Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den AnfĂ€ngen liegt. Die ĂŒberlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der SchlĂŒssel zur Herrschaft ĂŒber Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. WĂ€hrend die Almanen auf AltbewĂ€hrtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die GeheimbĂŒnde der Schatten sehen in der Magie die mĂ€chtigste Waffe und fĂŒr die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Wie die Rose zu den Geistern fand

Das Geisterhaus
Die Geister waren bis zum Jahr 202 eine erfolgreiche Gilde von Auftragsmördern. Jedoch bot das Leben im Geisterhaus mehr als nur ein gesichertes Einkommen, sondern auch ein zu Hause fĂŒr Verlorene. Wichtigste Aufnahmebedingungen waren absolute LoyalitĂ€t und Verschwiegenheit - sonst endete man rasch selbst auf der Todesliste. Die ehemaligen Geister verdienen ihren Lebensunterhalt heute auf ehrbare Weise als "Fantomes" in Souvagne.
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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#11

Beitrag von Dimicus » Fr 8. Dez 2017, 23:16

"Narren!", stieß Dimicus erzĂŒrnt aus und blickte mit festem Blick der bunten Truppe vor ihm entgegen. Verstanden sie denn nicht, was es bedeutete? Begriffen sie ĂŒberhaupt nicht, worum es ging? Sie beleidigten ihn auf dem höchsten Maße, das man bei ihm erreichen konnte. Durch seinen Bauch fuhr ein tiefer Groll, der durch seine Adern zu strömen schien. Dimicus' ballte seine HĂ€nde zu FĂ€usten und er spannte jeden Muskel in seinem Körper an. WĂ€re er ein sagenumwobener Krieger, dann hĂ€tte er sich mit ihnen angelegt - aber so? Daher musste er tief durchatmen, keinesfalls durfte er ihnen eine unĂŒberlegte Handlung entgegen werfen. Er brauchte einen Plan. Doch nicht jetzt. Nicht hier.

FĂŒr einen Moment schloss Dimicus seine Augen, leerte seinen Kopf und ließ seine Gedanken zerschmelzen, genau wie die GefĂŒhle die in ihm Wellen schlugen. "Ihr habt keinerlei Ahnung, was Kunst ist. Vorgaben zu erfĂŒllen und keine eigene Note zu setzen - was wollt Ihr das ich darstelle? Einen Köter, der von Euch an der Leine gefĂŒhrt wird? Nein, das bin ich nicht. Im Gegenteil. Meine Kunst geht ĂŒber jede Vorgabe hinaus. Übersteigt jeden Geist und jeden Wert, der Euch gelĂ€ufig sein wird."

Mehrere Male schĂŒttelte Dimicus mit seinem Kopf, versuchte sich aber darauf wieder zu entspannen. Mit einem Knurren in seiner Kehle setzte er fort: "Kontrolle und Sklaventum verlangt Ihr. Nicht mehr und nicht weniger. Ihr denkt freies Handeln sei eine Krankheit, die begrenzt werden muss, egal wie erfolgreich es ist. Oder schön. Oder einzigartig. Freiheit hat seinen Preis - dennoch liegt ihr falsch. Ich weiß wie es ist, zu prĂŒfen und zu kontrollieren. Daraus resultiert aber wiederum Freiheit des Kontrollierenden."

Plötzlich verzog Dimicus seine Lippen zu einem höflichen LĂ€cheln, welches einem adligen Banketts wĂŒrdig war. "Doch verstehe ich Eure Vorsicht und die Regeln unter denen Ihr lebt. Doch sagt mir - wart Ihr es nicht, der mich rekrutieren wollte? Mein Genie in Beschlag nehmen und als Teil Eurer ... Familie betrachten wollte? Oder liege ich da falsch? Ich habe Nichts zu verlieren - Ihr schon. Daher biete ich Euch einen Kompromiss an."

Dimicus trat einige Schritte zurĂŒck und breitete die Arme aus, schaute dabei seine GegenĂŒber fest an. Seine Miene verzog sich kein StĂŒck. "Mein Blut und eine PrĂŒfung könnte Ihr haben. Allerdings nicht meine Freiheit in den Dingen, wie ich sie erledige." Ohne zu zögern nahm Dimicus einen langen Fingernagel seiner rechten Hand und kratzte sich tief ins Fleisch des linken Armes, so dass kurz darauf die ersten Blutstropfen zu Boden fielen. Dabei verzog er nicht einen Muskel. "Akzeptiert wie ich arbeite und was ich tue. Dann haben wir eine Übereinkunft."
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Davard von Hohenfelde
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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#12

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Sa 9. Dez 2017, 01:56

Dave wechselte kurz mit Aino einen Blick, ehe sich beide wieder auf den RosendÀmon konzentrierten.

"Wir erörtern hier nicht die alte Frage - wer wacht ĂŒber die WĂ€chter?
Und weder versklaven wir jemanden, noch denken wir das freies Handeln eine Krankheit sei. Was wir denken, entzieht sich Deiner Kenntnis. Der einzige Geistmagier hier im Raum bin ich RosendÀmon.

Wir irren uns nicht, sondern Du gehst von einem völlig falschen Standpunkt aus.
Zur Klarstellung.

Bei uns hier handelt es sich nicht um einen KĂŒnstlerverein aus Serienmördern. Weder verkaufen wir Kunstwerke aus Leichenteilen, noch veranstalten wir Ausstellungen, oder richten wir Vernissagen aus.

