Du gestohlen? Wenn Du Hilfe m├Âchtest, antworte und antworte ehrlich┬ź.

Antoine
Antoine seufzte und es war ein Ger├Ąusch der Erleichterung, weil er von den vorhandenen Wunden abgesehen unversehrt blieb und tiefster Resignation gleicherma├čen. Er trank noch etwas Wasser. ┬╗K├Ânnen Sie mir denn ├╝berhaupt helfen? Wie w├╝rde Ihre Hilfe aussehen?┬ź

Gilbert Jardine
┬╗F├╝rsprache, aber daf├╝r muss ich wissen ob Du gestohlen hast, oder nicht. Und wenn Du gestohlen hast, was es wahr. Dann reden wir weiter┬ź, schmunzelte Gil.

Antoine
Antoine grinste schief und feixte kurz. Er war, wie die meisten Landstreicher, niemand, der mit seinen Gef├╝hlen hinter dem Berg hielt. ┬╗Sie machen das ganz sch├Ân geschickt. Jetzt muss ich aber wieder fragen, was Ihre F├╝rsprache denn f├╝r einen Unterschied macht vom Strafma├č her?┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Das kann ich Dir ehrlich gesagt nicht beantworten. Aber es wird einen Unterschied machen, ob ich sage, ich halte ihn f├╝r umerziehbar, er ist ein Guter der nur Hunger hatte und Arm ist, oder ob ich nichts sage. Oder ob ich sagen muss Du bist krimineller Abschaum. Das wird schon etwas bewirken, denke ich┬ź, grinste Gil.

Antoine
┬╗Haben Sie den keine Erfahrungswerte? Klar haben Sie die. Macht Ihr Wort einen Unterschied, ich meine, Boldi wird auch seine Meinung vortragen und der hat mehr zu melden als Sie, oder? Ich will das hier echt nicht, ich will eigentlich nur hier weg und es Ihnen nicht schwer machen, aber Sie machen es mir auch nicht grad leicht, auch wenn Sie ein netter B├╝ttel sind.┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Danke, nun ich denke Boldi wird auch einen Bericht geschrieben haben. Und letztendlich wird der Duc ├╝ber Dich entscheiden, da Du in sein Zuhause eingedrungen bist. Er k├Ânnte genausogut unsere Berichte zerrei├čen und sagen, Block. Oder er sieht Dich, h├Ârt Dich an und l├Ąsst Dich frei. Dazwischen ist alles m├Âglich, aber wie jeder wei├č, ist er ein gerechter und meist milder Mann, was seine Landsleute angeht. Du bist doch kein Fremdl├Ąnder oder? Ich meine Du hast dahingehend hoffentlich nicht gelogen┬ź, mahnte Gil.

Antoine
Antoine st├Âhnte gequ├Ąlt und rieb sich ├╝ber das Gesicht. ┬╗Ich will gar nicht wissen, was der in seinen Bericht alles reingeschrieben hat, der hasst mich! Kann ich Sie nicht irgendwie bestechen, also das hei├čt dazu ├╝berreden, f├╝r mich zu sprechen? Ich hab nicht viel, aber das w├╝rde ich ihnen geben! Oder ich besorg ihnen, was Sie wollen oder ich arbeite es ab! Nein, ich bin kein Fremdl├Ąnder, au├čer wenn meine Eltern Fremdl├Ąnder waren.┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Abarbeiten ist ein sch├Ânes Stichwort, den Rest des Angebotes habe ich akustisch nicht verstanden Antoine. Es lohnt sich auch f├╝r Dich garantiert nicht, diesen Satz zu wiederholen. Aber bleiben wir beim Thema Arbeit, welche Arbeit m├Âchtest Du gerne annehmen?┬ź, hakte Gil neugierig nach.

Antoine
┬╗Hab ich mir schon gedacht, der letzte B├╝ttel wollte da auch nicht mit sich reden lassen und der davor auch nicht. Entweder das stimmt ├╝berhaupt nicht, dass ihr alle korrupt seid, oder ich mach was falsch. Vielleicht sieht man mir an, dass es sich eh nicht lohnen w├╝rde.┬ź Er grinste m├╝de. ┬╗Ich kann nicht viel, aber ich bin stark und schnell. Ich kann auch gut klettern und schleichen. Und ich bin nett, wie sie ja sehen. Aber ich kann auch stinkig werden. Mehr kann ich nicht. Und ich sehe gut aus.┬ź Er grinste etwas breiter.

Gilbert Jardine
┬╗Nein....┬ź, sagte Gil ganz langsam und extrem gedehnt, ┬╗wir sind nicht alle korrupt. Vielleicht mag es der eine oder andere B├╝ttel sein, aber kein Mann wird B├╝ttel wegen dem Verdienst. Sonst k├Ânnte er diesen Job nicht machen! Nun Du k├Ânntest einer von uns werden, eine Zeitlang um zu sehen wovon Du da ├╝berhaupt sprichst. Als Hilfskraft. Dein Aussehen interessiert keinen, echt nicht┬ź, gab Gil zur├╝ck.

Antoine
┬╗Echt? Sie w├╝rden mir so eine Arbeit besorgen? Hab ich Ihr Wort? Was springt f├╝r mich dabei raus, also wie viel verdiene ich? Ich hab ja auch gar nicht gesagt, dass Sie alle korrupt sind, das sagen andere, es ist nur ein Ger├╝cht, ich hab`s nur mal ausprobiert, ob da was dran ist.┬ź

Gilbert Jardine
Als ungelernte Arbeiter zum Beispiel als Tagel├Âhner, Knecht, Lehrling, Knappe, Stallbursche, Schankmagd, Waschfrau, Leichtmatrosin verdient man pro Tag oder einige Stunden dauerndem Auftrag 1 bis 6 Kupferlinge. Nicht mehr. Das Existenzminimum kannst Du mit einem Kupferling pro Tag und Person bewerten, dass ist der Wert von zwei Schalen Roggengr├╝tze oder Bohnensuppe und ein Schlafplatz in der Scheune. Sprich das was Du zahlen w├╝rdest, wenn Du Dein Minimum selbst decken w├╝rdest, was sonst Dein Herr aufbringt. Je f├Ąhiger Du bist oder wirst, je h├Âher steigt auch Dein Lohn. Aber als ungelernter f├Ąngst Du sehr klein an. Du hast mein Wort, wenn Du freigesprochen wirst, ansonsten w├╝rde Dir meine Zusage auch nichts n├╝tzen. Ger├╝chte gibt es viele, auch ├╝ber Bettler und Landsteicher, w├╝rde ich dem glauben, d├╝rfte ich nicht mal mit Dir reden oder? Irgendwo ist an jedem Ger├╝cht ein K├Ârnchen Wahrheit, weil es eine Person aus dem Bereich gab, die sich genau so verhielt. Aber dar├╝ber m├╝ssen wir uns jetzt keine Gedanken machen, sondern ich warte immer noch auf Deine Antwort Antoine┬ź, sagte Gil.

Antoine
┬╗Sie vergessen auch gar nichts. Jetzt bin ich aber in einer Zwickm├╝hle┬ź, maulte Antoine. ┬╗Weil angenommen, ich h├Ątte wirklich was geklaut. Und es drau├čen versteckt, um es sp├Ąter abzuholen ... dann k├Ânnte ich das Ihnen jetzt nicht mehr sagen. Weil dann bin ich ein Dieb und kann nicht bei einem B├╝ttel als Hilfskraft arbeiten und werde vermutlich auch so noch viel h├Ąrter bestraft, als wenn ich nur im Palast mal gucken gewesen w├Ąre.┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Ja es sei denn Du hast dort einen Rinderbraten versteckt... gut den w├╝rde ich nun nicht mehr abholen und mir ins Gesicht dr├╝cken, dass k├Ânnte b├Âse enden. Jedenfalls Verdauungstechnisch. Also spuck es aus, vielleicht h├Âre ich nicht gut, falls es zu schlimm ist┬ź, bot Gil an.

Antoine
Antoine drehte den Becher in seinen Fingern und blickte betreten sein verzerrtes, wackelndes Spiegelbild auf der Wasseroberfl├Ąche an. ┬╗Na sch├Ân┬ź, schnaufte er. ┬╗Ehe die Leibgardisten wieder anr├╝cken m├╝ssen ... es war so eine Diamantrose oder Glasrose.┬ź


Gilbert Jardine
┬╗Das ist nicht gerade etwas, dass man in der Kategorie ┬╗f├Ąllt nicht weiter auf┬ź ablegen k├Ânnte. Eine Rose hat meist eine andere Bedeutung die ich Dir sicher nicht erl├Ąutern muss. Und das sie vermisst wird, ist selbstverst├Ąndlich. Also Du warst gest├Ąndig. Wo befindet sich das Diebesgut?┬ź, hakte Gilbert nach
.
Antoine
┬╗Ich hab die Rose bei den Lagerhallen versteckt, als absehbar war, dass ich nicht davonkomme. Dann ist sie wirklich aus Diamant? Mann, h├Ątte ich blo├č nichts gesagt.┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Das wei├č ich nicht Antoine, vermutlich aus Glas oder Kristall. Aber eines wissen wir beide, es war vermutlich ein Liebesgeschenk. Und selbst wenn sie aus Diamant ist, m├Âchtest Du daf├╝r den Kopf verlieren? Ist sie das wert? Ich denke nicht. Gut wo genau hast Du die Rose versteckt, wir werden sie zur├╝ckholen und abgeben┬ź, sagte Gil.

Antoine
┬╗Kennen Sie sich da aus? Also da ist die gepflasterte Hauptstra├če, die zu der Fuhrwerksstation f├╝hrt. Dort ist ein Ladekran. Die Winde davon ist im oberen St├╝ck hol. Da liegt immer Laub drin und dort hab ich sie reingesteckt.┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Gut, wir beide werden die Rose abholen. Ich hoffe Du hast nicht gelogen. Und bitte, keine Fluchtversuche oder dergleichen Antoine. Du bist schnell zu Fu├č, aber mein Hund Lex ist schneller. Also wirst Du mich brav begleiten, die Rose zur├╝ck bringen und dann sehen wir weiter. Du warst bis jetzt einsichtig und gest├Ąndig. Versaue es Dir nicht. Sonst kommt es am Ende noch so, wie Du es nicht wolltest. Vielleicht schaffst Du es zur├╝ck auf den guten Weg, mit etwas gutem Willen sollte dass m├Âglich sein. Und Deinen guten Willen zeigst Du damit auch dem Duc┬ź, erk├Ąrte Gil.

Antoine
┬╗Ich mach keinen Fluchtversuch. Legen wir die Rose einfach wieder zur├╝ck oder wolle Sie das da mit aufschreiben?┬ź Er nickte in Richtung von Gilberts Unterlagen.

Gilbert Jardine
┬╗Wir k├Ânnen die Rose nicht einfach zur├╝cklegen. Was w├Ąre, wenn wir genau dabei erwischt werden? Dann h├Ątten wir Dir garantiert keinen Gefallen getan. Und ich gehe davon aus, dass dies hier der Anfang wird, endlich ehrlich zu werden. Fangen wir also direkt damit an. Du wirst die Rose dem Duc aush├Ąndigen, bei Deinem Verh├Âr oder bei Deiner Verurteilung. Ich lasse Dir Sachen aush├Ąndigen und dann gehen wir los┬ź, sagte Gil.

Antoine
┬╗In Ordnung┬ź, sagte Antoine und schloss kurz die Augen, schluckte und trank den Rest seines Glases aus, weil seine Kehle pl├Âtzlich so trocken zu sein schien. ┬╗So machen wir das. Ich mach nix Falsches. Ich bin sehr dankbar, echt, weil das m├╝ssen Sie nicht machen, Sie sind echt ein guter Mann, wirklich.┬ź Antoine war zutiefst ger├╝hrt, so menschlich behandelt worden zu sein, nachdem man ihn erst derart gequ├Ąlt hatte. ┬╗Ich nutz die Chance und ich werd mein Bestes geben. Ich hab nur die eine Chance noch und ich war so lange auf der Stra├če. Irgendwann reicht es, ich werd auch nicht j├╝nger.┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Das wird keiner von uns, aber sch├Ân dass Du es so siehst┬ź, antwortete Gil und ging zur T├╝r. Er sprach kurz mit dem Gardisten drau├čen und der Mann kam zur├╝ck, der Antoine zuerst in den Verh├Ârraum gef├╝hrt hatte. Er l├Âste die Fesseln und zerrte ihn auf die Beine. Danach verpasste er ihm einen Sto├č Richtung Ausgang. Vor der T├╝r mussten sie noch einen Moment warten, bis eine der Dienerinnen Antoine einfache Kleidung aush├Ąndigte. Es war ein schlichtes Hemd und eine Hose. Die w├╝rden f├╝rs erste ausreichen, wenn sie unterwegs waren. Immerhin sollte er sich nicht noch als Flitzer schuldig machen. Gil wartete ab bis Antoine sich angezogen hatte, dann f├╝hrte er ihn nach oben, wo Lex auf ihn wartete. ┬╗Nun denn, auf gehts┬ź, sagte er zu Antoine.

Antoine
Antoine stolperte, als er in den R├╝cken gesto├čen wurde. ┬╗Diese Leibgardisten stecken alle unter der selben Decke┬ź, murrte er leise. ┬╗Einer hasst mich und jetzt hassen die mich alle, obwohl ich denen nie was getan habe.┬ź Er zog sich an und freute sich, saubere, nicht stinkende und nicht zerrissene Kleider tragen zu k├Ânnen. ┬╗Soll ich vorgehen, ja? Oder wollen Sie Ihr Handschellendingsda mitnehmen?┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Wir gehen gemeinsam und ich ben├Âtige die Handschellen der Gardisten nicht, ich habe eigene. So siehst Du wenigstens wieder vern├╝nftig aus. Na komm. Sie halten zusammen Antoine, was hast Du erwartet? Dass sie sich bei Dir f├╝r den n├Ąchtlichen Dauerlauf bedanken?┬ź, fragte Gil grinsend.

Antoine
┬╗Die k├Ânnen ja zusammenhalten, aber m├╝ssen die deswegen immer alle die selbe Meinung haben? Und immerhin werden sie daf├╝r bezahlt, dass sie ein bisschen rumgelaufen sind. Also ich finde, die ├╝bertreiben, echt.┬ź Er zeigte Gilbert den Weg, aber sie kamen nur langsam voran, weil Antoine nur winzige Schritte gehen konnte. So dauerte es, ehe sie die Verladestation bei den Lagerhallen erreichten. ┬╗Was d├╝rfen die Gardisten eigentlich alles? D├╝rfen die einen Gefangenen foltern?┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Die Leibgardisten des Ducs d├╝rfen alles um ihren Herrn zu besch├╝tzen. Also im Grunde ja, sie d├╝rfen alles. Sie m├╝ssen f├╝r ihr Handeln nur den passenden Grund finden und schon ist fast jede Handlung legitim. Es sei denn sie betrifft jemanden, der einer anderen Obrigkeit untersteht. Dies w├Ąre nur bei Leibeigenen der Fall. Also wenn die Gardisten jetzt den Leibeigenen von Comte xyz bewusst foltern, ohne dass ein Grund vorlag. Dann k├Ânnte der Comte Aufkl├Ąrung verlangen. Aber behaupten die Gardisten, der Leibeigene hat durch seine Handlungen den Duc bedroht oder seine Sicherheit gef├Ąhrdet, dann wird es schon schwierig. Normal sind sie eben daf├╝r da, den Duc samt Familie zu besch├╝tzen und daf├╝r haben sie weitreichende Freiheiten. Wo diese enden, tja. Und wenn es n├Âtig sein sollte, an dringende Informationen zu kommen ist sogar Folter unter Umst├Ąnden legitim. Stell Dir vor, ein Prince wurde entf├╝hrt. Eine Person wei├č wo er ist, schweigt aber. Was ist nun wichtiger? Das diese Person die es wei├č nicht gefoltert wird? Dann stirbt der Prince vielleicht. Oder l├Ąsst man die Folter zu, erh├Ąlt die Information und rettet den Prince? Folglich ist Folter bei Gefahr im Verzug oder bei Gefahr auf Leib und Leben erlaubt. Nicht nur bei der Leibgarde, generell bei der Garde oder bei den B├╝tteln. Es gilt bei uns der Opferschutz, kein T├Ąterschutz. Der T├Ąter hat sein Recht auf Unversehrtheit in dem Moment verwirkt, wo er zum T├Ąter wurde. Kooperiert er nicht, wird die Staatsgewalt genau das anwenden was der Name verspricht. Gewalt. Folglich ja, sie d├╝rfen foltern┬ź, erkl├Ąrte Gil freundlich.

Antoine
┬╗Hm, war ja klar, dann finden die jetzt in Zukunft ziemlich viele Gr├╝nde, warum ich den Duc bedroht h├Ątte. Die werden mir das Leben zum Abgrund machen oder mich umbringen┬ź, murrte er und zeigte auf den Verladekran. ┬╗Da ist das Versteck.┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Na noch bist Du nicht gefoltert oder ermordet worden. Hol die Rose raus, worauf wartest Du denn? Du wirst auch sprechen d├╝rfen, davon gehe ich aus. Hast Du einen von ihnen angegriffen?┬ź, fragte Gil vorsichtshalber nach.

