Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den AnfĂ€ngen liegt. Die ĂŒberlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der SchlĂŒssel zur Herrschaft ĂŒber Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. WĂ€hrend die Almanen auf AltbewĂ€hrtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die GeheimbĂŒnde der Schatten sehen in der Magie die mĂ€chtigste Waffe und fĂŒr die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Von Blut, Sold und Liebe

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Söldnerlager der Raubvögel
Ein wilder Haufen von arbeitslosen Söldnern schloss sich zusammen, um ein eigenes Söldnerlager aus dem Boden zu stampfen. Ihr Ziel: Geld zu verdienen und dabei noch Spaß zu haben. Jeder Haudegen, der sich an ein paar Regeln halten kann, ist hier willkommen.
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Sodo Mio
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#31

Beitrag von Sodo Mio » Do 15. MĂ€r 2018, 19:34

Sodo musterte ihn einen Moment. "Hat dir irgendwer irgendwas ĂŒber mich erzĂ€hlt, kann das sein?"
Er wartete, ob irgendwer von seinen zwei Leuten noch eine Frage hatte, doch das war nicht der Fall.
"Wir sind hier fertig. Also du. Wir bleiben noch und trinken aus. Also dann bis morgen an den Ruinen."

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Farael Dornenwind
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#32

Beitrag von Farael Dornenwind » So 18. MĂ€r 2018, 15:37

Ein wenig störte sich Farael an der SelbstgefĂ€lligkeit des Halborks. Offensichtlich war dieser von sich sehr ĂŒberzeugt und war mehr als stolz darauf, wenn ihn jemand hervorhob. Überheblichkeit war der erste Schritt in Übermut. NatĂŒrlich sah Farael in dem Mann einen durchaus fĂ€higen Söldner, doch seine Übermaß an Selbstvertrauen konnte ihm schnell ins Kreuz fallen.

Doch vorerst beließ Farael es dabei und grinste zusichernd, als ob jedem Wort zustimmen wĂŒrde. Um dem Ganzen noch einen drauf zu setzen, erwiderte er: „Von dir muss man nicht hören. Man sieht dir dein Geschick an. Drum bin ich auch froh, auf euch drei gestoßen zu sein.“ Bolgur blickte auf und schien sich ein LĂ€cheln abzuringen, wĂ€hrend Sodo wohl gerade im Narzissmus baden musste.

„Gut, wir sehen uns morgen. Bleibt heil. Verletzt nĂŒtzt ihr mir nichts“, erklĂ€rte er und nickte den MĂ€nnern zum Abschied zu. Noch aus dem Augenwinkel erkannte Farael, wie Bolgur wieder in sein Glas starrte. Etwas schien ihm ganz und gar nicht zu schmecken. Oder abzustoßen. Farael konnte es nicht einordnen. Doch vermutlich hatte er schlichtweg mit seiner Arbeitslosigkeit zu kĂ€mpfen. Ohne sich einen weiteren Gedanken dazu zu machen, steuerte er an den GĂ€sten und der Bedienung der Kneipe vorbei. Dabei fing er sich den ein oder anderen Blick von MĂ€nnern ein, die wohl mehr als nur eine Art des Kennenlernens mit Farael bevorzugen wĂŒrden. Zum GlĂŒck stand er im nĂ€chsten Moment bereits vor der TĂŒr und schnappte die frische Luft. Zumindest so frisch, wie es in Obenza möglich war.

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Farael Dornenwind
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#33

Beitrag von Farael Dornenwind » Mo 19. MĂ€r 2018, 14:32

Farael:
Der Tag hĂ€tte nicht besser beginnen können. Durch Faraels Geschick in der Verhandlung sowie der Bereitwilligkeit der Söldnergruppe haben sie einen gemeinsamen Nenner finden und auf eine fĂŒr alle Seiten gute Lösung kommen können. Mehr kann man nicht wollen, zu mal fĂŒr Farael ein neues Kapitel ansteht. Mit der Zusage der Söldner konnte sich schon bald einer seiner TrĂ€ume erneut erfĂŒllen und er der Kommandant einer eigenen Garnison von Söldner werden. Doch musste er auf dem Boden bleiben, letztendlich galt es, die Treue mit Vorsicht zu genießen und die ersten Fundamente zu legen. Ohne diese wĂŒrden seine PlĂ€ne im Keim erstickt werden, ohne dass er eine Chance der Umsetzung gehabt haben könnte.

Dennoch hatte der erfolgreiche Start in den Tag einen spĂŒrbaren Einfluss auf ihn. Seit langem wieder sah er die Straßen Obenzas nicht vor Schmutz starren, sondern als eine Möglichkeit fĂŒr seine persönlichen Ziele. Dinge die er hat lange zurĂŒckstellen mĂŒssen, da er keine Möglichkeit gehabt hatte oder aber seine SchuldgefĂŒhle die alten Erinnerungen hochkochen ließen. Mit aller Kraft wehrte Farael sich dagegen. Von diesen Gedanken wollte er sich den Tag nicht versauen lassen.

Seine ersten Gedanken galten jedoch nicht dem weiteren Planen und Taktieren. Stattdessen musste er wie ein normaler BĂŒrger dieser Stadt wieder einkaufen. Lebensmittel besorgen, lagern und die VorrĂ€te Zuhause aufstocken. Besonders von dem Tee, welchen er am Abend zuvor mit Ana genossen hatte, mĂŒsste er sich mehr besorgen. Im gleichen Moment erschien ihm die Norkara vor dem inneren Auge. Eine junge Frau. BildhĂŒbsch. Viel Potential. Augenblicklich breitete sich eine WĂ€rme in seinem Körper aus, die er nicht ganz zu begreifen vermochte. Sie hatte ihre Reize, die weit ĂŒber eine Körperlichkeit hinaus gingen.

Sofort schlug er sich das Bild aus dem Kopf. Farael durfte nicht zu nachgiebig werden. Etwas in seinem Inneren riet zur Vorsicht, auch wenn ein anderer Teil sagte, dass er sie nicht vergraulen und besser annehmen sollte. Man konnte in diesen Zeiten niemanden trauen und doch verspĂŒrte er ihr gegenĂŒber ein tiefgreifendes Interesse und Vertrauen. Es spiegelt sich nicht mit seinen Erfahrungen, dass er das bei einem Menschen in dieser gottverlassenen Stadt tun konnte.

Schnell widmete sich Farael den wesentlichen Dingen, die anstanden. Zu wenig Zeit hatte der Tag. Die Sonne hatte bereits ihren Höhepunkt erreicht und es ging auf den Nachmittag zu. Also verschlug es ihn auf den Marktplatz. Der Ort, an dem HĂ€ndler ihre Waren zu ĂŒberteuerten Preisen feilboten, Kinder die findigsten Taschendiebe waren und Halsabschneider einem das Geld abknöpften. Zu Faraels GlĂŒck wirkte er nicht wie jemand, mit dem man es sich verscherzen sollte. Das brachte ihm so einige respektvolle Blicke und kleinlaute Worte ein.

Mit einem vollen Korb bestehend aus Trockenfleisch, Teemischung, Milch und Honig, dazu noch ein Laib Brot, machte sich Farael auf den Weg nach Hause. Sein Spaziergang ĂŒber den Markt und das ruhige Stöbern hatten ihn den gesamten Nachtmittag gekostet. Zudem hatte eine Ă€ußerst teure Flasche Wein, Cognac und noch einen Whiskey dazu. Lang hatte sich Farael diese Dinge nicht mehr gegönnt. Wenn, war es nur ein Glas, aber nie mehr. Allerdings hatte das auch sein Erspartes stark angegriffen und selbst wenn er noch RĂŒcklagen hatte, er brauchte dringend wieder ein Einkommen.

Zuhause angekommen, fĂŒhlte Farael eine Leere, als er sein Haus betrat. Das Bett war noch immer zerwĂŒhlt und der Duft Anas hing in der Luft. In gewisser Hinsicht fehlte sie, auch wenn sie hier nicht wohnte oder regulĂ€r zu Gast war. Beim EinrĂ€umen der Lebensmittel fiel ihm auf, dass jemand in seiner Kommode gewĂŒhlt hatte. Sie war nicht richtig verschlossen, wobei er sich absolut sicher war, diese entsprechend geschlossen zu haben. Ein Blick hinein offenbarte auch sogleich, dass eines seiner Hemden fehlte. Kein großer Verlust und zugegeben eine doch etwas niedliche Geste von einer Frau, die gern die ZĂŒgel in der Hand hielt. Mit einem Grinsen verschloss Farael die Kommode schließlich ganz und widmete sich seinem Heim. Hier und dort AufrĂ€umen, schmutzige Kleidung reinigen und ein Gebet fĂŒr Ardemia. Mehr brauchte es nicht, da war es schon dunkel draußen und die Straßen Obenzas tauchten sich in das Licht der Straßenlaternen.

Jedoch war dies fĂŒr Farael keinerlei Grund, drinnen zu versauern und den Abend daheim zu verbringen. Im Gegenteil. Die Suche nach angenehmer Gesellschaft oder vielleicht der wilden Nacht mit einer Frau, die ihres Schicksals noch gar nicht bewusst war, trieb ihn hinaus auf die Straßen. Um diese Zeit war das Gesocks der Unterwelt besonders aktiv. Diebe, Mörder, Vergewaltiger trieben zu diesen Zeiten ihr Unwesen. Keine schöne Zeit um herauszugehen, sofern man nicht zu ihnen gehörte. Doch Farael störte sich nicht daran. Im Gegenteil. Leute dieser Kategorie die er erblickte, wurden von ihm zurecht gestutzt, wenn es sein Eingreifen erforderte. Fast jeder in Obenza konnte sich auf vielschichtige Art und Weise verteidigen – aber ebenso Schaden zufĂŒgen.

Auf jeden Fall setzte Farael sein Ziel auf das Gasthaus „Alter Alfons“. Ein durchaus angenehmes Lokal, in welchen Mann jedem BedĂŒrfnis frönen konnte, wenn es einem danach beliebte. Meist waren dort gute Musik und vorzĂŒgliches Essen an der Tagesordnung, mit welchen die GĂ€ste stets bei Laune gehalten wurden. So auch Farael, der trotz des hohen Preises in dem Lokal gern ein und aus ging. Der Wirt kannte ihn mittlerweile gut und zahlte auch gut fĂŒr frisches Fleisch oder Felle.

Plötzlich fielen Farael allerdings drei MĂ€nner auf, als er durch den Rotlichtbezirk lief, um zum Hafenviertel zu gelangen. Sie standen in einer Seitengasse, offensichtlich angetrunken. Sie reichten eine Flasche herum. Sie nahmen abwechselnd einen Schluck daraus, unterhielten sich lautstark und freuten sich ĂŒber ihren Feierabend. Nichts Ungewöhnliches in diesem Bezirk und erst recht nicht in der Stadt. Doch die MĂ€nner sahen nicht gewöhnlich aus. Ihre RĂŒstungen waren schwarz wie die Nacht. Augenscheinlich aus Leder geformt. An ihren Seiten hingen beachtliche Langschwerter, die jedoch nicht wie gewöhnlich in Scheiden steckten, sondern nur ĂŒber einen Riemen an ihren GĂŒrtel befestigt waren. Sie spiegelten das Licht der Straße wieder.

Diese Aufmachung und AusrĂŒstung. Farael hatte sie schon einmal gesehen. Er war sich nicht ganz sicher. Bilder vor seinem inneren Auge tauchten auf. Der Außenposten nahe Shohiro. Seine MĂ€nner. Und dann die Angreifer. In schwarzen RĂŒstungen gehĂŒllt. Stolz hatten sie gerufen: „FĂŒr die schwarze Kompanie!“ Nach diesem Ruf hatten sie seine Söldner wie Vieh abgeschlachtet. Faraels Soldaten in den Boden ĂŒbermannt und in den Boden getreten. Es floss viel Blut. Schreie ertönten. Flammen verzehrten die Bauten.

„Hey du Wichser, was glotzt du so?!“, brĂŒllte plötzlich einer der MĂ€nner zu Farael, der so aus seinen Gedanken gerissen wurde. Er hatte gar nicht mitbekommen, wie er diese MĂ€nner angestarrt hatte. Doch es hatte gereicht, um sich zu vergewissern. Söldner der schwarzen Kompanie. Jene MĂ€nner, die die TrĂ€ume Faraels in einem Blutbad ertrĂ€nkt hatten. Faraels Herz schlug plötzlich wild. „Scheiße, ich glaub' der ist taub. Zu viel gesoffen oder warum so mutig?“, ertönte es wieder. Die Söldner kamen nĂ€her.

Farael spannte sich an. Seine rechte Hand legte sich auf seinen Schwertknauf. Die Söldner taten es ihm gleich. Personen die du dich die Straßen torkelten, machten einen Bogen um die Szene. „Moment, ich kenne dich doch“, stellte einer der Söldner fest, kurz bevor sie vor Farael zum Stillstand kamen. In der Luft lag Hitze. Sie blickten ihn an. Ihr Frontmann riss die Augen auf. „Es ist der beschissene AnfĂŒhrer!“, brĂŒllte er auf. Ein metallisches Reiben, gefolgt von einem Surren durch die Luft.

Blut spritzte Farael entgegen, als seine Klinge den Hals des Söldners vor sich durchtrennte. Die anderen Beiden schrien auf. Der Kopf ihres Kameraden flog davon, sein Körper sackte zusammen. Sie zogen ihre Schwerter. „DafĂŒr wirst du bezahlen!“, schrie einer. Er nahm seine Kampfstellung ein. Der Andere tat es ihm gleich und darauf war Farael vorbereitet.

Er ließ seine Gegner nicht zu einem Schlag ansetzen. Mit einem Satz sprang er nach vorn. Sein Schwert von unten gefĂŒhrt, traf die Klinge auf das Stahl seines Gegners. Er drĂŒckte Faraels Waffe nach unten weg. Farael konterte mit einem Tritt aus einer halben Umdrehung. Der Söldner wankte zurĂŒck. Sein Kumpane holte aus und Farael sah es im letzten Moment, die Klinge traf jedoch ins Ziel. Farael spĂŒrte, wie eine Klinge den Stoff seiner RĂŒstung zerschnitt und durch sein Fleisch ging. Doch Schmerz war nicht zu spĂŒren – nur KĂ€lte und unsĂ€glicher Hass.

Farael machte einen Satz nach hinten, entging dem darauffolgenden Angriff von vorn. Der Zweite wollte nachsetzen. Der Klinge entging er mit einem Seitenschritt. Schnell preschte Farael hervor, rammte dem Kontrahenten den Ellenbogen ins Gesicht. Sofort schrie er auf, doch hatte keine Chance zur Erholung. Farael drehte sich, schwang seine Klinge und durchschnitt die Wade des Mannes. Augenblicklich fiel er unter einem schmerzerfĂŒllten Schrei nach hinten weg. Da kam der zweite Feind. Sein Schlag war ein hoher Schwung von rechts. Farael duckte sich und sprang aus der Hocke seinem gegenĂŒber entgegen. Mit seiner Kraft riss er den Mann zu Boden. Er verpasste ihm eine Kopfnuss. Ein lautes Knacken ertönte. Der Mann schrie. Seine Nase war schief.

Farael rollte sich von dem armen Geschöpf herunter, das völlig benommen am Boden wimmerte. Zu spĂ€t bemerkte er die herannahende Klinge, die vom Anderen gefĂŒhrt wurde. Kalter Stahl drang ĂŒber seiner Brust ein. Heißer Schmerz durchzuckte seinen Körper. Sein GegenĂŒber grinste siegessicher. Dann kam jedoch pures Entsetzen zum Vorschein, als Faraels unter lautem Aufschrei sich auf die Klinge zog und sein eigenes Schwert durch den Magen des Mannes trieb. Blutiges Röcheln ertönte. Der Mann spuckte Blut, keuchte und sackte zusammen. Sein Schwert noch immer in Faraels Schulter steckend.

Dieser griff nun mit seiner Linken an dessen Klinge und zog es sich langsam heraus. Sein kompletter Körper verkrampfte. Farael presste die ZĂ€hne aufeinander und stöhnte. FĂŒr Farael verging eine gequĂ€lte Ewigkeit, ehe das Schwert seinen Körper verließ und klirrend zu Boden fiel. Hinter ihm wimmerte es. Sein Atem ging schwer, als er sich umdrehte. Der letzte Überlebende krĂŒmmte sich auf dem Boden, noch immer hielt er seine gebrochene Nase und wimmerte. Farael schritt auf ihn zu, seine Hand verkrampft um den Griff seines Schwertes. Der Blick des verwunderten ging nach oben, seine Augen voller Angst und Schmerz. „Bitte 
 bitte nicht ...“, wimmerte er. Doch so wie diese MĂ€nner keine Gnaden bei Faraels Söldner gekannt hatten, kannte Farael keine Gnade mit ihnen. Er nahm sein Schwert in beide HĂ€nde, hob es ĂŒber den sich zu seinen FĂŒĂŸen krĂŒmmenden Körper und trieb es durch den Leib. Ein weiterer Schrei ertönte. Dann Stille.

Langsam taumelte Farael zurĂŒck, sein Körper erhitzt von dem Kampf und völlig erschöpft. Sein RĂŒcken gelangte schließlich an eine Wand, an der er sich im nĂ€chsten Moment sinken ließ. Sein Schwert lehnte er gegen die Wand, ehe er an sich herunter blickte. Zwei klaffende Wunden zeichneten seinen Oberkörper. Eine Wunde die an seinem Bauch entlanglief, zum GlĂŒck nur oberflĂ€chlich. Dann ein klaffendes Loch in seiner Schulter. Der Großteil des Schadens wurde durch seine RĂŒstung verhindert, doch waren die Verletzungen mehr als bloße Kratzer.

Das Adrenalin des Kampfes ließ nach, worauf Schmerz seinen Körper durchzuckte. Mit der Linken presste er auf die Wunde in seiner Schulter, wĂ€hrend die Rechte nach seinem Flachmann griff. Nach mehreren ungelenken Versuchte schaffte er es, den Flachmann aus seiner Tasche zu befreien. Kaum aufgeschraubt, nahm er einen tiefen Schluck des Schwarzgebrannten, der brennend seine Kehle hinunterkroch. Tief atmete Farael darauf durch, seine HĂ€nde zitterten, als er das metallene GefĂ€ĂŸ ĂŒber seine Bauchwunde hielt und schließlich darĂŒber kippte. Sein kompletter Körper verkrampfte, er gab einen unterdrĂŒckten Schrei von sich. Einige Sekunden vergingen, dann entspannte er. Die Wunde pochte. Schließlich das Gleiche Spiel bei seiner Schulterwunde.

