Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

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Jaro Ballivòr

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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#51

Beitrag von Jaro Ballivòr » Mo 8. Okt 2018, 08:19

Jaro Ballivòr
Wie angewurzelt stand Jaro da und schluckte schwer, während er Alaryah und Kirona nachblickte. Als sie komplett aus seinem Blickfeld entschwunden waren, drehte er langsam den Kopf zu Wibalt. Noch immer kauerte der Soldat auf dem Boden, seine Augen auf Jaro gerichtet.
"Macht sie das mit euch auch?", stammelte er. Furcht zeichnete sein Gesicht. "Diese Aura... so etwas habe ich noch nie erlebt."
Jaro räusperte sich auf der Suche nach Worten. Fiebernd überlegte er, was Alaryah in so einer Situation tun würde. "Du wirst das richtige tun", hatte sie ihm gesagt. Er kannte die Waldalbin nun schon lange genug. Sie würde den Mann nicht umbringen, nicht, wenn es sich vermeiden ließ.
"Sie kann sehr einnehmend sein...", entgegnete er schließlich kleinlaut, was nicht einmal kompett gelogen war.
"Worauf habe ich mich da nur eingelassen?" Wibalt schien komplett verängstigt zu sein. Von seiner früheren Kampfelust war nichts mehr zu erkennen. "Was sind das nur für Leute? Ich habe schon von den Gezeichneten gehört, aber noch nie einen zu Gesicht bekommen."
"Gezeichnet?" Jaro legte den Kopf schief und ging vorsichtig ein paar Schritte auf den Mann zu.
"Die Tätowierungen." Wibalt hob die gefesselten Arme. "Man nennt sie die Gezeichneten und es gibt wenige, die einen davon von Angesicht zu Angesicht gegenüberstanden und das überlebten. Ein Wunder, dass ihr noch lebt."
Jaro beeilte sich, eine plausible Erklärung zu erfinden, um kein erneutes Misstrauen in Wibalt zu schüren. Wenn der Wächter dachte, sie stünden auf der selben Seite, brauchte er vielleicht nichts von ihm zu befürchten. Zwar war der Mann weiter gefesselt, doch Jaro war ihm körperlich weit unterlegen und was, wenn er nach Hilfe rief? "Sie braucht uns als Führer. Im Wald kann man sich schnell verirren und die Waldläufer lauern überall... wenn man hier fremd ist, geht man ihnen sofort in die Falle."
"Du bist hier ebenfalls fremd oder nicht? Du siehst so anders aus, als sie." Er nickte mit dem Kopf in die Richtung, in der Alaryah verschwunden war. Jaro entschied sich für die Wahrheit... oder zumindest einen Teil davon. "Nein, ich bin eigentlich nur auf Reisen. Sie hat mich gerettet... vor einer Baumkatze. Nur, dass wir dann der nächsten Bestie in die Arme gelaufen sind."
"Eine Bestie wahrlich..." Plötzlich weiteten sich Wibalts Augen. "Die Männer! Sie sind ahnungslos!"
Verdattert blickte Jaro Wibalt an.
"Oben in der Festung! Die wissen ja gar nicht, was da auf sie zukommt! Ich muss sie warnen. Lass mich gehen." Mit beinahe flehentlicher Stimme streckte er Jaro die gefesselten Hände entgegen.

Alaryah Schattenwind
Es dauerte nicht lange, da hatte Alaryah Kirona auch schon eingeholt. Die Frau stampfte schon fast in Richtung Turmhügel, somit war es für Alaryah ein leichtes Spiel gewesen ihrer Spur zu folgen. Gerade, als Kirona um eine Ecke biegen wollte, bekam Alaryah ihre Schulter zu packen. "Kirona, warte.", zischte die Albin und zog Kirona wieder zurück. Diese wirbelte herum, griff nach Alaryahs Handgelenk und drückte fest zu. Ein düsterer Blick traf die Albin, die leicht in die Knie gegangen war. "Kirona, was ist denn los?", flüsterte Alaryah und versuchte den Griff zu lösen. "Du tust mir weh.", fügte sie leise hinzu. Kirona wandte den Blick ab und ließ Alaryah kurze Zeit später los. "Verzeih, es kam einfach so über mich. Ich...". Sie verstummte nach diesem recht ton- und emotionslosen Erklärungsversuch. Alaryah wollte einen Schritt näher an Kirona herantreten, doch wagte sie es nicht. "Wir haben eine Mission.", meinte Kirona dann und schaute noch einmal zu der kleinen Albin. "Gehen wir.". Sie nickten sich erneut zu und machten dann weiteren Boden gut. Dieses Mal huschten sie vorsichtig und mit Bedacht durch die umliegenden Ruinen und das Unterholz. Dann kamen sie endlich beim ersten Posten an. Ein breitschultriger Kerl stand dort unter den Resten eines Torbogens, hatte sich auf seinen in Mitleidenschaft gezogenen Schild gelehnt und kaute auf irgendetwas herum. Schwert und Speer hatte der Mann einfach an die nahestehende Wand gelehnt. Alaryah war erstaunt, dass sich die Männer so sehr in Sicherheit wähnten. Dann kam der Wachwechsel. Ein hagerer Kerl mit lichtem Haar schlurfte heran, hatte seinen Helm am Gürtel befestigt und grüßte seinen Kameraden schon aus der ferne. Dieser nickte ihm grunzend zu, sammelte seine Ausrüstung zusammen und machte sich auf den Rückweg. Keine Postenübergabe, keinerlei Bericht, keine Absprachen. Moral und Pflichtbewusstsein waren hier wohl mittlerweile ein ganz dürres Pflänzchen, schätzte Alaryah. Die Schritte des abgelösten Posten waren in der Ferne verstummt und der hagere Kerl machte einen kurzen Rundgang. Er gab sich dabei keinerlei Mühe seine Lustlosigkeit zu verstecken. "Was sind das nur für Krieger?", fragte Alaryah leise, nur um festzustellen, dass Kirona nicht mehr neben ihr im Versteck war. "Kirona? Kironaaa?", fragte sie so laut sie sich traute und sah sich nach der Frau um. Dann erspähte sie sie. Kirona hatte sich schräg gegenüber an die Mauer gepresst und näherte sich leise dem Posten, der sich der Gefahr in keinster Weise bewusst war. "Kirona, nein.", formten Alaryahs Lippen die Worte, doch es war schon zu spät. Ein zischendes Geräusch durchschnitt die Luft und der Posten sank bewusstlos zu Boden. Kirona hatte ihn direkt von hinten mit ihrem Stab getroffen. Alaryah sah sich um, horchte. Niemand schien diesen Angriff mitbekommen zu haben. Aus ihrem Versteck heraus sah Alaryah, wie Kirona den Mann von dem Torbogen wegzog und scheinbar fesselte. Sie wartete noch ein paar Sekunden, huschte dann in Richtung der Frau. "Kirona, wir müssen vorsichtiger sein, wenn wir...". Sie hielt inne. Kirona hockte neben dem Posten, der tot in seinem eigenen Blut lag. Hatte Kirona ihn einfach abgestochen? "Wir dürfen kein Risiko eingehen.", sagte Kirona dumpf. Keinerlei Reue oder Mitgefühl war in ihrer Stimme zu hören. Alaryah klammerte sich mehr und mehr an die Hoffnung, dass ihr Eingreifen hier möglichst unblutig von statten gehen würde. Doch vielleicht war diese Flamme der Hoffnung bereits schon fast erloschen...

Jaro Ballivòr
Unsicher blickte Jaro über seine Schulter, wie als erwarte er Alaryah oder Kirona dort zu sehen und um deren Einschätzung bitten zu können.
"Bitte! Mach mich los! Dir wird nichts geschehen, ich verspreche es!" Etwas Flehentliches lag in seiner Stimme. Konnte Jaro dem trauen oder war es nur eine List? Nervös kaute er auf seiner Lippe herum. Was würde Alaryah tun?
"Junge!", durchbrach der Posten abermals seine Gedanken. "Hier, ich habe noch einen zweiten Dolch bei mir. Nimm ihn, wenn du mir sonst nicht glaubst" Mit dem Ellebogen wies er auf seinen Gürtel.
Noch immer zweifelte Jaro, doch er konnte keinerlei Lüge in Wibalts Gesicht erkennen. "In Ordnung." Langsam und vorsichtig näherte er sich dem Mann und griff mit zitternder Hand nach dem Dolch. Umständlich zog er ihn heraus. "Wenn ich dich los mache...", setzte er an. "Werde ich auf dem direkten Weg nach oben gehen und so viele Männer wie möglich da raus holen. Seh du zu, dass du die Gezeichnete aufhältst."
Einen weiteren Moment zögerte Jaro, dann schnitt er die Fesseln durch. Nach einem letzten Blick auf Wibalt, drehte er sich um und rannte los. Ein merkwürdiges Kribbeln schoss ihm in den Bauch und er fürchtete verfolgt zu werden. Als er sich aber umsah, war von Wibalt schon keine Spur mehr zu sehen.
Je näher Jaro der Ruine kam, desto gebeugter ging er. Er hatte keine Ahnung, wo genau Alaryah und Kirona lang gegangen waren. An der Mauer angekommen, spähte er vorsichtig in den Innenbereich. Er sah einen Posten zu seiner Rechten, der irgendetwas aß, Schild und Speer neben sich aufgestellt. Ein Stück hinter ihm waren die nächsten beiden Männer. Dann eher nach links. Darauf bedacht kein Geräusch zu machen, folgte Jaro der Mauer und schließlich entdeckte er die beiden Frauen, zu deren Füßen einer der Wächter.
"Alaryah", flüsterte er und kletterte über das niedrige Mauerstück. "Alaryah, alles in Ordnung? Oh..." Seine Augen fielen auf die blutige Wunde des Mannes. Hatte es einen Kampf gegeben? Schnell blickte er sich um, doch ihr Eindringen war wohl unentdeckt geblieben. "Ich habe Wibalt los gemacht, er will die Männer von hier fortlocken." Jaro schluckte schwer und fürchtete gleich einem Donnerwetter ausgesetzt zu sein.

Alaryah Schattenwind
"Du hast WAS getan?!", presste Kirona hervor und weitete die Augen. Sie rieb sich die Stirn, rang mit nun plötzlich wieder aufkommenden Emotionen. Alaryah schluckte einen Klos im Hals herunter, hoffte sie doch, dass die ganze Situation nicht aus den Fugen geriet. "Lasst uns ruhig bleiben.", meinte Alaryah schließlich. "Wir sollten darauf achten, dass sowas hier...", sie deutete auf die Leiche, "...nicht noch öfters vorkommt. Wir können die ganze Sache bestimmt anders lösen.". Kirona schaute wirklich finster drein, fixierte Jaro, der sich sichtlich unwohl fühlte. Alaryah schob sich in Kironas Sichtlinie, versuchte Jaro vor den Blicken abzuschirmen. "Weiter jetzt. Denkt dran, der Wachwechsel wird nicht ewig dauern, sie sind zwar unaufmerksam, aber immer noch viele.". Kirona drehte sich weg, schaute nun wieder in Richtung Ziel. "Zur Not machen wir es auf meine Weise.". Ihre Stimme klang sonderbar fremd. Gemeinsam machten sie die nächsten Schritte aus und schon bald stand die Route fest. Kirona machte, wenn auch ungefragt, den Anfang und hastete zu der ersten Etappe. Es war ein Geröllhaufen, hinter welchen sich die tätowierte Frau auf den Boden presste. Ein Posten schritt seinen Weg ab, bemerkte Kirona nicht. Kurz bevor er seinen Rückweg antrat, huschte Kirona in Richtung des nächsten Ziels. Bald schon war sie verschwunden. "Sorge dich nicht, Jaro. Ich bin dir nicht böse. Du hast eine Entscheidung getroffen, die in deinen Augen richtig war. Ich sage dir, sie war nicht ganz falsch.". Aufmunternd nickte sie ihrem Gefährten zu, erhob sich leise und hastete, mehrere Haken schlagend, in Richtung des Geröllhaufens.
Dort angekommen zwang sich Alaryah zur Ruhe. Dieser leichte Anflug von Aufregung...
Dann plötzlich kam Bewegung in die Wachmannschaft. Hier und da ertönten Rufe, Männer hasteten umher. Noch war sie unentdeckt geblieben, doch wie sah es mit Kirona aus? Von ihrem Versteck aus konnte Alaryah Jaro sehen, der gerade um die Ecke lugte. Vorsichtig schüttelte sie den Kopf um ihm zu zeigen, dass ein weiteres Vorrücken gerade nicht möglich war. Dann eilten mehrere bewaffnete Männer an ihnen vorbei. Wibalt war unter ihnen, trieb sie an. "Dort vorne war es!", "Seid wachsam, Männer." und "Wir hätten hier nicht herkommen sollen." waren nur ein paar der Worte, die die Männer untereinander wechselten. Scheinbar hatte so mancher Zweifel an dieser Mission?
Alaryah wechselte ihre Position. Ein Blick über die Schulter verriet ihr, dass Jaro gerade das gleiche tat und sicher hinter dem Geröllhaufen ankam. Die Albin sprang um die Ecke und stieß mit einem der Soldaten zusammen. Wo kam der plötzlich her?! Ungläubig schaute Alaryah den Mann vor sich an. Er war ebenso überrascht wie die junge Albin. Diese hingegen errang ihre Fassung als erstes zurück und zog ihre Waffen. "Niemand muss hier heute sterben.", sagte sie und nahm eine abwehrende Haltung ein. Hastig fummelte der Kerl die Axt aus seinem Gürtel hervor. "Ergebt euch einfach, weg mit der Waffe.", sagte Alaryah erneut, doch es war zu spät. Der Mann ging zum Angriff über, preschte nach vorne und hieb nach dem Kopf der Albin. Sie wich seinem Angriff aus. Dann dem nächsten und dem nächsten. "Ich mach dich kalt!", rief der Kerl. "Was ist da los?!". Alaryah schreckte zusammen. Zwei weitere Schergen kamen um die Ecke gebogen, beide mit gezogenen Waffen. "Los doch! Helft mir gefälligst!", polterte Alaryahs Gegner mit der Axt und schon bald hatten die drei Männer die Albin eingekreist. Das Blatt wendete sich langsam aber sicher und schon bald kam die Albin an das Ende ihrer Kräfte. Sie musste irgendwie entkommen, sonst wäre alles umsonst gewesen. Hoffentlich ging es den anderen gut. Lange konnte Alaryah diese Gedanken nicht verfolgen, denn schon raste der nächste Feind heran.

Jaro Ballivòr
Zweifel und Furcht lagen Jaro schwer im Magen. Es war falsch gewesen! Oder nicht? Wieso hatte er Wibalt nicht einfach an Ort und Stelle zurück lassen können? Zwar hatte Alaryah versucht, ihn aufzumuntern, doch Kironas Blick hatte Bände gesprochen und wahrscheinlich hatte sie Recht... es wäre ein Leichtes für Wibalt, Alarm zu schlagen und selbst, wenn er wahr gesprochen hatte und er sie nur vor Kirona warnen wollte, wie sollten Alaryah und er Kirona dann zur Hilfe eilen? Und wer garantierte denn, dass die übrigen Männer ihn und Alaryah nicht ebenfalls zum Feind erklärten? Fragen über Fragen wurmten Jaro. Hinzu kam die furchtsame Aufregung ihres Eindringens. Mit zitternden Knien folgte er Alaryah und war dankbar für ihre Gesten. Kirona war lange schon aus seinem Blickfeld verschwunden. Mit klopfendem Herzen kauerte er sich in seinem Versteck zusammen, als Männer vorbei patroullierten. Wibalt... würde er nun die Männer fortführen? Schnell flizte Jaro hinter den Geröllhaufen, nachdem die Luft rein war. Einen Moment atmete er einfach mit geschlossenen Augen tief durch. Da! Stimmen! Alaryahs Stimme... er hörte Metall klirren und schob sich ein Stück den Hügel hinauf, um sehen zu können, was von Statten ging. "Alaryah", flüsterte er. Sie war umzingelt. Er musste ihr helfen. Mit allem Mut, den er aufbringen konnte, den Dolch fest gepackt, machte er sich daran, ihr zu Hilfe zu eilen, da packte ihn jemand am Kragen und mit rudernden Armen fiel er rückwärts das Geröll hinab.
"Wen haben wir denn da?" Mit schmerzverzerrtem Gesicht blickte Jaro nach oben in die Augen eines bärtigen Kriegers. "He! Rick! Hier ist noch einer." Ein weiterer Mann näherte sich.
"Was is'n das für einer? Der sieht nicht aus wie die da vorne." Mit seinem Schwert wies er in Alaryahs Richtung.
Jaro wollte auf die Füße springen, doch einer der Kerle trat ihm auf den Arm und refelxartig ließ er den Dolch los und schrie auf.
"Wehr dich nicht, dann wird's nicht so schlimm. Wir müssen wissen, wer ihr seid... und warum ihr hierher gekommen seid. Vorher stirbst du nicht - keine Angst." Er entblößte eine Reihe verfaulter Zähne und zerrte Jaro am Kragen nach oben. Er machte sich nicht die Mühe sich zu wehren. Was hätte es für einen Sinn gehabt? Er war ein Nichtsnutz. Erst hatte er sie verraten, nun konnte er nicht einmal sich selbst verteidigen, geschweige denn, Alaryah zur Hilfe zu eilen.

Alaryah Schattenwind
In der Ferne erklang ein Schrei. "Jaro.", hauchte Alaryah erschrocken. Auch ihre drei Feinde waren kurz abgelenkt. Die Albin versuchte die Gunst des Momentes zu nutzen und machte einen Ausfallschritt zur Seite. Einer der Angreifer hatte jedoch aufgepasst und schleuderte seinen Streitkolben in Richtung Alaryahs Beine. Tatsächlich landete er mit dem Wurf einen Treffer, die Albin stolperte und schlug keuchend auf dem Boden auf. Direkt rollte sie herum, bereit einen weiteren Angriff abzuwehren. Die drei Schergen setzten nach. Einer schlug auf die Albin ein, die kaum noch im Stande war sich zu wehren. Irgendwie schaffte es Alaryah auf die Knie. Dann traf sie eine Schildkante am Kopf. Die Wucht des Schlags warf Alaryahs Kopf zur Seite. Bevor sie erneut zu Boden sank kam von der anderen Seite ein Tritt. Erneut schwer getroffen sank die Albin zu Boden. Zitternd, all ihre letzten Kräfte auffahrend, hob sie den Dolch. "Lächerlich.", höhnte der erste Angreifer und schlug der Albin mit der flachen Seite der Axt die Waffe aus der Hand. "Los, fesselt diesen kleinen Teufel. Wir bringen sie...". Alaryah verlor das Bewusstsein, bevor sie den Satz zuende gehört hatte.

Langsam öffnete die Albin die Augen. Ihr Kopf dröhnte und so gut wie jeder Muskel in ihrem Körper rebellierte bei schon der kleinsten Bewegung. Es dauerte einige Momente, bis sie sich orientiert hatte. Alaryah schmeckte Blut, die Schläge und Tritte hatten Spuren hinterlassen. Sie lag auf der Seite. Mit dem Rücken an einer Wand. Es war duster um sie herum. Nur hier und da fielen Lichtstrahlen in den Raum. In den Raum? Sie war nicht draußen? Wo hatte man sie hingebracht? Vorsichtig hob die kleine Albin den Kopf. Sie schaffte es tatsächlich nach einiger Zeit einen Überblick zu bekommen. Man hatte sie gefesselt und in einen Raum gelegt, scheinbar befand sie sich nun in dem Turm, den sie versucht hatten unbemerkt zu erreichen. Etwas weiter entfernt kauerte Jaro an Treppenstufen gelehnt, ebenfalls gefesselt. Er schien in tiefen Gedanken versunken zu sein. Kirona hatte man in Ketten gelegt geknebelt und die Augen verbunden. Sie lag einfach nur da. War sie noch am Leben? Ja. Alaryah konnte eine schwache Atmung bei Kirona feststellen, so gut war ihr Blick dann doch noch und das trotz einer dicken Schwellung am linken Auge. "Jaro.", flüsterte sie. Keine Reaktion. "Jaro!", dieses Mal lauter. Er hob den Kopf, sah sich um. "Jaro, hier drüben.", sagte Alaryah schwach und versuchte zu lächeln. Sie war froh, dass sie alle noch am Leben waren. Unbeholfen versuchte sich Alaryah das Blut vom Mund mit dem Oberarm abzuwischen, doch gab sie es aufgrund stechender Schmerzen auf. "Jaro, was tun wir jetzt nur?", fragte sie so leise wie möglich über die Entfernung zwischen den beiden hinweg. "Was ist passiert? Wie kamen wir hier her? Bist du verletzt?". Wie sollte es nur weitergehen?

Jaro Ballivòr
Obwohl ihm bewusst war, dass er im Selbstmitleid versank, wehrte sich Jaro nicht dagegen. Er starrte mit gesenktem Kopf gerade aus, ohne etwas zu fixieren. Bis Alaryahs Stimme in sein Bewusstsein drang. "E... es tut mir leid", flüsterte er, doch es war viel zu leise, als dass sie es hätte hören können. "Mir geht es gut", sagte er lauter. "ich hoffe dir auch?" Er konnte ihre Blessuren deutlich erkennen und ebenso, wie aufwendig Kirona fixiert war. Vermutlich hatte die Frau sich gewehrt wie der Teufel. "Der eine Kerl hat mir gesagt, dass sie uns ausfragen wollen. Sie müssen wissen, wer wir sind und was wir hier wollen." Er verstummte einen Augenblick. "Tut mir leid, dass ich uns in die Falle geritten habe." Dieses Mal brachte er den Mut auf, seine Entschuldigung lauter auszusprechen. "Aber immerhin sind wir jetzt drin, oder?" Ein schwaches Lächeln kroch auf seine Lippen. "Wir sind ganz unten", fuhr er dann fort, als ihm einfiel, dass Alaryah bewusstlos gewesen war, als sie sie brachten. "Und ich glaube wir sind allein, alle Männer sind draußen und beratschlagen irgendetwas."
Tatsächlich hatte er schon darüber nachgedacht, die Treppe hoch zu kriechen, doch er fühlte sich durch die Furcht, alles nur noch schlimmer zu machen, seltsam gelähmt. "Ich denke uns bleibt nichts, als abzuwarten. Vielleicht können wir die Männer irgendwie überzeugen, dass sie uns laufen lassen und wir kommen wann anders wieder..."