Antoine
┬╗Nein, ich bin nur abgehauen. Jetzt muss ich da aber hochklettern.┬ź Der Kran wurde mit einem Seilzugsystem bedient und in einem horizontalen Zahnrad war von oben Laub hineingefallen. Antoine stieg einen Schritt nach oben und griff hinein, w├╝hlte. W├╝hlte hektischer. Er kletterte ganz hinauf und warf das Laub heraus. ┬╗Sie war hier┬ź, rief er gehetzt, ┬╗genau hier drin!┬ź Es war kein Laub mehr darin, auch keine Glasrose, nur eine Art gro├če Schraube. ┬╗Das gibt es doch nicht, ich schw├Âre, sie war genau in dem Loch!┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Na die Schraube wirst Du kaum aus dem Palast gestohlen haben. Komm runter, wir gehen zur├╝ck. Also war dort die Rose? Falls nicht und sie ist woanders, sage es gleich Antoine. F├╝r Spielchen dieser Art bin ich zu alt. Es geht um Deinen Kopf, nicht um meinen┬ź, erinnerte Gil, w├Ąhrend Lex Antoine musterte.

Antoine
Antoine kletterte wieder herunter und rieb sich verzweifelt die Haare. ┬╗Ich will Sie nicht verarschen, ich will ja die Arbeit haben! Ich h├Ątte Ihnen doch sonst gar nicht gesagt, dass ich das Ding ├╝berhaupt mitgenommen habe!┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Doch um zu wissen wie wertvoll es ist, die anderen h├Ątten es Dir kaum gesagt┬ź, hielt Gil dagegen. ┬╗Also sie war dort und ist nun weg. Entweder hat sie Ainuwar geholt, Du hast gelogen oder es war einer der Gardisten und der hat Dir ein sch├Ânes stinkendes Ei gelegt┬ź, grinste Gil.

Antoine
Antoine sog scharf die Luft ein. ┬╗Na klar, das kann sein, die haben bestimmt gesehen, dass ich hier was versteckt habe! Was mach ich denn jetzt?┬ź ├ängstlich betrachtete er den Hund, der von der wachsenden Nervosit├Ąt des Gefangenen scheinbar bereits unruhig w├╝rde. ┬╗Der ist gut erzogen, ja? Der bei├čt nicht einfach so?┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Doch wenn er mich besch├╝tzen muss, bei├čt er einfach so. Ansonsten wenn ich ihm den Befehl erteile. Lass uns zur├╝ckgehen, ich werde mit den Gardisten reden. Na komm, es bringt ja nichts in ein leeres Versteck zu starren┬ź, sagte Gil.

Antoine
Aufgel├Âst begleitete Antoine den B├╝ttel zur├╝ck zum Palast.

Gilbert Jardine
Gilbert f├╝hrte Antoine zur├╝ck zum Palast. ┬╗Am besten sagst Du wie es gewesen ist. Ich werde schauen, wann Du Deine Verhandlung hast┬ź, erkl├Ąrt Gil Antoine und ging mit ihm gemeinsam zu Boldi. ┬╗Hier ist der Gefangene wieder. Wann steht seine Verhandlung an?┬ź, fragte er freundlich.

Boldiszàr
Boldisz├ár ignorierte Antoine vollst├Ąndig und blickte nur Gilbert an. ┬╗├ťbermorgen, er ist gleich fr├╝h der Erste.┬ź Er war wenig begeistert, dass man dem Kerl saubere Kleidung ausgeh├Ąndigt hatte, anstatt ihm seine alten Lumpen zu geben.

Gilbert Jardine
┬╗Gut dann bin ich ├╝bermorgen fr├╝h wieder hier. Ich f├╝hre ihn zur├╝ck in seine Zelle┬ź, sagte Gil und nahm Antoine mit sich. ┬╗M├Âchtest Du mir noch etwas sagen?┬ź, hakte er nach und schaute sich dabei Antoine ganz genau an. Er hatte kein gutes Gef├╝hl ihn hier noch einige Tage zur├╝ck zu lassen. Vermutlich w├╝rde er einen bedauerlichen Unfall erleiden. Das sagte ihm sein Instinkt und der hatte ihn noch nie betrogen.

Antoine
┬╗Ja! Ich hab die Rose genau da versteckt, genau in dem Loch! Und noch was! Ich w├╝rde mich nie erh├Ąngen oder so was. Falls ich an meiner Unterhose an den Gitterst├Ąben aufgeh├Ąngt tot gefunden werde, dann waren die das! Ich mach so was nicht, ich mag mein Leben und ich will hier raus! K├Ânnen Sie denen nicht sagen, dass ich fast schon so was wie Ihr Kollege bin?┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Ich glaube Dir, dass Du Dich nie an Deiner Unterhose aufh├Ąngen w├╝rdest Antoine, Du hast keine an┬ź, grinste Gilbert. ┬╗Dass w├Ąre dann schon eine weitere Frage wert, woher die Unterhose kommt. Es sei denn Du hast sie einem Gardisten gestohlen┬ź, erkl├Ąrte Gilbert und f├╝hrte Antoine zur├╝ck in den Palast und durch die Flure.

Antoine
┬╗Sie haben Nerven┬ź, ├Ąchzte Antoine. ┬╗Das war nur ein bl├Âdes Beispiel.┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Ja die habe ich gerade wirklich...┬ź, stimmte Gilbert Antoine zu und schob ihn vor den Thronsaal. ┬╗Wir bitten um eine Audienz┬ź, sagte er zu dem wachhabenden Gardisten.

Patrice de Vertcuis
Patrice, der gerade Dienst als Wache des Thronsaals hatte, nickte kurz und trat ein. Er ging zum Thron und kniete in geb├╝hrendem Abstand nieder. ┬╗Majest├Ąt, ein B├╝ttel bittet mit einem Gefangenen im Schlepptau um eine Audienz.┬ź

Maximilien Rivenet de Souvagne
┬╗Gestattet, bestelle sie herein, wir werden sie empfangen┬ź, antwortete Maximilien freundlich.

Patrice de Vertcuis
Patrice verneigte sich und ging r├╝ckw├Ąrts wieder hinaus. Bei der T├╝r richtete er sich wieder auf. ┬╗Seine Majest├Ąt gew├Ąhrt euch die Audienz┬ź, antworte er. ┬╗Ihr d├╝rft eintreten.┬ź

(Fortsetzung folgt)
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Aufschub der Verurteilung

#3

Beitrag von Antoine » So 1. Jul 2018, 10:11

(Fortsetzung)

Gilbert Jardine
Gilbert wartete einen Moment nach der Ank├╝ndigung, ehe er Antoine beschw├Ârend anschaute. ┬╗Du wirst Dich dort drinnen absolut h├Âflich und w├╝rdevoll verhalten. So gut, wie Du Dich noch nie im Leben benommen hast. Denn genau das steht auf dem Spiel - Dein Leben. Wir gehen hinein, Du wirst dem Duc und seinem Sohn nicht in die Augen schauen und Du wirst mit mir im ausreichenden Abstand stehen bleiben. Dort knien wir nieder. Warum ist klar, er ist unser aller Herrscher. Falls Du respektlos sein solltet, bringen Dir die Gardisten bestenfalls Respekt bei, schlimmstenfalls k├Ânntest Du als Krimineller Dein Leben verwirkt haben. Nicht dass der Duc jemanden f├╝r eine Kleinigkeit t├Âten lassen w├╝rde, aber wissen wir ob er von einer Kleinigkeit ausgeht? Wir beide wissen nicht was im Bericht der Garde steht. Folglich geh vom Schlimmsten aus und hoffe das Beste. Bereit oder nicht, es geht los┬ź, sagte Gilbert. Mit gem├Ą├čigtem Schritt betrat er den Thronsaal, dabei hoffte er, dass ihm Antoine folgte. Im ausreichenden Abstand blieb er vor dem Thron des Duc und seines Sohnes stehen verbeugte sich tief und ging auf ein Knie. ┬╗Herr habt Dank, dass Ihr uns ohne Termin empfangt. Unser Erscheinen ist von gro├čer Eile. Der Beschuldigte Antoine versicherte glaubthaft, kein Verbrechen begehen zu wollen, vielmehr trieb ihn die Not. Da er einige Auseinandersetzungen im Kerker hatte, habe ich ihn direkt zu Euch gebracht in der Hoffnung, dass Ihr sofort ├╝ber ihn Urteilen m├Âgt┬ź, erkl├Ąrte Gilbert respektvoll.

Maximilien Rivenet de Souvagne
Maximilien musterte die beiden, die spontan um eine Audienz gebeten hatten. ┬╗Die Audienz wurde von uns gew├Ąhrt. Tritt vor┬ź, befahl Max Antoine.

Antoine
Antoine ging neben Gilbert, aber einen halben Schritt weiter hinten, damit er sich abschauen konnte, was dieser tat. So kniete auch er nieder. Sein Herz schlug so schnell, als w├╝rde er erneut gehetzt werden und seine schmerzenden Muskeln zitterten. Auf die Aufforderung des Ducs hin erhob er sich. Bei der Bewegung spannten sich seine Muskeln an und es wurde Fl├╝ssigkeit aus seinem Hintern gepresst. Antoine hoffte, dass man es nicht durch die Hose sah, da man ihm keine Unterhose ausgeh├Ąndigt hatte. Er hatte gro├če Angst und starke Schmerzen. Einen Moment blickte er hilfesuchend zu Gilbert, ehe er auf den Fu├čboden vor dem Thron blickte. ┬╗Hier bin ich, soll ich was sagen?┬ź, fragte er ├Ąngstlich.

Maximilien Rivenet de Souvagne
┬╗Du wurdest inhafiert aufgrund Einbruchs in unseren Palast, Diebstahl, Widerstand gegen die Staatsgewalt und so weiter und so fort. Dazu sollst Du logischerweise etwas sagen. Das hei├čt, wir gew├Ąhren Dir die Chance dazu etwas zu sagen, Du kannst auch schweigen und Dein Urteil empfangen. Wir raten Dir allerdings dazu Dich zu erkl├Ąren┬ź, sagte Max.

Antoine
┬╗Also dazu m├Âchte ich sagen, dass es mir leid tut. Ich hab was gestohlen, das gebe ich zu und es tut mir sehr leid, ich wusste nicht, dass es so schlimm f├╝r Sie ist. Da Sie doch so viel haben und ich fast nichts. Es ist nicht richtig, das wei├č ich, man klaut nicht, aber ich hab kein Geld und gar nichts. Ich wollte es aber zur├╝ckgeben, doch jetzt ist es weg! Das ist keine L├╝ge, es ist verschwunden. Mir hat der nette B├╝ttel hier gesagt, dass ich f├╝r ihn arbeiten kann und ich hab mir ├╝berlegt, dass ich das Geklaute vielleicht von meinem Lohn ersetzen kann. Also dass ich es abarbeite. Und ich ollte noch sagen, dass ich keinen Widerstand geleistet habe gegen die Gardisten, ich bin denen nur weggerannt.┬ź

Maximilien Rivenet de Souvagne
┬╗Sich der Verhaftung zu entziehen, ist Widerstand gegen die Staatsgewalt. Du hast der Order der Ordnungsh├╝ter nicht Folge geleistet, demzufolge haben sie Dich verfolgt und gestellt. Du bereust also Deine Tat, bist einsichtig und wirst uns den entstandenen Schaden zuz├╝glich einer Wiedergutmachung an die Gardisten leisten, indem Du Deine Schuld abarbeitest? Und B├╝ttel Jardine ist bereit f├╝r Dich zu b├╝rgen und Dich in seine Obhut zu nehmen? Wenn dies so ist, gew├Ąhren wir Dir eine zweite Chance. Wir sind stets daf├╝r, jemanden eine zweite Chance zu gew├Ąhren. Du solltest also nicht leichtfertig damit umgehen. B├╝rgt er f├╝r Dich?┬ź, hakte der Duc nach.

Antoine
┬╗Ja, das hat er gesagt┬ź, sprach Antoine und warf einen r├╝ckversichernden Blick in Richtung von Gilbert. Das hatte der zwar nicht gesagt, aber w├╝rde er nicht f├╝r ihn b├╝rgen, h├Ątte er ihn sicher nicht hierher gebracht. ┬╗Ja, ich bereue, dass ich geklaut habe. Und ich geb mein Bestes, um es wieder gut zu machen. Aber die Gardisten werden doch schon bezahlt f├╝r ihre Arbeit und die waren echt nicht freundlich, muss ich denen wirklich eine Entsch├Ądigung leisten?┬ź

Maximilien Rivenet de Souvagne
Maximilien schmunzelte ├╝ber die Erkl├Ąrung von Antoine. ┬╗Die Gardisten werden von uns nicht nur bezahlt, sie unterstehen uns vollumf├Ąnglich. Unsere Gardisten haben wohl erw├Ągte Aufgaben unter anderem den Schutz der Krone. Wenn nun jemand, wie Du, einen Einsatz der Gardisten au├čerhalb ihres T├Ątigkeitsfeldes verursacht, sind von dieser Person auch dahin gehend die Kosten zu tragen. Man nennt dies Verursacherprinzip. Du hast einen Gardisten-Einsatz verschuldet und somit h├Ąttest Du normalerweise den kompletten Einsatz der Gardisten auch bezahlen m├╝ssen. Jeden Mann und jede angefangene Stunde. Es kann nicht sein, dass die Allgemeinheit, oder wir f├╝r den Fehler eines anderen aufkommen, den dieser bewusst verursacht hat. Folglich werden normalerweise dem Verursacher auch die Eins├Ątze in Rechnung gestellt. Der Einsatz war in Deinem Fall zwigend erforderlich, da Gefahr im Verzug war. Die Gardisten hatten weder die Zeit noch die M├Âglichkeit eine Einheit B├╝ttel zu rufen um Deine Ergreifung in Auftrag zu geben. Damit war ihr Einsatz recht- wie auch zweckm├Ą├čig und von Dir w├Ąren diese Kosten zu tragen. Da Du aber mittellos bist, fallen die entstandenen Kosten der Staatskasse anheim. Das hei├čt unsere Person ├╝bernimmt f├╝r Dich pers├Ânlich diese Schuld. Du bist Geb├╝hrenschuldner was diesen Einsatz angeht, aber wir verzichten und schlagen diese Forderung nieder, da die Beitreibung bei weitem die entstandenen Kosten ├╝bersteigen w├╝rde. Ferner ist von der Erhebung einer Schuld abstand zu nehmen, wenn sie die zu belastende Person in Existenznot bringen w├╝rde. Du bist bereits in Existenznot, also wirst Du mit den Einsatzkosten nicht belastet. Da Du Dich aber freiwillig angeboten hast, das Diebesgut pikun├Ąr also geldlich zu ersetzen und einsichtig bist, sind wir Dir hier entgegen gekommen. Die Gardisten werden nicht daf├╝r bezahlt freundlich zu sein. Bei Gardisten handelt es sich nicht um Service- sondern um Schutzpersonal. W├Ąren sie freundlich gewesen, h├Ątten sie ihren Job nicht ordnungsgem├Ą├č ausgef├╝hrt Antoine. Ich denke dass ist ehr in Deinem Sinne, als eine Brandmarkung als Dieb. Wir k├Ânnen Dir keine zweite Chance einr├Ąumen und Dich gleichzeitig finanziell ruinieren. Allerdings solltest auch Du gut ├╝berlegen, was Du den Gardisten unterstellst. All dies w├Ąre nicht geschehen, w├Ąrst Du nicht in den Palast eingedrungen. Es lag in Deiner Hand, es war Deine Entscheidung. Noch Fragen?┬ź, hakte Maximilien nach.

Antoine
┬╗Darf ich wirklich was fragen?┬ź, fragte Antoine. ┬╗Oder wird mir das dann auch irgendwie berechnet oder zur Last gelegt? Ich mein das nicht ironisch, aber ich bin so froh, dass ich diese Chance kriege und nicht auch noch ruiniert werde. Ich will das nicht wegen einer bl├Âden Frage kaputt machen. Wobei, ich bin eigentlich nicht zu ruinieren, weil ich das schon bin. Aber ich will dann nicht irgendwas abgehackt kriegen oder eingesperrt werden.┬ź

Maximilien Rivenet de Souvagne
┬╗Wir meinen in unserem Amt stets dass was wir sagen Antoine. Wenn wir Dir erlauben uns etwas zu fragen, dann ist dies so. Also frage was Du uns fragen m├Âchtest┬ź, erkl├Ąrte Max umg├Ąnglich.

Antoine
┬╗Danke, das ist nett von Ihnen. Also erstens wollte ich fragen, wie hoch die Kosten sind, die ich zur├╝ckzahlen muss. Weil ganz ehrlich, ich glaube, der ganze Einsatz war viel teurer als die bl├Âde Glasblume, die jetzt weg ist. Es sei denn, die ist doch aus Diamant, was ich ein bisschen gehofft habe, jetzt aber nicht mehr hoffe, weil dann zahl ich bis an mein Lebensende. Und dann wollt ich noch fragen, ob die Leibgardisten echt alles d├╝rfen? Der Monsieur Jardine hat gesagt, dass das so ist. Aber dann k├Ânnten die das ja theoretisch auch ausnutzen und keiner macht was dagegen.┬ź

Maximilien Rivenet de Souvagne
┬╗Wie hoch die Kosten sind w├╝rde berechnet werden, m├╝sste man Dir den Einsatz in Rechnung stellen. Das wird aber nicht geschehen. Von daher ist es m├╝├čig, jetzt das rechnen anzufangen oder eine Kostenaufstellung auszuarbeiten, die nicht beglichen wird. Die Blume war aus Kristall und nicht aus Diamant. Die Leibardisten sind der verl├Ąngerte Arm von uns ├╝ber den Palaisin. Der Palaisin vertritt uns als Person als ausf├╝hrende Gewalt in der ├ľffentlichkeit. Er vertritt uns, setzt unseren Willen um, er sch├╝tzt unsere Person samt unserer Familie und unserem Hof. Da dies kein Mann allein bewerkstelligen kann hat der Palaisin die Leibgarde unter sich. Der Leibgarde ist alles gestattet um ihrer Aufgabe gerecht zu werden. Selbstredend k├Ânnte dies ausgenutzt werden. Hier greift die uralte Frage - wer wacht ├╝ber die W├Ąchter? Antwort - der Palaisin und in letzter Instanz unsere Person. Eventuell hast Du mitbekommen, was mit W├Ąchtern passiert, die ihre Aufgabe zum Privatvergn├╝gen missbrauchen. Sie werden ├Âffentlich passend abgestraft. Und selbst ein Palaisin ist vor Strafe nicht gefeit, wenn er sein Amt missbraucht. Wer in so einem Amt wie auch Beruf nicht ├╝ber die n├Âtige Reife, Weitsicht und Loyalit├Ąt verf├╝gt ist nicht tragbar und wird von uns des Amtes verwiesen┬ź, erl├Ąuterte der Duc.