Als nĂ€chstes stellte Farael den Flachmann beiseite, nahm eine Bandage aus seiner Tasche und presste sie gegen seine Schulterwunde. Scharf sog er die Luft dabei ein, je fester er drĂŒckte. Farael lehnte seinen Kopf gegen die Wand hinter sich. Rache ist nicht sĂŒĂŸ. Rache ist ein unbĂ€ndiger Durst, der umso durstiger macht, je mehr man sich ihm hingibt. Und doch sitzt er hier und hat diese MĂ€nner aus purem Hass getötet. Abgeschlachtet, wie sie es einst mit seinen MĂ€nnern getan hatten.

Ana:
Ana torkelte durch den Rotlichtbezirk. Arbeit hatte sie zwar keine gefunden, dafĂŒr aber mittlerweile die ganze Flasche Rum vernichtet oder vielleicht verloren, jedenfalls war sie nicht lĂ€nger in ihrem Besitz. Die bittere Erkenntnis, dass sie den tollen Verdienst von vorgestern komplett verprasst hatte, drang nur vage durch den dichten Nebel des Rausches in ihren Verstand vor und wĂŒrde erst am nĂ€chsten Morgen in voller GĂ€nze zuschlagen. So schnell schlug man nach einem Höhenflug wieder hart auf Obenzas schmutzigem Pflaster auf, dachte sie abwesend und stieß gegen eine Hauswand. Sie hatte gehofft im Alten Alfons spielen zu können, doch der Wirt hatte fĂŒr den Abend bereits Programm und auch all die anderen Tavernen und Spelunken, die sie aufgesucht hatte, waren entweder schon versorgt oder wĂŒnschten keine musikalische Unterhaltung fĂŒr ihr Publikum. Im letzten Gasthaus war sie schließlich einfach sitzen geblieben und hatte ein paar Bier gekippt, da sie nicht wusste, was sie sonst machen sollte. "Geh zu Farael", hatte ein Teil von ihr mehrfach gedrĂ€ngt, doch Ana wollte nicht, dass er sie so sah, wollte nicht wie eine BedĂŒrftige um Hilfe bitten. Dann aber war ihr der Brief eingefallen und sie hatte ihn aus der Tasche gefummelt. Sie hatte den Wirt heran gewunken, doch der hatte nur heiser gelacht. "Ich kann doch nicht lesen, dummes Ding! Aber Erna kann es. ERNA!" Laut hatte er den Namen seiner Frau in Richtung KĂŒche gebrĂŒllt, die darauf hin den geröteten Kopf hinaus gestreckt hatte. "Was plerrst du denn so? Ich bin doch nicht taub!" Der Wirt Bruno hatte mit einem Seitenblick zu Ana verlegen gegrinst. Sie kannte die beiden schon lĂ€nger und kam hĂ€ufig hierher. "Kannst du Ana das hier vorlesen, Schatz?", sagte er leiser, wobei er das "Schatz" besonders betont und Erna daraufhin mit den Augen gerollt hatte. Sie hatte sich die HĂ€nde an der SchĂŒrze sauber gewischt und nach dem Pergament gegriffen. "Oh! So, so!" Sie hatte Ana verwegen zugezwinkert, die ĂŒberhaupt nicht verstanden hatte, was los war. "Ein neuer Liebhaber, Kind?" "Wasss?", hatte sie gelallt. "Wasss scheht da?" Erna hatte vorgelesen und Anas Augen sich geweitet. "Oh", hatte sie nur gesagt und hĂ€tte sich am liebsten selbst geohrfeigt, dass sie nicht eher an den Brief gedacht hatte. Anstelle sich wieder den Verstand wegzusaufen, hĂ€tte sie Farael irgendeine Freude bereiten und auf ihn warten können, denn offensichtlich war sie mehr als willkommen bei ihm. "Wer ist der GlĂŒckliche?", hatte Erna neugierig gefragt, doch Ana war schon von ihrem Barhocker gerutscht gewesen. "Annermal", hatte sie gemurmelt und war in die KĂŒhle der Nacht gestolpert.

Nun war sie hier, noch immer ziellos. Die Straßen waren belebt und Ana wurde angerempelt und beschimpft, doch sie ging immer weiter und es war mehr GlĂŒck als Verstand, das keiner sie einfach entfĂŒhrte. So konnte sie auf keinen Fall zu Farael gehen. Sie stank nach Schnaps und fremdem Schweiß aus ĂŒberfĂŒllten Kneipen und sein Hemd war versaut von Bier und anderen Gesöffen. Vielleicht sollte sie es einfach machen wie der Typ ein StĂŒck weiter vorne, sich an Ort und Stelle niederlassen und warten, bis der Rausch nachließ oder sie soweit ummantelte, dass sie einschlief. Die Passanten machten einen großen Bogen um ihn und wenn sie GlĂŒck hatte, wĂŒrde das bei ihr Ă€hnlich sein und es wĂŒrde sie schon einmal niemand vergewaltigen. Als sie nĂ€her kam, bemerkte sie trotz ihres verklĂ€rten Blickes, dass mit dem Mann etwas nicht stimmte. Der Mann war nicht alleine. Drei regungslose Körper lagen um ihn herum und er hatte den Kopf angestrengt nach hinten an die Wand gedrĂŒckt und fasste sich an die Schulter. Das schummrige Licht war gerade hell genug, dass Ana die Farbe der FlĂŒssigkeit auf seinen Fingern deuten konnte. Rot. Ihre trĂŒben Augen bewegten sich wieder zu seinem Gesicht. Verletzte und tote MĂ€nner gehörten in Obenzas Straßen fast schon zum Mobiliar, doch es war etwas anderes, dass ihr Herz plötzlich wild klopfen ließ - es war Erkennen. Abrupt blieb Ana stehen. Sie rieb sich die Augen, doch als sie wieder hinsah, hatte sich an dem Bild nichts geĂ€ndert. Farael... Zögerlich ging sie weiter auf ihn zu, obwohl sie nicht den blassesten Schimmer hatte, was sie tun sollte.

Farael:
Mit geschlossenen Augen verharrte Farael an Ort und Stelle. Er musste unter allen UmstĂ€nden ruhig bleiben und die Blutung stoppen. Der Schmerz der seinen Körper durchzog, war nur noch pochend und zu kontrollieren. Doch er musste dringend die Wunden richtig verbinden und sich ausruhen. Das ging schlecht, wenn er liegen bleib und die Stadtwache bald anrĂŒckte – oder VerstĂ€rkung der schwarzen Kompanie.

Plötzlich hörte Farael taumelnde Schritte, die auf ihn zukamen. Er öffnete seine Augen und blickte in ein bekanntes aber völlig verwahrlostes Gesicht. Ohne Probleme erkannte er Ana, welche offensichtlich mehr als besoffen war. „Was machst du hier Ana?“, sagte er, dabei musste er kurz aufstöhnen. Sie war völlig betrunken und stank selbst auf diese wenigen Meter die sie von ihm weg war fĂŒrchterlich nach Alkohol. Das Hemd welches sie trug, kam ihm sehr bekannt vor, mit der Ausnahme, dass es völlig verklebt und schmutzig schien. Zumindest wusste er, wo es abgeblieben war.

Farael griff nach seinem Flachmann und verstaute ihn wieder in seiner Tasche. Mit der Linken presste er weiter auf die tiefe Wunde, wĂ€hrend er sich schließlich mit Hilfe seiner rechten Hand aufraffte. Sein Stand war etwas wacklig, dennoch konnte er sich oben halten. Er verstaute sein Schwert zurĂŒck in die Scheide und betrachtete die immer noch auf ihn zutaumelnde Ana. „Du bist völlig besoffen Ana. Was hast du getrieben?“ Im selben Moment wurde ihm die Ironie dieser Frage bewusst, so stand er doch selbst wie ein Schwein blutend vor Ana, das Ganze zwischen ĂŒbel zugerichteten Leichen.

Ana:
Farael erkannte sie, bevor sie zu ihm aufgeschlossen hatte und mĂŒhevoll hievte er sich auf die Beine. "War was trinken", sagte Ana kleinlaut und nahm die HĂ€nde vor den Körper, um möglichst viel von dem dreckigen Hemd zu verdecken. Nun konnte sie das volle Ausmaß dessen erkennen, was sich hier abgespielt haben musste. Die drei MĂ€nner, die ihrer RĂŒstungen zufolge offensichtlich irgendeiner Organisation angehörten, lagen in den Lachen ihres eigenen Blutes und hatten alle mehr als eine Wunde an ihrem Körper. Hatte Farael ganz alleine gegen diese Typen gekĂ€mpft und vor allem: warum? Ana streckte eine Hand nach dem Alben aus, um ihn zu stĂŒtzen, verlor dabei aber selbst das Gleichgewicht und musste sich an der Wand festhalten. "Schuldigung", sagte sie und Ă€rgerte sich mehr denn je, dass sie so viel getrunken hatte. Zwar hatte der Schock ihren Geist schon ein wenig geklĂ€rt, doch noch immer saß der Alkohol schwer auf ihrer Zunge und in ihrem Blick. "Du bist verletzt", sagte sie unnötigerweise. "Wassis passiert? Ist es schlimm?" Erneut reckte sie eine Hand nach Farael. Unklar war allerdings wer hier wen stabilisieren musste.

Farael:
Da Farael es vorzog, lieber das Weite zu suchen bevor noch mehr Leute kamen, musste er handeln. Zumal wollte er Ana nicht in der NĂ€he der Leichen und des Geschehens wissen. Sie sollte nicht in diese Sachen hineingezogen werden. Das war allein die Last, die Farael zu tragen hatte. Das sie jedoch betrunken war, machte den Weg zu seinem sicheren Ort ungemein schwer. „Kein Grund dich zu entschuldigen. Wir sollten hier wegkommen“, erklĂ€rte er ihr ruhig und leise. Sie schien zumindest zurechnungsfĂ€hig zu sein und allein durch das Bild ein wenig geklĂ€rter, als noch vor dem Eintreten in die Gasse.

„Pass auf, wir mĂŒssen hier weg. Wir können beide nicht sonderlich gerade laufen, also mĂŒssen wir uns gegenseitig stĂŒtzen.“ Damit nahm er auch schon ihre Hand und fĂŒhrte Ana langsam an seine rechte Seite. Er hatte keine andere Wahl, als sich eng an sie zu schmiegen. Mit seiner Rechten umfasste er ihre Taille, damit er sie stĂŒtze, wĂ€hrend er ein StĂŒck seines Körpergewichtes auf ihren Oberkörper auslastete. „Mach' dir um mich keine Sorgen. Ich komme klar. Eine Nacht Ruhe sollte das wieder gerade biegen. Und was hier passiert ist – vergesse es schnell wieder. Es zu wissen bringt dich nur in Schwierigkeiten.“ Mit diesen Worten marschierte Farael mit Ana bereits in die andere Richtung der Gasse. Es wĂŒrde ein langer Weg werden.

Ana:
"Was", setzte Ana an, da zog Farael sie auch schon an sich. Wie ferngesteuert setzte sie einen Fuß vor den anderen und versuchte irgendwie zu verdauen, was gerade passierte. Ein paar Leichen zu sehen machte Ana nichts aus, immerhin hatte sie selbst in ihrer Zeit auf See schon einige Leben genommen und noch viel mehr Leute sterben sehen. Dass Farael verletzt war, sorgte sie schon eher, doch was sie wirklich wurmte war die Art und Weise wie er sprach. Das war mehr als eine zufĂ€llige Begegnung gewesen, mehr als ein Auftrag oder ein Überfall... Selbst in ihrem Zustand konnte sie das deutlich fĂŒhlen. Farael hatte irgendeine Verbindung zu diesen schwarzen Kerlen. Am liebsten hĂ€tte sie sich aus seinem Griff gewunden und ihn zur Rede gestellt, doch sie spĂŒrte die Dringlichkeit und wagte es nicht. Stattdessen versuchte sie durch pure Willenskraft den Rausch aus ihrem Körper zu verdrĂ€ngen, doch noch immer waren ihre Schritte unstet und ihr Kopf schwirrte. "Deine Wunde muss versorgt werden", presste sie schließlich hervor, wĂ€hrend sie das Gehen mit Faraels Gewicht auf der Schulter langsam anzustrengen begann, obwohl er sie fest umfasste. "Und tut mir leid wegen dem Hemd."

Farael:
Mit einem knappen Nicken bestĂ€tigte Farael Anas Sorge und auch ihre Aussagen. Um das Hemd kĂŒmmerte sich in diesem Moment gar nicht, es war wichtig, dass sie beide heil zurĂŒckkommen wĂŒrden. Möglichst bevor er verblutete, auch wenn er fĂŒhlte, wie die Blutungen zumindest zurĂŒckgegangen waren. Farael gönnte Ana und sich mehrere Pausen, die sie in einer dunkleren Gasse verbrachten, damit niemand zu sehr auf ihren Zustand achten konnte. Allgemein schauten die Leute die in der Nacht unterwegs waren, eher doof drein, als die Beiden wirklich zu behelligen. Das war ihr GlĂŒck, letztendlich hĂ€tten sie ungewollte Fragen oder gar eine Störung ihres Weges nicht gut gebrauchen können. Es dauerte durch ihre gemeinsame Arbeit auch nicht mehr lang, dass sie an der Grenze zu den Slums ankamen und entsprechend Faraels Heim nicht mehr weit war. Völlig erschöpft öffnete Farael schließlich die TĂŒr zu ihrer Rettung. Ana sah nicht viel besser aus, so hatte sie sein Gewicht die gesamte Zeit tragen mĂŒssen, er aber auch ihres. „Danke dir“, sagte er möglichst warm, auch wenn sein Zusammenzucken durch die Schmerzen immer wieder die Worte verzerrte. „Kannst du mir helfen? Ich brauche dich. Ich schaffe es nicht allein, die Wunden zu verbinden.“

Ana:
Den Rest des Weges schwieg Ana, obwohl ihr Fragen ĂŒber Fragen auf den Lippen brannten. Eine gefĂŒhlte Ewigkeit taumelten sie gemeinsam weiter und irgendwann blickte Ana nur noch auf das Pflaster hinab und verlor jegliche Orientierung. Es ĂŒberraschte sie umso mehr, als sie sich schließlich vor Faraels Haus wieder fanden. "Ja... ja natĂŒrlich", stammelte sie. Faraels biss vor Schmerzen die ZĂ€hne zusammen, als sie ihn gemeinsam aus seiner RĂŒstung und seinen Kleidern befreiten. Ana zog hörbar Luft ein, als endlich die letzte Schicht entfernt war und den Blick auf die Verletzungen frei gab. Vor allem die Wunde an der Schulter sah böse aus. "Farael", flĂŒsterte Ana und sah ihm sorgenvoll in die Augen, legte ihre Hand auf seine heiße Wange. Einen Moment blieb sie so, unfĂ€hig sich zu regen. Von wegen, nach einer Nacht wĂ€re das wieder in Ordnung! Das war eine bösartige Wunde! Ein Stöhnen Faraels rief sie zurĂŒck in die RealitĂ€t und eilig sprang sie auf die Beine. "Wo hast du Verbandszeug?", fragte sie nervös und war dabei schon auf dem Weg nach außen, um Wasser zu holen. Kaum hatte sie die TĂŒr geöffnet, rebellierte ihr Körper endgĂŒltig gegen die Kombination aus ĂŒbermaßigem Alkoholkonsum, körperlicher Anstrengung und blutigen Bildern und sie ĂŒbergab sich in den Hinterhof.

Farael:
Mit grĂ¶ĂŸtmöglicher Geduld und Schmerztoleranz ertrug Farael das Ablegen seiner RĂŒstung und Kleidung. Auch ihm wurde bewusst, dass diese Wunde nicht mal eben verheilen wĂŒrde. Es musste ein Heiler darĂŒber schauen, ob er es wollte oder nicht. Doch vorerst galt es, die Blutung vollstĂ€ndig zu stoppen und Ruhe zu finden. In diesem angeschlagenen Zustand konnte er nicht zu einem Heiler. Mindestens die Nacht musste vergehen, so dass er sich erholen konnte. Jedoch spĂŒrte Farael in der Anwesenheit Anas etwas gĂ€nzlich Anderes. Als sie ihre Hand auf seine Wange legte und er ihr in die Augen blickte, war es fĂŒr einen Moment um ihn geschehen. Farael verlor sich in ihren braunen Augen, in denen Sorge und Zuneigung zugleich lag. In diesem Moment vergaß er, wie es um ihn stand oder in welcher Situation sie sich befanden. In diesen Blick von ihr zu schauen, ĂŒber die Augen in die Tiefe ihrer Seele zu blicken, es machte jede NegativitĂ€t wieder wett. Doch dieser Moment endetet schneller, als es sich Farael herbeigesehnt hĂ€tte. Ana stĂŒrmte kurz darauf heraus, aufgescheucht wie eine Biene und fragte nach dem Verbandszeug. Jedoch war sie im selben schon zur TĂŒr hinaus, welche einen frischen Windzug in die RĂ€umlichkeiten beförderte. Noch wĂ€hrend die TĂŒr offen stand, hörte Farael von draußen ein WĂŒrgen und schließlich ein schweres Keuchen. Es schien so, als wĂ€re das eigene Blut nicht das Einzige, was Farael in den nĂ€chsten Tagen beseitigen musste. WĂ€hrend Ana sich draußen ĂŒbergab und scheinbar Wasser holte, sammelte Farael Faden und Nadel zusammen, genau so wie frische VerbĂ€nde. Das dĂŒrfte fĂŒr den ersten Moment reichen.

