Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

Zwischen den Urwäldern erheben sich die Ruinen gefallener Hochkulturen. Die Goblins haben nicht umsonst ihr Land um diese alten Bauwerke herum gefestigt, denn in den Kellern vermutet so manch einer mehr als nur altes Gestein.
Zwischen den Urwäldern erheben sich die Ruinen gefallener Hochkulturen. Die Goblins haben nicht umsonst ihr Land um diese alten Bauwerke herum gefestigt, denn in den Kellern vermutet so manch einer mehr als nur altes Gestein.
Benutzeravatar
Urako

Die Freien Völker Rote Laterne
Zweitcharakter
Beiträge: 219
Registriert: Mo 16. Mär 2015, 16:58
Volk: Tiefling

Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

#1

Beitrag von Urako » Mo 4. Apr 2016, 21:41

╔══════════════════════════════════════════════════╗
Hier spielte der dritte Teil der Reise:
Link
╚══════════════════════════════════════════════════╝


Urako war schon lange da, denn auf Flügeln war er schneller als die anderen in ihrem Fluggefährt. Der Heißluftballon landete fauchend. Töli stürzte als erste heraus und begann sich wie bekloppt zu drehen und nach ihrem Schwanz zu jagen. Urako zielte mit einem beherzten Tritt in ihre Richtung. Das letzte, was er gebrauchen konnte, war sich gleich bei ihrer Ankunft in Rantamar bei den Bewohnern lächerlich zu machen! "Reiß dich zusammen", schnauzte er.

Dann ging er zu dem Ballon, um Firxas galant das Türchen aufzuhalten. Der ging an ihm vorbei, ohne ihn auch nur mit seinem dicken Arsch anzusehen. Er trug kein Oberteil, so dass Urako nicht nur seinen überquellenden Hüftspeck und den Beginn seiner Arschrille sah, sondern auch die schlimmen Narben bei seinen Schulterblättern. Urako biss sich auf die Lippe und wandte den Kopf ab.

Er wartete nicht ab, ob man Firxas nach einer Bezahlung fragen würde, denn Geld hatte dieser natürlich keines, genau so wenig wie Urako. Die einzigen, die Geld besaßen, waren die Goblins, welche ihr stümperhaft zusammengeschustertes Schiff verkauft hatten und die den Flug ruhig bezahlen konnten. Er wollte Firxas am Arm greifen, um ihn ein Stück abseits zu führen, doch der stieß ihm grob gegen die Brust, so dass Urako rückwärts gegen eine Laterne stolperte. "Fass mich bloß nicht an", grollte er.

"Mach ich nicht, keine Sorge", schnauzte Urako. "Niemals wieder. Du bist mir eh zu fett. Richtig widerlich bist du geworden!" Das war gelogen, er liebte Firxas` Speckröllchen und wenn es nach ihm ginge, könnte Firxas gut und gerne noch einen Zentner mehr wiegen, doch Urako wollte ihn mit allem verletzen, von dem er wusste, dass es tief treffen würde, also ergänzte er auch noch: "Du Krüppel!" Firxas verpasste ihm einen Schlag in die Fresse, ein Lichtblitz explodierte in seinem Schädel. Urakos Kopf wurde zu Seite geschleudert und er stürzte auf das Kopfsteinpflaster. Dabei schürfte er sich die Handfläche und den Ellebogen auf und verrenkte sich die Schulter. Er zog blitzschnell die Beine an, um seine Unterseite zu schützen und Firxas treten zu können, sollte dieser auf ihn losgehen, doch der trottete einfach davon, ohne Urako auch nur einmal anzusehen. Wohin, wusste der Geier. Urako war stinksauer und unglücklich zugleich. Man hatte ihn verschmäht, niedergeschlagen und öffentlich gedemütigt. Und er hatte nicht einmal Geld, um sein Elend zu ertränken oder im Freudenhaus seine Seele und andere Dinge streicheln zu lassen.

Er rappelte sich auf, stand da, mitten in einer fremden Stadt in einem fremden Land und plötzlich fühlte er sich allein. Die Goblins gingen vorbei, einige starrten ihn neugierig, andere voll Abscheu an. Was sollte er tun? Und wie konnte er an Geld gelangen? Keinesfalls wollte er die Nacht unter freiem Himmel verbringen. Er sehnte sich nach zwei Jahren Wildnis nach einem Bett und einem guten Essen, nach einem heißen Bad. Als erstes musste er herausfinden, wie er an Arbeit kommen konnte. Vielleicht brauchte die Stadt ja einen Henker - oder einen Koch.

Sein erster Weg führte ihn also zu einem Offizier, denn ganz offensichtlich hatten in einer Festung die Militärs das Sagen. Es handelte sich um Felik Garsnik, wie man ihm gesagt hatte, Sohn des Generals Tonik Garnsik. Eine kleine Eskorte brachte ihn dorthin.

"Ich suche Arbeit!" posante Urako sofort heraus, ohne ihn zu begrüßen.
[ externes Bild ]

"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker können?"
Charles Henry Samson, Scharfrichter

Benutzeravatar
Arafis

Chronist in Bronze Die fleißige Feder in Bronze Herausragender RPG Beitrag Schlüsselloch
Held
Beiträge: 535
Registriert: Sa 21. Mär 2015, 13:13
Volk: Gestaltwandler
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

#2

Beitrag von Arafis » Mi 6. Apr 2016, 12:30

Der kräftige Tritt des Tieflings brachte Arafis erst wieder zur Vernunft. Die Goblins grinsten sie hämisch an, offensichtlich waren sie glücklich darüber, dass die gefährliche Bestie zurechtgewiesen wurde. Urako verschwand bald in der Menge und die Wölfin verspürte nicht das geringste Bedürfnis, ihm zu folgen. Sie blickte sich um. Den armen Selan, der auf der Ballonfahrt in Ohnmacht gefallen war, schleppten gerade ein Duzend Goblins auf einer hastig herbeorderten Trage davon. Firxas, der anscheinend nicht recht wusste, wohin er sich wenden sollte, zottelte schliesslich in eine andere Richtung davon, aus der es kräftig nach Speis und Trank roch.

Arafis beschloss, die Stadt genauer unter die Lupe zu nehmen. Sie würde ihre Gefährten schon wieder auffinden, wenn sie dies beabsichtigte. Schliesslich waren der Teeduft von Selan und das Gebrüll von Urako schwerlich zu verkennen und sie müsste bloss die Goblins belauschen, um herauszuhören, wo sich die seltsamsten Gestalten der Stadt so tummelten.
So machte sie sich alleine auf den Weg, immer misstrauisch beäugt von den grünen Winzlingen.

