Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den AnfĂ€ngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. WĂ€hrend die Urvölker auf AltbewĂ€hrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. GeheimbĂŒnde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

Evalon ist ein fruchtbares Bergland. Die goblinischen StĂ€dte stehen im Gegensatz zu den sagenumwobenen RuinenstĂ€dten, die aus den WĂ€ldern ragen. Das warme Meer und die vielen Inseln bieten einen Schauplatz fĂŒr Piraten, Korallentaucher und Abenteurer.
Der SĂŒdwesten
Evalon ist ein fruchtbares Bergland. Die technikverliebten goblinischen StĂ€dte stehen im Gegensatz zu den sagenumwobenen RuinenstĂ€dten, die aus den WĂ€ldern ragen. Das warme Meer und die vielen Inseln bieten einen Schauplatz fĂŒr Piraten, Korallentaucher und Abenteurer.
Benutzeravatar
Arafis
LegendÀrer Held
BeitrÀge: 535
Registriert: Sa 21. MĂ€r 2015, 13:13
Auszeichnungen: 4
Guthaben: Gesperrt
Volk: Gestaltwandler
Steckbrief: Bild

Chronist in Bronze Die fleißige Feder in Bronze Herausragender RPG Beitrag SchlĂŒsselloch

Re: Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

#11

Beitrag von Arafis » Sa 8. Okt 2016, 16:42

Arafis starrte gebannt auf den stacheligen Stein, der ihr zu FĂŒssen am Boden lag wie ein wertloses StĂŒck Abfall. Als Urako ihr den AnhĂ€nger entriss, wollte sie ihn im ersten Moment abwehren, doch der Ausdruck in seinen Augen hielt sie davon ab.
Er hatte sie keines Blickes mehr gewĂŒrdigt und war gegangen, so als hĂ€tte es sie nie gegeben.
Im ersten Moment realisierte sie nicht einmal, dass er die TĂŒre offengelassen hatte, so sehr beschĂ€ftigte sie dieser Gedanke. Normalerweise fluchte er herum, beschimpfte alles und jeden, wenn er wĂŒtend war. Doch dieses Mal – war er einfach gegangen.
Na und? Sei doch froh, dass er dich nicht gleich erwĂŒrgt hat, murmelte die nervige Stimme in ihrem Kopf.
Du mochtest ihn doch sowieso nie, oder?!
Widerstrebend schĂŒttelte Arafis den Kopf.
Nein, natĂŒrlich nicht. Wer konnte solch einen aufgeblasenen Grobian schon mögen?

Noch ganz in der inneren Diskussion gefangen, schrak sie wie ein Ă€ngstliches Karnickel zusammen, als plötzlich ein explosionsartiger Knall ertönte. Der Boden bebte unter ihren FĂŒssen und sie wurde gegen die Wand geschleudert.
Au, das hatte weh getan.
Etwas benebelt tastete sie ihren Hinterkopf ab, doch ihr DickschÀdel schien keinen Schaden genommen zu haben.
Ihre Augen blieben an der offenen GittertĂŒr hĂ€ngen und ihre Stirn runzelte sich. Hatte das Beben sie beschĂ€digt oder hatte sie bereits zuvor offen gestanden? Aber das hĂ€tte ja bedeutet
 nein, es musste dem Knall zu verdanken sein, dass sie ihrer Freiheit wieder einen Schritt nĂ€her war.
Aber schlussendlich spielte es ja auch keine Rolle.
Sie sprang so schnell auf die FĂŒsse, dass ihr schwindelig wurde und sie innehielt.
Der Wutstein. Sie griff nach dem pinken Gegenstand, und stolperte dann zu ihrem GefÀngnis hinaus.
Die Gefangenen um sie herum schrien ohrenbetÀubend und streckten ihre dreckigen HÀnde nach ihr aus.

Arafis ging im Laufschritt in die Richtung, aus der sie den Ausgang vermutete. Doch noch bevor sie das orangerote Flackern an den WĂ€nden bemerkte, kratzte der unverwechselbare Geruch des Rauches in ihrer empfindlichen Nase. Wie angewurzelt blieb die Albin stehen. Nein, das durfte nicht sein.
Nicht ausgerechnet die Flammen durften ihr den Weg versperren!

Sie zögerte, doch dann hörte sie hinter sich bereits das aufgeregte Trippeln von einer Schar GoblinfĂŒsse.
Oooh
 sie rannte los, ohne auf die WĂ€rme zu achten, die zunahm, sobald sie die TĂŒr im Blick hatte.

Draussen herrschte das reinste Chaos!
Die WĂ€chter waren alle verschwunden, niemand achtete auf die Gefangene, welche rasch durch die Pforte schlĂŒpfte und sich im Schatten schweratmend an die Mauer presste. Arafis versuchte sich einen Überblick ĂŒber das Gesehene zu verschaffen. Das Feuer kam von einem korbartigen Etwas, das mehr einem TrĂŒmmerhaufen glich und die Gasse Richtung Osten versperrte. Als Arafis in den Himmel blickte und dort noch immer angekokelte Fetzchen der BallonhĂŒlle herunterschwebten, hĂ€tte sie beinahe gewĂŒrgt. In so ein Ding hatte man sie hineingezwungen!

Sie hörte verzweifelte Schmerzensschreie und presste entsetzt den Wutstein an sich, der die Stacheln daraufhin beruhigend in ihre HandflĂ€che bohrte. Bereits eilten Goblins herbei, um die Flammen an den Resten des Ballons zu löschen und Übergriffe auf umliegende GebĂ€ude möglichst gering zu halten. Ausnahmsweise einmal wirkten sie gĂ€nzlich unorganisiert.
Wie sollte sie bloss von hier wegkommen?
Dies war eindeutig die Beste Gelegenheit und womöglich auch ihre Letzte. Sie wollte sich gerade abwenden, als sie grÀsslich bekannte Schreie unter den anderen wahrnahm.

