Von Blut, Sold und Liebe

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Söldnerlager der Raubvögel
Ein wilder Haufen von arbeitslosen Söldnern schloss sich zusammen, um ein eigenes Söldnerlager aus dem Boden zu stampfen. Ihr Ziel: Geld zu verdienen und dabei noch Spaß zu haben. Jeder Haudegen, der sich an ein paar Regeln halten kann, ist hier willkommen.
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Farael Dornenwind
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Von Blut, Sold und Liebe

#1

Beitragvon Farael Dornenwind » So 24. Dez 2017, 18:58

Der Ast auf dem Farael saß, war wahrlich keine Freude für seinen Hintern. Schon seit einer geschlagenen Stunde sitzt er über den Büschen am Straßenrand der Salzstraße. Sie führt nach Südwesten, einer Richtung, aus der auch gern Warenlieferungen ankamen oder Reisende in die Stadt kamen. Zumindest die, die blöd genug waren, in die ach so tolle Stadt Obenza zu kommen. Nur im nächsten Moment mit aufgeschlitzter Kehle in einer Seitengasse zu vermodern.

Wie dem auch sei. Farael hatte vor kurzem einen vielversprechenden Auftrag vom Brett des Söldnerlagers genommen, der eine großzügige Belohnung für das Erlegen einer Banditengruppe versprach. Die paar Arschlöcher sollen wohl Reisende überfallen und somit mittellose Menschen in die Stadt treiben. Weder die Obrigkeit kann noch mehr Bettler gebrauchen, noch wollen die Händler auf ihre über Land kommenden Waren verzichten.

Also hat sich Farael auf die Lauer gelegt und sitzt seit etwas mehr als einer Stunde auf diesem Baum. Es regte sich nichts. Langsam fragte er sich, ob es ĂĽberhaupt die MĂĽhe wert gewesen war, den Baum hinaufzuklettern. Nicht dass Farael nicht klettern konnte, doch mit seiner AusrĂĽstung war das doch dann ein wenig anstrengender gewesen. Und ein paar blaue Flecken waren dabei auch sicherlich entstanden. Das war aber Nebensache.

Plötzlich hörte er jedoch Schritte und ein paar Stimmen. Tief und dreckig lachen. Eindeutig Männer. Sein Blick ging nach unten. Da schritten sie durch's Unterholz. Drei Personen, mit nicht mehr bewaffnet als Knüppeln und Messern. Das war zugegeben enttäuschend. Farael hatte auf etwas wie einen Kampf gehofft, der nicht unnötig schnell vorbeigehen musste. Wie langweilig. Nun gut, dann sollte es relativ fix gehen. Es musste nur noch die nächste Person über die Straße laufen und den unfreiwilligen Köder von Farael spielen.

Die Männer unter ihm hatten sich ins Gebüsch gehockt und unterhielten sich. Leise und kaum ein Wort war aufgrund ihrer Ausdrucksweise wirklich verständlich. Zudem stanken sie bis zum Himmel. Im wahrsten Sinne des Wortes. Farael saß ungefähr drei Meter über ihnen und roch sie. Schweiß, Blut, Alkohol und ein wenig Pisse. Na ganz große Klasse. Mittlerweile wunderte sich Farael, wieso die Reisenden mit denen nicht fertig geworden waren. Die konnte man eine Meile gegen den Wind riechen.

Doch lang musste Farael nicht mehr warten und diesen Gestank ertragen. In der Ferne waren Schritte auf der Straße zu hören, die näher kamen. Sie schienen aus Südwesten zu kommen. Auch die Arschlöcher unter ihm bekamen das mit und verstummten augenblicklich. Farael zog einen Pfeil aus seinem Köcher und legte ihn in seinen Bogen ein. Danach blickte er in die Richtung der Schritte und konnte durch das Blattwerk ein paar Beine erkennen.Sie wirkten nicht wie die Beine eines Mannes und diese Vermutung bestätigte sich auch, als Farael schließlich den Rest der Person erblicken konnte.

Eine dunkle Mähne fiel vom Haupt einer bildhübschen Frau. Eine Frau, die er bereits durch Zufall in einer der Tavernen in Obenza getroffen hatte. Wie hieß sie noch gleich? Anne? Anja? Ana? Farael konnte sich nicht mehr ganz erinnern, doch zeit dafür blieb auch nicht. Im nächsten Moment stiegen schon die Banditen aus den Busch, auf ihren Gesichtern ein dreckiges Grinsen. „Hallo du hübsches Ding“, sagte einer von ihnen, sein Messer in der rechten Hand.

„Wir bekommen alles was du dabei hast und ein paar nette Stündchen mit dir, dann lassen wir dich am Leben.Wie klingt das, hm?“ Charmant. Die Frau schien sich im ersten Moment gar nicht beirren zu lassen, doch Farael tat gut daran einzugreifen. Er konnte nicht einschätzen, ob seine entfernte Bekannte auch kämpfen konnte. Deshalb spannte er den Bogen, legte an und atmete tief durch. Er verengte seine Augen und konzentrierte sich ganz auf den Redner der Gruppe. Dann ließ er die Sehne los. Der Pfeil surrte durch die Luft. Einen Augenblick später durchbohrte er den Kopf des Banditen. Zugegeben, es sah witzig aus, wie der Pfeil im Kopf steckte, ohne etwas aufgerissen zu haben. Der Typ kippte einfach tot zur Seite, seine Kumpanen standen vollkommen perplex daneben.