Wir bieten eine Dienstleistung an. Eine Dienstleistung, die wohl die zweitĂ€lteste der Welt ist und im verborgenen ausgefĂŒhrt werden muss. Eine Dienstleistung beinhaltet, dass ein Auftraggeber einen Auftrag erteilt und wir diesen Auftrag umsetzen. DafĂŒr werden wir entlohnt. Gibt es bestimmte Vorgaben, so sind diese zu erfĂŒllen. Sind keine Vorgaben vermerkt, hat man freie Hand. Wichtig ist nur eines - das Ziel hat zu sterben.

Das ist der Unterschied zwischen einem Assassinen und einem Serienmörder.

Selbstredend hast Du Recht, wir möchten Dich rekrutieren. Wir mĂŒssen es aber nicht. Kleiner, aber feiner Unterschied. Was wir bieten ist klar. Eine Familie, ein sicheres Heim, Beistand, Schutz, Geld und noch einige andere Annehmlichkeiten.

Zu verlieren haben wir so wenig wie Du RosendÀmon.
Du hast von uns ein Angebot erhalten, eine Offerte.

Handlungsfreiheit in dem Maße wie Du sie Dir wĂŒnscht, ist kein Kompromiss. Denn in diesem Fall wĂŒrde ich gegen meine Familie entscheiden. Wie sollte Deine Freiheit denn aussehen hm?

Du nimmst nur jene AuftrĂ€ge an, die Du möchtest und fĂŒhrst sie nur so aus wie es Dir gefĂ€llt.
Gut nehmen wir einmal an ich ginge darauf ein.

Was bedeutet das fĂŒr meine Familie?
WĂ€hrend andere den ganzen Monat arbeiten und dabei ihre Leben riskieren, damit wir hier alle ein Dach ĂŒber dem Kopf haben und gutes Essen auf dem Tisch, wirst Du den ganzen Tag im Bett liegen. Vermutlich da fĂŒr Dich noch kein Auftrag dabei war, der Dir gefĂ€llt.

WÀhrend dieser Zeit, wÀhrend Du also auf einen Auftrag wartest, der Dir genehm ist, arbeiten andere. Von deren Geld Du leben wirst.

So lĂ€uft dass nicht in einer Familie. Du bist kein Kind, dass von anderen ausgehalten und ernĂ€hrt werden muss. Jeder hat hier seinen Anteil zu leisten. Sollte es schon an diesem Grundsatz scheitern, der ĂŒbrigens in jeder Gilde gilt, kann es keine Übereinkunft geben",
erklÀrte Dave.

"In jeder Gruppe, sei sie noch so klein, hat man sich an bestimmte Regeln zu halten. Falls man dies nicht kann, oder nicht möchte muss man EinzelkÀmpfer bleiben. Mit all den Vor- und Nachteilen, die es mit sich bringt, völlig allein darzustehen.

Wir werden Dich nicht zwingen, Dich uns anzuschließen. Und wir werden Dich bei einer Ablehnung auch nicht töten. Von dieser Vorgehensweise sind wir abgewichen. Allerdings wirst Du mental bereinigt und außerhalb unseres Zugriffsbereiches entlassen. Soviel gestehen wir Dir zu. Damit hat die Einladung weder fĂŒr Dich noch fĂŒr uns negative Konsequenzen, sollten wir nicht zueinander finden",
fĂŒgte Aino an.

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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#13

Beitrag von Dimicus » Sa 9. Dez 2017, 18:08

„So viele Zeilen und Worte, dennoch versteht kein Einziges meinen Sinn oder meine Kunst“, erwiderte Dimicus entschieden der Gruppe. Abwechselnd blickte er zwischen dem Magier und der Frau hin und her. Entweder wollten sie nicht verstehen – oder konnten es nicht. Diese Frage konnte sich Dimicus aber dennoch nicht beantworten. Viele ihrer gesagten Dinge ergab fĂŒr ihn keinerlei Sinn. Das Rinnsal aus Blut an seinem Arm erstarb nicht. Sein Blut verteilte sich tröpfchenweise auf dem Boden, was Dimicus vollkommen ignorierte.

Schließlich kehrte er den Gestalten den RĂŒcken zu, schaute auf das Bett und ĂŒberlegte. Dabei hob er seinen Arm und betrachtete das kleine BĂ€chlein an Blut, welches sich an seinem Arm hinab schlĂ€ngelte. „Was denkt Ihr von mir? Dass ich mich wie ein Kleinkind verhalten wĂŒrde, welches nach seinen Eltern schreit? Welches noch seinem trotzigen Verstand folgt und nicht weiß, was es zu leisten hat? Ich denke, Ihr habt mich missverstanden. Meine Intention liegt nicht darin, AuftrĂ€ge zu verweigern, weil sie mir nicht gefallen. Keineswegs. Das Einzige was ich möchte ist, dass ich die AuftrĂ€ge auf meine Art und mit meiner Note erledige. Ansonsten nehme ich jeden Auftrag an, den ihr mir geben werdet. Daran soll es nicht scheitern. Wer wĂ€re ich, wenn ich die Möglichkeit fĂŒr ein weiteres Meisterwerk ausschlagen wĂŒrde?“

Dann trat Stille ein. Dimicus Gedanken wurden schlagartig fokussiert, sein Blick haftete auf dem Blut an seinem Arm. Dann ging alles schnell. Sein rechter Zeigefinger trĂ€nkte sich in das Blut, nahm es auf und begann zu malen. Strich fĂŒr Strich entstand ein GemĂ€lde auf seinem Arm, dessen GrĂ¶ĂŸe klein, doch die Bedeutung groß war. Seine Augen huschten hin und her. Seine Muskeln arbeiteten schnell und prĂ€zise. Es verging vielleicht eine Minute. Dann war er fertig. Und begann wieder zu atmen.

