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Der Fall der Raubvögel [Oneshot]

Moderator: Dimicus

Söldnerlager der Raubvögel
Ein wilder Haufen von arbeitslosen Söldnern schloss sich zusammen, um ein eigenes Söldnerlager aus dem Boden zu stampfen. Ihr Ziel: Geld zu verdienen und dabei noch Spaß zu haben. Jeder Haudegen, der sich an ein paar Regeln halten kann, ist hier willkommen.
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Farael Dornenwind
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Der Fall der Raubvögel [Oneshot]

#1

Beitrag von Farael Dornenwind » Fr 11. Mai 2018, 21:46

Der Fall der Raubvögel


Zwei Jahre vor den Ereignissen im RPG „Von Blut, Sold und Liebe“...

Der herrliche Duft des Whiskeys durchströmte die Luft des BĂŒros, deren WĂ€nde Farael viel zu oft gesehen hatte. Und lĂ€nger, als ihm lieb war. Umso schöner war es, sich einmal innerhalb dieses Raumes entspannen zu können. Sonst saß er nur den Großteil des Tages an dem vermaledeiten Tisch, beantwortete irgendwelche Briefe und segnete Bedarf fĂŒr das Lager ab. Wenn man ihm gesagt hĂ€tte, das der Job des Kommandanten zum Großteil aus solchen Arbeiten bestehen wĂŒrde, hĂ€tte er sofort abgelehnt. Aber so saß er in diesem Raum Tag fĂŒr Tag fest, statt mit seinen MĂ€nnern zu trainieren. Oder zu saufen.

„Hey! Du bist schon wieder in Gedanken versunken“, ertönte schließlich eine helle Stimme, gefolgt von einem Kichern. Farael blickte auf und sah auf der anderen Seite des Schreibtisches Ciriel, eine junge Lichtalbin. Sie klebte ihm schon seit ein paar Monaten an den Fersen. Als sie in die Kompanie gekommen war, wurde sie geprĂŒft und als eine ausgezeichnete BogenschĂŒtzin eingestuft. Doch hatte sie darauf bestanden, ausschließlich mit Farael zu trainieren. Etwas, was ihn anfangs misstrauisch werden ließ, doch gewĂ€hrte er ihr den Wunsch, um sie persönlich in Augenschein zu nehmen. Das sie sich bewiesen hatte, zeigte sich allein in ihrer Anwesenheit in seinem BĂŒro. Ganz zu schweigen von dem edlen Whiskey den Farael mit Ciriel teilte.

Farael begann zu grinsen, als er sein Glas hob und der jungen Frau zuprostete, die erwiderte und einen Schluck des GetrĂ€nkes nahm. „Entschuldige, ich hatte Arbeit im Kopf. Das ist tatsĂ€chlich das erste Mal seit langem, dass ich mal ein wenig Ruhe finde. Kommst du mit den MĂ€nnern zurecht, die ich dir zugewiesen habe?“ Ciriel hatte sich zur besten BogenschĂŒtzin der Kompanie gemausert und Farael hatte keine andere Wahl, als ihr die Kontrolle ĂŒber die FernkĂ€mpfer zu geben.

Sie winkte bei seiner Frage spielerisch ab und lachte dabei. „Die Nasen? Zwar kotzt es sie an, dass sie den Befehlen einer Frau folgen mĂŒssen, aber sie behandeln mich trotzdem gut. Nicht, dass sie eine Wahl hĂ€tten. Jetzt entspanne dich aber mal gefĂ€lligst, schließlich hast du mal frei. Hast du keine Idee was du mit der Freizeit anstellst?“

„Du meinst außer jemanden einzustellen, der sich um den Papierkram kĂŒmmert? Nein, nicht wirklich. Eigentlich wollte ich schon lange einmal wieder nach Obenza. Meine Eltern besuchen. Ich frage mich, wie es ihnen gerade ergeht“, merkte Farael an und musste schließlich auch an seine Eltern denken. Allem voran seine Mutter, die sich immer hĂ€ufiger in Schwierigkeiten zu begeben wusste. Farael konnte schon gar nicht mehr zĂ€hlen, wie oft er Geld abzweigen musste, um Lösegeld fĂŒr sie zu bezahlen. „Aber ich denke das muss halt mal eine Weile warten. Ich werde hier wohl erst einmal nicht wegkommen.“