Damit schulterte Farael seinen Bogen, nahm zwei Finger und pfiff laut. „Hey ihr Wichser, so behandelt man ein Weib nicht!“, brüllte Farael vom Baum herunter, die Blicke richteten sich auf die Baumkrone in der er saß. Nur musste er erst einmal vom Baum herunterkommen.

„Du Arschloch hast Bruno getötet!“, kam als Antwort gebrüllt. „Nefir, kümmere dich um unsere Eroberung, ich mach den Scheißer fertig!“ Dann sah Farael auch schon einen von ihnen auf sich zukommen, der Andere versuchte der Frau auf die Pelle zu rücken. Es galt Eile! Mit eher ungelenkem Festhalten und Fallenlassen schaffte es Farael wieder auf den Boden, der Typ unter seinem Baum hatte ihn aber schon erwartet. Knapp entging Farael einen Hieb mit der Holzkeule, als er sich nach unten wegduckte. Dabei gab er dem Banditen einen Schlag in die Niere mit.

Dieser taumelte zurück, hielt sich die Stelle. Farael zog sein Schwert und griff es mit beiden Händen. Er verschaffte sich einen sicheren Stand und machte sich bereit zu parieren. „Du und dein Kumpel habt wirklich keine Manieren, hm?“, forderte Farael heraus. Erfolgreich. Sein Gegenüber stürzte sich mit hoch erhobener Keule auf ihn. Wirklich schlau schien er nicht zu sein. Ohne Mühe lenkte er den von oben kommenden Schlag ab. Der Bandit rutschte zur Seite weg, seine Deckung war offen.

Farael preschte nach vorn und verpasste dem Kerl mit dem Ellenbogen eins in die Magengrube. Er wich zurück, schnappte nach Luft. Farael gönnte ihm die Pause. Sein Gegenüber schien plötzlich wieder siegessicher und hechtete nach vorn. Seine Keule kam seitwärts. Farael drehte sich nach links weg, die Keule ging ins Leere, als Farael rechts von dem Banditen stand. Farael machte jedoch kurzen Prozess, nutzte den Schwung aus seiner Drehbewegung und trennte dem Banditen in einem Streich den rechten Arm ab.

Ein gequältes Schreien ertönte. Der Mann ging zu Boden. Farael gab ihm am Boden den Gnadenstoß. Der Schrei verstummte und wich einem schwachen Röcheln, ehe der Körper des Banditen ganz erschlaffte. Schließlich blickte Farael auf. Dieser Nefir war schon an die Frau herangekommen. Farael war zu weit weg, um seinen ersten Streich zu verhindern. Er hoffte, dass die Frau kämpfen konnte, als er zu ihr zu sprinten begann.
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#2

Beitragvon Schwarze Ana » Do 28. Dez 2017, 09:24

„Das war’s mit der frischen Luft!“, dachte Ana, als sie sich dem Stadtrand näherte. Es gab Tage, da konnte sie den Gestank von Obenzas Gassen nicht ertragen und wenn ihr auch der Hafen überdrüssig wurde, der salzige Wind ihr nicht länger die Sinne zu klären vermochte, musste sie die Metropole für ein paar Stunden verlassen. Heute war einer dieser Tage gewesen und sie hatte das Weite gesucht. Die Schwere einer schlaflosen Nacht hatte auf ihren Lidern gelastet und ihr Blut heiß in den Ohren gerauscht, im Versuch, all den Rum aus dem Körper zu spülen. Die Salzstraße war nicht die beste Wahl, um unbehelligt aus der Stadt hinaus oder in die Stadt hinein zu gehen, doch sie war die schnellste und Anas Körper hatte sich nach Ruhe und einem Nickerchen in der Natur gesehnt.