Arafis wirbelte herum, und erkannte auf der gegenĂŒberliegenden Seite der Gasse eine Gestalt, welche unbeachtet von den eifrigen Goblins heulte und schrie und sich ĂŒber den Boden wĂ€lzte – Urako stand in Flammen!
Verschwinde von hier, raunte ihr die Stimme der Vernunft zu.
„Ach, zum Guguck!“, sie rannte los ohne zu wissen, was sie tun sollte. Im Vorbeirennen entriss sie einem Goblin den Eimer Wasser, wobei der kleine Wicht zu Boden purzelte.
Urakos Kleidung brannte, auch seine Haare hatten Feuer gefangen.
Die Angst vor der zĂŒngelnden Gefahr liess sie schliesslich kurz vor ihm zum Stehen kommen, dann schĂŒttete sie geistesgegenwĂ€rtig das kĂŒhle Nass ĂŒber seinem Kopf aus. TatsĂ€chlich konnten damit die die Haare und ein Teil seiner Kleidung gelöscht werden, doch der Pinkpuschel brannten noch immer lichterloh und auch Fetzen seiner Hose.

Da die Goblins einen Bogen um das kuriose Paar machte, zog sie kurzerhand das schmutzige RĂŒschenkleid aus, in dem Versuch, damit Urakos Beinpartie zu löschen. Ein heftiger Hieb riss sie zurĂŒck, als der Tiefling unkontrolliert herumschlug, dabei landete sie auf dessen Schweif, womit sie zwar die zischende Flamme erstickte, aber Urako auch einen empörten Laut entlockte. Der Wutstein kullerte unbeeindruckt neben den beiden auf den Boden.
Da sie keine andere Möglichkeit sah, warf sie sich bedenkenlos auf Urako, und versuchte das Feuer an Oberschenkeln und Hintern mit ihrem Gewicht und dem ehemals hĂŒbschen Kleidchen zu ersticken.
Selbst als sie von dem Geruch nach verbranntem Fleisch und Haaren wĂŒrgen musste, hielt sie seinem Gezappel stand und ĂŒbergab sich schliesslich kurzerhand auf Urakos linken FlĂŒgel.
Avatar Foto: Arafis

Benutzeravatar
Ilvara
Zweitcharakter
BeitrÀge: 4
Registriert: So 13. Dez 2015, 10:33
Guthaben: Gesperrt
Volk: Venthros (Harpyie)
Steckbrief: Bild

Re: Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

#12

Beitrag von Ilvara » Do 27. Okt 2016, 16:14

Die Harpyie starrte dem Wolf erschrocken hinterher, der immer kleiner wurde und schliesslich zwischen den nahen BĂ€umen untertauchte.
Dieses Vieh wollte sie angreifen! Es wollte sie vermutlich als Mittagessen verspeisen! Wo war bloss ihr Greif, wenn man ihn denn brauchte?
Noch ganz aus dem HÀuschen starrte sie auf die Stelle, wo das Tier verschwunden war, als sie plötzlich einen grausamen Gestank wahrnahm. WuÀÀh...
Entsetzt schnupperte Ilvara an ihren Armen, doch der Geruch kam eindeutig nicht von ihr.
Lag hier etwa eine Leiche, und sie hatte sie noch nicht gesehen?!
BestĂŒrzt blickte sie von ihrem Felsen herunter, doch auch rund um den Stein war nichts zu erkennen, was diesen fauligen Duft verursacht hatte.

Egal, was es war, sie wollte weg hier, sonst wĂŒrde ihr Gefieder noch den Geruch annehmen und das wollte sie keinesfalls verantworten. Der Greif wĂŒrde sie auch an einem anderen Ort finden.
Sie sprang auf ihre Beine und wollte gerade die FlĂŒgel spannen, als sie nicht weit entfernt einen Mann erkannte, der sie zu beobachten schien.
Dachte er vielleicht, dass sie diesen Gestank verursachte?
Obwohl es ihr egal hÀtte sein können, war sie zu eitel, um ihn in diesem Irrglauben zu belassen.
So sprang sie elegant von dem Felsen und bewegte sich mit schwingenden HĂŒften auf den Menschen zu, der er bei nĂ€herer Betrachtung offensichtlich nicht war.

Seine olivgrĂŒne Haut gefiel ihr und auch die krĂ€ftige Statur machte einen guten Eindruck. Bei ihm angekommen, musste sie ihren Kopf in den Nacken legen - der Tiefling musste mehr als zwei Meter gross sein!
„Guten Tag! Ich wĂŒrde Euch nicht raten, da lang zu gehen. Der furchtbare Geruch stammt nĂ€mlich nicht von mir, sondern muss bei dem Felsen seine Ursache haben. Ich glaube, dort verwest eine Leiche, die jemand oder etwas verbuddelt hat!“, angeekelt zog sie ihre Nase kraus und auf ihrer Stirn bildete sich eine leichte Falte.
„Ausserdem lauern auch noch andere Gefahren. Gerade wollte mich eine wilde Bestie angreifen!“, mit den Armen versuchte sie die Grösse des Wolfes aufzuzeigen.

„Ihr solltet nicht alleine reisen. Ich tu das auch nicht, aber mein Freund
 ist noch unterwegs und ich wollte hier auf ihn warten.“
Sie musterte den Tiefling aufmerksam und realisierte interessiert die fledermausartigen FlĂŒgel, die ein betrĂ€chtliches Ausmass haben mussten, wenn sie aufgespannt waren.
Sofort brachte sie ihre eigenen weissbefiederten Schwingen unauffÀllig in Szene, indem sie sie leicht vom Körper abspreizte, so dass das Licht der Sonne sich darin verfing.

Benutzeravatar
Urako
Zweitcharakter
BeitrÀge: 214
Registriert: Mo 16. MĂ€r 2015, 16:58
Auszeichnungen: 2
Guthaben: Gesperrt
Volk: Tiefling

Die Freien Völker Rote Laterne

Re: Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

#13

Beitrag von Urako » So 13. Nov 2016, 06:50

Urako brĂŒllte wie am Spieß. Die enorme Hitze versegte ihn, ohne dass sein WĂ€lzen und Schreien etwas nĂŒtzte, dann spĂŒrte er plötzlich einen Schwall eisiges Wasser, von dem er sofort mehr auf seinem von Agonie gebeutelten Körper wollte. "Wasseeeer!", brĂŒllte er steinerweichend und streckte eine brennende Hand aus. Doch Töli schlug ihn stattdessen, er konnte deutlich spĂŒren, dass sie ihn schlug und er konnte sich nicht wehren, sie setzte sich auf ihn, um ihn daran zu hindern, dass er sich weiter wĂ€lzen und die Flammen so ersticken konnte und dann erbrach sie sich mutwillig auf ihn, um ihn ihre Überlegenheit spĂŒren zu lassen und ihn noch weiter zu demĂŒtigen. Urako jaulte und winselte, er klang wie ein waidwundes Tier, er war nicht in der Lage, sich zielgerichtet gegen die Misshandlung der Albin zu wehren, er bĂ€umte sich unkontrolliert auf und schrie.