Antoine
┬╗Das hab ich so am Rande mitgekriegt, es wurde dar├╝ber geredet. Aber ich wei├č nichts weiter da dr├╝ber. Was hatten die denn gemacht? Und wenn ich der Meinung bin, die haben mich zum Privatvergn├╝gen gequ├Ąlt, was kann ich da machen? Der B├╝ttel hier sagt, ich kann gar nichts machen.┬ź

Maximilien Rivenet de Souvagne
┬╗Hast Du f├╝r Deine Anschuldigung, dass Dich die Gardisten gequ├Ąlt haben sollen, Beweise?┬ź, fragte der Duc offen. ┬╗Falls nicht, sind es nichts weiter als das - Anschuldigungen. Sollte es den Gardisten zu Ohren kommen und sie sich ├╝ber Dich als Gefangenen beklagen w├Ąre dies ├╝ble Nachrede oder sogar Verleumdung. Damit h├Ąttest Du erneut eine Straftat begangen. Verleumdung bedeutet Auspeitschung und Pranger. Also hast Du f├╝r Deine Anschuldigung Beweise in Form von Zeugen oder ├Ąhnlichem? Kannst Du zum Beispiel glaubhaft versichern, wer Dir geschadet haben soll? Falls ja, werden wir einen Geistmagier dazuziehen. Falls dieser feststellt dass Du gelogen hast, landest Du am Pranger, nachdem Du ├Âffentlich ausgepeitscht wurdest. Denn in dem Fall hast Du versucht dass Ansehen der gro├čherzoglichen Garde nachhaltig zu beflecken┬ź, antwortete Max.

Antoine
┬╗Beweise? Meinen Hintern┬ź, lachte Antoine. ┬╗Also von einem wei├č ich, wer das war, der bescheuerte Robere! Die anderen kenne ich nicht, aber die haben auch mitgemacht. Die sind sich alle gegenseitig Zeugen, aber werden wahrscheinlich eh l├╝gen.┬ź

Maximilien Rivenet de Souvagne
┬╗Robere?┬ź, fragte der Duc Retour. ┬╗Was genau tat er mit Deinem Hintern? Die Einheiten halten generell zusammen, da oft ihr Leben davon abh├Ąngt. Also berichte, was hat Robere Dir angetan? Und woher kennst Du den Gardisten namentlich?┬ź.

Maximilien Rivenet de Souvagne
#

Antoine
┬╗Er hat mich gefingert und gefickt┬ź, antwortete Antoine unverbl├╝mt. ┬╗Was soll ich da um den hei├čen Brei reden. So war das. Ich kenn den und Boldi noch von fr├╝her, wir waren im selben Waisenhaus und konnten uns da auch schon nicht leiden. Ich kann ja nicht ahnen, dass die jetzt ausgerechnet hier sind!┬ź

Maximilien Rivenet de Souvagne
┬╗Wir vertagen Dein Urteil bis zur Kl├Ąrung des Missbrauchs. Du wirst Dich unverz├╝glich beim Hofarzt einfinden und Dein Rektur untersuchen lassen. Danach wirst Du bei einem der Himmelsaugen vorstellig und zwar bei Chevalier Jules Seymour de Mireault. Er wird Deine Gedanken und Erinnerungen auslesen und im Gegenzug selbstverst├Ąndlich die von Robere. Nach Kl├Ąrung des Vorfalls urteilen wir. Solltest Du die Wahrheit gesagt haben, erlassen wir Dir s├Ąmtliche Kosten, da Du durch unsere Gardisten missbraucht worden bist. Solltest Du gelogen haben, wird Dein Strafma├č dementsprechend erh├Âht. Dein Begleiter wird Dich beim Hofarzt und bei Chevalier de Mireault abliefern. Wir sprechen uns nach Deiner Untersuchung und Auslesung wieder. F├╝rs Protokoll, das Urteil von Antoine ist bis zur vollst├Ąndigen Aufkl├Ąrung des Sachverhaltes ausgesetzt. Der Gardist der Unite B - Robere ist sofort ├╝ber den vorgenannten Vorfall zu verh├Âren┬ź, befahl der Duc, ehe er sich erneut an Antoine und Gilbert wandte. ┬╗Deine Befehle sind Dir bekannt, Ihr d├╝rft Euch verabschieden┬ź, sagte der Duc.

Antoine
┬╗Hey, danke┬ź, freute Antoine sich und guckte, was Gilbert machte, um ihn imitieren zu k├Ânnen.

Gilbert Jardine
┬╗Vielen Dank Eure Majest├Ąt┬ź, sagte Gil. Gilbert verneigte sich tief, stand auf und verlie├č r├╝ckw├Ąrts den Thronsaal. Er gab Antoine ein Zeichen es ebenso zu halten und ihm zu folgen. Drau├čen vor der T├╝r wartete er auf ihn.

Antoine
Antoine ahmte Gilberts Verneigung und das R├╝ckw├Ąrtsgehen nach, auch wenn es ihm ziemliche Schmerzen bereitete. Drau├čen richtete er sich auf und strahlte ├╝ber beide Ohren. ┬╗Meinst du, das klappt? Das w├Ąr ja genial! Keine Strafzahlung und Robere kriegt sein Fett weg!┬ź Die Gardisten neben der T├╝r versteiften sich etwas. Sicherheitshalber trat Antoine ein St├╝ck weg. ┬╗Wo gehen wir als erstes hin?┬ź

Gilbert Jardine
Gilbert starrte Antoine auf die Hose, als dieser r├╝ckw├Ąrts ging und musste sich ein Keuchen verkneifen. ┬╗Sag mal hast Du da drinnen nass gefurzt? Das ist doch wohl die H├Âhe!┬ź, schnaubte Gil w├╝tend.

Antoine
┬╗Nee, ich hab doch gesagt, was die mit mir gemacht haben! Das l├Ąuft jetzt alles raus, wenn ich mich bewege. Sieht man das durch die Hose? Sch├Âne Kacke.┬ź Er grinste gequ├Ąlt.

Gilbert Jardine
Gilbert atmete tief durch und nickte knapp. ┬╗Ja man sieht es, zum Gl├╝ck geht man r├╝ckw├Ąrts aus dem Thronsaal. Aber gut, dass ist ja ein Beweis. Mehr Beweis kann es nicht geben, es sei denn Du hast mit denen bewusst eine Orgie gefeiert. Komm wir m├╝ssen zum Medicus, wie der Duc befohlen hat. Bitt schw├Âre mir, dass Du nicht gelogen hast┬ź, flehte Gil und gab den Weg vor.

Antoine
┬╗Ich schw├Âr es Ihnen┬ź, erkl├Ąrte Antoine fest. ┬╗Da w├Ąr ich ja sch├Ân bl├Âd. Ich will ja die Arbeit haben. Ich hab noch nie gearbeitet! Einmal im Leben sollte man alles mal ausprobiert haben.┬ź Er grinste immer noch. Trotz der Schmerzen und der Dem├╝tigungen, die er hatte erfahren m├╝ssen, schien er guter Laune zu sein.

Gilbert Jardine
Gilbert nickte anerkennend, auch wenn Antoine es flappsig sagte, aber die Bedeutung dahinter verstand er sehr wohl. Es machte ihn traurig und froh zugleich. ┬╗Gut, naja was hei├čt gut. Leider ist es dann passiert. Gut war daran gar nichts. Da h├Ąttest Du vermutlich lieber das Geld abgearbeitet, als das mitzumachen┬ź, sagte Gil und ging Richtung Heilstube. Er hoffte das Benito anwesend war und dass der Heiler Zeit hatte. Falls nicht, dann mussten sie warten, anders ging es nicht. ┬╗Kannst Du zur Not ├╝berhaupt lange sitzen?┬ź, fragte Gil besorgt.

Antoine
┬╗Notfalls kann ich eine Weile stehen. Im Winter schlafe ich oft im Stehen, wenn es zu kalt ist zum Liegen oder zu nass und ich keinen ordentlichen Schlafplatz habe. Das geht schon. Was geschieht mit Robere, wenn die rauskriegen, dass es wahr ist?┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Er wurde schon einmal f├╝r so etwas verurteilt, er ist dann ein Wiederholungst├Ąter. Vermutlich wird die Strafe dann wesentlich h├Ąrter. Damals, kam er an den Pranger, wurde ausgepeitscht und mit einem... also... so einem... Ding gebumst, so wie er sein Opfer sch├Ąndete┬ź, erkl├Ąrte Gil. ┬╗Ja im Winter schlafen wir auch manchmal im Stehen, aber nicht aus Faulheit, sondern weil manche Eins├Ątze so lange gehen und wir Bereitschaft haben. Du bist da, aber im Grunde doch nicht. Aber falls was ist, musst Du sofort da sein┬ź, grinste er schief.

Antoine
┬╗Ach, Sie schlafen im Dienst?┬ź, fragte Antoine schmunzelnd. ┬╗Dann kann ich das Wichtigste ja schon mal, im Stehen schlafen und so tun, als sei ich aufmerksam. Dass der Robere so geendet ist, das wundert mich ├╝berhaupt nicht, der war als Kind schon ein Arsch. Der hat kleine Katzen gefressen und M├Ąuse und ├╝berhaupt alles, was sich bewegt hat der einfach aufgefressen. Der war wie ein Heuschreckenschwarm, da hat bald nix mehr gelebt au├čer die Leute. V├Âgel, Tauben, Eidechsen, Fr├Âsche, auch Insekten und Spinnen. Wird er da wieder ├Âffentlich gebumst, wenn der das schon mal gemacht hat? Wieso darf so einer ├╝berhaupt noch seinen Dienst machen?┬ź Antoine war gespannt auf den Heiler. Er war noch nie bei einem Heiler gewesen.

Gilbert Jardine
┬╗Weil er wie Du eine zweite Chance erhalten hat. Jeder bekommt sie, oder fast jeder. Ein M├Ârder nat├╝rlich nicht. Ich schlafe nicht im Dienst, sondern in der Bereitschaft. Das ist kein Dienst, wird auch nicht angerechnet, jedenfalls nicht voll. Das klingt extrem seltsam, aber wenn ein Mensch Hunger hat, dann kann man mit allem rechnen. Wer wei├č, was wir essen w├╝rden? Naja oder Du schon gegessen hast oder essen musstest? Davon kann sich niemand freisprechen. Ich w├╝rde auch lieber Insekten essen bevor ich verhungere. Ich meine, was er getan hat war grausam, wenn es stimmt. Aber deshalb ist er nicht an jedem Unrecht schuld. Es sei denn, wir weisen es ihm nach┬ź, schmunzelte Gil und betrat die Heilstube. Antoine schlug ein Geruch von Kr├Ąutern und anderen Dingen entgegen die er gar nicht benennen konnte. Die Heilstube war leer. Niemand sa├č vorne und wartete.

Antoine
┬╗Jedenfalls kann ich den nicht leiden┬ź, erkl├Ąrte Antoine. ┬╗Und ich hab auch schon Katzen gegessen, wer hat das nicht, aber ich hab sie nicht gequ├Ąlt. Und Spinnen, das ist mal echt ekelhaft, niemand hat da Spinnen gegessen, obwohl es nicht viel gab. Der war wie eine Fressraupe, kaum, dass Boldi weg war.┬ź Neugierig schaute er sich in der Heilstube um.

Gilbert Jardine
┬╗Setz Dich bitte hin, wenn es geht. Wobei nein, klopf mal, oder bimmele mit der Klingel an der Theke. So wei├č ja niemand das wir hier sind┬ź, grinste Gil. ┬╗Eigentlich k├Ânnte man sich Robere im Haus halten, falls man Ungeziefer hat┬ź, fl├╝sterte Jardine.

Antoine
Antoine feixte. ┬╗Der sollte es mal als Kammerj├Ąger versuchen.┬ź Er ging zur Theke und klingelte. Dann trat er zur├╝ck und guckte unsicher. Jetzt bekam er doch etwas Angst.

Benito
Als sich Antoine kurz zu Gil umdrehte und wieder Richtung Heilstube guckte, stand der Heiler vor ihm, ohne dass er ihn kommen geh├Ârt hatte. Benito musterte ihn total ernst von oben bis unten. ┬╗Da ist nichts mehr zu machen┬ź, sagte er tonlos.

Antoine
Antoine erschrak derma├čen, dass er mit dem gesamten K├Ârper zusammenzuckte. ┬╗Wa-was? Werde ich sterben?┬ź, kreischte er fast ohne Stimme.

Benito
┬╗Das auch, aber nicht heute, hier oder jetzt. Die Hose, sie ist v├Âllig ruiniert. Der Fleck wird nie wider herausgehen. Ich rate zu einem neuen Beinkleid. So wie kann ich Dir helfen?┬ź, fragte der Heiler freundlich.

Gilbert Jardine
Gil hatte die Luft angehalten und lie├č sie nun ger├Ąuschvoll entweichen. Er wischte sich den Schwei├č von der Stirn und blinzelte Antoine verst├Ârt an.

Antoine
┬╗Bei Ainuwar┬ź, ├Ąchzte Antoine. ┬╗SIE haben Nerven! Das hab ich vorhin schon zu dem B├╝ttel gesagt, aber Sie sind ja echt noch viel ├╝bler!┬ź Sein panischer Gesichtsausdruck wurde zu einem Feixen. ┬╗Sie sollen sich meinen Hintern anschauen, meint der Duc.┬ź

Benito
┬╗Dann folge mir bitte nach hinten um Deinen Hintern zu entbl├Â├čen. Erz├Ąhl mir was passiert ist. Irgendwas reingesteckt was nicht hineingeh├Ârt? Muss es geborgen werden?┬ź, fragte der Heiler grinsend.

Antoine
┬╗Hehe┬ź, lachte Antoine und folgte dem Heiler um die Ecke. ┬╗Da wurden viele Dinge reingesteckt, die da nix drin zu suchen haben, aber ich hoffe, die h├Ąngen alle noch an ihren Besitzern.┬ź Er zog sich die besudelte Hose aus.

Benito
┬╗Vermutlich h├Ąngen sie dort nicht mehr lange, wenn das so ist. Man kann schlie├člich nicht nur H├Ąnde und K├Âpfe abhacken┬ź, gab Benito zur├╝ck. Er z├╝ndete einen eine gro├če ├ľllampe an und stellte sie neben Antoine. Als dieser schon bef├╝rchten musste, der Heiler wollte ihn abfackeln, desinfizierte er sich mit der Flamme die H├Ąnde. Er untersuchte Antoine genau, ehe er ihn reinigte und behandelte. Antoine f├╝hlte wie der Heiler ihn auch innerlich abtastete, aber dann war der Schmerz auf einmal verschwunden, ohne das er sagen konnte weshalb. Alles was zur├╝ckblieb war ein entspanntes Gef├╝hl und M├╝digkeit. Benito desinfizierte erneut seine H├Ąnde und deutete Antoine an aufzustehen. ┬╗Du wurdest gesch├Ąndet, mehrfach und das nicht gerade sanft. Du warst verletzt, eingerissen und es h├Ątte sich vermutlich noch schlimmer entz├╝ndet als es schon war. Nun ist alles in Ordnung. Du wirst Dich noch einige Tage schonen m├╝ssen, aber ich habe Dich geheilt durch Magie. Alles andere w├Ąre wohl sehr langwierig und auch schmerzvoll geworden┬ź, sagte der Heiler freundlich.

Antoine
┬╗Oh, danke┬ź, antwortete Antoine schl├Ąfrig. Er rieb sich die Augen mit der Faust. ┬╗Das ist echt nett. Hier sind alle so freundlich zu mir. Da muss man fast ein schlechtes Gewissen haben, was geklaut zu haben. Hacken Sie denen echt die Nudel ab? Das w├Ąr ja was.┬ź Er gluckste leise.

Benito
┬╗Keine Ahnung, aber glimpflich wird jemand bei so einer Tat nicht davon kommen. Davon kannst Du ausgehen. Du solltest Dir wirklich eine neue Hose geben lassen im Dienstbotenfl├╝gel. Sonst n├╝tzt die beste Heilung nichts, wenn Du verdreckt heruml├Ąufst. Stehlen muss hier niemand. Nun Du bist soweit wieder auf dem Damm und kannst los. Da Du zu mir gekommen bist, denke ich, Dich hat einer vom Hof geschickt┬ź, sagte Ben.

Antoine
┬╗Ja, der Duc war das┬ź, erkl├Ąrte Antoine und g├Ąhnte herzhaft. Er f├╝hlte sich rundum wohl. ┬╗Mann, Sie w├╝rde ich ├Âfter besuchen, wenn Sie mein Heiler w├Ąren.┬ź Er zog seine schmuddlige Hose wieder ├╝ber und ging zur├╝ck zu Gilbert. ┬╗Bin wieder fit.┬ź

Benito
Benito verabschiedete Antoine mit einem freundlichen L├Ącheln und einem Kopfsch├╝tteln. ┬╗Normalerweise sind die Leute froh, wenn sie gesund sind. Dennoch, Danke f├╝r das Kompliment┬ź, sagte er gut gelaunt und verabschiedete sich wieder in seine Heilstube.