Bei ihrer Rückkehr war Ana guter Dinge. Ihr Kopf war frei und sie spürte das angenehme Gewicht des gefüllten Lederbeutels an ihrem Gürtel, ein Zustand, den nicht jeder Abend in einer Taverne hergab. Nun trug sie mindestens zwanzig Münzen bei sich, festzusammengebunden, damit sie nicht klirrten und Begehrlichkeiten erweckten. Ana wusste wie man sich einigermaßen sicher durch Obenza bewegte, sofern das überhaupt möglich war.
Wie ein dunkles Ungeheuer baute sich die Gespaltene vor ihr auf, um sie von Neuem zu verschlingen, gründlich durchzukauen und am nächsten Tag wieder irgendwo auszuspucken, ein Stück mehr gezeichnet vom Leben, ein Stück mehr beschmutzt und doch auf eine ganz spezielle Art und Weise glücklich. Vielleicht würde sie sich heute frei nehmen, ein schönes Gasthaus suchen, am besten sogar in der mittleren Ebene und ausnahmsweise auch dafür bezahlen. Ana lächelte in sich hinein. Heute ging es ihr gut und sie wusste, dass dies auch aus ihr herausstrahlte, in den Augen glitzerte, deren freudiges Leuchten schon so manchen Menschen verzaubert hatte. Womöglich müsste sie doch nicht bezahlen… und auch nicht alleine schlafen.
„Hallo du hübsches Ding“, grollte eine Stimme in ihre Gedanken und Ana erstarrte. Drei Kerle... Sie war nicht aufmerksam genug gewesen! Mit dreien fertig zu werden würde schwierig werden. Sie fuhr sich mit der Linken durchs Haar, während sie die Rechte unauffällig zu den Griffen ihrer Dolche bewegte. Wenn sie beide warf und Glück hatte, dass sie ihr Ziel erreichten, blieb immer noch einer der stinkenden Bastarde übrig und sie wäre unbewaffnet. „Du hättest einen anderen Weg zurück nehmen sollen!“, schalt sie sich in Gedanken, da fiel der Penner, der sie so blöd angequatscht hatte, wie von Geisterhand zu Boden, einen Pfeil im Kopf. Ana sah auf, komplett angespannt und bereit zu handeln. Die Tatsache, dass der Besitzer dieses Pfeils eingeschritten war, machte ihn noch lange nicht zu einem Freund. Womöglich teilte er seine Beute nur nicht gern. Sie ließ die Griffe der Dolche los. Bevor sie wusste, mit wem sie es zu tun hatte, konnten die beiden Kerle zwischen ihnen nicht schaden, die nun ebenfalls gebannt auf den Baum starrten, aus dem die Worte gedrungen waren. Der Situation zum Trotz musste Ana grinsen, als den wütenden Worten ihres Helfers mehrere Sekunden lang keine Taten folgten, ehe Bewegung in die Äste und Zweige des Baums kam. Ana kannten den Typen… einen kurzen Augenblick befiel sie das unangenehme Gefühl, wenn man jemanden erkennt, doch nicht zuordnen kann woher und befürchten muss, dass man ihn irgendwann einmal betrogen, beraubt oder beleidigt hat. Dann fiel es ihr ein. Vor ein paar Tagen hatte sie ein kurzes Pläuschchen mit dem Waldalben geführt – Entwarnung.
Erst als der Kampf zwischen Farael und seinem Widersacher ausbrach, bemerkte Ana, dass der Kerl namens Nefir sich ihr ein paar Schritte genähert hatte. „Scheinbar ist dein Geist doch noch nicht so klar, Ana“, murrte sie in Gedanken. „Du hättest ihm schon drei Mal den Dolch in den Hals werfen können!“ Nun war er zu nah für einen kontrollierten Wurf. Der Mann hatte ein Messer gezückt und instinktiv wich Ana etwas zurück, worauf Nefir grinste und verfaulte Zähne entblößte. „Du wirst mir schmecken, Kleine.“ Sein Blick tastete Anas Körper ab und verharrte lüstern auf ihren Brüsten. Er kam näher an sie heran. Angewidert zog Ana einen Mundwinkel nach oben, harrte aber aus und ließ ihn glotzen. Die Kampfgeräusche der anderen beiden Männer waren verstummt, doch Ana wagte nicht nachzusehen, wer gewonnen hatte. Als der Bandit in Reichweite war, zog die Norkara blitzschnell beide Dolche und ehe der Mann umrissen hatte, was passierte, ließ er klirrend sein Messer fallen, schrie auf und starrte auf die Waffe in seinem Handrücken. Ana richtete die Spitze des anderen Dolchs auf seinen Kehlkopf, sodass die Spitze gerade so die Haut berührte. „Eine Bewegung oder ein falscher Blick auf meinen Körper und du bist tot“, sagte sie mit leiser aber fester Stimme. Hinter dem Mann sah sie Farael, der zu ihr geeilt war. Ein Söldner… sie erinnerte sich an das kurze Gespräch in der Taverne. Ob er auch jetzt für irgendwen arbeitete, obwohl das große Söldnerlager abgebrannt war? „Besser ist’s“, dachte sie. Seit es diesen Herd des Ungeziefers nicht mehr gab, waren ihre kleinen Raubzüge so viel einfacher von der Hand gegangen, da nicht an jeder Ecke ein bezahlter Häscher der Stadtwache lauerte.
Er war ein attraktiver Mann, das stellte sie erneut fest. Alben verstanden es immer, selbst in der wohl schmutzigsten Stadt Asamuras, gepflegt und sauber auszusehen, eine Eigenschaft, die Ana sehr schätzte. Trotzdem; nur weil er besser aussah, besser roch und bessere Manieren hatte, als die meisten anderen Rüpel, war er hier draußen dennoch eine Gefahr für sie, solange sie nicht wusste, was er wollte. Starr hielt sie dem Kerl Nefir weiter den Dolch an die Kehle. Der Mann wimmerte ob seiner schmerzenden Hand, doch Ana dachte nicht daran, die Klinge herauszuziehen. Über seine Schulter fixierte sie den herannahenden Farael und versuchte ihn einzuschätzen. Ein bezahlter Söldner mit dem Ziel Banditen zu erlegen oder ein arbeitsloser Söldner mit dem Ziel Banditen zu erlegen? Ana fragte sich, was ihr lieber war und fand keines von beiden besonders toll. Der Alb verlangsamte sein Tempo, war aber schon so nahe, dass Ana seine Augen sehen konnte. Sie hatten ein warmes Braun; und sie drückten Sorge aus.
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#3

Beitragvon Farael Dornenwind » Do 28. Dez 2017, 19:05

Bereits von Weitem konnte Farael beobachten, dass die Frau durchaus wehrhaft war. Er sah es und der Typ namens Nefir bekam es zu spüren. Sein Schreien war unverkennbar und Farael musste etwas Grinsen, als er de Klinge eines Dolches in seiner Hand stecken sah. Makaber war es schon, aber diese Männer waren Abschaum, die schon wesentlich schlimmere Dinge angestellt hatten.