Mit einem lasziven LĂ€cheln auf den Lippen stellte Ciriel ihr Glas auf den Schreibtisch und erhob sich. Mit fragenden Blick betrachtete Farael ihr Tun, als sie um den Schreibtisch ging und sich vor ihn stellte. „Sollten wir dann nicht schauen, dass die Zeit ein wenig angenehmer wird?“, fragte sie, als sie sich zu Farael hinunterbeugen wollte. Dieser legte ihr jedoch die flache Hand auf's Brustbein und hielt sie ein StĂŒck von sich fern.

„Was denkst du, was das werden soll?“, fragte Farael ohne jede Regung in seiner Miene.

Augenblicklich erstarrte Ciriel, die sich scheinbar ertappt fĂŒhlte. Doch sie fing sich schnell wieder und antwortet spitzzĂŒngig: „Nunja, ich weiß doch wie du dich am besten entspannen kannst.“ Das konnte Farael nicht einmal verneinen. Ciriel war ihm nicht nur persönlich nĂ€her gekommen, sondern auch bereits mehrere Male auf eine recht besondere Art und Weise. Hin und wieder schliefen sie miteinander, jedoch ging es fast immer von Farael aus. Auf keinen Fall sollte Ciriel diese Art von Macht ĂŒber ihn haben.

„Das muss aber nicht heißen, dass ich immer und ĂŒberall Lust drauf habe.“ Farael konnte beinahe detailgenau erkennen, wie die Lust aus Ciriels Augen verschwand und stattdessen Röte der Scham in ihre Wangen stieg. Sofort richtete sie sich auf und trat einen Schritt zurĂŒck. Auch wenn sie eine sehr attraktive Albin und er ihr nicht abgeneigt war, beließ er ihr VerhĂ€ltnis auf eine gewisse Distanz. Zwar waren sie aneinander interessiert – aber meist nur des Sexes Willen. Zumindest fĂŒr Farael war es nicht mehr, als eine sinnliche und lockere Beziehung. Manchmal meinte er, in ihren Augen zu sehen, wie sie sich nach mehr sehnte. Doch dem konnte er keinesfalls nachkommen. Manchmal hatte es bedeutet, sie zurĂŒckweisen zu mĂŒssen.

„Tut mir leid“, hauchte sie, wĂ€hrend sie auf dem Absatz kehrt machte und den Raum mit eiligen Schritten verließ. Farael seufzte hingegen und trank sein Glas Whiskey mit einem Schluck. Vermutlich hĂ€tte er es ihr schonender beibringen sollen. Sie wĂŒrde es aber sicher verstehen und wieder zur Vernunft kommen. Letzten Endes tat sie das immer. Auch wenn sie ein paar Tage geknickt war.

Doch darĂŒber wollte sich Farael nicht den Kopf zerbrechen. Es gab viele andere Dinge, um die er sich zu kĂŒmmern hatte und eine junge Frau die mehr als nur Sex und nette GesprĂ€che von ihm wollte, gehörte definitiv nicht dazu.

Mit ruhigen Schritten verließ Farael sein BĂŒro. Seine Gedanken kreisten noch fĂŒr einen Moment um Ciriel, auch wenn er mit sich kĂ€mpfte eben das nicht zu tun. Schlimm genug waren schon die Probleme im Lager selbst, dann schlug er sich auch noch mit einer jungen Frau herum, die sich ihn verguckt hatte.

Plötzlich ertönte das Horn des Lagers und seine Gedanken wurden abrupt unterbrochen. Überrumpelt wollte sich Farael in Bewegung setzen, da hörte er ein Zischen. Wie aus dem Nichts wurde er zurĂŒckgeschleudert, als ein Geschoss das Dach des VerwaltungsgebĂ€udes durchschlug und vor ihm den Boden zertrĂŒmmerte. Erschrocken ging Farael zu Boden. Seine Ohren klingelten. Die Welt um ihn drehte sich. Angestrengt versuchte er sich zu orientieren. Schmerzen im Hinterkopf. Lag er auf dem Boden?