Die Strassen waren verwinkelt und oft lief Arafis in eine Sackgasse hinein, wenn sie meinte eine Abzweigung in eine neue Gasse gefunden zu haben. Sie versuchte den Blicken der Goblins auszuweichen, doch erst als einige jüngere Kerle sie mit Steinen bewarfen, um sie zu verscheuchen, entschied sie, dass Rantamar und sie eine gegenseitige Abneigung füreinander empfanden. Eine Stadt auf einem Berg, das war nichts für sie. Seit langer Zeit vermisste sie einmal wieder ihre Heimat, wo sie in einem Walddorf aufgewachsen war.

Da Arafis zwischen den Goblins hin und wieder grossgebaute Menschen erblicke, überlegte sie sich schliesslich, ob sie nicht besser fahren würde, wenn sie als Albin durch die Stadt ging. Verständlicherweise fürchteten sich die kleinen Bewohner vor einem scharfzähnigen Wolf, doch einer Waldalbin würden sie bestimmt freundlichere Blicke schenken.
So begab sie sich nun stattdessen in den abgelegenen Gassen auf die Suche nach einer Wäscheleine, denn ohne jegliche Kleidung wäre sie noch absonderlicher als jetzt schon. Tatsächlich wurde sie fündig. Glücklicherweise lebten auch Almanen in Rantamar und diese hatten eine stattlichere Figur als die kurzbeinigen Goblins.

Arafis duckte sich hinter einen Stapel Kisten während ihrer Wandlung. Es fühlte sich an, als würden tausend Ameisen unter ihrem Fell herumkrabbeln, dann spannte sich ihre Haut und ihr Körper begann sich zu verändern. Sie unterdrückte ein schmerzliches Aufjaulen, doch dann war es bereits wieder vorbei.
Schwer atmend kniete die nackte Frau auf dem rauen Boden. Inzwischen konnte man gut erkennen, dass sie keine gewöhnliche Albin war, denn der Fellstreifen auf ihrer Wirbelsäule, Armen und Beinen hat sich bereits etwas weiter ausgedehnt. Auch ihre Ohren, Stirn und Nase waren mit weichem hellbraunem Fell bedeckt. Arafis fuhr mit ihrer Zunge ihrem Maul entlang und bemerkte die leicht zugespitzten Backenzähne.

Sie wollte sich gerade aufrappeln, als sie eine Bewegung hinter sich vernahm. Arafis fuhr reflexartig herum. Doch sie konnte nichts erkennen. Dann hörte sie ein Krächzen über sich: „Spioooon, Spioooon!“
Einige Meter über ihr sass auf der Wäscheleine ein grünlicher Papagei. Er beobachtete sie aus giftig gelben Augen heraus aufmerksam und flatterte ungehalten mit den Flügeln. „Gschhht, sei ruhig!“, fauchte die Albin ihn wütend an, denn sie wollte in ihrer Situation keine Bewohner auf sich aufmerksam machen. „Spioooon!“, kreischte der Vogel jedoch unbeeindruckt weiter.

Arafis hatte es nun plötzlich eilig. Sie schob die Kisten zu einer Treppe zusammen und kletterte behände hoch, um an die Wäscheleine zu gelangen. Als sie an einem Gewand zerrte, flatterte der Papagei schimpfend davon. Erleichtert schnappte sich die Albin einige Kleidungsstücke, um dann auf den Boden zu springen.
Gerade als sie ein rosafarbenes Stück aufgehoben hatte, hörte sie Fussgetrappel. Erschrocken wandte sich die noch immer nackte Frau um, als auch schon eine ganze Horde Goblinwachen um die Ecke geschossen kam. Über ihnen flog der Papagei seine Runden und kreischte wild: „Spioooon! Spioooooon!“

Einen Moment starrten die kleinen Männer die Frauen perplex an. Bevor sie reagieren konnten, warf sich Arafis das Gewand über. Es war ein langes Nachtgewand, das offensichtlich einer Almanenfrau gehörte, denn es schlabberte an dem Körper der Albin und die weiten Stösse bedeckten ihre gesamten Füsse. „Hände in die Höhe! Keine Bewegung!“, endlich kam Bewegung in die Goblins. Wie eine Schar Ameisen umringten sie die Albin, um die vermeintliche Spionen in ihre Mitte zu nehmen. „Sie sind festgenommen!“, piepste ein Goblin mit ernster Miene. „Sie wurden beim Diebstahl erwischt. Ausserdem besteht der Verdacht auf unbefugtes Eindringen in die Stadt für Spionagezwecke! Sie werden einem Verhör unterstellt, bis dahin kommen sie zur Verwahrung in den Kerker.“

Arafis war zu perplex, um sich zu wehren. Ausserdem belustigte sie die Situation auch ein wenig. Erst als einer der Goblins eine seltsam anmutende Waffe auf sie richtete, setzte sich die Albin folgsam in Bewegung. Dem Papageien, der sich wieder auf der Wäscheleine niedergelassen hatte und sich dabei zufrieden aufplusterte, warf sie einen letzten giftigen Blick zu.
Sie hätte wohl doch besser in Wolfsgestalt verbleiben sollen… Immerhin hätte sie dann die Goblins als Häppchen verspeisen können, anstatt von diesem Rudel in ein Gefängnis geworfen zu werden!

Obwohl die Albin versuchte, Klarheit zu schaffen und zu erklären, dass sie zusammen mit den Tieflingen und dem fliegenden Ballon in die Festung gelangt war, schenkte man ihr kein Gehör. Arafis musste das rosa Nachthemd hochraffen, um nicht zu stolpern. So bahnte sich die seltsame Prozession einen Weg durch die Stadt, um die frisch ertappte Spionin ihrem Urteil zu unterwerfen.
Avatar Foto: Arafis

Selan Todaric

Die Freien Völker
Zweitcharakter
Beiträge: 47
Registriert: Mo 16. Mär 2015, 16:27
Volk: Tiefling

Re: Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

#3

Beitrag von Selan Todaric » Di 12. Apr 2016, 14:05

"Beeindruckend, sehr beeindrucken, diese Gebäude, diese Technik!", murmelte Selan vor sich hin, als er die Straßen der Stadt entlang ging. Architektur und Technik waren eine kleine, jedoch gut gepflegte Leidenschaften von Selan und was ihm hier geboten wurde, spottete jeglicher Beschreibung. War Selan viel herumgekommen und hatte viel gesehen, doch die Baukunst der kleinen Goblins war enorm. Vom Estetischen Standpunkt her, konnte man sich gut und gern über die Stadt streiten, denn Goblins bauen eher nach pragmatisch Gesichtspunkten, weniger nach Estetischen.