Gilbert Jardine
Gilbert schaute sich Antoine genau an. Er ging aufrechter und nicht mehr schmerzgeplagt. ┬╗Du siehst besser aus, es scheint Dir auch besser zu gehen. Wie f├╝hlst Du Dich?

Antoine
┬╗Super, ich bin wieder gesund. Er hat mir einen Schuss Heilmagie verpasst. Aber ein bisschen m├╝de bin ich jetzt. Wie bei einem langen Sonnenbad f├╝hl ich mich gerade. Wo mussten wir noch hin?┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Wir m├╝ssen noch zu einem Himmelsauge damit er Dich ausliest. Ich hoffe das geht gut. Denk bitte kein unanst├Ąndiges Zeug, damit Du uns nicht blamierst. Ich hoffe das wirkt. Oder m├Âchtest Du Dich erstmal eine Runde ausruhen?┬ź, fragte Gil.

Antoine
┬╗Kein unanst├Ąndiges Zeug? An was soll ich denn sonst denken?┬ź Er lachte, es klang leiser als sonst. Er rieb sich wieder die Augen. ┬╗Wenn wir schon mal dabei sind, gehen wir doch gleich zu dem Himmelsauge. Ich will nicht wieder so schnell zur├╝ck in die Zelle, ich kann sp├Ąter immer noch schlafen.┬ź

Gilbert Jardine
┬╗Ich meinte auch nicht in die Zelle, sondern dass wir uns drau├čen irgendwo hinsetzen, wo Du etwas d├Âsen kannst. Kein unanst├Ąndiges Zeug, au├čerhalb des Vorfalls. Nicht dass er uns noch rausschmei├čt, oder denkt Du hast Dir alles zusammengesponnen. Bleib mit den Gedanken bei einem Thema. Wie sows funktioniert, wei├č ich nicht. Aber beim Thema bleiben ist nie schlecht┬ź, riet Gil Antoine.

Antoine
┬╗Muss ich danach in die Zelle? Nein, ich will das hinter mir haben, lassen Sie uns bitte gleich da hin gehen. Ich denk nichts Schlimmes, versprochen. Sonst muss ich das bestimmt auch abbezahlen, den Einsatz vom Himmelsauge und dem seine blanken Nerven.┬ź

Gilbert Jardine
Gil musste bei der Vorstellung losprusten, wie der Chevalier Antoine jeden einzelnen falschen Gedanken in Rechnung stellte. ┬╗Von mir aus, gehen wir direkt durch┬ź, lachte er leise und f├╝hrte Antoine zur├╝ck in den Palast. Er selbst war noch nicht in den R├Ąumen der Himmelsaugen gewesen, also fragte er sich durch, bis er vor der Stube stand, die ihnen hier als Anlaufstelle diente. Er klopfte kurz und trat ein.

Antoine
Antoine hielt sich die ganze Zeit bei Gilbert und versuchte weder zu fliehen, noch verhielt er sich sonst auff├Ąllig, abgesehen davon, dass er ungepflegt war, zum Himmel stank, eine schmutzige Hose trug und sich sehr neugierig umschaute.

Gilbert Jardine
In der Stube war ein Schreiber anwesend der kurz aufschaute und ihnen zur Begr├╝├čung zunickte. Dann kam ihnen auch schon ein junger Mann entgegen. ┬╗Wie kann ich Euch behilflich sein?┬ź, fragte er freundlich. ┬╗Wir m├Âchten zu Chevalier Jules Seymour de Mireault. Es geht um eine Kl├Ąrung in einem Straffall. Er soll auf Anweisung des Duc, bitte diesen Mann und dessen Erinnerung auslesen┬ź, sagte Gilbert freundlich. Der Mann nickte kurz und verschwand kurz im Hinterraum, ehe er wieder zur├╝ckkam. ┬╗Der Chevalier ist gleich bei Euch. Kommt bitte mit nach hinten durch┬ź, sagte der junge Mann freundlich und brachte sie nach hinten, in eine kleine B├╝rostube. Dort deutete er auf einige St├╝hle, wo sie Platz nehmen konnten. Etwas zweifelnd schaute er die Hose von Antoine an und holte kurzerhand eine Tischdecke. ┬╗Setz Dich bitte darauf, damit die M├Âbel nicht eingesaut werden. Danke┬ź, sagte er freundlich und lie├č Gil und Antoine allein. Sie hatten ungef├Ąhr 10 Minuten zu warten, dann betrat ein hagerer, sehnig durchtrainierter Mann den Raum, dessen Gesicht noch mehr Narben zierten, als das von Gil. Und seine Narben waren nicht weniger auff├Ąllig. Er l├Ąchelte sie kurz zur Begr├╝├čung an, was ihn eher schief grinsend aussehen lie├č, durch die Narbe die quer ├╝ber seinen Mund verlief.

Jules de Mireault
┬╗Willkommen in der h├Âfischen Amtsstube der Himmelsaugen. Ich h├Ârte Ihr beide ben├Âtigt meinen Beistand? Worum geht es genau? Ich k├Ânnte Euch auch auslesen, aber zuerst m├Âchte ich berichtet bekommen worum es ging. Der Duc h├Âchstpers├Ânlich schickt Euch also┬ź, sagte Jules und setzte sich ihnen gegen├╝ber.
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Re: Der Schwarze Skorpion

#4

Beitrag von Gilbert Jardine » Di 3. Jul 2018, 17:33

(Fortsetzung)

Antoine
Etwas eingesch├╝chtert von dem Chevalier sa├č Antoine auf dem Stuhl, die Tischdecke unter seinem Hintern. ┬╗Es geht um mich. Sie sollen bitte meinen Kopf ├╝berpr├╝fen, wegen den Erinnerungen. Die Herren in Schwarz waren nicht sehr freundlich und ich hab mich ├╝ber die beschwert. Sie sollen bitte schauen, also vom Duc aus, dass ich nicht gelogen habe. Er glaubt mir nicht so richtig, glaub ich.┬ź

Khawa
Im Hintergrund machte Khawa f├╝r alle Kaffee, w├Ąhrend er leise vor sich hin sang. Er trug vorbildlichste Souvagnische Kleidung und seit seiner Nobilitierung einen kurzen Haarschnitt. Nach seinem Turban hatte er sich mit der langen Filzm├Ąhne von seinem letzten St├╝ck rakshanischem Kulturgut am Leib getrennt, ohne Jules vorzuwarnen.

Jules de Mireault
Jules lehnte sich entspannt zur├╝ck und schaute Antoine ernst an. "Welches Verbrechens hast Du die Gardisten beschuldigt? Wurdest Du schon einmal ausgelesen? Ich warne Dich vorher, rein zu Deinem Schutz. Lass locker, bleibt locker, bekomme keine Panik und wehre Dich nicht, ansonsten wird das Auslesen sehr schmerzhaft. Das wollen wir beide nicht, denn Du m├Âchtest ja Deine Aussage best├Ątigt haben. Ich werde sehen ob Du gelogen hast, Dir etwas eingebildet hast oder ob Deine Aussage den Tatsachen entspricht. Ich sehe was Du gesehen hast, ich f├╝hle was Du gef├╝hlt hast. Ich lese Deine Gedanken wie ein Buch oder erlebe sie mit. Aus dem Grund frage ich Dich vorher, was haben die Gardisten getan? Du wirst mich einfach als fremde Pr├Ąsenz in Deinen Gedanken sp├╝ren. So wie wenn Du denkst, ist da pl├Âtzlich wer anderes anwesend. Ich verspreche Dir es schmerzt nicht, solange Du Dich nicht wehrst. Also erz├Ąhl vorher etwas, danach schaust Du mir genau in die Augen, so geht es leichter. Die Augen sind das Tor zur Seele", erkl├Ąrte Jules und freute sich riesig als Khawa zu Besuch kam. Nur musste er zweimal hinschauen, da Khawa seine Haare abgeschnitten hatte.

Antoine
┬╗Also das wird dann jetzt peinlich.┬ź Antoine grinste gequ├Ąlt. ┬╗Also wie ich dem Duc schon sagte, die haben mich verpr├╝gelt und gefickt. Ich wurde noch nie ausgelesen, aber ich bin da echt drauf gespannt. Man h├Ârt immer so viel davon.┬ź

Jules de Mireault
"Dir muss nichts peinlich sein, wenn Du w├╝sstest, was wir schon alles gelesen haben und t├Ąglich lesen", antwortete Jules und schaute Antoine tief in die Augen, so als wollte er in den Augen seines Gegen├╝bers etwas ├╝berpr├╝fen. Einen winzigen Moment sp├Ąter sp├╝rte Antoine, dass er in seinem Kopf nicht mehr allein war. Er f├╝hlte wie Jules sich umschaute und f├╝r einen Moment verharrte. `Hier bin ich, entspann Dich┬┤, ├╝bermittelte er ihm mental. Antoine h├Ârte die Worte nicht wirklich, sondern sie wurden in seinem Kopf von einem fremden Bewusstsein gedacht. Und so wie das fremde Bewusstsein von Jules Nachrichten dachte, so griff es nun auch auf seine Erinnerungen zu. Antoine wurde zum Zuschauer in seinem eigenen Kopf. Beiseite geschoben, aber nicht abgeschoben. Nur konnte er nicht verhindern, was sich der Magier anschaute und wie genau. Die letzten Erinnerungen wurden aufgerufen. Der Besuch im Palast, die Flucht durch die Nacht, die Gefangennahme, das Wiedererkennen und auch die Rache f├╝r eine uralte Wunde die zwar in einem Gesicht, aber niemals auf einer Seele verheilt war. Jules schaute sich alles an, neutral, sachlich, ohne Wertung - falls er wertete, bekam Antoine davon nichts mit. Allerdings erlebte er dass, was Jules aufrief erneut. Er litt Angst und Schmerzen und nach einer gef├╝hlten Ewigkeit war er wieder im Hier und Jetzt und sp├╝rte wie sich die Pr├Ąsenz von Jules von ihm l├Âste. Das Loslassen dauerte seltsamerweise etwas l├Ąnger. So als wurden unsichtbare Tentakeln aus seinem Geist zur├╝ckgezogen. Schlagartig war er in seinem Geist wieder allein und den Hauch eines Moments f├╝hlte er sich seltsamerweise einsam, ehe er den Stuhl wieder unter seinem geschundenen Hintern sp├╝rte. "Du hast die Wahrheit gesprochen", sagte Jules und riss Antoine damit aus seinen Gedanken.

Antoine
Antoine rieb seine Stirn, auf der sich ein Film von kaltem Schwei├č abgesetzt hatte. Sein Herz h├Ąmmerte und er keuchte. Es dauerte, ehe er wieder ganz im Hier und Jetzt war, so als w├Ąre er gerade aus einem Albtraum hochgeschreckt. ┬╗Ah ... in Ordnung. Und was bedeutet das jetzt?┬ź

Jules de Mireault
"Das bedeutet, dass Du absolut die Wahrheit gesprochen hast. Alles was Du gesagt hast, ist wahr", erkl├Ąrte Jules, was Gilbert erleichtert aufatmen lie├č.

Antoine
Fragend blickte Antoine Gilbert an. ┬╗Aber das hab ich doch von Anfang an gesagt. Ich will ja bei Ihnen arbeiten. Und was machen wir jetzt? Das dem Duc sagen? Oder machen Sie das, Monsieur Mireault?┬ź

Khawa
"Chevalier de Mireault", korrigierte Khawa mit mildem Tadel und verteilte Kaffee.

Jules de Mireault
"Das mache ich und zwar umgehend. Also einen Moment Ruhe bitte", sagte Jules und ├╝bermittelte alles an den Duc. Nachdem das erledigt war, musterte er Khawa dankbar und trank in Ruhe seinen Kaffee. "Die Strafe wird h├Ąrter ausfallen als unter Bellamy. Nicht f├╝r den neuen Palaisin, denn dieser kann nichts f├╝r alte Gr├Ąul seiner Leute. Er ist neu im Amt. Aber wenn man ihm aus genau dem Grund die Strafe ├╝berl├Ąsst, rollen K├Âpfe", erkl├Ąrte Jules, kramte einen Keks aus seiner Schreibtischschublade hervor und ditschte ihn in den Kaffee.

Khawa
Antoine trank dankbar den hei├čen Kaffee. "Hm, der ist gut. Ich wusste gar nicht, dass Rakshaner Kaffee kennen. Was man nicht alles lernt hier. Wann erfahren wir, was mit den Kerlen gemacht wird?"

Jules de Mireault
"Entweder in der Urteilsverk├╝ndung oder gar nicht direkt. Denn wenn der Duc nun ├╝ber Dich urteilt, spricht er Dich frei oder schuldig oder beides. Schuldig des Diebstahls und so weiter, aber gibt Dir noch eine Chance. Robere hingegen erh├Ąlt seine eigene Verhandlung f├╝r sein Vergehen oder der Duc verurteilt ihn sofort", antwortete Jules w├Ąhrend der ein aufgeweichten Keks a├č und Khawa beobachtete, wie er im B├╝ro herumwirbelte.

Antoine
"Und die anderen, die mitgemacht haben?", bohrte Antoine hoffnungsvoll nach. "Das war ja nicht nur er alleine."

Jules de Mireault
"Die werden ebenso pro Person bestraft. Jeder wird sein Urteil erhalten, ob Mitl├Ąufer oder aktiver Mitt├Ąter. Und ich werde vermutlich jeden auslesen m├╝ssen. Sprich weshalb sie so handelten, was sie dabei empfanden, was ihr Grund war. Wollen, oder Angst vor Robere? Das macht beim Urteil schon einen gewaltigen Unterschied aus".

Antoine
"Ah, das finde ich gut! Und wann ist das? Heute?" Antoine griff nach den Keksen, die zum Ditschen gedacht waren, und a├č sie so.

Khawa
Missbilligend sch├╝ttelte Khawa etwas den Kopf.

Jules de Mireault
"Man fragt bevor man an anderer Leute Dinge geht, oder soll ich dem Duc melden, dass Du Kekse gestohlen hast?", grinste Jules und schob die Kekse r├╝ber, damit Antoine sich bedienen konnte. "Hier iss, meine G├╝te, wenn Du Hunger hast. Deine Aburteilung ist heute, so wie ich erfahren habe. Da Deine Verhandlung nur unterbrochen wurde. Die der anderen kann ich Dir nicht sagen Antoine", gab Jules zur├╝ck.

Antoine
Antoine hatte sogar gro├čen Hunger. Es war ihm nicht m├Âglich, langsam zu essen oder die Kekse einzuteilen. Er a├č sie in Windeseile, als w├Ąren sie keine Beilage, sondern eine Hauptmahlzeit und w├╝rden ihm allein geh├Âren. Hinterher leckte er sich den Finger an und tippte damit auf die Kr├╝mel, damit sie kleben blieben und er sie auch noch essen konnte. "Danke."

Jules de Mireault
Jules blinzelte in Zeitlupe und starrte dann Antoine an. "So war das zwar nicht gedacht gewesen, aber gut. Du scheinst es n├Âtig gehabt zu haben. Khawa gib ihm noch einen Kaffee, ehe er uns vom Fleisch f├Ąllt oder die Haare vom Kopf frisst", grinste Jules.

Khawa
Khawa erkannte, was da los war. Er brachte Antoine nicht nur einen weiteren Kaffee, sondern schlug einen gro├čen Berg Kekse in eine Serviette ein, deren Zipfel er verknotete. Das P├Ąckchchen stellte er Antoine hin. "Versuch, sie langsam zu essen, auch wenn es schwer ist", merkte er freundlich an.

Jules de Mireault
Jules nickte anerkennend und stupste seinen Schatz mental an. Er fand die Geste mehr als lieb, gleichg├╝ltig was andere von Khawa hielten, er hatte eine extrem herzliche und hilfsbereite Seite und dass konnte ihm niemand absprechen. Vielleicht w├╝rde das auch irgendwann Massimo einsehen, oder ihn zumindest in Ruhe lassen.

Antoine
"Tausend Dank", sagte Antoine erfreut. "Ich wusste nicht, wie freundlich man hier zu mir ist, sonst h├Ątte ich nichts geklaut. Aber ich schw├Âre es, ich mach es wieder gut."

Jules de Mireault
"Indem Du f├╝r uns alle Kekse b├Ąckst von ersten eigenen Lohn?", schlug Jules lachend vor.

Antoine
"Mach ich, versprochen. Wenn ich die Arbeit noch kriege. Ich muss noch auf das Urteil warten."

Jules de Mireault
"Die Arbeit von Deinem F├╝rsprecher wirst Du bekommen. Weshalb solltest Du ein schlechtes Urteil erhalten? Du hast die Wahrheit gesagt", gab Jules freundlich zu bedenken.

Antoine
"Na ja, es haben schon viele Leute alles m├Âgliche versprochen", druckste er herum. "Drum bin ich da vorsichtig. Ich freu mich lieber erst, wenn ich die Arbeit habe. Kommen Sie mit zum Duc, um dem das alles zu sagen?"

Jules de Mireault
"Das habe ich dem Duc gerade bereits alles gesagt, gedanklich Antoine. Ich glaube er muss es nicht zweimal h├Âren. Aber Du solltest wirklich so langsam zur├╝ckgehen. Danach solltest Du Dir neue Kleidung aush├Ąndigen lassen im Dienstbotenfl├╝gel. So kannst Du nicht weiter herumlaufen".