Kaum erkannte Farael, dass seine Bekanntschaft die Situation völlig unter Kontrolle hatte, verlangsamte er sein Tempo und begann zu den beiden zu schlendern. Seine Angst, sie vor Schaden nicht bewahren zu können und als Trophäe dieser Banditen wiederzusehen, verblasste in diesem Augenblick. Sein Schwert behielt er aber vorsichtshalber in der Hand, weder wusste er, welche Tricks dieser Nefir auf dem Kasten hatte, noch ob Verstärkung anrückte.

Farael zog einen Mundwinkel nach oben und lächelte verschmitzt, ehe er eine Verbeugung andeutete. „Die Dame“, grüßte er sie. Noch immer wusste er ihren Namen nicht mehr! Mist. Schnell ablenken und auf ein anderes Thema bringen. Sein Blick glitt zu dem Banditen und seine Mimik wurde augenblicklich finster. „Scheißkerl“, grüßte er den wimmernden Banditen, der es scheinbar gar nicht wagte, den Mund zu öffnen.

Schließlich stellte sich Farael neben den Mann und betrachtete das Werk der Spaziergängerin. „Nicht schlecht. Du hast übrigens noch etwas von ihr, Arschloch.“ Farael rammte sein Schwert zwischen zwei Steinen in den Boden, packte die verletzte Hand Nefirs und zog ruckartig den Dolch hinaus. Der Mann schrie auf und begann zurück zu taumeln. Nebenbei reichte Farael wortlos den Dolch der Frau zurück, nahm sein Schwert und enthauptete den Banditen mit nur einem Streich. Dieser sah das Ende gar nicht kommen, wenn man das überraschte Gesicht seines davonrollenden Kopfes betrachtete.

Mit einem Schwinger durch die Luft ließ Farael das überschüssige Blut von seiner Klinge auf den Dreck der Straße spritzen, so dass er sich die Schwertscheide nicht all zu sehr versaute. Die Waffe ordnungsgemäß verstaut, drehte er sich zu der Frau um. „Alles klar? Noch in einem Stück?“ Sein Blick glitt über ihren Körper und suchte diesen nach Verletzungen ab, wurde aber nicht fündig. „Offensichtlich. Und eine gute Figur hinlegen kannst du also auch, so wie du da stehst.“

Die rechte Hand auf seinem Schwertknauf abgelegt, deutete Farael mit der Linken auf die Dolche in den Händen der Frau. „Sicherer Stil und für den Notfall sicherlich praktisch. Nichts für richtige Kämpfe. Du solltest üben“, erklärte er grinsend und zwinkerte ihr zu. „Auf alle Fälle 'tschuldige erst Mal für diese Unannehmlichkeiten. Du warst wohl aus Zufall mein Köder für die Scheißkerle. Naja, bringen ein hübsches Sümmchen ein. Kriegst auch etwas, wenn du das möchtest.“

Abermals glitt der Blick Faraels über den Körper der Frau, doch dieses Mal um ihrer Ausrüstung zu überprüfen. „Bist nicht zum Kämpfen oder weiten Reisen hier draußen. Was treibt dich allein hier herum?“, fragte er neugierig und blickte die toten Körper an. „Jedenfalls scheinst du nicht mit Banditen gerechnet zu haben. Wusstest du nicht, dass die hier draußen 'rumrennen und auf deren Köpfe Kopfgeld ausgesetzt ist. Machen schon seit Wochen Händlern und Reisenden das Leben schwer. Raub, Mord, Vergewaltigung. Das Übliche bei diesem Abschaum.“
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#4