Auf seinem Arm prangte eine wunderschöne Rose, gemalt mit seinem eigenen Blut. Wunderschön, plastisch. Sie hob sich hervor und zeichnete sich zu der Blume ab, die er so sehr begehrte. Ihre Dornen in seiner Haut verankert, ohne Schmerz und GefĂŒhl, so hielt sie an seinem Arm fest. Ein sanftes LĂ€cheln schlich sich auf seine Lippen. Es war wunderschön. Wenn sein Blut doch nur in mehr Farben kĂ€me, so wĂ€re sie noch schöner geworden.

Dimicus drehte sich zu seinen GefĂ€ngniswĂ€rtern um und lĂ€chelte sie an. Darauf setzte er sich auf das Bett und legte den Kopf schief, als er abermals die Rose betrachtete. „Meine Kunst ist so wundervoll. Ausdrucksstark. Meine Kunst muss ĂŒber eine Profession hinaus bestehen. Sie besteht jenseits jeder ErklĂ€rung. Meine Kunst wirft viele Fragen auf, doch gibt sie nie eine einzige Antwort.“

Plötzlich verblasste das LĂ€cheln aus Dimicus und er ließ seinen Blick zu den Gestalten vor sich nach oben schnellen. „Auf dem Grund muss sie ĂŒber Regeln hinweg stehen bleiben. Gebt mir die Möglichkeit sie in die Welt hinauszutragen. Nicht ich töte - sondern meine Kunst.“
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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#14

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Mo 11. Dez 2017, 13:23

Die vier Anwesenden behielten Dimicus bei seinem Lauf im Auge, so wie sie es die ganze Zeit ĂŒber getan hatten. Was sie dachten sah man ihren Gesichtern nicht an. Das des Orks war misstrauisch oder grimmig, das des Rakshaners war wachsam.

Das Gesicht der Frau war kaum zu lesen, da ihre Miene ausdruckslos blieb und die Farbe ihr Übriges dazu beitrug um die Mimik zu verbergen. Ebenso konnte man nicht im Gesicht des Magiers lesen, da seine Miene absolute NeutralitĂ€t ausstrahlte.

Der Blick der Frau heftete sich an das Rinnsal Blut, ehe sie dem RosendÀmon ins Gesicht schaute. Sie schienen aneinander vorbei zu reden. Was immer der Mann vorher gemeint hatte, es stand scheinbar doch keine Verweigerungshaltung dahinter, wie Dave und sie alle vermutet hatten.

„Nun die Worte lassen auf eine andere Einstellung schließen als Deine ersten. Wir denken nichts weiter von Dir, wir haben im Moment nur Deine Worte an denen wir Dich messen können. Und bis eben klang es ehr so, als wĂ€rst Du nicht bereit jeden Auftrag zu ĂŒbernehmen.

Sollte es Dir nur um das Wie der AusfĂŒhrung gehen, anstatt um die AusfĂŒhrung selbst, darĂŒber lĂ€sst sich reden und damit steht einer Aufnahme Deiner Person auch nichts im Weg. AuftrĂ€ge die eine Vorgabe haben, wirst Du als Welpe noch nicht zugeteilt bekommen.

Es freut mich zu hören, dass Du AuftrĂ€ge nicht verweigern wĂŒrdest. NatĂŒrlich bieten sie Dir die Möglichkeit Deiner Kunst nachzugehen. Es gibt dabei allerdings etwas zu beachten. Erstens die Familie geht stets vor und darf nicht gefĂ€hrdet werden. Und natĂŒrlich, dass das Ziel fallen muss. Besteht allerdings die Gefahr, dass Du auffliegst, erwischt wirst oder dass man Dich dingfest machen könnte – dann hast Du den Auftrag abzubrechen. Aber das muss ich Dir sicher nicht erlĂ€utern.

Eigensicherung ist Familiensicherung. Das Ziel kann man zu einem spĂ€teren Zeitpunkt erneut ins Visier nehmen und entsprechend besuchen. Aus diesem Grund ist auch die Fluchtwegsicherung das A und O. Aufgelauert ist schnell, der Streich gefĂŒhrt ebenso, aber den Ort des Geschehens ungesehen und unbeschadet zu verlassen ist das Wichtigste an einem Auftrag. Ein toter Bruder nĂŒtzt niemandem etwas. Und einer mit loser Zunge aus Angst um seinen Hals noch weniger.

Aber was ich hörte lĂ€sst darauf schließen, dass Du weder da eine noch das andere bist. Unser Magier wird sich mit Dir verbinden. Passt Du zur Gruppe, bist Du herzlich bei uns aufgenommen“,
sagte Aino.

Dave nickte knapp und zustimmend, wĂ€hrend Aino das Zimmer verließ. ZurĂŒck blieben der Rakshaner, der Ork und selbstverstĂ€ndlich der Magier.