Ana:
In der Hoffnung, Farael habe nichts gehört, trat Ana zurĂŒck in den Wohnraum, einen Eimer Wasser in der Hand. Sie fand einen Lappen und tauchte ihn in das kĂŒhle Nass, doch Farael winkte ab. Er hatte die Wunde bereits mit Schnaps ausgebrannt. Ana sah ein, dass dies vermutlich die beste Möglichkeit war, doch sie bestand darauf, wenigsten den Bereich um die Verletzung herum sauber zu machen und das verkrustete Blut wegzuwaschen. Vorsichtig und so geschickt ihr Zustand es erlaubte, fĂŒhrte sie den Lappen ĂŒber Faraels muskulöse Brust, ĂŒber das SchlĂŒsselbein und die Schulter hinab auf den Oberarm. Sie versuchte dabei nicht zu bemerken, wie ebenmĂ€ĂŸig und wohlgeformt sein Körper war, denn GefĂŒhle dieser Art waren nun wirklich fehl am Platz. Als sie geendet hatte, hielt der Alb ihr Nadel und Faden hin und Ana klappte der Mund auf. "I-ich soll die Wunde nĂ€hen? Ich bin froh, dass ich dein Gesicht nicht lĂ€nger zwei Mal sehe!", protestierte sie, doch Farael fasste ihre zitternden HĂ€nde und hielt sie fest. Dann sah er sie eindringlich an und sprach ihr Mut zu. Ana schluckte und griff zu. Sie setzte die Nadel an, doch wagte es nicht, einzustechen. Irgendwann vor einer Ewigkeit hatte sie einmal gelernt, Wunden zu nĂ€hen und zu verbinden, doch das war lange bevor sie geheiratet hatte. Was, wenn sie nun etwas falsch machte? Angestrengt versuchte sie sich an das zu erinnern, was ihre Mutter ihr gesagt hatte und schließlich bohrte sie das spitze Metall in Faraels Haut. Falls es ihn schmerzte, und das musste es gewiss, so zeigte er es nicht und mit zunehmender Sicherheit setzte Ana einen Stich nach dem nĂ€chsten und schloss die böse Verletzung notdĂŒrftig. Dann nahm sie das Verbandszeug entgegen. Um die Binden um seine breite Brust zu wickeln, musste Ana sich nahe an ihn heran beugen und spĂŒrte, wie ein Kribbeln durch ihren Körper ging. Erneut schalt sie sich fĂŒr ihre unangebrachten GefĂŒhle und versorgte stattdessen auch noch die zweite Wunde, die zum GlĂŒck nicht gar so schlimm war. "So", sagte sie schließlich mit dem Mut des Restrausches, "und nun sagst du mir, wer diese Typen waren."

Farael:
SehnsĂŒchtiger als er es sollte, erwartete Farael die RĂŒckkehr Anas. Er gab es nicht gern zu, doch er war in diesem Moment auf ihre Hilfe angewiesen, egal wie gut er sich hĂ€tte selbst behandeln können. Drum bestand er auch darauf, dass sie die Sache durchzog und trotz ihrer Unsicherheiten die Wunden ausgiebig versorgte. Auch wenn er ihre Versuche seine Wunde penibel zu behandeln anfangs ausschlug, so ließ er sie letzten Ende doch gewĂ€hren. Wen er schon auf sie angewiesen war, sollte sie die Möglichkeit der Behandlung bestimmen. Schließlich reichte er ihr Nadel und Faden. Ihr entsetzter Gesichtsausdruck sagte mehr, als tausend Worte. Ihre Bedenken amĂŒsierten ihn sogar ein wenig. „Seien wir ehrlich, du wĂŒrdest es genießen, mein Gesicht zwei Mal zu sehen“, stichelte er ein wenig, zwinkerte Ana schließlich aber zu. „Du schaffst das. Da steckte ein ganzes Schwert drin, da macht es die kleine Nadel auch nicht mehr. Versuche es, es kann nichts passieren.“ TatsĂ€chlich war der Schmerz der Wunden durch die Versorgung Anas gemindert worden. Farael selbst hĂ€tte das Ganze wesentlich mehr Zeit gekostet und auch wenn er bedacht, wie oft er selbst mit der Nadel daneben gestochen hatte. Doch Ana schlug sich ausgezeichnet. Wenn auch sie manchmal die Nadel etwas zu grob einfuhr, riss Farael sich zusammen. Die kleinen Stiche die durch sein empfindliches Fleisch glitten waren schmerzhaft, aber ertrĂ€glich. Letztlich leistete sie gute Arbeit bei Beiden Wunden, wobei sie ihm half, die VerbĂ€nde um seinen Körper zu wickeln. Auf diese Art und Weise versorgt, hatte Farael nun deutlich mehr Bewegungsspielraum, aber auch Grund zur Entspannung. Ana hingegen roch mittlerweile nicht nur nach Alkohol, sondern auch nach Erbrochenem. „Komm her, setz dich. Lass mich erzĂ€hlen“, begann Farael und lud Ana neben sich auf das Bett ein. „Eigentlich will ich dich nicht involvieren, aber du hast heute so viel fĂŒr mich getan, dass du meinen Respekt und mein vertrauen verdienst. Ohne Bedingung und Aber.“ Damit erhob sich Farael vom Bett, noch etwas unsicher aber fest. Er holte ein frisches Hemd aus seiner Kommode, so wie die Decke von der Couch, die Ana dort hatte liegen lassen. Beides legte er ihr zur Seite. „Du kannst dich doch noch erinnern, wie ich dir erzĂ€hlte, dass ich selbst einmal ein Kommandant war, oder? Oder zumindest von meinen Fehlern, die ich damals machte. Zumindest, dass ich welche gemacht hatte.“

Ana:
SpĂ€testens als Farael ein frisches Hemd aus der Kommode holte, wurde Ana ihr eigener Zustand schlagartig und schmerzhaft bewusst. Das Hemd, das noch nicht einmal ihr eigenes war, war schmutzig und verklebt, ihre Haare waren durcheinander und ihr Atem mochte mittlerweile den Geruch von Obenzas Rinnstein angenommen haben. Hinzu kam, dass sie nun nĂŒchtern genug war, um sich zu schĂ€men. Umso dankbarer war sie, als Farael ihr das Hemd hinlegte, anstatt es sich selbst ĂŒberzuziehen. SchĂŒchtern griff sie die Decke und legte sie um ihre Schultern, sodass sie das Hemd wechseln konnte, ohne komplett nackt vor Farael zu sitzen. Sie vermutete zwar, dass er ohnehin höflich weggesehen hĂ€tte, doch sie fĂŒrchtete, es wĂŒrde wie eine schlechte Anmache rĂŒber kommen. In dem frischen Hemd fĂŒhlte sie sich schon viel besser, auch wenn sie sich nun zu gern noch die ZĂ€hne geputzt hĂ€tte. Außerdem nahm sie sich fest vor, das alte Hemd fĂŒr Farael zu waschen. "Ja", bestĂ€tigte Ana, "das weiß ich noch." Was fĂŒr ein GlĂŒck, dass sie bei diesem GesprĂ€ch nĂŒchtern gewesen war. "Gehörten diese MĂ€nner zu deinen Leuten?"

Farael:
Sanft schĂŒttelte Farael mit seinem Kopf, als Ana diese Frage stellte. Nebenbei setzte er einen tee auf, wie er ihn schon am Abend zuvor fĂŒr Ana zubereitet hatte. „Im Gegenteil. Diese MĂ€nner waren dafĂŒr verantwortlich, dass meine Leute abgeschlachtet worden waren.“ Gedankenverloren starrte Farael in das Feuer, er dachte gar nicht daran Ana zu beobachten wĂ€hrend sie sich umzog. Stattdessen machten sich die Bilder des vergangenen Kampfes vor seinem inneren Auge breit. Und auch alte Erinnerungen. „Sie gehörten einer Söldnergruppe an, die sich 'Schwarze Kompanie' nennt und damals mein Lager mit einer Übermacht niedergewalzt hatte.“ Er merkte, wie seine Stimme brĂŒchig wurde, jedoch erzĂ€hlte er weiter: „Ich wollte vorhin durch die Stadt gehen. Zum alten Alfons wenn du es kennst. Da fielen mir die beiden Typen auf. Ich erkannte sie. Sie erkannten mich. Ich hĂ€tte gehen sollen, sie nicht beachten.“ Farael richtete seinen Blick auf Ana, die noch immer auf dem Bett sah. „Als ich diese Söldner gesehen habe, da...“ FĂŒr einen Moment schloss Farael die Augen. Sein Herz klopfte wild. Niemandem hatte er das erzĂ€hlt. „Da habe ich meine MĂ€nner gesehen. Oder besser ihre Leichen, ersoffen in ihrem eigenen Blut. Abgeschlachtet wie Vieh. Ich wurde sauer. Hass kam in mir auf.“ Der Tee ĂŒber dem Feuer begann zu pfeifen. Farael nahm ihn vom Feuer und bereitet ihn mit Honig zu, ehe er ihn in zwei Becher goss und schließlich einen an Ana reichte. „Ich griff an“, sagte er nach einem Moment der Ruhe. „Hass und der Sinn nach Rache hatten mich ĂŒbermannt. Doch wofĂŒr? Es war dumm.“ Nun ließ sich Farael neben Ana auf dem Bett nieder, er sackte in sich zusammen, wurde aber von seinen Schmerzen aufrecht gehalten. Vorsichtig nippte er an seinem heißen Tee.

Ana:
Stumm folgte Ana Faraels Worten. Diese Geschichte ging ihm wirklich nahe und er versuchte es auch nicht zu verbergen. Ana nickte kurz, um zu zeigen, dass die den Alfons kannte, dann hielt sie wieder den Atem an. Die Anspannung Faraels war greifbar und Ana wurde bewusst, was fĂŒr ein großer Vertrauensbeweis es war, dass er dies mit ihr teilte. Dankbar nahm sie den Tee entgegen und hoffte, er wĂŒrde den bitteren Geschmack aus ihrem Mund verbannen. Sie meinte zu verstehen was Farael beschĂ€ftigte. NatĂŒrlich trauerte er noch dem dem Tod seiner Leute nach und dem Verlust seines Lagers, doch vor allem machte ihm zu schaffen, dass er aus Rache gehandelt hatte und nun dachte, er sei nicht besser als sie. Ana schluckte und ĂŒberlegte, was sie am besten sagen konnte, das nach Faraels Ansprache nicht lĂ€cherlich klang. Sie legte eine Hand auf seinen RĂŒcken. "Es tut mir sehr leid um deine MĂ€nner Farael", begann sie. "Du musst dir keine VorwĂŒrfe machen. Es ist doch nur menschlich", sie zögerte, "oder... albisch, was du empfunden hast, als du diese MĂ€nner sahst. Wenn sie eines verdient hatten, dann den Tod. Und wenn einer das Recht hatte, sie zu richten, dann du. Das macht dich trotzdem nicht zu einem der ihren; nicht, solange du ein warmes Herz hast und dir treu bleibst." Ana verstummte und hoffte, die richtigen Worte gefunden zu haben.

Farael:
Die Hand auf Faraels RĂŒcken und die NĂ€he zu Ana machten es ihm möglich, besser zu entspannen und die kĂŒmmerlichen Gedanken zu verdauen. Ihre Worte waren dazu noch aufrichtig und ein ebenso ehrlicher Versuch in aufzumuntern. NatĂŒrlich nahmen sie ihm nicht den Schmerz den er verspĂŒrte oder die Reue, in diesen Kampf gegangen zu sein. Doch sie gaben ihm eine humanistische Denkweise, welche es einfacher machte. „Rache ist etwas, wonach man nie streben sollte. Verbrecher mĂŒssen bezahlen, doch nach Vergeltung zu suchen, macht einem selbst zum Verbrecher. Wenn man sich diesem Verlangen hingibt, nĂ€hrt es das BedĂŒrfnis, statt es wirklich zu stillen. Ich spĂŒre, wie ich es bereue in diesen Kampf gegangen zu sein und doch sehe ich meine Tat, wie du sagtest, als gerechtfertigt.“ Er nahm einen entspannten Schluck seines Tees. „Rache ist wie Alkohol. Übertreibt es mit diesem GefĂŒhl, bereut man es schnell. Doch sobald man wieder nĂŒchtern ist, will man mehr. Das gute GefĂŒhl welches es einem anfangs gibt, ist nichts weiter als eines Illusion, die den eigentlichen Schaden ĂŒberdeckt.“ Farael erhob seinen Blick und blickte Ana an. FĂŒr ihn stand fest, dass er diese Informationen niemals an Ana hĂ€tte geben sollen. Die MĂ€nner der Schwarzen Kompanie wĂŒrden alles dafĂŒr geben, Farael endgĂŒltig tot zu sehen. Und im Umkehrschluss damit auch jeden in seiner NĂ€he in den Tod reißen. „Danke, dass du mir geholfen hast Ana. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, ob ich es ohne dich zurĂŒckgeschafft hĂ€tte. Deine FĂŒrsorge hat darĂŒber entschieden, dass ich nun weiterleben darf. Doch ich muss ich dich aus Sorge zu seiner Person fragen: Warum warst du so betrunken und vor allem allein unterwegs?“

Ana:
"Es ist gut, dass du diese geteilten GefĂŒhle hast", sagte Ana, dann erbleichte sie. Was Farael ĂŒber Alkohol sagte... es stimmte. In genau diesem Pendel steckte sie schon seit Monaten fest, mal mehr mal weniger schlimm. Wollte er ihr damit gar einen Seitenhieb verpassen? Nein, seine nĂ€chsten Worte sprachen eine andere Sprache. Trotzdem nagte es an ihr. "Gerne doch. Das ist doch selbstverstĂ€ndlich, wo du mir so großzĂŒgig dein Heim angeboten hast." Bevor sie die weitere Frage beantwortete, hielt sie kurz inne. Was sollte sie sagen? Sollte sie antworten, dass sie eigentlich gar keinen Grund brauchte, sich zu betrinken? Sollte sie sagen, dass es einfach passierte? Und war es denn so? Gab es keinen Grund in ihr, der sie dazu verleitet hatte? "Ich habe keinen Ort zum spielen gefunden", begann sie, doch verstummte wieder. Das war eine lausige BegrĂŒndung. "Es geschieht immer wieder", sagte sie dann. "dass ich zu viel trinke. Das ist ganz normal und nichts, dass dich zu sorgen braucht, wirklich. Ich komme damit zurecht. Und auch alleine bin ich hĂ€ufig. Manchmal ist es besser fĂŒr sich zu sein. Dann ist man selbst wenigstens der einzige, an dem man Schaden anrichtet." Die letzten bitteren Worte waren ihr einfach so heraus gerutscht und sie bereute es sofort.

Farael:
Ein spĂŒrbares Zögern ließ Ana vor ihrer Antwort halt machen. Hatte Farael einen wunden Punkt getroffen, den er lieber nicht getroffen hĂ€tte? Offensichtlich war er bei einer grĂ¶ĂŸeren Sachen, wenn es bei ihr um Alkohol geht. Jedoch wollte er sie nicht weiter verschrecken und bohren, was es damit auf sich hatte. Schließlich klangen ihre Antworten vage und kaum wirklich nach etwas Greifbarem. Stattdessen druckste sie herum, doch ihre letzten Worte weckten die Aufmerksamkeit Faraels – und nur noch mehr seine Sorge. Seine Stirn legte sich in Falten, als er Ana betrachtete. Ihm missfielen diese Worte extrem. Er konnte nicht einmal wirklich erklĂ€ren warum, so war er meist von starken Trinkern und Leuten umgeben, die jeden Tag ihr Lebens auf's Spiel setzten. Doch bei Ana wollte er das nicht hören. Sanft aber bestimmt legte er seine Hand auf ihre Wange und drehte ihren Blick in den seinen. „Versprich mir Ana, dass du das nicht tust. Weder dich auf diese Art zu besaufen wenn niemand da ist, der auf dich Acht gibt, noch dir in irgend einer Weise selbst zu schaden. Das wĂ€re das Letzte, was ich von dir sehen wollte. Bevor du aber denkst, dass ich enttĂ€uscht sei, muss ich das gleich klar stellen. In dir steckt so viel Potential und 
 „ Farael hielt inne und plötzlich spĂŒrte er, wie Hitze in seinen Kopf stieg. „Ich 
 Ă€hm ...“ FĂŒr einen Moment mied er den Blick, ehe er den Mut fasste wieder in Anas Augen zu schauen. „Ich mag dich zu sehr, als dass ich es zulassen könnte, dass dir etwas geschieht.“

Ana:
Dass Farael errötete, schmeichelte Ana und verunsicherte sie zugleich. Auch deshalb griff sie zunĂ€chst ein anderes Thema auf. "Ich fĂŒrchte, das kann ich nicht versprechen," sagte sie und nahm den Worten mit einem LĂ€cheln die HĂ€rte, "es gibt da einen Moment, in dem ich entweder aufhöre zur trinken oder richtig in Fahrt komme. Wenn ich diese Grenze ĂŒberschreite, schaltet sich meine Vernunft aus und ĂŒberlĂ€sst den Rest sich selbst. Da gibt es nur eine Lösung: ich brauche zukĂŒnftig einen Aufpasser beim Trinken!" Sie grinste, sah dann aber wie ernst und eindringlich Farael ihr in die Augen blickte und schluckte. "Weißt du", setzte sie an, weil sie spĂŒrte, dass sie auf die lieben Worte des Alben reagieren musste, "es gibt nicht viele, die sich darum scheren und diejenigen, die es taten, sind nicht gut damit gefahren." Woher diese bitteren Worte kamen, konnte sie nicht sagen, vielleicht waren es die letzten Überbleibsel des Rausches, das ĂŒbliche Paket von Selbstzweifeln und Melancholie, das folgte. "Wir kennen uns erst so kurz und... auch ich mag dich sehr gern, Farael. Und deshalb möchte ich nicht, dass du dich zu sehr um mich sorgst, bevor ich dich am Ende auch enttĂ€usche."