Beitragvon Schwarze Ana » Sa 30. Dez 2017, 12:13

Ana ließ den Dolch sinken und ging gerade so weit zurück, dass sie sich nicht in unmittelbarer Reichweite des Schwertes befand. Sicher ist sicher, sagte sie sich. Sie verlagerte das Gewicht auf ein Bein und hob das Kinn an, quittierte des Alben Gruß lediglich mit einem knappen Nicken, obwohl sein Auftreten ihr gefiel. Umständlich beugte sie sich nach vorne, um ihren Dolch entgegen zu nehmen, anstelle einfach einen Schritt auf ihn zu zu machen.
Mit zusammen gekniffenen Augen und einem gequälten Gesichtsausdruck drehte sie den Kopf zur Seite, als Nefirs Leben endete. Sie hatte schon viele Menschen sterben sehen, doch an das Köpfen hatte sie sich nie gewöhnt.
„Danke, alles Bestens“, gab sie zurück und stemmte eine Hand in die Hüfte. Mit der anderen hielt sie die Dolche und ließ sie zwischen den Fingern wechseln, ein Trick, den sie an langen Tagen auf dem Deck der Skua bis zur Perfektion geübt hatte. … also ein bezahlter Söldner. Dennoch sah er nicht aus, wie die meisten, denen Ana begegnet war. Seine Kleidung wirkte hochwertig und er legte wirklich wert auf sein Äußeres ohne dabei weniger fähig zu erscheinen. Unter all diesen Schichten Stoff, Metall und Leder verbarg sich mit Sicherheit ein gut trainierter Körper.
Ana dachte an ihren gefüllten Lederbeutel. Es hätte Tage gegeben, da hätte sie solch ein Angebot sofort angenommen, doch heute war es nicht nötig und wer wusste, ob der Mann nicht etwas als Gegenleistung erwartete, wenn sie sein Geld nahm?
„Vielleicht bin ich ja selbst ein gefährlicher Bandit?“ Ana versuchte sich aus dem Thema heraus zu winden. Der Alb hatte sofort bemerkt, dass sie leichtfertig unterwegs war. Natürlich hörte man in den Tavernen und sonstigen Löchern alles Mögliche über Verbrechergruppen und anderen Abschaum, doch Ana hatte schon lange aufgehört zuzuhören. Stattdessen verließ sie sich auf ihr Gefühl und ihre Instinkte, die sie heute zugegebenermaßen im Stich gelassen hatten. Weder war die Seidenstraße zu nehmen eine gute Idee, noch war sie aufmerksam genug gewesen. „Es kann nützlich sein, wenn man unscheinbar wirkt“, fügte sie lächelnd an und steckte die Dolche wieder in den Gürtel. „Andererseits… du gehst nicht zufällig zurück in die Stadt? Manchmal schadet es nicht, eine fähige Begleitung zu haben.“ Sie legte den Kopf schief und sah den Alben mit großen Augen an. „Übrigens, ich bin Ana.“ Ob sie sich bei ihrer kurzen Begegnung in dieser Taverne vorgestellt hatte, wusste sie nicht mehr; von dem Abend allgemein nicht... wie so oft, seit sie in Obenza weilte.
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#5

Beitragvon Farael Dornenwind » Sa 30. Dez 2017, 12:44

Mit einer Mischung aus Amüsement und Neugierde zugleich, beobachtete Farael das Schauspiel, welches Ana vor ihm bot. Als sie schließlich provokativ fragte, dass sie selbst eine gefährliche Banditin sein könne, konnte sich Farael werde Grinsen noch lachen verkneifen. Sie war keineswegs ausgerüstet für einen Raubzug oder Kampf. Farael hätte nicht einmal die toten Männer als Banditen eingestuft, so jämmerlich bewaffnet wie sie waren. Natürlich konnten ihre Dolche einen guten Schaden anrichten, wenn sie nahe genug an etwas Lebenswichtiges herankamen. Doch durch eine Rüstung wie sie Farael trug, hätten sie keine Möglichkeit des Durchdringens gehabt.

„Ich wusste doch, dass dein Name irgendwas mit A war. Ich hatte zuerst auf Anne getippt, aber Ana passt besser zu dir“, erklärte Farael grinsend und vollführte eine Handgeste, dass Ana ihm folgen sollte. „Ich habe keine Ahnung, ob du dich noch an mich erinnerst. Farael. Farael Dornenwind, stets den holden Maiden zu Diensten. Wie auch in dem Fall ich gern deine fähige Begleitung bin.“ Sein dümmliches Grinsen verschwand nicht aus seinem Gesicht. Möglichst unauffällig musterte er die Frau erneut, als er einige Schritte Richtung Obenza anstrebte. Sie war eine Schönheit, dass musste man ihr lassen.

Nach einigen Schritten befanden sie sich auf der selben Höhe. Farael musterte das Gesicht der jungen Frau und errechnete sich die Chance für die einfachen Freuden des Lebens mit ihr. Zugleich fragte er sich, ob sie nicht zu schade wäre, dass man mit ihr eine Bettgeschichte teilt und sie dann nie wieder sieht. Bis jetzt hatte Farael das mit Frauen getan, welche er in irgend einer Weise kennenlernte. Die Meisten waren auch nur auf sein gutes Aussehen und den Körper aus, aber nie auf das, worauf es wirklich ankam. Er verspürte keine wirkliche Lust, also vertrieb er die Gedanken. Eine nette Unterhaltung und Gesellschaft war nie verkehrt, auch wenn sie nicht in Sex endete.

„Also Ana, mich würde es brennend interessieren wie du hier heraus kommst und dann noch so spärlich bekleidet. Nicht nur leichtsinnig sondern auch dumm, wenn man bedenkt was hier draußen alles keucht und fleucht.“ Auffordernd blickte Farael Ana an. „Es ist ja nicht so, dass jemand wie du hier draußen mal eben spazieren geht. Was treibt dich in das Umland Obenzas? Hier draußen ist es manchmal noch schlimmer als in der Stadt.“

Farael zog einen Flachmann aus seiner Tasche, öffnete ihn und nahm einen kräftigen Schluck. Der Rum rann brennend seine Kehle hinab, nur um dann in seinem Magen ein Loch zu brennen. Das Seemannszeugs. Schwarz gebraut und verdammt stark. Darauf hielt er Ana die geöffnete Flasche hin, aus der es stark nach Alkohol roch.
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#6