Dave nahm ebenfalls auf dem Bett Platz und musterte den RosendÀmon.

„Denk einfach an nichts und bleib ganz locker, dann verspĂŒrst Du auch keine Schmerzen wĂ€hrend des Auslesens. Bereit?“, hakte Dave nach.

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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#15

Beitrag von Dimicus » Mo 11. Dez 2017, 17:04

Wortlos ließ Dimicus die Belehrung der kahlköpfigen Frau ĂŒber sich ergehen und nickte schlichtweg stumm als Antwort auf ihre Worte. FĂŒr einen Moment hatte er eine Antwort auf der Zunge, einen Monolog um ihre Betonung des Offensichtlichen in Frage zu stellen. Doch fĂŒr ihn hatte diese Diskussion bereits zu lang gewĂ€hrt und erst recht war sie fĂŒr beide Seiten wohl recht anstrengend gewesen. Umso erleichterter war Dimicus schließlich, als die Frau ging und nur noch die MĂ€nner im Raum blieben.

Eindeutig bevorzugte er die Stille als sein engster Partner. Diese Menschen redeten zu viel und handelten zu wenig. Die Kopfschmerzen setzten ihn immer mehr zu und er brauchte dringend Ruhe. Es war also Zeit, das gesamte Prozedere hinter sich zu bringen und sich ausruhen zu können.

Seine Augen fixierten im nĂ€chsten Moment den Magier, der sich zu ihm auf das Bett setzte. An nichts denken und sich locker machen. Was dachte er? Dimicus war noch in diesem Augenblick ein Gefangener. Allerdings war er es nicht anders gewohnt und kam der Forderung nach. StĂ€rkere Kopfschmerzen konnte er wirklich nicht gebrauchen. Besser ließ er den Magier seine Magie wirken, die wohl zur Gattung der Geistmagie gehörte. Dimicus hatte bereits darĂŒber gelesen. Gesehen hatte er es jedoch noch nie.

Es kĂ€me dem Zustand einer Trance nahe, jedoch ohne Hypnose und ein gesprochenes Wort. Was es genau machte und wie es wirkte – das sollte Dimicus jetzt am eigenen Leib erfahren. Tief atmete er durch und schloss die Augen, der Körper neben ihm deutlich zu spĂŒren. Dann begann es. Ein unangenehmes GefĂŒhl begann sich durch seinen SchlĂ€fen in das Innere seines Kopfes zu bohren. Dann wurde es bizarr.

Seine Gedanken in seinem Kopf hallten wieder, versuchten sich zu wehren, doch Dimicus zĂ€hmte sie. Umso mehr die Stille seiner Gedanken einkehrte, desto deutlicher wurde die PrĂ€senz in seinem Kopf. Etwas begann in seinem Kopf umherzuschleichen. Das musste der Magier sein. Augenblicklich verschloss Dimicus die TĂŒren zu seinem innersten Kern und seiner Persönlichkeit. Mit höchster Willenskraft blockierte er sie, doch der Rest sollte frei bleiben. Sollte er suchen.
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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#16

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Mo 11. Dez 2017, 21:25

Dave musterte den RosendĂ€mon. Der Mann sprach das eine und handelte dann völlig entgegen gesetzt. Dave zweifelte daran, dass der RosendĂ€mon fĂŒr sie die richtige Wahl war, er sollte es in der Politik versuchen. Dort war es nicht nur erwĂŒnscht, sondern Gang und GĂ€be das eine zu behaupten, das andere zu meinen und zu guter Letzt auch noch völlig anders zu handeln.

Dave hatte keine Lust auf einen mentalen Kampf in dem er einen halbbesoffenen Verstand niederringen musste. Er hatte in seinem Leben schon weitaus schrecklichere Dinge gesehen und erlebt, als das was die meisten hinter ihrer TĂŒr der Scham verborgen halten wollten.

Das meiste war lÀcherlich und klein gegen das Grauen, dass er kannte. Allerdings nicht alles, es gab auch Personen die man besser nicht auslas, den sie waren das Grauen selbst. Bei dem Gedanken daran, schossen so einige Gesichter durch Daves Erinnerung. Und eines davon war gelb.

Sollte er den Verstand niederringen? Dave dachte einen Moment darĂŒber nach. In solchen Momenten fĂŒhlte er sich wie ein Priester wider Willen. Rang er solche Personen nieder, wurde ihm dieses Wissen per Widerwillen vor die FĂŒĂŸe gekotzt.

Ich habe mal meine Schwester bestohlen.
Ich war meiner Frau untreu.
Ich habe einen Freund hilflos zurĂŒck gelassen.

Von Selbstverleugnung, Untreue, Puffbesuchen, sexuelle Neigungen, DiebstĂ€hlen, unerlaubten Handlungen und und und... alles fand sich hinter den TĂŒren der Scham.

Und das seltsam traurig wie belustigende war, es ging diesen Personen die etwas verbargen immer nur um sich selbst. Was sie falsch gemacht hatten, durfte niemand sehen, damit ihr Bild nicht ins Wanken geriet. Selten nur in einigen AusnahmefĂ€llen, verbarg eine Person ein Wissen so vehement dass eine andere Person schĂŒtzte.

Dave beschloss, dass er nicht in der Stimmung war einen halbbesoffenen Verstand niederzukĂ€mpfen, nur um dessen AbgrĂŒnde zu erfahren. Er zog seine Gedanken in sich selbst zurĂŒck und verharrte kurz einen Moment.

