Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den AnfĂ€ngen liegt. Die ĂŒberlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der SchlĂŒssel zur Herrschaft ĂŒber Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. WĂ€hrend die Almanen auf AltbewĂ€hrtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die GeheimbĂŒnde der Schatten sehen in der Magie die mĂ€chtigste Waffe und fĂŒr die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Der Vampir und die Bestie

Famlie von Hohenfelde
Diese alte Adelsfamilie hat zahlreiche Geistmagier und Nekromanten hervorgebracht. Das Familienleben ist geprĂ€gt von Intrigen. Morde, auch innerhalb der eigenen Reihen, und arrangierte Ehen zur Erweiterung der Macht sind an der Tagesordnung. Als Familienmitglied benötigt man starke Nerven und gleichermaßen ein HĂ€ndchen fĂŒr BĂŒndnisse und Hinterhalte. Unter der FĂŒhrung des neuen Oberhauptes Linhard verließ die Familie Naridien und versucht nun in Souvagne ein neues Leben zu beginnen, fernab des dunklen Pfades.
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Der Vampir und die Bestie

#1

Beitrag von Archibald von Dornburg » Mo 4. Dez 2017, 21:08

<< Sie kommen von hier.

Der Vampir und die Bestie

Der Vampir nahm die dargebotene Hand an und ließ sich von Archibald stĂŒtzen. Seine Hand war trocken und fĂŒhlte sich nicht wie die Hand einer Leiche an. Dieses klamme, wĂ€chserne GefĂŒhl, dass Archs Finger sonst bei der BerĂŒhrung einer Leiche fĂŒhlten, fehlte.

Kasimir LaVaney war ein Vampir, ein Untoter, keine Leiche.
Er war ein Geschöpf der Nacht und mit Unsterblichkeit gesegnet.

Der Griff von Dornburg war fest, so dass Kasimir trotz seiner Verfassung nicht stĂŒrzen konnte. Der Vampir war Ă€ußerst zuvorkommend. Arch konnte sich zuerst keinen Reim darauf machen, wieso eine Person zu ihm grundlos freundlich sein sollte. Vor allem, da diese Person Brandur von Hohenfelde angehörte, und damit die SchauermĂ€rchen ĂŒber ihn kennen musste. Auf der anderen Seite, weshalb sollte Brandur mit seiner UnfĂ€higkeit hausieren gehen und den Prahlhans geben?

Möglicherweise hatte der Vampir eine andere Wahrnehmung.
Sie beide mussten das Licht meiden, es war ihr Feind, aus völlig unterschiedlichen GrĂŒnden.

Archibald mochte Kasimir, er bekam von dem Junker sozusagen Vorschußlorbeeren, allerdings nicht aufgrund seiner charmanten Art, sondern schlichtweg auf die Tatsache hin, dass er ein Vampir und somit in dessen Augen ein DĂ€mon war. Ein Diener der Ältesten, jene die Tod und Chaos unter den UnwĂŒrdigen verbreiteten. Und Vampire trugen einen Großteil dazu bei.

"Kasimir La Vaney also... mein Name ist Archibald von Dornburg, der letzte meiner Art. Die Ehre ist ganz meinerseits Kasimir", grinste Arch.

Von Dornburg ĂŒberlegte einen Moment und dachte ĂŒber die Worte von Kasimir nach.

"Sklave, oder besser gesagt Simon, ist ebenfalls so etwas wie mein Leibdiener. Aber nicht nur, wie sein Spitzname schon verrÀt. Er ist mein persönliches Eigentum. Du musst mich weder Ihrzen noch Siezen, ich biete Dir das Du an. Du kannst Dir Sklave gerne einmal ansehen. Mit Deiner EinschÀtzung hast Du Recht, er ist krank. Laut letzter Angabe eines Medicus leidet er an... jetzt habe ich das schon wieder vergessen. Irgendetwas mit der Leber war es, deshalb ist er gelb wie eine Quitte. Schau ihn Dir ruhig an, vielleicht kannst Du ihm ja helfen", erklÀrte Arch Kasimir freundlich.

Als Kasimir Archibald in die Speisekammer von Wolfram fĂŒhrte, schaute sich der Junker gut gelaunt um. Die Speisekammer war eine Höhle hinter dem Haus, die zu einer Speisekammer umfunktioniert worden war. Schritt man weit genug in die Höhle hinein, gab es kein störendes Tageslicht mehr.

"Genauso hatte ich mir das vorgestellt... Danke", freute sich Arch.

Sklave machte es sich auf der Decke gemĂŒtlich und drehte sich vorher mehrmals um die eigene Achse, bevor er richtig lag, so wie man es von Katzen oder auch Hunden kannte. Er schloss die Augen und presste seine dĂŒrren HĂ€nde dabei auf sein Gesicht.

Von Dornburg machte es sich auf der Sitzgelegenheit gemĂŒtlich, zog sich tief die Kaputze seines Mantels ĂŒbers Gesicht und verschrĂ€nkte die Arme vor der Brust. Aus dem Schatten der Kaputze musterte er Kasimir.

"Bezog sich Deine Frage auf rein weltliche BedĂŒrfnisse? Dann wĂ€re eine Flasche Wein nicht schlecht. Rotwein, stark, falls möglich und etwas Fleisch.