Jedoch was die kleinen grünen Kerle leisteten, war enorm. Da gab es Wasserspringbrunnen vor ihm, weniger Meter dahinter gab es so eine Art Hebesystem für schwere Steine, wenn Selan die Goblins richtig verstand, nannten sie es Kran. Hier und da, zwischen den Engen Gassen, konnte er Teile der Verteidigungsanlage sehen. Riesige Geschütze, die in alle Richtungen zeigten, Luftschiffe die hier und da am Himmel zu sehen waren. Ja es stimmte, was die Goblins nicht in den Muskeln hatten, hatten sie im Kopf.

Einzig was Selan an der Stadt nicht gefiel, es gab keine Teestuben. Alle rannten wild hin und her, waren hektische am Arbeiten. Das Treiben musste einen als Nichtgoblin sehr verwirren. Keiner hatte Zeit für ihn, wollte er hier und da ein kleines Gespräch anfangen oder Goblins auf einen Tee einladen, bekam er nur Ablehnungen. Gern hätte er mehr von der Stadt erfahren, doch Fremdenführer gab es hier nicht udn zu allem Überfluss war das Angebot an Speis und Trank nicht sehr Appetit Anregend.

Zu gern probierte Selan die einheimischen Speisen anderer Völker, doch so glaubte er, konnte er es zulassen bei den Goblins eine Ausnahme zu machen. Egal welches Wirtshaus, so fern man es so nennen konnte, er besuchte, überall gab es Merkwürdiges essen.

Schweinesteak in Schokoladensoße auf Brokkoli graniert. Zitronen-Kartoffel-Pudding und ... weiter lesen wollte Selan nicht. Die ersten zwei bis drei Gerichte reichten ihm schon aus, um den Appetit zu verderben. Einen Kamillentee, was gäb Selan für einfachen Kamillentee, doch daraus wurde nichts.

So machte er sich fest entschlossen auf das Militär aufzusuchen. Selan hatte es nicht vergessen. Irgendwo da draußen ist Rakshor und bereitet einen Krieg vor, der alles verschlingen könnte. Fest entschlossen war er, die Leute zu warnen. Was vor so langer Zeit einmal war, durfte sich nie wiederholen.

Felik Garsnik, Sohn des Generals Tonik Garnsik, wurde ihm als erster Ansprechpartner empfohlen, er sollte hier in der Festung das Sagen haben. Kurzerhand machte Selan sich auf. Dutzende male musste der Tiefling einen der herum wuselndenen Goblins nach dem Weg fragen, denn eines konnte man in der Stadt sicher, sich verlaufen.

Nach einer gefühlten Ewegkeit kam er in ein größeres Hölzernes Tor und unterbreitete der Wache sein anliegen, die ihm sofort zu Felik Garsnik bringen wollte. Doch seine Verwunderung war groß, als er in den Raum geführt wurde, der das Büro von Felik Garsnik sein sollte.

"Ich suche Arbeit!"

"Urako, du hier?", staunte Selan.

"Ich bin beeindruckt, ich habe also doch bei deiner Ausbildung alles richtig gemacht!", strahlte Selan und rannte mit breit ausgrestreckten Armen Urako entgegen.

"Immer noch hegte ich Zweifel, ich Narr. Dabei war alles nur eine Finte! Gut gemacht, unseren Feind werden wir damit überraschen und nun können wir beide, du und ich endlich gemeinsam Rakshor das Handwerk legen. Ja ich sehe es vor mir. Du und ich, Seite an Seite gegen die drohende Finsternis. Ich bin ja so Stolz, dass du mein Lehrling bist, wenn auch nicht der talentierteste. Aber keine Sorge, Papa Selan wird dir alles bei bringen was er weiß und wird dich zu einem guten Nekromanten machen. Wir werden der Welt Frieden bringen, nieder mit Rakshor!", lamentierte Selan und keuchte einige Athemzüge danach.

"Im übrigenss, dein Lohn der letzten Monate, ich hatte ihn die vergessen zu geben, verzeih und ... ohhh ... Verzeihung, sie müssen Felik Garsnik sein?"
Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

Wenn sie mit dir streiten wollen, biete Tee an. Wenn das nicht hilft, schlag sie tot! (von Selan Todaric)


Kleine Legende:
"Text" -> Gesprochener Text /\ >Text< -> Gedachter Text

Benutzeravatar
Urako

Die Freien Völker Rote Laterne
Zweitcharakter
Beiträge: 219
Registriert: Mo 16. Mär 2015, 16:58
Volk: Tiefling

Re: Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

#4

Beitrag von Urako » Fr 27. Mai 2016, 16:55

"Papa Selan?!", zischte Urako und warf dem anderen Tiefling einen feindseligen Blick zu. "Brauchst dich gar nicht versuchen einzukratzen! Zwei Jahre lang hast du dich vor deinen Pflichten als Ausbilder gedrückt und so meine Lebenszeit vergeudet! Und du hast vergessen, mich zu bezahlen! Das kannst du in deinem Leben nicht wieder gut machen!" Dass sie auf einer einsamen Insel festgesteckt hatten und noch dazu an entgegengesetzten Enden, ließ er außen vor.

"Und darum steht ihr zwei Knallköppe jetzt hier und bettelt um Arbeit, ja?" Trotz seiner geringen Körpergröße wirkte der Goblinoffizier durchaus ehrfurchgebietend. Der kleine Mann war stämmig gebaut und unter seinem spitzen Zinken war ein Mund mit schmalen, zusammengepressten Lippen. Sein schwarzes Haar hatte er streng mit einer lackähnlichen Substanz nach hinten gegelt. Obwohl es windig war, wehte nicht ein einziges Haar, die Frisur saß, als bestünde sie aus Gusseisen. "Durch den Krieg haben wir immer Bedarf an Fachkräften: an Ingenieuren, Ärzten, Alchimisten. Was könnt ihr?"

"Ich bin Henker", sagte Urako und wurde sich gleichzeitig bewusst, wie plump das klang. "Ehemaliger fürstlicher Scharfrichter zu Phintias. Ich habe mehr als zweitausend Exekutionen sauber und fachgerecht durchgeführt. Umständehalber ... eh ... bin ich arbeitslos geworden. Braucht ihr nicht einen hier, der euch um die Last von ein paar Schwerverbrechern erleichtert? Die machen eh nur Dreck und kosten Geld. Geld, was ihr besser im Krieg verwenden könntet."