"Verschweigen ist LĂŒgen. Du verschweigst und blockierst Erinnerungen. Auf Spielchen wie auf einen Mentalkampf habe ich heute keine Lust. Nur um dann am Ende zu erfahren, dass Du mal Deine Schwester in eine Dornenhecke geschubst hast oder jemanden die SĂŒĂŸigkeit gestohlen hast. Die Zeit kann ich sinnvoller nutzen.

Ich kehre morgen zurĂŒck, sobald Du ausgenĂŒchtert bist. Solltest Du dann bereit sein, Deinen eigenen Worten entsprechende Taten folgen zu lassen sehen wir weiter. Falls nicht, es kann auch gerne einer meiner beiden Berater den Zungenlockerer geben.

Ach und nur nebenbei erwÀhnt, ich habe schon Dinge jenseits von Gut und Böse gesehen, von denen Du keine Ahnung haben wirst. Also entweder lÀsst Du Dich auslesen oder nicht... Wir werden sehen",
antwortete Dave.

Der Magier stand auf, strich seine Robe glatt und wandte sich zum Gehen. Neben dem Ork und dem Rakshaner blieb er noch einen Moment stehen.

"Sein besoffener Verstand bekommt heute nur Wasser. Falls er morgen nicht kooperiert gehört er Dir", erklĂ€rte Dave dem Ork mit mĂŒder Stimme, ehe er den Raum verließ.

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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#17

Beitrag von Dimicus » Mi 13. Dez 2017, 02:29

Dieser Geistmagier schaffte es mit jedem einzelnen Wort, Dimicus weiter zu erzĂŒrnen. Nicht nur, dass die Situation an sich schon schlimm genug fĂŒr ihn wĂ€re, nein, er musste sich noch Dinge unterstellen lassen. Handlungen die er nicht einmal getan oder wirklich bewusst ausgefĂŒhrt hat. Missmutig blickte er dem Magier hinterher, als er sich erhob und seine Rede beendete. Vermutlich drohte er ihm nebenbei noch Folter an. Zungenlockerer, dass Dimicus nicht zu lachen begann.

„Wie wĂ€re es mit Nachfragen, werter Herr Magier?“, rief Dimicus zur TĂŒr hinaus, so dass er sich sicher sein konnte, dass der RobentrĂ€ger es hören musste. „Egal was Ihr gesucht habt, ich habe Euch nicht bewusst den Zugang darauf verwehrt. Ich beobachtete Euch, wie Ihr durch meine Gedanken gingt und die TĂŒr betreten wolltet, zu der nicht einmal ich einen Zugang besitze. Denkt Ihr wirklich, ich verstecke irgendwelche Kinkerlitzchen wie ein inzestuösen Geschlechtsverkehr oder banale Verbrechen?“

Die MĂ€nner vor der TĂŒr schienen nicht wegzugehen, also bewirkte Dimicus wohl etwas mit seinen Worten. „Weder bin ich betrunken noch verweigere ich Euch meinen Kopf. Doch wie soll ich Euch Zugang zu einer TĂŒr gewĂ€hren, deren SchlĂŒssel nicht einmal ich besitze. Habt Ihr darĂŒber bereits nachgedacht, bevor Ihr Eure Worte formuliert habt?“ NatĂŒrlich wusste Dimicus, dass er mit diesen Worten arg provozieren oder gar eine gewalttĂ€tige Reaktion hervorrufen könnte. Das Risiko um diese Beleidigungen zu quittieren war es ihm wert.

Selten wurde Dimicus so provoziert und erzĂŒrnt, wie es die vergangene halbe Stunde der Fall war. Zu der Verteidigung dieser MĂ€nner und Frau musste man allerdings sagen, dass sie noch nichts seiner wundervollen Kunst hatten sehen können. NatĂŒrlich konnten sie sein Genie noch nicht zu schĂ€tzen lernen. Ihnen wĂŒrde er es noch beweisen. Dieses Versprechen konnte er ihnen geben. Dann wenn er seine AusrĂŒstung zurĂŒck hatte, konnte seine eigentliche Vorstellung beginnen.

Im nĂ€chsten Moment atmete Dimicus tief durch. Es brachte nichts, sich weiter darĂŒber aufzuregen. Letzten Endes konnte er nur auf eine Reaktion der Gildenmeister abwarten und auf einen Funken Vernunft in diesen kulturfreien Köpfen hoffen. Das Drama wĂŒrde sich wohl noch ĂŒber den gesamten Tag ziehen, so hatte Dimicus das GefĂŒhl. Hoffentlich war dem nicht so, schließlich hatte auch er noch Dinge zu erledigen.
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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#18

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Mi 13. Dez 2017, 11:22

Dave kehrte um und musterte den RosendÀmon. Er blieb wie fast immer ruhig.

„Ob Du Deine Familie mehr liebst, als dieser gut tut, oder ob Du mit Deiner eigenen Schwester verheiratet bist ist fĂŒr mich ein Kinkerlitzchen – völlig bedeutungslos. Sollte sich also so etwas nicht hinter der TĂŒr verbergen, kann es sich ja nur um etwas Schwerwiegendes handeln. Korrekt?

Wie schwerwiegend ist die Frage.
So schwerwiegend dass Du nicht fĂŒr die Gruppe tragbar bist?