Was Du tatsĂ€chlich fĂŒr mich tun könntest? Eine Menge... Kasimir...
Du bist ein Gesegneter, ich bin so frei und falle mit der TĂŒr ins Haus...
Was wĂŒrde mich eine Segnung Deinerseits kosten?
Was wĂ€re der Preis dafĂŒr Deinen Segen zu empfangen?",
hakte Archibald nach.
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Re: Der Vampir und die Bestie

#2

Beitrag von Kasimir » Di 5. Dez 2017, 18:02

Kasimir griff sich vor lauter RĂŒhrung an die Brust, als der Herr von Dornburg ihm unvermittelt das Du anbot. Archibald musste ein sehr freundlicher Mann sein. So war Kasimir sich auch nicht zu Schade, ihm sofort ein MenĂŒ aus der Speisekammer des mindestens genau so freundlichen Herrn Wolfram zusammenzustellen. Der Vampir war sicher, dass dieser nichts dagegen hatte, wenn er seinen Gast fĂŒrstlich bewirtete. Kasimir bereitete ihm in Windeseile eine kalte Platte mit unterschiedlichsten FleischspezialitĂ€ten und dazu frisches Schwarzbrot. NatĂŒrlich öffnete er ihm auch eine Flasche schweren Rotweins, der laut Etikett ganz vorzĂŒglich zum MenĂŒ passen wĂŒrde.

"Bittesehr, Archibald, ich hoffe, es ist ganz nach deinem Geschmack."

FĂŒr Simon bereitete er einen Obstsalat mit sĂŒĂŸem, fettarmen Joghurt. Kasimir hockte sich zu ihm hin, als er ihm die SchĂŒssel fertig bereitet hatte und lĂ€chelte ihn an. Der Arme wurde sicher nicht oft freundlich angesehen. "Lass es dir schmecken, Simon." Er stellte ihm das Essen hin und sagte: "Bitte", um zu testen, ob Simon daraufhin danke sagen oder anderweitig reagieren wĂŒrde. Das Kerlchen sah sehr ausgehungert aus. Wer so krank war, musste essen, aber das richtige. Wenn die Leber betroffen war, durfte er kein oder nur sehr wenig Fett essen.

Kasimir erhob sich wieder und setzte sich schrĂ€g von Archibald gegenĂŒber.

"Ich lasse ihn ersteinmal in Ruhe essen, bevor ich ihn untersuche. Simon hatte sich vorhin recht erschrocken. Das Essen wird ihn vielleicht etwas beruhigen. Meinen Segen gibt es selbsverstĂ€ndlich fĂŒr dich kostenlos, Archibald! So wie fĂŒr jeden anderen auch. Wo wĂ€ren wir denn, wenn der Segen des Oril kĂ€uflich wĂ€re. Hat Herr von Hohenfelde dir gegenĂŒber erwĂ€hnt, dass ich Mönch bin?"
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Re: Der Vampir und die Bestie

#3

Beitrag von Archibald von Dornburg » Di 5. Dez 2017, 19:03

Archi grinste vergnĂŒgt, als er sah was Kasimir fĂŒr Köstlichkeiten auffuhr. Das Schwarzbrot legte er in Sklaves SchĂŒssel, ehe er sich zuerst einen Schluck Wein gönnte und sich dann ĂŒber das Fleisch hermachte. Sklave schaute mit hungrigem Blick von seinem Meister zu Kasimir und wieder zurĂŒck.

"Danke, das ist genau mein Geschmack bis auf das Brot. Aber das konntest Du nicht wissen. Sklave freut sich ĂŒber das Brot. Nur zu, iss. Lass es Dir schmecken Sklave", befahl Archibald gut gelaunt.

Das ließ sich Sklave nicht zweimal sagen. Er patschte als Dank auf Kasimirs Hand und schlang in Windeseile den Jogurt samt Obstsalat herunter und aß zeitgleich das Brot dazu. Er leckte sogar die SchĂŒssel aus und drĂŒckte sie dann an sich.

"Ja Sklave fĂŒrchtet SchlĂ€ge. Er hat schon viele SchlĂ€ge einstecken mĂŒssen. Meine Vermutung ist, er empfand fĂŒr Dich Mitleid, als Dich Brandur schlug. Du kannst ihn ruhig untersuchen, er hĂ€lt still, sobald ich ihm dies befehle", antwortete Arch.

Als Kasimir davon sprach, dass es den Segen kostenlos gab, ohne jede Gegenleistung grinste Arch zuerst von einem Ohr zum anderen, ehe er hörte, von welcher Gottheit der Segen stammen sollte. Das LÀcheln gefror auf Archibalds Gesicht. Er versuchte in Kasimirs Gesicht zu lesen, ob dieser gerade scherzte, ihn auf den Arm nahm oder ob er tatsÀchlich um Orils Segen bitten wollte.

Archibald entschied sich dafĂŒr, dass dies ein Scherz sein musste. Welcher Vampir wĂŒrde um den Segen einer Lichtgestalt bitten? Der Junker schenkte Kasimir ein breites Grinsen.

"Der war gut. Nein ich wusste nicht dass Du ein Mönch bist, aber ich persönlich bin ebenfalls eine sehr glĂ€ubige Person. Ich möchte allerdings nicht den Segen von Oril empfangen Du Scherzkeks, sondern Deinen wahrhaften Segen, Deine dunkle Gabe. Ich wĂŒnsche mir Dein Geschenk, ich bitte Dich um Deinen Biss...

Oril... Oril ist Licht Kasimir und das Licht war seit jeher mein Feind.
Grelles Licht ertrage ich nicht, Aufgrund meiner Augen. Ich leide unter MigrÀne - Retinale MigrÀne. Das ist eine Erbkrankheit in unserer Familie. Oder besser gesagt, es war eine familiÀre Erbkrankheit der von Dornburgs, nun sind sie ausgestorben.