Felik Garsnik sah ernsthaft aus, als würde er überlegen. Er strich dabei zärtlich über seine Frisur. "Ein Tiefling, der Goblins hinrichtet ... die Wirkung wäre natürlich eine ganz andere, als wenn das einer von uns ausführt. Hm. Ich werde das mit meinem Vorgesetzten besprechen müssen. Einstweilen kannst du aber im Verlies arbeiten. Der Kerkermeister ist nicht mehr der Jüngste, der kann Unterstützung gebrauchen. Melde dich in der Stadtverwaltung und richte ihnen schöne Grüße von Hauptmann Felik Garsnik aus. Das sollte genügen. Und der andere?"

Während der Goblin sich Selan zuwandte, begab sich Urako zum Rathaus, von wo aus man ihn zum Verlies brachte. Es handelte sich um eine feuchte, finstere Kelleranlage, die scheinbar in direkter Verbindung mit der Kanalisation stand. Möglicher Weise war sie sogar Teil von dieser. Der Kerkermeister war ein Kerl, der selbst für einen Goblin winzig und dürr war, mit Haaren, die in alle Richtungen abstanden. Und wie es sich für einen Kerkermeister gehörte, ging er gebeugt und mit schlurfenden und humpelnden Schritten.

"Daff da ift unfere neue Deliquentin", verkündete er. "Eine Aufländerin! Fpinoafe!"
"Hä?", fragte Urako.
"Bift du taub? Eine aufländiffe Fpionin! Du follft fie fürf Erfte verhören und in Erfahrung bringen, waf fie hier will! Faffffffffff...tft du daf gut, erhälft du vieleiiiiift eine Anftellung. Fürf Erfte bift du hier nur auf Probe!"
Damit verschwand das verhutzelte Männlein in den Tiefen des Verlieses, wobei er im Gehen ein Bein hinter sich her zog.

Urako wandte sich der Deliquentin zu. Es handelte sich um eine ansehnliche junge Frau in einem rosa Rüschennachthemd. Seine Mundwinkel zogen sich auseinander, so dass man sein zahnloses Zahnfleisch sah. Er nahm den Schlüssel zur Hand, den der Goblin ihm gegeben hatte, öffnete die schwere Gittertür, um sie hinter sich wieder zu verschließen und baute sich dann vor der Albin auf.

"Redest du freiwillig oder muss ich nachhelfen?" Er knackte mit den Fäusten. "Wenn du keinen Ärger machst, mache ich es bei deiner Hinrichtung kurz und schmerzlos. Vielleicht. Also! Wer schickt dich und was sollst du in Erfahrung bringen?"
[ externes Bild ]

"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker können?"
Charles Henry Samson, Scharfrichter

Benutzeravatar
Arafis

Chronist in Bronze Die fleißige Feder in Bronze Herausragender RPG Beitrag Schlüsselloch
Held
Beiträge: 535
Registriert: Sa 21. Mär 2015, 13:13
Volk: Gestaltwandler
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

#5

Beitrag von Arafis » Sa 4. Jun 2016, 12:38

Arafis hatte sich in eine Ecke ihres Verlieses geduckt und zitterte vor Kälte. Das Rüschenkleid schützte sie nicht einmal ansatzweise vor der Feuchtigkeit des düsteren Ortes. Die Dunkelheit machte ihr jedoch wenig zu schaffen, denn ihre Augen hatten sich schnell daran gewöhnt. Anders verhielt es sich mit dem Gestank. Das Odeur der Kanalisation fuhr in jede Ritze des unterirdischen Kerkers und selbst durch den Mund zu atmen, brachte der Gestaltwandlerin nur eine geringe Linderung ein.
Anfangs hatte sie in einem unbeobachteten Augenblick die Gitterstäbe untersucht, doch auch als Wölfin hätte sie kaum hindurchgepasst. Dann hatte sie wie ein eingesperrtes Raubtier Runden durch die Zelle gezogen. Doch als sie sich dadurch nur noch eingeengter fühlte, beendete sie ihr Tun.
Nun verharrte sie von einem nackten Fuss auf den anderen tretend an einer Stelle, der kommenden Dinge harrend.

In ihrem Innern tobten die Gefühle. Wut, Beunruhigung und Ekel rangen um die Wette.
Ekel vor dem Ort, an dem die Goblins sie eingesperrt hatten, wobei die Ratten sie noch am wenigsten störten. Doch das Stöhnen und schleimige Husten der anderen Gefangen zerrten an ihrem Gemüt und die Enge machte ihr zu schaffen. Ihre Beine wurden langsam müde von dem anstrengenden Tag, doch sich in eine der miefenden bräunlich grünen Pfützen zu setzen, kam sogar für die unkomplizierte Naturfreundin nicht in Frage. Stattdessen rümpfte sie bloss angewidert ihr angegriffenes Näschen.

Beunruhigung ab ihrer misslichen Lage, in welche sie dank einem dämlichen Vogel geraten war. Obwohl sie keine Angst verspürte, denn Arafis war sich sicher, dass sie den Goblins in Wolfsgestalt bald wieder entkommen würde, sobald man ihr die Pforte öffnete, sorgte sie sich.
Es würde einen Trubel auslösen, wenn eine Frau sich in eine Wölfin verwandelte. Womöglich würde die ganze Stadt in Aufruhr sein. Wie sollte sie da von dem Berg entkommen? Und wie sollte sie in dem Durcheinander bloss Selan und Urako finden? Oder… wollte sie überhaupt noch mit den beiden Tieflingen reisen?

Und schlussendlich Wut. Hätte Urako sich nicht aus dem Staub gemacht, wäre sie wohl kaum den Goblins zum Opfer gefallen. Mit einem Tritt hatte er sich gar von ihr verabschiedet. Nicht einmal um Selan hatte er sich gesorgt, der Flug mehr schlecht als recht überstanden hatte mit seiner Ohnmacht.
Unwillkürlich zog sie die Lippen auseinander und ein animalisches Knurren entrang sich ihrer Kehle. Und diese dämlichen Goblins!
Misstrauische, eifrige Kerlchen waren das. Sie hatten sich nicht einmal die Zeit genommen, ihr zuzuhören, geschweige denn, ihr etwas anderes zum Ankleiden zu geben.
Bei den Waldalben wurden sogar Schwerverbrecher besser behandelt… und dabei war sie doch bloss eine Besucherin in dieser schrecklichen Stadt.

Arafis hätte sich gerne verwandelt, doch ihre Vernunft hielt sie davon ab. Der Goblin würde wohl kaum das Törchen öffnen, bei dem sie nebenbei sogar den Kopf einziehen musste um nicht eine Beule davonzutragen, wenn dahinter eine wütende Wölfin stand, die ihn beinahe überragte.
Während sie sich also andere Fluchtmöglichkeiten überlegte, näherten sich plötzlich Schritte.