Endlich ließ das GefĂŒhl der Hitze nach, sei es durch ein Wunder oder weil das schnell Flammen fangende Brennmaterial des Feuers aufgebraucht war, und Urako lag auf dem RĂŒcken und heulte jĂ€mmerlich. TrĂ€nen, die ihm nunmehr kalt erschienen, rannen aus seinen Augen und liefen seine SchlĂ€fen hinab. In diesem Augenblick wĂŒnschte er sich, dass Firxas aus einer Gasse geeilt kam, weil er seine Schreie gehört hĂ€tte, ihn in seine weichen Arme nahm. Doch da war kein Firxas. Auch kein Selan, der ihn mit vĂ€terlicher Zuneigung tröstete und seine Wunden versorgte, so sorgfĂ€ltig, als sei er dessen Sohn. Selan? Wo war nur Selan? Wo waren sie alle? Er sah nur Goblins, die aufgeregt umhereilten, redeten und ihre verkohlten Toten aus den Überresten des inzwischen gelöschten Ballons zogen. Und Töli, die nunmehr halb nackt auf ihm saß, so dass er ihre kleinen, haarigen BrĂŒste ĂŒber sich sah. Arafis, korrigierte er sich gedanklich, denn auch seine Töli war nicht mehr. "Warum?!", heulte er. "Warum nur?" Am ganzen Leib zitternd drehte er sich um, so dass sie von ihm hinunterrutschte.

Auf Knien hockte er da, keuchend, schlotternd und betrachtete seine HĂ€nde. Sie waren rot und schwarz gefleckt, teilweise hatten sie aber auch noch seine normale bleiche Hautfarbe, wennauch stark gerötet. Alle Armhaare waren fort. Es war Urako nicht möglich, auf den ersten Blick festzustellen, ob die dunklen Partien seine verkohlte Haut an diesen Stellen oder Rußreste von seiner verbrannten Kleidung waren, die er breitgeschmiert hatte. Ein Teil seiner Klauen war angeschmort und geschmolzen. Von seiner Kleidung war kaum noch etwas ĂŒbrig, die trockenen Fasern hatten gebrannt wie Zunder. In schwarzen Fetzen hingen die Reste von Oberteil und Hose von seiner HĂŒfte wie ein verschmorter Lendenschurz. Lediglich die Fußlappen waren weitestgehend intakt geblieben. Zittrig betastete Urako sein Gesicht. Es war ihm nicht möglich zu beurteilen, ob der brennende Schmerz bei der BerĂŒhrung von seinen Fingerkuppen herrĂŒhrte oder von der Gesichtshaut. Jedoch konnte er ertasten, dass von seinen Kopfhaaren nichts mehr ĂŒbrig war als ein paar bröckelige Klumpen, die mit seiner Haut verschmolzen waren. Die Hörner waren angeschmort wie die Klauen und stanken zum Himmel, schienen aber im Großen und Ganzen in Ordnung zu sein. Recht gut hingegen erhalten war die Quaste seines Schweifes, wobei auch die etwas abbekommen hatte. Immerhin konnte Urako noch sehen, abgesehen von lauter tanzenden weißen Flecken vor seinen Augen. Er schlug die FlĂŒgel nach vorn, um sie zu ĂŒberprĂŒfen. Ihm bot sich ein Schlachtfeld der Flammen dar. Sie zeigten schwere Verbrennungen, waren rot und mit etlichen Blasen ĂŒbersĂ€t und eine schwarze Kruste ĂŒberzog sie an vielen Stellen. Er hatte sie, als die Stichflamme auf ihn zugerast war, zusammen mit seinen Armen reflexartig nach vorn gerissen, um sich zu schĂŒtzen. Sie hatten die grĂ¶ĂŸte Wucht abbekommen. Das war gut und schlecht zugleich. Er konnte nur hoffen, dass die Flugmembranen heilen wĂŒrden, ohne dauerhafte Löcher zu hinterlassen, doch er war dahingehend wenig zuversichtlich. Es sah wirklich ĂŒbel aus. Vielleicht war er nun selbst der KrĂŒppel, als den er Firxas beschimpft hatte.

Niemand half ihm. MĂŒhsam kam Urako auf die Beine. Mit abgehackten Schritten taumelte er zu einem Springbrunnen, den er zuvor gesehen hatte und der ihm nun unendlich weit weg vorkam. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, ehe er ihn erreichte. Unter grĂ¶ĂŸten Qualen stieg er ĂŒber den Rand und legte sich in das eisige Nass und ließ die FontĂ€ne ĂŒber sich regnen. "Ein Arzt", winselte er und streckte seine verbrannte Hand in Richtung der Vorbeigehenden aus. "Einen Arzt oder einen Heiler!" Doch die Goblins glotzten nur blöde.
Bild

"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker können?"
Charles Henry Samson, Scharfrichter

Benutzeravatar
Arafis
LegendÀrer Held
BeitrÀge: 535
Registriert: Sa 21. MĂ€r 2015, 13:13
Auszeichnungen: 4
Guthaben: Gesperrt
Volk: Gestaltwandler
Steckbrief: Bild

Chronist in Bronze Die fleißige Feder in Bronze Herausragender RPG Beitrag SchlĂŒsselloch

Re: Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

#14

Beitrag von Arafis » Do 24. Nov 2016, 23:07

Arafis war Urako gefolgt, stand hilflos mit hĂ€ngenden Armen neben dem Brunnen, und beobachtete mit Mitleid in den Augen das Geschehen. Gleichzeitig zermarterte sie sich den Kopf darĂŒber, was sie tun konnte.
Dies lenkte sie immerhin von dem Anblick ab, den der Tiefling bot. In ihrem Leben hatte die Albin noch nie jemanden brennen gesehen, doch das Bild der Zerstörung wĂŒrde sie nicht mehr aus ihrem GedĂ€chtnis löschen können. Noch schlimmer war jedoch der Geruch, der ihren WĂŒrgereiz aufs Neue herausforderte. Die Mischung aus verbranntem Horn, Haaren und Haut verursachten ihr Übelkeit. ZusĂ€tzlich lag noch immer der Qualm des Feuers in der Luft und das Geschrei der Goblins.