Wir hatten bereits ein Mitglied hier, mit vielen verschlossenen TĂŒren. Er war geisteskrank. Genial auf seine Art, dennoch geisteskrank und somit eine Gefahr fĂŒr die Familie.

Nachfragen? Auf schlichte verbale Fragen, erfolgen schlichte verbale LĂŒgen.

Hinter verschlossenen TĂŒren, fĂŒr die man scheinbar selbst nicht mal den SchlĂŒssel besitzt, verbirgt sich ab und an ein Abgrund. Wieso sollte ich diese TĂŒr fĂŒr Dich öffnen? Um fĂŒr Dich hinein zu stĂŒrzen? Vergiss die letzte Anmerkung, zu kryptisch und nicht auf Dich bezogen.

Der SchlĂŒssel ist irgendwo vorhanden, Du hast dieses Wissen irgendwann von dem Rest Deiner Gedanken abgekoppelt, um Dich nicht bewusst erinnern zu mĂŒssen. Du hast entweder Deine Persönlichkeit zersplittert oder sogar gespalten.

Wer weiß wozu?
Um etwas ertragen zu können
 um etwas ĂŒberleben zu können
 um fliehen zu können
 irgendwo dort liegt die Antwort. Aber keiner hier möchte sie mitten im einem Gefecht herausfinden, wo es vielleicht um Leben und Tod geht und Du urplötzlich aus einer uralten Erinnerung heraus handlungsunfĂ€hig wirst, weil Du schlagartig nicht mehr auf dem Schlachtfeld stehst, sondern Zuhause im Bad, oder im Schlafzimmer, oder im Behandlungsraum und Du Dinge siehst, die man Dir vor Jahren oder Jahrzehnten angetan hat


Niemand benötigt das.

Falls Du tatsĂ€chlich keinen SchlĂŒssel zu dieser TĂŒr hast, wie Du behauptest, werde ich einen anderen sicheren Weg hineinfinden. Ein Kollege wird Dir ein Wahrheitsserum verabreichen, eine Droge die sĂ€mtliche geistigen Barrieren niederreißt und sĂ€mtliche Erinnerungen in Deinen Geist flutet.

Dann wirst Du Dich erinnern. Vielleicht sehen wir beide dann wirklich nur Kinkerlitzchen, oder wir blicken in den Abgrund. Wer weiß?

VerdrÀngen ist eine Gnade die man sich nur selbst schenken kann DÀmon.
Also wer außer Du selbst sollte etwas in Deinem Kopf versteckt haben?

Das kann niemand, nur Du. Die Frage ist nur ob Du es bewusst, oder unbewusst getan hast. Das ist die ausschlaggebende Frage.

Ach und nebenbei, Du warst besoffen und Du bist am ausnĂŒchtern, daher auch Dein SchĂ€del wie ein Rathaus. WĂ€re ich grausam wĂŒrde ich etwas zu Deiner geistigen Erbauung singen
 und zwar in den schrĂ€gsten Tönen“,
schmunzelte Dave.

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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#19

Beitrag von Dimicus » Do 14. Dez 2017, 18:08

Allein schon bei den zahlreichen Worten die der Magier von sich gab, musste Dimicus sich eingestehen nicht mehr zuhören zu wollen. Schon die Drohung, dass der Geistmagier singen wĂŒrde, um Dimicus Kopfschmerzen nur noch schlimmer zu machen, war eine pure Androhung von Gewalt. Dimicus wĂŒrde töten, damit diese heftigen Kopfschmerzen nachließen. Daher ließ er die Worte einfach ĂŒber sich ergehen und provozierte erst gar nicht den Gesang des Magiers.

„Bringen wir es einfach hinter uns, auch wenn ich es fĂŒr keine gute Idee halte“, antwortete Dimicus trocken und nickte dem Magier hinzu. Im nĂ€chsten Moment wurde ihnen auch schon das entsprechende Elixier gebracht, in einer auffĂ€llig grĂŒnen Flasche mit kryptischer Aufschrift. Etwas argwöhnisch betrachtete Dimicus dieses alchemistische Gemisch, machte sich aber keine weiteren Gedanken und stĂŒrzte das Gesöff hinunter.

Was dann folgte, war fĂŒr Dimicus nur ein Beobachten der Situation.

Als die bittere FlĂŒssigkeit seinen Hals hinabrann, wurde ihm sofort schwindelig. Sein KörpergefĂŒhl wurde stumpf. Kaum noch spĂŒrte er das Bett unter sich, geschweige denn wie sich die Luft um seinen Körper anfĂŒhlte. Der Atem Dimicus' wurde immer ruhiger, sein Herzschlag niedriger, jeder dieser Dinge fĂŒr ihn gut hörbar. Dann schlossen sich seine Augen und im nĂ€chsten Moment fand er sich im Gang wieder, den der Geistmagier zuvor schon erkundet hatte.

Doch jene TĂŒr die zuvor verschlossen war, war nun ein StĂŒck weit offen und Dimicus stand mit dem Geistmagier direkt davor. „Ich weiß es ist Teil Eurer PrĂŒfung, doch ich warte Euch wahrlich davon ab, dort hinein zu gehen. Selbst ich weiß nicht, was dort verborgen liegt. Es kommt nur dann heraus, wenn ich einen Auftrag erledigt habe. Kurz darauf entsteht immer ein Meisterwerk.“

Ein MusikstĂŒck aus Violinen und eines Chorgesangs schlĂ€ngelte sich aus dem TĂŒrspalt hervor, umschmeichelte die Ohren Dimicus', doch jagte ihm sogleich eine GĂ€nsehaut ĂŒber den RĂŒcken. Mit einem KopfschĂŒtteln trat er beiseite und öffnete die TĂŒr zur GĂ€nze fĂŒr den Magier. Er musste wissen, was er tat.

