Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. Während die Urvölker auf Altbewährtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimbünde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Der Hilferuf

Cynabal ist eines der sieben Relikte aus der Alten Zeit. Seine Funktionsweise ist bis heute nur Bruchstückweise entschlüsselt. Die frostalbischen Spezialisten vom Ordo Oculum gehören zu den wenigen Auserwählten, welche ein Tauchschiff erwecken und steuern können.
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Hinalir Schneegriesel
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Der Hilferuf

#1

Beitrag von Hinalir Schneegriesel » So 1. Apr 2018, 14:12

Der Hilferuf


Zyaprio musterte nervös die Anzeigentafel der sie verfolgenden Feinde. Sein Blick wechselte wie der aller anderen der Brücke zwischen Tafel und ihrem Inspektor.

Hinalir zeigte keinerlei Gefühlsregung. Ob er sich ärgerte, wütend war oder wie die meisten von ihnen auf Grund der Überzahl der Feinde vielleicht sogar Angst hatte, konnte man seinem Gesichtsausdruck nicht entnehmen. Das einzige was zu sehen war, war Hochkonzentration.

Auf der Brücke war es so leise, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören. Keiner der Brückenoffiziere wagte diese Stille zu durchbrechen. Allerhöchstens den Stablern des Inspektors stand dies zu, und diese hielten sich bedeckt.

Die Cynabal pflügte weiterhin mit Höchstgeschwindigkeit durchs Meer, die Bewaffnung auf maximale Leistung hochgeschraubt und unter rotem Alarm.

Das Schiff war in Gefechtsbereitschaft. Aber bei der Anzahl der sie verfolgenden Flotte wäre jede direkte Konfrontation ein Kamikaze-Fahrt.

Was Hinalir suchte war ein Eisfeld. Keiner wäre so wahnsinnig mit voller Geschwindigkeit in ein Eisfeld zu pflastern. Selbst in Standgeschwindigkeit wäre dies schon eine Selbstmordaktion. Einzig allein Frostalben nutzten diese Fluchtmöglichkeit.

Die Cynabal wurde nicht nur von einem Frostalben gelenkt, sie war vollbesetzt mit Frostalben. Und diesen sagte man nicht nur Sturheit, sondern auch Wahnsinn nach.

Aber nicht nur dass, die Cynabal war, wie jedes Tauchschiff etwas – dass man umgangssprachlich einen Schubser nannte.

Sie konnte ein oder mehrere Kräftefelder aktivieren um andere Schiffe aus dem Weg zu drücken ohne selbst Schaden zu nehmen. Oder wenn man clever und geschickt genug war und sich mit so einem Schiff richtig auskannte, konnte man Feindschiffe ineinander „schubsen“ oder das Kräftefeld so manipulieren, dass man sich selber einen Anstoß gab und mit dem Schiff so etwas wie ein Knock Down Start hinlegte, der die Feinde nur noch die Nachbrenner der Antriebe für Millisekunden sehen ließ, bevor man schneller als jedes andere Schiff sich selbst auf Höchstgeschwindigkeit katapultierte.

Die ersten gewaltigen Eisbrocken tauchen vor dem BrĂĽckenfenster auf.
Die Kanoniere waren bereit notfalls den Weg frei zu sprengen.

„Dämpfungsfeld auf Maximum um die Außenhülle. Kraftfeldverstärker ein – auf Warteposition“, befahl Hinalir seinen Brückenoffizieren, die dem Befehl umgehend nachkamen mit gebrüllten „Ja Inspektor“.

Die Cynabal schob sich in das Eisfeld.

Die gewaltigen Eisbrocken kamen dem Schiff bedrohlich nahe.
Einige von ihnen berührten fast die Hülle wurden vom Dämpfungsfeld allerdings sofort abgestoßen und so vom Schiffe genau in die andere Richtung gedrückt.

„Das endet in Billard oder Domino“, warf Meetra von der anderen Seite des Commandosessels aus ein.

„Domino… Kettenreaktion… warum nicht Meetra?“, grinste Hinalir und behielt dabei einige Fregatten im Auge die es gewagt hatten dem Relikt in das Eisfeld zu folgen.

„Nachbrenner zünden auf Umkehrschub zum Bremsen. Zwei Kraftfelder übers Heck backbord, ein Kraftfeld unmittelbare Front und sofortiges Feuer. Bei Räumung Schub auf Maximum und raus hier“, befahl der Inspektor.

Wieder wurde der Befehl umgehend umgesetzt.