Urakos Rufe ĂŒbertönten die anderen GerĂ€usche, doch die Goblins glotzen nur doof, um dann weiter ihren Lösch- und AufrĂ€umtĂ€tigkeiten nachzurennen.
Was sollte sie tun?
Die umherschwirrenden GrĂŒnlinge blickten sie bereits argwöhnisch an, und auch den Tiefling musterten sie mit Ekel. Sie schienen sich nicht um sein Leid zu kĂŒmmern.
Arafis verfluchte die Stadt. WÀren sie irgendwo im Wald gewesen, hÀtte sie wenigstens gewusst, welche HeilkrÀuter die Schmerzen lindern konnten. Doch zwischen all den steinernen GebÀuden gab es keine Pflanzen.

Sie wollte sich gerade damit abfinden, dass sie dem Tiefling nicht helfen konnte und besser um ihr eigenes Wohl besorgt sein sollte, als ein Goblin im schwarzen Kittel und zerzauster Frisur zielstrebig auf sie zugespurtet kam.
Neben ihr kam er zum Stehen, starrte einen Moment die halbnackte, behaarte Frau an, dann wanderte sein Blick zu Urako und fĂŒr kurze Zeit zuckten seine Mundwinkel zu einem gierigen LĂ€cheln hoch, das jedoch niemand bemerkte.
„Ich sehe, ihr braucht meine Hilfe. Darf ich vorstellen, Bozzy vom Garsnik Clan, Heilkundiger und nebenberuflicher Wissenschaftler, stets zu Euren Diensten“, der relativ junge Goblin verneigte sich akkurat vor der Albin, „und nun sollten wir uns beeilen. Na los, fasst Euren Kumpanen, mein Haus befindet sich ganz in der NĂ€he, dort bewahre ich auch meine Heilmittel auf!“
Er schien davon ĂŒberzeugt zu sein, dass die Frau seinen Worten Folge leisten wĂŒrde, was Arafis auch tat, im Scheine ihrer Hilflosigkeit.

Es war nicht einfach, Urako aus dem Brunnen zu bekommen, denn er wehrte sich mit unglaublicher Kraft dagegen, das kĂŒhle Nass zu verlassen. Als der Goblin bemerkte, dass sie es nicht schaffen wĂŒrde, den tobenden Tiefling zu bewegen, kam er rasch zurĂŒckgewuselt und drĂŒckte ihr Spritze in die Hand.
„Haut ihm das in den Allerwertesten und er wird zahm wie ein Finnellum. Sorgt Euch nicht, ich kenne mich mit schwierigen Patienten aus.“
Dies behagte Arafis wenig, doch die scheinbare Ausweglosigkeit der Situation liess sie jede Hilfe annehmen. Dabei bemerkte sie die verÀchtlichen und misstrauischen Blicke der umstehenden Goblins nicht, welche jedoch nicht ihnen galten, sondern ihrem Retter in der Not.
Die Albin schloss die Augen, als sie Urako schliesslich mit einer Spur HĂ€me die Spritze in den Hintern jagte.

Kurze Zeit darauf kam das kuriose Trio in der Behausung von Bozzy an. Der Tiefling hing mehr an Arafis, als dass er sich selbst bewegte und lallte unzusammenhĂ€ngende Worte vor sich hin. Die Albin war dankbar, als sie das Goblinhaus betraten und sie ihre Last loswurde. Sie bemerkte nicht, wie Bozzy sogleich die HaustĂŒre mit einer Kombination aus Schlössern verhĂ€ngte, bevor er sich zu ihnen gesellte.
Da die Albin noch nie in einer Goblinhöhle war, blickte sie sich nun staunend um. Die Einrichtung war in dunklen Tönen gehalten und nur durch kleine Fenster drang Licht in den Raum. An den WĂ€nden hingen Masken und andere Artefakte und in den Regalen standen GlasbehĂ€lter herum, in denen seltsame Körper in einer gelblichen FlĂŒssigkeit schwammen.
Ob er diese wohl zum Kochen verwendete?

Als Bozzy ihr Interesse bemerkte, wandte er sich ihr zu und beendete vorĂŒbergehend seine Inspektion von Urakos FlĂŒgeln, die ihm unter der BetĂ€ubung wie zwei Waschlappen vom RĂŒcken hingen.
„Ihr habt bestimmt Durst. Schafft den Tiefling doch schon einmal nach unten, wĂ€hrend ich Euch einen Tee zubereite. Ich komme gleich nach.“
Arafis nickte. Es war nicht unĂŒblich, dass Heiler ihre Wohnung von ihrem TĂ€tigkeitsbereich trennten. So griff sie behutsam nach ihrem Begleiter und zog ihn zu der TĂŒr, welche ĂŒber eine Treppe in den Keller hinunterfĂŒhrte.
Sie gelangten in einen Raum, in dessen Mitte eine seltsame Liege stand. An den Seiten hingen Ketten mit Ringen herunter, offensichtlich hatte er wirklich öfters mit schwierigen Patienten zu tun.
Arafis Achtung vor dem angeblichen Heiler stieg und sie beorderte Urako auf den Schragen, wo er vor sich hinbrabbelnd sitzen blieb.
WĂ€hrend des Wartens begutachtete die Albin den Raum. Überall standen seltsame GerĂ€tschaften herum, die sie nicht zuordnen konnte. Teleskope, Lupen, VerdampfungsgerĂ€te, Zangen und sogar eine SĂ€ge konnte sie ausmachen. Auf einem Tisch stapelten sich BĂŒcher, Pergamente und auch hier waren die seltsamen BehĂ€lter aufgestellt, die sie bereits im Wohnbereich beobachtet hatte.
Zwei weitere TĂŒren fĂŒhrten aus dem Raum hinaus, hinter einer davon waren seltsam scharrende Laute zu vernehmen. Arafis wollte bereits darauf zugehen, als auch schon Bozzy den Raum betrat mit einer grossen Tasse Tee.