Alaryah Schattenwind
"Wir müssen uns irgendwie befreien.", meinte Alaryah und prüfte ihre Fesseln. Da war ohne Hilfsmittel nichts zu machen. Sie waren doch schon so nah an ihrem Ziel. Sie konnten doch nun nicht auf den letzten Metern scheitern? Alaryah schaute sich noch einmal in dem Raum um. "Kannst du dich bewegen?", fragte die Albin Jaro, der schließlich nickte. "Irgendetwas stimmt mit meiner Hand nicht.", murmelte Alaryah und erinnerte sich dann an den Schlag, den sie mit dem Axtblatt abbekommen hatte. Hoffentlich war nichts gebrochen. "Unsere Ausrüstung ist nicht hier.", stellte Jaro fest. "Wir müssen unsere Fesseln loswerden. Wir haben nicht viel Zeit.". Alaryah schaute zu Kirona. Wie um alles in der Welt sollten sie die Ketten lösen? "Wir werden es nicht rechtzeitig schaffen.", stellte die Albin fest. "Jaro, wir müssen Kirona zurücklassen und zu zweit auf die Turmspitze. Sie werden ihr nichts tun, solange sie nach uns suchen.". Zumindest hoffte Alaryah dies. "Mir gefällt das auch nicht, doch anders werden wir den Eingang nicht versiegeln können. Zumindest nicht, bevor die Kerle dahinterkommen was sie hier genau bewachen.". Dann traf Alaryah eine Erkenntnis. Wo war der Stein?! Vor Schmerzen die Zähne aufeinanderbeißend tastete die Albin nun nach ihrer Gürteltasche. Tatsächlich waren ihre Häscher unachtsam gewesen und hatten ihr diese Tasche gelassen. Ein Glück, der Stein war noch da! "Ich habe den Stein noch.", flüsterte die Albin und ein hauch Optimismus schwang in ihrer Stimme mit und das trotz ihrer Blessuren und der Situation, in der sie sich befanden. "Jaro, sag, siehst du hier irgendwas, womit wir die Seile durchtrennen können? Eine Scherbe, ein Stein, irgendwas?".

Jaro Ballivòr
Jaros Blick huschte über den Boden. Nichts. Er kniff die Augen zusammen und späte in die Nischen am Rand. Es gab dort einen Tisch, ein paar Stühle, eine Feuerstelle. Leise kroch er ein Stück darauf zu. "Dort gibt es Krüge... vielleicht gibt es auch Messer." Er kroch weiter auf den Essplatz zu und hievte sich an einem Stuhl nach oben. Tatsächlich. Jemand hatte Wurst und Brot zurück gelassen und ein Stück Käse, in dem ein Messer steckte. Besonders gründlich schienen ihm diese Männer nicht zu sein... Mit samt dem Käse hob er es an und machte sich an den beschwerlichen Rückweg. "Sieh nur!" Neben Alaryah angekommen, hielt er stolz das Messer hoch. Er schüttelte es ein, zwei Mal, doch der Käse wollte sich einfach nicht lösen. Schließlich musste er ihn unter der Treppe einhaken, um die Klinge zu befreien. "Hier." Er drückte Alaryah den Griff in die Hand, um seine Fesseln zu lösen. Bei ihm hatten sie offenbar die wenigsten Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Das Messer war stumpf und tatsächlich nur zum Essen zu gebrauchen, doch Jaro rieb und rieb, bis der Strick endlich nachgab. Hektisch striff er losen Enden ab und machte sich an denen, an seinen Füßen zu schaffen. Dann begann er Alaryah zu befreien. "Ok", seufzte er. Schweiß rann ihm den Rücken hinab. "Dann hoch."

Alaryah Schattenwind
Jaro half ihr auf die Beine. Zittrig hielt sich die Albin. "Warte...warte bitte einen Moment.". Dann hatte sich Alaryah endlich gefangen. "Gut, dann los.". Gemeinsam traten die beiden ihren Weg nach oben an, warfen dennoch einen Blick auf Kirona, die sie zurücklassen mussten. Der Weg die Treppen hinauf war beschwerlich. Alaryah stieß zuerst an ihre Grenzen und Jaro musste sie stützen, damit sie überhaupt noch weiterhin vorankamen. Weiter und weiter schleppten sich die beiden die Stufen hinauf, doch die Wendeltreppe schien kein Ende zu nehmen. Zwischendurch kamen sie an einem Fenster vorbei und erkannten nur so, wie weit sie sich schon vom Boden entfernt hatten. Dann endlich...eine Tür. Sie hielten inne. "Wir haben keine Wahl.", meinte Alaryah und legte ihre Hand auf die Klinke. Sie atmete tief durch. Ein leises Klicken ertönte, als Alaryah die Klinke herunterdrückte und knarrend öffnete sie die Tür. Sie waren im oberen Turmzimmer angekommen. Niemand war dort. Mehrere Kisten standen an den Wänden, scheinbar hatte man diesen Raum als Lagerplatz genutzt. Weiter nach oben ging es nicht. "Was...was nun?", fragte Jaro und Alaryah war ratlos. Sie zog den Stein aus ihrer Tasche hervor. Nirgendwo gab es so etwas wie eine Tür oder ein Schloss, wo man den Stein hätte einlegen können. "Vielleicht finden wir hier wenigstens irgendetwas, was uns helfen kann.", sagte Alaryah schließlich und so durchsuchten die beiden schnell und leise den Raum. Sie fanden etwas Verbandszeug, diverse Ausrüstungsgegenstände und Haushaltswaren. "Jaro, ich glaube wir...". Es polterte hinter Alaryah und sie fuhr erschrocken herum. Jaro war über einen Teppich gestolpert und kam gerade wieder auf die Beine. "Ist alles in Ordnung?", fragte Alaryah und ging zu Jaro hinüber, dann hielt sie schlagartig inne. "Jaro, sieh nur!". Sie deutete auf eine Bodenluke, die vorher unter dem Teppich verborgen geblieben war. "Vielleicht ist genau DAS der Eingang?", fragte sie und lächelte. "Womöglich hast du unser nächstes Ziel gefunden, Jaro.". Gemeinsam öffneten sie die Luke. Darunter war nur endloses Schwarz. Scheinbar bohrte sich dieser Schacht komplett durch die Mitte des Turms bis unter den Hügel. "Der gesamte Treppenaufgang...die Mitte des Turms...ist also hohl?!", stellte Alaryah fest und schaute Jaro erstaunt an. "Wir müssen irgendwie da runter.", murmelte die Albin und versuchte in der tiefen Dunkelheit etwas zu erkennen. Sie meinte sogar Geräusche von unten zu hören, doch scheinbar spielten ihr ihre Gedanken und die vorherigen Schläge gegen den Kopf einen Streich.
~ Die größte Offenbarung ist die Stille ~

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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#52

Beitrag von Alaryah Schattenwind » So 21. Okt 2018, 16:24

Jaro Ballivòr
Selbst Jaros Augen erkannten nichts als Schwärze. Er kniff die Augen zusammen, doch es war sinnlos. Schon nach wenigen Metern konnte er nicht einmal mehr das runde Gemäuer des Schachts ausmachen. Der Gedanke dort hinab zu steigen, schauderte ihn. Die Luft roch feucht und war kalt. Eines stand fest: dieses Loch war verdammt tief... Tief genug, um zu einer unterirdischen Festung zu führen? Er schluckte und sah Alaryah an, die schon über den Weg hinab zu grübeln schien.
"Wenn die Soldaten hier abgestellt sind, um den Eingang zu bewachen", überlegte Jaro laut, "dann kennt ihr Auftraggeber diesen Schacht und will ihn vielleicht auch einmal benutzen... Vielleicht haben wir Glück, und er hat die Ausrüstung dafür schon hierher gebracht!" Gemeinsam machten sie sich erneut daran, das kleine Turmzimmer zu durchsuchen. Alaryah ging zielstrebig zu den Ausrüstungsgegenständen, die sie zuvor schon entdeckt und relativ ungesehen zur Seite geschoben hatte. Tatsächlich mussten sie nicht lange suchen. In einer Kiste lag ordentlich aufgerollt ein langes Seil, das locker so dick wie zwei von Jaros Fingern war. Direkt darunter befand sich eine Art Geschirr, das Jaro an Halfter für Pferde erinnerte. Alaryah schien zu wissen, wofür es gedacht war, denn sie nahm es sofort heraus und stieg mit beiden Beinen hinein. "Das ist genau für diesen Zweck hier", murmelte sie. Unterdessen arbeitete Jaro sich durch benachbarte Boxen und fand schnell ein paar kleine Fackeln.
"So weit, so gut", sagte er aufgeregt. "Aber wie sollen wir das Seil befestigen?" Der Gedanke, er müsse Alaryah halten, die entschlossen schien, selbst hinab zu steigen, jagte ihm Angst ein. Wenn er sie fallen ließ... Nervös blickte er sich um, ob es irgendwo Befestigungsmöglichkeiten gab.

Alaryah Schattenwind
Kurze Zeit später hatte Alaryah die Kletterausrüstung auch schon angelegt. So stand sie erst ein paar Augenblicke da, starrte wieder in die Tiefe. "Meinst du, der hier hält?", hörte Alaryah Jaro schließlich fragen. Sie schaute hinüber. Jaro deutete zu einem in der Wand eingelassenen Metallring. Scheinbar hatte man dort in der Vergangenheit ebenfalls Gefangene gehalten. Alaryah nickte und gemeinsam befestigten sie das eine Ende des Seils mit einem dicken Knoten an dem Ring, das andere Ende band Jaro an die dafür vorgesehen Öse an der Rückseite von Alaryahs Klettergeschirr. "Du musst mich nach und nach runterlassen.", stellte Alaryah fest und bemerkte schnell, dass Jaro leicht das Gesicht verzog. "Keine Sorge, ich bin nicht so schwer.". Sie entzündete eine der Fackeln und umfasste noch einmal den kleinen Stein in ihrer Tasche. Er war immer noch dort. "Dann mal los.", sagte Jaro, nachdem er einmal tief durchgeatmet hatte. Alaryah setzte sich auf die Kante, sodass ihre Beine über der Leere baumelten. Auch ihr war nicht ganz wohl bei der Sache. "Oh Jaro, warte! Du solltest die Handschuhe anziehen! Falls ich abrutsche hast du besseren Halt und reisst dir nicht die Hände am Seil auf!". Ein guter Hinweis. Dann ging es endlich los. Die kleine Albin schloss die Augen, holte tief Luft und schwang sich hinab in die Dunkelheit. Noch hatte Jaro keine Probleme das Seil sicher zu halten. In kontrollierten, fast gleichen Abständen ließ er etwas locker, sodass die Albin vorankam. "Lass mich bitte nicht fallen.", hatte sie noch gesagt und seltsam gelächelt. Erneut schaute Jaro über die Kante. Der Fackelschein war erschreckend geschrumpft, doch immer noch zu sehen. Manchmal, wenn Alaryah da so baumelte, warf sie schaurige und lange Schatten an die Wände. Es war, als würden dunkle Gestalten nach ihr greifen... Jaro schüttelte den Kopf und konzentrierte sich wieder. Wann mochte sie dort unten ankommen? Und vor allem...Was, wenn dort schon jemand oder etwas auf sie wartete?!

Jaro Ballivòr
Immer wieder spähte Jaro hinab, dabei wusste er gar nicht, was zu sehen hoffte. Vielleicht wollte er einfach nur sicher gehen, dass die Fackel noch brannte. Pausenlos hielt er die Muskeln angespannt und stemmte sich mit seinen Füßen gegen den Rand des Schachts. Alaryah wog tatsächlich nicht viel, doch die Furcht, sie fallen zu lassen, saß tief in Jaros Knochen. Auch wollte er bereit sein, falls sie in Gefahr geriet und er sie schnell wieder hochziehen musste. Er merkte nicht einmal, dass er viel fester zupackte, als nötig gewesen wäre und bald begannen seine Hände vor Anstrengung zu zittern. Schweiß trat Jaro auf die Stirn. Hinzu kam, dass er ständig fürchtete, jemand könnte ihr Verschwinden bemerkt haben und die Treppe hinauf eilen. Was sollte er dann machen? Er konnte ja schlecht einfach loslassen... In Gedanken versunken und von der Erschöpfung schon ein wenig eingelullt, geschah es dann. Jaro verlor den Halt mit seinem rechten Fuß und kippte zurück. Vor Schreck entglitt ihm fast das Seil und als er wieder zupackte, ruckte es ihn regelrecht nach vorn, sodass er einen Moment lang fürchtete, in die Tiefe zu stürzen. Das Herz schlug ihm bis zum Hals und Schwindel nahm ihm die Sicht. Aus der Tiefe hörte er Alaryah schreien oder fluchen, er konnte ihre Worte nicht verstehen. Wild atmend stemmte Jaro sich wieder so fest er konnte gegen das Seil und brauchte einen Augenblick, bis er Alaryah das nächste Stück ablassen konnte. Er wollte ihr zurufen, ob alles in Ordnung sei, doch seine Stimme versagte ihm., während ihm weiter der eigene Herzschlag in den Ohren dröhnte.

Alaryah Schattenwind
Die Eintönigkeit der kargen Wände und das Gefühl schon wieder viel zu weit unter der Erde zu sein bedrückten Alaryah. Ihre Fackel spendete weiterhin Licht, doch wie lange mochte dies noch so bleiben? Wieder und wieder hielt sie die Fackel so weit unter sich, wie es nur ging. Vor Alaryahs innerem Auge krochen schon wieder Gestalten aus der Dunkelheit...doch zwang sie sich zur Ruhe. Plötzlich gab das Seil, gerade als Alaryah den nächsten Teil der Strecke hinter sich brachte, abrupt nach und die Albin raste hinab. Sie schrie erschrocken auf, versuchte sich festzuhalten, doch vergeblich. Panik hatte von Alaryah Besitz ergriffen. Durch den Fall wäre beinahe die Fackel erloschen, doch dann schien das Seil wieder einzurasten. Unsanft prallte die Albin gegen eine der Seitenwände, sämtliche Luft wurde aus ihrer Lunge gepresst. War Jaro einfach nur abgerutscht, oder schwebte er in Gefahr? Alaryah konnte es nicht mit Sicherheit sagen. Sie schnaufte mehrmals um wieder zu Atem zu kommen, doch auch ihre Rufe blieben unbeantwortet. Dann ließ man ihr wieder Seil und die Reise nach unten konnte weitergehen. Erst jetzt merkte die Albin die Schmerzen, die sie durch den "glücklichen" Halt erlitten hatte. Blutergüsse und Schürfwunden würde es geben, so viel war sicher. Dann riss sie die Augen auf. War der Stein noch da?! Hastig tastete Alaryah nach ihrer Gürteltasche. Der Stein befand sich weiterhin an seinem Ort, war jedoch erstaunlich kühl geworden. Es machte sogar den Anschein, dass ein schwaches Licht in ihm verglomm.
Jaro bekam von all dem gerade nichts mit. Mit Mühe und Not hatte er den Sturz gebremst, verfluchte sich innerlich. Er hoffte, dass Alaryah nichts passiert war...
Alaryah bemerkte plötzlich mehrere Steine in der Wand, die auffälliger waren als andere. Seltsame Schriftzeichen waren dort eingraviert und je tiefer sie kam, desto mehr wurden es. Dann offenbarte der Fackelschein Alaryah etwas, was sie nicht in diesen Tiefen erwartet hatte...

Jaro Ballivòr
Irgendwann viel später brachte Jaro es dann doch über sich, zu rufen. "Alaryah?", sagte er gerade in Zimmerlautstärke. Er wusste nicht, wie laut er sein durfte, ohne durch das ganze Treppenhaus gehört zu werden. Vielleicht hatte er Glück und der Ton hallte im Schacht so laut nach, dass Alaryah ihn hörte? "A... Alaryah?" Er versuchte es etwas lauter. Hoffentlich hatte sie sich nichts getan! Er hatte sie einfach weiter hinab gelassen wie vereinbart und erst jetzt, da der Schock endlich nachließ, wurde ihm bewusst, dass sie sich ernsthaft verletzt haben könnte. Immerhin hing sie noch am Seil, das spürte er, doch was, wenn sie bewusstlos war? "Alar-" Ein plötzlicher Zug am Seil ließ Jaro inne halten. Wieder - dieses Mal fester. Und dann noch einmal und noch einmal in kürzeren Abständen. Das war ihr vereinbartes Zeichen. Er musste sie hochziehen. Langsam und konzentriert gab Jaro das Seil von Hand zu Hand. Auf keinen Fall wollte er sich einen weiteren Lapsus erlauben. Doch sein Stand war fest und die Aussicht, Alaryah dort wieder hinaus zu kriegen, gab ihm zusätzlich Kraft. Stück für Stück zog er, obwohl seine Arme bereits brannten und als er vorsichtig über den Rand spähte sah er erleichtert, wie nahe das Licht schon war. Er wagte, die Geschwindigkeit zu erhöhen und schließlich zog sich Alaryah selbst über den Rand. Sie öffnete den Mund, um etwas zu sagen, da polterte es weiter unten im Turm. Rufe ertönten, Fußgetrappel, klirrendes Metall. Jaro und Alaryah sahen sich an. Ihr Verschwinden war bemerkt worden und schon jetzt eilten Männer die Treppe hinauf.

Alaryah Schattenwind
"Verdammt.", fluchte die Albin und verzog grimmig das Gesicht. "Was machen wir denn jetzt?!". Sie sah sich um. "Wir müssen die Tür verbarrikadieren!". Die beiden hasteten umher, schoben ein paar Kisten vor die Tür. Es würde nicht sonderlich lang helfen, so viel war sicher. "Wir dürfen nicht zulassen, dass dieser Eingang offen bleibt.", sagte Alaryah schließlich und atmete schwer. Sie trug immer noch ihre Kletterausrüstung, weiterhin das Seil hinter sich herschleifend. "Ich weiss allerdings nicht, WIE wir diesen hier versiegeln sollen.". Mit der Faust schlug Alaryah dumpf auf eine der Kisten. "Der Stein hat einmal schwach geleuchtet, glaube ich zumindest.". Die Geräusche hinter der Tür kamen näher. "Was hast du denn dort unten gesehen? Eine Tür? Eine Luke? Irgendwas?", versuchte Jaro zu helfen. Alaryah schüttelte den Kopf. "Ich kam hinterher an gravierten Steinen vorbei und...". Weiter kam sie nicht. Jemand trat von außen gegen die Tür. "Ihr könnt euch nicht verstecken!", dröhnte es von dort. "Wir kommen jetzt rein und stechen euch ab!". Alaryah und Jaro warfen sich gegen die provisorisch aufgeschichtete Barrikade, wurden von dem wüsten Ansturm jedoch mehrmals zurückgeworfen. "Jaro, was sollen wir tun?!". Zum ersten Mal seit ihrer ersten Begegnung erkannte Jaro Panik und Furcht in Alaryahs Augen. Die Situation war überaus verzwickt. Sie hatten nur eine Kletterausrüstung und die würde sie nicht beide halten, sollten sie denn den Weg nach unten wählen. Außerdem blieb nicht die Zeit für einen sicheren Abstieg, so lange würden Tür und Barrikade nicht halten. Sollten sie bleiben und kämpfen? Was war mit Kirona? War sie noch am Leben? Plötzlich ging alles sehr schnell. Ein weiterer Ansturm von außen schmetterte gegen das Holz und die Tür flog aus den Angeln. Langsam aber stetig arbeiteten sich Äxte und Streitkolben hindurch, etwas weiter entfernt kamen Alaryah und Jaro wieder auf die Beine. "Das war es dann wohl.", keuchte Alaryah und zog ihre Waffen. Über die Schulter hinweg sah sie zu Jaro, Tränen stiegen ihr in die Augen. Schnell huschte sie zu ihm hinüber, schloss die Augen und drückte ihre Stirn an seine. "Wir werden uns wiedersehen.", sagte die Albin mit zittriger Stimme und wirbelte herum, als das Holz nun endgültig und krachend nachgab.
Mehrere Schergen betraten den Raum und reihten sich nebeneinander auf wie Raubtiere, die den Kreis um ihre Beute enger ziehen wollten. Mit einem Stoßgebet in Gedanken und einem Kampfschrei auf den Lippen stürmte Alaryah voran. Dann passierte jedoch etwas, mit dem sie nicht gerechnet hatte. Von der Seite raste einer der Männer heran, lief genau in die kleine, zierliche Albin hinein und stieß sie mit der Schulter um. Alaryah wartete auf den harten und unangenehmen Aufprall...doch er blieb aus. Sie fiel. Und fiel. UND FIEL!?

Jaro Ballivòr
Eine allgemeine Atempause entstand, als alle Augen im Raum auf den Schacht gerichtet waren, der soeben Alaryah und den Wächter geschluckt hatte. Nur langsam kam die Botschaft in Jaros Bewusstsein an... Alaryah... die Luft blieb ihm weg, er taumelte und musste sich auf einer der Kisten abstützen, um nicht zu fallen. Nein! Alaryah! Gegenüber räusperte sich jemand und als Jaro den Kopf wandte, blickten sich die Männer untereinander an, wie um sich an ihr eigentliches Vorhaben zu erinnern. Jaro schluckte. Er wich weiter zurück und stieß gegen den nächsten Stapel wahlloser Kisten und Gegenstände. Es gab keinen Ausweg. Langsam kamen die Schergen auf ihn zu und Jaro wusste nicht, ob sie mit ihm spielten oder ob sie irrsinnigerweise Angst hatten. Von der eigenen Panik getrieben, sprintete Jaro los. Wenn er die Reihe durchbrechen und ins Treppenhaus gelangen konnte, konnte er es schaffen. Doch er kam nicht weit. Schmerzhaft prallte er gegen den ausgestreckten Arm eines Postens, wurde ausgehebelt und fiel auf den Rücken. Sämtliche Luft wurde aus seiner Lunge gepresst. Dann drückte ihn ein Fuß auf den Boden und eine Klinge erschien in seinem flimmernden Blickfeld. "So, Freundchen. Das war's jetzt."
"Aber... was ist mit der Befragung?", warf ein anderer ein.
"Scheiß auf die Befragung! Mir gefällt die ganze Sache nicht. Sie sind Eindringlinge und wir machen sie weg. Erst den da und dann die Wahnsinnige dort unten." Er wies zur Tür. Wie auf Kommando, betrat in diesem Moment noch jemand den Raum.
"Nimm die Klinge weg, Branhard."
"Wieso sollte ich? Die dreckigen Alben haben im verbotenen Raum herumgeschmuggelt. Sie haben das hier gefunden," wobei er auf den Schacht wies, "glaubst du, die Meister lassen uns ganz, wenn sie erfahren, dass wir sie haben laufen lassen?"
"Sein Leben für meines. Ich schulde es ihm."
Einen Moment herrschte Stille. Dann erhöhte sich der Stiefeldruck auf Jaros Brust und der Mann namens Branhard knurrte. "Scheiß auf dein Leben, Wibalt!" Er holte mit der Klinge aus und Jaro sah sein eigenes entsetzte Spiegelbild darin, ehe das schmatzende Geräusch von Stahl in Fleisch ertönte. Doch der Schmerz blieb aus. Branhard röchelte und als Jaro einen Blick nach oben riskierte, sah er, wie Wibalt sein eigenes Schwert aus dem Hals des Mannes zog. Sofort setzte Gemurmel ein. Ein Mann griff Wibalt an, der ihn abwehrte, ohne ihn zu verletzten. "Hört mir zu!", rief er. "Hier ist etwas Böses am Werk, etwas Dunkles. Wir hätten uns nie darauf einlassen dürfen."
"Feigling!", spuckte ein anderer aus und mehrere fielen in seine Proteste ein. Doch einige schlugen sich auch auf Wibalts Seite und ehe Jaro sich versah, brachen um ihn herum Gefechte aus. Rückwärts robbte er in Richtung Tür und hatte dabei Mühe, den Füßen und Waffen der Kämpfenden auszuweichen. Sein Blick fiel auf den Schacht und Verzweiflung schnürte ihm einmal mehr die Kehle zu. Alaryah... erst jetzt wurde ihm so richtig bewusst, dass er seine Freundin für immer in der Tiefe verloren hatte.