Erst als er sein KörpergefĂŒhl zurĂŒckerlangte, spĂŒrte Farael das Holz unter sich. Mit MĂŒhe schĂŒttelte er sich den Schock aus den Kopf und erlangte die Kontrolle ĂŒber seine Sinne zurĂŒck. Ferne KampfgerĂ€usche drangen an sein Gehör. Schreie, durchtrĂ€nkt mit aufeinandertreffendem Metall. „Was bei Ardemia passiert hier?“ Mit MĂŒhe erhob sich Farael vom Boden und richtete sich auf. FĂŒr einen Augenblick musste er sich an der Wand abstĂŒtzen, ehe er sein Gleichgewicht schließlich zurĂŒckerlangte.

Hastig zog Farael sein Schwert, spurtete an dem Loch vorbei, direkt in Richtung Ausgang. Der beißende Geruch von Feuer drang in seine Nase, als er zur TĂŒr in den Hof gelangte. Wer zur Hölle griff sie an? Mit Schwung öffnete er die TĂŒr und trat hinaus. Seine Augen erblickten sein Lager, in welchem wie aus dem Nichts eine blutrĂŒnstige Schlacht entbrannt war. Das Tor stand offen. MĂ€nner in pechschwarzen RĂŒstungen kĂ€mpften gegen seine Soldaten. Auf den Mauern waren seine BogenschĂŒtzen, auseinandergetrieben durch Chaos und heranstĂŒrmende Angreifer. Schon im nĂ€chsten Moment kam einer von den Angreifern auf ihn losgestĂŒrmt.

Knapp entging Farael der Klinge des ZweihandschwertkĂ€mpfers, der im nĂ€chsten Moment den Ellenbogen Faraels zur spĂŒren bekam. Damit war er aus dem Gleichgewicht gebracht. FĂŒr Farael ein leichtes Opfer, dessen Magen sogleich von Faraels Klinge durchbohrt wurde. Blut hustend ging der Widersacher zu Boden. Einer der unbedeutenden FrontkĂ€mpfer. Doch eben jene setzten seiner Kompanie zu. Sie waren mindestens zwei zu ein unterlegen! Wie sind sie ĂŒberhaupt hineingekommen?!

Zeit zum Nachdenken blieb nicht. Faraels Söldner waren unorganisiert im Chaos zerstoben und der Übermacht des Feindes ausgesetzt. Wenn er nicht sofort Ordnung hinein brachte, hatten sie gar keine Chance. Jedoch schien die Situation aussichtslos. Der Kampf war so ĂŒberraschend vom Zaun gebrochen worden. Mit schnelle Schritten eilte er den nahegelegene MĂ€nnern zur Hilfe. Vor ihm zwei EinhandschwertkĂ€mpfer mit Schild. Sie bedrĂ€ngte einen einzelnen Mann, mit nicht mehr bewaffnet als einem Kurzschwert. Sie rechneten nicht mit einem Angriff von der Seite und es war ein leichtes, dem Ersten in die Flanke zu fallen und dessen Kopf von seinen Schultern zu trennen. Völlig perplex drehte sich sein Kamerad zu ihm um, jedoch ohne seine Deckung nach vorn fallen zu lassen. FĂŒr Faraels Söldner gab es kein Durchkommen. Sein Schlag wurde durch das Schild abgewehrt, doch zu seinem GlĂŒck konnte sich sein Gegner nur auf einen Feind konzentrieren. So stach Farael von der Seite zu, erledigte den Feind und ermöglichte seinem Kameraden einen Moment der Pause.

„Was zur Hölle ist passiert?!“, brĂŒllte Farael seinem Söldner zu, der schwer keuchend vor ihm stand.

„Keine Ahnung. Irgendjemand hat das Tor geöffnet, dann flog ein verschissener Stein ĂŒber die Palisade und dann das Horn“, antwortete dieser. Die Information war zumindest ein Anfang.