„Das wird Euch gut tun“, raunte er ihr zu und seine dunklen Augen leuchteten auf, als sie einen Schluck kostete.
Es war ein seltsamer Geschmack, der sich in ihrem Mund ausbreitete. Sie meinte Minze darin zu erkennen, aber auch ein beruhigendes Mittel, das sie noch aus frĂŒheren Zeiten kannte. Und dann noch eine unbekannte Note. Sie war jedoch durstig und leerte das GebrĂ€u in einem Zuge.
„Könnt Ihr ihm helfen? Wisst Ihr, obwohl wir nicht die besten Freunde sind, hat er das nicht verdient“, sprach sie zu dem Goblin. Gleichzeitig bemerkte sie, wie ihre Zunge schwer wurde.
Er hat es wohl etwas zu gut gemeint mit dem Beruhigungsmittel, schoss es ihr durch den Kopf.
Im nĂ€chsten Moment spĂŒrte sie, wie die Kraft aus ihrem Körper schwand und ihr Kinn auf ihre Brust sackte.
„Krokus, her mit Dir du unbrauchbarer Stinkstiefel, mach dich nĂŒtzlich, sonst schick ich dich wieder in dein Loch zurĂŒck, aus dem du hergekommen bist! Schaff die Wandlerin in ne Zelle, bevor sie wieder bei Sinnen ist, den Dicken werde ich erst noch schnell versorgen! Und pass auf, dass du sie nicht beschĂ€digst“, ein gieriges Lachen war zu hören. Arafis versuchte sich zu bewegen, doch als eine dunkle Gestalt mit peitschendem Schweif auf sie zukam, verlor sie die Besinnung.
Avatar Foto: Arafis

Benutzeravatar
Pavo
Zweitcharakter
BeitrÀge: 51
Registriert: So 25. Dez 2016, 09:38
Guthaben: Gesperrt
Volk: Goblin
Steckbrief: Bild

Re: Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

#15

Beitrag von Pavo » Mo 26. Dez 2016, 02:03

Pavo ließ sich im Außenbereich einer Taverne gerade eine ĂŒppige Mahlzeit schmecken, als er stutzte. Er hatte ein komisches GefĂŒhl und er vertraute stets auf seinen Instinkt. Irgendetwas geschah, die Luft verdunkelte sich fĂŒr einige Sekunden. Dann gab es einen ohrenbetĂ€ubenden Knall. Schlagartig begriff Pavo, eines der Luftschiffe war in die Luft geflogen. Oder besser gesagt, es war explodiert.

„WEG HIER!“, brĂŒllte ein Goblin in der NĂ€he um die anderen umstehenden zu warnen.

Pavo suchte Schutz im Eingang der Taverne und schaute mit der kalten, analytischen GleichgĂŒltigkeit eines Forschers dem Schauspiel am Himmel zu.

Der Himmel mit dem brennenden Luftschiff war zuerst noch ein sanftes, dĂŒsteres-rotes GlĂŒhen, dass man durchaus als schön bezeichnen konnte. Das Leuchten vertrieb die seltsame SchwĂ€rze. Asche. Es handelte sich dabei um Asche die von dem Schiff herabregnete.

Ein Horde von Goblins in der NĂ€he fuhr herum und stĂŒrzte davon. Zeitgleich kamen andere Goblins angerannt um dem brennenden Schiff Herr zu werden und das Flammenmeer zu löschen, dass das Schiff unter sich verursachte. Mit jeder vergehenden Sekunde nahm das GlĂŒhen und die Gewalt der Flammen zu, steigerte sich zu einem Orangerot, dann zu Gelb


Die Zeit schien stehenzubleiben.

Ein Tiefling stand genau unter dem brennenden Schiffwrack dass sich noch einen Moment am Himmel hielt. SchĂŒtzend riss er die Arme nach oben, als könnten diese die Flammen abhalten. Aber die Explosion, das Licht und die Druckwelle waren schneller als der Bursche.

Er wurde zu Boden geschleudert. Die Hitze folgt unmittelbar. Eine brĂŒllende Feuerwolke walzte sich auf den Tiefling nieder. Walzte sich durch die Gassen, dabei einen lodernden heißen Schlund durch die Stadt brennend wie Drachenatem.

Holz, Bauwerk und alles Leben was es unmittelbar berĂŒhrte, versengte es und verbrannte seine Opfer. Die Retter hatten alle HĂ€nde voll zu tun.

Und mitten in diesem Inferno lag der Tiefling am Boden. Die glĂŒhende Hand des Feuers nagelte ihn auf dem Pflaster der Straße fest. Der Mann schrie vor Schmerzen grauenvoll auf. Die Luft um ihn herum kochte. Sichtbares Feuer fraß sich gierig in seine Haut und unsichtbares Feuer verbrannte seine Lungen, als er weiter zu atmen versuchten.

Die Hitze war unbeschreiblich. Selbst aus der Entfernung spĂŒrte Pavo wie die BrĂ€nde wĂŒteten.

Durch einen Schleier aus TrĂ€nen die seine Wangen hinab rannen sah der Tiefling, wie die Flammenwolke tiefer auf ihn hinabstieß. Sein Fleisch brannte. Flammen brĂŒllten unmittelbar auf dem Tiefling, zĂŒngelten um ihn herum am Bodenbewuchs, leckten knisternd an seinem Körper.

Der Tiefling schrie jÀmmerlich vor Schmerz und Angst, aber das Tosen des Feuers schluckte fast jeden seiner Laute.

Der alte Goblin sah eine Albin die versuchte den Tiefling zu löschen. Aber der Mann war nicht mehr Herr seiner Sinne. Er schlug weiter um sich, versuchte die Flammen auszuschlagen indem er sich wie besessen auf dem Boden hin- und her wĂ€lzte. Zeitgleich ĂŒberschĂŒttete ihn die Frau mit einem Eimer Wasser und versuchte die Flammen mit ihrer Kleidung zu ersticken und mit bloßen HĂ€nden und sogar ihrem Körper auszuschlagen.