Kennzeichnend fĂŒr eine retinale MigrĂ€ne sind einseitige auraĂ€hnliche visuelle PhĂ€nomene wie Skotome, Flimmern oder Blindheit, die sich auf die Zeit der MigrĂ€neattacke beschrĂ€nken.

WÀhrend dieser Sehstörungen oder bis zu einer Stunde danach setzt die MigrÀnekopfschmerzphase ein.

Kurzum es ist eine MigrĂ€ne die so gesteigert ist, dass ich kaum noch etwas sehe oder schlimmstenfalls gar nichts mehr sehe, fĂŒr die Zeit der Attacke.

Ebenso schlĂ€gt mir unabgebauter Stress auf die Augen. Stress muss von mir bewusst bekĂ€mpft werden. Ein Übungskampf, selbst ein Schattenkampf bei dem ich mich völlig verausgabe verhindert dann eine MigrĂ€neattacke, wenn ich GlĂŒck habe.

BrutalitĂ€t ist somit von mir nicht immer ein gewollter, sadistischer Akt auch wenn ich sie grĂ¶ĂŸtenteils durchaus genieße. BrutalitĂ€t ist oft bei mir Mittel zum Zweck. Der Zweck heißt Selbsterhaltung. Ein SelbstlĂ€ufer mit enormen Nebenwirkungen.

Aber setzte ich den Stress nicht in entsprechende körperliche Arbeit um, erleide ich eben auf die mir eigene Art die schmerzliche Konsequenz. Ich kann dann fĂŒr gewisse Zeit nichts mehr sehen, bis der Anfall vorbei ist und ich habe Kopfschmerzen in einem Ausmaß, dass ich das GefĂŒhl habe mir platzt der SchĂ€del.

Aus dem Grunde meide ich Licht. Folglich ist der Gott des Lichts, wohl die letzte Gottheit die ich verehren oder anbeten wĂŒrde.

Ich bin ein Geschöpf der Dunkelheit und Stille, wenn Du so möchtest.
Da ich Dich und die Deinen wertschÀtze, offenbare ich Dir diese SchwÀche, als Zeichen meines Vertrauens Kasimir.

Genug von dem dĂŒsteren Thema. ErzĂ€hl etwas von Dir",
plauderte Archibald freundlich.
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Re: Der Vampir und die Bestie

#4

Beitrag von Kasimir » Do 7. Dez 2017, 12:27

Interessiert beobachtete Kasimir Simon. Er mochte das Kerlchen und freute sich schon darauf, sich um es kĂŒmmern zu dĂŒrfen und Gutes zu bewirken. Liebevoll betrachtete Kasimir das geschundene Geschöpf und sein BeschĂŒtzerinstinkt und sein Helferkomplex schlugen freudige PurzelbĂ€ume in seinem Kopf bei so einem lohnenswerten Ziel. Archibalds Sklave hatte Hilfe bitter nötig und Kasimir wĂŒrde sie ihm geben.

"Es ist sehr großherzig von dir, dass du solch einen kranken Sklaven bei dir aufgenommen hast, Archibald. Am Ende hast du sogar noch viel Geld fĂŒr ihn bezahlt. Sein vorheriger Besitzer hĂ€tte ihn vermutlich einfach sterben lassen, so wie er ihn hat verkommen lassen und wenn er ihn, wie du meinst, so sehr geschlagen hat. Aber lass das nur meine Sorge sein. Ich bekomme Simon schon wieder hin."

Kasimir strich Simon mit dem HandrĂŒcken ĂŒber den dĂŒnnen Oberarm, um zu schauen, ob er panisch auf fremde BerĂŒhrungen reagierte. Das Wissen benötigte er fĂŒr die spĂ€tere Untersuchung. Nach dem Essen hatte der Sklave einen extrem dicken Bauch, der unter seinem dĂŒrren Brustkorb hervorragte. Vermutlich hatte er sich schon zuvor etwas zu Essen bekommen und jetzt trotzdem alles in sich hineingestopft. Wer konnte dem armen Kerlchen das verdenken?

Als Archibald das Wort an ihn richtete, setzte Kasimir sich wieder aufrecht hin und widmete ihm seine volle Aufmerksamkeit. Er nickte in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden verstĂ€ndnisvoll oder Ă€ußerte ein betrĂŒbtes "Ach", als sein GegenĂŒber von der schlimmen MigrĂ€ne erzĂ€hlte und davon, dass er seine gesamte Familie verloren hatte.

"Manchmal ist es schwierig, immer an den guten Willen der Götter zu glauben", sagte er mĂŒde. "Und manchmal fragt man sich, ob sie nicht einen eigenwilligen Humor haben. Aber deine Geschichte beweist doch auch, dass aus dem schlimmsten Leid oft die reinsten Herzen erstehen. Es tut mir leid, dass du deine Familie verloren hast und ich finde es umso bewundernswerter, dass du dich, wo du doch selbst so schwere Sorgen hast, noch des armen Simons angenommen hast. Was meinst du mit BrutalitĂ€t? Macht der Schmerz deiner MigrĂ€ne dich so rasend? Das kenne ich von Herrn Brandur. Auch er ist manchmal ungerecht im Schmerz, obwohl er doch so ein gutes Herz hat. Aber nie hĂ€tte ich jemandem wie ihm oder dir deshalb Sadismus unterstellt."