Die Albin spitzte ihre langen Ohren und erkannte die schlurfenden Schritte des Gefängniswärters, der ihr zuvor einmal eine Schüssel mit einer undefinierbaren Brühe hingestellt hatte, welche Arafis mit den Zehenspitzen in die hintere Ecke ihres Gefängnisses verbannt hatte. Wegwerfen wollte sie das vermeintliche Essen nicht, denn sie konnte ja nicht wissen, wie lange sie noch hier ausharren sollte.Anscheinend war er in Gesellschaft, denn weitere Geräusche hallten in dem Gang wieder.

Als die beiden Männer vor der Zelle zum Stehen kamen, verschlug es Arafis die Sprache. Ungläubig starrte sie Urako an und konnte sich gerade noch verkneifen seinen Namen herauszuposaunen.
"Bift du taub? Eine aufländiffe Fpionin! Du follft fie fürf Erfte verhören und in Erfahrung bringen, waf fie hier will! Faffffffffff...tft du daf gut, erhälft du vieleiiiiift eine Anftellung. Fürf Erfte bift du hier nur auf Probe!"
Nachdem das Hunzelmännchen seinem Nachfolger die Aufgabe erklärt hatte, humpelte er mit einem zufriedenen Grinsen davon. Wenn dieser Grünschnabel die Spionin übernahm, konnte er in aller Ruhe ein Nickerchen geniessen. Er würde erst später wieder gebraucht werden, wenn die Bande ihr Abendessen bekam. Bis dahin…

Als der Tiefling sich ihr zuwandte und hämisch grinste, zuckte Arafis zusammen. Vermutlich legte ihr Gegenüber es als Angst aus, doch tatsächlich war die Albin noch viel zu perplex, um Furcht zu empfinden. Gerne hätte sie ihm ihre Vorwürfe ins Gesicht geschleudert, doch er hätte sie wohl für verrückt erklärt.
Im nächsten Moment bewegte sich Urako schneller, als sie es ihm zugetraut hätte und stand plötzlich nur eine Armlänge von ihr entfernt in der Zelle. Die Tür fiel mit einem Ächzen ins Schloss, noch bevor die überrumpelte Albin reagieren konnte.
"Redest du freiwillig oder muss ich nachhelfen?" Urako knackte mit den Fäusten.

Was sollte sie ihm antworten?
Offensichtlich hatte er ihre Gestalt nicht erkannt, was vermutlich ein Glücksfall war. Nun gut, in den zwei bis drei Jahren hatte sie sich stark verändert und der Tiefling würde sich kaum an eine Waldalbin erinnern mögen, auch wenn sie es gewesen war, die ihm einst seinen pinken Wutstein geschenkt hatte.
Einen Moment überlegte sie, ob sie sich vor seinen Augen in seine von ihm akzeptierte Töli verwandeln sollte. Doch als sie das Szenario abspielte, entschied sie sich mit einem schwachen Kopfschütteln dagegen. Er wäre womöglich so überrascht und in Rage geraten, dass er sie mit blossen Fäusten erschlagen würde.
Sollte sie ihn mit Worten von ihrem Wesen überzeugen? Sollte sie womöglich Selan erwähnen? Doch auch davor schreckte sie ab seinem Desinteresse für den Gefährten zurück.

"Wenn du keinen Ärger machst, mache ich es bei deiner Hinrichtung kurz und schmerzlos. Vielleicht. Also! Wer schickt dich und was sollst du in Erfahrung bringen?"
Seine Worte brachten sie in die Gegenwart zurück. Sie blickte in seine Augen und stellte mit Schrecken fest, dass ihm die prekäre Situation gefiel. Er hatte Macht über sein Opfer und war ganz in seinem Metier. Ein süsslicher Geschmack breitete sich in ihrem Mund aus und sie realisierte, dass sie sich vor Aufregung auf die Zunge gebissen hatte und ihr eigenes Blut schmeckte.

„Ich..“, setzte sie zu einer Erklärung an, verstummte dann aber mitten im Satz.
Sie wollten sie hinrichten!
Nun breitete sich doch ein Gefühl der Angst in Arafis aus.
Und was ist mit der Möglichkeit, sich zu verteidigen? Kennen Goblins keine Gerechtigkeit? Oder ist das blosse Zeitverschwendung…
Blitzschnell überlegte sie, während Urako mit seinen Fäusten knackte und sein breites gehässiges Grinsen einem ungeduldigen Zucken seiner Mundwinkel Platz machte.
Aus den Augenwinkeln bemerkte sie zu ihrer Überraschung beinahe liebevoll, wie sein Pinkpuschel in vertrauter Bewegung hin und her schwang, ohne dabei der stinkenden Brühe zu nahe zu kommen. Beinahe hätte sie ab seiner Eitelkeit gelächelt.
Stattdessen sprach sie mit wie sie hoffte fester, einschmeichelnder Stimme:
"Nun gut, ihr habt mich gestellt. Ich sehe natürlich ein, dass ich verloren habe, denn gegen ein solches Kraftpaket würde ich niemals ankommen…“
Sie liess ihre Worte wirken, dann fuhr sie fort:
„Tatsächlich bin ich eine Spionin. Und natürlich wurde ich darin geschult, jegliche Foltermöglichkeiten auszuhalten oder mich selbst mit einem mächtigen Zauber ins Jenseits zu befördern, sollte mein Wille zu brechen drohen.“

Arafis versuchte ihre Worte überzeugt klingen zu lassen, obwohl sie bloss in einem rosa Nachthemd vor dem Tiefling stand, und zwang sich, einen Schritt auf Urako zuzutun und ihn mit ihren Augen aufzuspiessen.
„Doch dies würde euch bestimmt nicht das Wohlwollen eures Arbeitgebers eintragen, wenn dieser erführe, welch fetter Fang an Informationen ihm durch die Lappen gegangen ist.“
Arafis hoffte, dass sie Urako inzwischen gut genug kannte, um seine Reaktionen abschätzen zu können, doch sicher war sie sich nicht.
Weder wollte sie gefoltert, noch hingerichtet werden. Doch eine Hinrichtung bot immerhin einen Aufschub und die Chance zu entkommen, während eine Folter ihr bloss schaden konnte.
Und womöglich vermochte sie ihn mit einem guten Angebot zu überzeugen.
„Vielleicht finden wir gemeinsam einen Weg, der uns beiden zu unserem Glück verhilft“, schnurrte die Albin nun plötzlich sanft und musste sich gleichzeitig zusammenreissen, ihm nicht ihre Zähne zu zeigen.
Avatar Foto: Arafis

Benutzeravatar
Urako

Die Freien Völker Rote Laterne
Zweitcharakter
Beiträge: 219
Registriert: Mo 16. Mär 2015, 16:58
Volk: Tiefling

Re: Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

#6

Beitrag von Urako » Sa 16. Jul 2016, 12:57

"Nun gut, ihr habt mich gestellt. Ich sehe natürlich ein, dass ich verloren habe, denn gegen ein solches Kraftpaket würde ich niemals ankommen…“

Bei diesen Worten wuchs Urako unwillkürlich um einige Zentimeter.