Der ehemalige goblinische Priester schaute gebannt dem Spektakel zu und musste insgeheim den Mut der Albin loben. Auch wenn sie sich selbst dadurch in Gefahr brachte, was Pavo ĂŒberhaupt nicht nachvollziehen konnte. Aus dem Grund wartete er ab und schaute weiter zu, was zwischen den beiden geschah.

Der verbrannte Tiefling wankte zum Brunnen. Pavo verließ seinen Ausguck und konnte kurz ein paar Worte mit dem Mann wechseln. Er war verbrannt. Seine Haut war an einigen Stellen schwarz, das Fleisch lag offen und an manchen Stellen hatte seine Haut Blasen geschlagen. Der Tiefling brauchte medizinische Hilfe, die ihm Pavo gerne fĂŒr eine GefĂ€lligkeit geben wollte.

Der Tiefling war wĂŒtend. Er sprach voller Hass ĂŒber eine Person die ihn verraten hatte, wĂ€hrend Pavo versuchte dem Mann zu helfen. Ein Henker war der Tiefling. Ein krĂ€ftiger dazu. Der Mann hatte zwar keinen Taler in der Tasche, so dass er den alten Goblin nicht fĂŒr seine Heilkunst bezahlen konnte, aber Pavo war clever genug um zu erkennen, dass das GeschĂ€ft hier nicht in Form von Talern zu machen war.

Er selbst war alt, nicht gerade der fitteste und er hatte stets Bedarf an neuen Versuchsobjekten. Der Henker als zeitlich begrenzter, kostenloser Assistent, kam ihm da gerade wie gerufen.

Urako so hieß der Tiefling, war mit dem Handel einverstanden. Etwas misstrauisch war der Mann. Nun nach dem Erlebten wollte Pavo es ihm nicht verdenken. Der Tiefling bestand darauf einen Nekromanten Namens Selan aufzusuchen. Nun fĂŒr den Goblin-Heiler war dies kein Problem. Im Gegenteil, einen Nekromanten aufzusuchen, konnte sicher ein hochinteressanter Ausflug werden - wenn damit nicht zu viel Fußmarsch verbunden war.

Doch gerade in dem Moment wo sie aufbrechen wollten, wurde der Tiefling erneut von einer Schmerzattacke ĂŒbermannt und stĂŒrzte zurĂŒck in den Brunnen.

Die Albin war umgehend an der Seite von Urako. Sie hatte von dem kurzen GesprÀch zwischen dem alten Goblin und dem Tiefling nichts mitbekommen. Wie auch? Der Frau war die Sorge ins Gesicht geschrieben.

Pavo hielt sich erneut im Hintergrund, so wie es alle aus seiner Bande taten, und beobachtete die Szene. Bozzy, ein junger Goblin tauchte auf und bot seine Hilfe an. Bozzy eine genauso zwielichtige Gestalt wie er selbst, lachte Pavo innerlich. Er reichte der Albin eine Spritze. Nachdem die Frau dem Tiefling die Spritze in den Hintern gejagt hatte, folgte ihnen dieser lammfromm wie ein Schoßhund.

Pavos stahlblaues Auge folgte der Dreiergruppe wie sie gemeinsam in Richtung Bozzys Heim abzogen. Er gewĂ€hrte ihnen noch einige Minuten, dann nahm er die Verfolgung auf. Das Bozzy neues Material fĂŒr seine Forschungen benötigte verstand Pavo aus vollem Herzen. Allerdings raubte der kleine Kerl ihm da gerade seinen Assistenten, den er selbst fĂŒr die gleiche Aufgabe dringend benötigte! Das konnte Pavo nicht hinnehmen.

Kaum hatten sie das Haus betreten, wartete Pavo die Anstandsminuten vor der TĂŒr ab, bis Bozzys Narkotikum wirken wĂŒrde. Er war ja kein Ungoblin.

Danach hĂ€mmerte der ehemalige Priester allerdings vor die TĂŒr des Kollegen.

"Bozzy mach auf, ich bin es Pavo. Du hast versehentlich etwas mitgenommen, dass mir gehört, junger Mann!", rief der alte Goblin.

Es dauerte erneut einige Minuten, dann wurde die TĂŒr einen Spalt breit geöffnet und Bozzy schaute mit der Nasenspitze heraus.

"Pavo", grĂŒĂŸte er respektvoll und machte den Weg frei.
Die beiden Goblins passierten die TĂŒr, die Bozzy nach ihrem Eintreten wieder vielfach verriegelte und verschloss.

„Willkommen in meinem Heim“, sagte er fast fröhlich.
"Danke. Wo ist der Tiefling?", fragte der alte Heiler ohne Umschweife.

Pavo schaute sich neugierig im Heim des Kollegen um, wÀhrend sich Bozzy sichtlich zu entspannen schien. Der alte Goblin warf Bozzy einen Blick zu und schaute sich dann weiter um. Bozzys Heim war genau wie sein Reich in Shohiro ein chaotisches Museum und Labor in einem. Bozzy schien alles zu sammeln, was ihm irgendwie interessant erschien, und was er noch nicht erforscht oder klassifiziert hatte.

"Sehr schöne Exponate mein junger Freund", lobte der alte Goblin, wÀhrend er dem jungen Kerl in den Keller folgte.

Auch der Keller war sehr gut eingerichtet, wie Pavo erfreut feststellte. Bozzy wusste, dass man mit Pavo nicht spaßen durfte. Zwar war der alte Goblin kein Gegner in einem Kampf Mann gegen Mann, aber dafĂŒr waren seine "Clangeschwister" mit denen er sich umgab umso gefĂ€hrlicher. Von Pavos eigener Leidenschaft fĂŒr Gifte und HinterhĂ€ltigkeit ganz zu schweigen.

Da saß er nun, sein Assistent, mitten auf einer Liege mit Fixatoren.

"Der Tiefling gehört mir Bozzy. Da gibt es keine Diskussion", erklÀrte Pavo mit einer Stimme die keinen Widerspruch duldete.
"Ein Versehen Pavo. Du verstehst dass doch", sagte der junge Goblin.
"NatĂŒrlich, wenn Du mir mein Eigentum aushĂ€ndigst, vergessen wir die Sache - Kollege", stimmte Pavo freundlich zu.