Beitragvon Schwarze Ana » So 31. Dez 2017, 15:02

Natürlich glaubte ihr Farael kein Wort, doch kurz beschlich sie die Hoffnung, er würde nicht weiter nachbohren. Der Alb hatte sie ebenfalls wieder erkannt, auch wenn er ihren Namen nicht mehr genau gewusst hatte. Kurz war sie enttäuscht darüber, ermahnte sich aber sogleich für ihren Drang nach Aufmerksamkeit und Geltung. „Nicht jeder, der dich sieht, ist verzaubert und vergisst dich nie mehr“, schalt sie sich. Vermutlich gab es sowieso viele Frauen in Faraels Leben. Er sprach mit Charme und Manieren, was häufig auf Zuspruch treffen musste.
Gemeinsam setzten sie sich in Bewegung, da griff er das Thema doch noch einmal auf und Ana seufzte. „Gerade Obenza ist es, was mich von Zeit zu Zeit hinaus treibt. Obenza und seine Wirkung auf mich“, sagte sie. „Bisher ist es noch immer gut gegangen.“
Kurz zögerte die Norkara, den Flachmann anzunehmen, doch schließlich griff sie zu. Sie roch daran und der beißende Geruch öffnete ihr die Nasengänge. Das war echtes Zeug. Nicht die übliche gestreckte Plörre, die man häufig in Tavernen vorgesetzt bekam. Ana setzte an und nahm einen großen Schluck. Es erinnerte sie an die Zeit auf See. Kurz fühlte sie sich zurückgeworfen in jene Tage, als sie stundenlang an der Reling stand mit Wind und Gischt im Gesicht und dem angenehmen Knarzen sonnengewärmten Holzes im Ohr, als von dann auf wann ihr Bruder Terry neben sie trat und ihr den Arm um die schlanken Schultern legte und an die Abende, die sie sturzbetrunken in der Kajüte saßen, Karten spielten, Lieder sangen und einfach dem Leben frönten. Ein Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht und sie reichte Farael den Flachmann zurück. „Danke sehr“, sagte sie. „Gutes Zeug.“

„Bist du schon lange in Obenza?“, fragte sie, als sie die ersten Ausläufer der Stadt erreichten. „Ich vermute, du wirst nun erst einmal deinen Sold einstreichen wollen, oder?“
Ana spielte mit dem Gedanken den Alben nach einem Drink zu fragen. Zu dieser Zeit würden die Tavernen noch relativ leer sein, sodass man sich in Ruhe unterhalten konnte. Mit etwas Glück würde er sie sogar einladen und sie könnte ihren Verdienst von letzter Nacht aufsparen. Zuvor wollte sie aber ein wenig vorfühlen, in welchen Kreisen sich der Mann normalerweise bewegte. Es gab Orte und Menschen in der Stadt, die sie möglichst zu meiden versuchte. „Also“, sagte sie, als sie soweit in die Stadt vorgedrungen waren, dass sie sich entscheiden musste, ob sie erneut hinab stieg in die düsteren Schluchten von Obenzas Bodensatz oder ob sie nun, da sie Geld hatte, in der mittleren Ebene verweilen wollte. „Hier sind wir. Danke fürs Begleiten. Wo treibst du dich normalerweise rum in dieser traumhaften Metropole?“
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#7

Beitragvon Farael Dornenwind » So 31. Dez 2017, 15:49

Dankend nahm Farael den Flachmann von Ana zurück, verschloss ihn und steckte ihn sich zurück in seine Tasche. Inzwischen waren sie in ihrem Weg weit gekommen und bereits die ersten Häuser zieren links und rechts die Straße. Wobei heruntergekommene Hütten eher der passende Begriff für die Slums waren, durch die man stets zuerst schritt, wenn man über die Salzstraße aus Südwesten kam. Ein furchtbarerer Anblick, was wohl ein hauptsächlicher Grund dafür war, dass ehrliche Leute diese Stadt mieden. Oder vielleicht lag es auch an Korruption und Verbrechen. Vermutlich ging beides Hand in Hand.

Kaum in den Anfängen der Stadt, schlug bereits der Gestank des Armenviertels um sich, gewürzt mit den Priesen des Meeres, welche von Norden in die Stadt schlugen. Welch' passende Anmerkung und Frage Ana sogleich stellte. „Ja, Obenza ist das letzte Loch in dem ein halbwegs anständiger Mensch leben möchte. Dummerweise bin ich hier groß geworden und irgendwie haben meine Wege immer wieder zurück hierher gefunden. Dieses stinkende Scheißloch. Ironischerweise habe ich hier aber ein kleines Haus an der Grenze zwischen Slums und mittlerer Ebene. Nichts Besonders, es lebt sich aber gut, wenn man die Miete aufbringen kann. Doch manchmal meinen die Hurensöhne von Grundbesitzern einen Monat doppelte Miete zu verlangen oder sie dauerhaft zu erhöhen.“

Farael seufzte auf. Ungern erinnerte er sich daran, wie er sich den Arsch mit Arbeit hatte aufreißen müssen, weil seine Miete schlagartig einen Monat lang fast 200 Handelstaler betrug. Oder wenn die Herrschaften die Miete um ganze 50 Taler anhoben. In diese Zeiten mussten sehr viele Banditen sterben. Zum Glück gab es in und um Obenza genug davon. „Auf alle Fälle, wie du schon sagtest, ist es echt keine schöne Stadt für ein Leben, wenn man es ruhig haben will. Manchmal kotzt einen die Stadt wieder aus und man muss vor ihr fliehen. Zumindest eine Zeit lang“, stimmte Farael Ana zu und betrachtete seine Umgebung dabei.