„Helfe so vielen wie möglich! Sammelt und formiert euch! Los!“ Sofort rannte der Söldner los, um den Befehl umzusetzen. Sein Weg war jedoch kurz, als ein Pfeil seinen RĂŒcken durchbohrte und er zu Boden fiel. Farael drehte auf der Stelle um und blickte auf die Palisade. Feindliche BogenschĂŒtzen hatten sich Zugang verschafft und beschossen seine Söldner. Von den SchĂŒtzen seiner Kompanie war nichts mehr zu sehen. Die meisten lagen tot am Boden. Faraels Reihen waren deutlich ausgedĂŒnnt worden. Zumindest was die FernkĂ€mpfer betraf. Seine MĂ€nner im Hof hielten sich wacker, wenn auch gegen eine Übermacht, die von Moment zu Moment grĂ¶ĂŸer wurde.

Plötzlich wieder ein Zischen in der Luft. Faraels Blick richtete sich nach oben. Mehrere brennende Geschosse flogen in hohem Bogen auf das Lager zu. Sie wirkten nicht gezielt. Sie sollten einfach nur so viel Kollateralschaden wie möglich verursachen! Diese verdammten Schweine! Diese Schlacht konnte nicht gewonnen werden. Dessen war sich Farael spĂ€testens sicher, als mehrere Geschosse MĂ€nner und GebĂ€ude gleichermaßen zermalmten. Das durfte nicht wahr sein. Wer sind diese Hurensöhne?

Farael blickte auf die Mauer. Die BogenschĂŒtzen pickten sich gezielt wehrlose MĂ€nner heraus. Dem musste Farael Einhalt gebieten. Doch zuerst musste er den Befehl geben, der ihn am meisten schmerzte. Er eilte zu einem Podest im Hof. Es war bereits mit Leichen gespickt und das Ausmaß der Schlacht wurde immer klarer, je lĂ€nger sie andauerte. Mit MĂŒhe kletterte er auf das Podest. Ein plötzlicher Schmerz ließ ihn nach vorn fallen, direkt mit dem Gesicht auf einer der Leichen. Pochende Hitze breitete sich von seinem unteren RĂŒcken aus, die mit jedem Schlag sich einem immensen Schmerz nĂ€herte. Doch er konnte jetzt nicht aufgeben. Seine MĂ€nnern kĂ€mpften bis zum Tod und das musste er verhindern!

Unter den Schmerzen richtete sich Farael wieder auf und schnellte vor zu der Glocke, die auf dem Podest war. Seine Hand fĂŒhr um das Seil an der Glocke. Drei Mal krĂ€ftig zog er daran, worauf drei Mal hintereinander ein schriller Glockenklang ertönte. Der Befehl zum RĂŒckzug und zum Evakuieren. Faraels Blick glitt ĂŒber den Hof. Viel zum Evakuieren hatte er nicht mehr. In binnen kĂŒrzester Zeit waren seine MĂ€nner dezimiert worden und vom Feind drangen immer mehr durch das offen stehende Tor. Es war nur eine Frage der Zeit. Jedoch konnten sich seine Söldner nicht zurĂŒckziehen, wenn sie unter dem Feuer der BogenschĂŒtzen standen. Es blieb ihm keine Wahl.

Eilig spurtete er los, seine FĂŒĂŸen trugen ihn so schnell wie möglich ĂŒber den Innenhof. Vorbei an seinen Soldaten die sich zurĂŒckziehen wollten. Vorbei an Leichen, Blut und Gestank von brennendem Fleisch. Nahezu jedes GebĂ€ude im Lager stand nun in Flammen. Vor Faraels Augen brannte alles nieder, was er sich mit seiner Kompanie aufgebaut hatte. Und auch wenn es viel zu spĂ€t war, so wollte Farael das Bestmögliche tun, um den Rest seiner MĂ€nner zu retten und ihren RĂŒckzug zu decken. Zum GlĂŒck hatte er fĂŒr den Fall der FĂ€lle einen Fluchttunnel ĂŒber die Baracken hinaus in die WĂ€lder anlegen lassen. Das war ihre einzige Chance.