Alaryah Schattenwind
Alaryah öffnete die Augen. Im freien Fall raste sie dem Abgrund entgegen. Sie war nicht allein? Einer der Schergen fiel ebenfalls mit ihr den Schacht hinab, versuchte wieder und wieder die Albin zu greifen, das Gesicht von Wut und Hass verzerrt. Er wollte sie immer noch umbringen! Alaryah wehrte die groben Angriffe ab. Irgendwann bekam der Kerl sie jedoch mit einem groben Griff zu packen. Er zog die kleine Albin mühelos zu sich, und tastete nach seinem schartigen Messer am Gürtel. "Du gehst hier vor mir drauf, Kurze!", sagte er mit mehr als feuchter Aussprache und grinste. Alaryah dachte nicht lange nach und schlug dem Kerl die Faust ins Gesicht, wieder und wieder. Ihr Körper reagierte von selbst, von purem Überlebenswillen gesteuert. Endlich ließ der Mann von ihr ab, schlug mit dem Kopf an die Wand des Schachts und prallte davon ab. Alaryah griff nach dem Stein in ihrer Tasche. Jetzt konnte ihr niemand mehr helfen. Alles war umsonst gewesen. Wahrscheinlich hatten die Kerle Kirona feige abgestochen, ohne, dass sie auch nur den Hauch einer Chance hatt sich zu wehren. Und was mochten sie erst mit Jaro anstellen? Alaryahs Blickfeld wurde verschwommen, sie fiel schneller als ihre Tränen, schneller als der Scherge, der erneut gegen die Wand prallte und...schneller als der Stein! Sie schloss die Augen. Der Stein, der nun wieder schwach leuchtete, war ihren Fingern entglitten. So nah und doch so fern vom Ziel. Sie hatten versagt. Sie hatte versagt.
Alaryahs Fall wurde gebremst, sie prallte von etwas ab und erinnerte sich. Da waren diese Wurzeln gewesen! Viele feine Wurzeln, die eine netzartige Struktur gebildet hatten. Die Steine mit den Schriftzeichen tauchten um sie herum auf. Sie war in etwa dort, wo ihr erster Abstieg geendet hatte. Es knirschte laut, als Alaryah durch zahllose Schichten Wurzelwerk fiel, weitere feine Äste brachen, als der Scherge folgte. Die kleine Albin schrie wie am Spieß, als die weichen Wurzeln von Ästen und Dornen abgelöst wurden. Dann endete Alaryahs Sturz endgültig. Sie blieb in einer Astgabelung hängen, hatte überall Kratzer und Schnitte, blutete aus schier unzähligen kleinen Wunden. Der Scherge landete schließlich auf einer Art Moosfläche, nicht weit unter ihr. Sie hatten den Boden erreicht! Doch wo war die Luke? Wo war die Tür, das Portal? Alaryah schaute nach oben. Ein kleines Licht raste auf sie zu. Es wurde heller und heller. Die Albin verdeckte unbeholfen die Augen mit ihrem linken Arm, während sie sich mit dem anderen an der Astgabel festhielt. "Wir...sind...noch nicht fertig!", krächzte der Soldat von unten und versuchte auf die Beine zu kommen. Dann schoss das Licht an Alaryah vorbei und erst jetzt ging ihr auf, dass es sich um den Stein handeln musste, den sie zum Versiegeln des Eingangs mitgenommen hatte. Durch den freien Fall, die Luftströme, schien er seine Kraft entfesselt zu haben! Kurz vor dem Wächter platzte der Stein auf und es war, als würde ein Sturm tosen. Alaryah hatte Mühe, sich an dem bröckelnden Ast festzuhalten. Dann grollte es, wie ein Gewitter in der Ferne und der Stein löste sich endgültig auf. Eine Wolke breitete sich aus und versperrte die Sicht auf den Mann am Boden mehr und mehr. Er fluchte, warf Alaryah Verwünschungen entgegen, die jedoch leiser und leiser wurden. Sie zog an dem Seil. Die Wolke breitete sich weiter aus und wurde dichter. Der Kerl war nun nicht mehr zu sehen, seine Rufe waren kaum mehr als ein Flüstern. Ihre letzten Kräfte aufbringend und voller Verzweifelung riss Alaryah an dem Seil, welches schlaff nachgab. "Nein...bitte...", flehte sie leise. "Bitte..."

Jaro Ballivòr
Das Seil zuckte. Jaro verharrte wie vom Blitz getroffen. Er starrte auf den Strick. Hatte er sich das nur eingebildet? Sah er nur, was er sehen wollte? Eilig sah er sich um. Die Tür war nah. Die Männer rangen noch immer miteinander, wobei zwei schon stöhnend am Boden lagen, ihre Hände auf verschiedene Wunden gepresst. Sollte er es riskieren... oder fliehen? Jaro presste die Lippen aufeinander und schalt sich innerlich für diese Frage. Selbstverständlich würde er nachsehen! Wenn es nur die geringste Chance gab, dass Alaryah noch lebte, musste er sie ergreifen. Unauffällig änderte er seine Richtung und bewegte sich auf das Loch im Boden zu. Endlich erreichte er das Seil und zögerte kurz. Was, wenn er daran zog und keine Antwort kam? Er verscheuchte den Gedanken. Es war ein ganzes Stück mehr im Schacht verschwunden als zuvor, doch noch immer war das Seil nicht stramm. Vorsichtig zog er, erst sachte, dann bestimmter... und er bekam eine Antwort! Bitte, lass es Alaryah sein, flehte er im Stillen. Sitzend stemmte er sich gegen den Rand und zog. Sie war es, das erkannte er sofort am Gegengewicht. Verstohlen sah er sich um, doch noch schien niemand bemerkt zu haben, was er tat. Im Vergleich zu vorher zog Jaro wesentlich schneller. Er durfte keine Zeit verlieren! Bitte, bitte!, flehte er stumm.
"Was tust du da du Wurm?", grollte plötzlich eine Stimme und Jaros Herz sank in die Hose. Der Mann stieß seinen Gegner zur Seite und kam auf ihn zu. Im Hintergrund rappelte sich der Kämpfer auf, der auf Wibalts Seite gestanden hatte. Doch anstelle anzugreifen, trat er neben den Mann und runzelte die Stirn.
"Diesen Sturz kann doch keiner überlebt haben. Lass gut sein Junge, du ziehst eine Leiche da raus."
Ohne zu antworten, zog Jaro weiter.
"Nein. Die lebt. Und er weiß das", knurrte der erste. Mit erhobener Waffe ging er weiter auf Jaro zu, dem nun zum wiederholten Mal die Panik in die Glieder kroch.
"Halt." Wibalt trat dem Angreifer in den Weg. "Ich-" Weiter kam er nicht. Ein Schwert ragte aus seiner Seite. Jaro sah, wie er beinahe ungläubig den Kopf drehte und den Mann erblickte, den er vermutlich schon besiegt geglaubt hatte. Dann ging er zu Boden.
"So... dein Leben für seines also. Dafür kann ich sorgen."
Böse grinsend setzte der Krieger an, das letzte Stück zu Jaro zu überbrücken.

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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#53

Beitrag von Jaro Ballivòr » Fr 26. Okt 2018, 16:00

Alaryah Schattenwind
Alaryah konnte ihre Tränen nun nicht mehr zurückhalten. Mutlos sank sie in sich zusammen, nur schwach hielt sie gerade noch so das Seil fest. Doch dann...Eine Reaktion! Jemand war dort oben! War es Jaro? Ihre Gedanken drehten sich im Kreis. War er noch am Leben? Wurde sie gerade von einem der Schergen geborgen, der eigentlich seinen Kameraden an ihrem Ende des Seils erwartete? Was, wenn es wirklich so war? Was mochte man dann mit ihr anstellen? Alaryah hielt sich so gut sie konnte fest. Nur unter Aufbringung all ihrer noch verbliebenen Kräfte schien es der Albin möglich, sich wieder und wieder von der kalten Steinwand abzustützen. Aber es ging hinauf! Weiter und weiter! Ihre Arme zitterten, ihre Beine waren taub und es schien, als würde der Klettergurt an allen Stellen einschneiden und für brennenden, scheuernden Schmerz sorgen. Alaryah biss sich auf die Unterlippe. "Wach bleiben.", flüsterte sie sich selbst zu. "Bleib. Wach.". Wieder und wieder kippte ihr Kopf zur Seite. Warum war das alles so anstrengend? Eher halbherzig versuchte Alaryah dann sich einen Überblick über ihre Verletzungen zu verschaffen, doch schon bald gab sie auch das auf. Egal, wo sie tastete und fühlte, überall schien nur Schmerz und Blut zu warten. Sie hustete. Doch dann war es soweit! Sie konnte einen Lichtschein sehen! Dort oben! Wieder waren Geräusche von oben zu hören. Jemand sprach dort. Dann wurde die kleine Albin plötzlich gepackt und über die Kante gezogen. Hatte Jaro immer noch solche Kräfte aufbringen können? Schwer atmend lag Alaryah auf dem Bauch, hob dann aber langsam den Kopf. Vor ihr konnte sie nur ein Paar Stiefel erkennen, weiter hinten im Raum lagen mehrere Gestalten am Boden. Jaro stand dort. Alaryah hob nun auch ihren Arm, wollte nach Jaro greifen, der jedoch viel weiter als ihre Armlänge entfernt war. Ihre Hand begann zu zittern, dann verließen Alaryah auch die letzten Kräfte und leise seufzend fiel sie ihn eine düstere Ohnmacht.

Jaro Ballivòr
Es gab nichts, was Jaro hätte tun können, also zog er Alaryah einfach stur weiter nach oben. Der Kerl würde ihn so oder so erreichen, blieb nur zu hoffen, dass Alaryah vorher aus dem Schacht befreit war. Jaros Blick war auf seine Hände geheftet. Er wollte nicht sehen, was da auf ihn zukam. Um ihn herum klirrten noch immer Waffen, trampelten Stiefel über die Dielen und knurrten und stöhnten Männer. Ansonsten geschah allerdings nichts. Müsste ihn der Wächter nicht schon längst erreicht haben? Hatte ein anderer ihn wieder in ein Gefecht verwickelt? Jaro riskierte einen Blick nach oben und runzelte die Stirn. Ein weiterer Mann war im Raum und Jaro war sich sicher, dass er zuvor noch nicht dabei gewesen war. Anders als die anderen trug er einen langen Umhang mit Kapuze. Der Krieger, der Jaro hatte umbringen wollen, lag leblos am Boden. Ebenso ein Großteil der verbliebenen Männer. Jaro sah wieder zu dem Fremden. Er bewegte sich elegant und geschickt, fast schon lässig und war den Gegnern dabei immer einen Schritt voraus. Jaro fiel auf, dass er gegen zwei Männer kämpfte, die sich vorher noch gegenseitig in den Haaren gelegen hatten. Er gehört definitiv nicht zu ihnen, dachte Jaro. Aber hieß das, dass er auf Alaryah und seiner Seite war? Wie war er überhaupt unbemerkt hier hoch gekommen? Mehr Zeit zum Grübeln blieb Jaro nicht. Nacheinander fielen die beiden letzten Wächter und der Fremde drehte sich, nachdem er seine blutigen Klingen an den Kleidern der Gefallenen abgewischt hatte, langsam zu ihm um.
"Hallo Jaro", sagte Linor mit seiner melodischen Stimme. Er lächelte und es war kaum vorstellbar, dass dieselbe Person eben noch mehrfach getötet hatte. "Schön, dich zu sehen."
Jaro konnte nicht behaupten, dass er das ebenso empfand. Noch immer zog er Alaryah mechanisch Stück für Stück nach oben.
"Lass mich machen." Ohne auf eine Antwort zu warten, trat Linor heran und griff das Seil. Misstrauisch wich Jaro ein Stück zurück, behielt den Strick weiter hinten aber in den Händen. Linor ließ die Waldalbin allerdings nicht fallen, sondern zog sie beachtlich schnell heraus. Als Alaryah endlich befreit war, bedeutete Linor Jaro auf Abstand zu bleiben. Die Waldalbin sah furchtbar aus. Auf jedem freien Stück Haut waren Blessuren zu erkennen und unter ihrer Kleidung sah es vermutlich nicht besser aus.
Linor begann sie mit flinken Händen abzutasten. Jaro machte einen Schritt auf ihn zu, doch der Sänger hob erneut eine Hand.
"Keine Sorge, Jaro. Ich werde ihr nichts tun." Seine Stimme hatte einen merkwürdigen Unterton, den Jaro nicht so recht deuten konnte. Trotzdem blieb er stehen und wartete. Linor fummelte zwei Fläschchen heraus. Er begann die ölige Flüssigkeit des einen auf einige größere Verletzungen aufzutragen. Als er schließlich das zweite entkorkte, blickte er Jaro erneut an. "Wirklich, alles gut. Wenn ich sie hätte tot sehen wollen, hätte ich sie einfach wieder hinabfallen lassen." Sein Blick bohrte sich unangenehm in Jaro, der froh war, als Linor sich wieder Alaryah zuwandte. Sachte, beinahe liebevoll, strich er ihr eine Strähne aus dem Gesicht und träufelte ihr ein paar Tropfen der gelblichen Flüssigkeit in den Mund.

Alaryah Schattenwind
Es kam Alaryah vor, als würde sie tauchen. Sie schien in einer trüben Dunkelheit zu schweben, sanft ruderte sie mit ihren Armen. Was war passiert? Jaro. Er war irgendwo in der Nähe gewesen. Alaryah wollte nach ihm rufen, doch kam kein Laut über ihre Lippen. Sie versuchte es wieder und dann noch einmal, jedoch vergeblich. Dann spürte die Albin plötzlich eine ruhige Wärme in ihrem Körper aufsteigen. Es war, als hätte sie gerade warmen Tee im Bauch. Alaryah sah an sich hinunter. Alles schien normal. Die Wärme breitete sich bald schon bis in ihren Brustkorb aus und ging dann in Arme und Beine über. Schließlich spürte Alaryah ein leichtes Kribbeln in den Fingerspitzen und die trübe Dunkelheit verzog sich wie Regenwolken, die die Sonne wieder freigaben.

Mit einem schweren Keuchen schlug Alaryah die Augen auf. Sie prustete und schnappte nach Luft. Panisch suchte die Albin mit ihren Händen nach Halt, als würde sie immer noch im freien Fall sein. Dann packte und fixierte sie ein fester Griff. Jemand hielt sie fest! Erst wandte sie sich verzweifelt, doch dann spürte Alaryah eine sanfte Berührung an ihren Wangen. Sie hielt abrupt inne und ihr Blick traf eine weitere Person, die über sie gebeugt hockte. Erst jetzt erkannte Alaryah Jaro. Er war am Leben! Schlagartig endete ihre Gegenwehr. "Jaro.", stellte sie kaum hörbar fest und ihr linker Mundwinkel zuckte kurz nach oben. "Was ist passiert?", fragte sie, immer noch leise sprechend. Nach und nach erinnerte sie sich. Zuerst fielen Alaryah ihre Schmerzen wieder ein, die sie noch vor wenigen Augenblicken gehabt hatte. Sie waren noch da, doch fühlte sich gerade alles nach Muskelkater und großer, erlittener Belastung an. Der Schmerz war stumpf und bei jeder Bewegung schien ihr Körper nun innerlich zu schreien. Immerhin konnte sie sich noch bewegen! Dann lockerte sich endlich auch der fixierende Griff. Langsam drehte Alaryah den Kopf. "Wie hast du es nur gescha...". Ihre Augen weiteten sich. Das war nicht Kirona. Wibalt schon gar nicht. Konnte das wirklich sein? "Wie...wie konntest du...? Was zum...?!". Alaryah versuchte von Linor wegzukommen. Er kam der Albin jedoch zuvor, erhob sich und trat ein paar Schritte zurück. "Keine Sorge.", sagte er freundlich und hob beruhigend die Hände. "Du hast gute Gefährten.", stellte Linor dann fest und verschloss die Bodenluke zum Schacht. "Jaro? Was macht er hier?!", fragte Alaryah und hielt Jaros Unterarm so fest sie konnte.

Jaro Ballivòr
"Das weiß ich ehrlich gesagt nicht. Er war plötzlich einfach da und...", nervös sah er zu Linor, der ihn amüsiert musterte. "Und er hat uns gerettet." Er berichtete weiter, wie er Alaryah hatte heraufziehen wollen und wie die Männer ihn dabei erwischt hatten. Linors Gesicht war eine kaum zu deutende Maske der Freundlichkeit, was Jaro eine Gänsehaut über den Rücken jagte. Der Kampf hatte keinerlei Spuren an ihm hinterlassen, er schien seiner Lage absolut Herr zu sein und es alles andere als eilig zu haben. Wie als hätte er Jaros Gedanken gelesen, schloss er an Jaros Erläuterungen an.
"Eigentlich war ich nur zufällig hier, wollte hier rasten, doch ich sah, dass etwas nicht stimmte. Als ich dann die gefesselte, na? wie hieß sie noch gleich? Kirona", nahm er Jaros Hinweis an, "dort unten sah, spürte ich einfach, dass ihr in Gefahr seid."
Jaro brauchte Alaryah nicht anzusehen, um zu wissen, dass sie Linor ebenfalls kein Wort glaubte. Er zweifelte sogar, dass Linor diese Hoffnung hegte. Mittlerweile waren es der spontanen Begegnungen schon zu viele um noch zufällig zu sein. Doch was sollten sie tun? Linor zur Rede stellen? Hier und jetzt, in ihrer Lage?
"Nun... ich denke ihr wollt hier nicht bleiben, oder?", beendete der große Sänger die unangenehme Stille. "Eure Freundin kann es bestimmt auch kaum erwarten aus diesen Ketten befreit zu werden."
Jaro half Alaryah auf die Beine, bevor Linor das tun konnte.
"Kannst du gehen?", fragte er leise. Er suchte ihren Blick. Linor hatte nicht gefragt, warum sie eigentlich hier waren. Was, wenn er von den Eingängen wusste?

Alaryah Schattenwind
Es war mühsam, doch Alaryah kämpfte sich auf mit Jaros Unterstützung nach oben. Anders wäre es ihr auch nicht möglich gewesen aufzustehen. "Wir sollten gehen.", sagte Alaryah ohne wirkliche Emotion in ihrer Stimme, was seltsam ungewohnt klang. Jaro wollte mit ihr im Arm gerade den ersten Schritt machen, da hielt Alaryah ihn zurück. "Ihr geht vor.", sagte sie dann in Richtung Linor und deutete schwach auf den von Äxten und Streitkolben zertrümmerten Eingang zum Turmzimmer. "Selbstverständlich doch, ganz wie ihr mögt.", entgegnete Linor mit einer leichten Verbeugung und schief gelegtem Kopf. Dann rauschte er an Jaro und Alaryah vorbei. Langsam aber sicher folgten die beiden. Erst kamen sie nur mit ein paar kleinen Schritten voran, doch irgendwann war es Alaryah möglich den Umständen entsprechend schnell zu gehen. Ab und an mussten sie halten, da Alaryahs Knie zitterten oder ihr Körper anderweitig streikte. Somit verzögerte sich der Abstieg etwas, doch Jaro redete der Albin weiterhin beruhigend zu. Es war überhaupt schon einmal gut, dass sie überhaupt laufen konnte! Jedoch würde es noch einige Zeit dauern, bis sich Alaryah von den vielen kleinen Verletzungen erholt hatte. Beide wussten es, keiner sprach es aus.
Endlich kamen die drei unten an. Es dauerte gefühlt eine halbe Ewigkeit, bis auch Kirona endlich befreit und die kleine Reisegruppe wieder vereint war. "Alaryah, was meinst du, sollten wir...?", begann er, den Blick auf Linor gerichtet, der seine Version der Geschichte nun auch Kirona erzählte. "Nein, Jaro. Wir sagen ihm nichts. Er muss nichts von unserer Reise wissen. Wir sollten wachsam sein.". Jaro nickte und half Alaryah erneut auf die Beine. "Und jetzt sind wir hier.", endete Linor schließlich und machte eine eher beiläufige Geste in Richtung Alaryah und Jaro. "Wir sollten unser Gepäck suchen.", schlug Jaro vor und Alaryah nickte zustimmend, wenn auch müde. "Oh, ihr habt wahrscheinlich Recht.", sagte Linor dann. ""Suchen" ist genau das richtige Wort, mein lieber Freund. Draußen vor der Tür liegen ein paar durchwühlte Taschen, möglicherweise gehört davon ja das ein oder andere euch?". Die drei sahen sich mit großen Augen an. Was, wenn jemand ihre Sachen durchwühlt und auf die Geheimnisse gestoßen war? Was, wenn Linor ebenfalls herumgeschnüffelt hatte?! Bewegung kam in die Runde. Auch draußen lagen leblose Körper, hier hatte jemand ganze Arbeit geleistet. Und tatsächlich: Dort drüben erkannten die Gefährten ihre Habseligkeiten.

Jaro Ballivòr
Mit schnellen Schritten ging Jaro voran, besann sich dann aber eines Besseren. Linor musste nicht wissen, dass es etwas Wichtiges in ihrem Gepäck gab... oder gegeben hatte. Jaro hatte für sich beschlossen, die Suche in die Hand zu nehmen. Alaryah ging es nicht gut und auch Kirona schien noch nicht recht bei Sinnen zu sein. Ihr Blick war leicht entrückt und sie war tief in Gedanken versunken. Während Jaro so tat, als räume er alles wieder ordentlich zusammen, ging der die Habseligkeiten durch. Er begann mit Alaryahs Bündel. Vorsichtig schlichtete er die wenigen Besitztümer neu und entdeckte schließlich die Tafeln von Nativus. Gut, Punkt eins war sicher. Seine eigenen Sachen lagen unweit daneben und auch die Kartenfragmente waren noch da. Die Geldbörse, die er vor einer Ewigkeit Kironas Peinigern abgenommen hatte, war allerdings geleert worden. Damit konnte er leben. Es fehlte nur noch das Kästchen mit den Steinen und damit ihr wichtigstes Gut. Und die Waffen. Jaro sah sich um. Alaryahs Bogen lehnte an der Turmmauer. Die Waldalbin hinkte hingegen gerade auf einen leblosen Wächter zu. Sie murmelte irgendetwas und Jaro hatte den Eindruck, dass es keine freundlichen Worte waren. Mit einem Stöhnen bückte sie sich hinab und entriss dem Toten ihre Langdolche. Ihm hatten sie wie es schien kein Glück beschert. Aber wo waren Kironas Sachen? Wo war das Kästchen? Mit wachsender Unruhe suchte Jaro den Boden ab und warf den beiden Frauen dabei immer wieder schnelle Blicke zu. Linor stand wie beiläufig an den Türrahmen gelehnt und beobachtete das Geschehen. Schließlich räusperte er sich.
"Sucht ihr vielleicht das hier?" Er griff unter seinen Umhang und holte die kleine Schatulle hervor.