Die Eisberge hinter ihnen wurden von den Kraftfeldern angestoĂźen. Wie in einer Ping-Pong-Reaktion knallten sie gegen andere Eisberge. Die Kettenreaktion lieĂź erst zwei, vier und immer mehr Eisberge in einem grauenvollen Tanz gegeneinander knallen und abprallen um wieder andere anzustoĂźen.

Das Ganze von oben betrachtet hätte man für ein riesiges Billardspiel halten können.

Zeitgleich feuerte das Schiff frontal ein Kraftfeld ab. Die gewaltige Schubkraft bei Feuerung stieĂź die Eisbrocken vor ihnen einfach gerade aus. Wie ĂĽberdimensionale Kanonenkugeln rasten die Gesteinsbrocken los.

Sofort zündeten die Nachbrenner und das Schiff raste den Eisklumpen hinterher, die für es den Weg frei räumten wie eisige Planierraupen.

Die Fregatten hinter ihnen hatten keine Chance. Weder verfügten sie über Dämpfungsfelder die die Außenhülle durch Rückstöße schützen, noch hatten sie bei der Anzahl der nun wild durcheinander rasenden und abprallenden Eisberge noch eine Chance vorsichtig durch das Eisfeld zu fahren.

Während die Cynabal nach vorne wegschoss, hinterließ sie hinter sich todbringendes Chaos.

Während das Relikt aus den letzten kleinen Gesteinsbrockenfeldern ins Freie schoss, brach Jubel auf der Brücke aus. Wieder hatten sie es den Rundohren gezeigt.

Selbst Inspektor Hinalir verkniff sich sein Grinsen nicht im Geringsten.
Obwohl er nicht glaubte dass die Sache schon vorĂĽber war.

Hätten die Menschen gewusst, dass wen sie vor den Mündungsrohren gehabt hatten, hätten sich die Rundohren sicher etwas mehr ins Zeug gelegt.

Aber es war schon immer von Vorteil gewesen, einfach unterschätzt zu werden.
Ein kleines Schiff von nicht mal 200 Meter war keine Gefahr, bis man merkte was das Schiff wirklich drauf hatte.

Es war meist das Letzte was man merkte wenn man je die Machtdemonstration eines Reliktes zu spĂĽren bekam.
Sie waren eine Weile unterwegs, als sich die Verfolger erneut an ihre Fersen hefteten.

„Inspektor wir sind fast im rechtsfreien Raum, Skille ist hier in der Nähe“, teilte einer der Brückenoffiziere mit.
„Wunderbar. Leiten sie den Notfallmodus ein. Wir passieren und docken an – wir brauchen eine Platzzuweisung und zwar umgehend“, befahl der Inspektor.

„Inspektor wir landen an? Wir gehen an Land?“, fragte der Offizier lieber nochmal sicherheitshalber nach.
„Richtig. Ich lande an. Sie werden es nicht wagen uns zu verfolgen. Befehl umsetzen sofort“, befahl Hinalir.

Die Flotte der Menschen war schnell. Schneller als man ihren unförmigen Schiffen zutrauen würde. Aber wie fast jeder Frostalb wusste, hatten die angeblich ach so friedlichen Menschen eine der stärksten Flotten. Stark was Reichweite, Leistung und Bewaffnung betraf.

Langsam aber sicher holten die Verfolger auf.

Hinalir schaute auf die Anzeige der Verfolger und auf seinen Statusbildschirm. Nach kurzer Überlegung löste er Evakuierungsalarm für die unteren Sektionen aus.

Mit monoton-freundlicher-Cyber-Stimme wandte sich das Schiff persönlich an die Besatzung.

„Warnung, die unteren Bereiche D, E, F und G werden evakuiert.
Schottenschluss mit Anschluss-Versiegelung in 2 Minuten.
Warnung… Schottenschluss in

1:59…
1:58…
1:57…

zählte die technische Frauenstimme den Countdown runter.

„Lebenserhaltungssysteme auf Minimum.
Abdunkeln bis auf Notbeleuchtung.
Umleitung aller frei werdenden Energien sofort in den Antriebskern!

Nase der Cynabal auf 90 Grad runter, wir setzen Kollisionskurz auf Skille“, befahl Hinalir.

Kaum waren die letztens Schotts mit dumpfem hydraulischem Grollen eingerastet machte das Schiff einen gewaltigen Satz nach vorne.

„Tempo?“, hakte Schneegriesel nach.
„K 1,6 steigenden Sire“, antwortete einer der Brückenoffiziere.