Nebenbei wich Farael Pfeilen aus und den Hieben, die von der Seite kommen wollten. Sein Herz schlug wild. Den Augenblick nahm er quĂ€lend langsam wahr, obwohl es nur wenige Sekunden waren. Schließlich erreichte er die Treppen auf die Palisade. Nur Wenige hatten sich offenbar auf ihn konzentriert. Sie waren zu sehr damit beschĂ€ftigt, die fliehenden Söldner zu töten. Was ihre Unachtsamkeit war, stellte Faraels GlĂŒck dar.

Denn kaum war er auf der Palisade angekommen, verschwamm seine Wahrnehmung. Etwas geschah mit ihm. Hass, Zorn und Trauer ĂŒbermannten Farael. Sie legten sich wie ein Schleier auf seine Sinne und die Erinnerungen wurden undeutlich. Er spĂŒrte, wie er sich bewegte. Wie Schreie um ihn herum ertönten und Befehle gebrĂŒllt worden. Das Einzige was er sah war rot. Er dachte nicht. Er fĂŒhlte nicht. Farael handelte.

Im nĂ€chsten Moment wachte er daraus auf. Sein Atem ging schnell. Sein Körper schmerzte. Seine RĂŒstung war blutdurchtrĂ€nkt, wĂ€hrend mehrere Pfeile aus seinem Leib ragten. Zahlreiche Schnittwunden zierten seinen Körper. Und doch fĂŒhlte er sich stĂ€rker denn je. Er stand auf der Palisade, sein Schwert zitterte, wĂ€hrend sein gesamter Körper erbebte. Dann drehte er sich um und blickte hinter sich.

Sein Pfad war gepflastert von entstellten und abgeschlachteten Körpern. Den Schrecken in ihren Gesichtern gemeißelt, waren es sicher mehr als ein paar dutzend MĂ€nner. Farael blickte auf sich hinab. Der Großteil des Blutes war nicht sein Eigenes.

Faraels Gedanken wurden jĂ€h beendet, als er weitere MĂ€nner des Feindes auf die Mauer strömen sah. Sie formierten sich und wollten ihn einengen. Sein Blick ging nach unten in den Hof, in dem kaum noch einer seiner MĂ€nner stand. Die letzten zogen sich in diesem Moment in die Baracken zurĂŒck. Die Aufmerksamkeit jedes feindlichen Soldaten galt nun Farael. Mit dem Blut was an Körper und Schwert klebte, konnte man es ihnen nicht einmal verĂŒbeln.

Mit ihren Belangen konnte er sich nicht befassen – geschweige denn gegen sie kĂ€mpfen. Faraels Blick schaute auf die Baracken. Dann auf den Hof vor sich. Nur wenige Sekunden, dann waren sie bei ihm. Die einzige Chance ein Fahnenmast, an dem die Flagge der Raubvögel hing. Faraels einzige Chance zu entkommen. Ohne weiter nachzudenken sprang er mit Kraft in Richtung der stĂ€hlernen Rettung.

Noch im Flug hörte er wĂŒstes Schimpfen und Fluchen. Hinter ihm flogen Wurfmesser, ein paar Pfeile obendrein. Dann der dumpfe Schlag gegen die Fahnenstange. Sofort schossen seine HĂ€nde nach vorn, umklammerten die Stange. Mit schwindender Kraft hielt sich Farael fest. Jedes Abrutschen wĂ€re tödlich gewesen. Doch er schaffte es.

Gegen jeden Drang seines Körpers bewusstlos zu werden, behauptete sich Farael tapfer. Ihm war jedoch klar, dass jede verschwendete Sekunde sein Todesurteil sein wĂŒrde.

Fersengeld zu geben, war Faraels nĂ€chste Handlung. Zwischen Leben und Tod standen nicht mehr als 150 Meter. Mit einem unmenschlichen Schrei preschte Farael nach vorn. Jeglichen Schmerz musste er abschĂŒtteln! Er konnte nicht aufgeben! Die Rufe und Stiefelschritte hinter ihm wurden leiser. Sein Blick geriet in einen Tunnel. Dessen Ende war die offene TĂŒr. Das einzige Licht in diesem Schlund, aus dessen WĂ€nde einige HĂ€nde gierig nach ihm greifen wollten und es doch nicht schafften.