Kasimirs freundliches Gesicht nahm jedoch einen entsetzten Ausdruck an, als Archibald ihn bat, ihn zu beißen. Ja, der ehemalige Mönch wirkte völlig entgeistert und sogar sein Mund stand offen. Kasmir rĂŒckte ein StĂŒck nĂ€her heran, schloss den Mund, rĂ€usperte sich und senkte die Stimme.

"Was geschah, kaum dass Herr Brandur mich fĂŒr ein paar Tage alleine ließ, ist bekannt. Und du hĂ€ttest niemanden wie ihn, der sich deiner Not und deines quĂ€lenden Hungers annĂ€hme, Archibald. GenĂŒgend Sterbende zu finden, die ohnehin dem Tode geweiht sind, ist nur an der Front möglich, aber nicht inmitten von Naridien." Kasimirs Gesicht wurde sehr Ernst. " Mein Biss wĂŒrde bedeuten, dass ich dich zu einem Mörder machte."
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Re: Der Vampir und die Bestie

#5

Beitrag von Archibald von Dornburg » Do 7. Dez 2017, 18:51

Sklave fasste verwundert an die Stelle, wo Kasimir ihn berĂŒhrt hatte.

"Murgaha mussa rumapha da. Ham ham da, da", brabbelte Sklave, zeigte auf seinen Arm und dann auf Kasimir. Zeitgleich versuchte er die EssenschĂŒssel dabei festzuhalten.

Arch schĂŒttelte nur belustigt den Kopf. Von Dornburg wandte sich mit ernster aber freundlicher Miene Kasimir zu.

"Du wĂŒrdest mich nicht zu einem Mörder machen, sondern mir ewiges Leben schenken Kasimir. Und genau diese Gabe erbitte ich von Dir.

Hunger...

Oh ich kenne Hunger jenseits der Vorstellungskraft der meisten Menschen. Und ich muss meinen Hunger genauso zĂŒgeln wie Du Kasimir. Mein Hunger ist ebenso verpönt wie Dein Blutdurst. Wir beide können unseren Hunger nicht in der Öffentlichkeit stillen, er wĂŒrde die schlimmste Bestrafung nach sich ziehen.

Aber ich habe gelernt mich zu beherrschen, jedenfalls bis zu einem gewissen Grad.
Es ist ein Balanceakt zwischen Vernunft und Trieb, zwischen Selbstbeherrschung und Haltlosigkeit.
Du verstehst nicht warum ich Dich um diese Gabe bitte...

Das wir uns begegneten ist ein Zeichen. Ich habe nicht ewig Zeit, ich wĂŒrde es vor anderen nicht zugeben, aber ich spĂŒre wie dieser Körper schwĂ€cher wird. Wie es mich permanent mehr MĂŒhe und mehr Arbeit kostet, ihn in Form zu halten. Wie ich tĂ€glich darum kĂ€mpfen muss, dass ich noch kĂ€mpfen kann. Es verlangt eiserne Disziplin um auf dem Leistungsniveau zu bleiben auf dem ich bin. Nicht dass es mir das nicht wert wĂ€re... oh nein.

Aber irgendwann werde ich den Verlust nicht mehr auffangen können, gleichgĂŒltig dessen wie hart und unnachgiebig ich trainiere oder was ich mir versage.

Und um es mal knallhart auf den Punkt zu bringen... ich möchte nicht sterben.
Du könntest mir ewiges Leben schenken.

Scheinbar siehst Du Deine Gabe nicht als Geschenk, sondern als Fluch.
Wie wÀre es mit einem Deal?
Einem Pakt?

Ich ĂŒberlasse Dir Simon, er sei Deiner. Man könnte sagen, ich habe Simon von der Straße aufgelesen. Und ich ĂŒbergebe ihn in Deine treuen HĂ€nde.

Zudem werde ich Dir zeigen, wo man sammeln gehen kann, ganz ohne Angst haben zu mĂŒssen, fĂŒr seinen Hunger bestraft zu werden. Es gibt einen Ort... Kasimir. Es gibt sogar mehrere Orte... man muss sie nur aufspĂŒren. Dazu braucht es immer etwas Vorarbeit und Zeit. Aber ich weiß wie es funktioniert und ich werde Dich gerne an meinem Wissen teilhaben lassen. Was sagst Du dazu? Segnest Du mich?",
fragte Archibald leise.
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Re: Der Vampir und die Bestie

#6

Beitrag von Kasimir » Fr 8. Dez 2017, 08:41

"Was meinst du damit? NatĂŒrlich wĂŒrde ich dich damit zum Mörder machen. Es sei denn, du hast vor, Asamura mit meinesgleichen zu fluten, indem du deine Opfer nur zur HĂ€lfte aussaugst. Damit wĂŒrdest du selbst jedoch ein großes Problem haben, denn je mehr Vampire, umso auffĂ€lliger ist es, wenn immer wieder scheinbar gesunde Personen sterben. Das kann die BĂŒttel, die Lichtreiter oder andere entsprechende Organisationen auf den Plan rufen. Man ĂŒberlegt sich als Vampir die Zeugung eines weiteren Konkurrenten sehr grĂŒndlich. Und ich habe nicht vor, ein weiteres Monster zu erschaffen.