„Tatsächlich bin ich eine Spionin. Und natürlich wurde ich darin geschult, jegliche Foltermöglichkeiten auszuhalten oder mich selbst mit einem mächtigen Zauber ins Jenseits zu befördern, sollte mein Wille zu brechen drohen.“

Und er schrumpfte sogleich wieder. Schöne Scheiße. Was jetzt? Den Deliquenten noch vor der Hinrichtung zu verlieren, wäre das Dümmste, was ihm passieren konnte. Nicht nur, dass er seine neue Arbeit sogleich wieder los wäre, man würde ihn auch keinesfalls ungestraft davonkommen lassen. Er war nur der Vollstrecker des Gesetzes, nicht derjenige, der zu entscheiden befugt war, ob ein Leben verwirkt war, oder nicht.

„Doch dies würde euch bestimmt nicht das Wohlwollen eures Arbeitgebers eintragen, wenn dieser erführe, welch fetter Fang an Informationen ihm durch die Lappen gegangen ist.“

Sie erhob sich - er prüfte routiniert die Details ihrer Anatomie, die sich eventuell unter dem leichten Nachthemd abheben mochten und wurde nicht enttäuscht - und ihr Gesichtsausdruck änderte sich, als sie senen Blick bemerkte. „Vielleicht finden wir gemeinsam einen Weg, der uns beiden zu unserem Glück verhilft“, schnurrte sie.

Urako grinste leicht gequält.
"Du meinst also, du hast du mich jetzt am Sack mit deinem Suizidzauber, Hübsche. Aber was ist, wenn ich dir versichere, einige Jahre in der Lehre des namhaften Nekromanten Selan Todaric gewesen zu sein? Ich kenne alle schmutzigen Tricks dieser Kunst. Du stirbst - und ich hole dich zurück und nehme mir alle Informationen, die ich haben will. Und fortan bist du meine willenlose Marionette, anstatt nach der Hinrichtung selig in Ainuwars zeitlosem Reich zu schlummern, in einem ewigen Traum vom Glück. Einfacher für dich wäre es, gleich zu plaudern. Und wer weiß? Vielleicht kommst du ja mit einem Verweis des Landes davon, wenn du kooperierst."

Er stülpte einen Holzeimer um, der für die Notdurft gedacht, aber noch leer war, und setzte sich darauf. Mit verschränkten Fingern harrte er ihrer Antwort. Nebenbei vertrieb er sich die Zeit damit, ungeniert ihre Gestalt zu mustern. Sie war etwas haarig. Eine so haarige Frau hatte er noch nie gehabt, nicht einmal die brutale Zwergin im Freudenhaus zum Sündenpfuhl hatte solch einen Pelz gehabt. Eine Erweiterung seines Erfahrungsschatzes war nie verkehrt. Er fragte sich, wie die Dame wohl unter ihrem Nachthemd aussehen mochte. Ihr Gesicht kam ihm irgendwie bekannt vor, doch das hielt er für Einbildung. An eine solch auffällige Frau würde er sich garantiert erinnern.

[ externes Bild ]

"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker können?"
Charles Henry Samson, Scharfrichter

Benutzeravatar
Ilvara
Zweitcharakter
Beiträge: 4
Registriert: So 13. Dez 2015, 10:33
Volk: Venthros (Harpyie)
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

#7

Beitrag von Ilvara » Mo 29. Aug 2016, 16:27

Das Gefieder schimmerte in der aufgehenden Sonne wie hunderte Kristalle und war weithin über die Ebene zu sehen. Die junge Harpyie, welche es so unbesonnen zur Schau stellte, war Ilvara.
Während sie ihren Körper in den Strahlen wärmte, fuhren ihre klauenartigen Finger sanft durch die Federn, um Ordnung hineinzubringen.
Sie trug noch immer keine Kleidung am Körper, obwohl sie inzwischen nicht mehr bloss auf Schlachtfeldern danach hätte suchen können. Sie war viel zu eitel, um ihr beinahe schneeweisses Gefieder zu verbergen. Und weshalb unbequeme Lumpen überstülpen, wenn sie doch bereits wie eine Prinzessin gekleidet war?

So in ihre Pflege vertieft bemerkte sie nicht den riesigen dunklen Wolf, der sich ihr von hinten annäherte. Normalerweise war es Fleygur, ihr Greif, der wachsam die Umgebung im Auge behielt. Er hatte ihr aufgetragen, sich unauffällig zu verhalten, während er sich auf die Jagd begeben hatte. Ilvara hatte in ihrer Naivität keine dezentere Zeitüberbrückung bis zur Rückkehr ihres Freundes gefunden, als ihr Gefieder in der aufgehenden Sonne zu pflegen. Schliesslich war das gut für die weisse Farbe und Lärm machte sie damit auch keinen!

Der Werwolf, der er eigentlich war, pirschte sich bereits in geduckter Haltung an die Harpyie heran. Er lebte schon lange in den Wäldern rund um Rantamar herum, und hatte bereits manchen unvorsichtigen Goblin verspeist. Vor sehr langer Zeit hatte er einmal ein zivilisiertes Leben geführt, doch seit man sein Geheimnis gelüftet und ihn vertrieben hatte, suchte er keinen Kontakt mehr zu den anderen Völkern. Er war langsam verwildert und nur noch ein kleiner Funke seiner Menschlichkeit war ihm geblieben.

Er konnte bereits den Geruch des Geflügels wahrnehmen, für das er die Harpyie hielt. Oh ja, sie würde eine ausgiebige Mahlzeit abgeben!
Diese kleinen Goblins, die meist dazu noch ziemlich zäh waren, stillten seinen Hunger nur für kurze Zeit.
Der Werwolf war nur noch drei Sprünge von ihr entfernt. Das dämliche Geschöpf achtete in keinster Weise auf seine Umgebung, was das Raubtier doch etwas irritierte. Nun gut, so hatte er eben leichteres Spiel.