Schließlich hielten sie inne. Sie standen inmitten der Grenzen zwischen Mittelebene und Slums, verschiedene Gestalten wechselten hier die Ebene und auch Faraels Haus war nicht weit von hier entfernt. „Vermutlich werde ich jetzt zum Söldnerlager gehen, von dem ich den Auftrag bekommen hatte. Die warten schon seit mehr als einer Woche auf die Erledigung des Auftrags. Ich will da nur mein Geld holen und vermutlich direkt nach der nächsten Arbeit fragen. Das Übliche eben, was man als Freiberufler so macht“, erklärte er Ana und musterte sie. Sie schien über etwas nachzudenken, konnte aber nicht ganz ausmachen, was ihre Intention war.
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#8

Beitragvon Schwarze Ana » Do 4. Jan 2018, 12:48

Erstaunt horchte Ana auf und versuchte sich vorzustellen, sie hätte ihr ganzes Leben in Obenza verbracht. „Das hätte ich nicht überlebt“, dachte sie. „Wenn ich nicht von irgendeinem Verbrecher umgebracht worden wäre oder eine Droge mich hingerafft hätte, wäre ich früher oder später vermutlich von einem Dach gesprungen.“ Laut sagte sie aber: „Du bist hier geboren? Dafür hast du dich gut gehalten.“ Sie grinste den Alben an, im Versuch, ihre Bewunderung mit dem kleinen Scherz zu überdecken. Überhaupt musste das Söldnerdasein ganz schön lukrativ sein, wenn er sich sogar ein kleines Haus leisten konnte. Ein fester Ort zum Schlafen… es war schon einige Zeit her, dass sie so etwas gehabt hatte. Anfangs hatte sie in einem kleinen Zimmer zur Untermiete gewohnt, doch sie hatte so unregelmäßig gezahlt, dass der Hausherr sie schließlich rausgeschmissen hatte und seither schlief Ana mal hier, mal dort, in verschiedenen Gasthöfen, manchmal, wenn der Wirt gnädig und mit ihrem Auftritt zufrieden war, sogar umsonst, aber auch bei Fremden, die sie sich zuvor angelacht hatte oder einfach an einer geschützten Stelle am Hafen, wo sich nach und nach immer ein paar streunende Katzen zu ihr kuschelten, um sich an ihr zu wärmen. Wenigstens fand sie immer irgendwie die Möglichkeit sich zu waschen, denn wenn Ana eines wichtig war, dann war es ihr äußeres Erscheinungsbild.

Was? Ana zog fragend die Augenbrauen zusammen. Wusste er es denn nicht? Viel war die letzten Tage in den Tavernen und sonstigen Schankhäusern über das Unglück im Söldnerlager gesprochen worden, auch wenn die Geschichten, wie es passiert war, weit auseinander gingen. Manche meinten, es sei schlicht ein Unfall in einer Küche gewesen, andere beharrten darauf, dass es ein Anschlag einer kriminellen Bande gewesen war, wieder andere waren überzeugt davon, dass ein ehemaliger Söldner aus Liebesleiden das Feuer gelegt hatte, um sich an seiner Ehemaligen zu rächen, die ebenfalls dort weilte und die nächsten berichteten von einem betrunken Kerl, der den Niedergang des Lagers im Rausch zu verschulden hatte. Doch Farael hatte scheinbar nichts davon mitbekommen und die Leichtigkeit und Gewissheit, mit der er sein Vorhaben vortrug, verursachte fast schon Mitleid in Ana, wenn sie ihn gleich über die Geschehnisse in Kenntnis setzten musste. „Äh… Farael… das könnte schwierig werden…“, setzte sie an. „Gibt es andere Orte, wo ihr euren Sold einstreichen könnt?“ Der Alb war selbstverständlich zunächst verwirrt und Ana wusste, dass sie deutlicher werden musste. „Das Söldnerlager… es ist vor kurzem abgebrannt… ich bin nicht sicher, ob noch irgendwas davon steht.“
Unglauben spiegelte sich in Farael Augen wieder.
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#9

Beitragvon Farael Dornenwind » Fr 5. Jan 2018, 23:36

Ein wenig musste Farael schon schmunzeln, als Ana sagte, er habe sich gut gehalten. Es war ein niedliches Kompliment und die Blicke die sie ihm die ganze Zeit schenkte, waren durchaus amüsant. Farael wusste um seine Wirkung auf so manche Frauen, wäre er in Stimmung für ein solches Spiel, hätte er sicherlich an diesem Spiel teilgenommen. Doch nicht in diesem Moment oder an diesem Tag.

Denn seine Laune wurde bereits im nächsten Moment verhagelt, als Ana ihm eine Hiobsbotschaft überbrachte. „Wie, das Ding ist abgefackelt?“, hakte er noch einmal nach und wollte anfangs gar nicht glauben, was seine neue Bekanntschaft dort berichtete. „Du scherzt doch, oder?“ Doch die Miene Anas sprach gänzlich andere Worte. Nach diesem Moment des Unglaubens seufzte Farael etwas genervt auf und blickte in die Richtung der Stadt, in der das Lager stehen müsste.