Ich verstehe die GrĂŒnde, die du benennst. Die meisten von uns haben Angst vor dem Altern und dem Tod. Aber der Tod ist nichts, was man zu fĂŒrchten braucht. Im Tod liegt ein tiefer Frieden. Der Kreis schließt sich, wir kehren zu dem zurĂŒck, aus dem wir erstanden sind. Die PrĂŒfung von uns allen ist die Akzeptanz dessen, was nicht zu Ă€ndern ist. Du kannst den Verfall nicht aufhalten, Archibald, ebenso wenig den Tod und auch ich bin nur theoretisch unsterblich. Aber du kannst ihm aufrecht entgegengehen. Schonung wird es nicht geben, auf lange Sicht fĂŒr keinen von uns. Die lichtalbischen Astronomen haben berechnet, dass der Planet irgendwann in die Sonne stĂŒrzen muss und somit alles Leben in Licht aufgeht.

Simon geht es doch sehr gut bei dir, Archibald. Warum sollte ich ihn aus seiner vertrauten Umgebung reißen?"


Kasimir hatte das Gestammel des Sklaven nicht verstanden, aber er schien keine Angst vor ihm zu haben. Er hatte weder panisch noch aggressiv auf die BerĂŒhrung reagiert. Kasimir nahm einen an einem Haken hĂ€ngenden Strick, knotete ihn zu einem PĂŒppchen, wobei die ausgefransten Enden zwei HaarbĂŒschel wie Zöpfe bildeten, und reichte es Simon. Dann blickte er wieder zu Archibald auf.

"Von welchem Hunger sprichst du? Möchtest du darĂŒber reden? Ich bin, wie gesagt, Mönch des Oril, sein Lichtreiter, und alles, was wir an persönlichen Dingen besprechen, unterliegt der Schweigepflicht."

Als Archibald ihm in Aussicht stelle, nie wieder Hunger leiden und gefahrlos "sammeln" zu können, spĂŒrte Kasimir, wie sich ein extremer Speichelfluss in seinem Mund einstellte. Rasch schickte er ein gedankliches Kurzgebet hinauf ins Licht.

"Herr Brandur versorgt mich mit allem, was ich brauche", erklĂ€rte er, zog ein Stofftaschentuch hervor und tupfte sich die nass glĂ€nzenden Lippen trocken. Bitte unterbreitet mir nicht solche unmoralischen Angebote. Es ist auch so schon schwierig genug, mit dieser malgorischen Gier geprĂŒft zu werden."
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Re: Der Vampir und die Bestie

#7

Beitrag von Archibald von Dornburg » Fr 8. Dez 2017, 10:46

Archibald musterte Kasimir und dachte einen Moment nach.

"Du kannst mich nicht zu einem Mörder machen Kasimir
 da ich bereits einer bin.
Ich bin ein Sammler, andere wĂŒrden JĂ€ger sagen, wieder andere nennen es Babybeißer, Menschenfresser
 es gibt auch weitaus weniger schmeichelhafte Bezeichnungen fĂŒr Personen wie mich, die jenen Hunger verspĂŒren, der mich quĂ€lt.

Hunger

Wie soll ich Dir jenen Hunger beschreiben


Es war das schönste Geschöpf, dass ich bis dato jemals gesehen habe. Weiße, blasse Haut, Augen blau wie die See und schwarze Haare. Er war starrend vor Dreck und er wĂŒhlte im Abfall nach Essen.
Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich verliebt hatte.

Aus diesem Grund wurde er meiner. Ich lockte ihn an, ich fing ihn ein. Ich war 14 und er war 4...
Ich weiß heute noch wo wer liegt... das heißt was...",
erlÀuterte Arch versonnen.

„Sklave hat es nicht gut bei mir. Ich besitze ihn bereits 27 Jahre, ich fing ihn ein, da war er 4 Jahre alt. Meist dient er nur dazu, meine Launen zu ertragen. Er dient mir, er gehorcht aufs Wort und er fĂŒrchtet nichts mehr als mich und meine Misshandlungen.

Schau ihn Dir ruhig in aller Ruhe an. Seine Narben, selbst seine angeschĂ€rften ZĂ€hne sind mein Werk. Nicht persönlicher Natur, aber er war das Versuchsobjekt, bevor ich mir meine anschĂ€rfen ließ. Mir ist bewusst, dass ich ihm gegenĂŒber oft sehr unfair bin.

Ich hÀtte ihn gehen lassen sollen, so wie alle anderen auch, als er seinen Dienst abgeleistet hatte. Sprich als er alt genug war. Aber sogar Personen wie ich vermissen Gesellschaft, auch wenn man uns das gerne abspricht. Aus dem Grund habe ich ihn behalten.

Er ist mein Leibdiener, mein Haustier und meine Mahnung, dass man nicht alles behalten sollte. Das bekommt er nun leider schon seit ĂŒber einem Jahrzehnt zu spĂŒren. Du kannst dem Tausch zustimmen, oder den Tag abwarten wo ich ihn freilassen werde. Es liegt bei Dir“,
erklÀrte Arch.

Sklave musterte die seltsame Puppe und wich vor ihr zurĂŒck. Archibald nahm sie entgegen und drehte sie zwischen seinen Krallenfingern.

„HĂŒbsch. Lumpenpuppe...“, grinste er zĂ€hnefletschend.

„Sklave fasst keine Puppen, TeddybĂ€ren oder Spielzeuge an, weil er weiß was ihm sonst blĂŒht. Ich sammele Spielzeuge, vorwiegend von den
 Spendern. Es ist niemandem gestattet etwas aus meiner Sammlung anzufassen oder zu berĂŒhren. Schau“, erklĂ€rte Archibald und legte die Puppe genau vor Sklave ab, so dass er kaum noch Platz hatte, aus dem Weg zu gehen.