"Einverstanden. Nimm ihn mit. Er ist handzahm. Noch wirkt die GefĂŒgigkeitsdroge. Was ist mit der Gestaltwandlerin Pavo? Von ihr hast Du nicht gesprochen. Ich schließe daraus sie ist freies Beutegut oder? Ein bisschen GeschĂ€ft musst Du mir auch lassen, von Kollege zu Kollege", warf Bozzy höflich ein.
"Es geht mir nur um den Tiefling, er ist kein Forschungsgegenstand, er ist mein Assistent. Die Frau schert mich nicht", antwortete Pavo leichthin.

Der alte Goblin nÀherte sich der Gestaltwandlerin. Die Albin war in sich zusammengesunken. Der Kopf von ihr war herab gesackt und ihr Kinn ruhte auf ihrer Brust. Pavo trat ganz nah an die Frau heran, griff ihr in die Haare und zerrte ihren Kopf kurz in den Nacken. Er begutachtete sie ohne jede Emotion.

"Schönes Exemplar. Wird Dir entweder eine gutes Summe bringen, oder Dir viel Freude in der Forschung bereiten. Wandler sind hochinteressante Forschungsobjekte. Falls Du sie sezierst, könntest Du mir einen Anatomiebericht ĂŒber ihre besondere Physionomie schicken. Das wĂŒrde mich sehr freuen Bozzy. Ich lese gerne Arbeiten von Nachwuchstalenten. Nur sieh zu, dass Du sie sicher verschließt. Mit Wandlern ist nicht zu spaßen junger Freund", mahnte der alte Goblin und ließ die Albin wieder los.

"Gerne. Und wie gesagt, dass mit dem Tiefling war ein MissverstĂ€ndnis - nichts fĂŒr ungut", grinste der junge Forscher. Der alte Heiler nickte gutmĂŒtig und versöhnlich.
"Von nichts anderem bin ich ausgegangen", lĂ€chelte Pavo liebenswĂŒrdig.

"Urako folge mir", befahl Pavo mit befehlsgewohnter Stimme und ging langsam vor. Der ehemalige Priester ging wieder nach oben, öffnete die TĂŒr und verließ Bozzys Haus. Der Tiefling folgte seinem neuen Arbeitgeber auf dem Fuße.
Bild

Benutzeravatar
Arafis
LegendÀrer Held
BeitrÀge: 535
Registriert: Sa 21. MĂ€r 2015, 13:13
Auszeichnungen: 4
Guthaben: Gesperrt
Volk: Gestaltwandler
Steckbrief: Bild

Chronist in Bronze Die fleißige Feder in Bronze Herausragender RPG Beitrag SchlĂŒsselloch

Re: Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

#16

Beitrag von Arafis » So 1. Jan 2017, 18:59

Die Droge wirkte rasch. Die Beine gaben unter ihrem Körper nach und wie ein Kartoffelsack rutschte sie neben der Liege zu Boden. Urakos FĂŒsse und sein Schweif baumelten direkt neben ihr in der Luft und schienen ihr plötzlich zuzuwinken. Sie wollte sie grĂŒssen und zurĂŒckwinken, doch ihre Gliedmassen gehorchten ihr nicht mehr richtig.
Wie lange sass sie schon da?
Es konnten erst einige Minuten vergangen sein, doch der Albin kam es wie eine Stunde vor, als ein Goblin an sie herantrat.
War der schon vorher da gewesen?
Nein, es war nicht Bozzy. Dieser hier hatte Falten wie ein Runzelschwein. Ein unkontrolliertes Kichern kam ĂŒber ihre Lippen und endete in einem unverstĂ€ndlichen Geblubber.

Die beiden GrĂŒnschnĂ€bel schienen miteinander zu diskutieren, doch Arafis vermochte ihren Worten nicht zu folgen. Sie dehnten sich unendlich in die LĂ€nge, wie in Zeitlupe.
„DÀÀÀr TiiiieeefliiĂŒĂŒng gehöööört miiĂŒĂŒĂŒr
“
Wieder hickste Arafis belustigt auf und versuchte Urakos Zeh zu fassen, um ihn auf die lustige Redeweise der beiden aufmerksam zu machen.
Damit lenkte sie jedoch das Interesse des Runzelschweins auf sich.
Er trat an sie heran, hob ihren Kopf und musterte sie gelassen. Die Albin versuchte sich von ihm los zu winden, brachte jedoch nur ein leichtes Nicken zustande. Ihr Kinn sank zurĂŒck auf die haarige Brust, als er von ihr abliess und sie starrte unverwandt auf die schmutzigen Schuhe des Goblins.
Was fĂŒr grosse Latschen diese Winzlinge doch hatten, wunderte sie sich. Lustig, dass sie damit ĂŒberhaupt laufen konnten!

Erst als Pavo einen Befehl gab, hatte er plötzlich Arafis‘ ungehinderte Aufmerksamkeit.
â€žĂœĂŒĂŒraaakoooo, foolgÀÀÀ miiĂŒĂŒĂŒr!“, waren seine Worte.
Dieses Mal jedoch brachte die Sprechweise die Albin ganz und gar nicht zum Kichern.
Langsam sickerte der Sinn in ihren benebelten Verstand hinein und löste eine Panikattacke in ihr aus, als sich der Tiefling tatsÀchlich erhob, und hinter dem Runzelschweinchen hertorkelte.
Er konnte sie hier doch nicht einfach zurĂŒcklassen!
Sie hatte ihm doch helfen wollen, und eigentlich mochte sie den verschrobenen Kerl doch gar nicht so ungern.

„AartĂ€Ă€Ă€â€œ, brabbelte sie, und griff in einem verzweifelten Versuch nach dem Pinkpuschel, der gerade noch vor ihrer Nase gebaumelt hatte.
Urako liess sich jedoch nicht aufhalten. In dem Versuch sich aufzurappeln, verlor ihr Körper das Gleichgewicht und kippte unbeholfen zur Seite, wo sie hilflos liegen blieb.
Ihre Augen verfolgten, wie der Tiefling ĂŒber die Treppe verschwand und sie bei Bozzy und seinem Handlanger zurĂŒckliess.