Alaryah Schattenwind
Der Ruck, der durch die drei Gefährten ging, war deutlicher zu bemerken als sie es sich erhofft hatten. Sie alle wurden für den Bruchteil einer Sekunde von ihren Emotionen übermannt und nun standen sie da wie gelähmt. "Oh, verzeiht, habe ich euch erschreckt?", fragte Linor in die Runde und ging in einem Halbkreis an den Gefährten vorbei, die dem Sänger mit ihren Blicken folgten. "Einer von den Kerlen...ich glaube es war dieser hier...", erklärte Linor, während er mit der Spitze einer seiner Stiefel an den Helm eines am Boden liegenden Toten tippte "...hat mit einem anderen...der da drüben?". Linor fuhr auf seinem Absatz herum und deutete auf einen anderen Schergen. "Nein...nein, nein. Mit ihm hier.", korrigierte er seinen Fingerzeig, "Mit diesem hat er über eine kleine Kiste geredet, die bei euch gefunden wurde. Sie haben irgendetwas von Edelsteinen gesagt, daher dachte ich, dass sie einen enormen Wert für euch haben wird.". Der Sänger setzte seinen Weg nun fort, blieb dann vor Jaro stehen. "Aber woher, frage ich mich einfach so aus persönlicher Neugier, hätte jemand wie ihr solch eine kleine Kiste mit von so großem Wert?". Jaro war sprachlos. Was sollte er sagen? "Versteht mich nicht falsch, ich möchte euch keinesfalls der Armut oder dergleichen bezichtigen, wenn man es denn so nennen kann!". Linor wandte sich von Jaro ab. "Nur halte ich euch nicht für jemanden, zu dem dieses Kästchen passt, versteht ihr?". Noch bevor Jaro etwas antworten konnte war Linor auch schon bei Alaryah. "Als Kinder des Waldes haben wir wenig mit solchen Steinen zu schaffen, nicht wahr?", fragte er die kleine Albin, die Schwierigkeiten hatte sich auf den Beinen zu halten. "Ein kleines Vögelchen wird doch von solchem Gewicht am Boden gehalten, kann sich nicht frei bewegen, nicht die Winde in den Baumkronen genießen...ihr wisst schon.". Es schien, als wolle Linor Alaryah über die Wange streicheln, doch er entschied sich letztendlich doch dagegen. "Also bleibt nur ihr.". Jetzt fixierte er Kirona. Sie kratzte unbewusst an den Spuren der Ketten an ihren Handgelenk und schaute den Musiker nun finster an. "Ihr, von einem fremden Ort, mit einem...mysteriösen Aussehen.". Schnell und leicht hatte Linor die Entfernung zwischen sich und Kirona überwunden. "Nur einer Person wie euch kann diese ebenso mysteriöse Kiste mit den mysterösen Edelsteinen drin gehören.". Er kniete vor Kirona ab und hielt ihr die Schatulle mit gesenktem Kopf hin wie ein Ritter, der einem Lehnsherr seine Klinge anbot und Treue gelobte. Kirona wechselte ein paar schnelle Blicke mit Jaro und Alaryah, beide nickten zustimmend. "Danke.", brachte Kirona hervor und nahm die Schatulle entgegen. "Ich hoffe doch sehr, es fehlt nichts?!", fügte Linor an und erhob sich wieder. "Wenn ich mich recht entsinne, dann sollten noch weitere Bündel dort hinten liegen.", sagte er dann und schnell hatten die Gefährten nun auch Kironas Habe gefunden. Diese wollte mehrmals nach Linors plötzlichem Erscheinen fragen, doch ihre Gefährten lenkten das Gespräch schnell in eine andere Richtung. <Wenn wir doch nur einmal miteinander reden könnten, ohne, dass Linor es mitbekommt.>, dachte Alaryah und grübelte, wie sie dies anstellen konnten. Eins stand fest: Dieses Gespräch musste stattfinden! Außerdem...wie sollte es nun weitergehen?
~ Die größte Offenbarung ist die Stille ~

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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#54

Beitrag von Alaryah Schattenwind » Do 8. Nov 2018, 20:27

Jaro Ballivòr
Als sie den Turm hinter sich ließen, war die Situation merkwürdig und hatte eine beklemmende Wirkung auf Jaro. Keiner der Gefährten war bei vollen Kräften und es war deutlich zu sehen, dass jeder tief in Gedanken versunken war. Es gab so viel zu bereden... was war passiert? War der Eingang versiegelt? Hatte Kirona noch Informationen belauschen können? Konnte Linors Eintreffen wirklich Zufall sein? Wer war er wirklich? Und wie sollten sie nun weiter machen? Die Fragen zermarterten Jaro das Hirn und er war sich sicher, dass es Alaryah und Kirona ähnlich ging. Doch sie konnten nicht reden. Nicht so lange Linor dabei war, der mit seiner übertrieben guten Laune und Unbeschwertheit deutlich im Kontrast zu ihnen stand.
"Jetzt erzählt doch mal, was bringt euch in diesen Teil des Waldes? Ihr seid so düster... es ist doch alles gut."
"Dasselbe könnten wir dich fragen", sagte Kirona grimmig. "Wie kommt es, dass wir dir ständig über den Weg laufen? Musst du nicht irgendwo Musik machen?"
Linor lachte so laut auf, das ein paar Vögel kreischend aus den Baumwipfeln flogen. "Ihr seid so herrlich misstrauisch. Leute... ich bin auf eurer Seite."
"Für einen Musiker kannst du beeindruckend gut kämpfen", sagte Jaro leise.
"Das ist es was ihr denkt, oder? Dass man als zart besaiteter Musiker von Auftritt zu Auftritt flattert und Leute hat, die auf einen aufpassen? Nein... von der Musik lässt es sich bei Weitem nicht leben, deshalb habe ich einen... Zweitjob. Und auch so: es schadet nie, wenn man sich zu verteidigen weiß. Nicht immer stehen stattliche Waldläuferinnen bereit, um einen zu retten." Er zwinkerte Alaryah zu, die sofort wegsah.
"Und was soll dieser Zweitjob sein?" Kirona sah immer noch finster drein.
"Ich überbringe Informationen. Nichts Besonderes, eher alltägliche Dinge."
Das Gespräch verebbte. Ein Seufzen Linors deutete darauf hin, dass er aufgab, ihre Stimmung aufhellen zu wollen.
Auch als sie sich mit Einbruch der Dämmerung ein Nachtlager einrichteten, schwiegen sie. Für Linor war es offenbar selbstverständlich, dass er bei ihnen blieb. Er war überall, wollte hier helfen, packte da mit an und bot sich schließlich an, Feuerholz zu suchen.

Alaryah Schattenwind
Bisweilen hatte sich Alaryah rausgehalten. Sie redete nur dann, wenn es wirklich nötig war. Zum einen lag es daran, dass sie schwerer mit ihren Blessuren zu kämpfen hatte als gedacht und zum anderen, dass sie Linor nur so wenig Informationen wie möglich mithören lassen wollte. Dieser Kerl war einfach ein Mysterium. Zu oft tauchte er scheinbar zufällig auf und zu undurchsichtig waren seine Ansichten und Vorhaben. Kirona und Jaro sprachen zum Glück irgendwann das aus, was auch die kleine Albin dachte. Schließlich kam Linor auf seinen Nebenerwerb zu sprechen und wollte damit begründen, warum er so ein guter Kämpfer war. Erst, als er "stattliche Waldläuferinnen" sagte bemerkte Alaryah, dass sie den Musiker viel zu lange angesehen hatte und dass sie gemeint war. Rasch wandte sie den Blick ab, verfluchte sich innerlich. So sehr sie Linor auch misstraute, so schien er dennoch eine gewisse Art der Anziehungskraft auf sie auszuwirken. <Jetzt reicht es aber.>, mahnte sie sich gedanklich selbst und war froh, dass Kirona das Gespräch weiter voran trieb...nur, damit es ein paar wenige Augenblicke später wieder zum Erliegen kam.
Die Dämmerung brach herein und das Lager wurde aufgeschlagen. Jaro half Alaryah beim Errichten ihres Schlafplatzes, suchte dabei immer wieder ihren Blickkontakt. Doch immer dann, wenn sie gerade einen kurzen Moment für sich hatten, waren Linor oder Kirona da. "Nicht jetzt.", presste Alaryah zwischen den Zähnen hervor ohne Jaro dabei anzusehen. Er verstand.
"Feuerholz?", fragte Kirona schließlich laut und schaute in die Runde. "Ja, wir brauchen wohl welches, ein Feuer wird nötig sein.". Alaryah sah auf, nachdem sie ihre Decke aus dem Reiserucksack geholt und zusammgefaltet auf ihre Schlafstätte gelegt hatte. "Ja, Linor. Warum geht ihr nicht und holt etwas?". Ihre Stimme klang dumpf. Alle sahen nun die kleine Albin an und natürlich war es Linor, der zuerst etwas sagte. "Wollt ihr mich nicht ein Stück begleiten? Vielleicht würden ein paar Schritte gut tun?". "Sie wird nicht...". "Schon gut, Jaro.", unterbrach Alaryah Jaro und erhob sich leise stöhnend. Langsam näherte sich Alaryah Linor, der nun zu lächeln begann. Kirona und Jaro zuckten innerlich zusammen, als Alaryah sich bei dem Musiker unterhakte und schließlich ihren Kopf an seine Brust legte. "Ihr wisst euch zu verteidigen. Ihr braucht mich dort im Wald nicht.", hauchte die Albin schon fast und löste sich dann geschickt aus Linors Umarmung. "Denkt dran, es muss für vier Leute und ein Frühstück reichen.". Dann machte sich Alaryah wieder auf den Weg zurück zu ihrem Gepäck, nicht weiter auf Linor achtend. "Sag mir, wenn er weg ist.", flüsterte sie Jaro im Vorbeigehen zu und kramte dann in ihrem Reiserucksack herum.

Jaro Ballivòr
Einen Moment lang sah Linor verwirrt aus, dann kehrte das Grinsen auf sein Gesicht zurück. Er nickte anerkennend in Alaryahs Richtung und schwang die Hand, als hätte er sie verbrannt. Weil Jaro nicht wusste, was eine angemessene Reaktion war, zuckte er einfach nur die Schultern. Linor schüttelte den Kopf, als wollte er Jaro andeuten, dass er noch viel zu lernen hatte. Endlich wandte er sich ab und verschwand im Wald. Er hatte begonnen ein Lied zu pfeifen.
"Jetzt", flüsterte Jaro, Linor nicht aus den Augen lassend. Der Sänger entfernte sich langsam, sodass Jaro sich konzentrieren musste, um ihn zu zwischen den Bäumen auszumachen. Er hätte sich gewünscht, der merkwürdige Kerl wäre in Sichtweite geblieben. Es war wie, wenn Spinnen den Weg in Jaros Schlafzimmer gefunden hatten. Solange er wusste wo sie waren, machten sie ihm nichts aus.
"Ich fürchte wir haben nicht viel Zeit." Jaro sprach so leise er konnte.

Alaryah Schattenwind
"Ich trau dem Kerl kein Stück über den Weg.", brummte Kirona leise und schritt unruhig hin und her, so als wartete sie bereits auf Linors Rückkehr. Wie ein Posten ging sie umher, warf immer wieder Blicke in die Richtung, in die Linor verschwunden war.
"In Ordnung. Erst einmal: Unsere Ausrüstung ist soweit komplett. Wir haben nichts an wichtigen Gegenständen verloren, oder?". Beide überlegten kurz, waren sich dann aber schnell einig, dass noch alles da war. "Der Eingang im Turm, ganz dort unten, ist versiegelt. Der kleine Stein hat sich aufgelöst und den Zugang verschlossen, so viel ist sicher.". Alaryah griff sich an den Oberarm. "Es grenzt an ein Wunder, dass ich den Sturz überlebt habe.". Kurz fasste Alaryah ihre Erlebnisse in dem Schacht für Jaro zusammen. "Ich hatte schon fast mit allem abgeschlossen, aber dank dir bin ich aus der Finsternis wieder herausgekommen.", beendete sie schließlich ihre Ausführungen. "Ich weiß gar nicht, wie ich dir danken soll.". Da war es endlich wieder! Ein Lächeln!
"Doch was meinst du, was sollen wir tun? Wir können Linor doch nicht zu dem nächsten Eingang mitnehmen? Diese ganze Sache sollte besser geheim bleiben...zumal wir kaum etwas über ihn wissen". Es ärgerte Alaryah ungemein, dass kaum Zeit für einen ordentlichen Dank zu ihrer Rettung war...doch die Zeit würde kommen!

Jaro Ballivòr
"Ich... also...", Jaros Ohren wurden heiß, "ohne Wibalt hätte ich es nie geschafft. Und ohne ihn." Er nickte in die Richtung, in der Linor verschwunden war und umriss seinerseits in möglichst knappen Worten kurz, was oben im Turm geschehen war. Er legte Alaryah die Hand auf den Arm. "Hauptsache, du bist da raus. Ich dachte schon, wir hätten dich verloren."
Der Moment war schön, auch wenn er nicht lange währte. Sie mussten jede Sekunde nutzen.
"Nein. Ich traue ihm auch nicht. Und selbst wenn er nichts im Schilde führt, können wir ihm all das unmöglich erklären."
"Ich könnte ihn niederstrecken", zischte Kirona zu ihnen herüber. "Oder ich erdrossele ihn im Schlaf."
Jaro schüttelte den Kopf. "Ich weiß nicht. Ich habe ihn kämpfen sehen. Was, wenn er den Angriff abwehrt und sich auf einmal gegen uns wendet? Ich kann nichts ausrichten und Alaryah muss sich unbedingt noch erholen."
Kirona wirkte enttäuscht, doch sie nickte und begann wieder die Bäume abzusuchen. "Wo steckt der nur? Hier ist doch überall Holz! Kein Grund den ganzen Wald abzusuchen", grummelte sie vor sich hin.
"Es wirkt nicht so, als würde er uns so schnell wieder verlassen wollen", seufzte Jaro. "Ich denke, als erstes brauchen wir einen Vorwand, wohin wir unterwegs sind. Wenn er das nächste Mal fragt, kommen wir bestimmt nicht so schnell wieder raus. Dann können wir vielleicht heimlich nach Zeichen der verbliebenen Eingänge Ausschau halten und... und hoffentlich werden wir ihn irgendwann von alleine los." Doch Jaro glaubte selbst nicht daran.

Alaryah Schattenwind
<Das bringt uns alles nicht weiter.>, dachte Alaryah. "Du wirst Recht haben, Jaro.", meinte die kleine Albin schließlich und kratzte sich nachdenklich am Hals. "Jedoch wird er nicht einfach gehen.". Sie schwiegen für einen Moment. "Zeig mir noch mal die Fragmente.", flüsterte Alaryah dann und Jaro wollte direkt zu seinem Gepäck. Alaryah hielt ihn zurück. "Vorsichtig.", fügte sie leise hinzu und schon bald war Jaro mit dem Pergament zurück. Mit einem flinken Handgriff hatte Alaryah Jaro die Fragmente abgenommen und in ihrem Ärmel verstaut. Er wollte etwas sagen, doch verstummte bei ihrem Blick. Kirona wandte sich ihnen nun wieder zu. "Ich glaube da kommt er.". Sie ging ein paar Schritte in die Richtung, in der sie Linor vermutete. "Ich werde mir die Fragmente ansehen und versuchen herauszufinden, wo wir als nächstes hin müssen. Wir werden Umwege laufen. Das wird nicht schön, aber vielleicht hilft es. Irgendwie können wir ihn dann möglicherweise abschütteln.". Alaryah gefiel diese Idee selbst nicht sonderlich gut, da zu viele Ungewissheiten darin steckten. "Wir lassen uns erst einmal nichts anmerken.". Die Albin sah nun fragend in die Runde. Waren wohl alle damit einverstanden? Alaryah hegte die Hoffnung in sich, dass jemand gerade genau den Geistesblitz hatte, der sie aus dieser Sache rausbringen würde...

Jaro Ballivòr
Aufmerksam folgte Jaro Alaryah. "Alles klar. Am besten tun wir so, als wäre alles in Ordnung. Aus seiner Warte sollten wir wahrscheinlich froh sein, dass wir überhaupt noch leben." Jaro fasste den Entschluss, sich bei Linor zu bedanken. Das war doch, was man normalerweise tat, oder? Wenn man nicht fürchten musste, von einem wahnsinnigen Mörder gerettet worden zu sein. "Ich werde ab und zu das Gespräch mit ihm suchen. Vielleicht kann ich ihn ablenken."
"Da! Da war er doch gerade?", erklang Kironas Stimme. "Jetzt reicht es. Ich sehe nach." Ehe Jaro und Alaryah reagieren konnten, marschierte sie ins Dunkel des Waldes hinein.
"Hast du denn schon eine Ahnung wo die Eingänge liegen könnten? Ich meine, die anderen zu finden war ja schon ohne Umwege und Geheimhaltung nicht leicht." Erschrocken stellte Jaro fest, wie entmutigend er klang.

Alaryah Schattenwind
"Kirona, warte, du solltest...". Es war zu spät. Kirona war schon davongerauscht. "Na, ob das mal gut geht...", murmelte Alaryah und fügte ein "für ihn." an. Wieder flammte ein schwaches Lächeln auf.
"Nein, Jaro. Ich muss zugeben...ich habe keine Ahnung. Ich hoffe einfach, dass ich irgendetwas herausbekomme.". Er wirkte geknickt. "Heeey.", sagte Alaryah leise, setzte sich zu ihm und stieß ihn sanft mit der Schulter an. "Kopf hoch, Jaro. Wir sind doch schon so weit gekommen...und es sind noch zwei Eingänge, weniger als die Hälfte. Die schaffen wir auch noch.". Sie bemühte sich positiv und aufmunternd zu klingen, unterdrückte den dumpfen Schmerz und die Müdigkeit in ihrem Körper. "Vielleicht ist es auch ganz gut, wenn Linor nicht weiss, dass die Fragmente jetzt bei mir sind. So kann ich bei Gelegenheit heimlich ein Blick draufwerfen. Wir dürfen jetzt nicht den Mut verlieren!".

Jaro Ballivòr
Jaro lächelte Alaryah schwach an. "Wir schaffen das irgendwie", bestätigte er ihre Worte. "Ich werde Augen und Ohren offen halten. Jetzt haben wir ja schon ein wenig Übung. Vielleicht finden wir die anderen Eingänge leichter." Feuer und Licht... Die beiden waren noch übrig. Eine Weile dachte Jaro über die beiden Elemente nach, doch wie so oft kam er zu dem Schluss, dass sie alles und nichts verkörpern konnten. "Glaubst du, er hat was mit alldem zu tun? Linor?", sprach er schließlich einen ganz anderen Gedanken aus. "Ich meine, er hat uns mehrfach geholfen, aber was, wenn das alles zu einem Plan gehört? Oder steht er am Ende wirklich auf unserer Seite? Ich kann ihn nicht einschätzen." Er schüttelte den Kopf, um seine Worte zu unterstreichen.
Von Kirona und Linor war immer noch keine Spur. Langsam wurde es frisch. Jaro machte das nichts aus, doch er fürchtete, Alaryah könnte frieren, geschwächt wie sie durch ihre Verletzungen war.

Alaryah Schattenwind
Alaryah mochte Jaros Gedankengänge nicht, jedoch konnte sie ihm diese auch in keinster Weise übel nehmen. "Es ist wirklich viel geschehen.", sagte sie dann und ließ die Begegnungen mit Linor noch einmal in ihrem Kopf revue passieren. "Er ist uns bei dem Fest begegnet. Da waren wir noch gar nicht in Besitz der Steine...aber Kirona war bei uns. Er kann sich doch nicht wegen ihr an unsere Versen geheftet haben?". Nachdenklich zog Alaryah die Beine an und stütze ihren Kopf ab. Schließlich knibbelte sie mit dem kleinen Finger ihrer linken Hand an der Unterlippe herum. "Du meinst, er könnte auch von jemandem auf uns angesetzt worden sein? Vielleicht von Kironas ehemaligen Meister?", sponn Alaryah ihre Gedanken weiter."Doch wie sollte dieser an Linor kommen oder ihn hier einschleusen?". Ein sanfter Wind kam auf und griff sacht nach Alaryahs Haar. Kaum merklich kauerte sich die Albin etwas mehr zusammen. "Aber...selbst wenn es nicht so ist und er aus freien Stücken helfen will...warum sollte er dies tun? Einfach so, ohne Hintergedanken? Wir sind doch keine Personen von Namen oder Rang?". <Aber vielleicht sind wir als Gruppe so ungewöhnlich, dass wir eben auch ungewöhnliche Leute anziehen?>.

Jaro Ballivòr
Die meiste Zeit hatte Jaro den Eindruck gehabt, Linor folgte ihnen hauptsächlich wegen Alaryah. Er sprach es allerdings nicht aus, aus Angst, die Stimmung gleich wieder runter zu ziehen. "Du hast Recht, das erscheint alles so irrwitzig... allerdings rechne ich langsam mit allem." Er grinste schüchtern. Da ließ ihn das Knacken trockenen Holzes hochschrecken.
"Na ihr Turteltauben?" Linor hatte nichts von seiner überschwänglichen Laune verloren. Kirona folgte ihm hingegen mit grimmiger Miene. "Hier ist Holz", er warf ein provisorisch geschnürtes Bündel Zweige über die Schulter. "Und wir haben sogar ein Abendessen gefunden."
Kirona leerte ihr umgeschlagenes Hemd und knollige Pflanzen purzelten heraus.
Jaro suchte ihren Blick. Wie lange waren sie schon in Hörweite? Hatte Linor etwas mitbekommen? Doch Kirona gab ihm keinerlei Signal.
"Danke", stammelte Jaro schließlich hervor und sprang auf die Beine, um zu helfen, das Holz aufzuschlichten.

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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#55

Beitrag von Jaro Ballivòr » Mo 7. Jan 2019, 21:35

Alaryah Schattenwind
Während sich Jaro bedankte und zur Tat schritt blieb Alaryah stumm. Sie nickte nur dankbar und ihre Augen verengten sich etwas, als sie weiterhin versuchte aus Linor und seinem Verhalten schlau zu werden. Leider blieb genau das nicht von ihm unbemerkt. Abrupt wandte Alaryah den Blick ab, als ihr der Musiker plötzlich über seine Schulter hinweg zuzwinkerte. <Dieser Kerl...>, grollte es in der Albin, doch zwang sie sich keine Miene zu verziehen. "Warte, Kirona, ich helfe dir.", sagte Alaryah dann und erhob sich. Sie huschte zu der Frau herüber, dabei einen guten Bogen um Linor machend. Während sie gemeinsam die gefundenen Pflanzen verarbeiteten brachte Alaryah Kirona auf den aktuellen Stand. Sie sprach dabei so leise sie konnte, versuchte sogar mehrmals etwas per Handzeichen zu übermitteln. Kirona verstand. Ein Glück. Zwar kam sich Alaryah etwas paranoid vor, doch schließlich konnte man ja nie wissen...
Kurze Zeit später löffelten die unfreiwilligen Gefährten leise ihre Suppe. Das Knistern des Kochfeuers war so ziemlich das einzige, was in dieser bedrückten Stimmung überhaupt erwähnenswerte Geräusche verursachte. Erst sprach niemand, dann seufzte Kirona schließlich. "Wann geht es morgen weiter? Bei Tagesanbruch? Richtung Nordosten?". Alaryah verschluckte sich fast. "Ja.", gab sie knapp zurück. "Sobald die Sonne aufgeht brechen wir das Lager hier ab. Über den Weg muss ich mir selbst noch ein paar Gedanken machen, aber Nordosten klingt erst einmal gut.". Alaryah stellte ihre fast leere Schale auf den weichen Boden neben sich. Sie hoffte, dass ihr die Lüge geglückt war. Den Weg nach Nordosten zu nehmen entsprach gar nicht ihrem Vorhaben, doch führte er weg von der Richtung, in der sie die noch fehlenden Eingänge vermutet hatten. <Nordosten...>. Einen Moment lang drifteten Alaryahs Gedanken ab. Was lag alles im Nordosten? War es überhaupt klug diesen Weg zu gehen? Zumindest würden sie vielleicht den Musiker loswerden...