Nur noch wenige Meter! Bald geschafft! Er wĂŒrde ĂŒberleben! Plötzlich ein Luftzug. Ein verhĂ€ngnisvolles Schimmern. Das Blatt einer Axt das auf seine Beine geschwungen wurde. Mit einem schnellen Satz entging er dem Verlust seiner Beine. Doch die Landung hatte er nicht eingeplant. Kaum hatte er den AxtkĂ€mpfer an sich vorbeiziehen sehen, kĂŒsste sein Körper den Boden. Jeder Pfeil, der in ihm steckte, brach ab und riss die Wunden weiter auf. Die Luft wurde aus seinen Lungen gepresst und fĂŒr einen Moment sah er schwarz vor Augen. Hinter ihm ein tiefes und bedrohliches Lachen.

Wieder ein Luftzug. Die Sinne kehrten zu Farael zurĂŒck. Der Boden unter ihm wurde erschĂŒttert von der riesigen Axt, der er mit einer Rolle auf den RĂŒcken nur knapp entgangen war. Darauf erblickte er den HĂŒnen eines KĂ€mpfers. Die RĂŒstung pechschwarz, an ihm herab hing ein schwarzer Umhang. WĂŒsste Farael es nicht besser, hĂ€tte er diese Gestalt als den Tod höchstpersönlich bezeichnet. Dessen höhnisches Grinsen in seinem kantigen Gesicht. Zahlreiche Narben verzierten seine ZĂŒge obendrein. Mit jedem Augenblick den Farael ihn sah, kroch die Angst in ihm hoch.

Aus Panik griff er in den Dreck neben sich und schleuderte eine gute Ladung davon in das Gesicht des Glatzkopfes. Dieser taumelte kurz zurĂŒck. Farael hatte sich einmal mehr eine Chance erkauft. Vermutlich seine Letzte, wenn er nicht sofort aufstand.

Genau diesem Instinkt kam er sofort nach. Eilig sprang er auf seine Beine und tat die letzten Schritte in die Baracke. Der letzte Blick den er nach draußen warf, zeigte ihm das wutentbrannte Gesicht des KĂ€mpfers. „Kleine Made!“, brĂŒllte der Kahlkopf. Hinter ihm versammelten sich seine VerbĂŒndeten. Farael hingegen bedachte den kommenden Tod mit seinem charmantesten LĂ€cheln, ehe er die TĂŒr zuschlug und mit dem Riegel verbarrikadierte.

Dumpf hörte Farael von draußen die Schreie und Rufe der feindlichen Soldaten. Dann schwere Stiefel auf der Holztreppe vor den Baracken. Vorsichtig trat Farael einige Schritte von der TĂŒr zurĂŒck. Zu seinem GlĂŒck hatte er diesen Instinkt gehabt. Im nĂ€chsten Momente wurde das Holz der TĂŒr in Zwei geteilt. Das Schimmern der Axtschneide hatte die TĂŒr durchbrochen. Dann zog sie sich zurĂŒck. Nur um erneut die TĂŒr zu durchschlagen. „Du willst echt nicht aufgeben, was?“, rief Farael nach draußen. Von dort hörte er ein Grunzen, ehe die Axt ein drittes Mal die TĂŒr durchschlug. Beinahe wĂ€re sie aus den Angeln gehoben worden. Beste Zeit um endgĂŒltig zu fliehen.

Vorbei an Betten, Truhen und GerĂŒmpel durchquerte Farael die Baracken in die hinteren Teile. Auf dem Weg fanden sich Leichen von einen Soldaten, aber auch einige der Schwarzen. Am hinteren Teil angekommen, hörte Farael die TĂŒr hinter sich aufbrechen. Ein Blick ĂŒber die Schulter zeigte, wie sich die riesige Gestalt durch den TĂŒrrahmen kĂ€mpfte. Somit galt es, keine Zeit zu verlieren.