Antoine
"Dabei hab ich lange nicht eine so saubere Hose getragen." Antoine trank den Kaffee aus und nahm sein B├╝ndel Kekse, das er zum Abschiedsgru├č hochhob und dabei nickte. "Danke ihr beiden." Er stand auf und ging raus. Er wartete auf Gilbert, damit sie gemeinsam zur├╝ck zum Thronsaal gehen konnten.

Gilbert Jardine
Gil nickte Khawa und Jules dankbar zu. "Vielen Dank f├╝r alles, wir sehen uns", verabschiedete er sich freundlich. Zeitgleich mit der T├╝r die ins Schloss fiel, fiel Gilbert ein Stein vom Herzen. Er hatte Antoine geglaubt und sein Glaube war nicht verraten worden. Er gesellte sich zu Antoine, der das P├Ąckchen Kekse wie eine Troph├Ąe hielt und deutete ihm an, dass sie zur├╝ckgehen mussten. "Du kennst ja den Weg. Wir werden zur├╝ck zum Thronsaal gehen und dann hast Du es hoffentlich bald hinter Dir. Positiv gemeint", grinste Gil.

Antoine
"Danke noch mal f├╝r alles, Monsieur Jardine." Die Kekse an sich gepresst ging Antoine den Weg zum Thronsaal zur├╝ck. Diesmal war er es, der zu den Gardisten sagte: "Wir wollen zum Duc!"

Gilbert Jardine
Der zweite Gardist nickte, klopfte an und betrat dann den Thronsaal. Er verk├╝ndete, dass Antoine zur├╝ckgekehrt sei und erneut um eine Audienz bitten w├╝rde. Antoines Ankunft wurde schon erwartet und das teilte ihm der Gardist auch mit. "Du kannst reingehen, seine Majest├Ąt erwartet Dich", sagte der Gardist.

Antoine
Zaghaft ging Antoine herein, aber nicht ganz so ├Ąngstlich wie beim ersten Mal. Er machte alles genau so, wie Gilbert es ihm beigebracht hat, kniete sich nieder und schaute weder dem Duc noch dessen Sohn in die Augen. "Ich bin wieder da und ich bin jetzt gesund und dieser Mireault hat meinen Kopf ausgelesen. Ich hab nicht gelogen!"

Maximilien Rivenet de Souvagne
Max musterte Antoine und wartete kurz ab. "Das ist korrekt, ├╝ber den Umstand hat uns bereits Chevalier de Mirelaut informiert. Du wurdest nicht nur von einem, sondern von mehreren Gardisten gesch├Ąndet. Dein Urteil steht noch aus. Kraft unseres Amtes verurteilen wir Dich zur Wiedergutmachung des erlittenen Schadens was die gestohlene Ware, eine Kristallrose, angelangt. Wir setzen den Wert der Rose auf zweihundert Taler fest. Wir folgen dem Vorschlag des Beschuldigen und gew├Ąhren ihm die M├Âglichkeit der Abarbeitung. Ferner wirst Du dazu verurteilt, Deine Schulden im Hilfsdienst des B├╝ttels Jardine abzuarbeiten. Alle weiteren Anklagepunkte stehen hinter dem Schaden an, den Du durch die Verhaftung erdulden musstest. Zwar wurde die Verfolgung und Festnahme durch Dein Fehlverhalten hervorgerufen, nicht jedoch die weit h├Âher wiegende Straftat einer K├Ârperverletzung. Solltest Du Dich im Dienst von B├╝ttel Jardine als f├Ąhig erweisen, werden wir Dir die Schulden zugunsten Deines neuen Lebenswandels erlassen. Andernfalls ist sp├Ątestens bis zum Jahresende die Schuld des Diebstahls abzutragen. Die Einsatzkosten, Gerichtskosten und so weiter und so fort fallen der Staatskasse anheim. Wir gew├Ąhren Dir hiermit eine zweite Chance, nutze sie weise", urteilte der Duc.

Antoine
Antoines Gesicht verzog sich zu einer Grimasse, die man im ersten Moment nicht deuten konnte. Es schien, als sei jeder einzelne Gesichtsmuskel aufs ├äu├čerste gespannt, die Augen waren zusammengepresst zu faltigen L├Âchern, die Mundwinkel nach hinten gezerrt. Erst nach einigen Sekunden kam er wieder zu Atem und es offenbarte sich, dass er vor Freude weinte. ┬╗Danke, das mach ich! Vielen Dank! Ich zahl die Rose ab und die Kekse auch!┬ź Er wischte sich die Tr├Ąnen mit den H├Ąnden ab, aber er weinte immer noch und schluchzte, als er r├╝ckw├Ąrts wieder in Richtung der T├╝r marschierte.

Maximilien Rivenet de Souvagne
"Nicht bezahlen, benehmen Antoine - dann ist das Bezahlen nicht n├Âtig", erinnerte der Duc freundlich.

Antoine
"Ich bezahl die Rose trotzdem", schluchzte Antoine, "und back neue Kekse." Er verschwand r├╝ckw├Ąrts zur T├╝r hinaus.

Gilbert Jardine
Gilbert hatte diesmal vor dem Thronsaal gewartet. Er wartete und endlich kam Antoine wieder heraus. Er sah verheult aus, fertig und irgendwie zeitgleich noch geschafft. Gil ging ihm entgegen und musterte ihn besorgt. "Was ist passiert? Wie ist es ausgegangen?", fragte er direkt ohne Umschweife nach.

Antoine
"Ich wurde verurteilt", keuchte Antoine. "Dazu, bei Ihnen zu arbeiten. Und wenn ich gut arbeite, werden mir die Kosten f├╝r die Rose sogar erlassen und der Rest auch. Aber ich bezahl die Rose und bring auch die Kekse dem Chevalier vorbei, versprochen! Was machen wir jetzt? Bekomme ich jetzt solche Sachen wie Sie? Und wer sagt Boldi und Robere Bescheid?"

Gilbert Jardine
"Glaube mir, die werden fr├╝h genug informiert. Entweder von einer anderen Einheit oder von den Himmelsaugen. Nein solche Sachen wie ich bekommst Du nicht, Du bekommst erstmal normale, saubere Kleidung. Dass Du bei mir arbeiten sollst, freut mich. Das hatte ich Dir ja versprochen und das es umgesetzt wurde ist sch├Ân. Du wirst Dich beweisen m├╝ssen, aber ich denke dass wirst Du auch. Schwer ist vielleicht nur die Umstellung der Sichtweise auf die Welt. Aber auch das wirst Du hinbekommen. Keiner verlangt, dass Du morgen alles kannst. Lass uns Dir ein paar neue Kleidungsst├╝cke besorgen und ein Bad t├Ąte Dir auch gut. Ich glaube dass sollten wir als erstes in Angriff nehmen. Eine Komplettreinigung, dass wird fast eine Sanierung", grinste Gil.

Antoine
"Und wo darf ich wohnen?", fragte Antoine und folgte Gilbert. "Und wie muss ich Sie jetzt ansprechen? Normal Monsieur Jardine oder auch irgendwie speziell mit ihrem Dienstrang und so?"

Gilbert Jardine
"Du nennst mich Gil, sonst wird das ein bisschen seltsam mit der Zusammenarbeit. Da ich Dich da rausgeholt habe, werde ich Dich vorerst bei mir unterbringen. Aber ich warne Dich gleich, meine Dinge bleiben auch meine Dinge. Selbst wenn ich schlafe Antoine. Gef├Ąhrde unser frische Kollegialit├Ąt und eventuelle Freundschaft nicht, indem Du lange Finger machst. Lex w├╝rde Dich daran hindern und zwischen uns w├Ąre es aus, die Vereinbarung w├╝rde enden. Ich hoffe Dir ist das bewusst und meine Warnung war nur ein unn├Âtiger Hinweis. In allen anderen Dingen warst Du schlie├člich auch ehrlich. Also bei mir wirst Du wohnen. Es ist kein Luxustempel, ehr klein, aber zum Schlafen und zum Essen reicht es allemale", sagte Gil freundlich.

Antoine
"Gil klingt gut. Du darfst Toni sagen", antwortete Antoine freundlich. "Ich klau nix, du hast mir den Kopf vom Block gezogen und mich vor Boldi gerettet. Freunde beklaut man nicht. Ich seh dich jedenfalls als Freund an, du kannst ja damit noch warten. Mir ist egal, ob das Haus klein ist, es ist ein Haus! Ich schlaf auch auf dem Fu├čboden, alles egal!" Antoine lachte vor guter Laune.

Gilbert Jardine
"Nun Leute zu retten oder zu besch├╝tzen ist mein Job und nun auch Deiner. Gut ich bin dabei, versuchen wir es als Kollegen und Freunde. Du kannst es Dir wie ein kleines Zimmer in einer Taverne vorstellen. Ein Zimmer, dass etwas unterteilt ist mit K├╝che, Schlafstelle und eine Gammelecke. Einen kleinen Keller hat es auch, dort lagere ich die Vorr├Ąte. Der Zuber und das Klo sind drau├čen", grinste Gil.

Antoine
"Ein Klo!" Antoine lachte sich scheckig dar├╝ber. "Wei├čt du, wann ich das letzte Mal auf einem KLO war? Ich nicht! Letztes Jahr irgendwann, vermutlich. Schlaf ich auf dem Fu├čboden, auf dem Sofa oder auf einem Bett? Mir ist es egal, ich will es nur wissen."

Gilbert Jardine
"Auf einer Schlafmatte so wie ich. Die rollen wir nachts aus, so haben wir tags├╝ber mehr Platz. Wir sind ja nicht immer Unterwegs, sondern haben auch mal frei. Und da ist leider nicht immer gutes Wetter, dass man drau├čen sitzen kann. Folglich wozu ein Bett ins Haus stellen? Eine Schlafmatte tut es auch und wird es im Winter doch mal sehr kalt, packe ich einen Strohsack drunter und ein Lammfell drauf. Besser geht es nicht. Na es ist ein ganz normales Plumpsklo. Ein Verschlag mit einem Holzb├Ąnkchen wo Du Dein Gesch├Ąft machst und es nach unten f├Ąllt. Nicht so wie im Palast oder bei manchen Badern. Du wirst Dich schon zu Recht finden, dass ist nicht schwer. Du sitzt beim Kacken, anstatt zu hocken, ist bequemer", lachte Gil.

Antoine
"Dann m├╝ssen wir noch eine Schlafmatte f├╝r mich besorgen. Ich brauch kein Bett, ich hab noch nie eins gebraucht. Und wie es beim Bader aussieht, wei├č ich nicht, ich war noch nie bei einem."

Gilbert Jardine
"Ich war schon einige Male dort, da gute Bader eben nicht nur Baden und so weiter, sondern auch kleinere Eingriffe machen oder Heilungen. Zum Beispiel bei Zahnschmerzen, ganz wichtig zu wissen. Und das sch├Âne an der Sache ist, sie sind meist nicht so grob und man kann sich die Behandlung leisten, ohne dass es einen fast den ganzen Monatssold raubt. Ich habe zwei Schlafmatten Antoine, manchmal hat man Besuch, wei├čt Du?", gibbelte Gil.

Antoine
"Dann brauchst du jetzt eine Dritte", antwortete Antoine grinsend. "Erstmal muss ich alle Schulden abtragen und wenn dann was ├╝brig ist, geh ich vielleicht auch mal zum Bader."

Gilbert Jardine
"Es kostet nicht viel, es sei denn Du m├Âchtest was gro├čes machen lassen. Ansonsten opfere ein zwei Taler f├╝r einen guten Haarschnitt und eine Rasur. Oder opere f├╝nf Taler und lass Dir auch die Z├Ąhne machen", schlug Gil vor.

Antoine
"Das mach ich, sobald ich das Geld habe, damit ich dich nicht so vollm├╝ffle."

Gilbert Jardine
"Du wirst heute schon baden Antoine, damit wartest Du nicht bis zum ersten Lohn, dass geht nicht. Wer wei├č was da alles noch aus Deinem Hintern sickert", gab Gil zu bedenken.

Antoine
"Aber ich hab keine zwei Taler! Es sei denn, du legst es mir aus. Oder ich bade einfach im Fluss."

Gilbert Jardine
"Du badest in meinem Zuber den Du danach wieder s├Ąuberst. Ich habe doch gesagt, er steht drau├čen neben dem Haus, neben dem Kloh├Ąuschen Antoine h├Âre mir doch zu", lachte Gil.

Antoine
Antoine grinste entschuldigend. "Ich bin so viel Sauberkeit einfach nicht gewohnt. Das mach ich."

Gilbert Jardine
"Ja Du wirst Dich dran gew├Âhnen, sp├Ątestens wenn es Dir danach besser geht. Du wirst schon sehen, dann bist Du bald wieder fit. Neue Kleidung ben├Âtigst Du vorher aber auf alle F├Ąlle. Was n├╝tzt das beste Bad, wenn Du die alten Lappen wieder anziehst? Nichts. Also auf nach Beaufort komm", sagte Gil und gab den Weg vor.

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Himmelsauge vs Leibgardist

#5

Beitrag von Boldisz├ár » Mi 11. Jul 2018, 14:36

Boldiszàr
Als Boldisz├ár an diesem Tag Feierabend machte, wusste er noch nicht, wie ungem├╝tlich dieser heute werden w├╝rde. Er kehrte gerade mit einem Klemmbrett von einer Besprechung mit den anderen Coutiliers zur├╝ck und war auf dem Weg zum Quartier seiner Einheit, wo er seine R├╝stung abgelegen, sich in den hei├čen Zuber legen und anschlie├čend gem├╝tlichere Kleidung anlegen wollte. Anschlie├čend w├╝rde er die verbleibende Stunde Freizeit, bevor es ins Bett ging, noch eine Runde mit seinen M├Ąnnern Karten spielen. Das letzte Mal hatte er verloren. So konnte das nat├╝rlich nicht stehenbleiben.

Jules de Mireault
Gerade als Boldi den Weg in Gedanken entlang flanierte, passierte es. Er sp├╝rte einen grauenvollen Schlag vor den Kopf und ein Gewicht riss in zu Boden. Im gleichen Augenblick sp├╝rte er einen ├Ąhnlichen Schlag innerhalb seines Kopfes. Eigentlich ein Unterfangen, das ├╝berhaupt nicht m├Âglich sein durfte. Gerade als der Schmerz innerlich wie ├Ąu├čerlich nachlie├č und er sich aufrappeln wollte, waren sie schon ├╝ber ihm. Die Gruppe der Unite A, hatten sich ihn geschnappt, ihn am Boden fixiert und in die Acht gelegt. Einer der M├Ąnner riss ihn an den auf den R├╝cken gefesselten Armen auf die Beine, ein weiterer packte ihn unter dem Kinn, so dass er dem Chevalier in die Augen schauen musste. ┬╗Boldiszar Du bist verhaftet, aufgrund t├Ątlichen Angriffs und sexueller Sch├Ąndung eines Gefangenen┬ź, erkl├Ąrte Jules eindringlich und starrte ihm in die Augen. Das Himmelsauge streckte seine Hand aus und Gufo kehrte auf seinen Arm zur├╝ck. Der gro├če Uhu war eine absichernde Runde geflogen, nachdem er Boldi mit Wucht umgerissen hatte. ┬╗Abf├╝hren ins Verh├Ârzimmer┬ź, befahl Jules und die Gardisten zerrten Boldi hinter Jules her.

Boldiszàr
┬╗Geht`s noch?┬ź, schnaubte Boldisz├ár. ┬╗Was soll die Schei├če!┬ź Etwas Sinnvolleres zu ├Ąu├čern war er in Anbetracht des extremen Kopfschmerzes nicht imstande. Er hatte keine Ahnung, was los war und machte sich extra schwer und schlaff, damit die Kameraden von der A es m├Âglichst schwer hatten, ihn vom Fleck zu bekommen. Seine H├Ąnde waren gefesselt, aber seine Beine waren frei. Er trat dem Mann rechts neben sich mit voller Wucht ins Knie.

Jules de Mireault
Grunzend kassierte der Kerl den Tritt und antwortete seinerseits damit, indem er die Fesseln auf Boldis R├╝cken h├Âher riss, so dass seine Schultern vor Schmerz aufgl├╝hten. Der Tritt hatte gesessen, hinkend und mit funkelndem Blick f├╝hrte der Gardist Boldi bis ins Verh├Ârzimmer des Himmelsauges. Die Kollegen der Unite A donnerten ihn fester als n├Âtig auf den Verh├Ârstuhl und schnallten ihn fest, so dass er am Ende vollfixiert war. Was das bedeutete wusste Boldi. Der Geistmagier w├╝rde ihn zur Not foltern um an die Ergebnisse zu kommen. Jules gab den M├Ąnnern ein Zeichen, dass sie sich nun zur├╝ckziehen konnten. Er stellte sich genau vor Boldi, schnappte sich ein Blatt und hielt es ihm kurz vor die Augen. ┬╗Du wurdest angeklagt einen Dir ├╝bertragenen Gefangenen misshandelt und sexuell gesch├Ąndet zu haben. Und dies in Form einer Gruppensch├Ąndung. Besonders hervorgehoben wurden Deine Gr├Ąul und die von Robere. Hast Du etwas zu der Anklage zu sagen?┬ź, hakte Jules nach und legte das Blatt beiseite, w├Ąhrend Gufo von seinem Arm h├╝pfte und auf dem Tisch Platz nahm. Der gro├če Uhu musterte Boldi aus stechenden Augen und legte seinen Kopf schief.