Denn als er eintrat, wurde er von anfĂ€nglicher SchwĂ€rze empfangen. Kein einziges Licht brannte und der Raum schien in eine unendliche Leere ĂŒberzugehen. Wie aus dem Nichts ertönte ein tiefes Atmen gefolgt von einem Summen. Der Magier schritt weiter und nach einigen Meter weiter weg von der TĂŒr entflammte eine riesige Flamme hoch ĂŒber seinem Kopf. Sie tauchte die Halle in ein rötliches Licht.

Um ihn herum tauchten Bilder auf, rot wie Blut und mit grotesken Motiven. Keine WÀnde trugen sie, sondern Rosenranken, die aus dem Boden hervorzukriechen schienen. Ruhende Körper unterschiedlicher Menschen waren auf ihnen abgebildet. Doch eines hatten sie alle gemeinsam: Aus ihren Körpern sprossen unzÀhlige Rosen und rankten sich um sie. Das Summen wurde lauter, der Atem wiegte ruhig im roten Licht des Raumes.

„Das ist kein Ort fĂŒr Euch, Fremder“, hallte es in einem tiefen Grollen durch den gesamten Raum. Der rote Lichtschein fiel auf ein Podest vor dem Magier, keine zehn Meter entfernt. Auf ihm stand neben einer Staffelei eine Gestalt. So groß und breit wie Dimicus, doch ihr Gewand war ein gĂ€nzlich Anderes.

Der Maskierte tat einige Schritte, wobei jeder durch den gesamten Raum hallte. Seine HĂ€nde griffen unter den Umhang und zogen zwei Dolche hervor, von deren Blut noch immer das Blut anderer Opfer tropfte. „Doch wo ihr schon einmal hier seid“, begann der Mann zu sprechen. „So kann ich Euch ĂŒber Euren Tod hinaus heben.“

Die Ranken um Dave begann sich zu winden und schlĂ€ngelten sich langsam zu ihm. Plötzlich hielt der Mann aber inne, die Ranken stoppten. „Doch sagt mir, wie seid Ihr hierhergekommen? Meine Werke, sie entstehen nur nach dem letzten Akt des Lebens – dem Tod. Ihr wurdet nicht getötet und doch steht Ihr vor mir. Ihr scheint Schönheit zu suchen. Es ist eine Ehre, Euch hier begrĂŒĂŸen zu dĂŒrfen. Meine Aufgabe ist die der Perfektion. Der letzte Zusammenhalt, den ich mir erdenken kann. Auf den Tode folgt die Komposition, mit der ich auch den letzten Akt zu etwas Wertvollem mache. Stellt Euch vor, wie viele tote Körper abgeschlachtet dort draußen herumliegen und nie ihrer wahren Schönheit erfahren. Zumindest zeigen meine Werke die eines wahren KĂŒnstlers.“

Der RosendĂ€mon schritt auf den Magier weiter zu und blieb schließlich einige Schritt entfernt von ihm stehen. „Ihr solltet gehen – um Eurer Seelenwillen. Viele sind hier verewigt und jeder von ihnen ist der Stille verfallen. Ihr seid kein Teil von Ihnen und mĂŒsst es auch nicht werden. Geht einfach. Durchsucht alles was Ihr braucht, doch nehmt diesem Geist nicht den Schutz, den er braucht. Durch mich. Ich verspreche Euch, nicht gegen Euch zu agieren, doch dafĂŒr mĂŒsst ihr jetzt gehen. Ihr dĂŒrft hier nicht lĂ€nger verweilen.“
Vielen Dank an Sanni der Avatarschmiede fĂŒr das schicke Profilbild!

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Davard von Hohenfelde
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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#20

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Do 14. Dez 2017, 21:48

Dave bĂŒndelte seine Gedanken und schaute sich um. Nachdem der RosendĂ€mon das Wahrheitsserum getrunken hatte, war der Einlass in seine verschlossene Gedankenwelt kein Problem mehr. Sein Bewusstsein erschien neben Dave und klĂ€rte ihn darĂŒber auf, dass es keine gute Idee sei, hinter die TĂŒr zu blicken.

Jene TĂŒr, die vorher fĂŒr den DĂ€mon scheinbar nicht zu öffnen war, stand nun einen spaltbreit offen. Dave passierte die TĂŒr und trat in absolute Dunkelheit. Er wusste dass er nicht allein war, denn in dieser Finsternis hörte er ein Atmen.

Dies war kein realer Ort, dies war keine reale Zeit. Es war ein Ausschnitt aus einer Seele. Ein Abschnitt, ein BruchstĂŒck, ein beiseitegeschobener und gut verborgener Abgrund dem der Besitzer seinen eigenen Ansprich verliehen hatte.