Farael:
Augenblicklich schwand sowohl die Hitze aus seinem Kopf, als auch das GefĂŒhl der Sorge. Fragend blickte Farael Ana an, dabei senkte er seine Hand und legte sie auf seinem Bein ab. „Ich kann dich verstehen, weißt du?“, antwortete er mit einem schiefen Grinsen. Er richtete seinen Blick auf das Feuer. „Kurz nachdem mein Lager ausradiert wurde, kehrte ich nach Obenza zurĂŒck. Die ersten Tage danach waren furchtbar. Alkohol hat mir geholfen. Über ein paar Tage hinweg gab es selten einen Moment, in dem ich nĂŒchtern war. Der Fusel hat geholfen, die Scheiße in meinen Kopf zu betĂ€uben. Doch zeitgleich entzog mir jeder Schluck meinen Verstand, machte mich dem Schmerz gefĂŒgig. Als ob er dich zwingt zu trinken, damit du dich selbst zerstörst. Als Strafe fĂŒr das, was du getan, nicht getan oder verpasst hast. Das war eine beschissene Zeit.“ Farael blickte zu Ana hinauf. „Ich weiß bis heute nicht, wie viele Kinder ich durch diese Zeit in die Welt gesetzt haben könnte. Ich hoffe nicht, dass irgendwann eine Heerschar an MĂŒttern vor meiner TĂŒr steht und Geld verlangt. Zum GlĂŒck waren die meistens genau so besoffen wie ich.“ Ein fĂŒr die Situation völlig unpassendes Lachen entglitt Faraels Kehle. Eine Zeit fĂŒr die er sich schĂ€mte. „Alkohol kann Gift und Heilmittel zugleich sein. Doch wenn es ĂŒberwiegt, sollte man sich selbst unter Kontrolle bringen – oder sich jemanden anvertrauen der einem dabei hilft. Mir half keiner. Ich habe gerade so die Kurve gekriegt. Dir diese Art der Hilfe zu verwehren, wĂŒrde mir nie in den Sinn kommen.“ Farael atmete schwer, seine Schulter brannte. Genau wie die Schnittwunde an seinem Bauch. Er musste am nĂ€chsten Tag dringend zu einem Heiler. „Jedenfalls“, fing er sich wieder. „Du wirst mich nicht enttĂ€uschen. Wenn ich mich tĂ€usche, dann wĂŒrde ich mich selbst enttĂ€uschen. Das, was hinter deinen Augen verborgen ist, deine Seele, sie kann mich nicht enttĂ€uschen. Ich sah es in deinen Augen.“

Ana:
Erneut spĂŒrte Ana diesen merkwĂŒrdigen Stich, als Farael von seinem Zusammensein mit einer ganzen Reihe von Frauen berichtete. Unbewusst verschrĂ€nkte sie die Arme vor dem Körper und hörte ihm still zu. "Ich war keine davon", dachte sie bei sich, "an dich könnte ich mich erinnern." Seine Worte waren so wahr wie unangenehm. Ana ertappte sich dabei, dass sie nicht hören wollte, was er sagte. Sie war nicht bereit, damit aufzuhören, das sagte sie sich immer wieder. Die Zeit war nicht gekommen. Vielleicht morgen, vielleicht nĂ€chste Woche. Waren das nicht immer ihre eigenen Worte? Momentan gab es nur diese eine Konstante in ihrem Leben. Sie konnte die unbarmherzige Wahrheit nicht ertragen, so gut es Farael auch meinte. Anas Blick lag ohne Fokus auf seiner Brust, wĂ€hrend sie mit sich kĂ€mpfte. Erst, als der Alb stoppte und sie sein Atmen vernahm, klĂ€rte sich ihr Blick und sie löste die Arme aus der VerschrĂ€nkung. Beinahe hĂ€tte sie vergessen, dass Farael schwer verwundet war, doch das Reden strengte ihn offensichtlich an und seine Körperhaltung war ein wenig krumm. Sie hĂ€tte ihm Ruhe gewĂ€hren sollen und war schon drauf und dran, dies vorzuschlagen. Doch die Neugierde siegte. Ana legte den Kopf leicht schief und sah Farael skeptisch an. "Was hast du dort gesehen?", flĂŒsterte sie.


Farael:
„Was ich darin sah?“, stellte Farael als rhetorische Gegenfrage. Die Frage hatte ihn ĂŒberrascht. Wenn er ehrlich war, hatte er gehofft sie wĂŒrde diese Art von Frage nicht stellen. Abermals erwiderte Farael den Blick Anas und vergewisserte sich seiner Antwort. Nichts wĂ€re peinlicher oder noch schlimmer, als etwas völlig Falsches zu sagen. Einige Sekunden vergingen, in denen er sich in den Augen der Norkara verlor. Ihr Blick war trotz der Skepsis tief und ihre Persönlichkeit brannte in ihren Pupillen. „Um ehrlich zu sein, kann ich kaum in Worte fassen, was ich darin sah oder in diesem Moment sehe“, antwortete er wahrheitsgemĂ€ĂŸ. „Aber ich will es versuchen.“ Eine kurze Pause herrschte. Das Knistern des Raumes war zu hören, genau so wie das Atmen Anas. Aber auch sein eigener Atem. „Doch hinter dieser Fassade steckt mehr als nur eine SĂ€uferin und Piratin. Jedes Mal wenn ich dir in die Augen blicke, erkenne ich die Tiefen deiner Person. Schemenhaft. Du schleppst auch dein Paket mit dir herum. Du verbirgst es. Sehr gut sogar.“ Vorsichtig erhob Farael seine linke Hand und strich mit ihr Ana ein paar wĂŒste HaarstrĂ€hnen hinter das Ohr. „Du willst niemanden enttĂ€uschen – erst recht nicht mich. Das bist nicht du. Zumindest bist du das nicht mehr. Das Feuer welches in deinen Augen brennt, spricht eine andere Sprache. Und erzĂ€hlt die Geschichte eines Konfliktes.“

Ana:
Gespannt wartete Ana auf Faraels Antwort. Ihre Brust hob und senkte sich deutlich, denn Herzschlag und Atem waren unwillkĂŒrlich stĂ€rker geworden. Teils aus Erstaunen, teils aus Aufregung öffneten sich ihre Lippen ein StĂŒck, als er sie berĂŒhrte. In diesem Augenblick fĂŒhlte sie sich Farael sehr nahe und konzentrierte sich ganz auf dieses GefĂŒhl, in dem Versuch, es ohne Zweifel und Furcht zu genießen. "Du beobachtest viel, nicht?", sagte sie leise. "Und du bist aufrichtig und ĂŒberlegt. Tut mir leid fĂŒr die unangenehme Frage. Du hast mit Bravour bestanden." Ein herzliches LĂ€cheln spannte sich ĂŒber ihr Gesicht. "Es gibt Dinge, die ich getan habe und die mich verfolgen. Und am meisten beunruhigt mich, dass ich nichts davon bereue. Wenn ich die Wahl hĂ€tte, wĂŒrde ich wieder genauso handeln, ĂŒber dieselben Leichen gehen, nur um einer undefinierbaren Sehnsucht hinterher zu eilen, die ich nicht stillen kann. Deshalb habe ich dieses Paket fest verschnĂŒrt. Spuren davon finden sich nur in meinen Liedern." Geistesabwesend glitt ihr Blick zum Lautenkasten. "Und du hast Recht, ich möchte niemanden mehr enttĂ€uschen. Das ist der Grund weswegen ich die NĂ€he zu anderen meide." Ana stoppte ihren Redeschwall, unsicher, ob sie bereits zu viel gesagt hatte. "Es ist auch gar nicht schlecht, solche Persönlichkeiten in sich zu tragen", wechselte sie ein wenig die Richtung. "Ohne die Piratin wĂ€re ich schon lĂ€ngst nicht mehr am Leben. Die kann man gut gebrauchen." Sie zwinkerte und ihre Augen blitzten. "Und die SĂ€uferin... nun ja. Sie sorgt dafĂŒr, dass das verdiente Geld auch wieder ausgegeben wird." Wieder verstummte Ana. Dann legte sie ein wenig schĂŒchtern ihre Hand auf Faraels. "Soll ich dir sagen, was ich in deinen Augen sehe?"

Farael:
Ohne zur zögern erwiderte Farael das LĂ€cheln Anas. „Es gibt nichts zu entschuldigen Ana. Du hast recht. In meinen Beruf muss ich aber auch beobachten können. Ansonsten wĂŒrde ich nicht hier sitzen können. Mit dir. Und mir deine wohl gewĂ€hlten Worte anhören.“ Innerlich war Farael zufrieden mit sich selbst und der Situation. Die Angst falsch zu liegen, verblasste augenblicklich. Ihm war es wichtig, das Ana ihn nicht fĂŒr einen großen Idioten hielt. Augenblicklich schoss ihm bei den Gedanken Röte ins Gesicht, die als nĂ€chstes von Anas Frage nur noch weiter verstĂ€rkt wurde. Er spĂŒrte ihre Hand, wie sie sich vorsichtig an die Seine tastete. Doch er konnte es dabei nicht belassen. Ehe er auf die Frage Anas antwortete, umfasste er ihre Hand behutsam und verschrĂ€nkte die Finger mit ihren. Die NervositĂ€t der Situation schlug durch seinen Körper, als sein Herz schneller schlug und sein Atem unruhiger wurde. Diese einzigartige NĂ€he die er mit Ana teilte – die sie offensichtlich ablehnte – gab ihm ein beruhigendes GefĂŒhl. Ein GefĂŒhl der Geborgenheit, welches er seit Langem nicht mehr kannte. WĂ€rme, die seinen Körper durchflutete und jedes seiner Glieder zur Entspannung trieb. „Ich wĂŒrde sehr gern hören, was du in meinen Augen siehst“, antwortete Farael sanft und blickte Ana aufrichtig in die Augen.

Ana:
Ana atmete noch einmal tief durch. Noch immer steckte ihr der Rausch in den Gliedern, auch wenn sie mittlerweile klar denken und sprechen konnte. Ihre Zunge war weiterhin gelockert und sie war wagemutig. "Ich erkenne in deinen Augen, dass du mir die Wahrheit sagst und dass du es ernst meinst und keine Masche abspielst. Du bist ein Lebemann und trĂ€gst das Herz auf der Zunge. Jetzt gerade genießt du meine Anwesenheit und könntest dabei beinahe vergessen, dass du zuvor in die Vergangenheit zurĂŒck geworfen wurdest, die dir ebenso zusetzt wie mir die meine." Etwas verlegen grinste Ana. Sie hatte Leuten schon öfter gesagt, was sie meinte, dass sie dachten, doch bei Farael war sie das erste Mal nervös gewesen. Dabei hatte sie es ja selbst vorgeschlagen. Ana hatte immer geglaubt, die meisten seien leicht zu durchschauen. Noch nie hatte sie falsch gelegen. Doch nun, in diesem Moment, den sie mit Farael teilte, seine Hand hielt und ihn aufmerksam musterte, wurde ihr schlagartig klar, dass alle anderen GesprĂ€che dieser Art stets im Bett geendet hatten und ihr der jeweilige Gegenspieler vermutlich alles abgenickt hĂ€tte, um dies zu erreichen. Bei Farael war das anders. Es blieb Ana nichts, als zu hoffen, dass sie einigermaßen richtig lag.

Farael:
Das Rot war an diesem Abend Farael wohl förmlich ins Gesicht gemeißelt. Nicht anders hĂ€tte er sich erklĂ€ren können, dass die Hitze um seinen Kopf stieg und er das Blut förmlich durch seinen Kopf zu rauschen schien. Sein krĂ€ftiger Herzschlag und sein nervöses Herumrutschen auf dem Bett machten es schließlich nicht besser. Ein Grinsen breitete sich auf Faraels Lippen aus. FĂŒr einen Moment schloss er die Augen, ehe er sanft nickte und Ana wieder anschaute. „Dabei dachte ich, ich wĂ€re schwer zu durchschauen. Ein Mann der Mysterien, der sich in Geheimnisse einhĂŒllen könnte. Doch offensichtlich habe ich mich geirrt. Du liegst richtig. Außer in einem Punkt.“ Herausfordernd blickte Farael Ana an und suchte nach der Panik oder der Scham, die durch diese vage Antwort entstehen könnte. Doch er wollte die Norkara nicht warten lassen. „Ich habe vergessen, dass ich in die Vergangenheit zurĂŒckgeworfen wurde. Dies habe ich dir zu verdanken.“ Seine letzten Worte waren kaum geflĂŒstert. Nur ein Hauch, der zwischen ihnen verweilte. Darauf formte Farael das Grinsen zum einem warmen, gar zartem LĂ€cheln. Herausfordernd suchten seine Augen den Blick Anas.

Ana:
Beinahe hatte sie damit gerechnet, dass ihre Beobachtungen einen Fehler bargen. Trotzdem hielt Ana die Luft an. Was konnte es sein? Dass er ihre Anwesenheit genoß, war sie sich sicher. Zu ehrlich waren sein Ausdruck und seine Worte. Als er schließlich auflöste, konnte Ana nicht anders, als zu schĂŒchtern zu lĂ€cheln. Es war die Sorte, die man versuchte zu verhindern, doch unweigerlich baute sich Spannung in den Lippen auf und zog sie auseinander, sodass man fĂŒrchtete, eine Grimasse zu ziehen, wenn man nicht nachgab. "Die wohl durchdachten Worte eines Frauenheldes", sagte sie grinsend. "Dabei habe ich mir heute solche MĂŒhe gegeben, unattraktiv zu wirken." Noch immer hielt sie seine Hand. Die BerĂŒhrung war mittlerweile kaum spĂŒrbar. Erst als sie die Finger ein wenig bewegte, nahm sie seine WĂ€rme wieder wahr. "Wie geht es dir?", fragte sie schließlich.

Farael:
NatĂŒrlich spĂŒrte Farael die Bewegung in seiner Hand, die er instinktiv erwiderte. Dabei begann er sanft mit dem Daumen ĂŒber die Hand Anas zu streicheln. Eine Bewegung die ihn beruhigte und ihm mehr von der WĂ€rme, die er sich wĂŒnschte. FĂŒr einen Moment kam es ihn den Sinn, dieser unbĂ€ndige Drang als Antwort auf Anas Frage ihre Lippen zu schmecken und ihr zu zeigen, wie es ihm ging. Dennoch unterdrĂŒckte er dies, zu falsch und zu frĂŒh war der Moment, oder? Doch verdrĂ€ngte er die Frage schnell, Ana wartete auf eine Antwort. „Erst einmal vorweg: WĂŒrde ich der typische Frauenheld sein, lĂ€gest du bereits flach in meinem Bett und wir hĂ€tte einen ganz anderen Spaß. Ein bisschen Alkohol macht dich noch lang nicht unattraktiv.“ Provokativ streckte Farael die Zunge entgegen und zwinkerte ihr schließlich zu. „Jedenfalls geht es mir gut. Die beiden Kratzer sind nichts, worum man sich sorgen mĂŒsste.“ NatĂŒrlich waren die Wunden ernst zu nehmen und Farael wusste dies auch. Doch Ana sollte sich nicht mehr sorgen, als es nötig war. „Ich habe schon schlimmere Sachen erlitten. Dieses Mal hatte ich jedoch einen Schutzengel in Form einer betrunkenen Norkara, die ĂŒber die Leichen von drei Söldner stolperte und mich schließlich fand. Apropos betrunken. Du wirkst nĂŒchterner. Wie schaut es denn bei dir aus? FĂŒr morgen muss ich dir wohl zum FrĂŒhstĂŒck einen Tee und KrĂ€uter gegen Kopfschmerzen besorgen.“

Ana:
Ana lachte hell auf. "Ich fĂŒrchte, da kann ich gar nichts entgegen setzen. Betrunken bin ich besonders leicht zu haben." Scheinbar hatte die lockerere Stimmung ihre draufgĂ€ngerische Seite endgĂŒltig geweckt. Urplötzlich verspĂŒrte sie Lust, Farael ein wenig zu necken, auch wenn sie ihm keineswegs abnahm, dass die Verletzungen vernachlĂ€ssigbar waren. "Du wirst es aber anschauen lassen, oder?", wand sie ein und musste dann erneut lachen. "Also das erklĂ€rt natĂŒrlich den Zustand der Welt! Wenn so alle Schutzengel aussehen..." Sie drĂŒckte Faraels Hand, um ihm zu zeigen, wie froh sie war, dass er wohl zumindest nicht in Lebensgefahr schwebte. "Oh, achso. Ich dachte schon, du möchtest mir etwas Neues zu trinken anbieten, um das zu verhindern. Allerdings muss ich sagen, die Einladung ĂŒber Nacht zu bleiben, ist auch sehr verlockend." Ana erhob sich und löste den Handgriff, ohne zu wissen, was sie eigentlich vorhatte. "Ich... ich hole etwas Wasser. Brauchst du etwas?", fragte sie unbeholfen im Ton einer Ausrede.

Farael:
„So so, leicht zu haben“, merkte Farael an und erwiderte das Necken mit einem Grinsen, kommentierte aber nicht weiter. Zu schmutzig und direkt wĂ€re es geworden, wenn er die Worte ausgesprochen hĂ€tte, die sich in seinem Kopf geformt hatten. Besonders bei der Aussicht darauf, wieder die Nacht mit Ana verbringen zu können. „Mach' dir keine Sorgen, ich lasse es anschauen“, beruhigte er sie schließlich. Offensichtlich war er nicht ĂŒberzeugend genug gewesen, als das er hĂ€tte Ana davon bewegen können, dass alles in Ordnung sei. Schließlich schwang die Stimmung noch weiter zur Gelassenheit um und scheinbar hatte Ana den ein oder anderen Kommentar auf den Lippen. „Du, wenn es nach mir ginge, wĂŒrde ich jede Nacht das Bett mit einer wunderschönen Frau wie dir teilen. Auch wenn das gerade schmierig klang und ich das nicht sagte, um dich herumzukriegen oder zu ĂŒberreden.“ Schließlich erhob sich Ana vom Bett, ließ dabei Faraels Hand los, deren WĂ€rme er sofort zu vermissen begann. Etwas verwirrt obgleich des seltsamen Tones ihrer Frage, schĂŒttelte Farael sanft mit Kopf. „Nein danke, ich bin erst einmal versorgt. Du wirst mir doch nicht weglaufen, oder?“

Ana:
"Jetzt wo du es sagt", ĂŒberlegte Ana und tat so, als wĂŒrde sie losstĂŒrmen. "Solange das Raubtier angeschlagen ist, habe ich vielleicht eine Chance." Sie zwinkerte und ging wirklich Wasser holen, um nicht unnötigerweise aufgestanden zu sein. TatsĂ€chlich tat die kalte FlĂŒssigkeit ihr auch recht gut, belebte und reinigte sie. ZurĂŒck im Raum, setzte sich Ana dieses Mal direkt neben Farael. "Ist es denn nicht so, dass die schönen Frauen sich die TĂŒrklinke sozusagen in die Hand geben? Ich meinte so etwas herauszuhören."