Boldiszàr
┬╗Antoine Davout, richtig?┬ź, ├Ąchzte Boldisz├ár, der auf die Schnelle das Blatt nicht hatte lesen k├Ânnen. ┬╗Er l├╝gt und ├╝bertreibt, er hasst mich. Schau in mein Gesicht, dann wei├čt du, wie sehr und wozu der Kerl f├Ąhig ist.┬ź Boldi machte sich nicht die M├╝he, die Fixierung auf Schw├Ąchen zu ├╝berpr├╝fen. Er wusste, dass er keine finden w├╝rde. Ihm dr├Âhnte der Sch├Ądel und seine Schultern f├╝hlten sich an, als w├Ąren sie kurzzeitig ausgekugelt gewesen.

Jules de Mireault
Jules setzte sich auf den Schreibtisch, so dass er Boldi gegen├╝bersa├č. Einen weiteren Stuhl au├čer den Verh├Ârstuhl gab es nicht, da man bei der T├Ątigkeit des Folterns stand. Zudem war um den Stuhl weitr├Ąumig Platz um mobile Wagen mit allerlei Instrument darum verteilen zu k├Ânnen, falls eine andere Form der Befragung gew├Ąhlt werden sollte. Das sich Jules also setzte und ihn vorerst nur anschaute, war ein gro├čes Zugest├Ąndnis. Er st├╝tzte sich sogar auf einer Hand ab, behielt Boldi dennoch stets im Blick. Seine Augen hatten etwas Stechendes, Fixierendes, ganz anders, als wenn man ihm sonst ins Gesicht schaute. ┬╗Ich gebe Dir die Chance, Dich zu erkl├Ąren Boldiszar. Du hast bis dato gut der Krone gedient. Was hat Dich geritten, den Gefangenen zu reiten?┬ź, fragte Jules offen.

Boldiszàr
┬╗Ich habe ihn nicht angefasst┬ź, beharrte Boldisz├ár. ┬╗Das Einzige, was ich getan habe, ist, ihm eine gr├Âbere Behandlung, als vielleicht n├Âtig gewesen w├Ąre, durch meine Einheit angedeihen zu lassen. Wenn man jemandem unerwartet gegen├╝bersteht, der einem vor Jahren so einen Schnitt verpasst hat, ist es schwer, ruhig zu bleiben. Ich w├Ąre wegen dem fast krepiert.┬ź

Jules de Mireault
Jules nickte in Zeitlupe. ┬╗Gut, Du behauptest er l├╝gt. Das gleiche behauptet der Gesch├Ądigte auch von Dir. Wenn Du die Wahrheit sagst, wirst Du Dich von mir auslesen lassen. Solange Du Dich freiwillig auslesen l├Ąsst, wirst Du keine Schmerzen haben. Ich m├Âchte sehen, was er Dir angetan hat┬ź, erkl├Ąrte Jules. ┬╗Wir haben alles was f├╝r und gegen Dich spricht gleicherma├čen zu ermitteln. Mit wir meine ich meinen Orden. Ich habe die Aufgabe ├╝bernommen, da wir hier beide der Krone dienen. Also falls Du gelogen hast, gestehe es, bevor ich es lese oder gar zwangslesen muss Boldi┬ź, sagte Jules ruhig, w├Ąhrend der Kopf von Gufo auf die andere Seite pendelte.

Boldiszàr
┬╗Einige meiner Gardisten haben ihn gesch├Ąndet┬ź, r├Ąumte Boldisz├ár widerwillig ein. ┬╗Ich habe es ihnen erlaubt. Dann lies halt nach.┬ź Boldisz├ár machte sich bereit. Es war nicht das erste Mal, das er ausgelesen wurde, jeder Leibgardist wurde das, bevor er seinen Posten bekam. Er hasste das Gef├╝hl. Dass er sich noch einmal im Detail an seine Niederlage in der Kindheit erinnern sollte, passte ihm wenig.

Jules de Mireault
┬╗Ich lese Dich gleich aus, entspanne Dich etwas. Noch sehe ich Dich als Kollegen Boldi, also koch runter, es ist nur zu Deinem Besten. Warum hast Du es ihnen erlaubt? Was beim Abgrund war los mit Dir? Ich meine Deine Abteilung ist nicht gerade daf├╝r bekannt andere mit Samthandschuhen anzufassen. Aber daf├╝r ist niemand aus der Leibgarde bekannt und dann w├Ąrt Ihr auch fehl am Platz. Aber auf Euch muss Verlass sein. Da sage ich Dir doch nichts neues Boldi! Staatsgewalt hei├čt, die Gewalt liegt in der Hand des Staates, also der Krone. Ihr seid die ausf├╝hrenden Organe. Eure Strafe mag hart sein, aber sie muss auch stets gerecht sein. Ich sehe im Wort Gerecht immer auch das Wort Recht. Aber auch eine weitere Form - Ge-r├Ącht. Wenn jemandem ein Leid zugef├╝gt wurde, dann ├╝bt Ihr im Namen der Gerechtigkeit die Rache, habt f├╝r das Opfer ge-r├Ącht. Aber Ihr seid keine T├Ąter. Ich habe mitbekommen, wie Du Robere und vorher Bellamy die Schande erspart hast, bespuckt, beschimpft und beworfen zu werden. Du bist kein Arschloch Boldi, Du bist ein harter Hund, aber Du bist kein Drecksack. Also sage mir was los war, warum Du so ins Klo gegriffen hast. Ich werde Dich auslesen und ich werde Dich foltern, wenn ich das muss Boldi. Aber gerne tue ich das ganz sicher nicht. Drum rede doch einfach┬ź, sagte Jules.

Boldiszàr
Boldisz├ár nahm sich Zeit, ehe er antwortete, um ein wenig runterzufahren. Sein K├Ârper wie auch sein Geist waren darauf trainiert, in solchen Situationen in h├Âchster Alarmbereitschaft zu sein, um sofort effektiv handeln zu k├Ânnen. Es war nicht einfach, sich nun genau zum Gegenteil zu zwingen, nichts zu tun, als zu reden und das auch noch in der gegenteiligen Position wie sonst. ┬╗Was genau willst du h├Âren? Robby, ich und Antoine waren im selben Waisenhaus, Saint Aumery, falls dir das Drecksloch was sagt. Antoine war schon damals ein Dieb und hat gern gepr├╝gelt, nicht nur mit den F├Ąusten. Er hat mir ein Messer ins Gesicht gerammt und durchgezogen. Ohne Robbys Hilfe w├Ąre ich tot. Als ich den Kerl wiedersah und auch noch im Palast auf Diebestour, sind die Pferde mit mir durchgegangen.┬ź

Jules de Mireault
┬╗Ich fasse Dich an und lese Deine Wunden und Gef├╝hle aus, beruhige Dich, sonst wird das verf├Ąlscht und das n├╝tzt Dir nichts. Du hast rot gesehen, als Du Deinen alten Peiniger unerwartet gegen├╝ber gestanden hast korrekt?┬ź, fragte Jules schloss die Augen zu schmale Schlitze und zog sich einen Handschuh aus. Mit zwei Fingern fuhr er Boldis Narbe ganz langsam entlang. Er war zu seinem Gefangenen nicht grob, auch nicht z├Ąrtlich, sondern die Geste f├╝hlte sich mitf├╝hlend und warm an, w├Ąhrend Jules die Narbe ergr├╝ndete. Boldi f├╝hlte, dass von Jules f├╝r ihn nichts B├Âses ausging, solange er ihn dazu nicht zwang.

Boldiszàr
Dass Jules die Narbe anfasst, war unangenehm, denn Boldisz├ár hasste sein Aussehen. Er hasste es, wenn sein Gegen├╝ber ihm auf die Narbe starrte anstatt ihm in die Augen zu sehen und die meisten Menschen taten genau das, wenn er keinen Helm trug. Die Einzigen, die derma├čen an den Anblick gew├Âhnt waren, dass sie die Narbe nicht mehr beachteten und nicht nur so taten, waren die Leibgardisten. Die Ber├╝hrung war zwar nicht grob, aber f├╝r Boldisz├ár dennoch unsch├Ân, da es dabei um sehr pers├Ânliche Erlebnisse ging. Widerwillig lie├č Boldisz├ár zu, dass der Mann in seinen Geist eindrang. Jules sah, wie Antoine dem zw├Âlfj├Ąhrigen Boldisz├ár ein Holzmesser in den Mund rammte und dann zur Seite wegriss. Er sp├╝rte, wie hundeelend es dem Jungen in den Wochen danach gegangen war und dass es den Tatsachen entsprach, dass er nicht nur fast an einer Wundinfektion gestorben w├Ąre, sondern ihn die M├Ânche des Waisenhauses auch fast hatten verhungern lassen und ihm auch ansonsten nicht weiter halfen. Der Einzige, der ihm half, war Robere, der ihm selbstgejagte Haustiere brachte, die er roh an ihn verf├╝tterte. ┬╗Willst du noch was wissen┬ź, zischte Boldisz├ár geq├Ąlt, um sich selbst ein St├╝ck zur├╝ck in die Wirklichkeit zu holen. ┬╗Ja, ich habe Rot gesehen und jetzt wei├čt du, warum.┬ź

Jules de Mireault
Die Verbindung zu Jules brach ab und der Magier legte ihm eine Hand auf den Kopf. ┬╗Du bist f├╝r mich nicht Deine Narbe Boldi, sondern Deine Narbe rettet Dir gerade Deinen Hals. Jedenfalls gehe ich davon aus. H├Âre zu, ich erkl├Ąre Dir etwas. Es gibt Dinge, die verstehen die meisten Menschen nicht. Dinge die Magie betreffen. Warum ich Dir das erz├Ąhle? Weil es Dich und Deinen Hals betrifft. Die meisten denken, wir lesen eine Person aus un schon wissen wir die Wahrheit. Tatsache ist, genau das ist nicht der Fall. Es stimmt nicht. Wenn f├╝nf Personen das selbe beobachten und ich lese diese f├╝nf Personen aus, dann sehe und sp├╝re ich genau dass, was diese f├╝nf Personen einzeln wahrgenommen haben. Der erste hatte soviel Angst, dass er die T├Ąter kaum beschreiben kann. Seine Angst ├╝berlagert alles. Der zweite erinnert sich an jedes Barthaar, an jeden Knopf, so genau ist seine Erinnerung, getrieben von einer perversen Schaulust. Der dritte Zeuge stand zwar dabei, hat aber f├╝r sich nur nach einem schnellen Fluchtweg gesucht, was logisch und nicht verwerflich ist bei einem Zivilisten. Was ich Dir damit sagen m├Âchte ist folgendes, weder Antoine noch Du haben gelogen. Deine Erinnerungen stimmen mit dem Gesagten ├╝berein. Das Antoine gesch├Ąndet wurde und Du das zugelassen hast, dass muss und wird bestraft werden Boldi. Dar├╝ber sind wir uns beide einig oder? Aber warum Du es zugelassen hast, mit diesem Hintergrund, dass kann ich nachvollziehen. Du hast es nicht bewusst entschieden, sondern die Situation hat es f├╝r sich entschieden. Du selbst hast ja nicht einmal Rache ge├╝bt, es war kein bewusstes Wegschauen. Ihr beide wart Kinder und ihr beide wart Opfer der Umst├Ąnde. Ihr wurdet zu dem gemacht, was Ihr wart und heute seid. Die Summe Eurer Erfahrungen, dass geht jedem Menschen so. Nur waren Deine Erfahrungen, grausam und Antoine hat sein Fett weg bekommen nach all den Jahren. Boldi h├Ąttest Du ihm eine verpasst, w├Ąrt Ihr quitt. Aber Du hast die Einheit mit reingezogen. Gestehe genau dass, was ich gelesen habe, ich werde f├╝r Dich sprechen und es best├Ątigen. Ich l├╝ge f├╝r niemanden Boldi, aber da gibt es auch nichts zu l├╝gen. Ich werde dem Duc erkl├Ąren was ich sah und f├╝hlte. Deine kompletten Erinnerung. Es war kein Sadismus der Dich trieb, sondern blinde Rache. Kapierst Du was ich Dir sagen m├Âchte?┬ź, fragte Jules.

Boldiszàr
┬╗Ja┬ź, murrte Boldisz├ár. ┬╗Ich gestehe. Ich habe meiner Einheit erlaubt, f├╝r mich Rache zu ├╝ben. Das war Mist, weil sie nun auch Dreck am Stecken haben. Ich h├Ątte es, wenn ├╝berhaupt, dann selbst tun sollen. Ich gestehe und bereue, auch wenn sich mein Mitleid in Grenzen h├Ąlt. Trotzdem war es falsch.┬ź

Jules de Mireault
┬╗Keiner verlangt von Dir Mitleid zu empfinden, ich jedenfalls nicht. Dass w├Ąre an den Haaren herbeigezogen. Du h├Ąttest dem Kerl drau├čen einfach allein richtig auf die Schnauze hauen sollen. Und damit w├Ąre die Sache gekl├Ąrt gewesen Boldi. Aber das war wirklich gro├če Schei├če, die Du da verzapft hast. Vor allem f├╝r Robere. Das einzige was Du bereust, ist dass Du einen Fehler in Deinem Amt gemacht hast. Du warst nicht proffessionell. Niemand ist das immer, aber dann zieh andere da nicht mit rein. Es war ein Ding zwischen Dir, Robere und Antoine Boldi. M├Âchtest Du noch etwas dazu sagen, was die Strafe mildern k├Ânnte?┬ź, hakte Jules nach.

Boldiszàr
┬╗Ja, das w├Ąre besser gewesen, aber ich war derma├čen w├╝tend, ich wollte ihn am liebsten auf der Stelle tot sehen. Ich krieg jetzt schon wieder Puls, wenn ich nur an seine Fresse denke. Ich wei├č nicht, was mildernd sein k├Ânnte, ohne dass ich eine Arie zusammenl├╝ge. Hilf mir auf die Spr├╝nge und stell mir bitte eine Frage.┬ź

Jules de Mireault
┬╗Er hat Dich mit seiner dreisten Art zu behaupten sich nur den Palast ansehen zu wollen doch provoziert oder? Also mich h├Ątte so eine Art provoziert. Dann musstet Ihr noch durch die Nacht und die ganze Gegend rennen, anstatt dass er gleich klein beigegeben h├Ątte. Das hat das Ganze nicht besser gemacht. Sondern so hat er die Situation immer weiter aufgeschaukelt. So war es doch richtig?┬ź, grinste Jules schr├Ąg.

Boldiszàr
┬╗Ja, so war das. Er hat uns gezielt provoziert, obwohl wir ihn am Anfang wirklich h├Âflich behandelt haben, man will ja keinen schlechten Eindruck machen bei den G├Ąsten am Hof. Er hat uns die halbe Nacht durch die Stadt laufen lassen und Unit├Ę C musste Vertretung f├╝r uns schieben. Das ging drunter und dr├╝ber, die Sicherheit des Ducs musste gew├Ąhrleistet und gleichzeitig dieser dreiste Kriminelle gejagt werden. Nat├╝rlich ger├Ąt man dabei in Stress. Er hat au├čerdem meine M├Ąnner gef├Ąhrdet, indem sie wegen ihm auf marode Eisenleitern klettern und ├╝ber ungesicherte D├Ącher laufen mussten.┬ź

Jules de Mireault
┬╗Er hat Euch verh├Âhnt und wollte Euch an der Nase herumf├╝hren um dann vor seinen Diebeskollegen zu prahlen. Und wie h├Ątte die k├Ânigliche Leibgarde dann da gestanden? Wenn jeder dahergelaufene Strolch einfach in den Palast marschieren kann ohne Konsequenzen. So war es doch oder? Und als nach all dem, die durchjagte Nacht, die Hetze, die Sorge um den Duc, die Kollegen, die eigene Sicherheit, als ihr ihn dann endlich hattet, dann hast Du auch noch erkannt, das es Dein alter Widersacher war und da hat bei Dir alles ausgesetzt. Das habe ich mir doch so richtig gemerkt ja?┬ź, fragte Jules.

Boldiszàr
┬╗Richtig.┬ź Boldisz├ár nickte dankbar. ┬╗So hat es sich zugetragen.┬ź

Jules de Mireault
┬╗Gut dann gebe ich es genau so weiter┬ź, erkl├Ąrte Jules, setzte sich an den Schreibtisch und schrieb es fein s├Ąuberlich genauso auf. ┬╗Wo ist Robere Boldi?┬ź, fragte Jules beim Schreiben.

Boldiszàr
┬╗Na im Mannschaftsquartier, nehme ich an. Um die Uhrzeit finden sich alle dort ein.┬ź

Jules de Mireault
┬╗Nein er wurde einige Zeit nicht mehr am Hofe gesehen Boldi┬ź, erkl├Ąrte Jules und schaute ihn dann ernst an. ┬╗Hat er Urlaub?┬ź

Boldiszàr
┬╗Nein┬ź, erwiderte Boldisz├ár verwirrt.

Jules de Mireault
┬╗Darum muss ich mir dann sp├Ąter Gedanken machen, jetzt geht es erstmal um Dich. Kommst Du freiwillig mit, oder muss ich die A┬┤er herbestellen Boldi?┬ź, fragte Jules freundlich, w├Ąhrend Gufo auf seine Schulter h├╝pfte und sich die gewaltigen, messerscharfen Klauen putzte.

Boldiszàr
┬╗Das ist nicht n├Âtig.┬ź Boldisz├ár ├╝berlegte, wo Robere abgeblieben sein k├Ânnte, aber ihm fiel nichts ein, da der eigentlich sehr auf seine Einheit fixiert war. Es sei denn, die anderen machten auch einen Ausflug in die Stadt.