Er schritt weiter, groteske Bilder gehalten von Rosenranken schmĂŒckten diesen Ort. Dave fĂŒhlte sich an Jozos Verstand erinnert. Dunkel, dĂŒster mit einem Herrscher auf einem Thron aus Leichen. Nur waren diese Toten durch Blumen verschönert, wĂ€hrend Jozos Leichen durch makabere Schnitte verunstaltet waren.

Aber der gedankliche Hintergrund, unabhÀngig der seelischen Deko, war der gleiche. Dieser Verstand war krank. Entweder seit Geburt an, wie der gelbe Goblin oder etwas hatte ihn aus der Bahn geworfen.

Eine unbekannte Person stand neben eine Staffelei, aber es war optisch nicht die Person, die als RosendÀmon zu Gast in ihrem Haus war. Es war ein fremder Geist, der in diesem Abschnitt der Seele wohnte oder sich eingenistet hatte.

Dave musterte die Gestalt ohne seine eigenen Gedanken preiszugeben. Er war hier um etwas ĂŒber den RosendĂ€mon zu lernen, diesen auszulesen.

Dave wusste als Magier und aus eigener, leidlicher Erfahrung, dass der der Körper wirklich nur eine Behausung war, fĂŒr den Geist, der in ihm lebte. Und als Magier war es ihm möglich, seinen Geist bewusst vom Körper zu trennen. Aber diese FĂ€higkeit hatte er einst noch unter ganz anderen UmstĂ€nden genutzt. Dann wenn seinem Körper unendliche Qualen zugefĂŒgt wurden und er ihn als abgelegte HĂŒlle einfach fĂŒr diese Zeit zurĂŒck ließ.

Seine Feinde hatten ihn einst dazu gebracht sich aus Angst und Schmerz selbst in StĂŒcke zu zerschmetternd.
Erst Varmikan hatte ihn wieder zusammen gesetzt. Er hatte ihm gezeigt, dass auch etwas Repariertes Zuneigung verdiente. Vielleicht gerade jene Dinge, die man selbst repariert hatte.

Er stand hier in alten Erinnerungen des RosendĂ€mons, Erinnerungen von jener Sorte, die sich verdrĂ€ngen, verbannen, aber niemals löschen ließen. Dies hier war der verdrĂ€ngte Bereich des RosendĂ€mons.

Das Prinzip VerdrĂ€ngung funktionierte bei ihm selbst nicht mehr. Wohin sollte er in seinem Kopf noch was verdrĂ€ngen? Überall in seinem SchĂ€del war der widerlichste Mist verdrĂ€ngt und hin gestopft worden von ihm. Er wollte, konnte und durfte es nicht sehen, wenn er geistig auf der Höhe bleiben wollte. Es gab keine LĂŒcke, wohin er noch etwas hĂ€tte stopfen konnte.

Aber die Person, die vor ihm stand, war keine einfache verdrĂ€ngte Erinnerung. Es war auch kein kleiner Seelensplitter, in dem der RosendĂ€mon seine tiefsten WĂŒnsche verborgen gehalten hatte.

Es war eine gespaltene Person, ein eigenes Bewusstsein, ein eigener Geist, der diesem Körper innewohnte. Dave wusste, wenn etwas eine ganze Persönlichkeit dazu brachte, in ihre Einzelteile zu zerfallen, dann musste dieses Vorkommnis unvorstellbar grauenvoll gewesen sein.

Dave hatte zwar oft mit seinem Geist seinen Körper verlassen und das aus gutem Grund, aber gleichgĂŒltig wie nah er an den Abgrund gebracht wurde, er hatte es immer geschafft seine seelischen Einzelteile irgendwie zusammenzuhalten. Er erinnerte sich an seinen Anker... seine HĂ€nde die in struppiges Fell griffen. Das Wesen dass ihm Halt bot in seiner persönlichen Hölle war groß, grau, mit einer nassen, schwarzen Nase. Vermutlich nur dank ihm, war er nicht zerfallen, hatten es die anderen nicht geschafft ihn in seine Einzelteile zu zerlegen.

Dave beobachtete das Schauspiel der Ranken und das GebĂ€rden der Gestalt. FĂŒr einen kurzen Moment sah man Mitleid in den Augen des Magiers.

"Nein ich suche keine Schönheit, nicht in diesem Sinn. Ich suchte und fand die Wahrheit ĂŒber diese Seele WĂ€chter. Nicht mehr, nicht weniger. Deine Anwesenheit ist ErklĂ€rung genug, ich verstehe. Du bist zu seinem Schutz hier, nicht um von Dir aus anderen zu schaden. Ich raube diesem Geist nicht seinen Schutz, das wĂŒrde ich mir nicht anmaßen. Ich soll zu meinem eigenen Schutz gehen? Gut, ich gehe", antwortete Dave und nickte der Gestalt knapp, aber freundlich zu.

Der Naridier verharrte noch einige Sekunden an Ort und Stelle, dann war er fĂŒr den RosendĂ€mon verschwunden, da er die Verbindung zu dessen Geist gekappt hatte.

Dave benötigte einen Moment um sich wieder in der Physis zurecht zu finden. Er musterte Dimicus mit nicht zu deutendem Gesichtsausdruck, ehe er ihm ein kurzes, aufmunterndes Schmunzeln schenkte.

"Schlaf Dich aus", sagte Dave leise.

Er gab dem Rakshaner und dem Ork ein Zeichen, daraufhin verließen die drei MĂ€nner den Raum und ließen Dimicus mit sich und seinen Gedanken allein zurĂŒck.

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