Jaro Ballivòr
Mit nur wenigen Handgriffen hatte Linor die Hölzer aufgeschlichtet, sodass Jaros Hilfe eigentlich ziemlich unnütz war. Es half aber, den Musiker von den Frauen abzulenken, die sich um das Essen kümmerten. Jaro hoffte, dass sie so die Chance hatten, sich leise auszutauschen. Linor schob Reisig in den geschaffenen Hohlraum seines Holzturmes. "So entzündet es sich viel schneller", erklärte er Jaro vergnügt. "Es muss atmen können. Wenn man es einengt, erlischt die Glut. Wie bei Frauen..." Er nickte mit dem Kopf in Richtung der beiden und zwinkerte Jaro zu. "Man muss ihnen Raum lassen und die Möglichkeit geben sich selbst zu nähern."
Jaro schluckte und nickte. Er wusste nicht, was er sagen sollte und war froh, dass das Gespräch unterbrochen wurde.

Wie gebannt starrte Jaro in seine Schale, um seinen überraschten Gesichtsausdruck zu verbergen. Was bezweckte Kirona? Wollte sie Linor nur auf die falsche Fährte locken oder plante sie etwas eigenes? Schon seit sie bei dem Turm gewesen waren, verhielt sie sich merkwürdig. Jaro hatte das Gefühl, sie nicht zu kennen.
"Das trifft sich ja gut!", warf Linor grinsend ein. Wenn er ebenfalls überrascht war, ließ er es sich nicht anmerken. "Ich wollte sowieso in diese Richtung. Ich muss ein Schreiben abholen, das lässt sich doch super verbinden."
Am liebsten hätte Jaro Alaryah angesehen, doch er wagte es nicht. Wie viel Zeit blieb ihnen wohl noch, die Eingänge zu versiegeln, ehe das Böse aus der Tiefe ausbrach und den Wald vergiftete? Der Umweg durfte nicht zu groß werden...

Alaryah Schattenwind
<Natürlich. Natürlich bietet sich das "so ganz rein zufällig an".>. Alaryah holte tief Luft. "Ein Schreiben also? Und dann? Wohin sollt ihr es bringen?", fragte die Albin trocken, während sie den Rest aus ihrer Schüssel leerte. Dann wartete sie auf Linors Antwort. Dieser saß da und schaute sie mit hochgezogener Augenbraue und schiefem Grinsen direkt an. Ein paar Sekunden vergingen, doch Alaryah hielt dem Blick des Musiker mit erstaunlicher Gelassenheit stand. Niemand merkte, dass es in ihr innerlich brodelte. Es war, als würde ihr Linor direkt in die Seele schauen, als würde er mit unsichtbaren Händen nach ihrem Verstand und ihren Gedanken greifen. "Also?", setzte sie entschlossen nach, wäre am liebsten aufgesprungen und hätte Linor so fest geschüttelt wie es ihr nur möglich war. "Oh, je nachdem wie sich die Reise entwickelt werde ich vielleicht wieder meinen eigenen Weg einschlagen...". Alaryah wünschte sich das nur zu sehr...wobei sich seltsamerweise auch ein winziger Teil in ihr gegen diesen Gedanken wehrte. Selbstverständlich hatte sich Linor wieder mit Worten irgendwie um eine klare Aussage herummanövriert. "Pfff..". Alaryah wandte den Blick ab, schüttelte leicht den Kopf. Von da an war die Situation wieder etwas angespannter.

Es wurde Nacht. Das Einteilen von Wachschichten wäre eigentlich nicht nötig gewesen, doch sprach sich gerade Alaryah dafür aus. Besonders legte sie Wert darauf, dass Linor keine Schicht allein hatte. Ihr Misstrauen amüsierte den Musiker, doch tat er auch nicht wirklich etwas dagegen. So kam es, dass Alaryah irgendwann versuchte zu schlafen. Sie spürte, dass ihr Körper einfach Ruhe brauchte. Diese gefühlt ewige Anspannung und die Erlebnisse... Wieder drehte sie sich unter ihrer Decke hin und her. Bald konzentrierte sich Alaryah auf das leise Prasseln des Feuers und atmete länger und tiefer ein und aus. Dann wurden die Augenlider endlich schwerer und schwerer. Linor, der weiterhin am Feuer saß, verschwand langsam in der Dunkelheit.

Am nächsten Morgen wachte Alaryah als erstes auf. Alle anderen schliefen. Langsam und leise richtete sich die Albin auf und legte ihre Decke zusammen. Dann hielt sie inne. Sie erinnerte sich an etwas. Sie war während der frühen Dämmerung noch einmal aufgewacht, Kirona sollte diese Wachschicht und Auge auf Linor haben...doch hatte die Frau mit dem Kopf auf der linken Schulter einfach nur so da gesessen...gegenüber von Linor, der sich keinen Zentimeter bewegt hatte, seitdem Alaryah ihn vor dem Einschlafen gesehen hatte. Jetzt lag der Musiker einfach so da, flach atmend. <Ein Traum...oder Müdigkeit und Erschöpfung haben dir diese Bilder in den Kopf gesetzt.>, sprach Alaryah zu sich in Gedanken und versuchte so neuen Mut zu fassen. Sie wandte sich ab, verschnürte die Decke wieder an ihrem Rucksack. Noch einmal drehte sie sich um und erschrak. Linor saß aufrecht neben dem schwach glühenden Feuer und schaute ihr direkt in die Augen. Alaryah ließ ihr Bündel fallen, das dumpf zu Boden fiel. Das wiederum weckte ihre beiden Gefährten. "Was zum...". Das Gesicht der Albin verfinsterte sich. Sie hob den Finger, wollte etwas zu Linor sagen, ihn anschreien und...irgendwie...zur Rede stellen..., doch sie errang gerade noch so die Kontrolle über ihre Emotionen zurück. "Guten...Morgen?", erklang Kironas Stimme fragend von der Seite.

Jaro Ballivòr
Müde rieb sich Jaro die Augen. Er hatte nicht gut geschlafen und die Anspannung, die immernoch in der Luft hing, machte ihm zu schaffen. "Morgen", murmelte er leise in die Stille, die auf Kironas Worte folgte. Es dauerte einen Augenblick, bis Linor den Blick von Alaryah nahm. Wenn er das unter Freiraum lassen verstand, wusste Jaro auch nicht weiter.
"Morgen", flötete der Musiker vergnügt. "Ich hoffe, ihr habt gut geschlafen."
Niemand antwortete ihm und er zuckte mit den Schultern. Auf einem flachen Stein bereiteten sie sich ein paar Hirsefladen zu und Alaryah spendete ihre letzten Kräuter für einen Tee.
"Ein Glück liegt ein Handelsposten in nordöstlicher Richtung", murmelte sie Jaro zu. "Wir müssen dringend die Vorräte auffrischen."
"Eichenhain, um genau zu sein." Jaro zuckte unwillkürlich zusammen. Belauschte Linor wirklich jedes Gespräch, das sie führten?
"Genau dort muss ich mein Schreiben abholen, deshalb freut es mich, dass ihr auch dorthin wollt. Es ist nicht weit."
"Ich weiß wie weit es ist." Alaryahs Blick war finster. Kirona stocherte unterdessen gedankenverloren mit einem Stock in der Erde herum.
"Ich lösche das Feuer." Froh darüber, etwas zu tun zu haben, stand Jaro auf und bedeckte die Glut mit Erde. Kurz darauf waren sie wieder unterwegs.
Tatsächlich setzte gerade erst die Dämmerung ein, als sie Eichenhain erreichten. Urplötzlich lichtete sich das Unterholz und stattdessen nahmen Hütten und Marktstände den Platz zwischen den hölzernen Riesen ein. Fasziniert beäugte Jaro die Seilbahnen, die über den Dächern der ebenerdigen Gebäude entlang führten und mit denen nicht nur Güter sondern auch Alben transportiert wurden.
"Eichenhain", sagte Linor unnötigerweise. "Bitte entschuldigt mich, ich muss meinen Auftraggeber aufsuchen. Ihr könnt in der Zwischenzeit eure Einkäufe erledigen und euch nach einer Unterkunft umsehen."
Selbst Jaro nervte Linors bevormundendes Verhalten. Als wüssten sie nicht selbst, was sie zu tun hatten.
"Na dann... nett, dass du uns so lange begleitet hast." Kirona lächelte nicht.
"Ach, kein Grund für einen sentimentalen Abschied. Ich habe vor noch ein Stück mit euch zu gehen. Keine Sorge, ich finde euch."

Alaryah Schattenwind
Daran bestand kein Zweifel, da war sich Alaryah leider sicher. Ein allgemeines Aufatmen ging durch die Runde, als Linor am Ende der schmalen Straße verschwunden war. Die Gefährten kamen sich vor wie Marionetten, die für den Akt einer Aufführung nicht mehr gebraucht wurden, zumindest sackten sie fast genau so vor Erschöpfung zusammen. "Lasst uns erst einmal eine Unterkunft besorgen.", murmelte Alaryah und ging voran. In kleinen Laternen schwirrten Glühwürmchen umher und spendeten warmes Licht, welches lange Schatten warf. Es war nicht wirklich laut auf der Geschäftsstraße, auf der sich die drei befanden, doch herrschte ein gewisser Grundgeräuschpegel. Personen sprachen leise miteinander und Waren wechselten im Tauschgeschäft den Besitzer. Am ehesten, so fand Alaryah, hätte man die Geräusche mit denen eines Bienenstocks vergleichen können. Alles in allem hatte dies jedoch eine beruhigende Wirkung auf die Albin. Sie fühlte sich seit langem wieder sicher und würde gut und lange schlafen können.
Schließlich gelangten die Gefährten zu einer Art Gasthaus. Es war mehr ein Baum, aus dessen massiven Stamm viele Erker und Gauben herausragten. Hier und da brannte Licht oder Fenster standen auf. Eine Efeuranke bahnte sich ihren Weg zwischen den Fenstern entlang und ein kleiner Schwarm Nachtfalter umkreiste den Baum mehrmals. "Dort werden wir unterkommen.", sagte Alaryah bestimmend und ging auf den riesigen Baum zu.

Kirona trat als letzte ein und schloss die Tür hinter sich. Es war, als hätten alle Geräusche der Umwelt von draußen abrupt geendet. Im Innern des Baumes war es unnatürlich ruhig. Aus der Ferne näherten sich schlurfende Schritte und leise klackend wurde ein dicker Vorhang aus rot gefärbtem Wollstoff beiseite geschoben. Ein äußerst in die Jahre gekommener Alb schlurfte heran, trug dicke Filzpantoffeln an den Füßen, und war sogar kleiner als Alaryah. Er musterte die drei Gefährten einmal und winkte sie dann zu einem Tisch mit einem großen Buch herüber. "Nun, ein Zimmer für drei? Oder je eins pro Person?". Mit zittriger Hand hob der Inhaber des Gasthauses eine Kerze vom Tisch hoch und hielt sie über das Buch. "Wir...". Alaryah schaute zu Jaro und Kirona. Auf der einen Seite hätte sie gern ein paar Augenblicke für sich, jedoch wollte sie auf der anderen nicht allein schlafen müssen. Kirona schien den Zwiespalt in Alaryahs Augen zu sehen. "Wir nehmen ein Doppel- und ein Einzelzimmer.", sagte sie und trat vor. Der alte Alb schaute mehrmals in die Runde, nickte dann und notierte die Namen der Neuankömmlinge "...nehmen ein Doppel- und ein Einzelzimmer.", murmelte er, während er schrieb. Die erste Nacht war rasch bezahlt und die Schlüssel ausgehändigt. Die beiden Zimmer lagen nebeneinander, doch kamen die Gefährten erst einmal in dem Doppelzimmer zusammen. Die Betten waren wunderbar weich, die Aussicht einfach wunderbar und die Zimmer als solche urgemütlich.
Alaryah lächelte Jaro und Kirona zu. "Ich weiß...wir dürfen nicht lang hier verweilen, da wir...noch etwas zu tun haben.". Mit großen Augen schaute sie sich in dem Zimmer um. "Aber diese Rast wird uns gut tun."

Jaro Ballivòr
Früher hatte Jaro gedacht, nichts auf der Welt könnte ihm eine solche innere Ruhe bescheren wie das kalte Meer des Nordens oder die friedliche Trägheit der Bergziegen in den Ausläufern der Kandoren. In dem Augenblick, in dem sie die Unterkunft betraten, wurde ihm gewahr, dass Bäume diesselbe Wirkung hatten. Der Duft von warmem Holz lag süß in der Luft, die Stille schuf Frieden und die Enge sorgte für Geborgenheit.
Dankbar sank Jaro auf die mit Kissen gepolsterte Bank des Zimmererkers. Er ertappte sich bei dem Wunsch, einfach hier zu bleiben. Keine unterirdischen Festungen mehr, keine gedrungenen Mörder, keine Flucht... wären sie endlich erlöst, wenn sie diesen Auftrag erfüllt hatten? Irgendwie bezweifelte er es, wollte aber gleichzeitig nicht daran denken. "Es ist sehr schön hier", murmelte er als Antwort auf Alaryahs Feststellung. Auf einmal war er furchtbar erschöpft. Selbst der Gedanke, noch Einkäufe zu erledigen oder etwas zu essen zu bereiten, strengte ihn an.
"Wenn ihr mich fragt, sollten wir direkt wieder aufbrechen. Dann sind wir den Typen vielleicht los." Kirona hatte sich nicht hingesetzt.
Alaryah schüttelte den Kopf und Jaro sah es genauso. Linor würde sie so oder so wieder finden. "Lieber sind wir ausgeruht", sagte er leise und zu seiner Überraschung nickte Kirona bloß.
"Sollen wir gleich einen Blick auf die Karten werfen?", fragte Jaro. "Im Anschluss können wir uns dann waschen und etwas essen. Wer weiß, wann Linor in der Türe steht..."

Alaryah Schattenwind
Vorsichtig holte Alaryah die Kartenfragmente hervor. Sie übergab sie wieder Jaro, der sie auf dem Boden ausbreitete. Gemeinsam tüftelten sie einen ungefähren Weg aus, verwarfen ihn wieder, dachten noch einmal nach, machten eine kurze Pause, gingen erneut ans Werk und kamen schließlich zu einer (wenn auch etwas unzufriedenstellenden) Lösung. "...und letztendlich...kommen wir hier...wieder an.", schloss Alaryah ihre Erklärung ab und tippte auf die entsprechende Stelle eines Kartenfragments. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass das etwas anderes darstellen soll, als den Birkenwald.". Ja, die hellen Striche auf dem Pergament ließen so etwas erahnen. "Lasst uns das erst einmal als groben Plan festhalten.", fügte Alaryah an und sah fragend in die Runde. Ihr Vorschlag bekam Zustimmung von Seiten ihrer Gefährten. "Sollte uns Linor bis dahin weiterhin folgen, so müssen wir uns etwas einfallen lassen. Vielleicht brauchen wir so etwas wie geheime Handzeichen oder Schlüsselworte?". Alaryah plauderte ihre Ideen einfach heraus, obwohl die Erschöpfung sichtlich an allen nagte. "Lass uns da die Nacht drüber schlafen, Alaryah.", meinte Kirona und legte der Albin eine Hand auf die Schulter. "Aber was, wenn Linor...?". "Zur Not prügel ich den Kerl eigenhändig aus dem Zimmer.", unterbrach Kirona Alaryah und grinste. Einen kurzen Augenblick ging die Albin in sich. Jetzt war nicht die Zeit für hastig geschmiedete Pläne oder waghalsige Manöver. Sie mussten sich ausruhen, brauchten sie doch ihre Kräfte in der kommenden Zeit mehr denn je! Außerdem hatten sie bereits genug gelitten...
Ein Hornstoß ertönte aus dem nahen Wald. Alaryah fuhr zusammen. "Das ist doch...". Sie hastete zum Fenster und schaute hinaus. "Das kann doch nicht...". Beinahe wäre sie über die Fensterbank gefallen, hätte Jaro sie nicht im letzten Moment zu packen gekriegt. "Sie...sie sind es!", rief Alaryah und wandte sich aus Jaros Arm. Ein helles Funkeln schoss durch die Augen der Albin, als diese freudig Jaros Hände drückte. "Sie sind es wirklich!", sagte sie und hüpfte auf und ab. "Ich muss zu ihnen!". Ohne auf eine Reaktion zu warten rauschte die Albin davon. So schnell sie ihre kurzen Beine trugen raste sie die Treppen hinunter, stieß unterwegs mit zwei weiteren Gästen zusammen, die sich leise murmelnd beschwerten. Alaryah hatte leider keine Zeit dafür und hastete aus der Herberge hinaus auf die Straße. Unten angekommen steuerte sie direkt auf eine Kolonne Alben zu und wurde immer schneller. "Kalthair! Cywenna!". Alaryahs Stimme überlagerte schlagartig jedes Geräusch in der Umgebung. Die zwei Alben, die die Kolonne führten, sahen sich um. Kalthair, ein Alb mit kantigen Gesichtszügen, konnte kaum reagieren, da hatte Alaryah ihn auch schon angesprungen. "Ihr seid es wirklich!". Es schien, als würde Alaryah den gerüsteten Alben fast erdrücken.
"Na, das nenne ich mal ein freudiges Wiedersehen.", sagte Kirona und sah Jaro lächelnd an. "Was meinst du? Gehen wir auch runter?".

Jaro Ballivòr
Obwohl Jaro direkt hätte zu Bett können, nickte er. Sein Magen meldete sich langsam und Alaryahs Bekanntschaft machte ihn neugierig, wenn er ganz ehrlich war. Als sie den Baum verließen, war von Alaryah erst einmal nichts mehr zu sehen, doch sie kannten die grobe Richtung durch den Blick aus dem Fenster. Offenbar kam gerade das Abendgeschäft in Gang, denn die Wege waren deutlich bevölkerter und überall dampfte und zischte es. Jaros Magen begann bei all den wundervollen Gerüchen endgültig zu rebellieren. Glücklicherweise hatte er noch ein paar Münzen übrig. "Da vorne sind sie!", rief Kirona aus und deutete in die Menge. Jaro kniff die Augen zusammen, um im Dunst der Garküchen etwas erkennen zu können. Alaryah gestikulierte gerade in Richtung der Unterkunft und sprach lebhaft mit den anderen Alben. Es wärmte Jaro das Herz, sie so ausgelassen zu sehen und auch Kironas Gesichtzüge waren milder als zuletzt. "Meinst du, das sind auch Waldläufer?", fragte Jaro während sie sich einen Weg zu der Gruppe bahnten.
"Ganz sicher." Kirona zog ihn am Ärmel zur Seite, wo sie einen besseren Weg vermutete. Sie kamen an einem Stand vorbei, der mit verschiedenem Blattgemüse gefüllte Steinofenfladen bot. Das Wasser lief Jaro im Mund zusammen, doch erst hieß es Alaryah abzupassen. Die Waldalbin hatte sie erspäht und winkte sie fröhlich heran.#

Alaryah Schattenwind
Jaro und Kirona folgten Alaryahs Gesten und näherten sich der Kolonne. Alaryah hatte scheinbar sämtliche Anspannung und Schmerzen der letzten Tage vergessen, oder es war einfach nur ein letztes Aufbäumen der letzten Kraftreserven. "...und das sind meine Gefährten!", erklärte Alaryah hastig, während sich ihre Stimme fast schon überschlug. Zwei Alben bauten sich vor Kirona und Jaro auf. Der Mann mit dem markanten Gesicht, Kalthair, stellte sich den beiden mit sanfter und ruhiger Stimme vor, leicht amüsiert von Alaryahs schon fast kindlicher Freude. Er verbeugte sich respektvoll und rückte dabei seinen fein gearbeiteten Schwertgürtel zurecht, der durch Alaryahs Ansturm deutlich verrutscht war. Die Frau neben ihm war Cywenna. Sie trug die Insignien der Heiler, einen Wanderstock und viele verschiedene Federn in ihrem langen, fast bis zu den Kniekehlen reichenden, hellgrünen bis türkisen Haar. "Kalthair hat mich lange Zeit ausgebildet, vieles habe ich von ihm gelernt! Auch Cywenna ist ein Teil der Sippe, die...", Alaryahs Erklärungen uferten etwas aus, doch das schien niemanden wirklich zu stören. Während die Soldaten in der Kolonne geduldig warteten und keine Miene verzogen begrüßte nun auch die Heilerin Alaryahs Gefährten überaus herzlich. "Es erfreut mich zutiefst Euch wohlauf zu sehen.", sagte Kalthair schließlich und lächelte. "Viel Zeit ist vergangen, als wir uns das letzte Mal sahen.". "Sagt, was führt Euch her?", fragte Alaryah aufgeregt, während sie auf ihren Fußballen vor und zurück wippte. "Nun, wir sind dabei unseren Stützpunkt auszubauen. Da die Umbauarbeiten länger andauern als gedacht ziehen wir in ein Provisorium um. Nicht weit von hier ist eine Lichtung, dort lassen wir uns nieder, bis die Arbeiten abgeschlossen sind. Hat man Euch nicht davon berichtet?". Der Alb schien überrascht. Alaryah schüttelte den Kopf. Wie hätte ein Bote sie auch finden sollen, mitten in der Wildnis oder in einer verfallenen Festung? "Sorgt Euch nicht, wir sind sowieso mit einem Auftrag unterwegs.", gab Alaryah bekannt und stemmte die Hände in die Hüften. Der Hauptmann nickte anerkennend. "Wir werden noch Zeit finden uns zu unterhalten, Schattenwind. Doch lasst uns nun erst einmal unser Lager aufschlagen.". Alaryah trat schnell ein paar Schritte zurück. "Ja, natürlich, verzeiht.". Cywenna tart an Kalthair heran und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Er nickte, sprach dann einige Worte in der Sprache der Waldalben. Die Soldaten setzten sich mitsamt Tross in Bewegung. Er jedoch blieb stehen und sah die drei Gefährten abwechselnd an. "Ich denke, ihr seid in guter Gesellschaft, Schattenwind.". Alaryah lächelte. "Doch hat uns jemand begleitet, der sich noch mehr freuen wird Euch zu sehen.". Der Hauptmann schnippte mit den Fingen und aus der Kolonne trat ein Alb hervor, der ein Pferd hinter sich herführte. Alaryahs Augen weiteten sich und ihr Mund stand offen. Kalthair zwinkerte Jaro und Kirona kaum merkbar zu. "Er hat schon mehrmals nach Euch gefragt.". Alaryah gewann ihre Fassung wieder. "SONNENSTRAHL!", platzte es aus ihr heraus und erneut raste sie von dannen. Sie begrüßte ihr Pferd herzallerliebst, krallte sich in der Mähne fest und drückte ihr Gesicht in das Fell. Jetzt brachen alle Dämme. Alaryah war überglücklich. Dieses Gefühl hatte sie lange nicht mehr so sehr gefühlt.
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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#56

Beitrag von Alaryah Schattenwind » Sa 19. Jan 2019, 17:35

Jaro Ballivòr
Unfähig mehr als eine kurze Begrüßung zu murmeln, schüttelte Jaro Kalthair und Cywenna die Hände. Das herzliche Willkommen gepaart mit Alaryahs ansteckender Freude überwältigten ihn und raubten ihm alle Worte. Zudem merkte er, dass er Kalthair bewunderte. Er war schneidig und drahtig und wirkte mehr als fähig. Jaros Blick blieb an seinem Schwert hängen und wie, als er auf dem Fest vor einer gefühlten Ewigkeit Pfeil und Bogen gehalten hatte, keimte der Wunsch in ihm auf, ebenfalls das Kämpfen zu lernen. Gebannt verfolgte er die weitere Unterhaltung zwischen Alaryah und ihren Freunden. Was für ein Zufall! Ob die Waldläufer des neuen Stützpunktes ihnen bei ihrem Auftrag helfen könnten? Oder dabei Linor loszuwerden? Jaro nahm sich vor, Alaryah später darauf anzusprechen.
Trotz Kalthairs Zwinkern, brauchte Jaro einen Augenblick, bis er verstand, dass dies Alaryahs Pferd war. Wenn er zuvor gedacht hatte, ihre Freude sei unbändig, wurde er nun eines Besseren belehrt. Sein Blick glitt zu Kirona und auch sie lächelte ob der Wärme des Anblicks. Siehst du? Sie ist immer noch unsere Kirona!, sagte er sich im Stillen. Noch nie hatte Jaro ein Pferd aus solcher Nähe gesehen. Ob sie alle so prächtig waren? Sein Fell glänzte im späten Licht und unter der Haut zeichneten sich Muskelstränge ab. Seine Augen blickten freundlich. Offenbar freute sich auch das Tier über die Wiedersehensfreude. Langsam trat er näher heran und streckte die flache Hand aus. "Darf ich?", fragte er Alaryah.