Jules de Mireault
Jules befreite Boldi von seinen Fesseln und legte ihm eine Hand auf die Schulter. ┬╗Komm mit, sei friedlich, gestehe und preise den Herrn, dass Du ein mildes Urteil bekommst┬ź, schmunzelte Jules und klemmte sich sein Klemmbrett unter den Arm, w├Ąhrend Gufo Boldi be├Ąugte.

Boldiszàr
Boldiszàr erhob sich, bewegte seine schmerzenden Schultern und lockerte seine abgeschnürten Arme und Beine kurz, ehe er Jules folgte.

Jules de Mireault
Jules f├╝hrte Boldizar zur Amtsstube des Duc und deutete ihm an, sich kurz zu setzen. Er ging alleine hinein, gab den Bericht ab und erl├Ąuterte, was er gelesen hatte. Es dauerte eine Weile, die Boldi vor der Amtsstube sitzen bleiben musste. Weg konnte er nicht, da die Gardisten an der T├╝r ihn im Auge behielten. Dann endlich kam Jules zur├╝ck und deutete Boldi an, einzutreten. ┬╗Du wirst erwartet┬ź, sagte er leise.

Boldiszàr
Boldisz├ár hatte die ganze Zeit ├╝ber ruhig auf seinem Stuhl gewartet. Nun erhob er sich und trat mit einem flauen Gef├╝hl im Magen ein. ┬╗Majest├Ąt.┬ź Er verneigte sich.

Maximilien Rivenet de Souvagne
Maximilien musterte Boldi und deutete ihm an n├Ąherzutreten und sich zu setzen. ┬╗Wir haben Deine Aussage bez├╝glich des Gesch├Ądigten Antoine gelesen. Antoine hat seine Chance diesbez├╝glich erhalten. Er hat einen Diebstahl begangen, er hat gestanden, er gelobte Besserung. Was gelobst Du?┬ź, fragte Max und legte den Bericht von Jules zur Seite.

Boldiszàr
┬╗Besserung. Ich bitte um Verzeihung, Majest├Ąt. Ich war sehr w├╝tend. K├╝nftig werde ich meine Einheit aus meinen privaten Angelegenheiten heraushalten, aber das ist manchmal schwierig, wenn Privatleben und Beruf sich vermischen. Genau das geschah, als Antoine aufkreuzte.┬ź

Maximilien Rivenet de Souvagne
Max lehnte sich in seinem gewaltigen Sessel zur├╝ck und schaute Boldi an. ┬╗Ihr beiden seit quitt, Patt, hast Du das verstanden Boldiszar? Antoine hat von mir eine zweite Chance bekommen. Er ist ein Kleinkrimineller, der genau jenen Pfad verlassen m├Âchte. Wir haben es ihm gew├Ąhrt, da er seine Strafe abarbeiten wird. Er zeigte Reue und Einsicht und er wurde jemandem unterstellt um ein n├╝tzliches Mitglied der Gesellschaft zu werden. K├Ânnen wir davon ausgehen, dass dies ein einmaliger Ausrutscher Deinerseits war Boldiszar?┬ź, fragte der Duc.

Boldiszàr
┬╗Ja, Herr┬ź, antwortete Boldisz├ár. Er hoffte innerlich, dass Antoine ein fettes Trauma erlitten hatte, das ihm f├╝r die n├Ąchsten Jahre den Schlaf zur H├Âlle machen w├╝rde.

Maximilien Rivenet de Souvagne
┬╗Du hast mir eine Ewigkeit treu gedient. Du hast Deinen Job erledigt, Du hast uns und die unseren besch├╝tzt. Letztendlich bist Du ├╝ber die Identit├Ąt des Diebes gestolpert Boldiszar. Aber mit dem Hintergrund und der Bedeutung dessen, dass Du daran fast gestorben w├Ąrst und Du Dich nicht pers├Ânlich an der Bestrafung beteiligt hast, werden wir jetzt genau ein einziges mal das tun, was Du getan hast - wegschauen. Sch├Ânen Tag Coutilier Unite┬┤B┬ź, erkl├Ąrte Maximilien und zerriss den Bericht.

Boldiszàr
┬╗Danke, Majest├Ąt┬ź, keuchte Boldisz├ár erleichtert. ┬╗Ihr werdet es nicht bereuen und ich werde Euch so zuverl├Ąssig dienen, wie Ihr es von mir gewohnt seid. Meine M├Ąnner haben keine Strafe zu bef├╝rchten?┬ź

Maximilien Rivenet de Souvagne
┬╗Coutilier, ich wei├č nicht wovon Ihr sprecht, nun geht endlich┬ź, sagte Maximilien und widmete sich wieder seinen Unterlagen.

Boldiszàr
Das war eindeutig, Boldisz├ár verlie├č schleunigst die Amtsstube und schaute, ob er Jules noch irgendwo sah.

Jules de Mireault
Jules wartete vor der privaten Amtsstube des Duc und schaute Boldi abwartend an, als dieser die Stube verlie├č. ┬╗Gehen wir ein St├╝ck?┬ź, bot er an. Die Aburteilung schien glimpflich verlaufen zu sein, ansonsten w├Ąre Boliszar nicht herausgekommen, sondern die Gardisten w├Ąren hineinbestellt worden.

Boldisz├ár ÔÇó Gestern, 21:46
┬╗Ja┬ź, antwortete Boldisz├ár und wischte sich Schwei├č von der Stirn. ┬╗Du hast was gut bei mir. Und du wei├čt, das ist mehr als eine Floskel, wenn ich das sage.┬ź

Jules de Mireault
┬╗Das wei├č ich, also wie ist es gelaufen. Garten j├Ąhten f├╝r die n├Ąchsten drei Wochen? Flugst├Ąnde der Himmelsaugen ausmisten? Was? Erz├Ąhl schon┬ź, schmunzelte Jules.

Boldiszàr
┬╗Er hat den Bericht zerrissen. Keine Ahnung, womit ich das verdient habe. Ich habe mir schon Gedanken gemacht, welcher unf├Ąhige Depp jetzt mein Nachfolger wird und meine Einheit ruiniert.┬ź

Jules de Mireault
┬╗Der Duc ist kein Unmensch. Jemanden etwas aus Bosheit antun ist das eine. Aber wenn es eine Vorgeschichte hat und zwar so eine wie Deine, dann sollte man sich auch zumindest erw├Ąhnen. Du hast den Kerl ja nicht ohne Grund den W├Âlfen ├╝berlassen, auch wenn die Aktion beschissen war, sie hatte einen Grund. Berufsm├Ą├čig war die Aktion voll daneben, Vergangenheitstechnisch hat er die Abreibung verdient. Zudem war er ja nicht hier um uns Gutes zu tun, Du bist jeden Tag genau deshalb hier, lebst hier, malochst hier. Das erkennt der Duc an. Du bist einer von uns, und wenn ein Krimineller seine Chance bekommt, weil er es schwer hatte. Dann Du auch. Nur dass muss der Duc wissen, sonst s├Ąhe die Strafe ganz anders aus. Du kannst mir ein Bier ausgeben, darauf h├Ątte ich Lust┬ź, grinste Jules.

Boldiszàr
Boldisz├ár grinste mit der gesunden Seite, die andere konnte das nicht. ┬╗Gehen wir zum Markt, da haben sie Fressbuden. Ja, der Kerl ist auch noch in meinem Zust├Ąndigkeitsbereich rumgeschlichen, da platzt einem doch der Kragen! Du wei├čt jetzt, woher ich meine Narbe habe, zumindest die auff├Ąlligste. Woher hast du deine? Ich hoffe, die Geschichte ist spannender als meine.┬ź

Jules de Mireault
┬╗Welche denn genau?┬ź, lachte Jules, ┬╗Ist ja nicht so, dass ich nur eine h├Ątte. Was zu Essen ist eine prima Idee, da sage ich nicht nein. Die meisten Narben habe ich mir bei meiner Arbeit zugezogen Boldi, aber ich denke Du meinst die im Gesicht. Rakshaner, vor langer Zeit. Einmal fast ein Auge verloren und einmal eins quer ├╝bers Maul bekommen. Lehrgeld, mit dem Gesicht schneller wegzuzucken, als der Gegner zuschl├Ągt und Knochenwaffen nicht in der Reichweite zu untersch├Ątzen. Ich war auch mal jung. Worauf hast Du Hunger?┬ź.

Boldiszàr
┬╗Die haben da ├╝berbackene Brote, mit Pilzen und K├Ąse, ganz frisch aus dem Steinofen, die sind richtig gut. Es gibt sie auch mit anderem Belag, aber die finde ich am besten. Mit Rakshanern brauche ich mich zum Gl├╝ck nicht herum├Ąrgern, einer der Vorteile, wenn man bei der Leibgarde ist. Es sei denn, der Duc bekommt Lust, die Nordgrenze zu inspizieren.┬ź

Jules de Mireault
┬╗Ehrliche Ansage unter uns beiden? Der Duc wird niemals wieder irgendwelche Grenzen inspizieren, jedenfalls nicht von der anderen Seite. Der hat wie wir alle, die Schnauze davon voll. Er war einmal in der Fremde und das hat ihm gereicht. Sind wir ehrlich, er war dort f├╝r einen guten Zweck. Nicht mal f├╝r sich selbst, sondern f├╝r andere. Aber was hat es gebracht? Letztendlich den Almanen aus der Hohen Mark endlich einen Herrscher, der sich ihrer auch annimmt und sie besch├╝tzt. Aber das h├Ątte er auch hier gekonnt. Ich h├Ątte nicht gedacht, dass gerade der F├╝rst aus Alkena so vern├╝nftig ist. Aber man t├Ąuscht sich und das haben wir alle. Vielleicht t├Ąuschen wir uns auch in den Zwergen die die Tage ├╝ber hier sind. Vielleicht haben auch sie dazugelernt. W├╝nschenswert w├Ąre es. Aber nochmal in die Fremde? Der Duc, wir, ├╝berhaupt einer vom Hof? Ich glaube da winken alle gemeinschaftlich ab Boldi, ganz ehrlich. Allen voran Massimo. Du h├Ąttest mental mal seine Schimpftiraden h├Âren m├╝ssen. Also unterhaltsam war es allein durch den L├Ąuterer. Aber es ging um eine ernste Sache, gleichg├╝ltig wie sehr uns der Comte den Aufenthalt durch seine Knurrerei vers├╝├čt hat┬ź, lachte sich Jules sich kringelig.

Boldiszàr
┬╗Der neue Palaisin hat bisher noch nicht mit den Coutiliers gesprochen. Vielleicht war ich draum auch so gereizt, ich schmei├če gerade f├╝r Belly die Vertretung, was die Leibgarde anbelangt. Ich mach das gerne, aber das ist ein Haufen Mehrarbeit und sich mit den anderen Coutiliers zu einigen ... kann mir Entspannenderes vorstellen. Da bin ich ja beruhigt, dass der Duc keine Lust hat zu reisen, ich n├Ąmlich auch nicht. Was machst du in deiner Freizeit ├╝berhaupt so, man sieht dich nie in Gesellschaft, von Khawa abgesehen.┬ź

Jules de Mireault
Jules ├╝berlegte was er sonst so tat. Eigentlich nichts gro├č, au├čer zu trainieren. ┬╗Also wenn ich ehrlich bin, tue ich nichts besonders gro├čes. Ich trainiere in meiner Freizeit. Mit Gufo, mit dem Schwert und anderen Waffen, ich trainiere Magie und die Kombination damit von Waffen, den Kampf gemeinsam mit Gufo. Eigentlich war Gufo bis zu Khawas Auftauchen in meinem Leben meine andere H├Ąlfte. Zwar k├Ânnen wir einiges, was normal Sterblichen verwehrt bleibt, aber deshalb ist mein Leben nicht gerade interessanter, als das anderer. Ich glaube die meisten wirklich spannenden Erinnerungen die ich habe, habe ich eh von anderen ausgelesen. Ich habe fast den gleichen Beruf wie Du. Wir sorgen f├╝r Recht und Ordnung und mein Beruf war und ist immer noch mein Leben. Nur geh├Ârt Khawa jetzt mit dazu. Wie es w├Ąre sich richtig niederzulassen, ein eigenes Heim zu gr├╝nden, ein Haus zu kaufen, kann ich Dir nicht sagen. Das alles hatte ich nie, ich habe es auch nie vermisst Boldi. Ich habe meinen gefiederten Freund, meinen Orden und meine Magie. Ich war immer rundum gl├╝cklich und zufrieden mit dem was ich hatte. Ich habe keine gro├čen Anspr├╝che, was das anbelangt. Gegen ein bisschen Spa├č im Leben habe ich auch nichts und dass ich ausgerechnet mal mit einem Rakshaner zusammenkommen werde, damit habe ich nicht gerechnt. Niemals um ehrlich zu sein. Aber wir werden heiraten und wir werden uns ein Haus anschaffen und ich habe davor sogar etwas Angst, dass gestehe ich. Aber ich freue mich auch drauf. Ein Zuhause das uns geh├Ârt, wohin ich nach dem Dienst zur├╝ckkehren kann. Was eigenes. Wie sieht es bei Dir aus?┬ź, fragte Jules.

Boldiszàr
┬╗Mit Freizeit? Abends bleibt f├╝r mich eine Stunde, da lohnt es sich kaum, noch mal rauszugehen. Die verbringe ich meist mit meiner Einheit, wir zocken eine Runde Karten oder sitzen im Palastgarten herum, dann geht es ins Bett. Den Urlaub versuche ich so zu legen, dass wenigstens ein Teil davon mit dem von Robby zusammenf├Ąllt. Wir gehen dann gern angeln oder h├Ąngen einfach faul rum, irgendwas, wo man sich mal nicht viel bewegen muss. Abends gehen wir manchmal noch tanzen. Das hei├čt, Robby tanzt und ich stehe rum und trinke ein Bier. Ein eigenes Haus macht nur Arbeit und nagelt einen fest, lass das besser. Nehmt euch eine Mietwohnung. Dass du mit Khawa zusammenbist, habe ich erst f├╝r einen Scherz gehalten. Ich habe das erst geglaubt, als ich euch das erste Mal turteln gesehen habe. Gibt es da nicht dauernd Zoff? Ihr seid doch v├Âllig unterschiedlich aufgewachsen.┬ź

Jules de Mireault
┬╗Oh ja, den gab es. Und so sind wir auch zusammengekommen. Ich dachte dieser verfluchte Wilde, will mich an den Rand des Wahnsinns treiben. Wollte er auch, aber auf ganz andere Art und zwar im Bett und da ist das gar nicht unangenehm, mal den Verstand zu verlieren. Aber Gefrotzel beiseite, komischerweise l├Ąuft es gut bei uns. Er hat mich ge├Ąrgert, da er mich angemacht hat und ich hatte es erst gar nicht begriffen. In solchen Dingen bin ich nicht gerade ein Schnellmerker. So schr├Ąg Khawa manchmal ist, so herzensgut ist er auch. Aus meinem Mund klingt das vielleicht seltsam, so viele wie ich von ihnen schon erschlug. Aber ich erschlug auch Einzelpersonen, so wie sie nicht einfach Souvagner erschlugen, sondern Bauer Delarveux oder Delaroch. Aber um einen Feind zu besiegen, muss er eine gesichtslose Masse bleiben. Man darf nicht z├Âgern. Z├Âgern hei├čt sterben. In der Liebe ist das anders. In dem Moment sieht man den anderen klar. Keinen Feind, keinen Rakshaner, Khawa. Auch wenn Massimo behauptet, ich sollte genau dass lassen. Er wei├č es eigentlich besser. Aber er m├Âchte es nicht mehr wissen. Ich denke er sieht es, aber Fakt ist, seine alte Flamme ist tot. Nun ist er verheiratet und ich hoffe er liebt seine Frau oder mag sie wenigstens. Jedenfalls macht es auf mich den Eindruck. Sie erwarten ein Kind und ich denke deshalb hat sich Massimo etwas gegen├╝ber Khawa zur├╝ckgenommen, wobei die beiden sich vor dem Thronsaal gestritten hatten. Zur├╝ckgenommen in Massimos Form, er hat meinen Kerl ins Kreuz geboxt┬ź, st├Âhnte Jules.

Boldiszàr
Boldisz├ár grinste. ┬╗H├Ârt sich nach einer gl├╝cklichen Beziehung an. Alles Gute f├╝r die Hochzeit, sag ich schon mal. Habt ihr Kinder geplant, mit einer Leihmutter oder so?┬ź

Jules de Mireault
Jules sch├╝ttelte grinsend den Kopf. ┬╗F├╝r solche Planungen w├Ąre wohl er Khawa zust├Ąndig. Er hat ja auch mich klargemacht und nicht ich ihn. Daher, ich wei├č es nicht ob er an sowas gedacht hat. Ich m├╝sste ihn fragen. Ich genie├če einfach die gute Zeit die ich mit ihm habe, liebe ihn und f├╝hle mich geliebt. Und selbst? Einen festen Partner? Oder einen in Aussicht? Du bist nicht mit Robere zusammen oder?┬ź, fragte Jules.