Farael:
Zu gut verstand Farael die Andeutung Anas. Kurz dachte er darĂŒber nach, aufzuspringen und ihr nachzusetzen, doch seine Verletzungen hĂ€tten dies nicht zugelassen. Stattdessen zwinkerte er zurĂŒck und wartete ab. Draußen hörte er die Wasserpumpe, wie sich Ana dort frisches Wasser abschöpfte und es hoffentlich genoss. WĂ€hrend dieser Zeit fĂŒhlte sich sein Wohnraum so leer an. Etwas, was ihm vorher nie aufgefallen war. Doch mit der Vorstellung, dass Ana öfter ein und aus gehen könnte, verstĂ€rkte sich dieses GefĂŒhl wenn sie nicht zugegen war. Ein seltsames GefĂŒhl. Zum GlĂŒck wurde es schnell vertrieben, als die Norkara zurĂŒckkehrte und es sich neben ihm gemĂŒtlich machte. „Höre ich da etwa Eifersucht aus deiner Stimme?“, feixte Farael, als Ana die Frage stellte. „Du magst recht haben, dass hier schon die ein oder andere schöne Frau hinein und wieder hinaus gegangen ist. Jedoch waren sie alle in keinster Weise einzigartig. Keinen von ihnen konnte ich in die Augen blicken und die einmaligen Dinge sehen, die ich in deinem Blick vernommen habe. Du bist nicht irgendeine schöne Frau Ana. Schreibe dir das direkt hinter die Ohren. Du sĂ€ĂŸest nicht hier, hĂ€tte ich das am letzten Abend nicht bemerkt.“

Ana:
"Möglicherweise", entgegnete Ana verschmitzt. "Piraten teilen nicht gern, wenn sie einen Schatz gefunden haben." Faraels Worte gingen runter wie Öl. Er mochte sie wirklich und sie wusste das. Und obwohl das und die Tatsache, dass sie ihn ebenfalls mochte, das war, was sie fĂŒrchtete, fĂŒhlte sie sich zusehends wohler mit der Vorstellung. Farael hatte es geschafft, sie zu beruhigen. Konnte er vielleicht eine neue Konstante in ihrem Leben werden? Ein RĂŒckzugsort und eine schĂŒtzende Hand, deren Anwesenheit man immer sicher sein konnte, wenn auch manchmal nur im Geiste? "Das heißt doch nicht, dass du dich gleich binden musst", dachte sie. "Geh es doch einfach locker an, dann brauchst du auch keine Angst haben." Ana wusste zu gut, was passierte, wenn man das Raubtier in ihr einsperrte und in Ketten legte. Es wĂ€hrte nicht lange und wenn es frei kam, dann war es nicht zu bĂ€ndigen. Wenn man seine StalltĂŒre aber offen ließ und ihm einen GefĂ€hrten an die Seite gab, wĂŒrde es sich möglicherweise zufrieden und friedlich zusammen rollen. Ana ließ den Kopf sachte auf Faraels unverletzte Schulter sinken. "Es ist schon seltsam, dass wir uns begegnet sind, oder? Wie wahrscheinlich ist das schon in so einer großen Stadt? Und dass es erst gestern war, kann ich kaum glauben..."

Farael:
Die schmeichelnden Worte Anas waren genug, um Farael ein LĂ€cheln auf die Lippen zu zaubern und das GefĂŒhl der Verbundenheit mit ihr zu stĂ€rken. Auch wenn er dies bewusst gar nicht wollte. Eine Bindung die aufgrund Anas Angst beiden schaden konnte. Und er selbst 
 er selbst war sich nicht ganz sicher, wie er mit diesem GefĂŒhl umgehen sollte. Es wĂ€rmte Farael von innen und gab ihm Sicherheit. Doch zu welchem Preis? „Vielleicht hat es Ardemia so gewollt. Wer weiß, was es bringen wird? Offensichtlich nur Gutes.“ Ana durfte auf keinen Fall in diese Sache mit der schwarzen Kompanie hineingezogen werden. Oder generell in sein Handwerk. Farael hĂ€tte es sich niemals verzeihen können, wenn ihr aufgrund dessen etwas zustieß. Er lehnte seinen Kopf an Anas Schopf an. Dabei roch er noch immer den Alkohol, doch auch ihren ganz eigenen Duft. Ihr durfte auf keinen Fall etwas zustoßen. Plötzlich begann sein Herz schneller zu schlagen. Vor einigen Augenblicken hatte er ĂŒber einen Kuss nachgedacht und jene Gedanken kehrten zurĂŒck. Scheiß auf Vernunft und Verstand. Farael hatte die Möglichkeit das GefĂŒhl zu genießen. „Ich werde jetzt etwas machen. Du kannst dir aussuchen, ob du mich dafĂŒr schlagen möchtest oder nicht“, flĂŒsterte er. Darauf hob er seinen Kopf an und nahm mit seiner Rechten behutsam Anas Kinn, ehe er seine Lippen zu die Ihren fĂŒhrte. Behutsam berĂŒhrte er sie und schloss die Augen. So musste sich ein perfekter Moment anfĂŒhlen. Es steckten weder Lust noch Leidenschaft in dem Kuss. Mit der Ruhe des Moments zeigte er ihr seine Zuneigung auf besondere Art und Weise.

Ana:
Als Ana den Kopf abgelegt hatte, merkte sie erst, dass er noch immer dröhnte und kreiste. Es tat gut, das Gewicht einen Moment lang nicht selbst halten zu mĂŒssen. Von den Göttern hielt Ana nichts, Nyel war der einzige, dem sie huldigte und den sie respektierte. Irgendwie fand sie es aber schön, dass Farael der Mutter so verbunden war und ihre
Begegnung fĂŒr gottgegeben hielt, deshalb sagte sie nichts. Viel Zeit wĂ€re dazu sowieso nicht gewesen, denn kurz darauf verließen sie alle Worte. Ana kĂŒsste nicht oft. Ein Kuss hatte immer etwas Persönliches, etwas Liebevolles bei sich, ganz anders als das bloße Befriedigen ursprĂŒnglicher Triebe beim Sex. Nur wenn sie einen Liebhaber oder eine Liebhaberin wirklich mochte oder sich ihm oder ihr in dem Moment sehr nahe fĂŒhlte, ließ sie zu, sich auf diese Weise zu vereinen. Deshalb riss sie ĂŒberrascht die Augen auf, als Farael seine schloss. Die Alarmglocken schrien in ihrem Bewusstsein, doch gleichzeitig breitete sich explosionsartig ein
elektrisierendes Kribbeln in ihrem Bauch aus und ihr Herz galoppierte. Ana beschloss, auf ihr GefĂŒhl zu hören. War es nicht das ursprĂŒnglichste aller Empfindungen? Viel, viel Ă€lter, als der Verstand, viel weiser und unvoreingenommener? Langsam schloss sie die Augen und legte Farael eine Hand auf die Wange, um ihn ein wenig fester an sich heranzuziehen.

Farael:
Der Moment wurde festgehalten in einem gemeißelten StĂŒck Erinnerung. Das GefĂŒhl, welches Farael durchflutete, war kaum vergleichbar mit WĂ€rme oder Hitze. Es durchzog jede Faser seines Körper, die sich entspannten und zugleich dem liebevollen Kuss hingaben, welchen er mit Ana austauschte. Die Gedanken in Faraels Kopf rasten umher. Sie begannen zwischen gut und böse abzuwĂ€gen, doch war das wirklich notwendig? Sein Herz schlug wild und Kribbeln durchzog seine Adern. Normalerweise verspĂŒrte er das nicht, wenn er mit jemanden einen Kuss austauschte. War Ana etwa zu nah gekommen? Doch das alles spielte keine Rolle. Willentlich ließ er sich weiter von ihr heranziehen, seine Augen geschlossen und allein auf die Empfindung seiner Lippen konzentriert. Der Atem Anas, der Farael entgegenschlug. Am liebsten wĂ€re er auf Dauer in diesem Moment gefangen geblieben. Dieses unbeschreibliche GefĂŒhl, welches Angst und alte Erinnerungen von Misstrauen hervorrief, aber ebenso beruhigend und liebend war. Dieser Augenblick musste jedoch enden. Farael löste seine Lippen und öffnete die Augen. Erst jetzt spĂŒrte er, wie heiß sein Kopf war. Warum fĂŒhlte er sich wie ein verdammter Schuljunge? Sein Blick suchte den von Ana, ehe sich ein warmes LĂ€cheln aus seine Lippen legte. Er schwieg und wartete auf eine Antwort Anas. Ob er zu weit gegangen war.

Ana:
Viele GefĂŒhle hatte Ana nach dem Kuss erwartet. Verlangen. Begierde. Möglicherweise aber auch ganz anders, Verlegenheit, Unsicherheit, gar ein wenig Scham. Nichts davon hĂ€tte sie so erstaunt, wie das, das warm in ihrem Innern verblieb, als sie sich voneinander lösten. Es waren die weichen Kissen der Geborgenheit, in die sich Geist und Körper gleichermaßen sinken ließen und die keinen Platz fĂŒr Zweifel ließen, alle Gedanken vetrieben und sie voll und ganz umfingen. Sie erwiderte Faraels LĂ€cheln und es war das wirklichste LĂ€cheln, das sie seit langem Zustande gebracht hatte. Tief aus ihrer Seele strahlte es, dankbar fĂŒr den Moment, den er ihr gerade bereitet hatte. Ana meinte leichte Verunsicherung durch Faraels Augen blitzen zu sehen und fĂŒhlte, dass eine Reaktion von ihr erwartet wurde, die ĂŒber das stumme LĂ€cheln hinaus ging. "Das war unerwartet", sagte sie etwas heiser und rĂ€usperte sich unbeholfen, ehe sie weiter sprach. "Und mutig. Es hĂ€tte gut sein können, dass ich dir die Lippe rasiere." In einer fließenden Bewegung fischte sie einen der Dolche aus dem GĂŒrtel, ließ ihn um die Hand kreisen und richtete ihn spielerisch auf Faraels Gesicht. "Aber ich mochte es." Der lockeren Art, die sie aufgesetzt hatte, zum Trotz, spĂŒrte Ana, wie sie errötete. "Sehr."

Farael:
Es war, als ob tausende von Steinen von Faraels Herzen fielen. Zuerst hatte er gedacht, zu weit gegangen zu sein und Ana in diesem Moment zu vertreiben, doch das genaue Gegenteil war der Fall. Stattdessen erntete er das wĂ€rmste LĂ€cheln, welches er seit seiner Mutter bei einer Frau hatte sehen können. FĂŒr einen Moment glaubte er, Ardemia persönlich wĂŒrde ihm zulĂ€cheln. Ein seltsames GefĂŒhl, welches jedoch die WĂ€rme gut erklĂ€ren konnte, die Farael in diesen Moment durchströmte. Und auch wenn Ana es mit ihren Neckereien aufzulockern versuchte, so verĂ€nderte sich bei Farael nicht mehr, als das er sich immer sicherer wurde. Zugleich aber auch Ă€ngstlicher. Jeden Schritt den er unternahm, barg ein Risiko. Ana es jedoch spĂŒren zu lassen, wollte Farael so gut es geht verhindern. Stattdessen grinste er ihr entgegen und streichelte behutsam ihre Wange, obgleich sie gerade mit einem Dolch vor seinem Gesicht herumfuchtelte. Mit charmanten LĂ€cheln und hochgezogener Augenbraue erwiderte er schließlich: „Seien wir ehrlich. Als ob du dieses schicke Gesicht verunstalten könntest.“ Er kĂŒsste sie nochmals. Zwar kĂŒrzer, aber mindestens genau so liebevoll wie auch zuvor. „Deine Lippen schmecken gut“, merkte er schließlich noch mit einem verschmitzten Grinsen an, ehe er sich ganz von Ana löste. Stattdessen erhob er sich noch einmal einen Moment und streckte sich vorsichtig. Dabei machte sich das schmerzhafte Ziehen in seiner Schulter bemerkbar, welches ihn kurz zusammenzucken ließ. „Möchtest du auch noch eine Tasse Tee?“, fragte er, wĂ€hrend er die beiden Becher nahm und seinen mit dem heißen Trunk fĂŒllte.

Ana:
"An Selbstvertrauen mangelt es ihm nicht", dachte Ana. Laut sagte sie: "WĂ€re auch schade drum", und setzte zu einem erneuten LĂ€cheln an, das von einem kurzen Kuss unterbunden wurde. Misstrauisch, ob der Kommentar ernst gemeint war oder ironisch auf ihren Alkoholkonsum anspielte, sah Ana Farael an und kam zu keiner Lösung. "Sehr gern", antwortete sie stattdessen. TatsĂ€chlich war sie sehr durstig, kein Wunder... WĂ€hrend sie langsam von dem heißen Tee schlĂŒrfte, beobachtete sie den Alben weiterhin und versuchte zu verstehen, was all das zu bedeuten hatte. Sie kannte ihn gerade einmal einen Tag lang und schon hatten sie sich gekĂŒsst. Hinzu kam, dass, obwohl sie ihn höchst ansprechend fand und gestern ohne Weiteres mit ihm ins Bett gegangen wĂ€re, die BerĂŒhrung ihrer Lippen kein wildes Verlangen in ihr ausgelöst hatte, sondern diese seltsame Art von Geborgenheit. All dies einzuordnen fiel Ana sehr schwer und sie versuchte sich weiter auf das zu besinnen, was sie sich zuvor schon vorgenommen hatte. Sie musste es einfach geschehen lassen, ganz ohne Zwang und Bedenken. Plötzlich fiel ihr Faraels Brief wieder ein. "Ich wollte mich noch bedanken, fĂŒr den Brief", sagte sie und ließ außen vor, dass sie ihn nicht selber hatte lesen können. "Wie lief es denn heute morgen? Konntest du etwas erreichen, bevor...", sie zeigte auf seine Verletzung. "Bevor du angegriffen wurdest?"

Farael:
Mit Anas Antwort fĂŒllte Farael auch ihren Becher und reichte ihr diesen. Die gesamte Zeit spĂŒrte er ihren Blick auf sich. Auch als er ihren Blick erwiderte, wich sie nicht aus und schien ĂŒber etwas nachzudenken. Beobachtete sie ihn etwa? SchĂ€tzte sie ihn ein? Mit Sicherheit konnte Farael dies nicht beantworten, doch es störte ihn auch nicht weiter. Vielleicht sah sie sich nicht ganz satt an ihm, was er mit einem inneren Grinsen als Ă€ußerst angenehmen Gedanken aufgriff. Schließlich machte er es sich neben ihr wieder gemĂŒtlich und hörte ihre Frage, lauschte ihrem Dank. „Ich kann dich schlecht allein lassen, ohne dir ein Wort zu sagen, oder? Ich hoffe, dass du alles gefunden hast, was du brauchtest. Offensichtlich gehören meine Klamotten dazu“, neckte er Ana und streckte ihr die Zunge heraus. Doch dann wurde sein Gesicht wieder ernster. Die Frage, ob er am Tage etwas erreicht habe, zielte doch auf etwas GrĂ¶ĂŸeres ab. „Ich bin noch nicht ganz sicher“, antwortete er. „Zwar habe ich Söldner des Lagers gefunden und mit ihnen auch ein Angebot ausgehandelt. Jedoch kann ich die Typen noch nicht richtig einschĂ€tzen.“ Plötzlich schoss Farael in die Höhe und fasste sich an die Stirn. „Mist, ich wollte morgen Mittag mich mit ihnen treffen und ihnen bei der Arbeit helfen. Großartig, das wird jetzt wohl nichts mehr. Dennoch muss ich da morgen hin, um ihnen wenigstens ihre Bezahlung zu geben.“ Die Worte richtete Farael eher an sich selbst, als wirklich an Ana. Doch die ErnĂŒchterung brachte schließlich mehr Entspannung. Was sollte er schon dagegen tun? Tod wĂŒrden ihm seine PlĂ€ne auch nichts mehr bringen. „Jedenfalls sieht es bisher ganz solide aus, aber was daraus wird, steht vollkommen in den Sternen. Was hast du eigentlich getrieben? Außer zu saufen.“

Ana:
Ein verschĂŒchtertes Kichern entfuhr Ana. Das geliehene Hemd hatte sie beinahe wieder vergessen. Ob sie ihm sagen sollte, dass sie es nach dem Duschen ĂŒber den nackten Körper gezogen hatte? Eilig verwarf sie den Gedanken. Hatte sie nicht beschlossen, dass Farael mehr war, als jemand, den man billig verfĂŒhrte? "Hauptsache, du hast Zeit, deine Verletzung anschauen zu lassen", mahnte Ana. Farael ging es nicht so gut, wie er vorgab, das meinte sie ganz deutlich in seinen Bewegungen zu sehen. "Ach", setzte Ana an. "Erst habe ich etwas gegessen. Und dann habe ich eigentlich wirklich nur nach Arbeit gesucht. Nur deshalb bin ich ĂŒberhaupt in eine Taverne gegangen und dann noch eine und dann noch eine. Ich dachte, ich könnte wieder irgendwo auftreten, doch es gab einfach nichts fĂŒr mich. Tja und dann hat eines zum anderen gefĂŒhrt." Sie grinste verlegen. Den Rum zum FrĂŒhstĂŒck ließ sie wissentlich aus. Irgendwie war es ihr auf einmal peinlich, dass sie am hellichten Tag alleine getrunken hatte. "Weißt du", sprach sie eine plötzliche Eingebung aus, "ich könnte dich morgen begleiten und ebenfalls ein bisschen helfen. Vermutlich wird es sowieso eher AufrĂ€umarbeiten geben? Ich meine, als Dankeschön, dass ich die NĂ€chte hier verbringen darf. Was meinst du?"

Farael:
„Von Arbeit ins plötzliche VergnĂŒgen. So so. Ein Arbeitstier bist du also nicht“, antwortete Farael breit grinsend. Doch sein Grinsen verschwand im selben Moment, als sie die Frage stellte, ob sie zum AufrĂ€umen mitkommen könne. Mehr als gewollt, stimmte Farael diese Frage Anas nachdenklich. Er wusste nicht zur GĂ€nze warum, doch aus irgend einem Grund hatte er ein wenig Angst Ana in der NĂ€he von Söldner zu sehen, besonders wenn er sie nicht einschĂ€tzen konnte. Nicht das er Ana nicht zutrauen wĂŒrde, auf sich selbst aufzupassen, doch ausgebildete Söldner, die obendrein bewaffnet sind, können schnell gefĂ€hrlich werden. „Nunja...“, begann er, kratzte sich dabei im Nacken. „Prinzipiell habe ich nichts dagegen. Doch weiß ich nicht ganz, ob ich dich mit diesen MĂ€nnern zusammen arbeiten lassen sollte. Versteh' mich nicht falsch. Ich will einfach nur nicht 
 Ă€hm 
 das die irgendwas Dummes anstellen. Wenn du aber darauf bestehst, wer bin ich, der dich daran hindert? Ist ja nicht gerade so, als wĂŒrdest du mir gar nichts zurĂŒckgeben.“ Farael zuckte mit den Schultern, wobei sich dabei seine Verletzung mal wieder bemerkbar machte.