Sklave machte sich so klein wie möglich und verdrehte sich wie ein Schlangenmensch, damit er die Puppe bloß nicht berĂŒhrte. Er schlang ganz fest die Arme um sich und wimmerte leise, wĂ€hrend er die Puppe betrachtete, als wĂ€re sie hochgiftig.

„Die Puppe! Gib!“, befahl Archibald schneidend.
„Nai nai
“, wimmerte Sklave und machte sich noch kleiner, dass man noch deutlicher seine Rippen hervortreten sah.

„Die
 PUPPE SKLAVE!“, fauchte Archibald und hielt die Hand auf.
„N..ai
“, wimmerte er ganz leise. Sklave ballte seine HĂ€nde zu FĂ€usten und drĂŒckte sie sich auf die Augen.

„Braver Sklave, ganz brav“, grinste Archibald, nahm die Puppe weg und steckte sie ein.

Sklave musterte mit stumpfen, geröteten Augen Kasimir, ehe er sein Gesicht wieder hinter seinen HÀnden versteckte.
Archibald musterte seinerseits Kasimir nachdenklich und strich sich ĂŒber das Kinn.

„Momentan fĂŒhle ich mich allein
 und hungrig.
Dein lieber Brandur hat meine Sammlung von 12 Objekten aufgelöst. Nun dies soll kein VorwĂŒrf an Dich sein. Du warst weder zugegen, noch kannst Du etwas dafĂŒr. Aber ich fĂŒhle mich um meine Sammlung geprellt. Dass muss ich gestehen.

Dabei habe ich mich selbstlos bereit erklĂ€rt Brandur zu unterstĂŒtzen, da mich sein Bruder Dunwin darum bat. Einst waren wir Freunde. Mehr noch, wir waren wie BrĂŒder. Nun ist alles anders.

Du kannst leicht davon sprechen, dass andere den Tod akzeptieren mĂŒssen, Du spĂŒrst nicht wie Dein Körper Dich im Stich lĂ€sst und StĂŒck fĂŒr StĂŒck altert und verfĂ€llt. Du wirst ewiglich existieren, solange Du keinen Fehler begehst. Du bist einer der wenigen AuserwĂ€hlten der Ältesten und dennoch missachtest Du ihr Geschenk.

Unter uns beiden Kasimir, sollte Dir dieses Geschenk dermaßen zuwider sein und Du den Tod akzeptieren, warum stellst Du Dich morgen frĂŒh nicht der aufgehenden Sonne entgegen?

Ganz einfach Kasimir, weil Du das Leben liebst. Weil Du ebenfalls diese Existenz liebst. Was Du hast Kasimir weißt Du, was Dich auf der anderen Seite erwartet, dass weißt Du nicht.

Ich habe Dir auch kein unmoralisches Angebot unterbreitet, sondern ein ehrliches. Wir wĂŒrden gemeinsam auf Sammeltour gehen. Wie verhĂ€lt es sich mit Tierblut?

Du denkst in falschen Bahnen Kasimir. Was ist Dir lieber? Eine unschuldige Person wie den Leibdiener Wolframs zu töten oder mir Deine Gabe zu ĂŒberreichen? Möchtest Du da lieber nicht meinem Wunsch nachkommen? In dem Fall wĂŒrdest Du mich beißen. Eine Person die Dich explizit darum bat. Du wĂŒrdest trinken, aber Du wĂŒrdest nicht töten.

Du wĂŒrdest mich von all meinem weltlichen Leid heilen.
Von dem Hunger, von der MigrÀne, von den AnfÀllen...
von allem!

Es sei denn natĂŒrlich, ich hĂ€tte ein falsches Bild von Dir gewonnen und der Tod ist ebenso Dein Ziel wie die Stillung Deines Hungers. Aber ich gehe doch Recht in der Annahme, dass dem nicht so ist oder?“,
fragte Archibald freundlich.
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Re: Der Vampir und die Bestie

#8

Beitrag von Kasimir » Sa 9. Dez 2017, 20:28

Kasimir begriff rasch, wovon Archibald sprach, nachdem er es endlich in konkretere Worte fasste und den Bereich des Abstrakten hinter sich ließ. Er war nicht der Erste von jenen Geplagten, die bei ihm beichteten. Aber der Erste, bei dem der Hunger BlĂŒten von solch grausigem Ausmaß geschlagen hatte.

Kasimirs freundlicher Gesichtsausdruck wich einer Maske aus kĂŒhler ProfessionalitĂ€t. Seine Körperhaltung blieb vollkommen entspannt und sein Blick offen. Das Letzte, was irgendetwas bringen wĂŒrde, wĂ€ren VorwĂŒrfe, Maßregelungen oder sich nun angewidert abzuwenden. Archibald hatte ihm seinen Abgrund geöffnet und ließ ihn bis zum Grund hinab blicken. Das hieß, dass er gerade prĂŒfte, inwieweit er Kasimir vertrauen konnte. Man konnte nur helfen, wenn man diesem Vertrauen gerecht wurde, selbst und besonders dann, wenn es von so einem kranken Manne stammte wie jenem, als der Archibald sich offenbart hatte. Er brauchte mehr Hilfe als die meisten anderen.

"Danke fĂŒr dein Vertrauen", sagte Kasimir aufrichtig. "Es hat dich sicher Überwindung gekostet, mir das alles zu offenbaren. Wie bereits gesagt werden diese Dinge unter uns bleiben. Ich wĂŒrde dir gern helfen, dass du den Hunger leichter ertragen kannst. Dass er dich nicht zwingt, Dinge zu tun, die du tief im Inneren vielleicht gar nicht tun möchtest, wenn du diese Kinder wirklich liebst."