Alaryah Schattenwind
Alaryah bekam erst gar nicht mit, dass Jaro mit ihr redete. "Mh?!", fragte sie leicht verträumt und schaute Jaro an. Ihre Augen waren feucht und es dauerte, bis die Albin Jaro mit festem Blick fixiert hatte. Dann wanderte ihr Blick Jaros Arm entlang bis hin zur Hand. "Oh, jah, ja natürlich Jaro.". Langsam kehrte Alaryah wieder in das hier und jetzt zurück. "Keine Sorge.", begann sie und kraulte sich in der Mähne des Tieres fest. "Er ist ein sehr liebes Tier und wird dir nichts tun.". Sonnenstrahl beäugte Jaro erst etwas misstrauisch, schnupperte dann aber mit einer Mischung aus Neugier und Vorsicht an dem Alben. Jaro schien etwas verunsichert, doch dann stubste Sonnenstrahl ihn behutsam mit dem Kopf an. "Ich glaube er mag dich.", grinste Alaryah und schon bald hatte die kleine Reisegruppe das erste Kennenlernen mit Alaryahs Pferd hinter sich. Kalthair trat näher an sie heran. "Ich störe euch nur äußert ungern, Schattenwind.", sagte er behutsam und erhaschte schnell Alaryahs Aufmerksamkeit. "Wir würden nun erst einmal das Lager aufschlagen, es ist schon spät und wir sind etwas erschöpft von der Reise.". Schlagartig nahm Alaryah Haltung an. "Oh...Ja, natürlich!". "Seid unbesorgt, wir werden für Sonnenstrahl ein ruhiges und gemütliches Plätzchen finden...er hat auch einen langen Weg hinter sich.". Alles in Alaryah wehrte sich dagegen Sonnenstrahl gehen zu lassen, doch hatte der Alb in Rüstung recht. Sie konnte durchaus nachvollziehen, wie er und seine Leute sich fühlen mussten. Cywenna ergriff das Wort. "Wir werden Euch informieren wo Sonnenstrahl untergekommen ist, sobald das Lager steht.". Alaryah nickte stumm während sich die Kolonne wieder in Bewegung setzte. Sie starrte ihnen nach, wäre am liebsten direkt hinterhergerannt. Kirona legte Alaryah eine Hand auf die Schulter und zog sie sachte mit sich. "Lasst uns erst einmal etwas essen.", schlug die Frau vor, was bei Jaro auf enorme Zustimmung stieß.

Jaro Ballivòr
Es war ein wundervolles Gefühl, die Finger über Sonnenstrahls Hals fahren zu lassen und Jaro war ein wenig traurig, als die Waldläufer kurz darauf aufbrachen. Auch Alaryah sah ihnen nach und da keimte die Hoffnung in Jaro auf, dass sie sie wiedersehen würden. Bei Kironas Worten machte sich zudem schlagartig wieder sein knurrender Magen bemerkbar und nahm seine Aufmerksamkeit in Beschlag. "Oh ja!", seufzte er. "Auf dem Stück Weg hierher habe ich schon zig Stände gesehen, bei denen mir das Wasser im Mund zusammen lief." Er lächelte schüchtern. "Ich habe noch ein paar Münzen, wie wäre es, wenn ich euch einlade?"
Gesagt getan schoben sich die drei durch die dichter werdende Menge auf den Straßen, auf der Suche nach dem am besten duftenden Gericht. Dies war kein leichtes Unterfangen! Am liebsten hätte Jaro gar alles gekostet. Es gab gewürzte und gesüßte Hirsebällchen, Teigtaschen gefüllt mit Kräutern und Käse, Spieße knusprig herausgebratener Wurzeln, Suppen in allen Farben, von Sonnengelb bis Blutrot und überall wurde warmes Hefebrot aus dem Steinofen gereicht. Letztlich fand eine dampfende Teigtasche den Weg in Jaros Hände und zum Nachtisch eine der gesüßten Hirsekugeln, von denen Jaro am liebsten gleich noch einen zweiten gegessen hätte, wenn er sich nicht vor den Frauen geschämt hätte. Immerhin aßen auch Kirona und Alaryah mit gesundem Appetit und alle lachten sie über den Cremekleks auf Kironas Nasenspitze, als diese besonders herzhaft in ihr gefülltes Fladenbrot biss. "Puh", seufzte die Frau, "Das war gut! Jetzt noch so ein Glas von dem fruchtigen Wein und ich bin im Himmel..."

Alaryah Schattenwind
Während die anderen vergleichsweise schnell ihr Abendmahl zusammengestellt hatten, dauerte es bei Alaryah etwas länger. Sie war anfangs nicht ganz bei der Sache gewesen, doch nun legte sich Hunger deutlich über Emotion. "Ich kann mich noch nicht entscheiden.", stellte Alaryah fest und wuselte erneut zwischen zwei Ständen umher. Dann blieb sie abrupt stehen. "Was...was ist das denn?!". Sie folgte dem Duft und kam schließlich bei einem jungen Alben an, der über einem kleinen Kochfeuer an einer Straßenecke gebeugt saß. Er wendete grüne Kugeln von der größe einer Orange, immer darauf achtend, dass die Flammen gleichmäßig und nicht zu stark waren. "Was verkauft ihr hier?", fragte Alaryah neugierig und langsam lief ihr das Wasser im Mund zusammen...und das obwohl sie nicht genau sagen konnte warum. Der junge Alb erklärte Alaryah, dass es sich um einen Fisch handle, der nur in bestimmten Gewässern im Waldreich vorkam. Die Zubereitung war kompliziert und dauerte mehrere Tage, doch musste sich das ganze scheinbar lohnen. Es schien, als sei der Fisch in...Blätter gehüllt? Als der Alb mit seinen Ausführungen über Aromen, Garzeiten und Kochtechniken geendet hatte war Alaryah klar, dass sie unbedingt diesen Fisch probieren musste! Der Alb nannte den Preis und die Gefährten sahen sich ungläubig an. Wie konnte er für solche Mühen nur so wenig verlangen? Scheinbar ging es ihm mehr um die Freude am Kochen als um die Einnahmen. Trotzdem gab es ein ordentliches Trinkgeld.
Zuerst bekam Alaryah gar nicht mit, dass sie eingeladen worden war. Erst als es ihr mehrere Bissen später auffiel bedankte sie sich leicht schüchtern bei Jaro. Es war ihr unangenehm, doch ihr wurde aufgrund der explodierenden Freude von vorhin schnell verziehen. Tatsächlich schmeckte es einfach wunderbar. Alaryah bot Jaro und Kirona ebenfalls einen Happen an. Die Stimmung war recht ausgelassen und dann erwähnte Kirona den Wein. "Wein.", murmelte Alaryah und rieb sich den Bauch. Sie konnte durchaus ein Getränk vertragen. "Wie sieht es aus? Warten wir noch einen Augenblick und...". Während sie sprach musste Alaryah plötzlich aufstoßen, errötete anschließend leicht und hielt sich die Hand vor den Mund. "Verzeiht.".
Das Ziel war trotzdem klar: Ein Ort, an dem man das ein oder andere Gläschen Wein trinken und die Schönheit der Umgebung genießen konnte.

Jaro Ballivòr
Das Grinsen ließ sich nicht vermeiden. "Ach... gewissermaßen lädt uns dieser...", Jaro stellte fest, dass er seinen Namen nicht mehr wusste. "Dieser Typ ein, der unsere Bekanntschaft erst möglich gemacht hat."
Kirona klopfte Alaryah sanft auf den Rücken. "Du musst es rauslassen!", lachte sie, setzte dann aber wieder ein erwartungsvolles Gesicht auf. Um nicht lange suchen zu müssen, fragten sie den Verkäufer der wunderbaren Fischkugeln nach Weinständen. "Stände gibt es hier wie Bäume im Wald... doch ich würde euch etwas anderes empfehlen." Er wies mit dem Finger die Gasse entlang. "Dort hinten gibt es eine feine Spelunke, nicht vielen bekannt und deshalb noch richtig urig. Zur gespaltenen Eiche - so heißt sie und es ist wahr, wisst ihr?" Er wendete die Kügelchen über dem Feuer und lächelte vor sich hin. "Vor Ewigkeiten hat ein Blitz die gewaltige Eiche gespalten und da hat man in den Zwischenraum einfach ein paar Stockwerke gezogen. Freie Sicht zu beiden Seiten und dabei umgeben vom alten, heiligen Holz der Eiche... das würde ich euch empfehlen!"
"Gibt es da auch Fruchtwein?"
Der Verkäufer lachte schallend. "Na selbstverständlich! Den besten überhaupt! Nur... besser ihr lasst die Finger von der Edeleiche... ein wirklich fieser Tropfen, wenn man nicht acht gibt."

Alaryah Schattenwind
Dann war es also entschieden! Die drei folgten der Empfehlung, nachdem sie alle vollends gesättigt waren. Dieses wohlige Füllegefühl hatte scheinbar jedem gefehlt und jetzt freuten sich die Gefährten nur noch auf ein ruhiges Plätzchen und einen ebenso ruhigen Ausklang des Abends. Sie hatten auf ihren Reisen zwar nicht wirklich schlecht gegessen, doch war das alles ein Witz gegen das gewesen, was ihnen hier in den Küchen zubereitet worden war. Für einen Moment schien all die Gefahr und das bisher erlebte in den Hintergrund zu rücken. Es tat ihnen gut.
Der Weg zur gespaltenen Eiche blieb weitestgehend ereignislos. In diesem Bereich des Handelspostens war einfach nicht viel los. Hauptsächlich fand man hier kleine Hütten vor, die als Lager verschiedenster Waren zu dienen schienen. An einer Ecke luden zwei Alben einen Karren ab, woanders reparierte ein Baumeister ein Dach und am Anfang einer schmalen Seitenstraße streichelte Alaryah eine grauschwarz getigerte Katze.
Schließlich erreichten die drei ihr Ziel. Der Koch hatte nicht übertrieben. Alaryah verstand nicht viel von Statik, doch war sie von der baulichen Leistung der Alben beeindruckt. Solch eine Konstruktion hatte sie wirklich noch nie gesehen. "Na los!", sprach Kirona und winkte sie heran.
Gerade, als Jaro an der stehengebliebenen Alaryah vorbeiging, griff diese nach seinem Unterarm. Er blieb stehen, dann zog die Albin ihn an sich heran, den Blick nach oben gerichtet. "Sieh doch nur.", sagte Alaryah leise und zeigte hinauf. "Da...dort oben...da möchte ich gleich sitzen.". Er folgte mit dem Blick ihrem Finger und erkannte einen Balkon in den oberen Stockwerken der Spelunke. Viele kleine Laternen waren dort entzündet worden, doch schien sich dort niemand aufzuhalten. Von dort aus musste man einfach eine schöne Aussicht haben. Die beiden verharrten einen Moment lang gemeinsam vor dem riesigen Baum. "Ehm...?!". Kirona hatte die Tür bereits geöffnet und war schon fast im Inneren verschwunden.

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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#57

Beitrag von Jaro Ballivòr » Sa 26. Jan 2019, 11:49

Jaro Ballivòr
Auf Kironas Drängen hin setzten sich Jaro und Alaryah in Bewegung, aber nicht ohne sich ein Grinsen zuzuwerfen ob Kironas Eile zu Trinken. Nach dem Eintreten verschluckte sie für einen Moment die Düsternis und es dauerte, bis sie sich an die neuen Lichtverhältnisse gewöhnt hatten. Anstelle eines offenen, hohen Raumes, fanden sie sich in einer engen Bar wieder. Der gegenüberliegende Halbkreis wurde komplett von einer über und über mit Flaschen beladenen Bar eingenommen. Zwei riesige schimmernde Zapfhähne zierte ihre Theke. Der Raum war gut gefüllt und Gelächter und das Klirren von Gläsern lagen in der Luft. "Ähm", Jaro wandte sich zu Alaryah um, die bloß mit den Schultern zuckte. "Am besten, wir fragen!"
Sie bahnten sich einen Weg zwischen Stehtischen hindurch, die teilweise einfache Baumstümpfe, teilweise leere Fässer waren. Jaros Blick flog von einer Seite zur anderen. Das war wohl, was der Koch als urig bezeichnet hatte... Sie quetschen sich an die Theke und ergatterten die Aufmerksamkeit eines Schenkers.
"Auf die Balkone? Einfach einen der Aufzüge dort drüben nehmen! Die bringen euch nach oben... und regelmäßige kommen unsere Mädels vorbei und versorgen euch mit Getränken." Er zwinkerte ihnen zu, während er drei Gläser gleichzeitig befüllte und auf ein Tablett stellte. Nachdem sie sich bedankt hatten, machten die drei sich auf den gezeigten Weg. Zuvor waren ihnen die Fahrstühle gar nicht aufgefallen, die in die Wand hineingelassen an Seilzügen nach oben führten. Mit weit aufgerissenen Augen folgte Jaro einem der Schächte, der schon nach kurzer Distanz ins Freie führte. "Nach oben?", fragte eine Albin mit einem kurzen grünen Kleid. Auf ihrer Hand balancierte sie ein Tablett voller überschwappender Gläser. "Ich nehme euch gerne mit!" Ein strahlendes Lächeln zierte ihr Gesicht und Jaro merkte zu spät wie ihm der Mund offen stehen blieb. Er warf Alaryah und Kirona einen bösen Blick zu, als er ihr Grinsen bemerkte. Die Kellnerin zog kurz an einem kleinen Strick und wie von Geisterhand ratterte die kleine Plattform nach oben. Sie ließen den Lärm und den Dampf des Schankraumes hinter sich und schwebten in die milde Abendluft.

Alaryah Schattenwind
Oben angekommen traten sie von der Plattform herunter. Sie befanden sich in einem kleinen Flur, der nach links und rechts abbog. Viele Nischen wurden hier von dunkelroten Vorhängen verdeckt. Die Geräusche aus dem Schankraum unten waren hier weiterhin, wenn auch dumpfer,zu vernehmen. Direkt vor Kopf, gegenüber der Plattform, hatten Künstler ein riesiges Wandgemälde aufgetragen, welches von vielen Kerzen unterschiedlichster Größe erhellt wurde. Den Rahmen stellte eine Art reich verziehrter Torbogen dar und es schien, als könne man direkt in das Gemälde eintauchen. Ein Sternenhimmel in tiefem Dunkelblau erstreckte sich über einem Albenpaar, welches sich in einem Pavillon gegenüberstand. Pflanzen wucherten die Streben und Pfeiler des Pavillons entlang, doch keine Blume war so prächtig wie die, die der Alb in der Hand hielt. Es handelte sich um einen Prinzen, dies konnte man deutlich an Schmuck und Kleidung erkennen. Er übergab die prächtige Blume einer kleinen, zarten Albin, die verarmt und elendig, aber dennoch glücklich aussah. Sie war gerade dabei das Geschenk entgegenzunehmen. Man hätte sich wohl Stunden oder eine halbe Ewigkeit vor diesem Wandgemälde aufhalten können, wieder und wieder konnte man neue Details entdecken. Da waren Vögel im Hintergrund, mystische Verzierungen auf der steinernden Treppe in das Innere des Pavillons und sogar die Sterne vermochten Bilder und Konstellationen längst vergangener Tage darstellen. Alaryah war sichtlich beeindruckt, auch ihre Gefährten waren wie gebannt von der Schönheit dieses Moments. Die Zeit schien still zu stehen, doch dann erklang die glockenklare Stimme der Kellnerin. "Hier lang, bitte. Da gibt es noch einen schönen Platz für Euch.". Die drei kamen zu sich und folgten, warfen jedoch noch einen Blick über die Schulter, zurück zu dem Bild. "Es ist wirklich wunderschön.", murmelte Kirona. "Jah...", flüsterte Alaryah schon fast. "Es gibt eine Geschichte dazu.", fügte sie leise an, als sie sich erinnerte. Alaryahs Mutter hatte ihr als Kind oft Geschichten zum Einschlafen erzählt, die mit dem Prinzen und dem Blumenmädchen hatte Alaryah schon immer sehr gemocht. Ohne Zweifel hatte der Künstler hier die wohl bedeutenste Szene daraus festgehalten und war dabei überaus erfolgreich gewesen. "Es war nämlich so, dass...". Alaryah konnte nicht aussprechen. Die Kellnerin blieb stehen und schob einen seidenen Vorhang zur Seite. "Ich hoffe ihr fühlt euch hier wohl?". Sie machte eine einladende Geste und die drei betraten einen halbrunden Balkon. Hängepflanzen wuchsen hier von der Decke herab, Moos bedeckte die Brüstung und eine kleine Statue zu ihrer linken hielt eine alte Laute in den Händen. Überall hatte man zu Beleuchtungszwecken faustgroße Laternen entzündet und die Wände waren mit Seiten aus allerhand Büchern, Landkarten und Zeichnungen gepflastert. Ein silber glitzerndes Windspiel klimperte leise vor sich hin, als die drei an einem massiven, runden Tisch Platz nahmen. Alaryah saß auf einem Fass, Jaro auf einer Eichenholztruhe und Kirona auf einem zurechtgeschnitzten Baumstumpf. "Ich bringe das hier...", die Kellnerin nickte zu dem Tablett in ihrer Hand "...eben zu den anderen Gästen. Was darf es für euch sein?". Kirona klopfte mit der flachen Hand auf den Tisch und bestellte Wein. Alaryah schloss sich dieser Bestellung an, ebenso Jaro, der erst zustimmte, nachdem Kirona ihn unterm Tisch mit dem Fuß angestoßen hatte. Er war wieder leicht abgelenkt gewesen...

Jaro Ballivòr
Betreten räusperte sich Jaro, was Kirona zum Lachen brachte. "Sie ist aber auch wirklich hübsch, Jaro!" Nun spürte er, wie ihm Hitze in die Wangen schoss und schnell wechselte er das Thema. "Es ist noch beeindruckender, als erwartet, oder?" Sein Blick glitt in die Ferne, wo die unzähligen Baumwipfel zunehmend mit dem Abendhimmel verschmolzen. Kirona klopfte auf ihren Baumstumpf. "Und gleichzeitig so schlicht und einfach. Sie haben einfach genommen, was sie hatten und es passt hierher wie gemalt." Gedankenverloren ließ sie die Finger über die alten Buchseiten streifen. "Auf jeden Fall mag hier jemand Geschichten... meintest du nicht, das Gemälde basiert ebenfalls auf einer?" Gerade in diesem Augenblick schwang erneut der Vorhang zur Seite und die Kellnerin trat ein. "Euer Wein." Der süßliche Duft ihres Parfüms schwebte zu Jaro herüber und ohne recht zu wissen, wieso, errötete er erneut. "Einen Besseren gibt es nirgends, das verspreche ich euch." Sie lächelte ihr einnehmendes Lächeln und drehte sich in einer fließenden Bewegung durch den Vorhang hindurch. Kurz darauf reckte sie allerdings noch einmal den Kopf hinein. "Wenn ihr Nachschub braucht, läutet einfach dieses Glöckchen." Sie wies auf eine kleine goldene Glocke neben dem Eingang. "Ich werde es hören", fügte sie an, als hätte sie Jaros Frage in seinem Gesicht abgelesen und verschwand endgültig.
"Nun?", setzte Kirona erneut an, "was hat es mit dem Paar auf dem Gemälde auf sich?"