Ana:
"Hey! Das war Schwerstarbeit", entgegnete Ana schnell, wĂ€hrend Farael noch ĂŒber ihre Frage grĂŒbelte. Sie konnte nicht anders, als sich insgeheim darĂŒber zu freuen, dass der Gedanke, sie mitzunehmen, ihm Unbehagen bereitete. "Ich werde mir auch etwas anziehen zum Arbeiten", grinste sie keck. "Und ich habe die hier." Erst jetzt steckte sie den Dolch wieder zu seinem Pendant in den GĂŒrtel. Dann stand sie auf und ging auf Farael zu. "Wenn dort keine Frauen erwĂŒnscht sind, verstehe ich das natĂŒrlich. Aber nachdem du nicht arbeiten kannst, wĂ€re ein weiteres Paar HĂ€nde vielleicht ganz hilfreich? Und du kannst den Kerlen ja sagen, ich gehöre zu dir." Woher das nun wieder gekommen war, wusste sie nicht, als sie ihn gewichtig ansah und ihre Hand sich urplötzlich an seiner HĂŒfte befand. Schnell zog sie sie zurĂŒck, etwas beschĂ€mt.

Farael:
Mit ihrer kecken und doch zugleich selbstsicheren Art hatte Ana etwas an sich, was Farael ĂŒberzeugen konnte. Selbst wenn er sich Sorgen machte, vermittelte sie nicht den Eindruck, dass seine Sorgen berechtigt waren. NatĂŒrlich waren sie es in gewisser Weise schon, doch Ana sollte ihre Chance bekommen. Als sie sich schließlich erhob und tatsĂ€chlich sehr bedeutende Worte zu ihm sprach, wurde Farael völlig ĂŒberrumpelt. Ob sie die Tiefe und Bedeutung ihrer Worte richtig verstand? Jedoch war es nichts, was er nicht hĂ€tte verhindern sollen. Im Gegenteil. Sie schien es zu genießen und ein Blick in ihre Augen verriet ihm die Wichtigkeit, dessen, was sie gesagt hatte. Bevor Farael jedoch zu einer Antwort kam, nĂ€herte sie sich ihm. Sein Blick blieb fixiert auf ihre Augen, in denen er Mut zu erkennen glaubte. Dann WĂ€rme an seiner HĂŒfte. Schließlich erkannte er Röte in ihrem Gesicht. Scham? Nein, das war nicht richtig. „Ich habe dir gestern Abend etwas gesagt Ana“, erwiderte er sanft, als er sich aus seiner Überraschung befreit hatte. „Habe weder Angst, noch schĂ€me dich fĂŒr das, wonach du dich sehnst.“ Völlig entspannt saß Farael dort, sein Körper locker und aufrichtig. Genau das Gleiche, was er mit seinem Blick auszudrĂŒcken versuchte.

Ana:
Dies ist nur ein Teil von mir, wollte Ana sagen. Und er ist gefĂ€hrlich. Doch sie blieb still. Sie hatten das Thema bereits durch. Im selben Augenblick wurde ihr bewusst, warum sie sich schĂ€mte und warum diese Situationen ihr Unbehagen bereiteten. Farael schien sich nach nichts davon zu sehnen und das war Ana nicht gewohnt. Normalerweise war sie diejenige, die gesetzt und ausbalanciert war und beliebig mit dem Begehren ihres GegenĂŒbers spielen konnte. Und wie sie das genoss! Der Gedanke, dass nun Farael auf dieser ĂŒberlegenen Position saß und es ebenso genoss, dass er sie recht schnell herum kriegen könnte, beschĂ€mte sie und verĂ€rgerte sie sogar ein wenig. Wieso kam es auch immer wieder in ihr hoch? Wo sie nach dem Kuss doch vollkommen Herrin ihrer Selbst gewesen war? "Sehnst du dich denn nach nichts?" Nach einigem AbwĂ€gen stellte sie die ketzerische Frage.

Farael:
FĂŒr nur einen Moment meinte Farael einen inneren Kampf zu erblicken. Ana schien hin- und hergerissen. Sie zögerte. Die Entscheidung blieb aus. Stattdessen kam eine Frage, mit der selbst Farael nie im Leben gerechnet hĂ€tte. „Ähm...“, stammelte er, völlig von der Frage ĂŒberfahren. Es vergingen einige Sekunden der unangenehmen Stille. Doch wollte Farael das nicht so stehen und erst recht nicht die Frage unbeantwortet lassen. Mit aller Ruhe erhob er sich und stellte sich vor Ana. Etwas schwankte er, sein Zustand war nicht der Beste. Doch das war ihm in diesem Moment egal. „NatĂŒrlich tue ich das. Ana, du bist eine wunderschöne und attraktive Frau. Obendrein hast du in deinem Kopf viel mehr Sinn und Bedeutung, als das restliche Weibsvolk dieser Stadt. Ich wĂŒrde nicht zögern, mit dir zu schlafen. Deine Lippen zu schmecken und deine Haut an meiner zu spĂŒren. Doch weiß ich auch, dass wir mehr als das sind. Viel mehr als pure Lust. Uns verbindet viel mehr. Auch wenn ich die Lust nicht abstreiten könnte, dich an mich zu ziehen. Mir ist jedoch eines wichtig: Das Wissen darum, dass ich mit dir schlafen wĂŒrde, nicht weil ich einfach nur Lust auf deinen Körper habe – sondern auch deinen Geist spĂŒren möchte. Ich will nicht aus purer Lust handeln – sondern aus Leidenschaft und Zuneigung.“ Woher diese Worte kamen, konnte sich selbst Farael nicht erklĂ€ren.

Ana:
Nervös wartete Ana. Dabei wagte sie erst einmal nicht mehr, Farael anzublicken, aus Angst, sie könnte Wut ĂŒber die indiskrete Frage in seinem Ausdruck entdecken.
Erst als er sich vor sie stellte, nahm sie den Kopf hoch und sah ihm ins Gesicht. Ruhig ließ sie ihn aussprechen und sog jedes Wort in sich auf. Was er sagte, weckte erneut ambivalente GefĂŒhle in ihr. Doch hatte sie nicht genau so etwas hören wollen? Langsam stand auch sie auf, dass sie ihm besser in die Augen sehen konnte. Sie wollte ihn Vieles fragen. Ob er das jeder Frau erzĂ€hlte, wie er das nach so kurzer Zeit wissen konnte und warum er verdammt noch mal immer genau wusste, was er sagen musste, um sie weichzukochen. Doch sie sprach nichts davon aus. Kannte sie die Antwort auf diese Fragen nicht sowieso alle schon? Stattdessen hob sie zögerlich eine Hand und berĂŒhrte mit den Fingerspitzen die unverletzte Seite seines harten Bauchs. "Schade, dass du verletzt bist", hauchte sie. "Sonst hĂ€tten wir testen können, wie es sich anfĂŒhlt auf diese Weise zu lieben."

Farael:
Das ruhige Schlagen Faraels Herzens wandelte sich in ein unsicheres Galoppieren. FĂŒr ihn sind die Dinge wie Misstrauen und Angst in diesem Moment vergessen. Mehr noch, wurden sie ersetzt durch ein warmes GefĂŒhl, welches durch seine Adern strömte und darauf brannte, mit Ana geteilt zu werden. Als Herausforderung und Einladung zugleich verstand Farael Anas BerĂŒhrung und Worte. „Wir werden noch genug Zeit dafĂŒr haben. Wenn der Moment kommt, kannst du mir ja einmal zeigen, wie du es schaffst als Reiterin ein Pferd zu zĂ€hmen“, erwiderte Farael zwinkernd. Doch dann entschied er sich, dass die Situation keiner weiteren Worte mehr Bedarf. Behutsam schmiegte Farael seinen Körper an Ana. Sein rechter Arm fasste sie bestimmt, aber liebevoll an der HĂŒfte. Mit der Linken fasste er ihre Wange und streichelte sie. Er gab sich voll in diese zĂ€rtliche Umarmung hin, auch wenn er Ana den nĂ€chsten Schritt ĂŒberlassen wollte.

Ana:
Verwegen grinste Ana, als Farael ihre gemeinsame Metapher des letzten Abends wieder aufnahm. Hitze stieg in ihr hoch und sie ließ sich gerne in die Umarmung sinken, obwohl sie Sorge hatte, sie könnte Farael ausversehen an einer verletzten Stelle berĂŒhren. Er fĂŒhlte sich einfach gut an. Er war ein StĂŒck grĂ¶ĂŸer als sie, jedoch nicht zu sehr, sodass sie seine Lippen erreichen konnte ohne sich zu sehr strecken zu mĂŒssen. Noch verharrte sie aber mit etwas Abstand und sah ihm in die freundlichen Augen. Ganz deutlich spĂŒrte sie die Hand an der HĂŒfte und ihr Unterleib zog sich automatisch zusammen. Ihre eigene Hand lag noch immer auf seinem Oberkörper und sie tastete sich mit den Finger ein StĂŒck ĂŒber seine Muskeln. Immer wieder fiel ihr Blick hinab auf seinen Mund und schließlich ĂŒberbrĂŒckte sie das letzte StĂŒck, kĂŒsste ihn und griff dabei mit der zweiten Hand in seinen Nacken.

Farael:
Ohne zu zögern oder auch nur einen Moment der Reue ließ sich Farael in den Kuss fallen und zeigte Ana, wie sehr er diesen genoss. FĂŒr diesen Augenblick schienen sie beide zu einem zu verschmelzen. Weder Lust noch Begierde spielten eine Rolle. Viel mehr das tiefe GefĂŒhl der Zuneigung machte es möglich, dass Farael den Kuss mit geschlossenen Augen genießen konnte. Man könnte meinen, er wĂ€re nichts Besonderes, so hatten sie ihren ersten Kuss bereits ausgetauscht. Doch die Lippen der Norkara zu spĂŒren und auch zu schmecken, stellte ein wahrlich schönes GefĂŒhl dar. Nichts sehnlicher wĂŒnschte sich Farael, als das dieser Moment niemals enden wĂŒrde. Auch sein Körper schmiegte sich mit seiner angeschlagenen Kraft an Anas Leib, um die NĂ€he zu ihr zu spĂŒren und absolut zu genießen.

Ana:
Alle Sinne schĂ€rften sich aufs Äußerste und waren gleichwohl besonders empfindlich. Ana nahm Faraels heißen Atem wahr, spĂŒrte den warmen Druck seiner Lippen auf den ihren und seiner HĂ€nde auf ihrer HĂŒfte. Sie spĂŒrte seinen Bauch an ihren BrĂŒsten und die krĂ€ftigen MuskelstrĂ€nge seines unteren RĂŒckens unter ihrer Hand. Unter seiner BerĂŒhrung knisterte ihre Haut und ihre Nackenhaare stellten sich auf. Ana gab sich ganz diesem GefĂŒhl hin und kostete gierig von Farael. Warm drang die WĂ€rme seiner Haut durch das Hemd, das sie trug und sie umfasste ihn mit beiden Armen, schob die HĂ€nde nach oben auf seine SchulterblĂ€tter und drĂŒckte ihn sanft an sich heran, um noch tiefer einzutauchen.

Farael:
Die Welt um Farael verdunkelte sich immer mehr und der einzige Lichtschein war nur seinen GefĂŒhlen des Momentes gewidmet. Die Hingabe, mit der er Anas Lippen kostete, oder aber das enorme Vertrauen, welches er ihr in diesem Moment schenkte. Er spĂŒrte jeder ihrer BerĂŒhrungen mit grĂ¶ĂŸter IntensitĂ€t, wie ihre HĂ€nde seinen RĂŒcken hinauf wanderten und sich schließlich auf seinen Schultern ablegten. Dann der Druck, der ihn noch nĂ€her an sie heranzog. Es war, als ob es die Welt nicht mehr gĂ€be. Oder die Welt nur noch aus ihrem Kuss bestĂŒnde. Normalerweise hĂ€tte er sie bereits genommen und zum Bett geleitet, doch das war anders. Und wĂŒrde es auch bleiben. Ana war anders. Und hatte eine Behandlung einer Königin wĂŒrdig verdient. Die Hitze ihres Körpers strahlte auf ihn hinaus und fĂŒtterte das warme Kriseln in seinem Bauch. Nichts und niemand hĂ€tte ihm diesen Moment nehmen können. Selbst als sie langsam den Kuss lösten, spĂŒrte Farael Anas Lippen auf den Seinen, als ob sie noch immer den Geschmack ihres Vertrauensbeweises austauschten. Vorsichtig legte Farael seinen Kopf auf Anas ab, wĂ€rmte und umfasste sie, als ob sie der grĂ¶ĂŸte Schatz wĂ€re, den er jemals beschĂŒtzen mĂŒsste.

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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#34

Beitrag von Schwarze Ana » Mo 19. MĂ€r 2018, 23:33

weiter geht es hier: Der Hengst und die Reiterin
Whisk(e)y ist flĂŒssiges Sonnenlicht
~ George Bernard Shaw ~

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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#35

Beitrag von Sodo Mio » Fr 23. MĂ€r 2018, 07:36

Am nĂ€chsten Tag, pĂŒnktlich zum morgendlichen Gedröhn des Tempelgongs, ganz so, wie es sich fĂŒr Söldner gehörte, stand das kleine TrĂŒppchen dort, wo frĂŒher sein zu Hause gewesen war. Verkohlte Holzgerippen mit eingestĂŒrzten DĂ€chern kennzeichneten den frĂŒheren Standort der Mannschaftsquartiere, des Badehauses und der meisten ĂŒbrigen HĂ€user.

»Diese Latrine braucht niemand mehr zu schrubben«, stellte Sodo fest und stieß mit dem Fuß an einen schwarzen Balken. Eine Ecke brach ab. »Ehrlich, hier ist nichts mehr aufzurĂ€umen oder zu durchwĂŒhlen. Das DurchwĂŒhlen haben die Penner erledigt und was will man an einem Haufen Holzkohle aufrĂ€umen?«

»Die Offiziersbaracken stehen zum grĂ¶ĂŸten Teil noch«, sprach Cherax das Offensichtliche aus. »Sie sind nur etwas angeschmort. Und die Verwaltung ist auch noch halbwegs intakt.«

Sodo zuckte mit den Schultern. »Wenn ihr meint, dass sich das lohnt. So lange man mich dafĂŒr bezahlt, soll es mir Recht sein. Wo bleibt nun dieser Farael?«

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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#36

Beitrag von Schwarze Ana » Mo 26. MĂ€r 2018, 11:48

Ana:
Er war einer dieser Morgen, an denen man von ganz alleine aufwachte. Es war kein störendes GerĂ€usch, keine fremde Bewegung, kein aufwĂŒhlender Traum oder dergleichen, das einen in die bewusste Welt zurĂŒckholte, es waren Körper und Geist selbst, die ausgeruht und entspannt einem neuen Tag entgegen strebten. Eine Weile hielt Ana die Augen noch geschlossen und spĂŒrte in sich hinein. Das GefĂŒhl der Decke auf der Haut verriet ihr, dass sie nackt war und langsam rekonstruierte sie den vergangenen Abend. Sie lĂ€chelte. Dann drehte sie sich noch einmal auf die Seite und berĂŒhrte Faraels warmen Körper, von dem sie sich im Schlaf wohl gelöst hatte oder er von ihr. Das unterschwellige Pochen in ihrem Kopf war das einzige Indiz dafĂŒr, dass sie noch immer sie selbst war, denn alles andere fĂŒhlte sich merkwĂŒrdig an. Sie war ausgeschlafen und lag in einem bequemen Bett, gemeinsam mit einem Mann, ohne sich aber in irgendeiner Form schmutzig zu fĂŒhlen und ohne den Drang, schnellst möglich das Weite zu suchen. Mit einem wohligen Seufzen öffnete sie nun doch die Augen. Es war bereits hell und von außen drangen verschiedene GerĂ€usche hinein, die sie zuvor gar nicht wahr genommen hatte, denn sie verschwammen zu einem steten Brummen, in dem Stimmen, Schritte oder das Klappern eines Wagens eins zu werden schienen. Farael hatte ihr den RĂŒcken zugekehrt. Vorsichtig hob Ana eine Hand und strich ihm gedankenverloren die WirbelsĂ€ule entlang.

Farael:
In der Regel wurden Faraels TrĂ€ume von den Dingen verfolgt, die er in der Vergangenheit getan hatte. Seien es verprellte Frauen oder aber die schrecklichen Bilder seines einstigen Söldnerlagers, die ihn gern des Nachts heimsuchten und ihm die Entspannung aus dem Schlaf raubten. Doch stattdessen war diese Nacht ruhig gewesen. Voller Geborgenheit und ein warmes Kribbeln, welches sich durch seinen Bauch schlĂ€ngelte. Dabei hatte er doch gar nichts anders gemacht, oder? Seine Frage beantwortete sich schnell, als er aus der Ruhe seines Schlafes geweckt wurde. Etwas kitzelte ihn fĂŒrchterlich am RĂŒcken und er kam nicht drum herum, unter dieser BerĂŒhrung zu lachen. NatĂŒrlich völlig unbeabsichtigt und sein Lachen war voller MĂ€nnlichkeit. Definitiv. Kein Kichern, dass eines Weibes gehören konnte. Drum wĂŒrde er sicherlich auch nicht sagen, dass diese gehauchte BerĂŒhrung an seinem RĂŒcken sich die Empfindlichkeit dessen zu Nutzen machte. Doch die Hand welche zur BerĂŒhrung gehörte, zeigte Farael deutlich warum er gut geschlafen hatte. Mehrere Male ließ das Farael noch mit sich machen, ehe er sich trotzig auf den RĂŒcken legte und die Augen aufschlug. Bei dem Anblick der sich ihm bot, huschte ihn sofort ein warmes LĂ€cheln ĂŒber die Lippen. „Guten Morgen stolze Reiterin“, flĂŒsterte Farael leise zu Ana, wobei er ihren Blick suchte. Er erhob seine Hand und berĂŒhrte Anas Wange, strich einige Male sanft ĂŒber sie, ehe er sie in einen kurzen aber liebevollen Kuss zog. Noch immer fĂŒhlte es sich richtig an. Vielleicht ungewohnt, aber dennoch richtig. „Wie hast du denn geschlafen?“, fragte er neugierig und streichelte dabei sanft Anas Wange.