Er konnte bereits die einzelnen weissen Federn erkennen, welche in ihren Spitzen in ein dunkles Braun übergingen. Ein menschlicher Funke flüsterte ihm zu, dass sie schön war. Und lecker.
Gerade als er nah genug war, um zum tödlichen Sprung anzusetzen, nahm sein scharfes Gehör Schritte war. Er spitzte die Ohren und sein Blick zog in die Ferne. Tatsächlich. Da näherte sich eine Gestalt.
Der Werwolf gab ein wütendes Knurren von sich, was die Harpyie doch noch aus ihrer Traumwelt riss. Ihr Blick traf auf die goldgelben Augen des Raubtiers und ihr Schreck war die einzige Genugtuung, die dem Tier noch blieb. Im nächsten Moment machte er kehrt, stürmte in den Wald davon und liess eine völlig aufgelöste Ilvara zurück. Zwei Gegnern würde er sich nicht stellen, davor warnte ihn noch immer seine menschliche Vernunft.

Benutzeravatar
Arafis

Chronist in Bronze Die fleißige Feder in Bronze Herausragender RPG Beitrag Schlüsselloch
Held
Beiträge: 535
Registriert: Sa 21. Mär 2015, 13:13
Volk: Gestaltwandler
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

#8

Beitrag von Arafis » Do 1. Sep 2016, 15:43

Empört ab der dreisten Lüge schoss es wie aus der Pistole aus ihr heraus: „Glücklicherweise weiss ich, dass dem nicht so ist! Ausserdem hast du Selan schmählich sitzen gelassen. Ihn, der dich wie einen eigenen Sohn angenommen und all deine miesen Launen stets mit Ruhe ertragen hat“, während sie sprach, begann sie sich in Rage zu reden.
„Stattdessen hast du dich lieber mit diesem Widerling Firxas abgegeben. Aber sogar diesen armseligen Tropf hast du schlussendlich vergrault. Und nun willst du dich damit aufplustern, dass du als ach so gelehriger Schüler von dem namhaften Nekromanten gelernt hast?“

In ihrer humanoiden Gestalt schienen die Gefühle der Loyalität und eigenwilligen Zuneigung zu dem Tiefling plötzlich rasant zu schwinden. Stattdessen spürte sie einen lang gehegten Groll in sich aufsteigen. Zweitrangig wurden die unbeholfenen Streicheleinheiten, die gemeinsamen Jagdausflüge oder die langen Zwiegespräche, welche er in unbeobachteten Momenten mit ihr geführt hatte.
Alte Erinnerungen stiegen in ihr auf, zurück bis zu dem Augenblick, wo sie mit angesehen hatte, wie er ihre Freundin hinrichtete.
Und offensichtlich hatte er sich nicht geändert. Sie konnte seine Erregung förmlich spüren, wenn er davon sprach, sie zum Reden zu bringen. Dass er gleich wieder zum Henkersknecht wurde, war doch der beste Beweis, dass er noch immer der Alte war!

In ihrer Wut war sie näher getreten, so dass er nun zu ihr aufsehen musste. Seine selbstsichere und überhebliche Miene ärgerte sie.
Was glaubte dieser Kerl eigentlich? Dass er alle herumschikanieren konnte, sich dann aber selbst bemitleidete, wenn die Leute sich von ihm abwandten?
Schade, dass Selan so gutmütig war. Er hätte sich schon viel früher von diesem miesepetrigen Schmarotzer trennen sollen!
Ihre Hände ballten sich zu Fäusten, während sie ihn gehässig anfunkelte. Als er sie dann auch noch ungeniert mit den Augen auszuziehen schien, platzte Arafis der Kragen.
Sie konnte sich gerade noch zusammen reissen, um sich nicht zu wandeln und ihm an die Gurgel zu springen, stattdessen gab sie ein tiefes wolfsähnliches Knurren von sich und entblösste dabei scharfe Reisszähne.
„Sicher, dass Du mich um einen Kopf kürzen willst? Immerhin hättest Du dann erfolgreich auch noch die Letzte deiner Gefährten vom Spielbrett gewischt. Das würde ja ganz gut zu Dir passen."
Avatar Foto: Arafis

Benutzeravatar
Urako

Die Freien Völker Rote Laterne
Zweitcharakter
Beiträge: 219
Registriert: Mo 16. Mär 2015, 16:58
Volk: Tiefling

Re: Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

#9

Beitrag von Urako » So 25. Sep 2016, 20:05

Unter 1000 anderen hätte er dieses Knurren erkannt. Über Jahre hinweg war diese Stimme das einzige gewesen, dass eine Konstante gebildet hatte, ein Quell der Entspannung, der Zuversicht und von so etwas wie Zuneigung. Ja, er hatte seine Hündin gemocht. Und jetzt, da sie ihr wahres Gesicht offenbarte, da offenbarte sie auch, dass selbst sie ihn verraten hatte. Die Welt war ein Sumpf des Leidens, ein Ort der Feindseligkeit und alle Hoffnung nicht mehr als ein einzelner Sonnenstrahl, den dunkle Wolken zugleich wieder verdeckten, ein Vogel, der mit verkrüppelten Flügeln aus dem Ei schlüpfte, um bei seinem ersten Flug in den Tod zu stürzen, ein guter Wein, der zu Essig wurde, bevor er den Gaumen des Verdurstenenden benetzen konnte, eine Fata Morgana und weiter nichts.

„Und du, Töli“, sprach Urako finster. „Und du hast dich eingereiht in die Armee meiner Peiniger wie alle anderen vor dir. Möge die Tollwut dich holen!“

Er zog seinen Wutstein aus der Hosentasche, betrachtete ihn noch einen Moment und warf ihn ihr dann vor die nackten Füße. Dann machte er einen Schritt nach vorn, ergriff den Anhänger an der ledernen Kette um ihren Hals, den er unter ihrem verfilzten Haar erst jetzt entdeckt hatte und riss ihn ab. Er umschloss die kleine Axt mit seiner Faust. Keiner seiner Blicke ging noch in ihre Richtung, sie irrten nur über nacktes Gestein und eiserne Gitterstäbe. Er kramte den Schlüsselbund hervor und öffnete quietschend die Gittertür. Er ging hinaus in den Gang ohne sie hinter sich zu schließen, ignorierte das Rufen der Gefangenen und trat auf die schmutzige kleine Straße, die am Eingang des Gefängnises vorbei führte.