Traurig betrachtete Kasimir den armen Simon.

"Auch ich möchte nicht sterben. Ich nenne meinen Zustand oft einen Fluch, aber ich denke eher, er ist eine PrĂŒfung. Darum halte ich durch. Oril hat seinen Grund, es geht um ein höheres Wohl, dem ich diene und dafĂŒr nehme ich diese BĂŒrde auf mich. Tierblut kann ich nicht trinken, Archibald ich bekomme Verdauungsbeschwerden. Es muss ... das Blut höherer Wesen sein. Menschenblut und Albenblut sind am besten."

Er schloss die Augen und betete erneut, um den intensiven Appetit niederzukĂ€mpfen, den er trotz seiner Sattheit verspĂŒrte. Die Wahl, vor die Archibald ihn stellte, schien ihn innerlich schier zu zerreißen. Gern wollte er dem armen Simon helfen ... doch zu welchem Preis?
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Re: Der Vampir und die Bestie

#9

Beitrag von Archibald von Dornburg » Sa 9. Dez 2017, 21:02

Archi machte eine wegwerfende Handbewegung.

"Vertrauen gegen Vertrauen Kasimir. Es ist nicht heilbar. Jedenfalls nicht so, dass ich danach ein normales Leben fĂŒhren könnte. Vor langer Zeit... sehr langer Zeit, war ich einst mit Jesper in einem Tempel. Das ist ein alter Kumpel von mir. Er sagte sie könnten den Hunger heilen.

Sie können es heilen...
Nur nehmen sie Dir etwas dafĂŒr...
Du wirst einem Eingriff unterzogen...

Nun dann könnte ich meine Kopfschmerzen auch heilen, indem ich mir den Kopf abhacke...",
erklĂ€rte Archibald langsam und rieb sich ĂŒber das Gesicht.

"Ich war zu lange bei Tag draußen, das ist nicht gut. Hier ist es zu hell drin...
Hast Du Schokolade? Kannst Du Schokolade besorgen?",
fragte von Dornburg Kasimir.

Arch verspĂŒrte zuerst einen leichten Augendruck, dann kam erst der Schmerz. Es folgte ein brennendes GefĂŒhl, dass ihm die Augen trĂ€nten. Es war, als stĂŒnde sein Körper in Flammen, obwohl ihm unsĂ€glich kalt war und er zitterte.

Er merkte wie sich das GefĂŒhl von den Augen in Richtung seines Nackens verschob und dann in seinen SchĂ€del hinein sickerte. Dann wanderte der Schmerz weiter nach oben.

Die matten Lichter im Raum wurden blendend hell und Kasimir verwandelte sich in ein gespenstiges Schemen.

"Ich wusste es", stöhnte Arch durch zusammen gebissene ZÀhne.

Archibald spĂŒrte kaum noch etwas anderes als den Schmerz in seinem SchĂ€del, denn inzwischen erfĂŒllte der Schmerz seinen ganzen Kopf. Er hatte das BedĂŒrfnis seinen Kopf zwischen die HĂ€nde oder die Knie zu pressen.

Doch dieser Gedanke verging im greller werdenden Licht, dass sich von einem einfachen Feuer zu einer weißen Glut entwickelt hatte. Zu spĂ€t sich den Kopf einzuklemmen. Dann verlosch die Helligkeit schlagartig.

Arch wusste was nun folgte.

Obwohl er saß, stĂŒrzte er zu Boden und verkrampfte sich schlagartig. Panisch starrte Sklave auf Archibald herab, der unkontrolliert zuckte. Das Gesicht zu einer dĂ€monischen Fratze verzerrt, die Augen nach hinten verdreht, sodass nur noch das Weiße zu sehen war. Durch die messerscharfen ZĂ€hne sabberte er Schaum und Blut.

Sklave kniete sich neben Arch und hielt ihm so fest er konnte den Mund zu, damit er sich nicht mit seinen ZĂ€hnen verletzte oder die Zunge abbiss.

Archs Körper war so angespannt, dass man jeden einzelnen Muskelstrang erkennen konnte. Sein RĂŒckgrat verbog sich so weit nach hinten, das Sklave sicher war, sein Herr wĂŒrde sich das Kreuz brechen. Es war eine Bewegung, zu der keine menschliche WirbelsĂ€ule in der Lage war, wĂ€re diese nicht so abnorm trainiert.

Mit einem Aufkreischen schmiss sich Sklave neben Arch und versuchte ihn festzuhalten, damit er sich nicht verletzte. Er umklammerte den SchÀdel von Archibald und streichelte ihn. Dabei brabbelte er auf ihn ein und sabberte ihn voll.

Die sporadischen Hitzeexplosionen in Archibalds SchÀdel verebbten.

Arch wollte etwas zu Kasimir sagen, aber es war ihm irgendwie nicht möglich sich zu artikulieren. Er bekam die ZÀhne nicht auseinander, so sehr war sein Kiefer verkrampft.

Selbst das Denken fiel ihm mittlerweile schwer. Dennoch dachte er an Kasimir und das dunkle Geschenk. Er musste durchhalten, er musste kÀmpfen...

SchwÀrze. Er lag lang ausgestreckt auf Simons Schlafplatz. Vorsichtig und tollpatschig zugleich streichelte ihm jemand den Kopf. Archibald schlug die Augen auf und starrte Sklave ins Gesicht.