Schließlich ließ er die Schultern etwas hängen und dachte darüber nach, wie er jetzt an sein Geld kommen würde. Wie Ana angedeutet hatte, würde es nun wesentlich schwieriger werden, an die Bezahlung des Auftrages zu gelangen. „Das ist scheiße“, sagte er schließlich knapp. „Dabei habe ich überlegt, dass ich dich mit dem Lohn zu einem Schnaps in meiner Stammkneipe einlade. Das hat sich dann wohl erübrigt. Stattdessen werde ich wohl erst einmal meinem scheiß Geld hinterherrennen müssen. Ganz große Klasse. Ich wetter irgend einer der Vollidioten hat im Suff alles abgefackelt. Ich kenn' die Pisser. Liebenswerter Haufen, aber wehe die trinken nur einen Schluck Alkohol.“ Farael fluchte wie ein Rohrspatz und die Leute drehten sich bei seinem Ton verwirrt nach ihm um.

Nun da seine Stimmung dezent in Richtung Keller gegangen war, blieb ihm nichts Anderes mehr übrig. „Gut, dann werde ich jede verfickte Spelunke in dieser Stadt absuchen und nach den Söldnern des Lagers Ausschau halten. Die müssen mir dann eben das Geld geben. Sollen die sehen wie sie es schaffen.“ Erneut seufzte Farael auf und blickte in Richtung des Himmels. Der Horizont begann sich bereits rötlich zu verfärben.

„Aber ich denke dafür ist morgen noch Zeit.“ Plötzlich gähnte Farael herzhaft und streckte sich mitten auf der Straße. Erst zu diesem Zeitpunkt bemerkte er, dass er müde war. So hatte er die letzten Tage meist damit zugebracht, außerhalb der Stadt zu jagen und nebenbei die Banditen ausfindig zu machen. Wirklich viel Schlaf hatte er nicht bekommen können. „Wie schaut's aus, was treibt dich in dieser Zeit noch umher?“, fragte Farael an Ana gerichtet. Vielleicht wusste sie eine Möglichkeit, noch etwas zu entspannen, ehe er sich für den Tag zurück zog.
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#10

Beitragvon Schwarze Ana » Sa 6. Jan 2018, 10:22

Mit aufeinander gepressten Lippen nickte Ana. Er hatte es wirklich nicht gewusst… Anas Enttäuschung über den verpassten Gratis-Schnaps wurde jäh unterbrochen, als Farael begann sich in Rage zu reden. Amüsiert zog sie eine Augenbraue hoch und schmunzelte ob seiner Schimpftirade. „Da hast du aber etwas vor“, sagte sie belustigt, wenn auch vorsichtig, „hier gibt es mehr Spelunken als anständige Menschen.“
Ihre Füße hatten sie wie von selbst in Richtung Markt getragen und in der Ferne kam schon die große Eisenbrücke in Sicht, der Koloss, der Ober- und Unterstadt miteinander verband, ja manchmal so wirkte, als wolle er sie krampfhaft zusammenhalten… und als bereite dies große Mühe. „Normalerweise suche ich mir abends eine Taverne, um zu spielen.“ Ana deutete auf den Lautenkasten auf ihrem Rücken. „Doch wie es der Zufall will, habe ich heute frei.“ Sie lächelte. Was sollten sie mit diesem gebrauchten Tag anfangen? Der Himmel war recht klar, es würde vermutlich einen schönen Sonnenuntergang geben, den man in den Schluchten der Stadt überhaupt nicht wahrnehmen konnte. „Vielleicht werde ich zum Hafen gehen… bis nach vorne zum Leuchtturm.“ Die Norkara blickte Farael an. „Hast du Lust? Wir könnten uns unterwegs eine Flasche Portwein oder Met kaufen, sofern am Markt noch etwas los ist, und einfach ein wenig auf das Meer hinaus blicken. Das zumindest würde ich jetzt tun.“ Ana wusste nicht, warum sie den Alben einlud, ihr Gesellschaft zu leisten, oder vielleicht wusste sie es doch und hörte nur nicht hin. „Der Hafen ist auch nicht gerade das sicherste Pflaster“, sagte sie sich, „männliche Begleitung kann nicht schaden.“ Doch damit belog sie sich nur selbst. Wie viele Stunden und Nächte hatte sie schon alleine an den Docks verbracht? Am Leuchtturm?
„Für die ein oder andere Münze lässt uns der Wärter vielleicht sogar nach oben“, durchbrach sie ihre eigenen Gedanken. „Von der Spitze des Leuchtturms hat man einen wunderbaren Blick auf das Meer… und zum Glück für uns, da du ja pleite bist, habe ich gerade ein wenig Geld.“ „… das ich mir eigentlich aufsparen wollte“, fügte sie im Stillen hinzu, doch andererseits besaß sie tatsächlich ein üppiges Sümmchen und Geld auszugeben war in Obenza häufig die beste Möglichkeit, wenn man etwas davon haben wollte. Zudem sagte ihr ihr Gefühl, dass Farael nicht der Typ war, der so etwas auf sich sitzen lassen würde. Und er konnte schon wissen, wann sie das nächste Mal knapp bei Kasse war?
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