Direkt hinter dem Eingangsbereich befand sich die haushohe Stadtmauer, denn das Gefängnis war in ihren Sockel hineingebaut worden. Es roch nach Feuchtigkeit und nach Urin, aufgeweichtes Papier klebte auf dem Pflaster. Es war nicht gerade die nobelste Gegend. Der Eingangsbereich war bewacht, die Wachstube war von außen durch ein Gitterfenster einsehbar, doch von außen nicht ohne Weiteres zu betreten. Die Tür hatte auf dieser Seite keine Klinke, nicht mal ein Schloss. Wahrscheinlich gab es noch einen anderen geheimen Eingang. Abweisende Blicke trafen Urako von der im Inneren an einem langen Tisch sitzenden Wachmannschaft. Urako hatte keine Ahnung, wie er den Weg freiräumen sollte, damit auch Töli hinausgelangen konnte. Die kleinen grünen Männer waren alles andere als dumm und würden sich nicht so einfach ablenken lassen und er kam auch nicht an sie heran, um mit ihnen zu kämpfen. Obendrein waren sie bis unter die Zähne bewaffnet und er nur ein einfacher Henker.

Über ihnen erhob sich fauchend ein Heißluftballon über die Mauer. Wenn es tatsächlich ein Schicksal gab, dann hatte es soeben Urako es innerste Gedanken gehört. Doch war ihm trotz dieser Fügung nicht zum Lächeln zumute. Er hob die Hand und ließ eine Flamme zwischen seinen gekrümmten Fingern entstehen. Sie nahm die Gestalt eines kleinen Vogels an, der eigentlich ein Feuerfalke sein sollte, doch nur die Größe eines Spatzen besaß. Als das magische Tier sich erhob, zog es ein Band aus Rauch hinter sich her. Der Vogel stieg in den Himmel und näherte sich dem Ballon. Die Insassen erkannten zu spät, was passieren würde und selbst wenn sie es rechtzeitig erkannt hätten, wäre da keine Möglichkeit gewesen, dem unheilvollen Schicksal zu entrinnen, was auf sie wartete. Der Feuerspatz zischte hinein in die Öffnung des Ballons und im gleichen Moment gab es einen riesigen Knall und einen Feuerball vom Ausmaß eines Marktplatzes. Urako hatte die Größe unterschätzt, die er einnehmen würde und keine Deckung aufgesucht. Zu spät riss er Unterarme und Flügel vor das Gesicht. Die Stichflamme traf ihn wie der Hieb eines göttlichen Streitkolbens und warf ihn um. Die brennende Hülle und der Korb mit den sterbenden Insassen stürzten vor der Wachstube auf die Straße. Heulend und schreiend wälzt Urako sich über das Pflaster, um seine brennenden Haare und seine Kleidung zu löschen.
[ externes Bild ]

"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker können?"
Charles Henry Samson, Scharfrichter

Selan Todaric

Die Freien Völker
Zweitcharakter
Beiträge: 47
Registriert: Mo 16. Mär 2015, 16:27
Volk: Tiefling

Re: Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

#10

Beitrag von Selan Todaric » Do 6. Okt 2016, 22:22

Allein schlenderte Selan durch die Straßen. Traurig waren seine Augen und leer blickende sie durch die gerade am Mittag belebten Straßen. Eigentlich waren die Straßen immer belebt, es war eine Goblin Stadt. Keiner hatte Zeit zu verlieren, es war ihre Art. Jede Sekunde war kostbar, doch wer konnte es ihnen verdenken, sie hatten nur ein kurzes Leben und das sollte ausgefüllt sein.

Ja das Leben... Selan kam ins Grübeln. Was war nur alles geschehen, warum war Urako so sauer auf ihn? Was hatte er ihn getan? Hatte er ihn zu selten zum Tee eingeladen? War das Teewasser zu warm? Hätte er ihn doch einmal in Bars und Kneipen begleiten sollen, wie er sich es doch oft wünschte. Doch hätten diese eine gute Teeauswahl? Mit Nichten...

Ohne es zu merken lief Selan immer weiter. Vorbei an Geschäften und Läden. Vorbei an schreienden Erfindern, vorbei an den kulinarischen Köstlichkeiten die die Goblins zu bieten hatten. Lachs mit Schokosoße und Zitrone, Pudding mit Krebsfleisch flambiert, ungerupftes Huhn in Pfeffer-Paprika Panade, dazu wird Orangensaft gereicht. Selan hob die Nase, eindeutig nichts für seine sonst so erlese Nase.

Es dauerte eine weile, wie lange konnte Selan nicht sagen. 30 Minuten oder doch eine Stunde? Es war Selan sowieso egal, melancholisch war das eheste Wort was den traurigen Tiefling beschreiben konnte. Schwer war sein Gang, tief hing sein Gesicht und ab und an lief eine Träne über das sonst so fröhlich gelbe Gesicht.

Was sollte er nur machen? Arafis war schon vor Monaten verschwunden, sein einstiger Schüler vor über einem Jahr gestorben, Urako der nichts mehr mit ihm zu tun haben möchte und ein Waagen voller Tee der... Ja, was war eigentlich mit seinem Teewaagen? Wo waren seine Pferde? Hatte er sie vergessen?

Selan war verwirrt und schüttelt den Kopf. Schon zum zweiten mal in seinem Leben wusste er nicht was er machen sollte.

Der Tiefling setzte sich inmitten des Waldes auf einen Stein, um nachzudenken. Ruhig war es. Die Luft roch nach frischen Blumen und kein Mensch war weit und breit, ein Ort der Einsamkeit.

Stille schwelgte in der Luft, bis Selan ein Knacken vernahm. Es war kein gewöhnliches Knacken. Es war ein Knacken des Holzes welches leicht war, beinahe als würde sich jemand anschleichen. Doch wer sollte sich an Selan hier heran schleichen? Selan erhob sich und blickte sich um. Niemand war zu sehen und Selan beschloss sich etwas umzusehen.

Es dauerte nicht lange dann erspähte er etwas. Ein Werwolf und ein Greif. Eindeutig was hier vor sich ging. Rasches Handeln war gefordert sonst würde bald ein Greif weniger auf Asamura wandeln, aber auch den Werwolf wollte er nichts tun. Warum sollte jemand Schaden nehmen, nur weil er Hunger hatte?

Selan hatte also keine Wahl und konzentrierte sich. Eiligst murmelte er seinen Zauber und nur Sekunden später entfaltete er seine Wirkung. Faulige Gase breiteten sich rasch in der näheren Umgebung aus. Unendliche Nuancen an braunem Nebel waberten durch die Bäume. Ein Gestank breite sich aus, den selbst Tote als widerlich empfinden würde. Der Zauber des Leichengestanks war Selan wieder einmal geglückt. Konnte er nur hoffen, dass der Geruch den Werwolf nicht sehr angenehm sein würde.
Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

Wenn sie mit dir streiten wollen, biete Tee an. Wenn das nicht hilft, schlag sie tot! (von Selan Todaric)


Kleine Legende:
"Text" -> Gesprochener Text /\ >Text< -> Gedachter Text

Antworten

Zurück zu „Evalon“