Simon machte einen erschrockenen Satz nach hinten und kauerte sich zusammen, wÀhrend Archibald sich zur Seite wÀlzte.

„Alles gut, keine Angst“, keuchte von Dornburg mit Blut verschmierten ZĂ€hnen, er tastete nach einem der Körbe. Sklave wusste dass sein Meister nichts mehr sehen konnte. Er riss einen Korb vom Boden hoch, schĂŒttete den Inhalt aus und drĂŒckte ihn Arch in die HĂ€nde.

"Licht hÀ?", zischte er durch zusammengebissenen ZÀhnen hervor.
"Da... da...", erklĂ€rte Sklave und drĂŒckte Archibalds Kopf in die richtige Richtung.

Arch tastete die Öffnung ab, steckte den Kopf in den Korb und kotzte sich die Seele aus dem Leib.
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"Damaged people are dangerous. They know they can survive." - Josephine Hart

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Re: Der Vampir und die Bestie

#10

Beitrag von Kasimir » Mo 11. Dez 2017, 21:30

Kasimir musste sich abwenden. Es war weder Ekel noch Angst, die ihn dazu brachten, sich umzudrehen, die Augen zu schließen, sich die Nase zuzuhalten und zu beten, diesmal laut.

"Nur wenige werden wirklich satt.
Ich lebe von einer Speise, die ihr nicht kennt.
Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat
Lasset uns beten fĂŒr alle, die sich vergeblich mĂŒhen, ihren Lebensdurst zu stillen;
dass sie Zufriedenheit und ErfĂŒllung finden."


Er wiederholte immer wieder das Gebet und war froh, dass er erst gestern eine ĂŒppige Mahlzeit gehabt hatte, anderenfalls wĂ€re es ihm nicht möglich gewesen, diese PrĂŒfung zu bestehen. Erst, als er Archibald ein paar Worte sagen hörte, drehte er sich vorsichtig wieder herum. Er konnte nicht anders, als ihm auf den Mund zu starren, wo Blut und Schaum klebten. Kasimir nahm beide HĂ€nde hinter den RĂŒcken und verschrĂ€nkte sie da fest ineinander. Er wĂŒrde nicht einen Handgriff tun, um Archibald zu helfen, sicher war sicher. Das malgorische Übel in ihm wĂŒnschte sich, einen Blick auf Archibalds aufgebissene Zunge werfen zu können, wenn der sprach.

"Ich ... verstehe nun", sagte Kasimir mit belegter Stimme. Er rĂ€usperte sich. Sein Gesicht war noch immer wie aus Gips gegossen. Nur die hinter seinem RĂŒcken verschrĂ€nkten HĂ€nde und sein Blick, der magnetisch von Archibalds Mund angezogen wurde verrieten, dass er gerade einen inneren Kampf ausfocht, nicht zu fragen, ob er mal naschen dĂŒrfe, wenn Archibald doch ohnehin gerade blutete. Ohne ihn zu beiße, verstĂŒnde sich.

"Oril muss uns aus einem bestimmten Grund zusammengefĂŒhrt haben", sagte er stattdessen. "Wir beide leiden unertrĂ€glichen Hunger. Uns beide versengt das Licht der Sonne. Aber dafĂŒr haben wir Mond und Sterne, Archibald. Oril muss einen Grund haben, uns diese PrĂŒfung aufzuerlegen. Da muss ein Sinn sein. Aber wo? Warum? WofĂŒr? Was sollen wir tun? Die Antwort zu finden, ist unsere Aufgabe. Ich ... ich glaube, ich soll jenen helfen, an die niemand sonst denkt. Jene, die selbst von den Priestern verachtet werden und die man jagt. Die Verlorenen, die Aufgegebenen, die Verstoßenen. Du bist das Zeichen, auf das ich gewartet habe. Ich verstehe meine Aufgabe nun."

Kasimir zwinkerte und seine Augenbrauen zuckten kurz.

"Ich kann deinen Hunger lindern, Archibald. Ich werde ihn lindern. Aber nicht umsonst. Wenn ich dich zu einem Vampir mache, könntest du gefÀhrlicher sein, als je zuvor, wenn du diese Gabe missbrauchst.

Du wirst fĂŒr den Rest deiner Existenz kein Kind mehr berĂŒhren, weder auf die eine noch auf die andere Weise. Das musst du mir schwören. Als Pfand wĂŒnsche ich Simon, der ohnehin keinen Wert mehr fĂŒr dich hat. Du wirst versuchen, Blut nur von freiwilligen Spendern zu trinken oder schlimmstenfalls von Sterbenden.

Und zum Schluss:

Du wirst weder Brandur noch Linhard jemals anrĂŒhren. Das musst du mir bei allem, was dir heilig ist, schwören!

Wenn du dazu bereit bist, sollst du den Segen erhalten. Du wirst keine MigrÀne mehr leiden, du wirst keine AnfÀlle mehr erleiden. Dein Fleischeshunger wird von einem anderen Hunger verdrÀngt werden, wenngleich er nie ganz erlischt.

Das ist, was ich dir anbieten kann."


Kasimirs Gesicht war wieder offenherzig und freundlich geworden, er nahm die HÀnde nach vorn und legte sie locker auf seinen Beinen verschrÀnkt ab.

"Oh und Schokolade ist da drĂŒben, sofern du noch Appetit hast."
"Herr, wer euch dient fĂŒr Gut und Geld und nur gehorcht zum Schein,
packt ein, sobald ein Regen fĂ€llt, lĂ€ĂŸt euch im Sturm allein." - William Shakespeare

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