Boldiszàr
┬╗Komisch dass das alle fragen. Nimmt man das an oder ist das nur dein Eindruck? Wir sind beides Waisen. Robby ist mein Wahlbruder und ich seiner, wir sind gegenseitig das einzige St├╝ck Familie, das wir haben. Du hast ja gesehen, dass er mich von Mund zu Mund gef├╝ttert hat, trotz der ekelhaften eitrigen Wunde, die andere nicht mal anfassen w├╝rden. Ich w├╝rde mein Leben f├╝r ihn geben. Klar, er kann ein Arsch sein, ach was sag ich, er ist ein Arsch. Aber als ich fast verreckt w├Ąre, war er der Einzige, der da war und mir half. Ich sage es mal so: Wir m├Âgen uns viel zu sehr, um zusammen zu sein. Das w├╝rde nur alles kaputt machen.┬ź

Jules de Mireault
┬╗Da ist was dran. Entweder w├╝rde es alles zerst├Âren oder es w├Ąre die Beziehung schlechthin. Bei mir und Khawa wurde es letzteres. Aber ich glaube, dass ist es bei Euch gar nicht. Wie Du schon richtig sagst, Ihr seid Br├╝der und keine Gef├Ąhrten. Und dass ist der Unterschied. Nein nicht jeder nimmt automatisch an, dass Ihr ein Paar seid. Was man sieht ist, dass Ihr Euch unheimlich nah seid, dass sieht man Boldi. Aber jeder ben├Âtigt jemanden, dem er nahe sein kann. Ohne Freunde geht es nicht und es muss auch kein Mensch sein, der Dein bester Freund ist. Meiner ist Gufo, auch wenn das f├╝r andere schr├Ąg oder unverst├Ąndlich klingt┬ź, erkl├Ąrte Jules.

Boldiszàr
┬╗Das klingt wirklich schr├Ąg. Was kann einem ein Uhu geben, was ein Mensch nicht k├Ânnte? Ich glaub, Robby ist abgesehen davon ohnehin nicht f├╝r was Festes gemacht. Die meisten hauen fluchtartig ab, nachdem sie ihn n├Ąher kennenlernen durften. Eigentlich alle bis auf dieser Diener, aber der hat sie auch nicht mehr alle.┬ź

Jules de Mireault
┬╗Alles gibt er, nur er spricht halt nicht. Nicht mit Worten. Wenn ich traurig bin, tr├Âstet er mich. Wenn ich gut drauf bin, freut er sich mit. Er scherzt, er lacht, er ist traurig, wie jedes andere Gesch├Âpf auch. Und wir wissen, dass sie eine Seele haben, denn unsere Seelen sind verbunden, wenn wir gemeinsam arbeiten. Unsere Gedanken sind oft Worte in unserer Sprache, er denkt in Bildern. Wir sind Freunde, ein Team und f├╝reinander da. Egal in welcher Situation. Das sind die meisten Menschen nicht, leider. Tja vielleicht mag es Robere auch nicht so eng und l├Ąsst das die anderen sp├╝ren. Vielleicht ist er gerne f├╝r sich┬ź, antwortete Jules.

Boldiszàr
┬╗Im Gegengenteil, er hasst es, allein zu sein. Aber er ist halt lieber mit seinen Kameraden unterwegs. Er hat kein anderes Leben, er kriegt richtig Panik, wenn er Urlaub hat. Drum lass ich ihn nie allein Urlaub haben, sondern immer einen dazu. Aber was k├Ârperliche N├Ąhe anbelangt, ist er unwahrscheinlich grob. Der haut einem eine runter, wenn er gute Laune hat und feixt dabei. Rempelt, schubst, boxt, zieht einem den Stuhl weg, wenn man sich grad hinsetzen will, so dass man sich fast den Stei├č bricht. Das meint der gut, das sind f├╝r den kameradschaftliche Neckereien! Wenn der einen scharf findet, ist es noch schlimmer. Aber er ist als Kamerad absolut zuverl├Ąssig. Drum wundert es mich so, dass er jetzt einfach verschwunden ist. Wo hast du deinen Gufo eigentlich her, hast du den gro├čgezogen oder schon erwachsen bekommen?┬ź

Jules de Mireault
┬╗Gufo habe ich gro├čgezogen. Jedes Himmelsauge zieht seinen Kameraden gro├č. Also die meisten. Es kann auch sein, dass Du einen verliehen bekommst oder sogar erbst. Aber Gufo bekam ich als Daunenball und habe ihn gro├čgezogen. Das festigt die Bindung. Er ist treu, absolut loyal und zahm. Jedenfalls zu mir. Andere Personen kann er verletzen oder t├Âten. Aber dass kann jeder Diensthund und jedes Dienstpferd ebenso. Wo Vernon hintritt w├Ąchst auch kein Gras mehr. Er steht auf die ruppige oder richtig harte Art? Na dann kein Wunder, wer macht das l├Ąnger mit? Keiner. Leidenschaftlich eine Nummer zu schieben, ist etwas anderes als dabei verdroschen zu werden. Also das was er mit Nathan getan hat, sollte ihm zu denken geben. Allerdings, wenn er einfach spurlos verschwunden ist, k├Ânnte auch ihm etwas passiert sein. Kurzum, er ist vielleicht an den Falschen geraten?┬ź

Boldiszàr
┬╗Schei├če, ja┬ź, gr├╝belte Boldisz├ár. ┬╗M├Âglich w├Ąre es. Das geht mir auch schon die ganze Zeit durch den Kopf. Einfach wegzubleiben, ohne mir Bescheid zu sagen, ist ├╝berhaupt nicht seine Art. Das hat er noch nie gemacht. Kannst du nicht mal kurz nach ihm sp├╝ren? Geht das?┬ź Boldisz├ár kaufte Jules und sich vor lauter Sorge jeweils eines der ├╝berbackenen Brote. Essen beruhigte die Nerven. Er reichte Jules das Gr├Â├čere und biss in seines hinein.

Jules de Mireault
┬╗Dankesch├Ân┬ź, sagte Jules und biss ebenfalls in sein Brot. ┬╗Hast Du etwas von Robere dabei? Dann kann ich nach ihm sp├╝ren, ich kenne seine Farben nicht. Also ich w├╝rde ihn nicht wiedererkennen, wenn ich einfach grob nach allen Menschen in der Umgebung sp├╝re. Ein Gegenstand von ihm leitet mich, wie wenn ich ein Bild von einer unbekannten Person gesehen h├Ątte. Hast Du was dabei? Sonst gehen wir auf dem R├╝ckweg in der Wachstube vorbei und ich nehme mir dort etwas┬ź, sagte Jules, w├Ąhrend er sich das Brot schmecken lie├č.

Boldiszàr
┬╗Den Schn├╝rsenkel, falls das was hilft. Meiner war gerissen, da hat er mir einen aus einem anderen Stiefel von sich herausgezogen.┬ź

Jules de Mireault
┬╗Klar hilft dass, alles was ihm geh├Ârte oder er benutzte. Gib her, dann suche ich umgehend nach ihm und schicke dann Gufo los. Das hei├čt, falls ich ihn in unserer Reichweite finde┬ź, antwortete Jules mit vollem Mund.

Boldiszàr
Da Boldisz├ár nicht extra den Schn├╝rsenkel herausziehen wollte, legte er seinen Fu├č auf einem gerade nicht benutzten Stuhl ab.

Jules de Mireault
┬╗So gehts auch┬ź, grinste Jules und dr├╝ckte ihm sein Brot in die Hand. Er wischte sich die Finger an der Hose ab und legte die freien Finger auf den Schn├╝rsenkel. Jules lie├č sich in Trance fallen und sp├╝rte nach Robere. (Wo ist er?)

Robere
Robere befand sich mit seiner neuen Bekanntschaft namens Arbogast in einer Kutsche auf dem Weg in Richtung Obenza. Er hatte gerade blendend gute Laune und ziemlichen Appetit.

Jules de Mireault
Jules sp├╝rte nach den Farben von Robere. Im Nexus waren Raum und Zeit unbedeutend, aber dennoch konnte man die Entfernungen der Welt ausmachen. Ein f├Ąhiger und alt eingesessener Magier konnte dies. Jules fand die Seelenfarben von Robere, als er weit genug in den Nexus aufstieg um von oben herab zu schauen, ganz ├Ąhnlich seinem Vogel, wie dieser es im Dienst tat um eine gro├če ├ťbersicht ├╝ber allem zu haben. Robere hatte Souvagne verlassen, schon vor ungef├Ąhr zwei Tagen, wenn sich Jules nicht t├Ąuschte. Seine Farben waren strahlend und kr├Ąftig, er war bester Laune. Er wurde von anderen Farben begleitet, die stetig flackerten. Der Mann schien ebenfalls gl├╝cklich zu sein, aber nicht bei bester Gesundheit oder nicht ganz anwesend. Jules zog sich zur├╝ck und sammelte sich einen Moment, ehe er Boldi blinzelnd anschaute. ┬╗Robere hat vor ungef├Ąhr zwei Tagen Souvagne verlassen und ist in Naridien. Er ist gl├╝cklich, er strahlt regelrecht. Ein weiterer Mann ist bei ihm, dessen Farben seltsam flackern. Dass hei├čt entweder ist der Bursche krank, oder nicht ganz bei sich. Betrunken vermute ich. Dann sind die Seelenfarben oft auch so seltsam am pulsieren┬ź, sagte Jules und machte ein nachdenkliches Gesicht. ┬╗Wer k├Ânnte der Kerl sein?┬ź

Boldiszàr
┬╗In Naridien?┬ź Boldisz├ár brauchte einen Moment um diese Information sacken zu lassen. ┬╗Was will der in diesem Kackland? Und warum wei├č ich nichts davon? Das muss mit dem andern Typen zusammenh├Ąngen. Ich habe keine Ahnung wer das sein k├Ânnte, aber wenn die beide gute Laune haben, ist Robere freiwillig mitgegangen. Da kann ich dir ein paar Eckdaten geben. Der andere ist auf jeden Fall m├Ąnnlich und zwischen f├╝nfundzwanzig und f├╝nfzig Jahren alt. Oder wirkt zumindest, als w├Ąre er innerhalb dieses Alters. Wenn der Robby dazu verleitet hat, abzureisen, ohne mir Bescheid zu sagen, vermutlich am oberen Ende des Spektrums. Er wird schlank sein und vom Charakter her Robby ├Ąhnlich. Es wird ein spontaner Spa├čausflug sein und kein Jobangebot. Hilft das irgendwas?┬ź

Jules de Mireault
┬╗Also doch so etwas wie Urlaub. Spontan-Urlaub mit einer neuen Flamme, die ihn nach Naridien eingeladen hat? Was gibt es da? Oh bin ich d├Ąmlich, was wohl... Freudenh├Ąuser, in allen Sorten, f├╝r jeden Geschmack. Und das ganz legal. Hier schon mal ein Freudenhaus gesehen? Entweder sind die T├Âchter bei ihren V├Ąter oder Br├╝dern, oder sie sind sp├Ąter verheiratet oder in einem Orden. So wie sich das geh├Ârt. In Naridien sind Frauen Freiwild, ich sage es Dir. Und M├Ąnner ├╝brigens auch. Da achtet die Familie doch nicht darauf, dass sein Mann gut verheiratet wird oder einen guten Beruf findet und eine Unterkunft. Das Robere da freiwillig mitgeht. Da gibt es Orte die sind ein reiner Abgrund, da ist selbst jemand wie Robere ein frischgeborenes K├Ątzchen Boldi. Und das meine ich so┬ź, warnte Jules.

Boldiszàr
┬╗Schei├če┬ź, st├Âhnte Boldisz├ár. ┬╗Das passt. Er wurde hier ├Âffentlich bestraft und jetzt sucht er sich ein neues Jagdrevier, wo ihm keiner was nachweisen kann. Warum passiert das mir ... ich w├╝rde ja sagen, der kann hervorragend auf sich selbst aufpassen, aber der andere muss ihm richtig das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen haben. Sonst h├Ątte er mich um Urlaub gebeten! Er wird gedacht haben, dass ich das nicht so einfach zulasse. Das muss eine ganz krumme Nummer sein, die sie sich ├╝berlegt haben. Nein, eine Flamme wird das nicht sein. Daf├╝r h├Ątte er nicht so ein Ding abgezogen. Eher einer, der genau so tickt wie er. Ich hoffe nur, Robby wird diesmal nicht selbst das Hauptgericht. So ein Dreck, kann man da nichts machen? Kannst du ihn nicht von hier aus beeinflussen, dass er umdreht?┬ź

Jules de Mireault
┬╗Ich kann ihm eine Botschaft schicken, sobald er schl├Ąft, wird er sie als Traumbotschaft erhalten. Aber jemanden derma├čen beeinflussen auf die Entfernung? Nein. Darauf bin ich auch nicht geschult oder ausgerichtet. Ich bin auf meinen Partner Gufo und den direkten Kontakt, geschult. Sprich in jemandes Geist einzudringen der vor mir steht, sich in meiner N├Ąhe befindet. Wir sind Kampfmagier, ich k├Ąmpfe mit Schwert und Magie. Ich bin kein reiner Geistmagier. Sprich auf eine Art schon, ich beherrsche nur Geistmagie, aber der ┬╗blockierende┬ź Gegenpart ist meine Kampfkunst. Ein Geistmagier, der sich voll und ganz nur der Magie verschrieben hat, so einen ben├Âtigen wir. Diese Person kann auch ├╝ber weitere Entfernungen in den Geist eindringen und auch Botschaften an wache Nichtmagier verschicken. Kurzum Telepathie. Ansonsten funktioniert das nur von Magier zu Magier. So reden wir Himmelsaugen untereinander. Sollte ich so mit Dir reden, h├Ârst Du die Botschaft erst wenn Du schl├Ąfst, es sei denn ich komme direkt in Deinen Geist. Dann h├Ârst Du mich auch, wenn ich das m├Âchte. Wie vorhin beim Auslesen. Aber das erfordert dann einiges an Kraft. Da ich wie gesagt sonst nur lese oder schaue bei Nichtmagiern. Kennst Du jemanden?┬ź

Boldiszàr
┬╗Nein. Ich hab keinen Kontakt zu Magiern. Sonst sag ihm doch bitte, wenn er schl├Ąft, dass er sein verdammtes Heck wieder hier her bewegen soll!┬ź Boldisz├ár war in h├Âchster Sorge. ┬╗Das gef├Ąllt mir gar nicht, absolut nicht. Der andere ist besoffen, sagst du. Kannst du den nicht analysieren? Dann wissen wir vielleicht, was los ist.┬ź

Jules de Mireault
┬╗Nein, da seine Seele mal hier und mal dort ist. Stell Dir vor Du m├Âchtest jemanden auslesen. Stell Dir den Geist vor wie ein Buch. Mal hast Du es in H├Ąnden, mal ist es zack verschwunden. Mal da, mal weg. So ist das mit der Seele von Besoffenen. Da, wach, anwesend. Dann wieder weg, abwesend, Sekudenschlaf, winzige Ohnmacht. Also ich m├╝sste st├Ąndig mit ihm wechseln und dass geht nicht. So bekommt man keine Konzentration zum Lesen hin. So k├Ânntest Du auch kein Buch lesen ohne durchzudrehen. Ich schicke ihm eine Botschaft┬ź, sagte Jules und konzentrierte sich erneut.

Jules de Mireault
`ROBERE! Hier ist Jules. Wir wissen dass Du vor ungef├Ąhr zwei Tagen nach Naridien aufgebrochen bist. Du hast weder Urlaub genommen, noch darfst Du Dich vom Dienst entfernen. Boldi ist zudem in gr├Â├čter Sorge. Kehre um und kehre zur├╝ck! Dein Begleiter ist nicht in guter Verfassung, etwas stimmt mit ihm nicht. S├Ąufer? Drogens├╝chtig? Er ist geistig nicht immer anwesend. Sei wenigstens wachsam. Am besten beweg Deinen Arsch zur├╝ck nach Souvagne!┬┤, ├╝bermittelte Jules.

Jules de Mireault
┬╗Ich habe ihm eine Botschaft ├╝bermittelt. -- ROBERE! Hier ist Jules. Wir wissen dass Du vor ungef├Ąhr zwei Tagen nach Naridien aufgebrochen bist. Du hast weder Urlaub genommen, noch darfst Du Dich vom Dienst entfernen. Boldi ist zudem in gr├Â├čter Sorge. Kehre um und kehre zur├╝ck! Dein Begleiter ist nicht in guter Verfassung, etwas stimmt mit ihm nicht. S├Ąufer? Drogens├╝chtig? Er ist geistig nicht immer anwesend. Sei wenigstens wachsam. Am besten beweg Deinen Arsch zur├╝ck nach Souvagne! -- Das war, was ich ihm mitteilte und ich hoffe, er geht darauf ein, sobald er sie empfangen hat. Mehr kann ich nicht tun. Au├čer ihm folgen mit einer Einheit, aber dass m├╝sste ich genehmigen lassen┬ź, sagte Jules.

Boldiszàr
┬╗Danke. Na, ob Maximilien einen Trupp entsendet nur wegen einem st├Ârrischen Gardisten, der obendrein ohnehin schon einmal in Ungnade gefallen ist. Es sei denn, Maximilien wittert eine Bedrohung dadurch ... vielleicht k├Ânnte man ihn auf die Weise rumkriegen, dass er wen auf ihn ansetzt┬ź, gr├╝belte Boldisz├ár. Er nahm den Stiefel vom Stuhl, kn├╝llte das Papier zusammen, welches es zur Mahlzeit dazu gegeben hatte und warf es in einen M├╝llkorb. ┬╗Kacke. Aber gerade nicht zu ├Ąndern. Danke f├╝rs ├ťbersenden der Botschaft. Wir k├Ânnen vorerst nichts anderes machen, als abzuwarten, aber ich bezweifle, dass er darauf reagiert. Er wird es sich gut ├╝berlegt haben, abzureisen, ohne irgendwem Bescheid zu geben. Ich geh erstmal wieder zu meiner Einheit. So ein Schei├čdreck!┬ź

Jules de Mireault
Jules nickte zustimmend. ┬╗Absolut, da sagst Du was┬ź, stimmte er Boldi zu und folgte seinem Kollegen zur├╝ck zum Palast.

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