Obwohl die Droge sie benebelte, war sie sich plötzlich gewiss, dass sie in eine Falle geraten waren. Und sie selbst war Schuld daran. HÀtte sie seine Hilfe doch nicht angenommen und wÀre sie doch bloss nicht erst im GefÀngnis gelandet.
Ein Schluchzen rang sich aus ihrer ausgetrockneten Kehle hervor.
„Sperr sie in die freie Zelle neben den Gargoyle. Dort kann sie ihren Rausch ausschlafen“, grinste Bozzy, der einen Augenblick lang bedauerlich dem Tiefling nachblickte, bevor er mĂŒrrisch Krokus anwies, die Albin einzukerkern.
Sie wurde grob gepackt und weggezerrt.
Das Tageslicht sollte sie fĂŒr lĂ€ngere Zeit nicht mehr zu Gesicht bekommen. Nur die Erinnerungen an die warmen Sonnenstrahlen, Selans gutmĂŒtiges LĂ€cheln und Urakos unbeholfene HĂ€nde in ihrem Fell hielten sie in der folgenden Zeit davon ab, ihre Hoffnung gĂ€nzlich aufzugeben.
Avatar Foto: Arafis

Benutzeravatar
Urako
Zweitcharakter
BeitrÀge: 214
Registriert: Mo 16. MĂ€r 2015, 16:58
Auszeichnungen: 2
Guthaben: Gesperrt
Volk: Tiefling

Die Freien Völker Rote Laterne

Re: Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

#17

Beitrag von Urako » Do 12. Jan 2017, 22:07

Es blitzte in seinem Kopf.

Urako verstand gar nichts mehr. Die Zeit schien gestĂŒckelt zu verlaufen, abgehackt, ein Fetzen reihte sich sinnlos an den nĂ€chsten. Er war in einem gleißenden Feuerball verbrannt, plötzlich lag er in einem Haus. Eine Insel und ein Wildschwein. Er verstand keinerlei ZusammenhĂ€nge zwischen diesen Existenzfetzen mehr. Was war dazwischen geschehen? Waren sie nur TrĂ€ume, Halluzinationen oder erlebte er das alles wirklich?

Er versuchte, sich zu bewegen. Seine Arme und Beine waren festgeschnallt. HĂ€? Fesseln? Blitze zischten durch seinen Kopf, ein Liebesspiel mit Firxas, der seine Handgelenke mit einer Liane knebelte und seine ReißzĂ€hne ĂŒber seinen Bauch zog, Urakos Schenkel zuckten, dann war da aber plötzlich ein Goblin, der sich ĂŒber ihn beugte und ihn nur blöde anglotzte. Wo kam der denn her? Blitz!

Ein Deckengewölbe, der anschwellende Feuerball! Wallende Hitze, die ihn umstieß. Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen! Blitz!

Ein Regal voller Ramsch. Klimpernde GlĂ€ser. Wein? Bier? Urakos Kopf rollte wild hin und her. Seine Pupillen waren abnorm geweitet. Irgendwelche Stimmen, die nur Unsinn faselten. Wieder machte sich jemand an seinen Handgelenken zu schaffen, aber nicht Firxas, sondern irgendwer anders. Zum Henker, wer war dieser grĂŒne Sack? War er in einem verkackten Freudenhaus und hatte sich mit diesem Kerl da eingelassen? Seit wann trieb er es mit Goblins? Und wo war Selan? Blitz!

Ein Richtbeil in seinem SchĂ€del, wieder und wieder! Urako brĂŒllte vor Schmerzen.

Plötzlich stand er auf seinen wackeligen Beinen. Sie waren verschmort. Wieso waren seine Beine verschmort?! Urako fing an zu zittern. Alles, alles an ihm war verbrannt, schrumplig und stank! Töli saß an der Wand, völlig zusammengesunken. Die VerrĂ€terin. Soeben grabschte sie unbeholfen nach seinem kahlen Schweifende. Sie sah besoffen aus. Das Grabschen nach diesem intimen Körperteil konnte man durchaus als anzĂŒgliche Geste deuten. Sie sah gut aus, mit all ihren Haaren. BLITZ!

Urako machte einen unkoordinierten Schritt in ihre Richtung. Er rang sich ein Grinsen ab, das wegen seiner Verbrennungen derart schief war, dass es aussah wie eine Geisterfraze und streckte nun seinerseits die Hand aus nach ihr. Er kippte nach vorne ĂŒber und fiel auf die Knie. Einen Moment lang sank er mit der Stirn an ihr SchlĂŒsselbein. Sie roch nach Wolf. "Du ungezogenes Biest", raunte er lallend, da er kaum die Lippen und die Zunge bewegen konnte. "Bist gar kein Hund." Blitz!

Töli mit ihm auf der Jagd! Töli an seiner Seite! Töli, durch deren Fell er strich! Urako krampfte zusammen und gab einen unartikulierten Laut von sich. Trug sie eigentlich noch sein GlĂŒcksĂ€xtchen um den Hals? Aus irgendeinem Grunde wollte er es wissen. Er musste es wissen! Seine steifen, verbrannten Finger tasteten an ihrem Hals herum. Blitz!

"Urako folge mir."

BLITZ!

Die Stimme zog ihn wie an FĂ€den zu sich. Urako ließ die Hand sinken, erhob sich willenlos, starrte noch einmal glasig auf die zusammengesunkene Frau zu seinen FĂŒĂŸen und drehte sich dann steifbeinig um. Blitzgewitter!

Feuerball! Brunnen! Firxas ... und Selan? Wo war Selan! Die Blitze fuhren wie Harpunen durch Urakos Kopf. Er wollte zu seinem Lehrmeister, wollte auf der Stelle von ihn verarztet werden! Doch der alte Mann da befahl und er musste gehorchen. Wieso eigentlich? Wurde er dafĂŒr bezahlt? Irgendetwas zwang ihn, ihm zu folgen. Magie ... Magie musste es sein. Blitz!

Ohne noch einmal zu seiner Töli zurĂŒckzuschauen, folgte Urako dem fremden alten Goblin.

Er erinnerte sich spĂ€ter nur an BruchstĂŒcken von alledem.
Bild

"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker können?"
Charles Henry Samson, Scharfrichter

Antworten