Alaryah Schattenwind
Irgendetwas muckte in Alaryah auf, als sie Jaro so der Kellnerin hinterherschauen sah. So ganz konnte sie es sich nicht erklären und versuchte sich daher nichts anmerken zu lassen. Einen Moment lang war sie in Gedanken, da standen auch schon ihre Getränke auf dem Tisch. Alaryah war irgendwie froh, als sie wieder allein waren. Kirona erhaschte als nächstes die Aufmerksamkeit der Albin. "Oh...ehm...", stammelte sie und fühlte sich irgendwie ertappt. Schnell begann Alaryah mit ihrer Erzählung. "Also. Es ist eine Szene aus einer Geschichte, die mir meine Mutter damals oft zum Einschlafen erzählt hat.". Kirona beugte sich etwas vor. "Ja?", fragte sie neugierig. "Erzähl!". Alaryah schüttelte verlegen den Kopf. Schließlich war sie doch eine erfahrene und fähige Waldläuferin! Die Zeiten, in denen sie sich an dererlei Geschichten erfreut hatte, waren schon lange vorbei! Sie war doch kein Kind mehr! Kironas aufmunternder Blick schien keine Widerworte zuzulassen. Auch Jaro stimmte nun mit ein. "Komm schon, Alaryah!", bat er und stubste sie am Ellenbogen an. "Erzähl uns zumindest grob worum es geht.". Alaryah atmete tief durch, hob den Becher und stieß mit ihren Gefährten an. "Also gut...", sagte sie schließlich und nahm einen tiefen Schluck. "Die Geschichte handelt von einem Blumenmädchen. Sie ist arm und allein, hat keine Familie und musste sich irgendwie auf der Straße durchschlagen. Das bisschen, was sie an Geld besaß, verdiente sie mit dem Verkauf von Blumen und kleinen Sträußen. Sie war nicht gern an den Markttagen gesehen, viele hielten sie einfach für eine Bettlerin und oftmals verscheuchte man sie. Ihr Name war Rhowennia.". Alaryah erzählte von dem Leben des Albenmädchens, wie sie sich wieder und wieder aufraffte und trotz ihres Elends nie den Mut verlor. Rhowennia war allein und es schmerzte sie zwar sehr zu sehen, wie scheinbar alle um sie herum glücklich wurden, doch war sie sich stets sicher auch ihr Glück zu finden. Alaryah unterbrach ihre Erzählung und kramte in ihrer Umhängetasche herum. "Was...was ist dann passiert?", wollte Kirona wissen. Jaro versuchte einen Blick auf das zu erhaschen, was Alaryah aus ihrer Tasche zog und unter dem Tisch verborgen hielt. "Eines Tages reiste ein Prinz durch die Stadt. Ein Bote kündigte sein Kommen einen Tag vorher an, kaufte sogar eine Blume bei Rhowennia. Alle Bewohner des Ortes waren in heller Aufregung und putzten sich heraus, schließlich wollten sie einen guten Eindruck machen und in der Gunst des Prinzen steigen. Da war Rhowennia ihnen leider im Weg. So vertrieben sie das Blumenmädchen, da sie fürchteten sie könne ein schlechtes Licht auf ihr Dorf werfen. Rhowennia musste fliehen.". Alaryah erhob sich nun und hielt nun eine schmale Flöte in den Händen. Sie führte sie zum Mund und schon bald ertönte eine schwere, traurige Melodie. Irgendwann endete die Albin. "Dann war es soweit.", sagte sie geheimnisvoll. "Der Prinz traf ein. Er begrüßte den Dorfvorsteher und die Menge. Dann fragte er, ob alle Bewohner des Dorfes anwesend seien. Alle nickten. Er fragte erneut, wieder bejahten die Bewohner. Sie taten es auch ein drittes Mal. Der Prinz zog einfach weiter. "Herr!?", fragte der Dorfvorsteher. "Herr, wieso bleibt ihr nicht?". Der Prinz hielt inne und sprach:"Bleiben? Wie könnte ich bei denen bleiben, die zum eigenen Zwecke Alben aus ihrer Mitte verstoßen? Drei mal habt ihr mich belogen, geht mir aus den Augen.". Der Prinz offenbarte, dass er der Bote gewesen ist. Er hatte sich verkleidet und wollte die Ehrlichkeit seiner Untertanen auf diese Weise prüfen.". Alaryah fuhr mit der Geschichte fort, spielte dabei noch ein paar weitere Strophen und schritt dabei langsam um den Tisch herum. "Und so kam es, dass der Prinz das Blumenmädchen endlich traf. Es war eben jener magische Moment, den ihr auf dem Gemälde bestaunen konntet. Er schenkte ihr die Blume, die sie ihm verkauft hatte, doch diese war nun verzaubert durch die Kraft seines Herzens und seiner Liebe.". Alaryah schloss die Geschichte mit einer letzten Melodie und kam nach einer kleinen Pirouette zwischen Jaro und Kirona zum stehen. Ihre Augen waren leicht feucht und die Albin wandte schüchtern den Blick ab. "Nun, so erzählt man sich.", hauchte sie leise und machte einen Schritt in Richtung ihres Platzes.

Jaro Ballivòr
Stille folgte Alaryahs Erzählung und blieb eine Weile hartnäckig zwischen ihnen hängen. Kirona fand als erstes ihre Stimme wieder. "Das... das ist eine wirklich wundervolle Geschichte." Sie flüsterte fast, als fürchte sie, durch lautes Sprechen die Magie des Augenblicks zu vertreiben. Eifrig nickte Jaro und trank von seinem Kelch. Kühl rann der Wein seinen Hals hinab, doch in seinem Bauch sorgte er für Wärme. "Ich konnte alles bildlich vor mir sehen." Auch er sprach sehr leise. Das Erstaunen über die Lebhaftigkeit von Alaryahs Erzählung stand ihm noch in das Gesicht geschrieben. "Ein Glück hat der Prinz die Leute durchschaut... ich verstehe nicht, wieso so viele nach dem ersten Eindruck handeln, bevor sie wissen was alles dahinter steckt."
"Wem sagst du das?" Kirona seufzte und zog die Ärmel weiter über die Handgelenke, als wolle sie die Tätowierungen besser verbergen.
"Und ich wusste ja gar nicht, dass du auch ein Instrument spielen kannst!" Jaro lächelte Alaryah an, die selbst noch halb im Bann der Geschichte zu stecken schien. "Das war wirklich schön..."
Nun lachte Kirona und ihre andächtige Stimmung lockerte auf. "Das stimmt. Hey, wenn es mit der Karriere als Waldläuferin nichts wird, könntest du eine Vagabundin werden." Sie knuffte die Albin und lehnte sich dann auf ihrem Platz zurück. "Guter Wein und gute Geschichten... so könnte ich es ewig aushalten. A propos", sie drehte ihren Kelch nach unten und nur ein einziger Tropfen fiel heraus, "ich könnte Nachschub gebrauchen."

Alaryah Schattenwind
Alaryah nickte nur verlegen. "Freut mich, dass es euch gefallen hat. Ich habe mich da vielleicht etwas treiben lassen.", murmelte sie.
Kirona leutete schließlich die Glocke. Es dauerte nicht lange, da erschien auch schon die Kellnerin und die nächste Runde war schnell bestellt. Wieder blieb Jaros Blick in Alaryahs Augen unangenehm lange auf der Albin hängen. Dann war sie endlich wieder weg. Was war das gerade wieder für ein Anflug von Gefühlen, ja, fast schon von Eifersucht gewesen?! Alaryah war erstaunt über sich selbst. Sie drehte den Kelch in ihrer Hand und suchte auf dem Grund nach einer Antwort, fand diese jedoch nicht. Es schien auch nicht zu helfen, dass der Wein immer weniger und weniger wurde. Alaryah zwang sich zur Ruhe. <Was ist denn jetzt los mit dir?>, fragte sie sich selbst. Zu allem Überfluss antwortete sie auf Jaros Lob auch noch mit "Es gibt noch ein paar Dinge, die du nicht über mich weisst.". Innerlich fluchte Alaryah. <Was. Hast. Du. Dir. Dabei. Gedacht?!>. Immerhin brachte sie ein Lächeln zustande und schien nicht aggressiv oder beleidigend zu klingen. "D...dieser Wein...ist gut.". Alaryah versuchte unbeholfen die Röte in ihrem Gesicht zu verbergen. Sie wandte den Blick ab, stand schließlich auf und schritt zu der moosbewachsenen Brüstung hinüber. Die kleine Albin schloss die Augen. Spielte ihr der Wein Streiche? Nein, unmöglich. Sie war in keinster Weise Angetrunken...zumindest noch nicht. Wie sollte sie den Abend nun überstehen? Irgendetwas stimmte auf jeden Fall gerade ganz und gar nicht.

Jaro Ballivòr
Kurz irritierte Jaro Alaryahs Antwort, doch schnell tat er es ab. Natürlich war das so. Immerhin war sie eine Waldläuferin! Nie konnnte er wissen, was alles in ihr steckte. Er erwiderte ihr Lächeln schüchtern, auch wenn das Gefühl blieb, etwas falsch gemacht zu haben.
"Besser als gut!", warf Kirona ein, der die merkwürdige Situation offenbar entgangen war. "Aber hui, er hat es auch in sich! Findest du nicht, Jaro? Oder denkst du nur an die schicke Dame, die ihn bringt?"
Jaro verschluckte sich und hätte die Mundladung Wein beinahe wieder ausgespuckt. "Nein... ich... also." Er unterbrach sich, als er merkte, dass nichts Sinnvolles mehr aus seinem Mund kommen würde.
"Ist doch ganz normal! Du bist ein junger Kerl. Sag nicht, du hast noch nie ein Mädchen gehabt?" Das Gespräch entwickelte sich mehr und mehr in die falsche Richtung. Hilfesuchend blickte Jaro zu Alaryah, obwohl er gar nicht wusste, was er von ihr eigentlich erwartete. Sie schien auch keine Anstalten zu machen sich einzumischen, denn sie stand weiter mit dem Rücken zu ihnen an der Brüstung.
"Hast du ehrlich nicht? Oh mann... dann wird es Zeit, mein Junge." Kirona fühlte sich sichtlich wohl. Entweder bemerkte sie Jaros Unruhe nicht oder sie hatte Spaß daran.
"Wir sind aus einem anderen Grund hier", setzte Jaro einen schwachen Versuch an, den er selbst sofort bereute. Wieso fiel ihm nichts Besseres ein, als das schwierige Unterfangen zu erwähnen, von dem sie gerade für ein paar Stündchen geflohen waren?
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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#58

Beitrag von Alaryah Schattenwind » Fr 1. Feb 2019, 18:20

Alaryah Schattenwind
Alaryahs Blick flog herum. Kurz rasten Bilder vor ihrem inneren Auge umher, die vergangenen Ereignisse hatten dann doch ein paar Spuren hinterlassen. Sie blinzelte, um diese Schatten zu vertreiben und merkte erst dann, dass sie einfach in Richtung der anderen geglotzt hatte. Zuerst hatte Alaryah noch verunsichert die Lippen aufeinander gepresst, doch dann gab sie sich und ihrem Körper einen Ruck. Sie setzte sich wieder. "Wo...worüber habt ihr gerade gesprochen?", fragte Alaryah und fuhr sich mit beiden Händen durch die Haare. Kirona grinste Jaro an, dieser verdrehte leicht die Augen. Für die Frau war es schon fast eine Ehre die letzten Gesprächsfetzen noch einmal zu wiederholen, sehr zu Jaros Leidwesen. Alaryah ließ den Alben dabei nicht aus den Augen. Als Kirona ihre Zusammenfassung beendet hatte beugte sich Alaryah leicht vor. Sie griff nach Jaros Hand und drückte sie. Einen kurzen Moment verharrte sie, dann ließ sie Jaros Hand wieder los und lehnte sich zurück. Erst jetzt fiel der Albin auf, wie fest sie ihren Krug hielt. "Ich hätte nie gedacht, dass ich Personen wie Euch kennenlernen und solche Abenteuer erleben würde.", brachte Alaryah schließlich hervor und nahm einen beherzten Schluck aus ihrem Becher.

Jaro Ballivòr
Obwohl Jaro bei Kironas Zusammenfassung seinen Kelch hypnotisierte und versuchte, nicht hinzuhören, achtete er sehr genau auf die Wortwahl. Er entschied, dass es vermutlich Schlimmeres gab, auch wenn er sich weiter schämte. Als Alaryah seine Hand drückte, sah er zögerlich auf und brachte ein kleines Lächeln zustande. Die Bedienung, so schwor er sich, würde er bei ihrem nächsten Besuch keines Blickes mehr würdigen!
"Nein", sagten Jaro und Kirona gleichzeitig, hielten inne und mussten schließlich grinsen. "Du zuerst", bot Kirona an und Jaro nickte. "Ich hätte das auch nicht gedacht, niemals. Eigentlich wollte ich nur die Welt sehen und etwas über Natur und Leute lernen... dass ich einmal kämpfen muss, geschweige denn, so oft in so kurzer Zeit nur knapp dem Tod entrinne..." Er schüttelte den Kopf und verstummte. "Und so tolle Freunde kennenlerne", fügte Kirona an und beinahe meinte Jaro einen Hauch Versöhnlichkeit in ihrem Lächeln zu sehen für ihre vorherige Sticheleien. "Das hätte ich vor allem nie gedacht. Ich hatte beinahe schon vergessen wie es ist, einem Menschen... oder Alben zu vertrauen." Jaro erwiderte ihr Lächeln und sah auch zu Alaryah hinüber. Es stimmte. Selbst wenn er überlebt hätte, ohne die beiden hätte er schon längst aufgegeben. Aber so steckten sie gemeinsam darin und würden es auch gemeinsam zu Ende bringen. Zumal scheinbar so viel von ihrem Erfolg abhing. Der Gedanken erfüllte ihn unvermittelt mit Stolz.

Alaryah Schattenwind
Die Zeit verging und die drei verlebten noch einen Abend, der ihnen allen in Erinnerung bleiben sollte. Dieses Etablissement war einfach zu einzigartig, als dass man es jemals vergessen könnte. Irgendwann drehten sich nicht nur die Gespräche im Kreis...der Wein entfaltete langsam aber sicher seine volle Wirkung...

Alaryah schlug die Augen auf. Ihr Blick stellte sich scharf und sie erkannte eine hölzerne Zimmerdecke. Langsam versuchte sich die Albin aufzurichten. Sie hatte leichte Rücken- und Schulterschmerzen, scheinbar hervorgerufen durch die seltsamsten Schlafpositionen. Alaryahs Finger ertasteten Stroh. Sie hatte doch ein Bett im Zimmer gehabt? Die Albin sah sich um. Sie war nicht in ihrem Zimmer. Wo war sie dann? "WOOOAAAHH!!!", fuhr es aus Alaryah heraus und sie warf sich nach links, als sie eine grobe Berührung an ihrer rechten Kopfseite spürte. Der Schreck saß recht tief udn sie kam daher gerade noch so zum Stehen, ruderte dabei mit den Armen. Da war ihr Pferd Sonnenstrahl! Jetzt fiel Alaryah alles wieder ein! Sie hatte im zusammengezimmerten Stall des improvisierten Waldläuferlagers geschlafen, hatte bei ihrem Pferd sein wollen! Was war noch passiert? Sie hatten das Gasthaus gemeinsam verlassen...und dann? Nach und nach kamen die Erinnerungen zurück. An einer Kreuzung war Alaryah stehengeblieben und wollte einen anderen Weg einschlagen. Sie hatte sich gefühlt wie ein Fisch an einer Angel. Jaro hatte versucht sie festzuhalten, wollte vernünftig auf sie einreden. Kirona hatte gelacht, wie so oft an diesem Abend. Alaryah verzog den Mund und klopfte ihre Kleidung ab. "Du brauchst mich gar nicht so angucken!", meinte sie und hob den Finger in Richtung Sonnenstrahl. Das Pferd schnaubte nur. "Ich sehe wahrscheinlich furchtbar aus...", murmelte Alaryah und tappte umher. Hier lag der eine Stiefel, dort der andere...ihre Kleidung saß alles andere als richtig und ohne in einen Spiegel zu sehen wusste Alaryah, dass in ihrem Haar überall Stroh hängen würde. So konnte sie niemals aus dem Stall! Was, wenn ihre Gefährten sie so sehen würden? Wo waren die überhaupt? Alaryah verfolgte den Gedanken und versuchte sich zu erinnern, während sie unbeholfen Stroh aus ihrem langen Haar entfernte.

Jaro Ballivòr
Ein einzelner Sonnenstrahl weckte Jaro. Er blinzelte in Richtung des Spalts der Fensterläden und stöhnte. Vorsichtig setzte er sich auf... und legte sich sofort wieder hin. Sein Kopf drehte sich im Kreis. Für einen Moment schloss er erneut die Augen, dann nahm er sich ein Herz und schwang die Beine aus dem Bett. Er rieb sich die Augen, stand dann auf und öffnete das Fenster. Die milde Luft blies ihm den Kopf frei und er traute sich, die abstützende Hand von der Wand zu nehmen. "Diese Edeleiche wird ihrem Ruf gerecht..." murmelte er sich selbst und der wunderbaren Aussicht zu. Sein Blick glitt zurück durch das Zimmer und er entdeckte eine Schüssel Wasser, die während er geschlafen hatte, wohl irgendwie den Weg hinein gefunden hatte. Das Wasser war mit Kräutern gewürzt und wurde von erhitzten Steinen warm gehalten. Eine Portion Eiswasser hätte Jaro mehr getaugt, doch er war sehr dankbar, sich waschen zu können. Anschließend las er seine Klamotten vom Boden auf, schüttelte sie aus und schlüpfte hinein. Nun, da er sich einigermaßen vorzeigbar fühlte, wollte sehen, ob die Frauen schon wach war. Er hob die Hand, um anzuklopfen, da riss Kirona schon die Tür auf.
"Oh", sagte sie. "Ich wollte dich gerade wecken." Der Abend hatte keinerlei Spuren an ihr hinterlassen. Sie sah aus, als hätte sie einen erholsamen Schlaf hinter sich.
"Alaryah?", fragte Jaro, doch Kirona schüttelte den Kopf.
"Ist nicht mehr her gekommen. Bestimmt wartet sie auf uns, komm jetzt. Das Frühstück nehmen wir mit."
"Hm..." Jaro nickte zögerlich und ging seinen Beutel holen. Hoffentlich war Alaryah nichts zugestoßen.
"Sei nicht so ein Sorgenbold", erriet Kirona seine Gedanken. "Sie ist bestimmt bei ihren Freunden und da gehen wir jetzt auch hin."
Sie hatte Recht. Sachte schloss Jaro die Tür seines Zimmers und folgte Kirona die Treppe hinab. Am Buffet schnürten sie sich ein kleines Paket und nahmen auch für Alaryah etwas mit. Nachdem die Haushälterin ihnen noch ein Stück selbstgebackenen Kuchen angedreht hatte, machten sie sich schließlich auf den Weg zum Lager der Waldläufer, auch wenn sie nur die grobe Richtung kannten.

Alaryah Schattenwind
<Es wird reichen müssen.>, sagte sich Alaryah in Gedanken. Sie musste wohl ohne Spiegel und weitere Gegenstände auskommen müssen und hoffte, dass zumindest das Stroh aus ihrem Haar entfernt war. So ging sie in Richtung Stalltür. Kurz davor drehte sie sich noch einmal zu Sonnenstrahl um. Ihr Pferd folgte und stubste die kleine Albin erneut mit dem Kopf an. "Ach du..", lachte sie leise und kuschelte sich erneut an das warme Fell. "So, jetzt muss ich aber los! Die anderen machen sich bestimmt Sorgen!", erklärte Alaryah und hob die Augenbrauen. Sonnenstrahl wieherte zustimmend. "Es war schön wieder bei dir zu sein. Ich habe dich vermisst.".

Es dauerte einen Moment, bis sich Alaryahs Augen an die Helligkeit des Tageslichts gewöhnt hatten. Sie atmete erst einmal tief durch.Im Stall war es tatsächlich stickiger gewesen als ursprünglich gedacht. "Guten Morgen.", murmelte eine Stimme seitlich von Alaryah. Sie fuhr herum. Da stand ein Wächter, gerüstet und von recht respektvoller Erscheinung. "Na, ausgeschlafen?". Die kleine, verbale Spitze hatte sich der Alb nicht verkneifen können und Alaryah erkannte deutlich das Grinsen unter seinem hohen Kragen. "Ihr wisst gar nicht...Ihr...also...Schweigt einfach!", brachte Alaryah nur hervor und hob mahnend den Finger. Sie wandte sich ab und schritt schnell von dannen. Mit großen Augen sah sie sich nun erschrocken um. Hier und da hockten Waldläufer beieinander, woanders bauten Alben das Lager aus und wieder andere überarbeiteten ihre Ausrüstung. Alaryah fühlte sich, als würden tausend Augenpaare auf ihr lasten und sie mit urteilenden Blicke strafen, doch war dies tatsächlich nicht der Fall. Niemand hatte Notiz von der kleinen Waldläuferin genommen, die heimlich in die Stallungen eingedrungen war. Niemand, außer der Nachtwache am Eingang. Dieser jedoch schien den Mantel des Schweigens über Alaryahs Ankunft zu werfen.
"Schattenwind. Alaryah Schattenwind. Seid ihr sicher, dass sie nicht bei Euch ist?". Alaryah hörte ihren Namen in der Ferne. Da waren Jaro und Kirona! Ihr Herz machte einen kleinen Sprung. "Hier!", rief sie mit heller Stimme und eilte in Richtung ihrer Gefährten. Alaryah bekam die verwunderten Blicke der umstehenden Alben nicht mit, die weder sie, noch das sich aus ihrem Haar lösende Stroh erwartet hatten.

Jaro Ballivòr

Kirona lotste sie überraschend gut durch den kleinen Stützpunkt und das Lager der Waldläufer befand sich unweit der letzten Hütten. Allerdings schien Alaryah dort niemand gesehen zu haben. Die Sorgen kamen zurück. Was, wenn Alaryah etwas passiert war? Oder wenn sie mit sonst wem mitgegangen war? Vielleicht erwachte sie gerade auf der Bank einer Taverne und hätte sich über eine helfende Hand mehr als gefreut? Immerhin war sie ebenfalls schon recht angeknackst gewesen vom Wein als sie sich getrennt hatten. Zumindest soweit Jaro sich erinnerte. Gerade wollte er Kirona ansprechen, woanders zu suchen, da drang Alaryahs Stimme zu ihnen hinüber. Erleichterung und Empörung wetteiferten in Jaro ohne dass er eines von beiden hätte kontrollieren können. Zum Glück übernahm Kirona die Begrüßung. "Wusste ich doch, dass du hier bist, du Schluckspecht! Nichts konnte dich bewegen, in die Unterkunft mitzukommen." Sie zog Alaryah einen Strohhalm aus dem Haar und runzelte die Stirn. "Wo auch immer du stattdessen geschlafen hast..."
Generell sah Alaryah ziemlich zerknittert aus, fand Jaro. Wobei er gar nicht sicher war, ob er viel besser aussah, auch wenn das gröbste Unwohlsein bereits verflogen war. "Wir haben Frühstück dabei", sagte er leise, um auch etwas beizutragen. Die umstehenden Waldläufer warfen sich belustigte Blicke zu, vermutlich über die merkwürdige Truppe in ihrer Mitte ebenso wie den unerwarteten Übernachtungsgast, waren aber höflich genug, nichts zu kommentieren.