Schnell verließ Farael den Raum durch die hintere TĂŒr. „Farael?“, ertönte eine unsichere Stimme, kaum als er den Raum betreten und den Riegel davor geschoben hatte. Vor ihm stand Bolgur, neben einem klĂ€glichen Haufen Söldner. Einige von ihnen waren verletzt. Teilweise schwer. „Du hast ĂŒberlebt? Wir dachten, du hĂ€ttest es nicht geschafft“, erklĂ€rte der Norkara mit bröckelnder Stimme.

Farael versuchte die Situation zu erfassen. Wie es der Notfallplan vorgesehen hatte, hatten die Überlebenden den Fluchttunnel bereits geöffnet und jeden Wertgegenstand aus der Waffenkammer zusammengetragen. „Keine Zeit zum Reden. Schnappt euch die Verletzten und dann weg hier. Wir sprengen den Tunnel hinter uns.“ Sofort nickten alle auf den Befehl hin, nahmen sich Verletzte und WertgegenstĂ€nde gleichermaßen. Hinter ihnen hackte jene Axt in die TĂŒr, die Farael bereits kennenlernen durfte.

Dank der Routine und des Trainings seiner MĂ€nner waren sie schnell in dem Tunnel verschwunden. Farael hatte ihn weit graben lassen, weswegen sie sich auf einen kleinen Fußmarsch vorbereiten mussten. Der Ausgang lag mitten in den WĂ€ldern zwischen Shohiro und Obenza. Doch ehe sie weiterziehen konnten, nahmen Bolgur und Farael zwei Paneelen von den TunnelwĂ€nden, welche am Eingang lagen. Der Rest zog bereits weiter. Hinter den Holzplatten verbargen sich Aussparungen, in denen zwei FĂ€sser standen. Spezielle Anfertigungen von Bomben mit ZeitzĂŒnder, extra von Goblins entwerfen und bauen lassen.

Kurzerhand entzĂŒndeten sie zwei Fackeln, die an den Wandhalterungen angebracht waren. Am oberen Absatz der Treppe konnte Farael das Splittern der TĂŒr vernehmen. Umso schneller agierten Bolgur und Farael, entfernten die Schutzkappe der Lunten und steckten diese an. Das bedrohliche Zischen ertönte. Oben sprang die TĂŒr aus den Angeln. Nun hieß es laufen!

Es brauchte nur wenige Sekunden, um in sichere Entfernung zu kommen. Ein letztes Mal drehte sich Farael um und erblickte einen gewaltigen Schatten, der sich zwischen den FĂ€ssern zu befinden schien. Er hielt inne und bewegte sich nicht. Offenbar erkannte der HĂŒne die Lage und drehte augenblicklich um. Kaum waren seine FĂŒĂŸe aus Faraels Blickfeld verschwunden, explodierten die FĂ€sser mit gewaltiger Wucht. Der gesamte Tunnel bebte und warf die Söldnertruppe zu Boden. Hinter ihnen grollte die Erde. Die StĂŒtzen brachen zusammen. Erde begrub den Tunneleingang, wĂ€hrend ihnen eine Welle aus Staub und Erdfetzen entgegenschlug.

Das Klingeln in Faraels Ohren bestĂ€tigen den Erfolg des Planes. Es blieben keine Zweifel daran, dass sie ihrem Feind die Verfolgung unmöglich gemacht hatten. MĂŒhevoll rappelten sich die Söldner wieder auf. Staub hatte sich in Faraels Lunge abgesetzt. Unter schmerzhaften Husten beförderte sein Körper diesen heraus. Die Söldner schauten sich gegenseitig an, nickten einstimmig und setzten ihren Weg fort.