Ana:
Faraels Empfindlichkeit amĂŒsierte Ana. Aus irgendeinem Grund hatte es ihr schon immer gefallen, wenn sie andere auf diese Weise necken konnte. Es gab ihr das GefĂŒhl, ĂŒber einen fremden Körper bestimmen zu können. Sie schmunzelte ihrerseits. "Wie ein Stein", entgegnete sie wahrheitsgemĂ€ĂŸ. Dann rollte sie sich ebenfalls auf den RĂŒcken und streckte erst einmal ausgiebig die Glieder. "Ich fĂŒhle mich wie neu geboren. Bereit fĂŒr eine wenig körperliche Arbeit in deinem Söldnerlager", sprach sie mit gedehnter Stimme inmitten des RĂ€kelns. "Wie geht es dir? Schmerzt es noch sehr?"

Farael:
„Schmerzen? Was ist das?“, fragte Farael neckisch und streckte Ana die Zunge entgegen. NatĂŒrlich spĂŒrte er noch Schmerz und es wĂŒrde auch nicht besser werden. Im Gegenteil. „Nichts, was mich umbringt. Mach' dir keine Sorgen, okay?“ Farael drehte seinen Kopf zu Ana und schaute sie nachdenklich an. Nicht nur, dass ihm der Gedanke doch missfiel, dass Ana im Lager mit anpacken wollte, sondern auch diese Situation, zwischen ihnen selbst stand im Raum. Doch war es einer Frage wert, mit der er den angenehmen Morgen hĂ€tte ruinieren sollen? Nein, definitiv nicht. Stattdessen blieb er entspannt liegen und betrachtete Ana. FĂŒr einen Moment merkte er, wie sein Blick wohl vertrĂ€umt gewirkt haben musste. Jedoch spielte das letzten Endes keine Rolle. Ana konnte er schließlich vertrauen. „Was denkst du? Über uns?“, rutschte es ihm schließlich doch heraus. Eine Frage fĂŒr die er sich im selben Moment hĂ€tte ohrfeigen können.

Ana:
Ana glaubte ihm kein Wort. Fast grenzte es an Komik, dass gestandene MĂ€nner im Falle einer ernstzunehmenden Verletzung beinahe dieselbe Wortwahl verwendeten, um das Gewicht der Lage abzutun. Sie wĂŒrde ihn nicht einfach so davon kommen lassen. Er musste zu einem Heiler. Schon war sie drauf und dran dies anzusprechen, da verĂ€nderte sich sein Blick und sie hielt inne. Eigentlich war es ein sehr schöner Blick gewesen, doch es war die Frage, die Ana einen Stich versetzte. Aus irgendeinem Grund traf sie sie vollkommen unvorbereitet und plötzlich flutete wieder Furcht durch Anas Adern, wo sie sich doch vorgenommen hatte, den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen. Ihre Kehle schnĂŒrte sich zusammen und sie schluckte schwer, suchte panisch nach einer guten Antwort und versuchte gleichzeitig verzweifelt sich nichts anmerken zu lassen. "Uns"... Es war so ein harmloses Wort, das war es doch, oder nicht? Warum machte es ihr so zu schaffen? Sie war gerne in Faraels NĂ€he, die kurze Zeit, die sie sich kannten, hatte sie sich sehr wohl gefĂŒhlt und wunderbar losgelöst vom unsteten Alltag. Doch trotzdem war sie noch Ana und er war noch Farael, sie waren kein "wir", oder doch? Interpretierte sie zu viel hinein? "Ich", begann sie schließlich nach einer viel zu langen Pause. "Ich denke wir haben zwei sehr schöne Abende verbracht." Was fĂŒr leere Worte. Doch wie sollte sie Farael sagen, dass sie ihn mochte, ohne sich dem gefĂ€hrlichen Wort zu nĂ€hern, das mit seinem gierigen Schlund und den engen Fesseln fĂŒr ihr Wesen nur darauf wartete, sie zu verschlingen? "Ich fĂŒhle mich wohl bei dir", fĂŒgte sie noch leise an.

Farael:
Augenblick spĂŒrte Farael, dass etwas nicht stimmte. Ana wirkte plötzlich gĂ€nzlich anders, sie sprach nicht zusammenhĂ€ngend und schien nach Worten zu ringen. Aus irgend einem Grund kroch Farael ein drĂŒckendes GefĂŒhl die Kehle empor. Nur wenige Momente mussten vergehen, um zu verstehen, dass er EnttĂ€uschung verspĂŒrte. Doch aus welchem Grund? Letztendlich hatte er nicht das Anrecht darauf, eine solche Frage an Ana zu richten. Letztendlich kannten sie sich gerade einmal nur zwei Tage. Doch er versuchte so gut es ging, sich davon nichts anmerken zu lassen. „Zwei wahrlich schöne Abende, da hast du Recht. Apropos, ich schulde dir noch einen Wein und ein Bier. Erinnere mich mal dran, wenn wir wieder in der Stadt einkaufen gehen sollten“, erklĂ€rte er lachend und mit einem Augenzwinkern. Das er eigentlich nur von dem Thema ablenken wollte, welches er eröffnet hatte, wĂŒrde Ana nicht mit bekommen, so hoffte er. Schließlich schĂ€lte er sich unter der Decke hervor und setzte sich auf den Bettrand. „Weißt du Ana“, begann er schließlich, die Stimme warm und doch zugleich ernst. „Du bist ein freies Vögelchen und niemand sollte dir die FlĂŒgel stutzen. Doch selbst die freisten und edelsten Vögel haben ein Nest, in das sie gern zurĂŒckkehren. Ob sie es sich bauen oder lieber ziellos umherirren, obliegt ganz ihrer Macht.“ Woher auch immer die Worte stammten, Farael konnte es nicht richtig deuten. In einem Moment wollte er noch vom Thema ablenken, jetzt ging er doch wieder darauf ein. Hatte er sich in so kurzer Zeit in Ana verliebt und war deswegen verletzt ĂŒber ihre Antwort? Es hĂ€tte es zumindest auf den Punkt gebracht, doch war sehr gewagt. Dennoch sollte er nicht verlangen. „Entschuldige. Du sollst wissen, dass ich fĂŒr dich nur das Beste will. Auch wenn ich manchmal wie ein Idiot klinge“, sagte er schließlich lachen und streckte sich vorsichtig auf dem Bettrand. Dabei zuckten seine Muskeln, die auf den wiedererweckten Schmerz reagierten.

Ana:
Dankbar, dass das Thema eine heitere Wendung nahm, atmete Ana schwerer aus, als ihr lieb war. "Auch wenn das wirklich verlockend ist, kann ich das nicht annehmen. Immerhin durfte ich dafĂŒr hier schlafen. Zwei Mal." Ein LĂ€cheln kĂ€mpfte sich zurĂŒck und Ana schĂ€mte sich fast ein wenig fĂŒr ihre heftige Reaktion auf Faraels Frage. Ohne es zu wollen hatte sie damit wohl auch Einiges von sich preisgegeben, denn wie so oft, verstand Farael es, ihre Sorgen und Gedanken am Schopf aus dem Sumpf ihres Innenlebens ans Licht zu ziehen. Offensichtlich hatte er ihr Naturell schon wesentlich besser verstanden, als die meisten vor ihm, vielleicht gar besser als sie selbst. "Das weißt ich", raunte sie, "auch wenn ich nicht weiß woher. Und ich bin dir sehr dankbar dafĂŒr, du sĂŒĂŸer Idiot." Sie zwinkerte, doch zugleich suchte sie in seiner Stimme und der Art wie er sprach nach Anzeichen fĂŒr seine eigene GefĂŒhlswelt. Dass sie nichts fand, verunsicherte sie ein wenig, da sich normalerweise gut darauf verstand andere zu lesen. Entweder gab es nichts zu finden oder Farael wusste es zu verbergen. "Wirst du heute zu einem Heiler gehen?", fragte sie stattdessen, auch wenn sie wusste, wie dĂ€mlich die Frage in diesem Augenblick war.

Farael:
Nachdenklich verharrte Farael fĂŒr einen Moment, doch Anas verstecktes Kompliment ließ ihn schließlich wieder lĂ€cheln. Er konnte ihr schlichtweg nicht böse sein, auch wenn ihre Antwort sich als sehr ausweichend angefĂŒhlt hatte. Doch er konnte sie schlecht darauf festnageln und nachhaken. Stattdessen nahm er sich seine eigenen Worte in den Sinn und beantwortete seine EnttĂ€uschung selbst. Ana musste ihren eigenen Weg finden und er konnte sie nicht leiten – sondern ihr nur ein Licht geben, in welches sie gehen konnte. „Naja, kommt ganz darauf an“, erwiderte er schließlich auf ihre letzte Frage, ehe er sich erhoben und seine Hose vom Boden aufgehoben hatte. Nebenbei bekleidete sich Farael, dabei sein Blick auf Ana gerichtet. „Du wirst mich glaube nicht mit dem Thema in Ruhe lassen, wenn ich nicht tatsĂ€chlich zum Heiler gehe, oder?“, fragte er schließlich, als er zu seiner Kommode ging und zwei Hemden herauszog. Eines fĂŒr sich und eines fĂŒr Ana, welches er ihr reichte.

Ana:
Ana hatte sich aufgesetzt, die Beine angezogen und sich noch einmal in die Decke gewickelt. WĂ€hrend sie das GefĂŒhl des weichen Stoffes auf der Haut genoß, sah sie Farael beim Ankleiden zu. "Ich fĂŒrchte nein", seufzte sie. "Wenn die Wunden dich am Ende dahinraffen, hat dir die ganze Tapferkeit nichts genutzt." Mit einer Hand fixierte sie die Decke ĂŒber ihren BrĂŒsten, mit der anderen griff sie nach dem Hemd und musterte Farael. "Gefalle ich dir gut in deinen Hemden oder willst du nicht, dass ich mit einer freizĂŒgigen Bluse losmarschiere?" fragte sie frech.

Farael:
Ein breites Grinsen zeichnete sich auf Faraels Lippen ab, als er Anas Frage hörte und fĂŒr einen Moment darĂŒber nachdenken musste. FĂŒr den Augenblick war der Ernst der eigentlichen Situation vergessen, wĂ€hrend sie sich anblickten und beide ihre MĂŒnder zu einem Grinsen verzogen hatten. Doch Farael konnte schließlich nicht anders, als die gestrigen Worte Anas aufzugreifen: „Du hast gestern noch selbst gesagt, dass man einen Schatz nicht teilen sollte. Und wie symbolisiert man das besser, in dem man den ĂŒber den Schatz die eigene Flagge hisst?“

Ana:
Lachend nahm Ana die Hand nach oben und salutierte. "Aye, mein KapitĂ€n!" Erneut ein gekonnter Kniff, nicht nur ihre eigenen Worte, sondern auch ihre Leidenschaft aufzugreifen. Mit beiden HĂ€nden spannte sie das Hemd auf und betrachtete es. "Doch ist deine Flagge recht einfarbig und trĂ€gt ja gar kein Symbol. Woher soll einer da wissen, dass es deine ist?" Noch immer breit grinsend zog sie das Hemd ĂŒber und erhob sich nun ihrerseits aus dem Bett, um in die Hose zu schlĂŒpfen.

Farael:
Erneut musste Farael herzlich auflachen und knuffte Ana gegen die Schulter, als sie sich erhob. „Ganz einfach“, erklĂ€rte er, sich kaum aus dem Lachen winden könnend. „Du wirst schön in meiner NĂ€he bleiben und in Kombination mit meiner RĂŒstung wird jeder wissen, wessen Flagge das ist.“ In diesem Sinne begann sich Farael, auch den Rest seiner Bekleidung und anschließend seine RĂŒstung ĂŒberzuziehen. Dabei warf er einen erneuten Blick auf Ana. Wie sich ihr dunkles Haar um ihr Gesicht rahmt und die braunen Augen neugierig in die Welt blickten, doch zugleich selbst weite Ozeane einer tiefen Seele darstellten. Jedes Mal auf's Neue konnte er sich in diesen Anblick verlieren. „Hat dir eigentlich schon einmal jemand aufrichtig gesagt, wie schön du eigentlich bist?“, fragte Farael und suchte den Blickkontakt zu Ana. „Nicht nur das, sondern auch die innere Schönheit, die deine Augen ausdrĂŒcken?“ Im selben Moment wurde Farael ein wenig rot, wĂ€hrend er sich dabei erwischt hatte, dass er starrte.

Ana:
"So so, werde ich das?", feixte sie weiter, doch ihr LĂ€cheln war warm. Sie öffnete den Lautenkasten, nicht zum ersten Mal dankbar dafĂŒr, dass er so stabil war und das kostbare Instrument trotz des Vollrausches heil und unversehrt darin schlummerte. Nase rĂŒmpfend rollte sie die alte Hose eng zusammen und zog eine frische heraus. Bald wĂŒrde sie wieder waschen mĂŒssen. Dass Farael sie beobachte, wurde ihr erst bewusst, als seine Stimme ertönte und das Kompliment traf Ana ebenso eiskalt wie die vorherige Frage, wenn auch mit anderer Wirkung. Dieses Mal war es Verlegenheit, die ihr heiß durch den Körper raste. Langsam richtete sie sich auf und sah Farael an, wie er da stand, mit voller RĂŒstung, groß und stark, doch mit einem warmen, selbst leicht verlegenen Gesichtsausdruck und mit jener Aufrichtigkeit, die Ana von Anfang an fasziniert hatte. In diesem kurzen Moment tat es ihr furchtbar leid, wie sie auf seine Frage reagiert hatte. Der Drang zu ihm zu gehen und sich in seine Arme zu werfen war ĂŒberwĂ€ltigend, doch gleichzeitig war sie wie festgewachsen, wie gelĂ€hmt. "Normalerweise hört man Komplimente nur, wenn einen jemand ins Bett kriegen will", entgegnete sie. "Also: nein. Vermutlich hat das noch niemand...", sie hielt inne und dachte an Valdrad, ihren verstorbenen Mann. Ewig hatte sie nicht an ihn gedacht, doch seit sie mit Farael unterwegs war, stĂ€ndig. "Es passiert nicht oft." SchĂŒchtern lĂ€chelte sie. "Ich mag deine Augen auch sehr gern." Gerne hĂ€tte sie etwas Besonderes gesagt, doch wusste sie nicht was. Sagte man einem Mann denn, dass man ihn hĂŒbsch fand, attraktiv?

Farael:
Zufrieden mit sich selbst als auch Anas Reaktion sog er ihre Antwort auf seine Worte auf. Letzten Endes war es ihm wichtig, dass sie ihn sehen und als jemanden sehen konnte, der es ernst mit ihr meinte. Sie war nicht irgend eine Magd, die er mal eben abschleppte um seine niederen GelĂŒste zu befriedigen. Ana war mehr als das. Und auch wenn er es ihr mehr als einmal gesagt und sie auch ihren Dank dafĂŒr ausgesprochen hatte, so konnte er nicht anders, als ihr immer wieder dieses gefĂŒhl vermitteln zu wollen. Schließlich antwortete sie auch ehrlich und zum Schluss auch mit einigen Worten ihrer Zuneigung. Nicht, dass er sich selbst nicht hĂŒbsch fĂ€nde oder gar attraktiv. Doch die wenigsten wussten zu schĂ€tzen, was sich in den Augen eines Wesens verbergen konnte. So freute es ihn umso mehr, dass Ana mit Aufrichtigkeit erwidert hatte. „Ich danke dir“, meinte er schließlich, ehe er eine Verbeugung andeutet und zufrieden lĂ€chelte. Nebenbei beobachtete er ihr Gefecht mit der Kleidung und ihrem NaserĂŒmpfen zu urteilen, war diese mehr als ĂŒberfĂ€llig. Doch es war nicht mehr genug Zeit. Dem Sonnenstand nach zu urteilen, musste es bald Mittag sein und Farael wollte sich bei der Truppe nicht verspĂ€ten. „Leg' deine schmutzigen Klamotten hinten in die leere Waschzuber. Bei Gelegenheit waschen wir die entsprechend. Da du mich vermutlich zum Heiler prĂŒgeln willst, dĂŒrfen wir uns leider keine Zeit mehr lassen. Auch wenn ich sie zu gern hĂ€tte. Also, kommst du?“, erklĂ€rte Farael schließlich. Fast instinktiv bot er ihr seine Hand dar. Wirklich darĂŒber nachzudenken tat er nicht.

Ana:
Schon wieder verblĂŒffte er sie. Eigentlich hatte sie die dreckige Hose in ein Eck des Kastens stopfen wollen, bis sie eine Waschmöglichkeit gefunden hatte. Doch nun bot Farael ihr eine solche großzĂŒgig und ohne, dass sie danach gefragt hatte. Sie starrte einen Moment. "D-danke", brachte sie dann zustande und nahm das KleidungsstĂŒck wieder auf. Mit der zweiten Hand griff sie Faraels und ließ sich nach oben geleiten. Nachdem sie die Hose wie angeboten abgelegt hatte, legte sie noch den GĂŒrtel an und blickte einen Moment fragend zu ihrem Instrument. "Du... meinst du, ich könnte meinen Kasten hier lassen? Ich meine... ich möchte mich dadurch nicht selbst hierher einladen, doch bei der Arbeit wĂŒrde er mich nur stören und ich könnte es nicht ertragen, wenn er mir gestohlen wird. Ist es hier einigermaßen sicher?" Mit großen Augen sah sie Farael an, wie ein Kind, das sein Lieblingsspielzeug abgeben muss.

Farael:
Kurz nur zeigte Farael Ana, wo die Waschzuber ist und sie entsprechend ihre schmutzige Kleidung ablegen konnte. Kaum zurĂŒck im Haus stellte sie eine zögerliche Frage. FĂŒr den ersten Augenblick wirkte Ana so, als ob es um ein von Ardemia selbst geheiligtes Artefakt wĂ€re, welches sich in dem Koffer befand. Umso mehr amĂŒsierte es Farael, wie Ana schlichtweg vor ihm stand und große Augen machte. Mit MĂŒhe musste er sich ein breites Grinsen unterdrĂŒcken und versuchte sein warmes LĂ€cheln beizubehalten. „Keine Sorge, du lĂ€dst dich hier nicht selbst ein. Schließlich habe ich das fĂŒr dich schon vor zwei Tagen erledigt, als du das erste Mal hier warst. Du bist hier jederzeit willkommen. Damit ist dir auch die Sicherheit dieses Heimes garantiert. Vielleicht habe ich nicht die besten Schlösser, aber glaube mir, niemand wĂŒrde es sich trauen bei mir einzubrechen. Die Leute kennen mich und sie wissen, was es bedeutet. Von daher lass ruhig deine Sachen hier, die du nicht brauchst. Wenn du magst, kannst du sie gern noch in einem der SchrĂ€nke verstauen. Ich glaube in meiner Kommode ist das unterste Fach noch leer. Da sollte genug Stauraum fĂŒr deine Sachen sein.“ Nach diesem doch lĂ€ngeren Monolog schritt Farael langsam zur TĂŒr und lehnte sich gegen diese, darauf wartend, dass Ana ihre Sachen sicher verstaute. Seltsam war es dennoch. Schließlich kam das Angebot fast schon einer Einladung gleich, bei ihm einzuziehen. Diesen Gedanken verdrĂ€ngte er aber recht schnell wieder.