„Steigend? Wir werden langsamer?“, fragte Hinalir baff.
„Nein Sire schneller“, antwortete der Mann grinsend.
„Super danke für die Schock-Sekunde. Nächstes Mal nur die Zahl – ich höre“, antwortete der Inspektor.

„K 1,4 – wir bewegen uns auf K 1,3 zu und haben es erreicht. K 1,2 in wenigen Sekunden…“, erstattete der Mann Bericht.

Vor dem Schiff tauchte die Insel Skille auf. Das Relikt schoss wie ein riesiger Pfeil an den kleineren Inseln vorbei und hielt direkt auf die große Landfläche zu.

„Volles Dämpfungsfeld Bug, Umkehrschub geviertelt 25% - Maximalleistung bei sofort! Trägheitskompensatoren aus, künstliche Lebenserhaltung aus, sichern Sie sich!“, befahl Hinalir.

Das Schiff raste noch einige Sekunden weiter Richtung AbtrĂĽnnigeninsel.

Mittlerweile füllte die Insel das komplette Brückenfenster, als schlagartig ein gewaltiger Ruck durch das ganze Schiff ging, als wäre dies vor eine unsichtbare Mauer geprallt.

Die Fahrt des Schiffes kam binnen Sekunden fast zum Stillstand. Allerdings hörte man nun ein grauenvolles Ächzen und Stöhnen als das Material an den Rand seiner Leistungsfähigkeit gebracht wurde.

Die Nase der Cynabal senkte sich noch etwas weiter herab und färbte sich dann glühend rot, als dass Schiff etwas nach vorne absackte und wieder Fahrt aufnahm. Was sonst die Trägheitskompensatoren ausglichen spürte die Besatzung nun schlagartig.

Gewaltigen Kräften war das Schiff ausgesetzt. Es holperte und schlingerte und sie wurde dermaßen hart durchgeschüttelt, dass sie nur ihr Training im Simulator davor bewahrte sich nicht zu übergeben. Nach einiger Zeit hatte man fast das Gefühl dafür verloren wo oben und unten war.

Wie auf ein unsichtbares Zeichen hin schossen alle Köpfe Richtung Commandosessel.

„Scheiße was ist das?“, fragte Meetra mehr als nervös.
„Das nennt man Erdanziehungskraft – oder wie ich dazu sage… Freier Fall!“, schnauzte Hinalir.

„Aha. Wir sind tot“, stellte Meetramedani trocken fest.
„Wir sind tot wenn ich es befehle!“, bellte Hinalir und wandte sich an die Brückenoffiziere.

„Nase der Cynabal nach oben – und Nachbrenner auf voll Leistung. Wir bremsen mit der Bauchseite ab – zügig!“, befahl Inspektor Schneegriesel schneidend.

Erneut ächzte das Schiff auf als wäre es ein Lebewesen mit ungeheuren Rückenschmerzen. Die Nase des Schiffes hob sich langsam und stetig, so als hätte es sich statt durch Luft durch zähen Sirup zu kämpfen. Dann endlich war es in der Waagerechten.
Immer noch stürzten sie förmlich der Insel entgegen, mittlerweile konnte man einzelne Häuser schemenhaft erkennen.

„Inspektor ich glaube wir können die Koordinaten beibehalten!“, informierte ein Crew-Mitglied.
„Richtig, wir klatschen zielgenau auf in den Haupthafen… na wenigstens sterben wir nicht einsam“, kommentierte Meetra, was ihm einen giftigen Blick seines Bosses einbrachte.

„Vier Dämpfungsfelder umwandeln in Verdrängungsfelder. Sofort damit unter das Schiff!“, brüllte Hinalir seine Befehle.

Kaum umgesetzt wurde das Schiff nun schlagartig langsamer.

Je näher sie der Insel kamen, je dichter und fester wurde die Verdrängungsfelder und federten die Ladung des Relikts ab. Mit einem letzten kleinen Rums landete die Cynabal an.

Das erste Mal dass die Cynabal Skille berĂĽhrte und dass ein Relikt in einem Hafen "parkte".

Mit Anlanden brach die Mannschaft für ihren Inspektor und ihre Brückencrew in Jubel aus. Hinalir löste seine Haltegurte und ließ sich im Sessel runter sinken, während Meetra ihn beruhigend eine Hand auf die Schulter legte.

„Meetra geh raus und lös Tagesticket, ich denke wir bleiben hier heute stehen“, lachte Hinalir.

Dann erfolgte der Hilferuf…

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