Minuten vergingen, ehe das Gehör Faraels zurĂŒckkehrte. Offenbar war dies auch der Fall fĂŒr die restlichen Überlebenden, welche sich mit trockener und bedrĂŒckter Stimme unterhielten. Farael hingegen blieb schweigsam. Der Schock und das Adrenalin verebbten aus seinem Körper. Dabei wurde ihm immer mehr bewusst, wie schwer verletzt er war. Schmerzen durchzuckten seinen Körper, doch versuchte er sie gut wie möglich niederzukĂ€mpfen. Auf ihrem Weg ließ er seine grĂ¶ĂŸten Wunde von Bolgur verbinden. Es sollte den Weg zum Heiler nicht ersparen, aber zumindest verblutete er auf diese Weise nicht.

„Wie viele von uns haben ĂŒberlebt?“, durchbrach Farael schließlich die Stille zwischen Bolgur und sich. Der Norkara hingegen schien zu zögern, ehe er antwortete. Das Erste, was Farael von ihm zu hören bekam, war ein leises Seufzen.

„Elf von uns. Dich und mich eingeschlossen. Sascha, Viktor, Anna, Paulus, Ă€h, Franziskus, Sebille, Rafael, Isabell und Georg. Naja, und wir beide“, war die trockene Erwiderung Bolgurs. FĂŒr einen Moment meinte Farael ein leichtes Schluchzen zu hören.

„Was ist mit Ciriel?“

Bolgur schĂŒttelte mit dem Kopf. „Ich weiß es nicht. Ich habe sie seit Beginn des Angriffs nicht gesehen. Niemand hat das. Tut mir leid Farael.“

„Ist schon in Ordnung.“ Und dennoch hinterließ der Gedanke Unwohlsein bei Farael. Gezwungenermaßen musste er an seine Begegnung mit ihr zurĂŒckdenken, bevor der Angriff stattgefunden hatte. Auch wenn er ein lockeres VerhĂ€ltnis mit ihr hatte, riss ihr Verschwinden eine Trauer in ihm auf, mit der er nicht gerechnet hatte. Doch mit ihr auch das Bewusstsein, was eigentlich passiert war. Was dieser Tag fĂŒr seine Kompanie bedeutete. FĂŒr ihn selbst. Er war nicht mehr lĂ€nger Kommandant seiner eigenen Kompanie. Von dieser war nicht mehr als der klĂ€gliche Rest von elf Leuten ĂŒbrig geblieben.

Wie ein Hammer traf ihn das ganze Ausmaß der Schlacht. Unangenehmes Schweigen setzte sich in die Gruppe, nachdem die Geschehnisse jedem richtig ins Bewusstsein kamen. Ein paar von ihnen brachen in stille TrĂ€nen aus. Sie hatten in binnen weniger Minuten alles verloren, was sie sich aufgebaut hatten. Trotz jeder Vorbereitung und jedes Kampfgeistes. Auf diesem Wege kamen sie bald am Ende des Tunnels an, traten hinaus in das Mondlicht, welches sich durch die BlĂ€tter der BĂ€ume ĂŒber ihnen brach.

Am Horizont, selbst durch den Wald hindurch, erblickten sie das lodernde Feuer, welches ihre einstige Heimat verzehrte. Eine gewaltige RauchsĂ€ule zog sich in den Himmel und trug die Seelen ihrer gefallenen Kameraden in den Himmel. Es war ein schwarzer Tag in der Geschichte der Überlebenden. Die Raubvögel sind vom Antlitz Asamuras getilgt worden.

Am Ende dieser Nacht kĂ€mpften sich die Verletzten nach Obenza. Dort ließen sie sich behandeln, verkauften die geretteten Wertsachen und teilten das Geld auf. Darauf gingen sie getrennte Wege, deren Ursprung sie jedoch alle verband. Nicht selten fand man einen von ihnen betrunken in den Tavernen vor. Die Nachwirkungen des Vorfalls ĂŒberlebten letzten Endes nur Farael und Bolgur. Der Rest starb wegen des Alkohols, weil er sich der KriminalitĂ€t verschrieben hatte oder auf der Suche nach Halt im obenzischen Söldnerlager meldete. Jene, die den Halt im Söldnerdasein gesucht hatten, starben noch in ihren ersten EinsĂ€tzen. Die einzige Ausnahme blieb Bolgur, der sich behaupten konnte. Farael hingegen verschwand in der Bevölkerung Obenzas.

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