Ana:
Selbstbewusst ist er ja, dachte Ana. Doch das sollte sie nicht weiter stören. Sie war mehr als dankbar, dass sie ihr Heiligtum sicher verstauen konnte, auch wenn sie sich ohne das Gewicht auf dem RĂŒcken seltsam nackt fĂŒhlte. "Also gut", sagte sie und ging an Farael vorbei zu TĂŒre hinaus. "StĂŒrzen wir uns zurĂŒck in die schmutzige RealitĂ€t." Die Helligkeit stach ihr kurz in den Augen, doch dann hatte sie sich daran gewöhnt und erblickte Obenza, allerdings anders als noch gestern oder vor einigen Tagen. Sie war... entspannter und trug die Lebendigkeit und Frische am Leib, die nur nach einer befriedigenden Verbindung zu Tage trat. Nach ein paar Schritten blieb sie stehen und wartete auf Farael. "Zuerst zum Heiler?"

Farael:
Auch Farael hatte die triste AtmosphĂ€re vergessen, die in Obenza Alltag waren. Die unterschiedlichsten Personen der verschiedensten Völkern liefen auf den Straßen umher und besonders in dem Viertel, in der er lebte, zeigte sich die Schicht der unteren Mittelschicht. Es war nicht sonderlich angenehm anzuschauen, dennoch alle Mal besser als die Slums. „Zuerst zum Heiler zu gehen klingt gut. Wie schaut es aus, willst du mit in die Behandlung gehen oder passt du lieber?“, fragte Farael neugierig. Irgendwie erwartete er es bereits, dass Ana darauf bestehen wĂŒrde, dass sie mitkĂ€me. So wie sie sich verhalten hatte, besonders im Zuge seiner Verletzung, wollte sie scheinbar ein genaues Augenmerk darauf legen. Ihre Zustimmung darauf kam also entsprechend wenig ĂŒberraschend. Also machten sie sich gemeinsam auf den Weg zum Heiler, bei dessen Behandlung Ana auf unbedingte Anwesenheit bestand. Als ob der Fachkundige etwas falsch machen wĂŒrde. Jedenfalls trafen sie ein und wurden von einem Ă€lteren Herrn empfangen, in dessen StĂŒbchen die verschiedensten KrĂ€uter, Salben, aber auch medizinische GerĂ€te anwesend waren. Nach einer schnellen Untersuchung und Diagnose war es klar, was bei Farael verletzt worden war. Auch wenn der Heiler die Naht Anas lobte, so musste er sie dennoch durch eine andere ersetzen. Dabei stellte er fest, dass die Wunde am Bauch unbedenklich sei. Jedoch sei die Verletzung an der Schulter um so schlimmer. Die Klinge hatte seine gesamte Schulter und somit auch sein Schulterblatt durchdrungen. An sich war nichts gebrochen, dennoch war der Knochen durchstoßen und Fleisch durchschnitten worden. Bis Farael seinen Arm wieder richtig benutzen konnte, sollte mindestens ein Monat vergehen. Zudem riet der Heiler zur Ruhe und geringsten Belastung, gab nach einer Diskussion zu Faraels Aufgaben jedoch nach und gab ihm einige TrĂ€nke mit, die seine Schmerzen linderten. Dennoch sollte er ruhen, so weit es möglich war. Mit der Verletzung schien nicht zu spaßen zu sein. So verließen Ana und Farael gemeinsam die Heilerstube wieder und standen auf den Straßen Obenzas. „Ich hoffe, du hast deine Antwort vom Heiler die du hören wolltest“, ließ Farael daraufhin etwas genervt ab. Es war nicht gegen Ana gerichtet. Ihn störte der Fakt, dass er seinen Arm nicht richtig nutzen konnte, am meisten. Am liebsten wollte er den Kampf des Vortages ungeschehen machen.

Ana:
Von Minute zu Minute und von Wort zu Wort des Heilers vergrĂ¶ĂŸerte sich der Schrecken in Ana und sie musste allen Willen zusammen nehmen, damit ihre Kinnlade nicht nach unten klappte. War ihr Blick vom Alkohol so verklĂ€rt gewesen, dass sie die Schwere der Verletzung beim Verarzten nicht selbst hatte erkennen können? Wie hatte sie ihn nur zum Sex verfĂŒhren können? Jede Muskelanspannung musste ihm geschmerzt haben, doch er hatte nichts gesagt, ja nicht einmal das Gesicht verzogen oder sie war im Rausch der eigenen Ekstase zu blind gewesen, es zu merken. Am liebsten hĂ€tte sie eine Entschuldigung gemurmelt, doch im Beisein des Heilers wagte sie es nicht. Sie fĂŒrchtete dessen anklagenden Blick, möglicherweise gar eine Standpauke. Stattdessen wisperte sie nur ein schwaches "Oh, Farael", wĂ€hrend dieser untersucht und fĂŒr die weitere Pflege angeleitet wurde. Neben all die Scham drĂ€ngte sich allerdings noch ein anderes GefĂŒhl, dass Ana weit mehr irritierte. Es sprach sie an. Die Tatsache, dass Farael verwundet und verletzlich war, sich nicht wehren oder die ZĂŒgel an sich reißen konnte, erregte sie selbst jetzt und sie war entsetzt darĂŒber. Erst Faraels harte Worte auf der Straße holten sie aus dem Kampf mit dem eigenen Selbst zurĂŒck und unwillkĂŒrlich krĂ€uselte sie die Lippen. "Ich habe die BestĂ€tigung, dass alles andere, als ihn aufzusuchen, reine Dummheit gewesen wĂ€re, ja", gab sie pampiger zurĂŒck als beabsichtigt, doch dann sah Farael sie wieder mit seinen warmen Augen an und sie laß darin die Verzweiflung eines Mannes der Tat, dem man eines wichtigen Bestandteils beraubt hatte. "Entschuldige, Ana," sagte er viel sanfter und tat seinen Ärger ĂŒber die Verletzung Kund. VerstĂ€ndnisvoll sah Ana ihn an. "Ich verstehe dich. Weißt du, einmal habe ich mir zwei Finger gebrochen und konnte Wochen lang keine Musik machen. Es war furchtbar." Sie wusste, dass das ein schwaches Beispiel war, doch es war das einzige, das ihr einfiel. Farael schenkte ihr ein schwaches LĂ€cheln und sie machten sich auf den Weg durch den Dschungel obenzas. Das nachdenkliche Schweigen, dass sich zwischen ihnen ausgebreitet hatte, brachen sie nur beim Kauf eines kleinen FrĂŒhstĂŒcks. Das GebĂ€ck war noch herrlich warm, ebenso der wĂŒrzige Kaffee, den Ana so selten trank, da er recht teuer war. Jeder Schluck pumpte Leben in ihre Glieder. "SpĂ€testens jetzt hast du mir die GetrĂ€nke von vorgestern zurĂŒck gezahlt", sagte Ana kleinlaut. Guter Kaffee hatte eben seinen Preis.
GestĂ€rkt erreichten sie die große EisenbrĂŒcke, um die Meerenge zu ĂŒberqueren. Der Ausblick war fantastisch und Ana hielt das Gesicht in den lauen Wind, der von Sonne und Meer sang. Hoch oben ĂŒber den Fluten vermochte er sogar den Gestank der Stadt zu verdrĂ€ngen und Ana sog seinen Duft ein, einen Duft, den sie am liebsten immer am Körper getragen hĂ€tte, wenn es jemandem gelungen wĂ€re, ihn einzufangen und in ein Parfum zu bannen.Selig lĂ€chelte Ana Farael an. "Jedes Mal, wenn ich es eine Weile nicht gesehen habe, auch wenn es nur ein paar Stunden sind, bin ich aufs Neue von seiner Schönheit ĂŒberrascht. Selbst hier." Fragend runzelte Farael die Stirn. "Das Meer natĂŒrlich", lachte Ana daraufhin und erstrahlte regelrecht, steckte den Alben damit an, der ihr den heilen Arm um die Taille legte und sie an sich zog. Ana ließ es geschehen und den Kopf an seine Schulter sinken. Erst in der Oberstadt lösten sie sich von einander und Ana spĂŒrte Faraels NervositĂ€t. "Wir sind etwas spĂ€t", sagte er mit Blick zur Sonne und so blieb es Ana verwehrt, sich in diesem Teil Obenzas ein wenig genauer umzusehen. Obwohl sie nun doch schon einige Zeit in der Stadt lebte, war sie noch nie hier gewesen, stellte sie erstaunt fest. Vielleicht wĂŒrde nach der Arbeit noch Zeit sein, auf Erkundungstour zu gehen. Sie eilte Faraels schnellen Schritten hinterher, bis die HĂ€userreihen lichter wurden und die Luft reiner, auch wenn sich der Geruch von Verbranntem verstĂ€rkt hinein mischte. Sie nĂ€herten sich den Ruinen des Söldnerlagers und seinem abrupten Stoppen und den weit aufgerissenen Augen zu Folge, hatte Farael nicht mit einer derartigen Zerstörung gerechnet. Hier lag kein Stein mehr auf dem anderen und so konnte Ana in der Ferne schon ein paar Gestalten erkennen, die lustlos herum lungerten.
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#37

Beitrag von Sodo Mio » Sa 31. MĂ€r 2018, 12:38

Nach einer gefĂŒhlten Ewigkeit bequemte sich ENDLICH ihr Auftraggeber zu ihnen. Er hatte irgendwen im Schlepptau. Die drei angeheuerten Söldner sprudelten nicht gerade vor arbeitsbezogenem Tatendrang ĂŒber. Cherax hielt auf der Wiese einen Mittagsschlaf, den Kopf auf seinen Rucksack gebettet, und Sodo nahm ein paar Fische aus, die er in der nur hundert Meter unter ihnen liegenden Tangobucht fĂŒr sie zum Mittagessen geangelt hatte. Der dritte Mann, der Mensch Bulgor, fĂŒtterte ihr Lagerfeuer mit TrĂŒmmerstĂŒcken.

"Pech fĂŒr euch", begrĂŒĂŸte Sodo Farael und seine Begleitung, ohne von seinem Treiben aufzuschauen. "Ihr kommt genau zur Mittagspause. Und ich habe nur drei Fische geangelt."

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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#38

Beitrag von Farael Dornenwind » Sa 31. MĂ€r 2018, 15:47

Noch bevor Ana und Farael bei den Söldnern ankamen, beschloss Farael zwei der TrĂ€nke zu nehmen. Einerseits um die Schmerzen der Verletzung zu unterdrĂŒcken, aber auch seine Energie fĂŒr den Tag aufrecht erhalten zu können. Wer wollte schon einen verletzten und schwachen AnfĂŒhrer sehen? Doch wĂ€hrend er trank, blickte ihn Ana vorwurfsvoll an. Ihr schien es nicht zu gefallen, wie er handelte. FĂŒr einen Moment meinte er, in ihrem Blick Sorge zu erkennen. Mit einem warmen LĂ€cheln und Nicken versuchte Farael, seine Begleitung zu beruhigen. Auch wenn es nicht so aussah, nahm er sich vor, sich zu schonen. Zumindest so weit, wie es sich verstecken ließ.

Als sie schließlich nĂ€her kamen, erkannte Farael die drei Gestalten, die sich auf den TrĂŒmmern ein Lagerfeuer gebaut hatten und darauf offenbar Fisch braten wollten. Zuerst dachte sich Farael, dass er nicht richtig sah und tat es vorerst als BeschĂ€ftigung ab, um auf seine Ankunft zu warten. Doch dann riss Sodo sein Maul auf und daraus entfleuchten respektlose Worte, die das Bild festigten. Na ganz große Klasse. Scheinen doch nicht so fĂ€hig zu sein, wie ich erwartet habe. Oder einfach nur dumm. Oder faul. Vielleicht auch alle drei Dinge.

Jedoch entschied sich Farael vorerst ruhig zu verhalten und die Truppe, allem voran Sodo, nicht sofort zurechtzustutzen. Mit ruhiger aber ernster Stimme erwiderte er schließlich: "Mittagspause also, ja? Nun gut. Bolgur, du weißt wie es lĂ€uft." Augenblicklich erhob sich Bolgur und stellte sich vor Farael auf.

"Ja, Kommandant!", antwortete dieser in einem gehorsamen Ton. Worauf er direkt die erste HĂ€lfte des Soldes von Farael erhielt. Bolgur wusste noch, wie es laufen konnte und laufen wĂŒrde. Einerseits konnte man die Disziplin unter Farael zeigen und wĂŒrde entsprechend entlohnt. Oder aber man verhielt sich wie ein Arsch und bekam die Quittung dafĂŒr. Sodo und Cherax hatten die Wahl. FĂŒr Farael standen die Konsequenzen bereits fest, wenn sie nicht folgten und sich an ihre Abmachung hielten. Zudem noch respektlos ihm gegenĂŒber waren.

FĂŒr den Moment ließ Farael Ana außen vor und beachtete sie nicht. Zugleich tat es ihm ein wenig leid, doch noch war nicht der richtige Zeitpunkt sie mit einzubeziehen.

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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#39

Beitrag von Sodo Mio » Di 3. Apr 2018, 21:33

Sodo legte den Fisch sorgfĂ€ltig auf einem Holzbrett ab und lutschte sich die Finger sauber. Nebenbei trat er Cherax etwas, so dass der aufwachte, und wies mit dem Kopf zu Farael, der Bolgur gerade den Sold aushĂ€ndigte. Cherax stand auf und sie stellten sich in einer perfekten Reihe neben Bolgur. Sodo hatte keine Ahnung, wie der Kommandant gegrĂŒĂŸt werden wollte, jeder hatte da seine persönlichen Marotten. Sein Kamerad wusste es auch nicht, also stellten sie sich einfach stramm und salutierten, wobei sie es sich verkniffen, Farael auf seine Geldbörse zu schauen.

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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#40

Beitrag von Farael Dornenwind » Do 5. Apr 2018, 15:33

Mit argwöhnischen Blicken betrachtete Farael sowohl Sodo als auch Cherax, wie sie in Reihe fielen und die ihnen antrainierte Disziplin sprechen ließen. Ihren anfĂ€nglichen Eindruck einer undisziplinierten Art machten sie somit wieder wett, auch wenn es in diesem Moment ein wenig zu viel des Guten war. Vermutlich war Bolgur der Auslöser dafĂŒr gewesen, als er Farael Kommandant nannte. Letzten Endes war das Farael nicht - noch nicht. Ob es sich Ă€ndern wĂŒrde, sollte sich bald zeigen. Seine Vision war klar und Ana hatte diese in ihm wacher gerufen, als sie zuvor schon war.

Ohne ein anfĂ€ngliches Wort zog Farael zwei Stoffbeutel hervor, welche auffĂ€llig klimperten und warf diese den anderen Söldnern zu. Sicherlich freuten sie sich ĂŒber diese kleine Finanzspritze, da es Söldner zur aktuellen Zeit in Obenza nicht leicht hatten, sofern sie nicht in die Verbrechersyndikate der Stadt mit hineingezogen werden wollten.

"Geht doch. War es so schwer?", fragte Farael rethorisch und erwartete keine Antwort auf diese Frage. Stattdessen beschaute er sich die stramme und militĂ€rische Haltung der beiden Söldner, wĂ€hrend Bolgur neben ihnen zwar in Reih und Glied stand, dabei sogar recht diszpliniert wirkte, aber durchaus eine entspannte Körperhaltung aufwies. "Jetzt zieht euch den Stock aus'm Arsch und nehmt eure Hand runter. Entspannt euch. Wir sind Söldner, nicht das MilitĂ€r. Ich möchte nur das ihr euch merkt, dass ihr die Hand die euch bezahlt respektiert, denn ich respektiere euch fĂŒr eure FĂ€higkeiten und Arbeitskraft. So lang ihr euren Job erledigt, werdet ihr bezahlt. So lang ihr mich respektiert, respektiere ich euch. Dann können wir uns Dinge wie militĂ€rischen Drill sparen, sofern es gerade nicht ums Training oder einen Apell geht."

FĂŒr einen Moment besah sich Farael den TrĂŒmmerhaufen, in dem sie standen. Es war wirklich kaum etwas vom Feuer verschont geblieben. Wenn man aus diesem Ort etwas machen wollte, musste man sehr viel Arbeit, Zeit und Geld hineinstecken. "Okay, damit wĂ€re das geklĂ€rt. Wozu ich euch brauche, ist ganz simpel. Ich möchte hier aufrĂ€umen. Die letzten verschĂŒtteten Wertsachen bergen und den Platz rĂ€umen. Es geht erst einmal nur um das generelle AufrĂ€umen, nicht um's Entsorgen. Das sollte uns vier bis fĂŒnf Tage beschĂ€ftigen. Je nachdem, wie gut wir vorankommen. Ana", Farael deutete auf die Norkara hinter sich,"wird uns bei dem AufrĂ€umen helfen. Alles was ihr noch an Wertsachen findet, sammeln wir auf einen Haufen und entscheiden dann, was wir damit tun. Wen ich dabei erwische, der sich irgendwas einfach so einsteckt, bekommt die zweite HĂ€lfte seines Soldes nicht."

"Bevor wir allerdings anfangen, habe ich noch eine Frage.", merkte Farael an und betrachtete alle Anwesenden. "Wisst ihr etwas darĂŒber, wie das hier passiert ist?" Dass das Söldnerlager einfach so abgefackelt worden war, konnte sich Farael nicht vorstellen. Entweder muss ein verheerender Unfall passiert sein, oder aber jemand hat das Lager sabotiert. Beides waren Möglichkeiten, die in und um Obenza nicht auszuschließen waren.

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