Alaryah Schattenwind
Alaryah fuhr zusammen als Kirona sie recht laut begrüßte. "Pssssst.", zischte sie. Gerade so ein Wort wie "Schluckspecht" mochte sie in diesen Kreisen nicht sonderlich. Was sollten die anderen Waldläufer nur denken?!
Jedenfalls war die Albin froh ihre Gefährten den Umständen entsprechend unbeschadet wiederzusehen. Sie zuckte etwas zurück, als Kirona den Strohhalm aus ihrem Haar entfernte und wandte dann den Blick ab. Diese Begegnung war ihr dann doch unangenehmer als gedacht. Zum Glück erwähnte Jaro dann das Frühstück. Es dauerte nicht lang, da hatten sich die drei einen gemütlichen Platz ausgesucht und so verspeisten sie gemeinsam die doch recht reichhaltige Mahlzeit. Gemeinsam setzten sie dann die Fragmente ihrer Erinnerungen des letzten Abends zusammen. Sowohl Alaryah als auch Jaro verschwiegen ein paar Details, auch Kirona ließ hier und da etwas aus...doch es war in Ordnung. Irgendwann wurden die drei jedoch unterbrochen. "Schattenwind?". Alaryah sah zuerst auf. Sie schluckte den Bissen Brot in ihrem Mund hinunter und sah den gerüsteten Alben vor ihnen nun direkt an. "Ja?", fragte sie trocken und legte den Kopf schief. "Es geht um einen Eurer Gefährten.". Alaryah sah den Alb fragend an, der jedoch fixierte, zu Jaros Erleichterung, Kirona. "Es wird nach Euch verlangt.", erklärte der Soldat knapp und nahm Haltung an. Er erwartete, dass Kirona aufstand und Folge leistete, doch eine Reaktion ihrerseits blieb aus. Erst, als Alaryah die Frau mit dem Fuß anstubste und in Richtung des wartenden Alb nickte verstand diese. "Oh, natürlich, verzeichung.". Kirona rappelte sich auf, auch Jaro und Alaryah erhoben sich. "Ihr werdet hier warten.", sagte der Alb mit leicht erhobener Hand. Sein Blick ließ jedoch keinen Widerspruch zu und so blieben Alaryah und Jaro zurück. Sie schauten Kirona ratlos nach, die warf ihren Gefährten noch einen kurzen Blick über die Schulter zurück und zuckte dann mit den Schultern.
Die nächsten Minuten vergingen quälend langsam. "Warum haben sie Sie mitgenommen?", fragte Jaro erneut, doch Alaryah reagierte kaum. Sie dachte nach, war in Gedanken vertieft. Sie saß einfach nur da, hatte das Kinn auf ihre Knie gelegt und starrte in eine unendlich weite Ferne. "Sie werden ihr nichts antuen, das ist sicher.", dachte Jaro laut weiter. "Doch was geschieht jetzt? Warum dürfen wir nicht dabei sein?". Alaryah hob den Kopf. "Wahrscheinlich haben sie Fragen an Kirona. Fragen, die sie ohne Einfluss unsererseits beantworten soll.", erklärte die Albin. "Sie wird nicht als Kriminelle behandelt, viel mehr erhofft man sich scheinbar Wissen.". Jaro stand einfach nur da. Alaryah setzte ihre Erklärung fort. "Vielleicht kann Kirona wirklich helfen oder Informationen weitergeben.". Alaryah wagte keinen Blick in Jaros Richtung. "Sie werden ihr kein Leid antuen, sei unbesorgt.".

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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#59

Beitrag von Jaro Ballivòr » So 10. Feb 2019, 22:39

Jaro Ballivòr
Doch Jaro war alles andere als unbesorgt. Zwar wusste er mittlerweile um die Aufrichtigkeit und Ehre der Waldläufer, aber warum war Alaryah so tief in Grübeleien versunken? Was beschäftigte sie so sehr, dass sie seine Fragen zunächst gar nicht beantwortet hatte? Seine eigenen Gedanken führten ihn zu dem letzten Verhör, das sie getrennt von einander hatten erleben müssen. Sie konnten von Glück reden, mit heiler Haut davon gekommen zu sein. Jaro seufzte. Scheinbar war ihnen wirklich kein Augenblick der Ruhe vergönnt. Wann immer sie sich zurückzogen und sich ein paar schöne Stunden nahmen, folgte der nächste Schlag auf dem Tritt. <Dieses Mal ist bestimmt alles gut>, versuchte er sich einzureden, während das erneute Schweigen zwischen ihnen an ihm zu nagen begann. Er nahm sich eine Hand voll getrockneter gelber Früchte und blickte immer wieder in die Richtung, in die Kirona verschwunden war. Schon jetzt kam es ihm vor wie eine Ewigkeit und nichts deutete darauf hin, dass sie so schnell zurückkommen würde. Schüchtern sah er zu Alaryah. "An was denkst du?", fragte er vorsichtig. So langsam beschlich ihn das Gefühl, dass es noch etwas anderes gab, als die Befragung Kironas, das Alaryah beschäftigte. Er zermarterte sich das Hirn. Hatte er am Abend zuvor vielleicht irgendetwas gesagt oder getan, was unangebracht gewesen war? Wenn nur die Erinnerung nicht so schwammig wäre... Vielleicht war dieser Wein doch nichts für ihn. Wenn Jaro eine Sache von sich behaupten konnte, dann dass er stets höflich und zurückhaltend war, doch wie konnte er sich dessen sicher sein, wenn er den Verlauf des Abends nicht einmal mehr zusammenbrachte?

Alaryah Schattenwind
Alaryah schaute Jaro an. Sie atmete tief durch, sagte dann jedoch nichts und schaute wieder in die Richtung, in der sie Kirona nun vermutete. Im Augenwinkel konnte die kleine Albin deutlich erkennen, dass Jaro den Kopf sinken ließ. Wahrscheinlich machte er sich gerade wieder Vorwürfe etwas falsch gemacht zu haben oder dergleichen, da war sich Alaryah fast sicher. So schwiegen sie sich eine gefühlt halbe Ewigkeit an, auch wenn es nur ein paar Sekunden in der Wirklichkeit waren. Fieberhaft kramte Alaryah in ihrem Kopf nach ein paar Worten, mit denen sie ihre momentane Gefühlswelt beschreiben konnte, doch brachen ihre Satzkonstrukte wieder und wieder wie ein Kartenhaus im Wind zusammen. Dann gab Alaryah auf und seufzte. "Es...es fällt mir gerade irgendwie schwer darüber zu reden.", begann sie plötzlich und ließ einfach die Worte aus ihrem Mund heraus. "Wobei mir selbst dieses "darüber" nicht ganz klar ist.". <Was redest du da?>. Zum Abwarten verdammt setzte sich Alaryah nun wieder. "Es geht einfach alles so schnell. Erst sind wir hier, dann dort, dann passiert wieder etwas Furchtbares...und mittendrin diese Momente, die einfach wunderschön sind, wer weiss, was es noch für Momente geben wird?". <Langsam, langsam!>. Alaryah rieb sich mit der Hand über den Mund, presste dabei die Lippen fest aufeinander. "Ich habe zwischendurch einfach schreckliche Angst.". Sie rieb sich eine kleine Träne aus dem rechten Auge. "Dann wiederum denke ich, dass uns niemand je aufhalten können wird und wir unsere Mission erfüllen können und werden.". <Sie werden Kirona unversehrt zu uns zurückbringen, da bin ich mir ganz sicher.>. Diesen Gedanken sprach die Albin nun auch laut aus.

Jaro Ballivòr
Dankbar für die erklärenden Worte, nickte Jaro eifrig und aufmunternd. Im Grunde, so stellte er fest, war es ganz unerheblich, was Alaryah sagte, solange sie ihn nicht anschwieg. Jaro musste sich beinahe ermahnen, ihr auch wirklich zuzuhören. Ja... selbstverständlich hatte er wieder zu weit gedacht und sich irgendeinen Schwachsinn zusammen gesponnen! Alaryah hatte viel mehr durchmachen müssen als er, durfte sie da nicht von Zeit zu Zeit einmal nachdenklich sein? "Wir schaffen das ganz bestimmt", brachte er hervor. Dass Alaryah sich fürchtete trieb ihm Schauder den Rücken hinauf. Er wollte, dass der positive Gedanke hängen blieb. "Wir haben schon so viel erreicht und wer weiß, vielleicht können uns die Waldläufer helfen. Vielleicht befragen sie gerade deshalb Kirona..." Jaro unterbrach sich. Mit Sicherheit hatte Alaryah ihre Mission aus gutem Grund auch ihren Freunden unter den Waldläufern nicht leichtfertig preisgegeben. Trotzdem... der Gedanke, von einer Hand voll der schneidigen Krieger begleitet zu werden ließ sich nicht mehr vertreiben. Leider wurde die Hoffnung darauf aber schnell zerstört; ebenso Alaryahs Vermutung bezüglich Kirona. Mit langen Schritten kam der Krieger, der Kirona zuvor geholt hatte, auf sie zu. Alleine. "Es geht ihr gut", begann der Alb sofort, als hätte er ihre Gedanken gelesen. "Doch sie wird erst einmal nicht zu euch zurückkehren. Sie hat eingewilligt, eine Weile bei uns zu bleiben. Sie ist... von großem Wert für uns und die Sicherheit unseres Landes."
Jaro konnte es kaum fassen. "Aber... wir müssen ebenfalls..." Mit einem Wink tat der Krieger Jaros Einwand ab. "Ihr müsst ohne sie schaffen, was auch immer euer Auftrag ist. Sie übergibt euch dies." Von irgendwoher zog er einen kleinen Beutel hervor. Wenn man nicht wusste, worauf man achten musste, war das rötliche Funkeln darin kaum zu sehen.

Alaryah Schattenwind
Mit leicht zittrigen Knien war Alaryah aufgestanden und hatte den kleinen Beutel entgegen genommen. "Ihr könnt sie nicht einfach hier behalten.", sagte sie leise und suchte schon fast fassungslos nach ihrer Stimme. "Ihr werdet sie hier wieder treffen können, doch noch ist nicht die Zeit dafür.". Gerade, als sich der Soldat zum Gehen wandte murmelte Alaryah etwas. Weder Jaro, noch der Soldat hatten sie genau verstanden. "Habt ihr noch etwas gesagt?", fragte der Krieger desinteressiert über seine Schulter hinweg in Alaryahs Richtung. Seine Worte und Anweisungen hatten eigentlich keinerlei Widerspruch zugelassen. Alaryah wiederholte den Satz, während sie einfach so mit gesenktem Kopf da stand. "Was...?", der Soldat kam nun wieder zurück. Dann hob Alaryah plötzlich den Kopf, ihr Gesicht war voller Zorn. Der Soldat baute sich vor der Albin auf und sie funkelte ihn böse von unten her an. "Ich sagte, ihr werdet sie nicht einfach hier behalten. Nicht ohne Abschied und der Gewissheit, dass sie wohlauf ist.", knurrte Alaryah schon fast. Möglicherweise stand der Krieger im Rang höher als sie, doch war Alaryah das gerade egal. Sie wollte einfach nicht einsehen, dass ihre kleine Gemeinschaft nun auseinandergerissen wurde. "Die Anweisung war deutlich. Sie wird hier bleiben, ihr setzt euren Weg fort.". "Ich will sofort...!". "Hier gibt es nichts zu diskutieren, Schattenwind!", unterbrach sie der Soldat mit laut polternder Stimme. Dann kam er näher an Alaryah heran. "Ihr habt geschworen den Wald und die Grenzen zu schützen, wenn es sein muss sogar mit Eurem Leben. Darf ich Euch an diesen Schwur erinnern, Schattenwind? Hier steht weit mehr als die Sicherheit eines Dorfes oder eines Hains auf dem Spiel. Ihr wisst selbst, dass viel Macht von der Frau ausgeht.". "Trotzdem wollen wir sie noch mal sehen!", mischte sich nun auch Jaro sehr zum Erstaunen des Soldaten ein. Dieser ließ ab von Alaryah, holte zu einer weiteren Ansage aus, doch atmete dann schwer aus. "Packt eure Sachen, in zwei Stunden brecht ihr auf.". Noch bevor Alaryah erneut protestieren konnte fügte er an: "Sie wird bei eurem Abschied zugegen sein, keine Sorge.". Wieder machte der Soldat kehrt und rauschte davon. "Was für ein...", begann Jaro und sah dann, dass Alaryah immer noch vor Wut brodelnd da stand. Sie hatte die Hände zu Fäusten geballt, dass die Knöchel weiß hervortraten und biss die Zähne fest aufeinander. Sturr schaute sie dem Soldaten hinterher. "Lass...lass uns gehen.", sagte Jaro leise, doch Alaryah reagierte nicht. Erst merkte sie auch nicht, dass er sie bei der Hand nahm. Das rötliche Funkeln in dem Beutel wurde etwas heller.

Jaro Ballivòr
"Komm..." Unbeholfen zog Jaro an Alaryahs Arm, in Kauf nehmend, dass ihr Zorn ihn als nächsten treffen konnte. "Mir gefällt es auch nicht, dass sie Kirona hier behalten... aber was sollen wir tun?" Verzweiflung ließ seine Stimme zittern. Die Möglichkeit einfach hier in Eichenhain zu bleiben breitete sich süß wie Honig in Jaros Geist aus. Ja, warum denn nicht? Der Alb hatte nicht erwähnt, wie lange sie Kirona benötigten. Allerdings hatte er ihren Aufbruch verlangt. Wieso? <Er weiß, dass wir keine Zeit verlieren dürfen>, schoss es Jaro durch den Kopf. Die Waldläufer wussten von Kironas Bedeutung. Mit Sicherheit hatten sie auch sonst schon vieles in Erfahrung gebracht. Wie viel, wollte Jaro sich nicht ausmalen. Aus irgendeinem Grund wollte er nicht, dass sie Krieger schlecht von ihnen dachten. Er widerstand dem Drang, Alaryah zu fragen, ob sie hier warten könnten. Stattdessen trat er näher an sie heran. "Alaryah... es hat keinen Zweck. Wir müssen unsere Sachen holen." Zögerlich tätschelte er ihren Rücken und zog dann noch einmal sachte an ihrem Arm. "Die Waldläufer scheinen den Eindringlingen ebenfalls auf der Spur zu sein. Vielleicht ist das unsere Chance ganz unbemerkt die letzten beiden... du weißt schon." Er sprach lieber nicht weiter. Wer wusste schon, wer alles zuhörte.

Alaryah Schattenwind
Ganz langsam viel die Spannung von Alaryah ab. Tatsächlich hatten Jaros Worte etwas Beruhigendes an sich. So ließ sich Alaryah von Jaro führen, wieder und wieder in die andere Richtung schauend. Wenn Kirona wirklich bei so eine große Hilfe sein konnte... Jaro hatte Recht. Warum hatte er Recht? Er sollte es nicht! Auch wenn es ihnen nicht gefiel, sie konnten nun nichts anderes tun als den Anweisungen zu folgen. "Wir treffen uns dann gleich hier wieder, ja?", fragte Jaro vorsichtig in der Nähe ihrer Unterkunft. "In Ordnung.", murmelte Alaryah und stieg bald darauf schweren Herzens die Treppe hinauf. Endlich hatten beide ihre Sachen gepackt, Kironas restliche Habe wurde von zwei Boten abgeholt. Wieder am vereinbarten Treffpunkt wartete Jaro bereits. Er schien etwas aus der Puste, doch wollte sich davon nichts anmerken lassen. "Wir müssen noch ein paar Vorräte besorgen.", sagte Alaryah dann und setzte sich in Bewegung. "Nein, warte.", sagte Jaro knapp und deutete auf ein weiteres Bündel. Alaryah schaute ihn erstaunt an. "Habe ich wirklich so lange gebraucht?". Tatsächlich hatte sich Jaro in Windeseile um Proviant gekümmert, während Alaryah trotzig ihre Sachen zusammengesucht hatte. "Oh das ist... ich meine... Gut gemacht, Jaro.". Alaryah fühlte sich in gewisser Weise ertappt und war leicht verlegen. "Verzeih meinen Wutausbruch vorhin. Ich wollte dir keine Angst machen, aber es hat mich fast zerrissen als sie uns getrennt haben.". Sie lächelte schwach. "Und danke, dass du mich beruhigt hast.".
Nachdem die beiden noch einmal ihre Ausrüstung auf Funktionalität, Reisetauglichkeit und Vollständigkeit überprüft hatten konnte die Reise weitergehen. Sie verließen den Ort und gerade, als sie den letzten Posten passierten erklang nicht weit entfernt ein Rufhorn. Sie sahen direkt in die Richtung, aus der das Signal kam. Dort oben, auf einem hölzernen Podest an der Seite eines massiven Baumes, standen Cywenna und Kalthair, in ihrer Mitte Kirona. Sie hob zum Abschied die Hand, Alaryah und Jaro ebenso. Vielleicht hatte es sich Alaryah auch nur eingebildet, aber es schien, als würde ihnen Kirona knapp und wohlwollend zunicken. "Sie ist sich sicher, dass wir es schaffen werden.", sagte Alaryah leise. Sie konnte es einfach spüren.

Jaro Ballivòr
Nicht ohne Stolz packte Jaro die Vorräte zu seinen restlichen Haben. Die Überraschung war geglückt und fühlte sich unerwartet gut an. "Ach das... ich finde es war richtig, dass du wütend warst. Wenigstens eine von uns! Was soll Kirona denken, wenn wir so etwas einfach stotternd hinnehmen, so wie ich?" Jaro brachte ein kleines Grinsen zustande.

Es war merkwürdig, sich von Kirona zu verabschieden. Die Entfernung machte es erträglicher, trug jedoch auch zu dem Gefühl bei, dass es nicht wirklich passierte.
"Und sie ist überzeugt, dass es so richtig ist", fügte Jaro an. Dieses Wissen tröstete ein wenig. Zu zweit loszugehen fühlte sich trotzdem merkwürdig an. Zunächst gingen sie schweigend. Der Tag war traumhaft. Golden fiel das Sonnenlicht durch die grünen Blätter und malte Muster auf Stock und Stein. Vögel zwitscherten, Insekten summten und die Luft roch süß und frisch. Nichts deutete darauf hin, dass dieses Idyll von dunklen Mächten bedroht war und noch weniger, dass Alaryah und Jaro sich mitten hinein begeben würden. Ein paar Mal blickte Jaro zu der Albin hinüber und lächelte im Versuch, die angenehme Stimmung möglichst lange aufrecht zu halten. Düstere Stunden und Bedrohungen kämen noch früh genug und nun waren sie nur mehr zu zweit, um sich gegenseitig darüber hinweg zu helfen. Zu zweit... Plötzlich fiel es Jaro wie Schuppen von den Augen. Ihr rascher Aufbruch hatte doch einen Vorteil: sie waren Linor los. Oder?

Alaryah Schattenwind
Nach und nach, in der Stille und Schönheit des Waldes, verzogen sich die tiefschwarzen Wolken aus Alaryahs Gedanken. Bald schon erwiderte sie das Lächeln von Jaro, der dabei erleichtert schien. <Wir schaffen das.>, sagte sich Alaryah in Gedanken wieder und wieder und fasste neuen Mut.
So bekam sie auch nicht mit, wie Jaro plötzlich an Linor dachte und ob er ihnen weiterhin folgen würde. Alaryah merkte auch nicht, dass Jaro stehengeblieben war und sich umgesehen hatte. Sie überquerte gerade einen flachen Bachlauf, indem sie von Stein zu Stein hüpfte, die aus dem leise plätschernden Wasser hervorragten. Die Sonnenstrahlen, die den Weg durch das Blätterdach gefunden hatten, wurden von der Oberfläche des seichten Gewässers golden reflektiert. Winzige Fische wuselten im Flussbett in kleinen Schwärmen umher, scheinbar auf der Suche nach Nahrung. Sie stoben auseinander, als Alaryahs Schatten über sie hinwegflog und sammelten sich wenige Augenblicke wieder. Schließlich war Alaryah auf der anderen Seite angekommen. "Jaro!", rief sie und winkte dem Alben zu, der noch immer auf dem schmalen Waldweg stand. "Jaro, hier drüben! Was ist denn los? Komm schon!". Alaryah schlenderte ein paar Schritte am Ufer auf und ab, beobachtete dabei die Fische und ihre Umgebung.
"War irgendwas, Jaro?", fragte Alaryah, als Jaro seinen Weg über den Bach gefunden hatte. "Du bist dort einfach stehen geblieben...hast du etwas gesehen?".

Jaro Ballivòr
Der Ruf seines Namens riss Jaro aus den Gedanken. "Hm?" Überrascht stellte er fest, dass Alaryah schon ein Stück voraus war und schnell eilte er nach. Die Albin sah verändert aus - zum Guten. Müdigkeit und Sorge war aus ihrem Gesicht gewichen und sie schien die Atmosphäre des leuchtenden Waldes geradezu in sich aufzusaugen. <Ich kann ihre Stimmung nicht schon wieder trüben.> Mit vorsichtigen Schritten überquerte er einen kleinen Bachlauf. "Nein, nichts, alles gut... ich war nur fasziniert vom Anblick der Bäume in Licht und Schatten." Erstaunlich leicht ging diese Lüge über die Lippen. Er konnte das Thema Linor später noch ansprechen. Noch war nicht der Moment dazu. Anstelle nochmals zurück zu blicken, folgte er mit den Augen dem Bachlauf. "Am besten wir bringen noch ein Stück Weg zwischen uns und den Ort, solange das Wetter schön und die Sicht gut ist. Was denkst du, welche Richtung sollen wir einschlagen?"

Alaryah Schattenwind
"Erst einmal gehen wir hier lang weiter.", bestimmte Alaryah und machte sich auf den Weg in Richtung Unterholz. Dort gab es nur einen kleinen Trampelpfad, der sich zwischen dicht stehenden Bäumen umherschlängelte. Sie folgten dicht hintereinander dem erdigen Weg, dabei immer auf ihre Schritte achtend. "Manchmal liegen hier Äste herum oder man findet den Eingang zu einem Kaninchenbau. Gute Stolperfallen, wenn du mich fragst.", erklärte Alaryah und wurde abrupt nach hinten gerissen. "Was zum...?!". Sie hatte sich mit Bogen und Köcher in einem tief herabhängenden Zweig verfangen und es dauerte etwas, bis die Reise fortgesetzt werden konnte. Immerhin konnte die Albin wieder lachen. Es schien jedoch, als würde ihre Umgebung den Klang ihrer Stimme schon fast verschlucken. "So...wenn ich mich nicht irre, dann müssten wir jetzt gleeeeich...", dachte Alaryah laut und bog erneut um die Ecke. "Wir sind da. Ich wusste doch, dass hier einer ist.". Vor ihnen ragte ein riesiger Baumstamm in die Höhe. Mächtige Wurzeln hatten sich hier in die Erde gegraben und es war deutlich zu erkennen, dass der Baum schon sehr, sehr alt war. Als die beiden näher traten konnten sie deutlich Schriftzeichen in der dicken Rinde erkennen. Es wurden gefühlt mehr und mehr, je näher sie kamen. Alaryah zog einen Dolch und sah zu Jaro hinüber.
"Dies ist ein "Baum des Reisesegens".", erklärte Alaryah und ging langsam rechts an dem Stamm entlang, dabei hatte sie die linke Hand auf die Rinde gelegt. "Früher haben die Alben hier oft Segens- und Glückwünsche für ihre Gefährten, Familien oder Freunde eingeritzt. Sie sollen Glück und Schutz auf ihren Reisen gewähren und für eine sichere Heimkehr sorgen.". Alaryah las ein paar der Sprüche vor. Irgendwann musste sie sich selbst unterbrechen und schluckte einen Klos im Hals hinunter. "Wir sollten auch einen Spruch hier hinterlassen. Für unsere Reise und ein Wiedersehen mit Kirona.".
~ Die größte Offenbarung ist die Stille ~

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